FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 123
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Dienstag, 3L Mai 1932.
Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk Frankfurt a. M 4051.
lnitg. 59.
Das Kabinett Brüning zurückgetreten.
Reichspräsident v. Hindenburg will es mit einem Rechtskabinett versuchen. — Die bekannten Führer des oft* * preußischen Großgrundbesitzes werden als Reichskanzler-Kandidaten genannt. — Vrüning bleibt auch nicht Außenminister. — Lobe wird von Hindenburg empfangen. — Drei Wochen vor der Lausanner Konferenz ist wenig Zeit zu verlieren. — Vrüning war zwei Jahre und zwei Monate Reichskanzler.
; Der Reichspräsident von Hindenburg traf am sonntagmorgen um sieben Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge wieder in Bersin ein. Um elf Uhr empfing er den Reichskanzler zu der vorgesehenen Aussprache über die gesamtpolitische Lage. Die Aussprache fand unter vier Augen statt. Ueber das Ergebnis der Besprechungen wurde nichts bekannt gegeben, sondern nur mitgeteilt, daß am Montag um 12 Uhr weiter verhandelt werden sollte. Die Hugenberg nahestehende TU. veröffentlicht inzwischen Meldungen, die von unüberbrückbaren Gegensätzen in den Auffassungen zwischen Kanzler und Reichspräsident sprechen.
Das Reichskabinett trat vor der für Montag mittag anberaumten zweiten Unterredung des Reichskanzlers mit dem Reichspräsidenten zu einer Beratung zusammen.
Am Montag kurz nach 12 Uhr lief bereits folgende Meldung ein:
cnb. Berlin, 30. Mai. (Eig. Meld.) Wie nstr erfahren, hat Reichskanzler Dr. Brüning dem Reichspräsidenten bei dem für heute anzesetzten Empfang dieGesamtdemissiondes Reichskabinetts überbracht. Der Reichspräsident hat die Demission angenommen.
Der Herr Reichspräsident beauftragte die bisherige Reichsregierung mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte.
♦
Zwischen Brüning und dem- von seinem Erholungsausflug nach Neudeck in Ostpreufeen zurückgekehrten Herrn von Hindenburg haben also ditz mit Spannung erwarteten Besprechungen den Ausgang genommen, den man nach den hier wiederholt gegebenen Informationen vermuten mufete. Drei Wochen vor Lausanne wird nun unter der verantwortlichen Führung des Reichs- präsidenten von Hindenburg und seiner geheimen Berater ein neuer Weg eingeschlagen werden. Brüning macht ihn nicht mit, und aus der deutschen Zentrumspartei, die bisher unter größten Opfern, aus Vaterlandsliebe, mit zusammengebissenen Zähnen schwieg, wird man Heinrich Brüning ein kräftiges Bravo zurufen. Klarstellung der Verantwortungen! Mögen die Herren der „Nationalen Opposition" nünmehr zeigen, was sie in dieser deutschen Not Positives zu leisten imstande sind.
*
Aus Berlin verbreitet WTB. folgende Meldung: CNB. Berlin, 30. Mai. (Eig. Meldg.). Die Nachricht von dem Rücktritt des Reichskabinetts kommt den politischen Kreisen nicht mehr überraschend, nachdem bereits bekannt geworben war, daß sich in der Sonntags-Besprechung zwischen dem Kanzler und dem Reichspräsidenten nicht Me Möglichkeit einer weiteren fruchtbaren Zusammenarbeit b o t. Angesichts der Volksstimmung, (sic), die eine stärkere Drehung der verantwortlichen ReichspcMilk nach rechts wünscht, hielt der Reichspräsident eine neue Notverordnung auf der Basis eines Kabinetts Brüning nicht mehr für tragbar. Diesen Eindruck von Hindenburgs Ansichten dürfte der Kanzler bereits in der gestrigen Besprechung gewonnen haben, die ja übrigens auch nur von kurzer Dauer war. Damit hatte die heutige Kabinettssitzung, die um 11 Uhr begann, nur noch den Zweck, den offiziellen Rücktrittsbeschluß des G e- samtkabinetts herbeizuführen, den der Kanzler dem Reichspräsidenten in der Mittagsbesprechung überbringen konnte.
„In politischen Kreisen wird übrigens größter Wert auf die Feststellung gelegt, daß zwischen dem Reichspräsidenten und dem Kanzler keine persönlichen Differenzen bestehen, und daß die großen Verdienste Brünings gerade im Augenblick seines Rücktritts voll gewürdigt werden Da- dürfte auch in dem Abschiedsschreiben des Reichspräsidenten an den Kanter zum Ausdruck kommen. Auf der anderen Seite dürfte Dr. Brüning selber auf der Standpunkt stehen, daß die Wahl für den Eeneralfeldmarschall von Hindenburg unter dem Gesichtswinkel geführt worden ist,' eine starke und strakfe Führung an der Spitze des Reiches zu sehen. Es ist selbstverständlich, daß er sich den Entscheidungen dieser Führung sofort unterordnet."
Diese Sätze der offiziösen Verlautbarung sind offenbar von Herrn Meißner formuliert worden. Es wird fid> hoffentlich auch für Herrn Brüning selbst noch Gelegenheit finden, sich zu äußern, jedenfalls erwartet die Anhängerschaft der deutschen Zentrumspartei, die auch die Rleichsverfassung mit ehrlicher Ueberzeu- gung bejaht, eine unzweideutige Klarstellung
*
Reichskanzler Dr. Brüning ist genau 2 Jahre und 2 Monate im Amte gewesen. Nach dem
Sturz des Kabinetts Müller am 27. März 1930 gelang es ihm, fein erstes Kabinett zu bilden, das bis zum 7. Oktober 1931 im Amte blieb. Schon wenige Monate nach der Bildung feines ersten Kabinetts, das bei der Ablehnung des bei seiner Vorstellung eingebrachten Mißtrauensvotums über eine Mehrheit von 66 Stimmen verfügen konnte, kam es zur ersten personellen Veränderung insofern, als der damalige Reichsfinanzminister Prof. Moldenhauer zurücktrat und am 26. Juni 1930 durch Reichsfinanzminister Dr. Dietrich ersetzt wurde. Die Arbeiten des Kabinetts Brüning standen von Anfang an im Zeichen der schweren Wirtschaftskrise.
In Verfolg der internationalen Auseinandersetzungen um die deutsch-österreichische Zollvereinbarungen kam es am 6. Oktober 1931 zum Rücktritt des Reichsaußenministers Dr. Curtius und einen Tag danach zur Gesamtdemission des 1. Ka- binetts Brüning. Dr. Brüning wurde sofort mit der Neubildung der Regierung beauftragt, und es gelang ihm schon in zwei Tagen, sein neues Kabinett zu bilden, das nur einige Veränderungen gegenüber dem 1. Kabinette aufmies*.
Wer wird Nachfolger?
Natürlich befchästigt man sich jetzt vor allem mit dem Problem der Nachfolge. Fest steht bisher aber nur, daß der Reichspräsident ein Kabinett berufen will, das seiner ganzen Struktur nach ,gv eit er rechts" eingestellt ist. Vollkommen ungewiß ist noch, wer der neue Kanzler fein wird. In der Oesf'entlichkehsi-ist ja bereits eine Reche von Namen gemntfiFmwrben. Sie tauchen auch heute mittag wieder auf. Es scheint, daß die meisten Chancen für den Ostpreußen Freiherrn von E a y l, den ostpreußischen Großgrundbesitzer Brandes und für den Grafen Westarp vorhanden sind. Neben diesen personellen Fragen diskutiert man in politischen Kreisen auch die, wie das neue Kabinett im Reichstag eine Mehrheit finden könne. In diesem Zusammenhang wird natürlich auch die Möglichkeit einer späteren Reich stagsauflösung erörtert. Alle Zukunftsaussichten hängen jedoch zunächst von der Entscheidung ab, die der Reichspräsident über die Persönlichkeit des neuen Kanzlers trifft. Auf diesen Punkt ist im Augenblick das Hauptinteresse gerichtet, zumal man sich in allen politischen Kreisen darüber klar ist, daß die Kabinettskrise schon mit Rücksicht auf die dicht bevorstehende Lausanner Konferenz so bald wie möglich zum Abschluß gebracht werden muß. Wie die Dinge liegen, ist übrigens nicht damit zu rechnen, daß Dr. Brüning dem neuen Kabinett als Außenminister angehören wird. Er sieht es vielmehr nur noch als seine Aufgabe an, sein Amt in die Hände des Reichspräsidenten zurückzulegen.
♦
CNB. Berlin, 30. Mai. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, wird der Herr Reichspräsident sofort mit den Besprechungen über die Neubildung der Reichsregierung beginnen. Es ist anzunehmen, daß er zunächst eine Besprechung mit dem Reichs- fagspräsidenten Löbe haben und im Anschluß daran die Führer der Reichstagsparteien nach der Stärke der Fraktionen empfangen wird.
*
Um 5,30 Uhr findet ein Empfang der sozialdemokratischen Parteiführer Wels und Dr. Breitsch eid beim Reichspräsidenten statt. Als nächststarke Reichstagsfraktion sollte dann die Nationalsozialistische eingeladen werden. Der Führer dieser Fraktion, Dr. Frick, ist jedoch noch nicht von München in Berlin eingetroffen. Man muß damit rechnen, daß der Empfang der nationalsozialistischen Parteiführer erst am D i e n s t a g f r ü h zustande kommt.
Die Sozialdemokraten halten nachmittags unmittelbar vor den Besprechungen des Reichspräsidenten eine Sitzung des Fraktionsvor- st a n d e s ab.
Schärfste Töne in Frankreich.
Sowohl Herriot wie Painleve haben erneut zur französischen Außenpolitik Stellung genommen. Der radikalsozialistische Parteiführer und zukünftige Ministerpräsident schreibt in der Lyoner Zeitung „Democrate", die Lage Deutschlands erscheine sehr bedrohlich. Es sei nicht unmöglich, daß die Hitlerleute das Zentrum ihrer Organisation und ihrer politischen Aktivität nach Danzig verlegt hätten. Es werde gegen Polen gehetzt, als ob man eines Tages einen Vorstoß gegen den Korridor unternehmen wolle. Der Haushalt des Reiches sei in schlechter Sage. Trotzdem fordere der Reichs wehrminister Kredite für den Bau des Panzerkreuzers „C". Die deutschen Heeresausgaben von 1932 müßten sehr genau geprüft werden. Ebenso sei es notwendig, die Umtriebe des Generals von Schleicher zu überwachen.
I Die letzten Reden des Reichskanzlers Brüning seien I nicht so, daß sie die Ausgaben der Unterhändler in Lausanne erleichterten. Die Veröffentlichung der Stresemannschen Aufzeichnungen gebe sehr zu denken. Deutschland beklage sich ständig. Es sei jedoch wichtig, im Auge zu behalten, daß die Steuerlasten je Kopf der Bevölkerung in Frankreich 48 Dollar und in Deutschland nur 35 Dollar ausmachten. Die Lage Frankreichs werde "on Tag w Tag ernster. Man muffe daher wachsamer denn je fein.
Der frühere Ministerpräsident und wahrscheinlich zukünftige Kriegsminister Painleve hat am Sonntag in Rouen eine Rede gehalten, in der er sich ganz besonders mit der Tribut- und Schuldenfrage beschäftigte. Er führte u. a. aus, daß Frankreich sich selbstverständlich weigere, eine Auseinandersetzung über feine verbrieften Rechte aus freiwillig übernommenen Verträgen zuzulassen. Ganz besonders weigere es sich, die einseitige Vertragsverletzung hinzunehmen und sich die anmaßende Behauptung aufzwingen zu lassen, daß es von Deutschland schon mehr erhalten habe, als ihm zukomme. Wenn die Rechte Frankreichs jedoch in vollem Umfange anerkannt Würden, fei es in bezug auf ihre Durchführung zu einem großzügigen Entgegenkommen bereit. Niemand bestreite außerdem, daß Deutschland unter den augenblicklichen Verhältnissen zahlungsunfähig sei. Man werde für längere Zeit auf einen Teil der deuffchen Zahlungen verzichten müssen. Die beste Lösung sei die allgemeine Liquidation aller europäischen und amerikanischen Verpflichtungen. Um jedoch zukünftige Schwierigkeiten zu vermeidet, könne man gewisse Maßnahmen ins Auge fassen, so z. B. die Schaffung einer Kompensationskasse. Wenn die Hitlerbewegung in Deutschland den Geist des Jahres 1813 wieder aufleben lasse, so müsse Frankreich kaltblütig bleiben. Frankreich sei zur Wrüstung bereit, jedoch nur in den Grenzen, die ihm fein Bedürfnis nach Sicherheit ziehe.
♦
Nach einer Meldung des „Nationalsozialistischen Zeitungsdienstes" hat der Oberreichsanwalt erklärt, daß das ihm seinerzeit von der preußischen Regierung zugeleitete Material gegen die SA. die völlige, Haltlosigkeit der Landesverrats'anklage gegen irgendeine Stelle der nationalsozialistischen Partei ergeben habe. Ein Verdacht des Landesverrats habe sich aus keinem der Schrfffftücke herleiten lassen, so daß das Verfahren eingestellt worden sei.
Selbstverständlich bestätigt sich diese Meldung.
*
wtb. London, 30. Mai. (Eig. Meldg.). Adolf Hitler gewährt dem Daily Sketch eine Unterre
dung, in der er erklärte, er würde volles Vertrauen zum Völkerbund haben, wenn die Franzosen veranlaßt werden könnten, ihre Heeresstärke auf 100 000 Mann herabzusetzen und auf die Waffenarten zu verzichten, die Deutschland verboten sind.
wtb. London, 30. Mai. (Eig. Meldg.). In einem Interview mit der „Daily Mail" spricht der englische Premierminister für die Erweiterung der Lausanner Konferenz durch Einbeziehung der Fragen des internationalen Schiffhandels aus.
*
Der „Daily Herold" fordert die sofortige Einberufung der Welt-Währungskonferenz nach Lausanne, zu der auck die Bereinigten Staaten eingeladen werden sollen.
Der „Veteranen-Vonus".
wtb. Washington, 30. Mai. (Eig. Meld.) In den letzten Tagen sind etwa 2000 ehemalige Kriegsteilnehmer in Washington eingetroffen, um zugunsten der Anträge auf sofortige ■ Aus.zah - luno Fes Gesamtbetrages der den ehemaligen Kriegsteilnehmern zugebilligten Entschädigung des sogenannten Veteranen-Bonus zu demonstrieren. Die Anträge, die von einzelnen Senatoren urtb
Bischof Dr. Schreiber erkrankt.
cnb. Berlin, 30. Mai. (Eig. Meld.) Der Bi- schof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, ist in der Nacht vom Samstag zum Sonntag erkrankt. Er erlitt einen Schwächeanfall, der ihn zur Unterbrechung seiner Arbeit zwang. Voraussichtlich wird er noch längere Zeit ans Bett gefesselt fein.
Mitgliedern des Repräsentantenhauses mit großer Leidenschaftlichkeit vertreten werden, begegnen bekanntlich bei überwiegendem Teil des Kongresses sowohl wie der öffentlichen Meinung heftigster Opposition, da ihre Annahme die tiefgehendsten Währungs- und finanzpolitischen Folgen haben müßte. In den nächsten Tagen sollen in allen Landesteilen weitere Abordnungen von Kriegsteilnehmern eintreffen.
* 3m Zusammenhang mit den Wirtschafts- und Finanzschwierigteiten Rumäniens ist der rumänische Gesandte in London, Titulesku, nach Bukarest berufen worden. , । , ■
Brünings Ansehen in der Veit.
„Hur reinstes Pflichtgefühl kann einen normalen Menschen auf dem undankbaren posten des deutschen Reichskanzlers zu bleiben veranlassen". — Ein Engländer über Brüning.
wtb. London, 30. Mai. (Eig. Meldg.). Der I liberale „News CHronicke" erörtert in feinem Heu- I tigen Leitartikel den gestrigen Besuch des deutschen Reichskanzlers beim Reichspräsidenten von
Hindenburg und erklärt, das Ergebnis der Aussprache, das noch nicht feststehe, werde vielleicht von entscheidender Wichtigkeit nicht für die Zukunft Deutschlands, sondern auch für das Schicksal von Millionen von Menschen außerhalb der deutschen Grenzen sein. Dem Vertrauen in Europa könnte gegenwärtig kaum ein schwererer Schlag versetzt werden als der Rücktritt des Mannes, der als einziger deutscher Staatsmann seit dem Kriege das völlige Vertrauen anderer Nationen — Frankreich nicht ausge- schlossen —in d i e Ehrlichkeit seiner Politik und in seine Fähigkeit zur Durchführung dieser Politik gewonnen und sich bewahrt habe.
Ueber die Persönlichkeit des deuffchen Reichskanzlers selbst bringt heute „News Chronicle" einen Artikel aus der Feder Wilson Harris', der erklärt, Dr. Brüning sei der eittiiae Mann, der Deutschland vor Anarchie, Bankrott und auswärtigen Verwicklungen bernähren könne. Was ihn auf feinem Posten verharren lasse, fei reinstes Pficht- gefühl, denn ohne dieses Gefühl würde heute
kein normaler Mensch auf dem undankbaren Posten des deutschen Reichskanzlers
bleiben, außer, er werde von Ehrgeiz und Machtgier getrieben, und niemand, der jemals den Reichskanzler persönlich kennen gelernt habe, werde
Dr. Brüning diese Eigenschaften zuschreiben. Die Stabilität in Deutschland beruhe heute auf der Beibehaltung der bemerkenswerten Ueberein» ftimmung zwischen Reichspräsidenten und Reichskanzler. Die Hauptgefahr, die gegenwärtig den politischen Horizont verdüstere, sei die Ungewißheit, ob Präsident von Hindenburg die neuen Spar- und Steuermaßnahmen des Kanzlers billigen werde oder nicht. Das Ergebnis der heutigen Unterredung könne kaum zweifelhaft fein. Es fei undenkbar, daß Hindenburg bereit fein sollte, Brüning kaum dreiWo- chen vor Lausanne durch einen an de- ren zu ersetzen. Der Verfasser fügt hinzu: allerdings würde nicht einmal der Reichspräsident Dr. Brüning halten können, wenn der Kanzler mit leeren Händen von Lausanne zurückkehrte. In diesem Falle wäre die Zeit derHitler- Leute gekommen, und ihnen würden nach kurzer Zeit die Kommunisten folgen. Der Verfasser stellt abschließend fest, das, was Deutschland auf dem Gebiete der Reparationen und der Rüstungen aus Rücksicht auf sich selbst fordere, entspreche auch den Interessen der Menschheit. Er verlangt daher eine aktive britische Außenpolitik, die im gegenwärtigen Augenblick das Einzige sei, was Europa retten könnte und gleichzeitig auch die Stellung Dr. Brünings. Das fei aber wichtig, da Macdonald, Herriot und Brüning in der Lage seien, notwendigere und wichtigere Taten zu vollbringen, als sie selbst von ihren drei Vorgängern in Locarno geleistet wurden.