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Amtliches kreisblatt

laltfl. 59.

Samstag, 28. Mai 1932

jtt. 121

jähre erhöht.

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rufen worden.

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Unzutreffende Gerüchte über Minister - Ernennungen

Der Präsident des litauischen Direktoriums. Sirnaitis, hat dem neuen Gouverneur den Rück­tritt des Direktoriums mitgeteilt. Der neue Me­melländische Landtag ist für den 4. Juni embe-

Prof. Dr. Karl Benda, der Berliner Pathologe von Weltruf, ist auf einer italienischen Reise plötzlich gestorben. Professor Benda hat bahnbrechende Arbeiten auf dem Ge- biet der pathologischen Eewebeforschung und Ana­tomie geleistet.

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DD.Z Berlin, 27. Mai. (Eig. Meld.) Im so­zialpolitischen Ausschuß des Reichstages gab Mi­nisterialdirektor Dr. Grieser vom Reichsarbeits- ministerium einen Bericht über die La g e der Sozialversicherung. 9n der Inva- lidenversicheruna beträgt nach feinen Mitteilun­gen das monatliche Aufkommen an Beiträgen nur noch 54 Millionen gegen 70 Millionen im Jahre 1931. Die Ausgabenverpflichtungen für Heilver­fahren blieben fedoch etwa die gleichen. Die Aiis- gaben für Renten stiegen sogar um etwa 70 Mil­lionen im Jahre. Zur Zeit ergebe sich in le­dern Monat ein Fehlbetrag von 28 | Mill. Bisher sei die Invalidenversicherung ihren Verpflichtungen dadurch nachgekommen, daß sie zur Deckung ihre Vermögenswerte heran­gezogen habe. Auch am 1. Juni wurden che Renten unverkürzt ausgezahlt werden. D-e schwierige Lage sei eine unvermeidliche Rückwir­kung aus dem allgemeinen Niedergang der Wirt-

| schäft.

Was geht im Osten vor?

Verstärkung des militärischen Schutzes in Ost­preußen.

Das Wehrkreiskommando I in Königsberg teilt mit, die dauernde Bedrohung der vom Reich ab- qetrennten Provinz habe das Reichswehrmmiste- rium veranlaßt, ihre Verteidigungsfähig­keit im Rahmen des durch das Versailler Dik­tat Erlaubten zu verbessern. Hierfür zur Ver­fügung gestellte Mittel würden zur V erst ar- kunq des sogenannten ^,H e il sb e ra er Dreiecks" benutzt, um . der Abwehrkraft der Provinz ein weiteres Rückgrad zu geben. Die er­forderlichen Geländeverstärkungen würden zum 1 größten Teil an provinziale Baufirmen vergeben

nannt. Mr glauben zu wissen, daß Dr. Gördeler seinen eigenen Wünschen entsprechend für die Leitung dieses Ressorts überhaupt nicht mehr in Frage kommt. Außerdem bezeichnet man General Hasse, den Chef des Gruppenkommandos I, be­reits als Reichswehrminister. Gewiß ist es mög­lich, daß dieser erfahrene und überaus geschätzte Offizier als erster für die Leitung des Reichswehr­ministeriums in Frage kommt. Es muß aber mit allem Nachdruck betont werden, daß die Entschei­dung darüber beim Reichspräsidenten liegt, der nach der Verfassung die Minister nach Vorschlag des Reichskanzlers ernennt. Welche Persönlichkei­ten der Präsident berufen wird, darüber wird wohl auch erst am Sonntag gesprochen werden. Das ergibt sich schon ganz selbstverständlich aus dem starken aktiven Einfluß, den Reichspräsident von Hindenburg nach feiner Wiederwahl auf die

I Reichspolitik ausübt.

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: ,,Die Welt tm Bild" undVuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

In diesem Augenblick ist es von Wichtigkeit, daß eine starkeReichsregierung auf dem Po­sten ist. In Börsenkreisen nicht nur Berlins, son­dern auch im Reich, waren am Donnerstag Ge­rüchte über einen Rücktritt Dr. Brünings verbrei- tet Man. kolportierte sogar schon Namen angeb­licher Nachfolger. Wir können feststellen, daß diese Gerüchte v o l l k o m m e n f a l s ch s i n d. Im Ge- qenteil sprechen sogar die stärksten sachlichen Gründe dafür, daß der Kanzler weiter tm Amte bleibt. Dieser Eindruck wird als das Ergebnw per Besprechung bestätigt, die Staatssekretär Meiß­ner in Neudeck mit dem Reichspräsidenten gehabt hat. Der Reichspräsident hat eine Reihe von Wun- schen die sich auf die Ergänzung des Reichskabi­netts' und auf die Gestaltung der neuen Notver­ordnung beziehen. Schon die Tatlache, daß Staatssekretär Meißner dem Kanzler diese Wun­sche übermittelt hat, ist ein Beweis dafür, daß an eine Kabinetts- oder Kanzlerkrife nicht zu den­ken ist. Die Wünsche des Reichspräsidenten be­ziehen sich vor allem darauf, daß ein stärkerer Rechtsschutz gegen die Enteignung bei der, Ver­wendung von Gütern zu Siedlungszwecken tn Die I Notverordnung eingebaut wird, und daß keine Kürzung der Kriegsrenten eintritt. Was die Er- gänzung des Reichskabinetts anlangt, so legt Der Reichspräsident vor allem Wert daraus, daß das Innenministerium mit einer starken und autoritativen Persönlichkeit besetzt wird Das ist eine Notwendigkeit, von der gerade angesichts der sich täglich häufenden kommunisti­schen Erwerbslosenunruhen auch der Kanzler I durchdrungen fein dürfte. Im einzelnen werden diese Dinge natürlich in der Aussprache zwischen Kanzler und Reichspräsident erörtert werden, die nun bereits am Sonntagnormittag stattfinden soll. In unterrichteten Kreisen besteht kein Zweifel mehr darüber, daß ihr Er­gebnis nur eine Bestätigung des alten Vertrauens- Verhältnisses sein wird, das immer zwischen dem Reichspräsidenten und Dr. Brüning bestanden hat.

den anderen Mitglieder der Besatzung waren auf Java zurückgeblieben, um die Rückkehr des Kapi­täns Bertram aus Australien abzuwarten. Der Führer des Flugbootes hatte beabsichtigt, seine beiden Gefährten wieder an Bord zu nehmen und dann nach Bangkok zu fliegen. Wenn binnen acht Tagen nichts von Kapitän Bertram bekannt wird, beablsichtigen die beiden Zurückgebliebenen, nach Deutschland die Heimreise anzutreten.

Em lotgeglaubter kehrt zurück. Sein Name sieht auf dem Gefallenendenkmalsei. nes Heimatortes. Jetzt kommt plötzlich Nach« richt, daß der Totgeglaubte noch lebt. Erne abenteuerliche Irrfahrt.

Fluoreua-Ausammenstotz.

Ein englischer Kampfflieger tödlich abgestürzt. Der andere rettet sich durch Fallschirmabsprung.

In 3500 Fuß Höhe stießen bei S h o r e h r a m- on-Sea (Sussex) zwei Kampfeinsitzer zusam­men und stürzten ab. Der Insasse des einen Flug- I zeuges konnte sich durch Fallschirmabsprung ret­ten. Der zweite Flieger wurde unter seinem Mua- zeug tot hervorgezgen. Er war in seinen Fall­schirm verwickelt, Sen er anscheinend nicht rech.- zeitig von dem Flugzeug hatte loslösen können. Die abgestürzten Flugzeuge gehören einer Der Ichmellsten Typen der Welt an. In diesem Labre ist dies bereits der 13. Todesfall tn der britischen Luftstreitmacht.

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wtb. Paris, 27. Mai. (Eig. Meld.) Ein fran­zösisches Flugzeug mit zwei tteberlebenden der Georges Philippar an Bord, wird vermißt. Noch immer vergebliche Suche nach dem Flieger

Bertam.

Wie aus Batavia gemeldet wird, liegt noch immer keine Nachricht von Kapitän Hans Ber­tram vor, der Batavia in einem Iunkersflug- boot am 14. Mai verlassen hatte, um nach Port Darwin (Novdaustralien) zu fliegen. Der deutsche Generalkonsul hat noch keine Antwort auf ferne nach Sidney gerichteten Anfragen erhalten, und ein holländischer Zerstörer sucht noch immer die Timor-See ab. um womöglich Spuren des See- flugzeuges zu finden. Es wird jetzt bekannt, daß nur Kapitän Bertram und Herr Clausmann sich | m dem vermißten Seeflugzeug befanden. Die bei.

Admiral Franz Ritter von Hipper, der im Weltkriege die deutschen Seestrestkräste der Seeschiacht an der Doggerbank führte und aI8 Befehlshaber der leichten Seestreitkraste hervor- ragienbett Anteil art der schlacht von skagevar hatte, ist im Alter von 69 Jahren einem schlag" anfall erlegen.

C.N.B. Berlin, 27. Mai. (Eig. Meld.) Das i Reichskabinett ist heute vormittag zu einer Sit­zung zusammengetreten, die auch nachmittags weitergehen wird. Es beschäftigt sich bereits da­mit, die Notverordnung den Wünschen anzupassen, die der Reichspräsident dem Kanzler durch Staats­sekretär Meißner übermitteln ließ. Aus dieser sachlichen Arbeit ergibt sich die Bestätigung, daß die Krisengerüchte der letzten Tage endgültig überholt sind. Dabei ist es selbstverständlich, daß die letzte Enffcheidung über die Weiterentwick­lung in der für Sonntag angesetzten Besprechung Zwischen dem Reichspräsidenten und dem Kanzler liegt. Deshalb ist es auch vollkommen abwegig, wenn in einem Teil der Presse, so in einem Ber­liner Mittagsblatt, der Eindruck erweckt wird, als lägen für einen Teil Der schwebenden perso­nellen Fragen, bereits feste Tatsachen vor. U. a wird Oberbürgermeister Br. Gördeler wieder für den Posten des Reichswirtschastsministers ge-

Ministerpräsident Macdonalb hatte em länge­res Telesongespräch mit Washington gehabt wo­bei in erster Linie Wirtschafts- und finanzpolitische Probleme behandelt wurden.

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Der deutsche Botschafter hat irrt amerikanischen Schatzamt ein vorläufiges Schuidenruchahkungs- abkommen unterzeichnet, das die Abzahlimg der durch das Moratoriumsjahr geftunbeten Betrage innerhalb von zehn Jahren vorsteht.

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Unter der Führung des Senators Tatarescu hat sich eine nationalsozialistische Partei R u Mnien s gebildet, die jedoch weder mit dem italie­nischen Faszismus noch mit der Partei Hitlers zu verwechseln sei.

* Der Brand derGeorge philippar" doch das Werk von Verbrechern? Die Ansichten über die Ursache der Brandkatastrophe aus der George Philippar". die bekanntlich im Golf von Aden einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel, sind in Fachkreisen noch immer sehr geteilt. Die An­nahme der einen Gruppe, daß der franzö­sische Ostindiendampfer einem verbrecherischen An- I schlag zum Opfer gefallen sei, wird jetzt durch eine Erklärung des Inspektors der Suezkanalgesell­schaft, Cottas bestärkt, der sich bei der Ausfahrt Der George Philippar" in Port Said befand. Col- las erklärte, daß das Schiff im Hafen von Port Said einer genauen Untersuchung unterzogen wor­den sei, und daß man dabei eine Hollen- maschine von sehr starker, Explosio- I traft gefunden habe. Die Höllenmaschine sei mit einem Uhrwerk versehen gerne en unb sollte im Suezkanal explodieren. Die Aufdeckung Des verbrecherischen Anschlags sei streng geheim- gehalten worden. Sie habe lediglich zur tfatge ge» habt, daß die Passagiere im Hasen von Bort Said nicht an Land gehen durften und neue Passagiere nicht ausgenommen wurden.

Arneiaer für die Stabt Julba unb ben Landkreis §uiba________

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werden. Daneben dürfte auch der Freiwillige Arbeitsdienst eingesetzt werden. Abgesehen von dem Zweck der Geländeverstärkungen seien diese Arbeiten auch im Interesse der Arbeitsbeschaf- stlng zu begrüßen. Das Wehrkreiskommando fugt jedoch hinzu, daß die neuen Verstärkungen keines­wegs auf eine Verschärfung der Bedrohung der Provinz zurückzuführen fei ober hindeuteten, und daß vorwärts der Heilsberger Stellung wohnen­den Teile der Bevölkerung keinen Grund zu der Annahme hätten, daß sie militärisch aufgegeben feien. An dem Grundsatz der Behauptung Der ganzen Provinz habe sich nichts geändert.

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Die Ankündigung über die Verstärkung des militärischen Schutzes in Ostpreußen hat in Polen größte Beachtung gefunden. Diese Maßnahmen werden Äs einen Bruch des Versailler Vertrages bezeichnet.

Der Danziger Senat verwahrt sich in einer Note an den diplomatischen Vertreter Polens m Danzig gegen die polnischen Doykott- f üugblätter.

Der neue Reichshaushalt ist zwar vom Kabi­nett noch nicht endgültig verabredet, liegt aber in seinen wesentlichen Teilen bereits dem Reichs­rat vor. Im Haushalt des Reichsinnenministe- riums sind die Kulturausgaben stark singfschrankt worden, während ein Betrag von 1,5 Mill. Mk. für körperliche und geistige Ertüchtigung der Ju­gend neu eingesetzt wurde. Im Haushalt des Außenministeriums haben sich die Kosten Deinsch- lands sür den Völkerbund gegenüber dem Vor-

C. N. B. Berlin, 27. Mai. (Eig. Meld.) Wie die B. Z. aus E n d i n g e n im Schwarzwald be­richtet, hat der deutsche Generalkonsul in Neapel an den dortigen Bürgermeister gestern folgendes Telegramm geschickt:Daubmann hier einge­troffen, Eltern benachrichtigen. Deutsches Gene- raJfonfuIat. Der Name Oscar Taubmann steht auf dem G e s a lle n e n-D e n km al des Städtchens Endingen mit dem VermerkG e- fallen in der Somme-Schlacht, Janu- ar 1916 Als die Eltern des angeblich Ge- fallenen jetzt die Nachricht erhielten, daß ihr Sahn noch lebt, sind sie vor Freude zusammengebrochen, obwohl sie nicht ganz unvorbereitet auf die Tat­sache waren, daß ihr Sohn noch lebe. Vor acht Jahren ichon ist einmal in Endingen ein Tele­gramm an die Eltern gekommen, in dem nur die Worte standen:Oscar lebt und ist in Afrika. Seilt ist das Telegramm des Neapeler Ceneral- koniulats, das man zuerst auch für eine Mysti- fifation hielt, durch einen Brief bestätigt worden, der mit dem Posistemp'l Palermo ebenfatts gestern bei den Eltern eingeiroffen ist unD die Hand­schrift des Sohnes trägt.. Die E iern haben die Schrift ihres totgegiaubten Sohnes icuort wieder- erfannt. In diesem Brief schreibt Oscar. <.aub. mann seinen Eltern, tmß er nach einem M a r ich von 5000 Kilometern in Palermo einge- troffen sei. Wo sich Daubmann s-'^er eigentlich ausgehalten hat, weiß man noch nicht. Er schreibt in seinem Bries nur, daß er im Januar 1916 in der Sommeschlacht s ch w er verwun­det worden und in französische Gesa», qenschaft geraten sei. Nach ferner Heilung habe er einen Fluchtversuch unternommen und dabei einen Posten erschlagen. Darauf sei er zu 20 Jahren Zu chth au s verurteitt worden. Zur Verbüßung der Strafe sei er nach Afrika deportiert worden. Es sei ihm jetzt ge­lungen, nach einem Marsch von 5M) Ä'^metern die Küste zu erreichen und ein schiff nach Palermo zu besteigen. Er liege am Sonnenfieber banne- der und könne darum noch keine näheren Mit­teilungen über seine Schicksale machen. Die Eltern sollten seinen Taufschein und den Geburtsschein an ben Konsul in Neapel schicken, wobin er ich zu begeben gedenke. Inzwischen ist Daubmann, wie bas Telegramm des deutschen Konsuls be­weist, in Neapel eingetroffen.

In einem Anfall von Schwermut.erschoß sich der 63jährige Sanitätsrat Dr. Fritz Reich in seinem Dienstzimmer in der Berlin-Wittenauer Heilanstalt. Dr. Reich genoß in der Aerztewett einen Ruf als Hirnpathologe

Auf dem Roten Platz in Moska u sand im Beisein Stalins, der Mitglieder der Regierung und des diplomatischen Korps eine Sportler- Parad e statt, an der sich rund 7o000 Moskauer Sportler beteiligten.

Silber vom Tage.

jm Kamps mit Den Ilmslarz-V-rlete«. «eine Brüning-Krise. Bor der Ergänzung des Reichskabinetts. Die wünsche des Reichspräsidenten. Dos Bott erwartet tat- ftSstige Abwehr oüer versuche, Ordnung und Recht zu stören. ÄÄS« I

Xr Harmonie das Fest des Gottmenschen, des *

Merfandes der Liebe, zu begehen, haben sich im s)r.,»anMtrf :» -- nnn Wicktiakett. daß

Preußischen Landtag Kommunisten und National- ( saüalisten in einer unerhörten Weise zu zerflei- s Len versucht, wie an anderer Stelle berichtet - tnirb. Jeder sieht, wo die Predigt des Has s e s, ttz-, heute gegen die Religion der Liebe ins Feld .Mrt wird, enden muß. Im blutigen Kampf Md in der Zerstörung. Daß die Saalschlacht IM Preußischen Landtag, die man leider nicht mehr als einfache Prügelei, sondern als blutige Schlagerei übelster Sorte, so wie man sie in d e n uni e r - st en Schichten der H a f e n a r b e i t e r usw.

-u erleben pflegt, bezeichnen muß, ihre nachhalti­gen Folgen und Auswirkungen auf die Kreise der Anhänger der radikalen Parteien _ haben würde war vorauszusehen. Wenn die F u h: e r, in den geheiligten Räum en d e s P a r- l a m e n t s dazu noch, sich nicht mäßigen können, wieviel weniger die ungebildete oder einseitig ge­bildete, und dazu noch bis aufs äußerste v e r > hetzte Masse der Anhängerschaften.

Dom Parlament aus auf die Straße, das ist d i e n ä ch st e F o l g e dieser Schlägerei 'M Preu­ßischen Landtag, und die Wirkungen haben sich auch bereits in Berlin, Hamburg und Düsseldorf gezeigt. Nachdem es schon am Spatabend unb tn her Nacht nach der Landtagsschlacht an verschiede­nen Stellen in Berlin zu mehr oder weniger hefti­gen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten gekommen war die nur noch im letzten Augenblick durch das glückliche Dazwi- chentreten der Polizei verhindert werden konnten, kam es in den Vormittagsstunden des Donnerstag zu sehr beunruhigenden Ausschreitungen, und An­sammlungen. Die Polizei, die gerade m B-rlm ihrer schweren Pflicht getreu nachkommt, kann na­türlich nicht überall sein und vorläufig nur die ge- fährdetsten Gebiete und Zentern der Nationalsozia­listen und Kommunisten scharfer überwachen, ttver ganz verhindern kann sie blutige Ausemanderset- zunaen nicht, denn dann müßte sie ia überall sein ünd fast hinter jeden deutschen Burger einen be­waffneten Schupo als Bealeitmann stellen.

Auch in Hamburg haben sich neue Tumulte und eine Reihe von Zusammenstößen ereignet, so daß auch dort und besonders m Altona unD Wandsbek ein verstärkter Polizeiichutzdienst durch- aeführt werden mußte Was di- Vertreter der Na­tionalsozialisten und Kommunisten im Landtage gewollt und bewußt heraufbeschworen haben, muh d a s d e u t s ch e V o l k und müssen vor allem ihre Anhänger draußen mitbüßen. . Es kommt hievbei" gar nicht darauf an, wer tm einze Inen Schuld an den Vorgängen tm Landtag tragt, oder wer den ersten Anlaß zum Streit gegeben hat. Die Nationalsozialisten als die größte Partei und in ihrer dreifachen stärkeren Anzahl, durste sich nicht soweit hinreißen lassen, wie es geschehen ist. Wer als Augenzeuge die Vorgänge un Landtag objektiv mitzubeobachten Gelegenheit batte, kann nicht umhin, aus dem stürmischen Vordrangen einer Gruppe von nationalsozialistischen Abgeord­neten aus den Hinteren Reihen den Schluß zu zie­hen, daß diesen parlamentarischen Vertretern die Aussechtung des Kampfes mit bem F a u st - recht eine allzu willkommene Gelegenheit war.

Jetzt wird man natürlich, nachdem erst die Brandfackel in die Bevölkerung hineingeschleudert ift, für gegenseitiges Morden die P o l l z e i als allzu lässig" mitverantwortlich zu machen suchen, ohne eingestehen zu wollen, daß man selbst pte Hauptschuld in diesen politischen Auseinanderset­zungen mit Waffen mitträgt. Aber nicht nur auf der "Straffe, sondern auch im Parlamente selbst wirb die Folge dieser blutigen Auseinandersetzung eine erhöhte Erbitterung sein, die sich bei der näch­sten Gelegenheit trotz der größten Vorkehrungen in weit schlimmerem Maße Lust machen kann. Das deutsche Ansehen, das durch die blutigen Schläge­reien im Preußischen Landtag, wie aus des Auslandes zu erkennen ist. ungeheuren Scha­den erlitten hat, wird immer mehr herabgemindert, und die außenpolitischen Folgerungen aus dieser