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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda

3ahtg. 59.

Mittwoch, 25. Mai 1932

Jlt. H9

Mntet dem naNonalsozialistischen 83 jährigen A»ersprSsiden«en

Hindenburg und Brüning

ar probe zunächst aut in der Zwischenzeit

tischen

grundsätzliche B e- Reparationspro- der Reichsregie- ist, den e i n z i g m ö g -

kann nicht über etwaige Neulösungen sprechen, so­lange die ursprünglichen Abkommen nicht an­erkannt werden. Die formalen Rechte Frank, reichs müssen als Grundlage für unsere außenpoli­tischen Beziehungen dienen. Auf die Frage, was er zu tun beabsichtige, falls Deutschland die fran­zösischen Rechte bestreite und sofort zu ver- handeln wünsche, erklärte er, daß man die deut­schen Ziffern einem Sachverständigenausschluß un­terbreiten müsse, falls das Reich bei der Behaup­tung bleibe, schon mehr bezahlt zu haben, als es schuldig sei. Ein solcher Standpunkt von Seiten Deutschlands sei jedoch schon deswegen völlig un. verständlich, weil man sich sonst nicht erklären könne, warum es die im Poungplan festgelegten Verpflichtungen angenommen habe. Alles in al­lem müsse die zukünftige Außenpolitik mit größ­ter Vorsicht' gehandhabt werden. Die leiseste Uebertreibung würde die nationalsozialistische Be­wegung ebenso begünstigen wie die geringste Schwäche sie ermutigen würde. Zur Landesvertei­digung erklärte fierriot, daß er wohl die Absicht habe, Sparmaßnahmen durchzuführen. Er werde aber niemals irgendetwas an dem augenblicklichen Sicherheitsweg Frankreichs ändern.

wtb. Neudeck, 24. Mai. (Eig. Meld.) Zu den Presseerörterungen über eine etwaige Reise des Reichskanzlers zur Berichterstattung beim Reichspräsidenten nach Neudeck erfahren twir von zuständiger Stelle, daß eine derartige Reise nicht erfolgen wird, da Reichspräsident von Hinden­burg bereits am Samstag von Neu- deck nach Berlin zurückkehrt. Staats­sekretär Meißner wird heute nach Neudeck fahren, um dem Reichspräsidenten einen Vor­bericht über den Stand der Kabinettsberatungen zu erstatten.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Womit jede Realpolitik zu rechnen hat.

Herriol's Standpunkt zur deutsch-französischen Frage.

Der kommende französische Ministerpräsident gab einem Vertreter desParis Midi" einige Er­klärungen über fein außenpolitisches Programm sowie über seine Auffassung bezüglich der Landes­verteidigung und Sicherheit. Er erklärte:

Ich erachte die Anerkennung unserer Au­ßenstände für unbebignt notwendig. Man

. Der französische Finanzsachverständige Profes- sor R i ft hat sich auf Wunsch der französischen Re- gierung nach Wien begeben, um die finanzielle Lage Oesterreichs zu studieren.

wtb. London, 24- Mai. (Eig. Meld.) Times bezeichnet die erfolgreiche Behandlung der Abru- stunqs- und Reparationsfroge als unbedingte Voraussetzung für die Vermeidung einer internationalen Katastrophe.

Newyork Times widmet der Nachricht erhebst- chen Raum, der bekannte Senator Borah werde an dem republikanischen Nationalkonvent ttt Chicago nicht teilnehmen, sondern möglicherweise die Führung einer 3. Partei mit ungefährem Programm der Progressisten von 1912 überneh­men.

(Einige JBeWil: SchärWr Sampl.

wtb. Wien, 24. Mai (Eig. Meld.) DieDeutsch- österreichische Tageszeitung", das Organ der Na­tionalsozialisten, veröffentlicht eine par­teiamtliche Erklärung, in der der neuen Regierung Dollfuß schärfster Kampf mit allen zulässige» Mitteln angemeldet wird.

Was müssen dos für Geistesgrößen sein, die sich von einer Partei das Heil versprechen die überall und immer nur imschärsstenKampf" gegen irgend einKampfobjekt" ihre ganze Weisheit er­schöpft. Selbst die Vandalen sind ja eines Tages von der Zerstörung zum Aufbau überlangen. Für die Nazis wird es nun auch bald Zeit einmal etwas Positives zu leisten. Wenn in den Vogelsberg-Dörfern die kleinen Kinder die Wan- derer mit hochgehobenen Händen und dem Rus , Heil Hitler" begrüßen, so ist das doch nicht di« geringste Gewähr dafür, daß nun auch die Er- madifenen in weniger ländlichen Bezirken sich auf die Dauer von demschärssten Kamps imponie­ren lassen.

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Der Führer der kommunistischen Fraktion im Preußischen Landtag erklärt in derWelt am Abend", daß die Kommunisten alle Kampfmaß­nahmen treffen würden, um denMachtantritt des Hitler-Faschismus, eine Uebernahme der Regie- rung durch die Nazi-Terrororganisation der Bour­geoisie" zu verhindern.

morgen Entscheidungen erwarten.

In allen Aeußerungen der Berliner Presse kommt, unabhängig von der parteipolitifchen Stellungnahme, , zum Ausdruck, daß der Ausgang der zu erwartenden Möglichkeiten sowohl hinsicht­lich der Wahl des Landtagspräsidenten als auch der des Ministerpräsidenten noch völlig un­übersichtlich ist.

DasB. T." meint, daß in der National- sozialistischen Partei mindestens im Keime die schärfsten Klassen gegen- säße und Interessenkonflikte steckten, )ie durch keine populäre Ideologie zu überbrücken eien. Die inneren Widersprüche müßten schließ­lich doch aufbrechen. Die große Frage sei, ob die notwendige Läuterung beschleunigt werde, indem man die Bewegung in der Opposition bis an die Grenzen ihrer Ausdehnungsfähigkeit laufen lasse, oder indem man sie unmittelbar mit der Ver­antwortung für den Staat belaste. Eine 51- prozentige Sicherheit gebe es für keine der beiden. Wenn eine schnelle Lösung nicht möglich sei, weil ie im Zusammenhang mit der Reichspolitik schei­tere, dann bleibe nichts übrig, als die Bewegung, die jeßt so stürmisch ihren Wahlerfolg in politi- chen Einfluß umseßen solle, weiter in der Oppo­sition warten zu lassen.

DerVorwärts" zweifelt an einer Einigung zwischen Nationasozialisten und Zentrum. Das Zentrum werde sich schwerlich an einer Regierung in Preußen beteiligen, deren Hauptaufgabe da­rin bestehe, die bisherige Politik des Zentrums im Reich unmöglich zu machen. Die Sozialdemo­kratie werde in dieser Situation beobachten, rüsten und sich zum Eingreifen bereit halten.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" erwartet die schleunige Bildung des schwarz­braunen Blockes, die Herstellung des Der- sassungskompromisses, das dem Sinn der Wahl entspreche.

* Das neue belgische Kabinett seßt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident und FinanMinister: Rentkin (Kath. Kons.), Inneres: Carton (Kath. Kons.), Landesverteidigung: Crokaert (Kattz. Kons.), Industrie, Arbeit und Soziale Fürsorge: Heyman (F'äm. Vertreter der christl. Gewerk, schäft), Kolonien: Tschoffen (Wallon. Vertreter d. chr. Gew.), Landwirtschaft: van Dievoet (Kath. Flamen), Oeffentt. Arbeiten: Sap (Kath. Flamen), Aeußeres: Hymans (Liberal), Justiz: Cocg (Li­beral), Unterricht: Peiitjean (Liberal), Telegra­phenwesen: Bovesse (Liberal), Verkehrswesen: Forthomme (Liberal). Die neuen Männer im Ka­binett sind die Minister Tschoffen. Forthomme und Sap. Der neue Kriegsminister Crokaert (früher Kolonialminister) wird als ein unbedingter An­hänger des französisch - belgischen Militärabkom­mens bezeichnet.

wtb Berlin, 24. Mai. (Eig. Meld.) Zu der Meldung einer Korrespondenz über angebliche B e- fprechungen deutscher Politiker und Wirtschaftsführer mit Vertrauens­leuten Herriots über eine Zwischen­lösung in der Rep a ra ti onsfrage er­fahren mir von unterrichteter Seite, daß es sich bei dieser Zusammenkunft lediglich um die o r - deutliche Jahresversammlung des sogenannten Mayrisch-Komitees han­delt, das sich mit deutsch-französischen Wirtschaftsfragen beschäftigt und in re­gelmäßigen Abständen zufammentritt. Was die angebliche Haltung der deutschen Teilnehmer in der Reparationsfrage anbetrifft, so sind sie alle

General v. Lietzmann.

D. D. Z. Berlin, 24. Mai. (Eig. Meld.) Die Premiere des neuen Preußischen Landtages steht heute im Mittelpunkt aller Berliner Ereignisse, «gt ßanbtagsgebäube setzt schon in ben Vormit­tagsstunden ein äußerst lebhafter Publikumsver- ichr ein, obwohl bte Publikumtribünen vorerst noch verschlossen blieben. Kein uniformierter Polizei- jeantter war im Hause vorhanden, und auch auf dev Zugangsstraßen sah man trotz starker Publi- Msansammlungen nur vereinzelt Polizeipottouil- ken.

Pie üblichen Gottesdienste beim Auftakt einer neuen parlamentarischen Legislaturperiode haben im Laufe des heutigen Vormittags für die Land­lagsabgeordneten in Berlin stattgefunden. Für die katholischen Abgeordneten zelebrierte das Mitglied des Hauses, Prälat Lauscher, die heilige Wesse im Hedwigs-Dom, während für die evange­lischen Abgeordneten Oberkonsistorialrat Richter im Berliner Dom eine Predigt hielt.

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einig darüber, daß die reinigung des blems, wie sie von rung gefordert worden lichen Weg darstellt.

Voraussagen.

«Iournöe industrielle" über das mögliche Ergebnis von Lausanne.

wtb Paris, 24. Mai. (Eig. Meldg.). Nach Ansicht derIournöe industrielle" könnte die Lau­sanner Konferenz folgendes Ergebnis zeitigen:

1. Ein Moratorium für alle politischen Schulden, damit nach den Empfehlungen des Base­ler Sachverständigenausschusses die endgültige Ent­scheidung der Zukunft Vorbehalten bleibe.

2 Um den Wünschen der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, könne die Lausanner Kon­ferenz, ohne den Ausgang der Abrüstungskonfe­renz abzuwarten, freiwillig beschließen, die mili­tärischen Ausgaben für eine b e - stimmte Periode herabzufetzen.

3. Um der Wirtschaftskrise der Donaustaaten entgegenzuarbeiten, könne die Konferenz ben französis ch e n Plan wieder auf nehmen, in­dem sie ihn erweitere.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages wur­den die Anträge der Nationalsozialisten, der Deutsch nationalen und her Kommu­nisten auf Aufhebung aller seit dem 1. Juli 1930 erlassenen Notverordnungen oder einzelner von ihnen mit 18 gegen 17 Stimmen ab^elehnt. Für die Aufhebung trat außer den Antragstellern auch die Deutsche V o l k s p a r t e i ein.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.» ohne Zustellg. Anzeiaen-Preise: Kleinzeile ^Col.) lokal 6.15 RM auswärts g 26 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 6.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postfcheckk Frankfurt a. W 4051

Der 82jährige General Karl Lihmann, nationalsozialistischer Abgeordneter,, eröffnet als Alterspräsident den neuen Preußischen Landtag, das Alterspräsidium in seinen Ordnungsbestrebun- qen unterstützen und wohl ober übel Öen anderen Parteien mit gutem Beispiel vorangehen. Wie lange es dauern wird, bis dieser Alterspräsident sein Amt an den o r d e n t l i ch e n Landtagspräsi­denten, sowie er aus der Wahl im Parlamenr hervorgegangen ist, abgeben kann, läßt sich noch gar nicht übersehen. Bei der jetzigen Verteilung der Stimmen im Preußischen Landtag hat ein natta­nalsozialistischer Landtagspräsident nur bann Aus­sicht auf eine siegreiche Wahl, wenn er burch bas Zentrum unterstützt wirb. Das ist aber wieder- um nur bann möglich, wenn eine Verstänbi - gung zwischen Zentrum und Nationalsozialisten stattgefunden hat, die bis Montag noch nicht ein­mal angebahnt war. Da sowohl Nationalsozialisten wie Zentrum wenigstens vorläufig noch eine ab­wartende Stellung einnehmen, ist es ausgeschlos­sen, daß bis Mittwoch schon eine Verständigung

FuldaerZettung t Ameiaer für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amlliches Kreisblatt.

etwa acht Tage vertagt werden. Es bliebe Zeit zu Verhandlungen, man könnte die Un­terhaltung zwischen Dr. Brüning und dem Reickjspräsidenten abwarten, und man könnte nach Klärung der Verhältnisse im Reich dann sehen, wie es am besten in Preußen weitergeht. Noch ein­mal: eine genaue Prognose dieser Entwicklung ist nicht möglich. Die Kommunisten sind in ihrem Verhalten nicht zu überschauen. Wenn es aber io geht, daß in den ersten beiden Sitzungstagen des Landtages nichts herauskommt, dann wird man sich am besten auf längere Zeit, räume einrichten und nicht von heute auf

Der Alterspräsident ist bekanntlich der natio­nalsozialistische Abgeordnete General a. D. Lietz­mann. Daß gerade die Nationalsozialisten den Alterspräsidenten stellen, ist von nicht zu unter­schätzender Bedeutung, denn dadurch werden sie etwas zurückgehalten und können nicht so randalieren wie sie es sicher möchten und auch bei einem anderen Alterspräsidenten als dem aus ihren eigenen Reihen hervorgegangenen durchfüh­ren würden. Aber so müssen sie aus Solidari­tätsrücksichten heraus ihren Kandidaten für

Der Alterspräsident.

__ ~ t 1 erreicht ist, sofern überhaupt die Nationalsoz:a-

Das Vreutzen-Wlamenl teilt zusammen, f ZSLSM-W-Z- nimmt deshalb in führenden politischen Kreisen an, daß ber ßanbtag zunächst einmal am, Diens­tag zu seiner rein formalen Konstitution zusammen­tritt, sich dann nach Ausruf der Namen auf Mitt­woch vertagt um am Mittwoch die Präsidenten- wahl vorzunehmen. Ob diese Präsidentenwahl von einer Eeschäftsordnungsbebatte ober Erklärungen einzelner Parteien begleitet sein wirb, steht noch dahin. Nur das eine scheint heute schon so gut wie sicher, daß die Abstimmungen,kein Resultat zeiti­gen werden, weil die Nationalsozialisten auch selbst mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien zusam­men nicht die notwendige Mehrheit aufbringen. Es ist deshalb das einzig Mögliche und Richtige, den Landtag am Mittwoch nach der ersten unent­schiedenen und vergeblichen Straf probe zunächst auf acht Tage zu vettagen, um in der Zwischenzeit versuchen zu können, für die vorzunehmende Präsi­dentenwahl irgend eine Einigung zu erzielen. Wir haben schon einmal an dieser Stelle betont Haß das Zentrum nur für eine p ar lamentarifch e Erledigung der Präsidentenwahl zu haben ist. Wie sich diese ermöglichen läßt, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat am Dienstagvormittag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. F r i ck (Natsoz.) zusammen. 'Außer dem Reichskanzler nahmen auch Reichsverkehrsminister Treviranusund Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes, von Bülow, an der Sitzung teil. Reichskanzler Dr. Brüning ergriff sofort das Wort, um eine ausführliche Darstellung der hauptsächlichsten außenpoli- " *ent e ju geben: Genfer Ver­handlungen, Tribute, ausländische Schulden, Abrüstung, Donau-Pro­blem, Memel land und, Danzig..

Die politische Entwicklung ist wenige Stun­den vor dem Zusammentritt des neuen Preußischen Landtages zu einem Standort gelangt, von dem aus der Weitermarsch nach den verschiedensten Richtungen angetreten werden kann. Es herrscht eine Atmosphäre größter Undurchsich­tigkeit, bei ber auch Ueberraschungen nicht aus­geschlossen sind. Nur das eine scheint gewiß, daß dienächsteUnterhaltungzwischendem Kanzler und dem Reichspräside nten von größter Bedeutung sein wird. Der Kanzler ist absolut entschlossen, die Ver­trauensfrage zu stellen. Es gibt gut unter­richtete Kreise, die von einer Verschlechte­rung ber Beziehungen zwischen dem Kanzler und General von Schleicher wissen wollen, die bis­her sachlich und persönlich gut waren. Im engen Zusammenhang damit steht die Nachricht, daß an- Me von Schleicher ein Truppenko mm a n- b r von dem Kanzler für die Leitung des Reichswehrministeriums vorgeschlagen werden soll. Diese Nachricht, deren Personalia sehr bald der Öesfentlichkeit bekannt werden dürfte, deutet darauf hin, baß General von Schleicher sich keinesfalls für eine Umbildung des Kabinetts Brüning her- geben will, daß er sich auch weiterhin für ein Präsidial kabinett aufsparen möchte. Man kann aber wohl annehmen, baß hier gerabe Diffe­renzpunkte zwischen dem Kanzler und dem Gene­ral bestehen, daß Brüning etwas bis nach Lausanne hinausschieben möchte, was Gene­ral von Schleicher eher herbeiführen will. Man geht nicht fehl, wenn man diese Frage in enge Be­ziehung zu dem Gespräch Dr. Brünings mit dem Reichspräsidenten bringt. Sie bildet den Kern der Vertrauenssache, wie jeder Erörterung der Um­bildung des Kabinetts. Die Ungewißheit besteht darin, baß man bisher nicht voraussagen kann, wie sich ber Reichspräsibent zu diesem Entweder Ober einstellt, ob er für Brüning ober für Gene­ral Schleicher optiert, ober ob er traft feiner Autorität bte bivergierenden Meinungen seiner vertrauten Mitarbeiter in ein mittleres Fahrwas­ser hineinzwingt.

Die Entwicklung in Preußen wird dem Reichspräsidenten die Entscheidung nicht fo erleichtern, wie man gleichfalls noch vor Wochen hoffte. Damals hieß es, die Reichsregierung warte die Entscheidung in Preußen ab, um danach ihre «igenen Entschlüsse zu treffen. Heute ist es fast umgekehrt. In Preußen wartet man den Aus- Sang der Kabinettskrise der Reichsregierung ab, unb e5 müßte schon einen parlamentarischenUn- fuir geben, wenn man von Preußen aus die Ge­staltung der Dinge im Reich beschleunigen würde. 2m Preußischen Landtag selbst ist die Stimmung allez andere als gut. Zu den wichtigsten Entschlie­ßungen gehört zweifellos die der sozialdemokra­tischen Fraktion. Von ihr hängt zu einem guten Teil die Stellungnahme des Ministerpräsidenten Otto Braun ab. Es zeigt sich jetzt, daß weder Otto Braun, noch die ihm nahe stehenden Mini­ster S e o e r i n g, Stimme und Klepper irgendwelche Lust haben, als geschäftsführende Minister im Amte zu bleiben. Mit der Demission letzten drei Herren ist mit ziemlicher Sicher­heit zu rechnen. Die Frage ist nur, ob es gelingt, hen Ministerpräsidenten selbst zum vorläufigen «leiben zu veranlassen. Würde auch Otto Braun gehen, dann wären die Verhältnisse noch verworre­ner als sie schon jetzt sind, und es bliebe bann nur 77 immer unter der Voraussetzung, daß ein neuer Ministerpräsident nicht so bald gewählt wird bte Möglichkeit übrig, daß ein rein beamten« müßiges Zwischenkabinett unter einem neuen 9eschäftsführenden Ministerpräsidenten (Hirtsiefer?) °°s Dacuum überbrückt. In diesem Falle würde mit Sicherheit von der Opposition eine Klage beim ^taatsgerichtshof eingebracht werden. Der an« ,ere Ausweg wäre der eines Reichskommis- be^r für Pr.eußen, auch er nur ein Not- butrk nicht geeignet, die aufgewühlte und die Stir« be Notverordnung in neue Gärung versetzte fen 8 Utlfl im Lande zu besänftigen. In den Krei- Umfr leigen Koalition hält man unter diesen Min's?^ ein vorläufiges Bleiben des jetzigen ^Wbenten für die noch am wenigsten pretJepbe Lösung. Wahrscheinlich würde bann.

rrt n ber Wahl bes Lanbtagspräsibenten ber e 9r°Be Krach entsteht, der Landtag sofort u m

Der Zentralausschuß ber KPD. hat einen Auf­rufgegen b ie Preußen-Reaktion veröffentlicht, in bem bas Angebot zum Zusam­mengehen an die sozialdemokratischen Arbeiter er­neuert und Qbftruftionstattit gegen die National- sozialisten in Preußen angekündigt wird.

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat den Gesetzentwurf über Genehmigung der Herstellung und bes Verkaufs von Bier mit geringem Alkohol- geholt abgelehnt.

* Emir Feissal nach Warschau abgereift. Der Vizekönig von Hedschas, Emir Feissal, istDtens- tagoormittag mit dem Blauen Expreß von Ber­lin nach Warschau abgefahren, um sich von dort aus über Moskau und Konstantinopel in seine Heimat zu begeben. Im Auftrage der Reichsregierung hat der Chef des Protokolls, Ge­sandter Graf Tattenbach, den Gästen seinen Dank für den Besuch und Glückwünsche für die wettere Fahrt ausgesprochen.