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Dienstag, den 24. Mal 1932

Fuldaer Zeitung (Amtliches kiceisbiatt)

jtt. 118

tollte.

Abwanderung deutscher

Großstädte sieht. Der Löwe der Wildnis rennt und jagt durch Gestrüpp und Dornen seiner Beute, einem Tagewerk nach. Ost in rasender Windes­eile. Bei dieser Jagd bleiben viele seiner langen Mähnenhaare an den Zweigen und Dornen hän- gen, so daß sich die Mähne nie voll entwickeln kann. Zudem bleiben dem Löwen aus seinen Streifzügen sehr oft Reste von Gräsern, Blättern und Halmen in der Mähne selber' kleben. Diese Reste bemerkt der Herr Löwe immer, sobald er sich satt gefressen hat und ruhig daliegt. Dann erwacht in ihm die liebe Eitelkeit und er fängt an, mit seinen gewaltigen Tatzen die Mähnenhaare solange zu kämmen und auszukratzen, bis alle obengenannten Pflanzen- und Blattreste aus dem Haar entfert sind. Bei diesem Kämmen und Kratzen reißt er sich selber mit seinen scharfen Krallen sehr viele Haare aus seiner Mähne heraus. Das ist der zweite Grund, weshalb die Mähne des Löwen in der Wildnis nie voll und stark ist. Nur bei alten und kranken Löwen, die nicht mehr herumjagen können und sich mehr von Tierresten nähren, die ihnen die jüngeren Löwenkollegen übrig lassen, wächst die Mähne sich voller und länger aus. Aus demselben Grunde haben auch die Löwen in den zoologischen Gärten stärkere Mähnen. Sie haben eben keine Gelegen­heit mehr, durch Dornen und Gestrüpp zu rennen und dabei ihre Haare zu verlieren.

kleine kunslnolizen.

Der Maler Otto Beneking (Lauterbach- Koburg) stellt bei Aloys Maier in der Friedrich­straße '5 Bildnisse aus: das Porträt einer alten Dame, der Kopf tonig, farbig durchmodelliert, in Kontrast zu seidigem, silberweißem Haar gegen grauen Grund, das Wesentliche und Seelische 'charf erfaßt, warm und gütig der Ausdruck. So­dann ein Knabe im blauen Matrosenanzug gegen gelben Hintergrund gestellt, leicht und lässig bin- gelegt, und zwei Kinlderköpfe, flüssig und frisch. Die Ausstellung soll in einigen Tagen ausgewech. seit werden, dann läßt sich Weiteres berichten.

Im Reise- und Verkehrsbüro in der Bahnhofs­straße stellt der Reg.-Bauführer und Dipl.-Ing. Franz Knips (Fulda) einen Entwurf aus: End­lich mal das Plakat, das den Begriff „Die Barockstadt Fulda" sinnfällig umreißt und in knapper, eindrucksvoller Darstellung zum Ausdruck bringt: die steinernen Kolossalfiguren der Heroen am Ehrenhof des fürstäbtlichen Schlosses, gefertigt von der Hand Neudeckers, durchscheinend die Um­risse der Domkuppel, Dientzenhofers Nachschöpfung

Don der Domschule.

Die 2. Elternversarnrnlung, die für Dienstag, den 24. anberaumt war, wird verschoben, da die Eltern-Beir-ts-Wahlen erst am 26. Juni stattfinden.

Neubau der Kapelle auf der MÜseburg.

Dorn Preußischen Hochbauamt sind die Arbei­ten und Lieferungen öffentlich ausgeschrieben wor­den, und zwar: Los 1: Erd-, Maurer-, Jso- Uerungs-, Putz- und Betonarbeiten. Los 2: Stein­metzarbeiten. Los 3: Zimmerarbeiten. Los 4: Kupserdacharbeiten. (Siehe auch Bekanntmachung im Anzeigenteil.)

primizfeier im to**-

Der gestrige Dreifaltigkeits-Sonntag war ein besonderer Freudenlag für die Dompfarrei. Ein Sohn der Gemeinde, Neupriester Ernst Göller, Sohn des Bahnbeamten i. R. Karl Göller, feierte fein erstes heiliges Meßopfer. Auch äußerlich trat die Anteilnahme der Pfarreiangehörigen fehr wohltuend in Erscheinung. Die Straße, in der das Elternhaus des hochw. Herrn Primizianten steht, die Tränke, hatte FestschmulOangelegt. Fast kein Haus war ohne wehende Fahnen, Blumen in den Fenstern, grüne Maien vor der Tür. So haben wir die Tränke mit ihren kleinen Häuschen in den letzten Jahrzehnten noch niemals gesehen. Das Gotteshaus war überfüllt. Die Festpredigt hielt P. Dr. Ewald Müller O. F. M. vom Kloster Frauenberg. Er zeichnete die hehre Aufgabe des Priestertums. Packend war fein Aufruf an die Gläubigen, um gute Priester zu beten und für den Priester zu beten. Denn das Volk hat die Prie­ster, die es verdient. Dem Neupriester assistierte bei seinem ersten Opfer, das durch die Gefänge der Alumnen und des dompfarrlichen Knabenchors verherrlicht wurde, Herr Dompfarrer Schüler.

finanzminister. I

, ..... , . _ | ren Löwen tm Lchauseniier oer yuroaet acuciv=

Die Landesfinanzamtsprastdenten aus demg«- Puffer ei bewunderten, haben viele die Frage

samten Reich haben im Reichsfinanznumsterlum ....... - * •-

getagt. Den Vorsitz führte der Reichsfincmzmim- ster selbst, weil gerade in der jetzigen Zeit engste Fühlungnahme zwischen dem Ministerium und der Außenverwaltung dringend erforderlich ist.

Die Beratung diente in erster Linie der Umsaü- fteuer, die bekanntlich im Winter nicht nur erhobt worden ist, sondern auch wichtige Aenderungen er­fahren hat, und die noch nicht so eingeht, wie sie

möglicht.

1932 fein Maikäfer-Jahr.

Aus verschiedenen Gegenden wird berichtet, daß in diesem Jahr ausfallend wenig Maikäfer festzustellen sind. Als Ursache nimmt man die für die letzte Entwicklungsstufe der Käfer un-

Miß Amelia Earhart, der als erster Frau die Ueberquerung des Atlantischen Ozeans im Alleinflug gelang, wird nach ihrer Landung in Londonderrq (Irland) begrüßt.

Jllluextl LTCIVUIILTCLICII, yuvtn V LV LV gestellt: „Warum hat denn dieser Löwen-Kerl eine so kurze, kleine Mähne?" Der Löwe steht seti einigen Wochen im Missionsmuseum der Oblaten zu Hünfeld, wohin er auch nach seiner Schaustel­lung in Fulda zurückkehren wird. Ein Oblaten­missionar aus Hünfeld hat diesen Prachtkerl von Löwen tm nördlichen Südwestafrika erlegt. Auf die Frage, warum dieser Löwe eine so kurze, kleine Mähne habe, antwortete man uns aus Hünfeld: Der Löwe, der frei in der Wildnis herumstretst, darf nicht verwechselt werden mit den Löwen, die man in den zoologischen Gärten unserer

günstige Witterung des Frühjahrs an. Bei Garten- und Feldarbeiten wurden viel« Maikäfer gefunden, die auf ihrem Wege zur Erdoberfläche umge­kommen sind. Sind diese Insekten auch recht schädlich für die jungen Blätter, hauptsächlich der Kirschen und Eichen, so ist doch ihr völliges Fehlen von Nachteil für die heimische Vogelwelt, der jetzt noch nicht allzu zahlreiche Jnfektenarteu als Nahrung zur Verfügung stehen. Da ein Mai­käfer von der Eiablage bis zur völligen Ent­wicklung über die Zwischenstation Engerling unv Puppe vier Jahre braucht, ist demnach auch 1936 mit einem maikäferarmen Jahr zu rechnen.

Handelsverkehr mit Italien.

Generalkonsul Dr. Schmitt aus Mailand hält am Dienstag, den 7. Juni, bei der Außen­handelsstelle für das Rhein-Main-Gebiet in Fran kfurt a. M., Börse, Sprechstunden über den Handelsverkehr mit Italien ab. Firmen, die an den Sprechstunden teilnehmen möchten, wollen sich bis zum 31. Mai ds. Jhs. bei der oben­genannten Außenhandelsstelle (Telephon 20 361) anmelden, damit eine Verteilung der Besucher auf die zur Verfügung stehende Zeit stattfinden kann.

Auf der Wasserkuppe schwer verletzt.

Bei den Segelflügen auf der Wasser­kuppe ist gestern der aus Frankenhausen am Kyff- häuser stammende 25 Jahre alte Flugzeugführer Günther von Zamory verunglückt, wobei er schwere Verletzungen erlitt. Zamory wurde sofort in einem Motorflugzeug nach Würzburg und hier mit dem Sanitätsauto ins Luitpoldkrankenhaus gebracht. Sein Befinden gibt zu Besorgnissen Anlaß.

Der Fuldaer Löwe und seine Mähne.

Die Landung der Atlantikfliegerin Earhart (Funkbild)

tegung ihrer Betriebe in Deutschland nach dem Ausland abgewandert sind, oder einen Teil ihrer Erzeugung dorthin nyclegt haben, hat das Reichs- I Wirtschaftsministerium neuerdings zu besonderen I Maßnahmen veranlaßt. Da im Zusammenhang mit der Gründung einer Produttionsm^'se tm Ausland regelmäßig Zahlungsmittel ins ausländ versandt, ausländisch« Guthaben verwandt, Wert- I Papiere erworben, oder Sacheinlagen eingebracht I werden, ist bei der Durchführung solcher Be­triebsverlegungen nach den Devisenbestimmungen I eine besondere Genehmigung erforder­lich. Der Reichswirtschaftsminister hat nunmehr angeordnet, daß Anträge auf Erteilung solcher I Genehmigungen künftighin ihm selbst zur Ent­scheid u n g vorzulegen sind. Ferner werden die I Devisenbewirtschaftungsstellen in Fällen, in denen bekannt geworden ist, daß eine inländisch« Firma eine Niederlassung im Auslande gegründet hat, alsbald feststellen, ob die Firma aus Anlaß die­ser Gründung gegen die Devisenbestimmungen ver­stoßen hat. Auf diese Weise wird eine schärfere Kontrolle bet Abwanderungserscheinungen, die aus allgemein wirtschaftlichen, wie aus Handels- und devisenpolitischen Gründen unerwünscht sind, et«

Fulda, den 23 Mai 1932

Stillstand am Ardeitsmartt

in Hessen und Hessen-Nassau.

Ueber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hes- s-i,'Naisau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen « Frankfurt a. M.: DieBelebungdesAr- beits markt es, )ie Mitte Februar ein- "°setzt hat, ist am 15. Mai fast völlig -um S t i l l st a n o gekommen, weil auch die «aison-Außenberufe, von denen gewöhnlich der Antrieb zu einer allgemeinen Entlastung auszu- neben pflegt, nicht mehr in der Lage gewesen sind, ein« größere Anzahl Arbeitskräfte aufzunehmen; die Gruppe Landwirtschaft und die Unge­lernten haben überhaupt keine, die Industrie der Steine und Erd en nur 500 und das Baugewerbe rund 800 Abgänge aufzuweisen. -M ganzen ist e Zahlder Arbeitsuchen- hen um 8 285 -- 0.7 v. H. auf 326 618 ge­fallen. Bei fünf von den 18 Arbeitsämtern im Bezirk des Landesarbeitsamtes Hessen hat die Ar­beitslosigkeit bereits wieder zugenommen. Daß die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Gesamtlage in diesem Jahr ganz erheblich ungünsti­ger ist als im Vorjahr, zeigt die folgende Gegen­überstellung: Zahl der Arbeitsuchenden am 15. 2. 1932 (Höchststand) 350 966, (Vorjahr 314 037), am 15. 5. 1932 326 618 (Vorjahr 261655), Ab­nahme 24 348 (52 382). Die Zahl der Hauptun- ierstützungsempfänger in der Arbeitslosenversiche- rung ist in der ersten Mai hälfte von 62 912 auf 47 400, also um 5 512 zurückgvgangen.

Die Hauptunterstützungsempfänger in der Kri­senfürsorge haben sich um 2194, von 91 888 auf 89694 vermindert.

Die Zahl der im Freiwilligen Arbeits­dienst Beschäftigten hat sich von Anfang bis Ende April mehr als verdoppelt, sie ist von 2 391 auf 5659 gestiegen. — In der letzten Aprilwoche ist an 11105 Personen Kurzarbeiterunterstützung gezahlt worden (im Mürz an 11993).

Ein brausendes Te deum, in das die Domglocken I mit einstimmten, beschloß die feierliche Handlung.

Heilig Seist-Pfarrei.

Der Jungmännerverein der Hl. Geist- Pfarrei hielt gestern in der Hl. Geist-Kirche feine Bannerweihe ab. Vom Pfarrhaus aus zogen die Jungmänner mit den Fahnenabordnungen der Fuldaer Brudervereine unter den Klängen der Musikkapelle des Jungmännervereins der Dom- vfarrei zum ieftlich geschmückten Gotteshaus. In einer zu Herzen gehenden Ansprache wandte sich der Pfarrer unserer Gemeinde, Geistl. Rat Ru b- s a m, an die Jungmänner. Besonders erwähnens­wert ist seine Mitteilung, daß das Jungmänner­banner das erste Dereinsbanner ist, das seit dem 200 jährigen Bestehen der Hl. Geist-Kirche dort geweiht wurde. Während des FestgottesdieMtes, der durch die Gesänge des Kirchenchores verschont wurde, gingen die Vereinsmitglieder geschlossen zum Tische des Herrn. Nach dem Gottesdienst versam­melten sich die Jungmänner mit ihren Gästen zu einer kleinen weltlichen Nachfeier, bei der die Brudervereine ihre Glückwünsche überbrachten.

Beschlüsse des Deutschen Städtetags.

Der Vorstand des Deutschen Städtetags hat in feiner letzten Sitzung allgemeine Grundsätze für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen, das Muster einer allgemeinen Kassenordnung und eine Musterhaushaltsordnung für die deutschen Städte beschlossen. Der Vorstand hat der Reichsregierung und den Länderregierungen von feinem Beschluß Mitteilung gemachfi weil anzunehmen ist, daß die vom Deutschen xstäbte« tag beschlossenen Grundsätze und Ordnungen un Zusammenhang mit d en Bemühungen der Reich s- I regierung für eine Erleichterung des kommunalen Etats eine besondere Bedeutung gewinnen werden.

Die Londesfinanzamlspräsidenlen beim Reichs-

Man schreibt uns: Don den Tausen­den, die in den letzten Tagen den .stol- --- Löwen im Schaufenster der Fuldaer Actien-

hat

Die schönste der Frauen Im stolzen Burgund, Ein andrer sie küsset Auf kirschroten Mund.

Früher ja . .. jetzt lange, lange nicht mehr. Gustav keine Zeit mehr. Ihm genügt, daß er eine reprä-

die Dummheit, die sie gemacht habe, und sagte ihr alles, auch, daß sie alles geleugnet habe."

Da streichelte Anetta die Schluchzende. „Mache dir nicht so viel daraus, einmal muß es doch kommen. Bes­ser ftüher als später. Wenn er mich fragt, werde ich ihm die Wahrheit sagen."

Da küßte die Lohrbacherin Anettas Hand und schwur sich von Stund an, nie mehr die Zeit mit Reden und Tratschen zu versäumen, derweil so schlimme Sachen dadurch entstehen können. Es war eine rechte Strafe für sie.

•

Abend. Beatrice sitzt in ihrem Ankleidezimmer vor dem venetianischen Spiegel. Licht aus sechs Kerzen, zehnmal zurückgeworfen. Diamantene Funken sprüht der geschliffene, kunstvolle Rahmen. Gläserne, matt­getönte Rosen haben opalenen Glanz. Beatrice ist schön, unbeschreiblich schön. Der schwere seidene Schlafrock, pelzgesäumt, hat fließende Falten und echte Perlen an mattgoldener Schließe. Sie sieht, wie schön sie heute ist. Das Herz brennt wie eine Wunde. Aber leer, leer ist das Leben. Darum, weil die Hände nicht zugreifen konnten, wie ihr das Glück einmal so nahe war.

„No, gehn Se nur jetzt und lasse Se'n nit warte." Und die gute Lohrbacherin ging. Sie hatte ein schlech­tes Gewissen. Ihre Tratschsucht hatte vielleicht ein gro­ßes Unheil angestiftet. Warum hatte sie nur das Tor offen gelassen? Mußte der alte Esel grab in der Mi- nute daherkommen, wo sie bei der Milchfrau war!

„Guten Morgen, Herr Senator!"

'Röder fuhr herum. „Lohrbacherin, mit Ihnen habe ich ein Wort zu reden."

„Bitt schön, Herr Senator, redd« Se nur immer zu."

„Sie vermieten an Herrn?"

„Auch an Dame, Herr Senator."

„Sie haben an einen Vicomte Descharpe vermietet. Stimmt das?"

„Des wird wohl stimme. Ich weiß den Name nit auswermig."

„Französischer Emigrant?"

„Des weiß ich werkllch nit."

„Ich muß den Herrn sprechen."

„Deß wer'n Se wohl nit könne. Er ist scho lang nimmer bei mir."

„Schon lange nimmer bei Ihnen?

„Scho lang nimmer."

„Aber der Friedmann sagte mir doch, er habe ihn gestern bei Ihnen im Garten gesehen."

„Herr Senator, erlauwe Se scho, daß ich Ihne des sag Mit dem Friedmann, da is des so e Sach. Der is manchmal nit ganz richtig im Oberstübche. Das wer'n Se doch auch schon gemerkt hawwe. Der Herr, der bei mir war, der is mit Extrapost weggesahr'n, des war gleich nach der Krönung."

Gustav fiel in seinen Stuhl. Was war das? Wer getraute sich da, ihn zum Narren zu halten?

„War in letzter Zeit meine Tochter bei Ihnen? Ich meine: hat meine Tochter Sie aufgesucht, um vielleicht einen Auftrag meiner Frau an Sie auszurichten?"

„Naa, naa, ich hab' des Fräulein Anettche fcho'n Halmes Jahr nimmer bei mir g'fehe."

„Gehen Sie, Lohrbacherin, danke."

Da lief die Lohrbacherin statt die Treppe hinunter, die Treppe hinauf in Grand-Mamans Zimmer und bat weinend und händeringend Slneiia um Verzeihung für

Sie geht automatisch. Leer, leer das Leben, leer. Was will er von ihr, wenn er doch nicht will, was sie selbst ist, immer nur Hausfrau sein . . . vielleicht aber doch . . .

Im Salon ist es noch dunkel. Nur der Mond scheint. Ihre Lippen bewegen sich tonlos.

„Kein Licht machen, Gustav, kein Licht!" Sie möchte in diesem weichen Mondschein, der das Dunkle im Schat­ten läßt und auf leuchtende Dinge einen fernen, feier­lichen Schein legt, sie möchte in dieser Stunde von starken Armen, von ... ach Gott, sie weiß selbst nicht, was sie eigentlich will . . . Sie möchte glücklich sein! Sie möchte einer Gefahr entrinnen, sie möchte ihrem Kinde alles gönnen, was sie nur selbst auch, nur ein­mal, wieder fühlen dürfte, was Liebe und Zärtlichkeit ist . . .

Gustav hatte die Girandolen auf dem goldenen Wandtifch rechts und links der Pendüle bereits ange- zündet. Er liebte Helle Belechtung. Der gelbe Kerzen- schein sticht das blaue Mondlicht aus. In diesem gelben Kerzenschein ist die Stirne Gustavs wie gemeißelter Marmor, Wille und Kraft, sonst nichts.

Beatrice schließt die Lippen fest aufeinander. Leer das Leben . . . leer.

„Cs tut mir leid, daß ich dir . . . fetz' dich doch, Beatrice, mit einigen Fragen lästig fallen muß, die ich dir und mir ganz gerne erspart hätte: Wer war die Maske mit dem roten Mantel, der dir ein Lied vorsang und dir dann über die Treppen da herauf folgte?"

In Beatrice sehnsüchtige Stimmung schlug die in- quisitorische Frage wie ein Blitz ein. Was brauchte er das zu wissen, wo er ihr selbst doch kein Glück schenkte, was tastete er an ihre einzige Erinnerung? Das laval- lische Blut, lange gebändigt, fing an, sich zu empören.

„Warum fragst du mich?"

„Ich muß es wissen. Es haben sich in meinem Hause Dinge begeben, die sich meiner Kenntnis entzogen haben. Das geht nicht an."

„Ich habe dir doch gesagt, was er von mir wollte."

Gustav zuckte die Achseln. „Ein Vorwand ober eine geschickte Spekulation. Wer war es?"

Fortsetzung folgt

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sentative Frau hat.

Schritte . . . Gustav Rüber.

Beatrice schüttelt bie Haarflut zurück. Steckt schnell ein Diabem auf.

„Gustav!" Sie hat sehnsüchtig geöffnete Lippen, bie brennenb leuchten, rote sie ihm jetzt entgegengeht. Sie hat Augen, bie sprechen, Hände, die sich ausstrecken. Er konnte alles in Vergessenheit tauchen .. . Gedanken, die sie quälen . . .

„Gustav!" Aber jäh stockt der Fuß. Die Arme fal­len herab.

„Verzeih, Beatrice, daß ich dich in deinem Ankleide- zimmer überfalle. Folge mir in den Salon, bitte." __

Auetla Röders große Liede

Don A. von Sazenhofen.

23] ---------

Friebmann stotterte bestürzt. „Ja gewiß, es ist eine Verwechselung gewesen, es war schon sehr bämmrig . . . ich. . ."

Gustav Röder winkte und Friedmann verschwand so schnell, als hätte ihn der Boden eingeschluckt.

Der Franz stürzte in die Küche.

„®ut, daß Sie gerade da sind, Frau Lohrbacher! Der Herr Senator will Se spreche."

Die Lohrbacherin, die eben der Nanna tränenreich erzählt hatte, daß nun auch der Herr Bicomte, sie legte einen besonderen Nachdruck auf dies Wort, weggefahren sei und daß ihr das so leid sei und sie sich ganz ver­lassen vorkomme, da sie für niemand mehr zu sorgen habe, blieb der Kuchenbissen im Munde stecken.

„Wa . . . roa . . . was?"

„Er ist wütend. Was hawwe Se denn auszefresse, Frau Lohrbacher?"

Die gute Lohrbacherin stand auf. Sie schüttelte den unvermeidlichen braunen Lüsterrock in die richtigen Fal­ten. Ihre Redseligkeit war aber durch diese Schreckens­botschaft durchaus nicht gehemmt.

„Wird wohl der ahle Friedmann, der Leisetreter, der Schleichhannes, en Blödsinn gemacht hawwe. Alle­weil scharwenzelt er um den Herrn Senator rum . . • wer weiß, was der ausgeschnüffelt hat. Ich war ge­stern grab nur en Sprung bei meiner Milchsraa . . . weil ich ihr was zu sage gehabt hab . . - un’s hat e bissj länger gebauert . . . kommt ber mir nit entgege aus nie im Haustor, wie ich roibber zurückkomme bin und fragt nach dem Herrn Vicomte!"

»Des muß aroroer en fauroerer Unfug fei, den ber httt Friedmann da angeftift hat . . . so haww ich en

nie nit qefehe, den Herrn. Ganz blaß is er vor 2ßut.“

»Ah . . . da wer ich mich noch lang nit ferchte. Der Herr Senator is e Bub gewese, dem ich die Hose aus» ET ungezoge hab, ber mecht mir noch lang kaan Schrecke."