Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk
Nr. 115
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well tm Md" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::
Freitag, 20. Mal 1932.
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laitg. 59.
Sacharbeit des Kabinetts.
Das Reichskabinett setzte am Mitwoch feine Beratungen über das Arbeitsbeschasfungspro- gramm und die Arbeitslosenfürsorge fort. In den späten Abendstunden empfing ber Reichskanzler in Gegenwart der zuständigen Ressortminister sodann Vertreter der Gewerkschaften.
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■ Wie die „DAZ." aus der Reichsregierung nahestehenden Kreisen erfährt, soll es bei den Kabinettsverhandlungen am Mittwoch gelungen sein, über die Finanzierung, die bisher unlösbare Schwierigkeiten bereitet hatte, eine grundsätzliche Einigung herbeizuführen. Es werde allerdings zugegeben, daß einige Differenzpunkte noch offen seien, die in den nächsten Tagen bereinigt werden sollen. Der überraschende Fortschritt vom Mittwoch werde vor allem auf zwei Ehefbesprechungen zurückgeführt, die Mittwochnachmittag stattgefunden haben. Worin die erzielte Einigung bestehe, werde natürlich von den amtlichen Stellen vorläufig nicht gesagt. Es liege aber nahe, sie auf der Linie zu suchen, die bereits durch die Vorschläge der Gewerkschaften bekannt geworden sei: Ausdehnung der Krisensteuer und Beibehaltung der Bürgersteuer. Das würde im wesentlichen eine Hilfe für die Gemeinden bedeuten, denen dafür vermutlich die Verpflichtung auferlegt werden dürfte, für künftige reibungslose Abwicklung ihre Anleiheverpflichtungen zu sorgen.
Die Ressortarbeiten zur Ausführung der im Kabinett vereinbarten Grundsätze würden noch eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen. Nach anderen Informationen ist, wie die „DAZ." weiter berichtet, die am Mittwoch erzielte Einigung überhaupt nur auf einen Teil der zur Debatte stehenden Fragen beschränkt geblieben, lieber die anderen Fragen werde weiter verhandelt. Der Fortschritt vom Mittwoch hat danach nur den Charakter eines grundsätzlichen Kompromisses, von dem aus man zu einer Lösung der Gesamtfragen zu gelangen hoffe. Dem Vernehmen nach seien auch Besprechungen Dr. Brünings mit Vertretern der Arbeitgeber und des Handwerks vorgesehen. . <
Hugenbergs Sorgen.
iöfi Verhältnis der Nationalsozialisten und der Deukschnationalen.
Während die deutschnationale Presse sich krampfhaft bemüht, dem von den Nationalsozialisten im Reichstag ausgeübten Faustrecht das Wort zu sprechen, die Haltung der Nationalsozialisten sogar zu verteidigen, denkt man im eigentlichen Parteizirkel des deutfchnationalen Führers wesentlich anders. Vor uns liegt ein Blättchen, betitelt „P reu- fische Lande szei tun g", herausgegeben vom Landesverband Potsdam II der Deutschnationalen Votkspartei. Es trägt die Nr. 19 vom 14. 5. 32. In ihm lesen mir einen Artikel „Sie spotteten ihrer selbst!", der folgende Derbheiten gegen die Harzburger Bundesgenossen, dre Nationalsozialisten, enthält:
„Politik erfordert Denken! Denkfähigkeit kann nickt durch Brüllen und schlechte Manieren ersetzt werden, und zwar weder innerhalb noch cmßer- yalb der Häuser, die für ernsthafte Volksvertretung gebaut . . . sind.
Politik voraussetzt Wissen! Kanonenstiefel und Kletterwesten, Spucken auf den Teppich und grund-
- Benutzu.'.g des Fußbodens als Behälter ur Afck)e und Zigarrenstummel vermögen auch bei jungen Parlamentariern nicht den fühlbaren Mangel an geschichtlichem Wissen zu ersetzen . . .
Die gewerkschaftsfreundliche, mit'Zitaten aus Marx-Schn ten gespickte Rede des Nationalsozia- chten Straffer . . . zeigten . . . angstvolles Mü- yen um die Seele und Liebe des Zentrums 2a fangen die Nationalsozialisten im Reichstags- reftaurcmt eine schwere Prügelei an, schlagen vier ©fntt" x'nln' .^n ehemaligen Parteigenossen Dr.
burd) die Gange des Reichstags hindurch, mün^-iten^r 7 fcaüftl1d)en Präsidenten den er- I hl?30 ’ ' " ben 2leltestenratsbeschluß auf 21^5^6 Don vier nun für 30 Sitzungen ausfallenden stimmberechtigten durchzusetzen und ^»«bestimme Zeit auseinander- zujagen, weil — die letzte und größte Torbeit — bt®Dier, Ausgeschlossenen nicht einmal den Plenar. mal auf ferne Aufforderung hin verließen
Die Pflicht zur Wahrheit und der Wille' zu kalter, klarer Vernunft zwingt zu der Festst-l- [S. bc6 Nationalsozialisten als ungeleinte Wülfer folange das Gegenteil des Erfolges er- wie sie nicht auf die Ratschläae und Mahnungen der ihnen in Politik und Taktik NN Wissen und Wollen turmhoch überlegenen Deutfchnationalen hören. (!!) ...
„Das Versagen der Nationalsozialisten im -Reichstag hat auch den Erfolg der Preußenwahl gefährdet", meldete am Tage nach dem Geschehnis
Platze der Republik eine vertrauliche Jnfor- t u »°n ' - - Es wird höchste K r a f t e n t f a l- dür!^ b e utfchn a ti o n a le r Politik be- Tvr^' l-ttn die Folgen der furchtbaren en • *en •m Reichstage für Preu-
®aDi[CÖ€r gut zu machen . .
den^°b ingte Dr. Hugenberg feinen Parteifreun- n„r," 's^°rum soll ich reden? — Für uns der
5 E'nfach und klar."______________
flärfe“ befe” h“erneur der Bundesrefervebank er« dard festhalten ®ereinisten Staaten am Goldstan-
Am den Vutterzoll.
wtb. Münster, 19. Mai. (Eig. Meld.) Aus dem Verbandstag der westfälischen Genossenschaften sprach heute Reichsernährungsminister Schiele, wobei er insbesondere die Lage am deutschen und internationalen Futtermarkte erörterte. Er betonte die Notwendigkeit eines erhöhten Schutzes der deutschen Milchwirtschaft im Interesse der Landwirtschaft, der Konsumenten sowie der Erschließung des Binnenmarktes für die deutsche Industrie. Die katastrophale Verringerung der Einnahmen der gesamten deutschen Landwirtschaft führte der Minister im Wesentlichen auf 4 Ursachen zurück:
1) ungenügende Schutzmaßnahmen für die Erzeugung;
2) Unvollkommenheit der Formen, in denen sich der Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse vollzieht;
3) das Elend einer weitgehenden Planung der Produktion im Innern und
4) die starke Kaufkraftsenkung infolge der ungeheuren Zahl von annähernd 6 Mill. Arbeits-
Das Beispiel des Buttermarktes beweise freilich, daß die Bedeutung der Kaufkraft für die Preisbildung auch nicht überschätzt werden dürfe. Am Buttermarkt sei noch immer die Einfuhr und nicht die Kaufkraft entscheidend für den Preis. Wie beim Getreidemarkt müsse eine Distanzierung des deutschen Marktes vom Weltbuttermarkt angestrebt werden. Die letzte Butterzollerhöhung habe dies Ziel verfolgt. Unverständlich sei gegenwär- tia die Haltung von Erporlindustrien in der Butterfrage. Das Abläufen des englischen Pfundes habe den internationalen Buttermarkt entscheidend getroffen. Eine Lockerung des Schutzes der deutschen Milchwirtschaft Würde die internationalen Butterpreise nicht steigern und infolgedessen auch keine neue Kaufkraft für deutsche Industrie- Produkte im Ausland schassen können: Dagegen würde durch eine solche Maßnahme die deutsche Milchwirtschaft, der Kern der Landwirtschaft und des deutschen Binnenmarktes, völlig zerschlagen werden.
Vas wird in Bayern?
vor dem Zusammentritt des neuen Bayerischen Landtags.
Im Landtagsgebäude in München ist räumlich alles für den Zusammentritt des neugewählten Bayerischen Landtags am 24. Mai hergerichtet. In der Verteilung der Sitze für die einzelnen Fraktionen im Plenarsaal wird sich gegenüber der bisherigen Einteilung nicht viel ändern. Von rechts nach links sitzen die Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei, der Deutschnationalen, der National- fozialisten, die Bauernbündler, die Sozialdemokraten und die Kommunisten. Da die drei deutschnationalen Abgeordneten sich keiner anderen Fraktion anschlleßen wollen, rücken die Nationalsozialisten nicht zkft stärksten Fraktion im Landtag auf, und sie müssen sich daher mit dem Posten des Ersten Vizepräsidenten begnügen. Die sozialdemokratische Fraktion muß sich diesmal mit dem Posten des Zweiten Vizepräsidenten, für den wohl wieder der Abg. Auer in Betracht kommt, begnügen.
Wenn sich der Landtag konstituiert haben wird, dürfte eine Vertagung des Hauses auf längere Zeit eintreten, zumal die Beratung des neuen Staatshaushaltsplanes frühestens i nt Herbst in Angriff genommen werden kann. Da anzunehmen ist, daß die Bildung der neuen Regierung noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, dürfte das gefchäftsführende Kabinett bis zur Neubildung wohl noch längere Zeit im Amte bleiben.
Schlechte Note für Dingeldey. Prof. Graf zu Dohna aus der Deutschen Dolks- parlei ausgetreten.
Prof. Dr. Graf zu Dohna, der bekannte Bonner Strafrechtslehrer, hat feinen Austritt aus der Deutschen Volkspartei erklärt.
Graf zu Dohna, der der DVP. feit ihrer Gründung angehört und sie als Abgeordneter in der Weimarer Nationalversammlung vertrat, hat nicht die Absicht, sich irgendeiner an deren Partei anzuschließen. In einem Schreiben an den Parteiführer Dingeldey macht Graf zu Dohna der DVP. zum Vorwurf, daß sie „von dem Weg der unter Strefemann mit so großem Erfolg betriebenen Mitarbeit am Wiederaufbau des Staates abgewichen sei und sich zu einer Regierung in Opposition gestellt habe, die gewiß ihre Fehler habe, für deren Ersatz durch eine arbeitsfähige und erfolgreiche Regierung indessen die Voraussetzung einstweilen nicht gegeben fei."
Weiter betont Graf Dohna im Schreiben, daß ihm der Entschluß zum Austritt nicht leicht gefallen sei. Er habe diese schon lange erwogene Erklärung bisher auch deshalb hinausgefchoben, weil ihn noch ein persönliches Gefühl der Treue zu feinem alten und verehrten Parteifreund Wilhelm Kahl bei der Partei gehalten hätte. Nun fei aber auch dieses Band zjerris- f e n. ________________
* Gründung einer Opel-Filiale in Schanghai. Die Adam Opel-Rüsselheim hat in Schanghai in Anwesenheit von Geheimrat Wichelm von Opel eine eigene Niederlassung eröffnet. In Japan hat Opel in den ersten beiden Monaten feit Eröffnung der dortigen Niederlassung 134 Wagen verkauft, was für die deutsche Kraftwagenausfuhr angesichts der großen Zollschwierigkeiten ein erfreuliches Zeichen ist.
Danzig und Polen.
wtb. Genf. 19. Mai. (Eig. Meld.) Der Völkerbundsrat hat sich heute vormittag mit den zwischen Polen und Danzig schwebenden Streitfragen über den sogenannten Veredelungsverkehr, den Lagerverkehr und den Kompetenzverkehr beschäftigt. An den Verhandlungen nahmen der Präsident der Freien Stadt Danzig, Ziehm, und der Völkerbundskommissar von Danzig, Graf Gravina, teil.
Der Berichterstatter für diese Fragen, der eng« Asche Unterstaatssekretär Eden, teilte zu Beginn der Verhandlungen mit daß die beiden Parteien einen von ihm ausgearbeiteten Vorschlag zur Regelung der Streitfragen zugestimmt hätten. In diesem Vorschlag, der in die Form einer Entschließung des Völkerbundsrats gekleidet ist, wird betont, daß eine Entscheidung der Organe des Völkerbundes über eine „direkte Handlung" nach dem Wortlaut und dem Sinn unmittelbar ausgeführt werden muß. In dem Vorschlag wird weiter festgestellt, daß das polnische Finanzratsgesetz vom 18. 3. 1932 nicht in einer Weise angewendet werden darf, die die Fragen des Veredelungsverkehrs und des Lagerverkehrs vor ihrer materiellen Erledigung präjudiziert. Polen hat sich bereit erklärt, seinen Einspruch gegen die Entscheidung des Völkerbundskommissars, durch bie festgestellt wurde, daß Polen eine unzulässige „direkte Handlung" begangen habe, durchgeführt.
Der Vorschlag wurde vom Völkerbunds- rat einstimmig angenommen.
An die Annahme der Entschließung schloß sich eine Debatte, in der der Prä sent der Freien Stadt, Dr. Ziehm, die Vorgänge rügte, die der Danziger Wirtschaft durch die Maßnahmen der polnischen Regierung zugesügt werden. Er gab seiner Befriedigung über die Entschließung des Rates Ausdruck. Die augenblickliche Lage sei für Danzig unerträglich. Man habe der Freien Stadt bei ihrer Loslösung vom deutschen Reich wegen ihrer wirtschaftlichen Verbindung mit Polen e i n wirtschaftliches Blühen verheißen. Die heutige Lage entspreche diesen Verheißungen in k e i n e r W e i s e. Dr. Ziehm betonte zum Schluß, daß den wirtschaftlichen Rechten, die Polen auf dem Gebiete der Freien Stadt Danzig eingeräumt worden seien, die Pflicht gegenüber steht, auf die wirtschaftlichen Interessen Danzigs Rücksicht zu nehmen.
Der polnische Außenminister stimmte gleichzeitig der Entschließung zu und gab bann eine kurze Skizze der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Danzig und Polen.
Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen erklärte ber deutsche Vertreter im Völkerbundsrat, Botschafter Gras Welczek, daß in wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Danzig außer der allgemeinen Wirtschaftsdepression besondere Faktoren vorhanden seien, die dazu beigetragen hätten, die Wirtschaftslage ber Freien Stadt Danzig ernsthaft zu verschlimmern. Er wies an Hand eines sehr beweiskräftigen Zahlenmaterials nach, daß die Danziger Ausfuhr nach Polen, wegen der der Konflikt entstanden ist, für die polnische Handelsbilanz praktisch keine Rolle spielt. Es sei nicht zu verkennen, daß bie wirtschaftliche Spannung zwischen Polen und Danzig einen außerordentlich ernsten Charakter habe.
Der Danziger Völkerbundskommissar, Graf Gravina, wies auf bie ernsten Folgen hin, bie die Spannung zwischen Danzig und Polen auf das Wirtschaftsleben ber Freien Stabt haben könnten, ffs sei feine Aufgabe, für die Aufrechterhaltung normaler Beziehungen zwischen den beibeii Staaten zu sorgen. Diese Aufgabe sei nicht immer leicht.
Zum Schluß ergriff der Berichterstatter, Unterstaatssekretär Eden, das Wort zu einer Erklärung, die den Charakter einer Vertrauenskundgebung des Grafen Gravina tr u g.
Dann wurden die Verhandlungen über bie Danziger Frage geschlossen.
Sie Lehrerschaft fleht zum volksslaak.
In R o st o ck hielt der Deutsche Lehrerverein, der die meisten deutschen Lehrer, soweit sie nicht im Katholischen Deutschen Lehrerverein zusammengeschlossen sind, umfaßt, seine Jahrestagung ab. Der Deutsche Lehreryer. nahm nach einer ausgedehnten Debatte, in ber zum Ausbruck kam, baß ber D.L.V. fast restlos hinter ber Reichs- Verfassung steht, eine Entschließung an, in der alle Kreise eindringlichst zum Schutze der Jugend, insbesondere auch gegen deren politische Verhetzung aufgefordert werden, ferner ber Ausbau ber Schule sowie bas Höchstmaß von erzieherischer Fürsorge für bas Heranwachsende Geschlecht gefordert wird. Es sei Pflicht des Staates, alle erziehungsfördernben Käste zu wecken und zu stärken. Der D. L.V. bekenne sich zu dem auf der Gleichberechtigung und der staatsbürgerlichen Mündigkeit aller Volksgenossen beruhenden V o l k s st a a t.
Die Vertreterversammlung befaßte sich auch mit der Junglehrerfrage. Nach dem Vortrag eines Vertreters der Junglehrerschaft wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, m der erneut gefordert wird, die für bie Schuljugend unseres Volkes notwendigen und wertvollen Kräfte des Junglehrergefchlechts nicht länger brach liegen zu lassen.
Im Jahre 1933 wird die Vertreterversammlung des Deutschen Lehrervereins zugleich mit der Tagung der Deutschen Lehrerschaft in Magdeburg stattfinden.
Die Abrüstungs-Konferenz
Die Ausschüsse ber Abrüstungskonferenz haben am Mittwoch ihre Arbeiten wieder aufgenommen.
Die sowjet r us s ische Regierung hat auf ber Abrüstungskonferenz einen Antrag eingebracht, nach dem sich die Regierungen verpflichten sollen, ber Konferenz Mitteilungen über bie in den RÜ» Runge inbuftrien ber einzelnen Länder angelegten Privatkapitalien zu machen, damit grundsätzlich eine wesentliche Verminderung dieser Privatkapitalien erreicht wird.
Der deutsche Gesandte in Bukarest hatte am Mittwoch eine Unterredung mit dem rumä« Nischen Ministerpräsidenten Jorge. Hierbei wurde dem Gesandten mitgeteilt, daß an eine Inkrastsetzung des Vorzugszollvertrages zur Zeit nicht zu denken sei.
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wtb. Paris, 19. 5. (Eig. Meld.) Die gestrige Unterredung des Präsidenten Lebrun mit Her- riot galt in erster Linie der Abrüstungskonferenz und dem Reparationsproblem.
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wtb. Paris, 19. 5. (Eig. Meld.) Herri ot schließt sich in der Ere Novelle dem Standpunkt Paul Boncours in der Abrüstungsfrage an.
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wtb. Genf, 19. 5. (Eig. Meld.) Der deutsche Antrag, der die gesamte militärische Lustschiffahrt und den Abwurf von Kampfmitteln aus Flugzeugen als besonders o s f e n s i v bezeichnet, wurde im Luftfahrtausschuß mit 22 gegen 7 Stimmen abgelehnt.
Hebet die Korridor-Frage.
wtb. Rewyork, 19. Mai. (Eig. Meldg.). Der ehemalige polnische Staatspräsident Paderewski sprach auf einem ihm zu Ehren veranstalteter Ab- schiedsbankett, dem zahlreiche Persönlichkeiten aus politischen und Finanzkreisen beiwohnten, in einer einstündigen Rede über bie Korridorfrage, die er als eine Frage zwischen Preußen und Polen bezeichnete. Er meinte, die Beseitigung des Korridors würde eine neue Teilung Polens bedeuten, gegen die sich Polen mit allen Mitteln wehren werde. Polen suche, so erklärte Paderewski, mit Deutschland in Frieden zu leben, dessen große zivilisatorische Leistungen es aufrichtig bewundere.
Paderewski, ber große Musiker, hat bekanntlich schon wiederholt für Polen in. Amerika mit Erfolg Stimmung gemacht. Jetzt ist sein Hervortreten in der Angelegenheit des Korridors Zweifel- los durch auffebenerregen.be Aeußerungen der amerikanischen Presse bewirkt worden, in denen gegen diesen Korridor scharf Stellung genommen wurde.
Gylys Gouverneur des Memelgebieles.
wtb. Kowno, 19. 5. (Eig. Meld.) Der Präsident hat heute den liauifchen Generalkonsul in London, Gylys, zum Gouverneur des Memelgebietes ernannt. Der neue Gouverneur tritt bereits heute seinen Posten in Memel an. Wie verlautet, soll in den nächsten Tagen das lstauische Direktorium S i m a i t i § zurücktreten.
Die Regierungsbildung in Zupun.
wtb. Tokio, 19. 5. (Eig. Meld.) Reuter: Zwischen dem Innenminister Suzuki und dem Kriegsminister General Araki soll jetzt eine Emi- gung über die Art des zu bildenden neuen Kabinetts zustande gekommen fein.
Ermordung von Ausländern in der Mandschurei.
wtb. Charbin, 19. Mai. (Eig. Meldg.). Ein Engländer und ein Amerikaner, die an einer Jagd am Snngari-Fluß teilnahmen, sind von Aufstän- bigen ermorbet worben. Das gleiche Schicksal fanben zwei Japaner, die sich auf der Reise nach Tsitsikar befanden.
Hitler und der Landtag.
Die nationalsozialistische preußische Landtagsfraktion, bie am Donnerstag vormittag in Berlin zufammentrat, hatte gleich Lokalschwie. rigk eiten. Nachdem die neuen Landtagsabgeordneten Fahrkarten und Ausweispapiere im Landtagsgebäude entgegengenommen hatten, begaben sie sich zum Hotel Prinz Albrecht. Adolf Hitler, ber dieser Sitzung beiwohnen wollte, hatte es nämlich abgelehnt, das Landtagsgebäude zu betreten und dort, in dem ordentlichen Sera- tungsraum der nationalsozialistischen Fraktion, seine Weisheit über das, was in Preußen geschehen soll, von sich zu geben. So ging man in das Hotel. Am Nachmittag wollen jetzt die Nazi- Abgeordneten im Landtagsgebäude ihre Fraktions. sitzung fortführen und feststellen, ob auch in A b- Wesenheit des braunschweigischen Re- gierungsrats Adolf Hitler, gebürtig aus Braunau in Niederö st erreich, wohnhaft in ber baye. rischen Hauptstadt München, preußische Politik gemacht werben kann.
Die belgeische Kabinettskrise.
Renkin mit der Bildung des belgischen Kabinetts beauftragt
wtb. Brüssel, 19. Mai. (Eig. Meld.) Der König hat ben bisherigen Ministerpräsidenten Renkin mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt.