Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk. ____

irr. 114

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im ßifö* undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Donnerstag, 19, Mai 1932.

Monatlich 1.65 einschlietzl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk Frankfurt a. M 4051.

lairg. 59.

Hindenburg-Lime".

Aus Berlin wird uns geschrieben:.

Die kurze Psingstunterbrechung des politischen Lebens hat mit ihren Möglichkeiten einer ruhigen Ueberdenkung der Lage, wie es scheint, bei den verantwortlichen Persönlichkeiten Wirkungen ge­zeitigt, die noch am Schluß der vergangenen Woche nicht ohne weiteres zu erwarten waren. In einem Saß ausgesprochen: Man glaubt nicht mehr an eine Vertagung der politischen Entscheidungen bis zum Abschluß oder Auffliegen der Lausanner Kon­ferenz. Man will innenpolitisch in recht einfluß­reichen Kreisen sofort reinen Tisch machen. Man will in großem Maßstab die Regierung umbilden, um dadurch die dringend notwendige breitere Front für das Auftreten des Außenministers Dr. Brüning in Lausanne zu schaffen. Wie gesagt, diese Dinge sind noch im Fluß, aber es wäre falsch, ihre große Bedeutung zu uterschätzen. Es bildet sich bereits auch immer klarer jene Linie ab, die bei den kommenden Verhandlungen im Innern eine starke Durchschlagskraft entwickeln dürfte. Man faßte sie in politischen Kreisen in das WortHin­denburg-Linie" zusammen. Und man erklärt viele Vorgänge der leßten Zeit von diesem Gesichts­punkte aus.

Es ist nicht unwichtig, diese Entwicklung und den politischen Tendenzen der sogenannten H i n- denburg-Linie besondere Aufmerksamkeit zu schenken, weil in den politischen Zirkeln der Reichshauptstadt die Motive der führenden Män­ner ungemein verschiedenartig beurteilt werden. Es gibt Kreise, die das Kennzeichen der gegen­wärtigen Lage in dervölligen Planlosig­keit der verantwortlichen Regierungsstellen er­blicken, die auch dem Reichskanzler eine Taktik desFortwurstelns" unterlegen. Es gibt andere, die davon sprechen, daß sich Dr. Brüning so aus­schließlich in den außenpolitischen Gesichts­kreis hineingearbeitet habe, daß er darüber die Konfliktsmöglichkeiten der Innenpolitik unter« schätzte. Es gibt aber auch recht gut unterrichtete Kreise, die von der konsequenten Ver­wirklichung eines politischen Plan es sprechen, der von führenden Persönlichkeiten mit Einverständnis des Reichspräsidenten entworfen ipurbe und von . dem aus alle einzelnen Konflikte und Lösungsmöglichkeiten ausschließlich beurteilt werden müssen. Die Anhänger der letzteren Auf­fassung erklären interessanterweis^ das Ausschei­den Groeners aus dem Reichswehrministerium durch dgs Abweichen des ehemaligen General­quartiermeisters von der ursprünglich festgelegten Linie. Sie betonen, daß man in der Umgebung des Reichspräsidenten eine Heranziehung der Nationalsozialisten zur Verantwortung auf das Dringendste wünsche, daß man aber da­für zwei Voraussetzungen mache, einmal die Kontinuität der von dem Reichskanz­ler Dr. Brüning bishundert Meter vor dem Ziel" durchgeführten Be­freiungspolitik von den Reparationszah­lungen, dann aber die absakute Siche­rung des Reichswehrministeriums gegenüber jeder politischen Einfluß­nahme, möge sie nun von links oder rechts kom­men. Man sieht gerade den Fehler Dr. Groe­ners darin, daß er in dem Sturm der politischen Angriffe im Reichstag die Nerven verlor, daß er sich fortreißen ließ und jene absolute Ueberpartei- lichkeit des Reichswehrministeriums nicht genü­gend herausarbeitete. Man faßt die Rede Groe­ners als eine unbeabsichtigte Option für das Reichsbanner auf, die sofort den tatkräftigsten Verfechter der Hindenburglinie im Reichswehrmini­sterium. General von Schleicher, auf den Plan rief und ihn in der bekannten Unterredung mit dem Reichskanzler zu der Erklärung drängte, daß auf oieser Basis Dr. Groener nicht mehr das Ver­trauen der Heeres- und Marineleitung erhalten bleiben könne. Es ist bemerkenswert, daß man in diesen Kreisen den angeblichen Konflikt, cer auf Grund dieser Erklärung zwischen dem Reichskanzler und General von Schleicher entstan­den sein soll, mit einem Achselzucken ab*

Rkun behauptet, das Gegenteil' fei der Fall, x runJ*t0- der mit General von Schleicher auf her Grundlage der Hindenburg-Linie Hand in Hand zulammenarbeite habe sofort den Fehler des Reickswehrmlnisier zugegeben und mit jener gre^en Ruhe , die man feinen Entschlüssen in den Frthfdjen etunfeert dieser Reichstagssession nack>- ruhmt, die Konsequenzen daraus gezogen Er habe freilich zunächst noch an seiner alten These festgehalten, daß die entscheidende Umbildung des ReichsLabinetts erst nach Lausanne fäl­lig sei. Er sei aber in den letzten Tagen zu der Einsicht gekommen, daß sich diese Auffassung nicht mehr halten lasse und daß man bei der Gefähr­dung auch anderer Positionen der jetzigen Reichs­regierung die seit langem geplante Umbildung «her vornehmen müsse, als beabsichtigt war.

Außenpolitische Gesichtspunkte werden selbst- Uerständlich für eine derartige Sinnesänderung bes Kanzlers, wenn sie den Tatsachen entsprechen Mte, auch angeführt. Man verweist immer wie- auf jene Worte in der großen Kanzlerrede dem Reichstag, in denen die außenpoli- f 6 « Linie jeder künftigen deut- J " Reichsregierung vorweggenom- in a fe ft gelegt wurde. Man betont auch Unt-E^^kreisen, daß das viele private Slufeem? r der letzten Monate für die deutsche bafe 2, 1 nur ungünstig gewesen sei, und dentea " eud>n der Umgebung des Reichspräsi- au/ hrt=m Zukunft derartige private Ausflüge AuL-nn,1-?°^iiche Gebiet des verantwortlichen

6 mtfter§ zu durchkreuzen wünsche. Auch

Ein neues Rundschreiben des Papstes.

Huf um Hilfe gegen die drohenden Aebel.

wtb. Rom, 18. Mai. (Eig. Meld.) Das neue Rundschreiben des Papstes über die gegenwärtige Rot der Menschen beginnt mit den Worten:Die Liebe Ehristi drängt uns". In dem Rundschreiben heißt es: Der Heilige Vater erhebt aufs Reue feine Stimme, um alle zu mahnen, sich zu vereinen und sich mit aller Kraft den liebeln, die die ganze Menschheit drücken und den noch schlimmeren, die sie bedrohen, entgegenzustellen. Der Papst fragt nach der Wurzel der Wirrnis und findet sie in der Gier nach irdischen Gü­tern. Unterdessen machen sich, so sagt der Papst, die Umsturzparteien das allgemeine Elend zu nut­zen und entrollen immer schamloser die Ban­ner der Gottlosigkeit und des Hasses

Wir schreiben das vierzehnte Jahr nach dem Weltkriege und matt sollte denken, daß all­mählich der Friede seinen Einzug gehalten hätte, aber nichts von alledem.

Die Welt hat sich in einen Irrgarten ver­wandelt, aus dem niemand mehr den rechten Weg herausfindet. Gegenseitig ist das Mißtrauen stärker geworden wie vor dem Kriege und die Abgeschlossenheit der verschiedenen Natio­nen gegeneinander und die Machtpolitik einzelner Länder läßt einen wahren Weltfrieden nicht auf» kommen. Sie haben aus der anderen Seite dafür gesorgt, daß eine Weltwirtschaftskrise von einem unerhörten Umfang über die Völker hereingebrochen ist. Sie droht, nicht nur Eu­ropa, sondern die ganze Welt mit in den Strudel des Verderbens zu ziehen. Ihre Folge ist die breiteste Unzufriedenheit in den einzelnen Ländern und die weitere Folge das Aufflammen eines Nationalismus, der in dem Bestreben, dem eigenen Volke zu helfen, sich- schlimmer auszu­wirken droht wie je ein Nationalismus der Vorkriegszeit. Und diese Unzufrieden­heit und dieser Nationalismus treiben die Men­schen zunächst zur unbesonnenen Tat, zum Attentat.

Die letzten Worte, die der sterbende Präsident Frankreichs, Doumer, seinem Arzte zuftüsterte, sollen die gewesen sein: ,Zch habe ihnen doch nichts getan. Für die Mehrzahl der großen Attentate in den letzten Jahren und auch in den letzten Wochen ist es bezeichnend, daß der Er­mordete seinem Mörder und der Verletzte seinem Bedroher nichts getan hat. Wir erinnern uns des Bombenanschlags auf den König Viktor Ema­nuel von Italien bei seiner Anwesenheit in Mai­land, der harmlose Zuschauer verstümmelte und und tötete und der selbst, wenn er den König mitgetroffen hätte, ein unschuldiges Opfer sich auserkoren hätte, das an den Zuständen in Italien doch keine Schuld trägt und das irgend etwas zur Zeit zu ändern nicht in der Lage wäre. Noch sinnloser war das Attentat auf den deutschen Gesandten von Baligand, der dem Irrsinn eines Danziger Seemannes zum Opfer fiel, die Ver­wundung des deutschen Botschaftsrates von Twar- dowski in Moskau. Und ebenso irrsinnig war sicherlich das Attentat auf den Präsidenten von Frankreich Doumer, das nicht nur bei dem Opfer ''elbst, wie obige Worte erkennen lassen, auf un­begreifliches Verständnis stieß, sondern das in aller Welt Kopfschütteln hervorries.

Und doch liegt allen diesen Attentaten ein Motiv zugrunde, das bewußt ober unbewußt die Täter lenkt, wenn sie sich auch noch auf so falschen Bahnen bewegen. Es ist bas die all­gemeine Unzufriedenheit. Der Krieg, der Millionen unschuldige Opfer gefordert hat, hat den Wert des Menschenlebens herab gemindert und hat die Moral tief sinken lassen. Ueberall sehen wir die rohe Kraft und blutige Gewalt triumphieren über Besonnenheit und gemäßigte Politik. Und es darf es uns nicht wunder nehmen, das sogenannteGesetz der Serie" wieder einmal bestätigt zu sehen in der Ermordung des japani­schen Ministerpräsidenten. Es ist, als wenn die zerstörende Hand die Welt umkreist und sich die Wertvollsten zum Opfer sucht. Seit dem blutigen Attentat in Schanghai, dem eine Reihe führender Japaner, besonders des Heeres, zum Opfer fiel, kocht es in der japanischen Seele. Die politischen Führer in Japan haben längst das Verderbliche ihrer chinessichen Erpedition emgesehen. Gewiß, vom rein japanischen Standpunkt aus gesehen, war diese E^pedision insofern zunächst berechtigt als sie galt, den chinesischen Bopkott gegen igpanische Waren zu brechen, der für Japans Tvirftchaft und Industrie auf die Dauer zum 93er«

die letzte Rede des Zentrumsabgeordneten Joos in Essen deutet in diese Richtung.

Die Frage ist selbstverständlich: Wie soll die neue Regierung aussehen? Hier scheint gegenwärtig der sehr energische Versuch unternommen zu werden, die Nationalsozialisten aus ihrer Abseitsstellung hervorzurufen und sie gegebenenfalls unter Preisgabe der sozial­demokratischen Unterstützung an der Regierung zu beteiligen. Besonders die Reichstagsrebe des Abgeordneten Straffer stimmte mit biefen Ten­

gegen jegliche 'Religion. Früher waren die Gottlosen vereinzelt in der großen Menge, heute dagegen bilden sie in verschiedenen Ländern ein fest geschlossenes und wohlgegliedertes Heer.

Der Papst beschwört al le Völker der Erde, abzulassen von der niedrigen Selbstsucht und alle Kräfte in einer einzigen Front zu ver­einen. In diesem Kampfe für die Reli- gion und den sozialen Frieden müsse man alle erlaubten menschlichen Mit- tel gebrauchen.

Im letzten Teil des Rundschreibens fordert bann der Papst auf, das Fest des Heiligen Herzens Jesus für die ganze Kirche zu einem Tag heiliger Sühne und Bitteifers zu machen.

hängnis und Ruin führen mußte. Aber die Ge­fahren, die dieses japanische Vorgehen gleichzeitig mit sich brachten, waren auch so groß, baß die japanischen Staatsmänner, soweit sie politisch ein­gestellt sinb und die Tragweite ber militärischen Unternehmungen erkannt hatten, versuchten, zum richtigen Zeitpunkt enizulenken. Dieses Einlenken, das durchaus einer zielbewußten gemäßigten Poli­tik entsprach', wurde ihnen wieder von der Militär käste übet vermerkt, die sich, wie so häusig nach« längerem Ruhen zu stark fühlte, um nicht durch Gewalt ihr Ziel erreichen zu können. Trotz Europäisierung und fortschreitender Kultur bricht sich die asiatische Auffassung immer wieder Bahn und so sehen wir hier plötzlich di« jahrhundertalte Gesellschaft des Schwarzen Dra­chen am Werk. Die jungen Angehörigen der Offiziers- und Adelskaste protestieren mit blutiger Tat nicht gegen ein Unrecht, das gegen sie per­sönlich oder gegen ihren ganzen Stand gerichtet war, sondern sie protestieren gegen b i e gemäßigte P olitik der japani schen Staatsmänner, die ihnen nicht als Politik des klugen Nachgebens erscheinen will, sondern in ber sie bie Politik einer nationalen Entwürdi­gung sehen, weil diese Politik ihrer Meinung nach durch den Friedensvertrag von Schanghai, durch die - Zurücknahme der japanischen Truppen in der Mandschurei und durch die Neuanknüpfung inter­nationaler Verhandlungen das Ansehen Japans in der Welt herabzusetzen geeignet ist.

Also auch' hier in Japan der Kampf der Gewalt, der rohen Uebermacht gegen­über einer Regierung der Verständi­gung und der klugen Mäßigung. Auch hier sucht die Militärkaste Politik auf eigene Faust zu machen und an die Stelle eines ge­mäßigten Kabinetts ein Kampfkabinett zu -setzen, das nicht auf Frieden eingestellt ist, sondern auf blutigen Krieg, der Japan leicht in weitere Verwicklungen und da­durch' in unermeßliches Elend stoßen kann. So sehen wir in der ganzen West die Revolution der Unzufriedenheit und den Sieg der blutigen Unvernunft über Besonnenheit und Ver­nunft. Es regieren auch im Fernen Osten Asiens, ähnlich- wie in Europa, nicht kluges Han­deln und geistige Ueberlegenheit,son- bern starke Worte und die Macht der gepanzerten Faust.

*

Die Mörder des japanischen Ministerpräsiben- ten haben ansqesagt, daß der Mord schon seit meh­reren Monaten vorbereitet gewesen sei. Unter den Mitgliedern ber Drachenorqanisation sind am Dienstag neue Verhaftungen vorgenommen wor­ben.

In Berlin aber schreibt das Oroan des Ge­heimen Rates Alfred Huaen^erg. ber Deutfchnatio- nale Preffdienst vom 16. Mai über das verwerfliche Tokioer Attentat unetr der UeberfchriftBlutige Sonne" u. a.:

Die Attentäter von Tokio empfanden sich als Be­auftragte eines ganzen Volkes (!!), als Fortsetzer einer, »enn auch noch so blutigen, so doch heiligen natio­nalen Tradition (!!) und als Vollstrecker eines Richter­spruches (!!), der in der ewigen Seele des Volkes selbst gefällt worden war . . . Die jungen Angehörigen der OffBiers« und Adelskaste . . . wollten einer Politik des Nachgebens und der nationalen Würdelosigkeit ein Ende sitzen . . . Ihr blutiger Protest bat Erfolg gehabt. Die Regierung der 23er ständigung ist hinweg­gefegt (!!) und an ihre Stelle tritt ein Kampfkabinett (!!), das die Fahne der blutigen Sonne in erneutem Vormarsch tief in bas cherz Chinas tragen muß, will es mckst gleichdunklem Schicksal anheimfallen."

Ist eine solche Darstellung nicht in der heutigen Situation gemeingefährli ch?

denzen überein. Sie wird auch jetzt noch als ein Angebot zum mindesten an die christlichen Ge­werkschaften betrachtet, auf die allzu enge Zu­sammenarbeit mit den freien Gewerkschaften zu verzichten und ber Durchführung eines groß­zügigen Arbeitbeschasfungsprogramms keine Schwie­rigkeiten zu bereiten. Es sind bemgegenüber na­türlich bei ben Nationalsozialisten noch starke Kräfte vorhanben, bie gegen eine Beteiligung ber NSDAP, bei ber neuen Regierungsbildung sind. Man scheint aber gerade in ben Kreisender

Hindenburgpolitiker die NSDAP, daraus hinzu­weisen, daß ihre Hoffnungen auf einen absoluten Endsieg nach Auflösung des Reichstages sehr problematisch seien. Man macht auch kein Hehl daraus, daß selbstverständlich den berechtgiten Wünschen der NSDAP, bei einer solchen Regierungsbildung Rechnung getragen würde, auch dann, wenn es sich im Anfang zunächst um ein m ehr über­parteiliches Kabinett handeln sollte, bas auf der Grundlage einer Tolerierung durch alle Rechtsparteien den außenpolitischen Kamps wei­ter durchzusühren hätte. Es ist in diesem Zu­sammenhang von Bedeutung, baß im Augenblick die Verhandlungen, wie man hört, nicht nur um die Neubesetzung des Reichswehrministeriums, des Reichsinnenministeriums und des Wirtschaftsmini­steriums geführt werden, sondern daß auch bie Aussprache ernsthaft über Veränderungen im Reichsarbeitsministerium, im Reichsernährungs- Ministerium und anderen wichtigen Poften geht. Was habet herauskommt, werden wohl bereits die nächsten Tage zeigen. Es ist möglich, daß bei der Vertagung einer unmittelbaren national­sozialistischen Pegierungsbeteiligung ein f o ge­nanntes Präsidia l-K abine11 mit er­weiterten Vollmachten gebildet wirb. Es werden aber auch, wie gesagt, weitergehende Konsequen­zen nicht für völlig unmöglich gehalten. Man braucht nicht ausdrücklich zu betonen,, daß bie Lö­sung der bsilang ungeklärten preußischen Frage aufs engste mit her Entwicklung der Dinge im Reich verbunden ist. Ein Rechtsruck im Reich würde einen Rechtsruck in Preußen nach sich ziehen. Die Bildung eines Präsidial-Kabinetts würde sich aber in Preußen höchstwahr­scheinlich gleichfalls in Aenderungen innerhalb einer geschäftsführenden Regierung, eventuell in der Ein - setzu n g eines Reichskvmmissars aus­wirken. 1

Wir wiederholen noch einmal, bie Entwick­lung braucht nicht fo zu gehen, dievoran- stehenden Aeuherungen sinb auch keineswegs atS taktische Besürw ortung der einen ober an­deren Richtung gemeint. Sie referieren, was gegenwärtig in den politischen Zirkeln Berlins an ernst zu nehmenden Gesichtspunkten diskutiert wirb. Sie bienen einer unparteiischen In­formation, bie ben Leser vor Ueberraschun- gen bewahren und auf die nicht abzuleugnende Zuspitzung der Lage aufmerksam machen soll.

Das Reichskabinett fetzte am Dienstag nach­mittag feine Beratungen fort. Diese beziehen sich insbesondere auf bie Finanzierung der Arbeits- ko'senfürsorge. Den Beratungen waren persönliche Unterredungen des Reichskanzlers mit Schlei­cher und Dr. G o er b e I e r vorausgegangen.

Gegenüber Blättermeldungen, daß ber R e i chs- Präsident seinen Urlaub in Neudeck bis gegen Ende des Monats ausdehnen werde, ist festzustef- len, daß die Frage noch offen ist. Der Reichs­präsident hat noch keine Entscheidung über feine Rückkehr nach Berlin getroffen.

Außenpolitische Aussprache am Dienstag.

VDZ, Berlin, 18. Mai. (Eig. Meld.) Für Diens­tag, den 24. Mai, vormittags, ist ber Auswärtige Ausschuß des Reichstages von seinem Vorsitzenden Dr. Frick (Nat.-Soz.) einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehtBericht des Reichskanz­lers und Reichsaußenministers über die Genfer Verhandlungen, Tribute, ausländische Schulden, Abrüstung,Memelland, Danzig".

Eine offiziöse Verlautbarung.

C.N.B. Berlin, 18. Mai. (Eig. Meld.) Zu den zahlreichen Erörterungen und Kombinationen in den gestrigen und heutigen Blättern über die Ka­binettsberatungen und bie Besetzung der freien Ministerien sowie die Besprechunugen, die der Kanzler gehabt hat, wird von zuständiger Stelle daraus hingewiesen, daß Reichskanzler Brüning die Absicht hat, erst die anstehenden sachlichen Aufgaben zu lösen und bann erst die Ergänzung des Kabinetts vorzunehmen. Vor allem muß ber Etat erledigt und die verschiedenen dringenden fo« zialpolitischen Fragen, wie Arbeitslosenfrage, Siedlung und Arbeitsdienstfrage abgeschlossen wer­den. Wenn in der Presse an den gestrigen Emp­fang des General von Schleicher und des Leip­ziger Oberbürgermeisters Gördeler beim Reichs­kanzler Schlußfolgerungen über die Besetzung ber freien Ministerien gezogen worden sind, fo wird demgegenüber von unterrichteter Seite betont, baß gestern nicht mit einem Wort von einem Wechsel gesprochen worden ist. Im übrigen dürste es wohl selbstverständlich sein, daß der Reichskanzler auch mit dem Ches des Ministeramtes im Reichs- wehrministermm Fühlung nimmt. Den gestrigen Besprechungen des Kanzlers werden außerdem in den nächsten Tagen noch eine ganze Reihe weitere Empfänge folgen. Rach Abschluß der sachlichen Arbeiten im Reichskabinett wird Reichskanzler Brüning dem Reichspräsidenten Bericht erstatten und bei dieser Gelegenheit aber auch erst bann naturgemäß auch die Personalfrage erörtern. Reichspräsident von Hindenburg wird aller Vor­aussicht nach noch bis Ende des Monats in Neu­deck bleiben. Ein Besuch des Reichskanzlers wird zweifellos nicht stattfinden. Es ist aber denkbar, daß Staatssekretär Meißner inzwischen den üblichen bürvmäßigen Vortrag beim Reichspräsi­denten halten wird.

Irrsinnige Mentale und Well-Ansrieden.

Die Heimsuchungen der Menschheit im Gefolge der Weltkriegs- Katastrophe. Wird gegen die Volks -Verhetzer doch noch einmal Front gemacht?