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Mr». 59.

Mittwoch, 18. Mai 1932

Ilr. 113

MNMr-Revotte in Japan

Auch der Reichspräsident v. Hindenburg sprach seine herzlichste Teilnahme aus.

sen die deutsche Gesetzgebung der letzten Jahr­zehnte auf das wesentlichste gefördert. Ein gro­ßer Kreis von Verehrern und Freunden steht trauernd an seiner Bahre. Er neigt vor dem Hüter und Gestalter des Rechts", wie der Herr Reichspräsident -ihn anläßlich des 80. Geburtstages nannte, in Ehrfurcht das Haupt und wird fein Andenken alle Zeit in hohen Ehren hal­ten. Reichskanzler Dr. Brüning."

Von einem Berliner Mitarbeiter wird uns zum Tode Kahls noch geschrieben:

Drei Tage vor Pfingsten, als schwere Tumulte den Reichstag durchstürmten, erzählte man sich in der Wandelhalle, daß die Krankheit des alten Ge­heimrat Kahl eine Wendung zum Schlechteren ge­nommen habe. Die älteren Parlamentarier spra­chen traurig und bekümmert davon. Ein guter Geist des Hauses war im Dahinschwinden begrif­fen. Sein Krankenlager erschien zugleich das des deutschen Reichstages zu sein. Der Lärm der letz­ten Sitzungstage drang bis in das Sterbezimmer des großen Juristen und Ehrendoktors der vier Fakultäten. Als Wilhelm Kahl die Augen schloß, war eine Epoche des Parlamentes abgelaufen. Richt nur ein Führer und Warner, das gute ® e« wissen des Reichstages starb dahin. Die junge Generation der Abgeordneten steht apf einem völlig anderen Boden. Sie ist aus grö­berem Holz geschnitzt. Sie ist aktivistischer, da­für aber längst nicht so feinfühlig, Realistisch und von sittlichem Feuer durchglüht rote der alte Ge-

Staatssekretär Stims,on erklärte bei seiner Ankunft in Neuyork, daß er über den Ausgang der Abrüstungskonferenznicht optimistisch, aber hoff­nungsvoll" gestimmt fei.

Prof. Kahl hat sich auch um das evange­lische kirchliche Leben große Verdienste erwor­ben. Er war Mitglied des General-Synodal- Vorstandes der evangelischen Landeskirche Preu­ßens und des deutschen evangelischen Kirchenaus- schiusses. Während des Weltkrieges war er wäh­rend der Universitätsferien als Delegierter des Roten Kreuzes im Felde. Wilhelm Kahl ist mit zahlreichen Veröffentlichungen über Strafrecht, Kirchenrecht ufw. an die Oeffentlichkeit getreten und war Mitherausgeber der .Deutschen Juristenzeitung".

nem Wesen nach ein Liberaler war, so glaubte er an die Idee des Liberalismus auch als Leitstern in die Zukunft hinein. Radikalismus in revolu­tionärer und umstürzlerischer Form war dem gro­ßen Juristen im innersten verhaßt. Er wußte um die chaotischen Käste des Lebens und der Po­litik, aber sein Ruf ging dahin, sie zu überwinden und die segensreiche Himmelstochter, die heilige Ordnung in Staat und Gesellschaft, in Recht und Sitte, in Kirche und Religion als das höchste Gut zu realisieren.

An der Bahre Wilhelm Kahls neigt sich nicht nur eine Partei oder ein Berufsstand. An ihr neigt sich das deutsche Volk. Er war der Besten einer. Wir werden den Mangel an Männern sei­ner Art bitter spüren.

Während der Feier kreuzte der Do X über der Kirche.

Englische Parlamentarier bereisen Schlesien.

rotb. Landshuk, 17. Mai. (Eig. Meld.). Zum Studium der Verhältnisse an der deutschen Ost­grenze bereist gegenwärtig im Auftrag des eng­lischen Auswärtigen Amtes eine aus englischen Parlamentariern bestehende Kommission Schlesien. Die englischen Gäste trafen unter Führung von Landesrat von Stutterheim aus Breslau gestern vormittag in Grüssau ein und besichtigten unter Führung des Heimatforschers Benediktinerpater Ni­kolaus von Lutterotti die Kunstschätze des schlesi­schen Barocks im Kloster Grüssau. Von hier fuh­ren die englischen Parlamentarier in Automobilen weiter nach Bad Salzbrunn.

DD.Z. Berlin, 17. Mai. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. hört, haben sich auch Deutschnationale und National­sozialisten dem kommunistischen Er­suchen angeschlossen, den Reichstag bereits zum 19.

Die Lausanner Konferenz darf nicht scheitern DerMarin" über die Gedankengänge des Reichskanzlers zur Lausanner Konferenz.

wtb Paris, 17. Mai. (Eig. Meld.). Ein nach Berlin entsandter Berichterstatter desMatm glaubt die Gedankengänge des Reichskanzlers be­treffend der Lausanner Konferenz folgenderma­ßen paragraphieren zu können: Wenn Frankreich von Nationen, die mehr denn je mit der Arbeits­losigkeit und der Wirtschafts- und Währungskrise w kämpfen haben und sich immer mehr dafür aussprechen, daß man die Schulden und Repara­tionen streichen müsse, aufgefordert wird, zu Deutschlands Gunsten seine Forderungen aufzu­geben wird es nicht den Fehler begehen, mit einem brutalen endgültigen Nein zu antworten. Wenn es feine Jntransigens bis zum Aeußersten treiben würde, würde es Gegenstand einer allge­meinen Feindseligkeit werden. Man würde mit Fingern auf Frankreich weisen und es beschuldi­gen,' den Hitler-Leuten geholfen zu haben, ans Ruder zu kommen. Frankreich würde dann für die Verschärfung des allgemeinen, in der West herrschenden Unbehagens verantwortlich gemacht werden. Deshalb würde Frankreich früher oder später sich gezwungen sehen, von den Buchstaben der Verträge abzugehen und Deutschlands ent­schlossener Wille, für immer die Tributmhlungen abaulebnen, würde eine internationale Genugtuung finden.

Der Reichskanzler ist, so erklärt der Sonderbe­richterstatter desMatin" aus gut unterrichteter Quelle, davon überzeuat, daß der Mißerfolg der Lausanner Konferenz sich zu einer We11kat a- strophe auswirken würde. Deutschland würde in seinen Zusammenbruch die meisten Völker rnit- hineinziehen. Keine Großmacht, nicht einmal Frankreich, würde dem Wirbelsturm widerstehen. Gläubiger und Schuldner würden zwangsläufig sich gleichgestellt sehen.

Amerika und die KregMuldsrage.

wtb. Newyork, 17. 5. (Eig. Meld.) An dem Ehrenaltar für die Toten des Westkrieges in der St. Pauls-EpiskopaUirche in Hoboken wurde ge­stern in Gegenwart von Vertretern englischer, französischer, italienischer, belgischer und aller hie­sigen Veteranen-Organisationen die deutsche Flagge neben den Fahnen der amtierten Mächte angebracht. Generalkonsul Kiep, der dem ameri­kanischen Admiral Conß die Flagge überreichte, wies darauf hin, daß diese Kundgebung das gleiche Ziel verfohge, tote die vorjährige Verbrüderung der amerikanischen Legion mit den deutschen Ve­teranen in Neuyork, wobei eine Entschließung gegen die Behauptung von der deutschen Kriegsschuld und gegen die Kriegsverträge gefaßt worden war. Die deutsche Flagge wurde von General James Harbord, dem Stabschef der amerikanischen Trup­pen im Weltkriege, mit einer Ansprache entgegen­genommen. Der General erklärte, es sei Zeit, die Dinge zu vergessen, wie die traditionellen Bande zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten brachen und sich statt dessen daran z u erinnern, wie viele gemeinsame Bande Ameri­kaner und Deutsche verknüpfen. Kürzlich begrüßten wir, so führte er u. a. aus, die Wahl eines Präsidenten in Deutschland, der durch den Nebel der europäischen Unstabilität und des politischen Chaos als das verkörperte Bollwerk gegen d e n Fortschritt des Radikalis­mus emporragte. Die deutsche Flagge wurde durch den Newarker Bischof Starley eingesegnet.

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* Amtliches Dementi zu der Meldung desPo­litischen Gewerkschaftlichen Zeitungsdienstes" über Notverordnungspläne. In demPolitischen Ge­werkschaftlichen Zeitungsdienst" steht ein Bericht, der sich mit den Maßnahmen befaßt, welche die Regierung auf dem Gebiet der Arbeitslosenunter­stützung und der Invalidenversicherung angeblich treffen' will. Demgegenüber wird amtlich festge­stellt, daß das Kabinett bislang eine endgültige Entscheidung nicht getroffen hat. Völlig falsch und irreführend sind die Sombinahonen des Berichtes über Vorschläge des übrigens nicht zuständigen Reichsfinanzministeriums.

* Die Konferenz der Kleinen Entente beendet. Aus Belgrad wird gemeldet: Die Konferenz der Kleinen Entente wurde Pfingstsonntag mit dem allseits erwarteten geringen Ergebnis geschlossen. Die Außenminister der Tschechoslowakei und Ru­mäniens sind bereits nach Prag bezw. Bukarest zurückgekehrt. Die Konferenz beschäftigte sich am letzten Tage mit dem Mitteleuropäischen Problem und insbesondere mit dem Tardieuplan. Eine amtliche Mitteiluna getagt, daß die Außenminister der Ansicht seien, daß die wirtschaftliche Verständigung mit bescheidenen Re- gion alab kommen beginnen müsse und daß die Kleine Entente daher von Anfang an den französischen Vorschlag angenommen habe, demzu­folge sich die fünf Donaustaaten zuerst unter- einander verständigen müßten. Die Außenminister seien bereit, an seiner Verwirklichung mitzuarbeiten, wobei sie sich über die Notlage der Nachbarstaaten Rechenschaft ablegen wollten. Wenn das Fünfer- abkommen gelinge, könne es als Grundlage für eine weitere Verständigung dienen.

Mai wieder einzuberufen. Präsident Löbe teilt hierzu mit, daß es sich hier um die gleichen Par­teien handele, die schon in der letzten Sitzung des Aeltestenrates verlangt haben, daß das Reichs- tagsplenum früher als zum 6. Juni einberufen werde. Da dieser Antrag vom Aeltestenrat a b - gelehnt wurde, bestehe weiter kein Anlaß, den Aeltestenrat in der gleichen Frage wieder zusam- menzurufen.

von Frankreich aus gesehen.

Die französische Presse beschäftigt sich eingehend mit dem Rücktritt Dr. Groeners als Reichswehrminister. Ein Teil der Blätter behauptet sogar, in Deutschland stehe eine Militärdiktatur bevor.'

lieber die Ursachen dieses Schrittes ist sich die Presse von links bis rechts ziemlich einig und hält sich im allgemeinen an das, was ihre ver­schiedenen Berliner Korrespondenten ihr berichtet haben. Nicht alle allerdings gehen so weit wie ein gelegentlicher Mitarbeiter des nationalisti­schen Echo de Paris, General Tournes, der der französischen Mission in Berlin angehört bat. General Tournes sieht in dem Rücktritt Groeners eine Folge von Jnterven- tronen der Generale des Reichswehr- N1 Ulst er i um s. Man dürfe aber nicht so lein öu glauben, so schreibt er, daß fta; die Generale z u einer s o gew i ch - 1 " dluIIg deshalb ent sch lassen

Hatten, um etwa einen Zimmermaler j u m D i ksutor D e utsch lan d s z u machen. Für sie und auch für die ehemaligen Offiziere der alten kauerlichen Armee, von denen viele jetzt her Httler standen, sei der Führer der Na­tion a Ii oj taliftiftb en Partei nur ein Instrument, mit dessen Hilfe sie an der Mied erster st ellung der Monarchie ar­beiteten. *

Der sozialistische Populaire hält den Rückttitt Groeners für eine Niederlage der Repu­blik und der Demokratie. Jetzt müsse, so schreibt das Blatt, Reichskanzler Dr. Brüning sich erklären.

Der Kanzler zum Tode Kahls.

Reichskanzler D r. Brüning hat an Frau Geheimrat Kahl folgendes Beileidstelegramm ge­sandt:

%Zu dem schweren Verlust, den Sie und Ihre Angehörigen durch das Hinscheiden Ihres von Ar hochgeehrten Gatten erlitten haben, spreche

3hnen, zugleich im Namen der Reichsregie- rung, aufrichtigstes Beileid aus. Geheimrat Kahl auf allen Gebieten seiner wissenschaftlichen ..^s chöpferischen Tätigkeit unvergängliche Ver- -- , °rworben. Während seines parlamentari- Ir?ct15 war er jahrelang Vorsitzender des i<-inor"QU5E>ufies des Reichstages und hat mit

0roBen Erfahrung und seinem tiefen Wis­

heimrat.

Geheimrat Kahl nahm bis Ende vorigen Jah­res noch an den Reichstagsdebatten teil. Der schon etwas gebückte, alte Mann mit dem grauen Bart und den klaren, wenn auch zuletzt etwas sorgen­vollen Zügen glitt wie eine ehrwürdige Erinne­rung an die große Zeit des deutschen Parlamen­tarismus durch die Säle und Gänge. Von höch­ster geistiger Klarheit bis zum letzten Augenblick verlor er niemals sein freundliches Entgegenkom­men anderen Menschen gegenüber, feine Teil­nahme, seinen Sinn für das Rechte und Schickliche. Aber es war schon einsam um ihn herum geworden. Man fühlte das, wenn man mit ihm sprach. Eine andere Zeit blickte durch seine Augen in eine fremder und fremder werdende Umgebung. Auch in der eigenen Fraktion wußte er sich allein. In entscheidenden Fragen entschied man anders, als er wollte.

In der Deutschen Volkspartei war sein Name neben dem Gustav Strefemanns der angesehenste und bekannteste. Es war selbstverständlich, daß ihm der Vorsitz in der Strafrechtskommission zu­fiel, daß ihn der Deutsche Iuristentag viermal zum Präsidenten roäblte, daß ihm der Reichspräsident die höchste deutsche Aus­zeichnung, den Adlerschild des Reiches verlieh.

Die Wirkungen seiner parlamentarischen Tä­tigkeit werden nicht so bald vergessen werden kön­nen. Der Entwurf für das neue Strafgesetzbuch ist im wesentlichen feiner Initiative zu verdanken. Für ihn kämpfte er in mehreren Reichstagen bis zu jener großen Sitzung am 10. Dezember 1930, in der er von Lärmszenen der Radikalen umtobt jene tragischen und tief symptomatischen Sorte sprach:Ich verzichte auf ein weiter»» Schlußwort mit Rücksicht auf den Tiefstand der Diskussion." An vielen juristischen Tagesprvblemen war er mit dem gan­zen Einsatz seiner Persönlichkeit beteiligt. Im Falle Bu11erjahn kämpfte er für eine Reha­bilitierung des Verurteilten. Für den nach sei­ner Auffassung schuldlos verurteilten thüringischen Oberstaatsanwalt Frieders setzte er sich auf das Nachhaltigste ein. Auch für die Auf­hebung der Todesstrafe plädierte er lange Jahre, bis er zum Schluß gegenüber der Verrohung der Zeit feinen Standpunkt revidierte. Unver­gessen ist die letzte große Rede Kahls, die der da­mals 81jährige bei der Reichsgründungsfeier am 18. Januar 1931 im Reichstag hielt, mit jenen Schlußworten, die fein nationales Testament bar« stellen:Grundsätzlicher Kampf gegen diesen Staat, gegen seine Verfas­sung kann und darf niemals Volks- parole sein."

In feiner Fraktion war er am engsten Gustav Strefemann, bann aber Kardorff unb (Tur­nus verbunden. Er wirkte mit allem Nachdruck für das große Ziel einer einigen unb frei­heitlichen Bürgerparten. Wie er sei­

Nattonalistifche Offiziere ermo

Präsidenten Zahlreiche ro

Am Pfingstsonntag wurden in Tokio eine Reihe aufsehenerregender revolutionärer Anschläge ver­übt, denen u. a. der japanische Ministerpräsident I n u k a i zum Opfer gefallen ist. Mehrere junge Leute in Armee-Uniform drangen in die Wohnung des Ministerpräsidenten ein und feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab. Jnukai wurde schwer ver­wundet. Man brachte den 76jährigen Minister­präsidenten sofort ins Krankenhaus, wo er trotz einer Blutübertragung wenige Stunden später am Montag gestorben ist.

Gleichzeitig mit dem Anschlag auf Jnukai wur­den Anschläge auf die Bank von Japan und die Polizeizentrale, auf die Zentrale der Seiyukai-Partei, auf die Mitsu-Bishi-Bank und auf die Wohnungen des Außenministers, Joschi- sawa, des Admirals Suziki, des Oberstzeremonien- meisters Hagashi und des Großsiegelbewahrers Graf Makimo verübt.

Nach dem Anschlag auf den Ministerpräsidenten stellten sich 18 junge Leute freiwillig der Polizei. Es handelt sich um fünf Marineoffiziere, mehrere Armee Offiziere und Kadet­ten. Sie gehören sämtlich der Gesellschaft der schwarzen Drachen an.

Die Mitglieder dieser Vereinigung kämpfen gegen die neue Ordnung. Sie waren insbesondere mit der auf Verständigung abzielenden Politik der japanischen Regierung in der Mandschurei und iN Schanghai nicht einverstanden. Gleichzeitig mit den Anschlägen wurden überall Flugblätter ver­breitet mit Aufschriften wieNieder mit den un­treuen Elementen! Lang lebe der Kaiser! Beendet die Korruption der Politiker! Nieder mit den Oligaruhie-Finanzlleuten!"

Bei den verschiedenen Anschlägen und Bomben­würfen wurde ein Polizist getötet, sieben Polizi­sten, ein Offizier und drei Zivilisten verwundet.

Der Kaiser hat den Finanzminister Takahasi zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt.

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Auch der Kriegsmini st er General Araki war das Ziel eines Mordanschlages. Eine Gruppe beroaffneter Männer drang um Mitter­nacht in feine Wohnung ein und bedrohte seine Diener. Araki war jedoch schon weggegangen, um an der außerordentlichen Sitzung des Kabinetts teilzunehmen.

Anläßlich des Attentates auf den japanischen Ministerpräsidenten Jnukai hat der Herr Reichs­kanzler an den japanischen Minister des Aeuheren Pochizawa folgendes Telegramm gerichtet:

Tief erschüttert durch die Nachricht, daß Herr Ministerpräsident Jnukai einem verabscheuungs- roürbigen Anschlag zum Opfer gefallen ist, spreche

ben den japanischen Minister- ikere Opfer der Terror-Akte.

ich Ew. Exzellenz meine und der Reichsregierung wärmste Teilnahme aus.

(gez.) Reichskanzler Dr. Brüning.

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Der Kaiser von Japan hat das im Zusammen­hang mit der Ermordung des japanischen Mini­sterpräsidenten eingereichte Rücktrittsgesuch des japanischen Kabinetts abge lehnt.

wtb. Tokio, 17. 5. (Eig. Meld.) Die Armee fordert in einem Ultimatum die Bildung einer nationalen Regierung.

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wtb. Tokio, 17, 5. (Eig. Meld.) Reuter: Man glaubt, daß das Ultimatum der japanischen Armee berücksichtigt werden könne, da nach der Verfasfung der Kriegsminister aus der Zahl der Generäle gewählt werden muß unb bah er ein Kabinett nicht ohne Billigung der Armee, die jetzt die Beteiligung an einem Parteikabmett ab« lehnt, gebildet werden kann.

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wtb. Paris, 17. Mai. (Eig. Meld.) Eine nach Japan entsandte Sonderberichterstatterin des Petit Parisien erfährt, die Nachricht von dem Attentat auf den japanischen Ministerpräsidenten sei nicht unerwartet gekommen. Alle Welt habe in letzter Zeit in versteckten Worten von einem militärischen Staatsreich gesprochen. Allerdings habe niemand geglaubt, daß er so nahe bevorstehe. Es handel« sich um ein Glied in der Kette politischer Attentate, denen im Januar und Februar der Finanzminister und ein Direktor der Großbank Mitsui, Baron Dan, zum Opfer gefallen seien. Damals habe man gegen 20 Studenten und junge Intellektuelle,, bte zumeist einflußreichen Familien angehören, festge­nommen. Sie seien Mitglieder einer Liga, tue den NamenBlutsbruderschaft führe, gewesen, und man habe bei ihnen Verzeichnisse gefunden, tn denen zahlreiche Politiker und Großkapitalisten aufgeführt waren, die von ihnen zum Tode ver­urteilt worden seien, lieber die Untersuchung dieser Angelegenheit sei Stillschweigen bewahrt worden, und man habe sogar angekündigt, daß der Prozeß nicht vor 1933 würde stattfinden können. In Wirk­lichkeit liege die Sache so, daß m e h r er e h ö h e r e Persönlichkeiten der Armee unb b er Flotte in bie Angelegenheit verwickelt gewesen seien. Man habe ertlärt, daß die Revolver^ deren sich die Attentäter bedienten, von Offizieren und namentlich von einem hohen populären Marine- Offizier geliefert würden. Es handele sich also um eine höchst wichtige Bewegung, die drama­tische Ueberraschungen bringen könnte. Ein hoch­stehender Politiker habe der Korrespondentin er­klärt:Wir sind auf dem besten Wege züm Extremismus. Unser Heer ist ausgesprochen nationalistsch und gleichzeitig antikapi- talistijch eingeftellt.

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