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Ar. 108

1L Mai.

VeNage zur Fuldaer Aettung

NILS

Mahnung.

Mancherlei hast du versäumet, Statt zu handeln, hast geträumet, Statt zu danken, hast geschwiegen. Solltest wandern, bliebest liegen.

Goethe.

Der „Rembrandtdeutsche".

Kennt Ihr ihn auch als den kindlichen Verehrer der Muller Gottes?

Still und unbekannt haben sie in einem Dorf un­weit München in Oberbayern vor 25 Jahren einen Mann zu Grabe getragen, dessen Buch: „Rembrandt als Erzieher" anfangs der Neunziger Jahre großes Aufsehen erregt hatte. In Habersleben im östlichen Holstein, erblickte Langbehn 1851 das Licht der Welt. Di« gottesfürchtigen protestantischen Eltern hatten ihren Sohn strenggläubig erzogen. Als Student der Philo- sophie trat Julius in München aus der evangelischen Landeskirche aus. Nicht als Gottesleugner. Er war vielmehr ein Gottsucher. Erst in den katholischen Ge­genden Süddeutschlands kam er dem näher, was er suchte. Vor allem war es die Muttergottesverehrung, die dem Fremden aus dem protestantischen Holstein den Weg zu Christus und seiner Kirche mies. Aus der Zeit vor dem Eintritt in die katholische Kirche weiß fein Freund zu berichten:

„Marienverehrung erschien uns so lieblich und hilf­reich, daß wir, nachdem wir einmal davon gekostet hat­ten, ihre Unterlassung als Entbehrung empfanden. Wir begannen ihre Altäre mit Blumen zu schmücken und sie alltäglich im Gebete zu grüßen: Ave Maria!" (Nissen, Der Rembrandtdeutsche, Freiburg i. Br. S. 258.) Der Dominikanerpater, der Langbehn in Rotterdam kurz vor dem Uebertritt (1900) zu unterrichten hatte, schreibt über ihn: „Das „Ave Maria" faßte er als eine so innige, gottesfürchtige, solide, kindliche Verehrung Mariä auf, daß dessen WiederholMig im heiligen Rosenkranz­

gebet ihm der deuttichfte Ausdruck der ihm schuldigen Hochachtung und Liebe war. Er fand es erhaben, daß beim Beten des „Ave Maria" das Herz immer wieder erhoben wird zu Gott, der zum Menschen herabstieg im Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung, der den Menschen hinaufsührt ins Reich seiner Verklärung" (a. a. O. S. 273). Kein Wunder, wenn er schon vor der Konversion erklärt: „Ich fühle und denke katholisch, wenn ich auch der katholischen Kirche nicht — oder noch nicht angehöre." Langbehn betete viel und gern, betete die Psalmen, das Vaterunser, den Englischen Gruß, wobei es ihn mit Trauer erfüllte, daß Maria dem Norden stemd geworden war. „In allerfrühester Kind­heit habe ich von „Mutter Maria" sprechen hören, seit­dem in der Heimat nicht mehr", klagt er (S. 267).

Der Rembrandtdeutsche und fein Vertrauter waren Jünger der Kunst. Wie bei vielen Künstlern, so schlug auch bei diesen beiden die Kunst Brücken zur Marien­verehrung. „3n Lübeck", erzählt Nissen, „grüßten uns viele Muttergottesbilder, zu Kirchnüchel in Holland zeigte uns der evangelische Pastor noch das Elfenbein» sigürchen der Madonna und die Marienquelle auf Höne, zu der einst Tausende gepilgert." „Woran können sich die schwankenden Schritte eines Kindes besser halten als an der Schürze der Mutter?", fragte der Rem­brandtdeutsche. Das sei doch einfach und so selbstver- stcindlich. Er nahm gar ost den Rosenkranz zur Hand, erlebte diese so vielfach mißverstandene und mißachtete „Kristallisation der Glaubensgeheimnisse". Er sah hier die höchste Fülle in höchster Einfachheit gefaßt und betete die wunderbare Perlenkette andächtig durch. (S. 267.) Das Rosenkranzbeten faßte er auf als eine Art Protest gegen eine leichtfertige Welt, di« verachtet, was sie nicht kennt, und darum allein schon den Rosenkranz nicht beten kann. Deshalb war Langbehn geradezu erfinde­risch, um Zeit zu seinem Lieblingsgebet zu finden. In Würzburg pflegte er ihn auf Frühwegen im Schloß­garten zu beten. In Berlin hat er ihn im Tiergarten gebetet. .Heilig« Messe und Rosenkranz sind meine tägliche Kost", schreibt er bald nach seinem Gintritt in die katholische Kirche (S. 289).

Ausgaben des politischen Katholizismus.

Müssen mit nicht heraus aus dem „Zentrumsturm" ?

Die letzten Wahlen, insbesondere die Reichspräsiden­tenwahlen, haben gezeigt, daß auch die Bäume der Na­tionalsozialisten nicht in den Himmel wachsen. Der Versuch der Rechtsradikalen, die Alleinherrschaft im Reich an sich zu reißen, ist gescheitert. Die endgültige Ueberwindung des Radikalismus kann aber nur durch eine positive Staatsgestaltung geschehen, die die erwach­ten Kräfte des Volkes zur Mitarbeit ruft Die Volksfront muß zur Offensive Übergehen. Der politische Katholizis­mus, der sich seither als festestes Bollwerk gegen den Ra­dikalismus bewährt hat, hat in dieser Situation eine entscheidende Aufgabe. Franz Elsner schreibt in den „Werkheften junger Katholiken", daß e« dem politischen Katholizismus heute einfach nicht mehr erlaubt ist, sich mit der Stellung des politischen Aus­gleichs der Gegensätze, mit der grundsätzlich ft a a t s - bejahenden Politik der Vernunft, mit schlechthin „katholischer Politik" zu begnügen. Ge­fordert wird von der ©taatsfituation die freie, staats­politische Entscheidung und Führung nach politisch selbständiger Planung aus kon- struktiven Ideen deutscher Zukunft. Mit anderen Worten: Nicht die Grundsätze katholischer Staatsaufsassung sind zu verteidigen, vielmehr muß man sich unter den verschiedenen Möglichkeiten aus diesen ka­tholischen Grundsätzen für eine ganz bestimmte, gegen die anderen Auch-Möglichkeiten planend und bekennend ent» scheiden, um sie in der Offensive der Staatspolitik ver­antwortlich einzusetzen. Etwa gegen jeden Faschis­mus. Oder: Nicht das so viel berufene Gemeinwohl schlechthin ist zu bejahen, in seiner Ausgestaltung aber dem andern zu überlassen die zur nachträglich. Korrektur, sondern durchgefetzt werden muß die Form der so­zialen Gerechtigkeit, die der Tatsache des ent» bürgerlichten ober gar proletarifierten Volkes am besten entspricht. Diese von der Stunde verlangte selbständige, frei planende und parolenmäßig einzufetzende Staats­politik deckt sich kaum mit dem noch herrschenden Be­wußtsein vom großen und starken „Zentrumsturm" mit schützenden Mauern, mit dem durch den 21. April viel­leicht noch verstärkten Bewußtsein vom unüberwindlich starken Bollwerk, das als Bollwerk der kirchlichen Frei­heit entstand. Ein Bollwerk öffnet höchstens Ausfall­tore, aber man wird es nie auf Räder setzen können, um damit zum Angriff zu fahren. Die noch vorherr­schende Stellung int politischen Katholizismus macht "uch die merkwürdige Einsamkeit verständlich, mit der

die Pioniere konkreter staats- ober wirt­schaftspolitischer Progra mm e (oergl. z. B. Prof. Dr. Dessauer) umgeben sind, deren Arbeit man außer der Jugend mit leicht verwundertem Schwei­gen entgegengenommen hat. Zweifelsohne wirb eine nicht geringe Umstellung politischer Erziehung zu er­folgen haben, bis nicht nur aus katholischer Substanz, Trabition ober Gewohnheit ober gar aus einem gewis­sen unbequemen Zwang vom Glauben her, fonbern auch aus politischer Einsicht in die Konsequen­zen einer politischen Situation Entscheidungen getroffen werben. Nachdem nun von links bis rechts fast alle Gruppen irgendwie durchrevolutivniert sind, wird sich im politischen Katholizismus ein Denkwandel durchsetzen müssen, um der staatspolitischen Situation gewachsen zu fein. Schon bald werden sich Entscheidun­gen anmelden, die kotz mancher anderer, denkbarer und auch vertretbarer Möglichkeiten doch in ganz bestimmter Form getroffen werden müssen, um wirksam den Staat konsolidieren zu können.

Cs wird nicht zuletzt auch von der jungen ka- tholischen Generation abhängen, ob die auf den 24. April folgenden schweren Aufgaben für den Katholizismus die nötige Triebkraft und nach gründ­licher Vorbereitung der Zielsetzungen bis in An­träge und Gesetzentwürfe die nötige politische Ge­schlossenheit finden werden. Selbst wenn es als An­maßung ausgelegt werden sollte, muß gesagt werden, baß bie Generation Brünings allein nicht die deutsche Zukunft meistern wird, sondern zum Gelingen schon in kurzer Zeit der Geist der Jugend, der den revolutionierten Positionen im Grunde gewachsen ist, vor der Front des Aufbaues stehen mutz in konkreten Zielsetzungen. Das heißt eine unerhörte Verantwortung für unsere Arbeit an der eigenen politi­schen Reife, die allerdings nicht nur in Wahlhilss-

Goekhe spricht:

Zeder, der in sich fühlt, daß er etwas Gutes wirken kann, muß Plaggeist fein. Er muß nicht warten, bis man ihn ruft; er muß nicht achten, wenn man ihn forf- fchickt. Er muß fein, was Horner an den Helden preist, er muß sein wie eine Fliege, die, verscheucht, den Men­schen immer wieder von einer andern Seite anfällt.

Desuch auf dem Ludwtgskeln.

IBie eine deutsche Zugendburg entstand. — Sie soll ein Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallene wandervogel-

Zugenb sein.

Im Kreise Witzenhausen, im Werratal, an der Srenjc Henens zum Eichsseld, liegt eine alte hessische Grenzfeste, der ßubroigftein. Wer diese Burg in der Vorkriegszeit kannte und ihr beute wieder einen Besuch abstattet, ist erstaunt über die Veränderungen, bie er feststellt. Aus einer von Jahr zu Jahr mehr zerfal­lenden Ruine, bie man nur unter Lebensgefahr betreten tonnte, ist eine der schönsten beutschen Jugenbburgen geworben.

Regierungspräsident Dr. Friedensburg, der Schirmherr der Burg, hatte in der vergangenen Woche bie Presse zu einer Besichtigung eingelaben. Durch einen regenschweren Maientag fuhren wir von Kassel au» burch arme Dörfer, altertümliche Städtchen. Mich- fam arbeitete sich unser Wagen auf kahle Hohen, um halb wieder in schmale, von Buchen und Tannen um­säumte Täler hinunterzusteigen. Der Ausstieg zum Lud- wigstein ist mühsam.

Dor dem Burgtor empfängt uns der Burgvater Blank. Man lädt uns freundlich zu einer Tasse Kaffee. Regierungspräsident Dr. Friedensburg erzählt °,e Geschichte der Burg. 1413 erbaute sie Landgraf t-udwig i. als Grenzburg gegen die Hansteiner, deren putzige Türme heute noch von den Bergen jenseits der iiherya' die am Fuße des ßubroigftein vorbeifließt, her- mok auen- Der Bau konnte nur unter dem Schutz werb^" tausend Bewaffneter notdürftig durchgeführt en> da bie Hansteiner gerade wieder einmal mit

dem Landgrafen in offener Fehde lagen. Aus der spä­teren Geschichte der Burg ist erwähnenswert, daß im Jahre 1545 sogar einmal ein Bürgerlicher namens Gläsing mit der Burg belehnt wurde. Besagter Gläsing hatte nämlich die Schwester der Nebenfrau des Landgrafen Philipp geheiratet. Die Schwiegermutter hatte anscheinend so viel Einfluß auf den Landgrafen, den man in der Geschichte den „Großmütigen" nennt, daß dieser die Burg großmütig seinem „Schwager" überließ. Ms 1866 Kurhessen Preußen einverleibt wurde, übernahm der preußische Staat die Burg und bie bazu gehörige Domäne. Der ßubroigftein biente ba= mals noch ben Amtmännern des dortigen Bezirk als Wohnsitz. 1883 wurde die Domänenbewirtschaftung von der Burg getrennt. Niemand kümmerte sich um diese Burg, die rasch zur Ruine wurde. Im Jahre 1901 mußte der Zugang zur Burg gesperrt werden, weil jede Besichtigung mit Lebensgefahr verbunden war. Da der ßubroigftein aber in einem der landschaftlich schön­sten Winkel des Werratales lag, bemühten sich bie ver­schiedenster- Kreise, ben Fiskv, zum Verkauf der Burg zu veranlassen. Selbst bie Herkulesbrauerei i« Kassel wollte bie Burg erwerben, um bort eine Gaststätte ein­zurichten nach bem Motto: „Und die alten Deutschen tränten noch ein» . . ."

Bald wurde auch der Wandervogel auf die Burg aufmerksam. Zwei Göttinger Professoren such­ten vom Fiskus den ßubroigftein für bie roanbernbe Jugend zu erhalten. Der Staat ging aber auf nichts ein. Doch war wenigstens fo viel erreicht, daß ein Ministerialkommiffar zur Besichtigung der umstrittenen Ruine kam. Er stellte fest, daß jährlich mindestens einige taufend Mark notwendig feien, um die Burg nur in ihrem damaligen Zustand zu erhalten. Zur

truppenbienften erprobt werben kann und will. Mit diesen Voraussetzungen sind ttotz aller gegenteiligen An­zeichen die Möglichkeiten eines Volksstaates und einer inhaltlichen Volkspolitik heute großer als 1918.

Wit werden nicht locker lassen!

Lin wort an die Freunde und Feinde der windthorstbünde.

Der Windthorstbund beginnt feinen vielen Gegnern recht unangenehm zu werden. Wir kön­nen das verstehen. Man hat uns nicht klein be­kommen. Im Gegenteil, von Woche zu Woche geben uns mehr Kameraden das Versprechen, treue Mitkämp­fer in der jungen Volksfront Brünings und Verteidiger der Heimat gegen den andrängenden Radikalismus zu fein. Auch Schüler höherer Schulen haben sich uns angefchloffen. Man sucht gerade diesen klar zu machen, daß sie nicht bem Winbthorstbund an­gehören bürsten, ba er eine parteipolitische Einrich­tung fei. Na, wir wollen nicht mit ben Herren, bie aus parteipolitischen Grünben für ein Verbot bes Windthorstbundes an ben Schulen find, über den Charakter des Windthorstbundes streiten, fon» dem nur einmal feststellen, daß, solange Stahlhelm- Gruppen und „Sozialistische Jugend" an den Schu­len geduldet werden, man keinem Schüler ver­wehren kann, unser Bundesbruder zu fein. Wir sind praktisch ebenso wenig parteipoli­tisch wie der Stahlhelm und mindestens fo national wie bie Jünglinge, bie ben Stahlhelm am Rockkragen tragen. Im übrigen wird man durch Schikane keinen ech­ten Jungen — und nur auf solche legen wir Wert — davon abhalten, den Weg zu uns zu suchen.

Und was wollen wir? Wir wollen uns herausretten aus der Stickluft wüster und verantwortungsloser Hetze zu klarer politischer Erkenntnis. Wir wollen in gemeinsamer geistiger Arbeit den richtigen Weg zu finden suchen, der aus der von uns Jungen nicht verschuldeten deut­schen Not zur Freiheit führt. Wir wollen uns unter unseren Altersgenossen dafür einsetzen, daß wahre Autorität und Leistung wieder anerkannt wird. Wir wollen den Kameraden, die an der Zukunft ver­zweifeln — und roieoiele haben Grund dazu, denn w i r Jungen ft eben alle vor verschlossenen Toren — einen inneren Halt und ein Ziel geben. Wir wollen den Kampf gegen die „falschen Propheten" führen, die immer in bewegten Zeiten und fo auch heute auftauchen. Wir wollen, daß unsere Altersgenossen sich nicht bedingungslos den „Führern" zur Verfügung stellen, die sie mit großen Worten be­rauschen. Wir wollen letztlich uns zu Menschen er­ziehen, die die Kraft in sich tragen, bie Wirt­schaft unb Gesellschaft nach christlichen Grundsätzen zu formen, die sich nicht resigniert hinter die schützenden Mauern der Kirche zurückziehen, sondern die, gestärkt durch die Kraft, die von der Kirche auf jeden Gläubigen ausgeht, sich immer wie­der in das Getümmel des Alltags und die Ausein­andersetzung mit den christentumsseindlichen Mächten hinauswagen.

Weil wir dieses Ziel haben, treten wir für ben Kanzler Brüning mit ganzer Begeisterung ein. Er schwätzt nicht, fonbern handelt unb wagt ben aufreiben­den Kleinkampf, ohne bas Ziel aus dem Auge zu ver­lieren.

Weik wir dieses Ziel haben, und weil im harten politischen Kampf nun einmal Parteien notwendig sind, treten wir für die Zentrums­partei ein. Wenn sie nicht wäre, würde man uns jungen Katholiken jede geistige Bewe­gungsfreiheit nehmen unb uns mit allen Mit­teln knechten. Wir haben aus ber Geschichte gelernt unb lassen uns nicht burch schöne Lebensarten betören.

Weil wir biefes Ziel haben, treten wir bem Ra­dikalismus, der auch in unseren katholischen Dörfern fein Haupt erhebt, rücksichtslos entgegen. Wir wissen, daß wir der Damm fein müssen, an dem sich die radi­kale Flut bricht.

Wir werden, fo Gott mitt, nicht zusammenbrechen, wenn wir den Weg „durch Opfer zur Freiheit" gehen. Uns wird auch kein Mensch überwinden, fon­bern wir glauben, baß sich bie besten Kräfte ber beut« fchen Jugend unter bem Banner fammeln werben, bas bie Farben des alten deutschen gro­ßen Reiches u. das Kreuz des Welterlösers zeigt. Wir stoßen keinen zurück, der sich uns ehrlich naht, son­dern reiche-! jedem die Hand, der für ein freies, ch r i st l i ch'e s Deutschland zu kämpfen bereit ist.

„Komm Bruder, reich' die harte Hand und halte gleichen Schritt."

Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec vubl Joleph Sauer- Fulda

Arbeitsbeschaffung bleibt bie Hauptsache! Eine Entschließung der christlichen Bergarbeiterfugend zu den planen einer staatlichen Jugendorganisation.

Auf einer Führertagung der Jugendabteilungen des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands im Ruhrgebiet wurde zu den Plänen des Leichsinne n- minsters Dr. Grvener über die Schaffung einer staatlichen Jugend-Sportorganisation bie folgende Entschließung gefaßt:

„Die versammelten Mitglieder ber Jugenbabteilung bes 'Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlanbs begrüßen alle Maßnahmen, bie zur Entspannung bes politischen Lebens beitragen. Die innere Einigkeit schafft die Voraussetzungen für außen­politische Fortschritte, denn Einigkeit trägt immer bei zur Wehrhaftigkeit eines Landes und Volkes. Grundsätzlich­keit bejahen die Konferenzen der christlichen Bergarbei­terjugend daher die angekündigte Maßnahme zur För­derung der Volksgemeinschaft. Diese grundsätzliche An­erkennung zwingt aber auch zu ernsten Bedenken gegen eine restlose staatliche Zusammenfassung der Sportverbände. Die Konferenzen fassen ihre Bedenken in folgenden Punkten zusammen:

1. Wenn eine Erfassung der Jugendlichen in Sport- verbänden durchgeführt werden sollte, so muß den staatserhaltenden Jugendorganisationen auf Grund ihrer nationalen Verdienste ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht gesichert werden.

2. Die Tätigkeit der geplanten Sportorganisation darf sich nicht nur allein inLeibeskulturer­schöpfen. Die «inseitige Bevorzugung ber Lei­be s k u 11 u r ist bie Ursache für bie Urteilslosig­keit weiter Kreise der Jugend und deren partei­politischer Verhetzung.

3. Allen Jugendorganisationen, die dem Staate durch ihre Arbeit an der Jugend bienen, muß für bie eigne Bewegungsfreiheit größter Spielraum gesichert bleiben.

4. Die Führung ber Jugenb darf nicht durch uni­formierte staatliche Vorgesetzte erfolgen, fonbern durch Erzieher, bie sich burch ihre Persönlichkeit Achtung und Autorität bei ber Jugend verschaffen können.

Die Konferenzteilnehmer erwarten, daß sich die ge­planten Maßnahmen der Reichsregierung lediglich auf bie Bekämpfung der moralischen Schäden zwangsweiser Arbeitslosigkeit beschränken. Keinesfalls dürfen die Maßnahmen dazu führen, geregelte Arbeit ersetzen zu wallen. Unbeschadet der geplanten Maßnahmen bleibt bie Arbeitsbeschaf­fung bie Hauptsache!"

katholische Jugend.

Zeitgeschichtlich unb völkisch bedingt, hat sich die ka­tholische Jugend in den einzelnen Ländern verschieden geformt unb zusammengefchlossen, aber überall treffen wir in ihren Reihen ben gleichen Geist, echt katholisches Streben, sich selbst in Christus zu gestalten unb anderen Führer und Licht zu fein. Das zeigt sich klar in bem Bänbchen „Juventus Catholica", einem Bericht vom Werben unb Wachsen, vom Schaffen unb Wollen katholischer Jugendorganisationen, ber bie katholische Iu- genb 17 verschiebener fiänber in bidjtgebrängten Reihen an uns vorüberziehen läßt. Verschieden sind bie Wege zum Jbeal, verschieben auch ber Grab ber Verwirk­lichung. Fehlwege unb Mißgriffe werben oft zugeftan- ben, aber nirgenbs greift ber Pesfemismus Platz. Offen fchaut die Jugend in die Zukunft; sie fchrecki nicht vor den Aufgaben zurück, die ihrer noch harren. Gerade die letzten Jahrzehnte, der Weltkrieg und feine Folgezeit, haben manchen längst bestehenden Organisationen neues Leben unb neue Formen geschenkt unb manche wert­volle Jugenborganisation aus ben Trümmern vorange- gangener Tage erstehen lassen. Ueberall finben mir ein neues Aufblühen und Erstarken ber katholischen Jugenb. Wir möchten bas Buch in ber Hanb jebes Jugenbführers unb in jeber Jugenbbibliothek wissen: reiche Anregung kann bas Wirken unb Schaffen anberer Bünde unb Organisationen bem Leben in ber eigenen Gruppe ver­mitteln, unb vor allem wirb bas Buch bas Blickfeld weiten und zeigen, daß auch bei der Jugend jenseits der Landesgrenzen frischbewegtes, katholisches Leben herrscht. Besonders ist zu begrüßen, daß die Arbeiten über bie katholischen Jugenborganisationen jeweils von Führern ber betreffenben Länber geschrieben sinb. Wir können bie Veröffentlichung nur begrüßen unb ihr weiteste Verbreitung wünschen. I. W.

(Juventus Catholica. Die katholischen Jugenbver- bänbe Europas. Mit befonberer Berücksichtigung ber männlichen werktätigen Jugend. Gr. 8”, 212 S. Rex, Verlag SKJD., Zug (Schweiz). Preis 2.40 RM. Im gleichen Verlag sinb auch bie beiben Broschüren »rtoie- nen: P. Hüsser, Der berufliche Aufstieg, und Gulbo Canis, Katholische Aktion ber Jungen.)

Verfügung standen aber für bas ganze Jahr vielleicht 150—250 Mark.

Währenb bes Krieges war auch der ßubroigftein vergessen. Als nach bem Krieg bie deutsche Jugend­bewegung einen so machtvollen Aufschwung nahm, tauchte der Plan, ben ßubroigftein zu einer Ju­gendburg ausjubauen, wieder auf. Der preußische Staat kam jetzt den Wünschen der Jugend entgegen. Die Burg wurde dem „Wandervogel" überlassen. 1922 bildete sich die „Vereinigung zur Erhaltung der Jugend- bürg ßubroigftein". Sie war als Ehrenmal für bie im Weltkrieg gefallene Wandervogel-Iugenb gebacht. Bald ließ aber ber Schwung ber Jugendbewegung nach. Verfehlte Maßnahmen ber ßubroigftein-ßeute unb bie Tatsache, baß jebe ßanbfdjaft unb jebe Organisation sich ihre Iugendburg schaffen wollten, gefährdeten den Ausbau.

Es war ein Glück, daß bie Regierung eingriff. Der Legierungspräfibent übernahm die „Schirmherrschaft" über die Burg, unb jetzt gingen bie Arbeiten rasch vor­wärts. Erheblich« Mittel würben vom »reußischen Staat und von den öffentlichen Körperschaften bereit- gestellt. Bis jetzt sind für den ßubroigftein 107 000 Mark aufgeroanbt worben. Der „Burg-Architekt" H a- fertorn sorgte bafür, baß bei dem Ausdaij das ur> sprüngliche Bild ber Burg nicht verändert wurde. Da­bei bietet sie heute Schlafgelegenheit für 160—250 Ju­gendliche; die hygienischen Einrichtungen sind hervor- ragend. Man hat wohnliche Tagesräume, so daß ber ßubroigftein wie kaum eine andere Burg als Tagungs­stätte der Jugend geeignet ist. Unb es ist gut, wenn sie sich an solchen Plätzen im Schatten gewaltiger Mau­ern, die die Stürme ber Jahrhunberte überdauert haben, versammelt. Sie vergißt dann bei ihrem Vorwärtsdrän­gen nicht, daß die Wurzeln unserer Kraft in der Ber-

gangenbeit liegen. Sie wird sich mit ganzer Kraft an bie Heimat fefttlammem, deren Berge und Täler als schönster Besitz zu ihren Füßen liegen, wenn sie vom trutzigen Bergfried über bas Land schaut.

Als mir gegen Abend die Burg verlassen, ist in mir nur eine Klage: „Schade, daß der ßubroigftein nicht im Fulbaer Land liegt. Wir wüßten bann, wo wir unsere Tagungen unb Treffen abhalten könnten." Aber man soll nicht neidisch sein. Auch wir danken denjeni­gen, die den Ausbau ber Iugenbburg im Heffenland ermöglicht haben.

Vor der Pfingstfahrk.

Wißt Ihr noch, die Ihr schon viele großen Fahrten hinter Euch habt, wie einem ums Herz ist, wenn bie erste größere Fahrt in ungefähr acht Tagen steigt?

Diese Unruhe!--Immer nur denkt man an die

Fahrt. Ob sie wohl zum Schluß nicht doch noch ins Wasser fällt? Aber warum sollte sie? — Ob mir im letzten Augenblick noch etwas zustößt, und die anderen ziehen bann ohne mi£ los?

Nun sinb es nur noch brei Tage, Ob ich meinen Rucksack schon packe? Nein, bas hat wirklich noch kei­nen Zweck, bas Essen kann ich doch nicht heute schon fest verpacken. Das übrige werde ich aber wenigstens zurechtlegen ....

Der letzte Tag geht auch zur Neige; aber die Nacht! Die ganze Nacht schlafe ich unruhig und träume un­sinniges Zeug. Immer wieder sehe ich nach der Uhr, und immer wieder ist es noch viel zu früh zum Aui- stehen. — Endlich! Nun rasch fertig gemacht, pünktlich am Bahnhof, und kurze Zeit danach sitzen wir gemein­sam im Zuge. Meine erste große Fahrt beginnt!

Lieselotte Hartung. J