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Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

Nr. 107

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerel in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Äctiendruckerel 3151 und 3152. ::

Dienstag, 10. Mai 1932.

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lahtg. 59.

Reichstag öffnet seine Pforten.

Vor 4 tägigen Debatten. — Der Reichsfinanzminister an der Spitze der Redner. — Schulden-Titgungsgesetz und Arbeits­beschaffungs-Anleihe.

VDZ. Vertin, 9. Mai. (Eig. Meld.) Der Reichstag zeigte heute vormittag wieder einmal das Bild, das die Vorbereitung eines großen Ta­ges mit sich bringt. Gruppen von Neugierigen sammeln sich vor dem Portal, durch das die Ab­geordneten das Haus betreten. Photographen -und Filmleute stehen bereit, um Aufnahmen von den Ministern zu machen. Von polizeilichen Schutz­maßnahmen ist wenig zu bemerken.

Schon zeitig erschienen die Volksvertreter, da sämtliche Fraktionen am Vormittag S i t- z u n g e n abyalten. Auch Reichsfinanzminister Dietrich fand sich schon vormittags mit seinen Mitarbeitern im Hause ein, um die Rede vorzube­reiten, mit der er die große politische Aussprache einleiten will.

Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsin­nenminister Groener werden heute noch nicht sprechen. Sie wollen den Verlauf der Debatte abwarten. Nach der Rede des Reichsfinanzmini­sters werden also zunäckst die Parteien zu Worte kommen, deren Redner gegenwärtig in den Frak­tionssitzungen bestimmt werden und die Richtli­nien für ihre Ausführungen im Plenum erhalten. Die Nationalsozialisten sind außerdem damit beschäftigt, noch einige Anträge zu for­mulieren, insbesondere ihre Mißtrauensanträge.

Reichstagspräsident Lobe, der die vergangene Woche zu einem kurzen Kurgebrauch in Bad Mergentheim benutzt hat, ist im Laufe des Sonn­tags wieder in Berlin eingetroffen und nimmt an der Beisetzung des ehemaligen Reichstagsvize- prästdenten Dr. Rießer teil.

Um 2 Uhr wird er die Reichstagssitzung eröff­nen, auf deren Tagesordnung das Schu'lden- tilgungsgefetz steht, in das der Reichsrat auch noch die Arbeitsbeschaffungsan­leihe hineingearbeitet hat. Der Reichshaushalts­plan für 1932 ist jedoch im Reichskabinett noch nicht fertiggestellt. D-te Arbeiten der Reichsregie­rung am Etat werden auch noch einige Tage in Anspruch nehmen, sodaß es fraglich ist, ob die'Vor- lage dem Reichstag noch während seiner gegen­wärtigen Tagung zugehen kann, lieber die Be­handlung des Etats schweben noch -Verhandlungen -wischen Reichsfinanzministerium und Parlament. Boraussichtlich wird Präsident Lobe von sich aus den Etat unmittelbar dem Haushaltsausschuß überweisen.

Die R e d e z e i t der Fraktionen in der heute beginnenden Aussprache soll nach den Vorschlägen des Aeltestenrates aus je 2 Stunden begrenzt werden. Trotzdem wird die Tagung des Reichs­tages 3—4 Tage in Anspruch nehmen, da auch noch einige kleinere Vorlagen zu erledigen sind, z. B. der Londoner Freibordvertrag von 1930, das Abkommen zur Erleichterung des kleinen Grenz­verkehrs mit Polen und das internationale Ab­kommen zur Bekämpfung der Falschmünzerei.

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Die Sozialdemokratische Reichstags­fraktion bestimmte in ihrer Sitzung die Abgeord­neten Dr. Breitscheid und Graßmann als Sprecher für die politische Debatte.

Für das Zentrum wird Abgeordneter D r. Bel! als erster Redner das Wort ergreifen.

Sn der Reichstagsfraktion der Deutschen Volks­partei wurden die durch die Veränderungen in­

nerhalb der Fraktion notwendig gewordenen Neu­wahlen durchgeführt. Den Fraktionsvorsitz behiel: Dr. Dingeldey. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden die Abgeordneten Dr. Hugo und Dr. Kalle gewählt, zu Geschäftsführern die Abgeordneten Morath und Dr. Regh. Als Redner der Deut­schen Volkspartei sollen je nach dem Ausgang der Ausführungen des Reichsfinanzministers Abg. Dingeldey oder Dr. Cremer sprechen.

Die Deutschnationale Reichstagsfrak­tion bestimmte als Redner für finanzpolitische Fragen den Abg. D r. Bang und für die außen­politischen Angelegenheiten den Abgeordneten D r. Kleiner. Die Fraktion beschloß weiter die Ein­bringung eines Mißtrauensantrages ge­gen die Reichsregierung in ihrer Gesamtheit und besondere Mißtrauensanträge gegen Dr. Brüning als Außenminister und gegen den Reichsfinanz­minister Dr. Dietrich.

Die Nationalsozialistische Reichstagsfraktion be­stimmte als Redner die Abgeordneten G o e r i n g und Strasser. Außerdem beschloß die Fraktion, einen Mißtrauensantrag einzubringen gegen das Reichs-Kabinett und einzelne Mißtrauensvoten ge­gen den Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, gegen Reichsinnenminister Groener und gegen Reichs­arbeitsminister Stegerwald. Ferner wird ein An­trag auf Aufhebung der Notverordnung über das Verbot der S. A. und S. S. und ein Amnestie­antrag eingebracht werden.

Erhöhte Alarmbereitschaft der Polizei wegen des Wiederzusammentritts des Reichstages.

C.N.B. Berlin, 9. Mai. (Eig. Meld.) Für den heutigen Wiederzusammentritt des Reichstages sind von der Polizei umfassende Vorkehrungen ge­troffen worden. Der Reichstag und die Bann­meile sind in der üblichen Weise gesichert; dar­über hinaus ist aber auch Alarmbereitschaft für die Polizei angeordnet worden.

völkerbundsrat tagt

wtb. (Senf, 9. Mai. (Eig. Meld.) Der Völ­kerbundsrat ist heute zu feiner 67. Tagung unter dem Vorsitz des Vertreters von Guatemala, Matos, zusammengetreten. Deutschland ist durch Graf Welczk vertreten, Frankreich durch Paul Boncour, England durch Eden, Italien durch Äia- loja. Der öffentlichen Sitzung ging eine nicht öf­fentliche Besprechung voraus, in der beschlossen wurde, daß der Rat wegen der Trauerfeier­lichkeiten für Doumer und Albert Thomas diese Woche nur heute und am Diens­tag tagen und seine Arbeiten am Mittwoch nach Pfingsten wieder aufnehmen soll. Diese Disposi­tionen entsprechen auch den deutschen Wünschen, da so die Möglichkeit gesichert ist, die verschiedenen Ost- und Minderheitsfragen gründlich zu behan­deln.

slowakei, Frankreichs und Italiens unterzeichnet ist und dagegen p r o t e st i e r t, daß die Tat Gorguloffs, der Doumer ermordete, der Kommu­nistischen Internationale aufgebürdet werde. Gorguloff sei der erbittertste Feind des Kommu­nismus, außerdem lehne die Kommunistische In­ternationale individuelle terroristische An­schläge entschieden ab.

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Der Untersuchungsrichter hat Frau Gorguloff verhört, die angab, daß sie ihren Gatten in Paris kennengelernt und im Juli 1931 geheiratet fyabe. Am Tage der Eheschließung habe sie auf eine Bank die Summe von 40000 Francs hinterlegt, die ihre Mitgift darstellte. Ihr Mann habe vergeblich versucht, in Prag eine f a - schistische russische Partei zu gründen. Ihr Mann habe sehr wenig mit ihr über politische Fra­gen gesprochen. Ihre Unterhaltung mit ihm habe sich vor allem auf philosophische und medizinische Fragen erstreckt. Aus die Frage des Untersuchunas- richters, weshalb ihr Mann einen Revolver be­sessen habe, habe Frau Gorguloff geantwortet,

sie selbst habe ihren Mann danach gefragt, und er habe ihr nur geantwortet, er fei bewaffnet, um im Falle der Not sich verteidigen, zu können.

Wie Havas berrichtet wird die Untersuchung sich nunmehr vor allem darauf erstrecken, festzu­stellen, woher die Mitgift der Frau Gorguloff stamme, und ob es sich hierbei nicht um eine ver­steckte Subvention irgendeiner ausländischen poli- politischen Partei handele-

Frau Gorguloff ist in Paris lediglich als Zeu» gin verhört worden.

Tardieus Antwort an Dr. Brüning.

Ministerpräsident Tardieu hat an Reichskynz- ler Dr. Brüning auf das Beileid der Reichsritgie­rung folgendes Antworttelegramm gesandt:

„Ew. Exzellenz danke ich bewegt für das Tele­gramm, das Sie mir anläßlich des so schmerzli­chen Todes des Präsidenten der Republik zu sen­den die Güte hatten. Das französische Volk und die französische Regierung sind tief gerührt von der Teilnahme, die Deutschland ihrer tiefen Trauer entgegenbringt".

Der Weg des Doumer-Allenkälers.

.. Außerordentlich aufschlußreiche Einzelheiten über den Werdegang des Mannes, der den fran­zösischen Präsidenten ermordete, Pawel Gorguloff, erfährt man aus einer Veröffentlichung der P r a- 9 e r Polizeidirektion und aus Berichten russischer Emigranten, die in Prag leben. Gorguloff steht danach im 37. Lebensjahr und ist der Sohn ei­nes früheren russischen Offiziers, spateren Grundbesitzers und Pferdehändlers. Vor oem Kriege hatte Gorguloff mit medizinischen Studien begonnen, die aber durch feine Einzie- bung zum Kriegsdienst unterbrochen wurden. Eine Kopfve r l etzung durch G r a n a t f p l i t» •e r; die eine schwere Gehirnerschütterung verur- sachte, machte ihn dienstuntauglich und hat wohl auch den Keim zu jener verhängnisvollen Entwick­lung gelegt, die mit den Schüssen auf den Präsi­denten der französischen Republik endete.

Vier Jahre nach dem Umsturz floh Gorguloff unter abenteuerlichen Umständen aus Rußland nach Prag, wo er im Jahre 1926 das medizinische Doktorat erlangte. „Gorguloff, fo erklärte die Prager Polizeidirektion, kam 1921 aus Warschau nach Prag, wo er bis zum Jahre 1927 blieb. Er n>ar als Hörer der Medizin gemeldet. 1927 ver­geß er Prag, (es scheint, daß er sich in dieser Zeit aIs praktischer Arzt in der mährischen Stadt Pre- betätigte) kehrte jedoch 1928 auf 2 oder 3 Tage Uni Besuch nach Prag zurück. 1930 kam er aus nifeÄQU nach Prag und ließ sich einen Nansen-Paß Von le», nachdem er schon 1929 auf der Prager tinn» ireEtion erschienen war und um Jnforina- in $n» gebeten f/atte, unter welchen Umständen er tinnnf?9 Line Organisation der „Allrussischen na- nr.. ftei? Bauernpartei" gründen könne. Seit der mehr inm9 des Nanfenpafses zeigte er sich nicht

Prag und verließ wahrscheinlich schon da- $rernu k-6aIb daraus die Tschechoslowakei. In büroer« 9e£?tete er auch die Tochter eines Orts- ftrnn ra- Bie Ehe wurde aber auf Ersuchen der Ewrgulofs wegen schlechter Behandlung ge­

trennt. Während des Prager Aufenthalts Gor­guloffs wurde der Polizei einmal von einer Ouar- tierfrau Anzeige gegen ihn wegen gefährlicher Drohung und Fruchtabtreibung erstattet. Nach verschiedenen Mitteilungen zeigte Gorguloff viel­fach einen gewalttätigen Charakter."

Alles in allem also das Bild einer in sich halt­losen und zudem noch durch die Ereignisse in Ruß­land sozial entwurzelten Persönlichkeit. Der schwere im Krieg erlittene Gehirndefekt mußte bei­nahe zwangsläufig zum Ursprung schwerer Stö­rungen werden, nachdem das Sowjetregime Gor­guloff seiner sozialen Stellung beraubt, feiner Mutter den väterlichen Großgrundbesitz genom­men hatte. Unstet und flüchtig muß Gorguloff durch Europa gejagt sein. In dem kranken Kops fpieiten Mordgedanken eine bedeutende Rolle; hat er doch in einer Art von autobiographischem Ro­man die Ermordung seiner Braut gestaltet und — noch bezeichnender — in einem pathetischen Gebet an den Allmächtigen motivieren wollen. Er lebte in der Atmosphäre des Mordes, der Rache für das erlittene Unrecht. „Ihr Europäer seid Kanaillen!" wurde die triebhafte Parole, die ihn leitete, denn Europa duldete Sowjetrußland. Jeder Europäer hätte sein Opfer werden können; es wäre die Er­füllung seines Triebes gewesen, wie einst Nero wünschte, daß das ganze römische Volk nur einen Kops haben möge, damit er ihn vom Rumpfe tren­nen könne.

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Das französische Innenministerium veröffent­licht einen Bericht über das Ergebnis der amtlichen Untersuchung über das Vorleben Gorguloffs, des Mörders des französischen Staatspräsidenten Dou­mer. Tardieu erklärte, daß man bei Gorguloff eine kommunistische Parteikarte gefunden habe, die ihm in Prag ausgestellt worden fei.

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Die russische Presse veröffentlicht eine Mittei­lung der Kommunistischen Internationale, die von Vertretern der Kommunistischen Parteien Deutsch­lands, Englands, der Sowjetunion, der Tfchecho-

Sieg der französischen Linken.

Der Ausgang der Stichwahlen. — „Hoffnung aus wirklichen

Frieden in Europa jetzt besser

als je“ sagt man in England.

Das Ergebnis der Stichwahlen, die in Frank­reich am Sonntag ftattgefunben haben, liegt vor und damit ist das endgültige Wahlergebnis erzielt. Die Stichwahl hat bestätigt, was die Wahl am ersten Sonntag angekündigt hatte: einen star­ken Links-Ruck.

Nach dem vom französischen Innenministerium bekanntgegebenen Wahlergebnis verteilen sich die 602 Kammersitze wie folgt:

Rechtsstehend» .....5 (8)

Vereinigung Marin . ; . 76 (90) Unabhäng. Republikaner . . 28 (26) Kathol. Demokraten .... 16 (19) Linksrepublikaner (Tardieu) . 72 (101) Rechtsstehende Radikale . . 61 (90) Radikale (fjerriot) .... 156 (109) Sozialrepublikaner .... 36 (32) Sozialisten ..... . 129 (112)

Unabhäng. Kommunisten . . 11 ( ) Kommunisten......12 (15)

Der einwandfreie Sieg der Links­parteien im zweiten Wählgang wird von der gesamten Pariser Presse anerkannt.

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wtb. London, 9. Mai. (Eig. Meld.) News Chronicle bezeichnet das französische Wahlergeb­nis als eindeutiges und befriedigendes Zeichen für die Stimmung und Absichten der französischen Demokratie. Die Hoffnung auf wirklichen Frie­den in Europa sei jetzt besser als je.

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Bei den Stichwahlen in 12 elsässischen Wahl-kreisen hat die elsässische Heimatbewegung neue Erfolge zu verzeichnen. Es wurden in Straß­burg ,2 und Zabern die Autonomisten Maurer und Dahlet mit Unterstützung aller Volksfrontpar­teien wiedergewählt. Die 1928 zur Bekämpfung des elsässischen Zentrums (Elsässische Volkspartei) gegründete Autonomiefeindliche Partei der Na- tionalkatholiken hatte unter dem Eindruck ihrer Niederlage sämtliche Kandidaten zurück­gezogen. So konnte die Elsässische Volkspartei nicht nur ihre Mandate von Oerstein, Hagenau,, Mühlhausen Land und Gebweiler wiedergewinnen, sondern neu hinzu den Kreis Weißenburg. Im Kreis Kalmar siegte der Aütonomist Rosse in der Stichwahl mit 11150 Stimmen über den Radi­kalen Risch, der trotz der Unterstützung durch die Sozialisten und Demokraten nur 8 870 Stimmen erhielt. In Straßburg Nordost und int Landkreis Straßburg wurden zwei Gegner der Heimatbe­wegung gewählt, der Sozialist Georg Weill und der Demokrat Frey. Rappoldsweiler, den alten Wahlkreis des deutschfeindlichen Vorkriegspoli­tikers Wetterle, gewann ein politischer Außen­seiter, ein Fabrikant Burrus, obwohl hier in letz­ter Stunde als gemeinsamer Kandidat beider katholischer Parteien der Bischöfliche Generalvikar Kolb aus Straßburg ausgestellt worden war. Burrus erhielt 7 600, Kolb nur 4 030 Stimmen. Das Elsaß ist nunmehr in der Französischen Kam­mer durch 11 Heimatrechtler der verschie­denen Volksfrontparteien vertreten, vier Auto­nomiefeinde und einem Unabhängigen (Burrus).

herriok lehnt eine Erklärung über das Wahl­ergebnis ab.

wtb. Paris, 9. Mai. (Eig. Meld.) Herriot hat die Ergebnisse der Kammerwahlen in Lyon er­fahren, wo er am Orte der Einsturzkatastrophe geweilt hatte. Als er die bedeutenden Wahl­gewinne der radikalen Partei erfuhr, erklärte er, daß er sich freue. Im Augenblick könne er jedoch feine politische Erklärung abgeben, da seine Auf­merksamkeit gänzlich von der Fürsorge für die Opfer der Katastrophe in Anspruch genommen sei. Kurz nach Mitternacht ist Herriot nach Paris ab- gereift.

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ERB. Berlin, 9. Mai. (Gig. Meld.) Das Er­gebnis der französischen Wahlen wird in hiesigen politischen Kreisen dahingehend beurteilt, daß die Mehrheit der bisherigen Regierung nicht mehr vorhanden ist und eigentlich nur die Möglichkeit eines Linkskartells offen bleibt. Eine an­dere Möglichkeit wäre vielleicht die Erweiterung dex bisherigen Regierung nach links unter Aus­

schaltung der Marin-Gruppe. Ganz gleich aber, wie die französische Regierung sich zufammensetzen wird, so kann mit ziemlichen Bestimmtheit ange­nommen werden, daß die außenpolitische Haltung Frankreichs Deutschland gegenüber keine we­sentlichen Veränderungen aufmeifen wird.

Doumers Nachfolger?

Der französische Senakspräsidenl Albert Lebrv/N, der voraussichtlich zum Nachfolger Doumers als Präsident der französischen Republik gewählt wird.

Lebrun, intimer Freund Poincaros, zähl'/ sich zur Rechten. Er ist am 29. August 1871 iri Lo­thringen geboren und verdiente sich als Bergwerks­ingenieur die ersten Sporen. Als Kolonsizlmini. ster trat er in der Marokko-Krise 1911 zum ersten Mal hervor. Seitdem hat er noch vielmals Mini­sterposten bekleidet. Er genießt bei den Politi­kern großes Ansehen.

Wichtiger Veschlutz der BIZ.

wtb. Basel, 9. Mai. (Eig. Meld.) Der Ver- waltungsrat der B. I. Z. ist heute vormittag zu seiner 21. Tagung zusammengetreten. Dem vom Präsidenten des Verwaltungsrats Mc. Guerra geleiteten Verhandlungen wohnem deutscherseits Reichsbankpräsident Dr. Luth er, Bankier Dr. Melchior, Generaldirektor Reusch und Geheimer Obersinanzrat Dr. Vocke bei. Im Hinblick auf die morgige Generalversammlung der B. I. Z. sind diesmal sämtliche Verwaltungsratsmitglie­der anwesend, auch der Vertreter der schwedischen Reichsbank, der der letzten Verwaltungsrats­sitzung wegen der Kreugerangelegeicheit nicht bei» wohnen konnte. Insgesamt sinh 44 führende Per­sönlichkeiten der internationalen Finanzwelt an­wesend, die 21 Staaten repräsentieren. Die euro­päischen Emissionsbanken sind bis aus ganz wenige Ausnahmen vollzählig vertreten. In den Kreisen dieser Finanzleute hat das Ergebnis der franzö­sischen Kammerwahlen einen sehr günstigen Eindruck gemacht. ।

Reichsbank-Rediskontkredit ver- T längert.

wtb. Basel, 9. Mai. (Eig. Meld.) Der Berwaliungsrat dec Dank für den Internationalen Zahlungsausgleich hat in seiner Sitzung den Prä­sidenten ermächtigt, den der Deutschen Reichsbank gewährten, am 4. Juni 1932 fällig werdenden Kredit tn Höhe von 90 Millionen Dol - lar für einen Zeitraum von drei Mo-, naten $ u erneuern. , /

Kämpfe im fernen Osten.

wtb. Schanghai, 9. Mai. (Eig. Meld.) 5)ie Truppen des chinesischen Generals Matschanschan haben den Mandschukuo-Streitkräfien 80 Kilome­ter nördlich von Chardin eine schwere Nie­derlage zugefügt. Matfchanschan soll auf TfU- fikar marschieren,