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FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

W(L 59.

Sonntag, 8. Mai 1932

:: teitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

Monatlich 1.65 einschiießl. Postgebühr (46Pfg.) ohne Zusteilg Anzeigen-Preise: Kieinzeile ^dol.) lokal 0.15 NM., auswärts 0 20RM. Reklamezeile: lokal 0.60 NM . auswärts ONO NM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck! Frankfurt a. M 4051

dreas von Rußland erschien. Einer der Delegier­ten ließ wissen, daß die russischen Emigranten bereit seien, einen ihrer Landsleute zu bestimmen, alls eine weitere Bluttransfusion zur Rettung Präsidenten Doumer notwendig wäre.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt 1 AG tm Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag

Jlv. 1UO aer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda Fernrufe: Schr.st.

Das deutsche Beileid.

wtb. Berlin. 7. Mai. (Eig. Meld.) Reichs­präsident von Hindenburg hat an die Witwe des verstorbenen Präsidenten der französi­schen Republik Doumer nachstehendes Beileidstele­gramm gerichtet:

Tief erschüttert von der Nachricht des Ablebens Ihres Herrn Gemahls bitte ich Sie, hochverehrte gnädige Frau, meiner aufrichtigsten und herzlich­sten Anteilnahme versichert zu sein.

Präsident Doumers tragischer Tod.

Ein russischer Emigrant unternimmt einen verhängnisvollen Revolver-Anschlag auf das französische Staatsoberhaupt. An klarheit über die Motive des Täters. Frankreich an der Bahre des Präsidenten.

Die Nachricht von dem Attentat auf Doumer hat in Genf allgemein größte Bestürzung aus- gelöst.

Die politischen Folgen.

Frankreich und mit ihm die gesittete Welt ist am Freitagnachmittag durch eine Schreckensnachricht betroffen worden. Als der französische Staats« vräsident Doumer eine Ausstellung der Kriegsteil­nehmer besuchte, hat, inmitten der Ausstellungs- □äjte, ein Russe namens Gorguloff auf ihn mehrere Revo'lverschüsfe abgefeuert und ihn tödlich verletzt. Frankreich verfolgte in der Nacht zum Samstag mit ängstlicher Spannung die Nachrichten aus dem Krankenhaus Beaufon, wohin man den Schwerver- ieftten gebracht hatte und wo sich die berühmtesten Chirurgen von Paris um die Erhaltung seines Lebens bemühten, vergeblich.

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meld.) Präsident Doumer ist den Verletzungen, die er bei dem gestrigen Attentat erlitten Hal. heute früh um 4.37 Uhr erlegen.

Das Attentat, das auf den Präsidenten der Republik verübt wurde, spielte sich in einem Milieu ab, das die verwersliche Tat in einem be­sonders tragischen Lichte erscheinen läßt. Sie wurde nämlich in dem Raum verübt, in dem die ehemaligen Frontkämpfer ihre Werke zur Aus­stellung bringen. Doumer hat bekanntlich im Kriege seine vier Söhne verloren, und alles, was mit diesem Verlust tatsächlich oder literarisch in Zusammenhang sieht, übt auf ihn einen ganz be­sonderen Eindruck aus. Und nun hat, als der Präsident in Gedanken bei seinen Söhnen weilte, ein Nichtfranzose, ein Russe, der erst kürzlich aus Monte Carlo, zugereist scheint, die mörderische Waffe gegen ihn gerichtet.

*

Als eine der würdigsten Erscheinungen, als vorbildlicher Vater, Bürger und Patriot galt Paul Doumer schon, bevor sein Volk ihn zum Präsiden­ten der französischen Republik erkor. Die Abge- Aärtheit feines Wesens und sein Gefühl für poli­tischen Takt hatte es denn auch beinahe schon

Paul Doumer.

mwege gebracht, daß man die peinlichen Zwischen- wieles die seiner Wahl zum Präsidenten gegen den Kandidaten Briand vorangingen, vergessen hatte. Um so unfaßbarer ist im ersten Augenblick, was irgendeinen Menschen dazu bewegen konnte, den höchsten, aber fast außerhalb des aktuellen politischen Lebens stehenden Repräsentanten des Staates morden zu wollen. Das Attentat, be­gangen kaum mehr als 24 Stunden vor dem zweiten Wahlgang, wird eine furchtbare innerpoli­tische Verwirrung zur Folge haben und die Klä­rung der Dinge, die sonst vielleicht von der Wahl zu erwarten wären, verhindern.

Paul Doumer, der am 22. März 1857 in Aurillae ((Santal) in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde, hat aus eigener Kraft und mit erstaunlicher Zähigkeit seinen Ausstieg zu hohen Würden und zur Achtung in allen Lagern des Volkes erzwungen. Solche Laufbahnen sind in westeuropäischen Ländern bekanntlich eine häu­fige Erscheinung, während in Deutschland meist nur Adligen das Zeug zur staatsmännischen Füh­rung zuerkannt wird und Außenseiter alsPartei­buch-Beamte" angesprochen zu werden pslegen. Obwohl er sich selbst sein Geld für seine Bildungs­zwecke verdienen mußte, hatte er es schon im Jahre 1877, also mit 20 Jahren, zum Lehrer der Mathe­matik gebracht. 10 Jahre später hatte er sich schon die ersten politischen und journalistischen Lorbeeren geholt und konnte in die Kammer einziehen, der er über 20 Jahre hindurch angehörte und zu deren Präsident er im Jahre 1905 erwählt wurde. Als er im Jahre 1910 nicht wieder gewählt wurde, M er sich für kurze Zeit zurück, um 1912 als Senator in den höheren Rang aufzurücken. Jn- 5wlschen war er schon einmal Minister und Gene- ^a9ouöerneur von Jndochina gewesen. Man wollte seinerzeit wissen, daß das allzu heftige ^°chperamertt des jungen Radikalen maßgebenden ft""en unbequem geworden fei, daß man ihn ?oct doch nicht habe ausschalten, sondern nur ent» wollen, weswegen man auf den Ausweg oeruek, ihn nach Jndochina zu schicken.

-öm Weltkriege brachte Paul Doumer dem ,e sein Opfer in Gestalt von vier seiner -ohne, deren drei aus dem Schlachtfeld blieben,

während der vierte als Militärarzt einer Infektion erlag, die er sich im Feldlazarett zugezogen hatte. Ein Buch, das Doumer nach dem Kriege diesen seinen gefallenen Söhnen urib ihrer Lebensge- schichte widmete, galt und gilt noch heute als eine Art von Bibel französischer Pädagogik. Im Jahre 1921 nahm Briand den Senator Doumer, der sich schon im Kriegskabinett Painleves von 1917 in diesem Ressort bewährt hatte, als Finanzminister in sein Kabinett und hielt ihm auch die Treue, als er 1925 abermals das Kabinett bildete. Um so mehr war man überrascht, als Doumer bei den Präsidentschastswahlen im Mai vergangenen Jah­res gegen Briand kandidierte und ihn im ersten Wahlgang mit einigen 40 Stimmen schlug. Man weiß, daß die beiden Freunde sich bald wieder versöhnten und Briand auf die tm ersten Groll gefaßten Entschlüsse verzichtete.

Die Aussagen Gorguloffs.

Das erste Ergebnis der Untersuchung der An­gelegenheit Gorgulofss scheint darauf hinzudeuten, daß Gorguloff keine politische Vergan­genheit hat. Er war zweimal aus Frankreich ausgewiesen worden, und zwar wegen ille­galer Ausübung des Arztberufes. Seine Diplome waren von den Pariser Behörden nicht als ausreichend angesehen worden. Auch ver­fügte er nicht über genügend Existenzmittel.

In dem Verhör vor dem Untersuchungsrichter sagte Gorguloff aus: Ich heiße Paul Gorguloff und bin am 29. Juni 1895 in Labinskaja geboren. Ich bin Doktor der Medizin und bewohne eine Villa in Monaco, wo ich mich feit vier Monaten aufhalte, weil mir die Einreise nach Frankreich verboten ist. Ich wollte politische Propaganda treiben und speziell gegen das sowjetjstische Regime kämpfen. Ich hatte es auf den Präsidenten der Republik abge­sehen, um Frankreich zum Kampf gegen die Sow­jets aufzurufen. Aus den Zeitungen erfuhr ich, daß Präsident Doumer einer von den Frontkämp­ferschriftstellern gegebenen Veranstaltung beiwoh­nen sollte. Gestern bin ich zum ersten Mal« in die Ausstellungsräume gekommen, um mich zu orientieren, und heute bin ich erschienen, um den Präsidenten der Republik zu töten. Ich habe eine Stunde lang auf ihn gewartet.

Gorguloff wurde vom Untersuchungsrichter die Anklageschrift zugestellt. Sie lautet auf Mord­versuch an dem Präsidenten der Republik. Als­dann wurde er in das Sante=®efängnis eingelie­fert. Der Untersuchungsrichter hat drei medizi­nische Sachverständige bestellt, die Paul Gorguloff auf s e i n en Geisteszustand untersuchen sol- > len. Er stellte den Antrag, daß ihm von Arntsme- gen ein Verteidiger zur Verfügung gestellt werde. Höchstwahrscheinlich wird, da man annimmt, daß Gorguloff viele Beziehungen zu russi­schen Kreisen unterhält, die Untersuchung sich auch auf diese erstrecken.

Bei der Besprechung zwischen dem Minister­präsidenten, dem Innenminister, dem Justizmini­ster, dem Generalstaatsanwalt, dem Polizeipräfek­ten und dem Direktor der Sicherheitspolizei im In­nenministerium wurde, wie Havas berichtet, fest- gestellt, daß Gorguloff 1930 sich in Prag damit beschäftigte, eine altrussische Bauernpartei mit neu­bolschewistischem Charakter zu gründen. Eine auf seiner Weisung von einem Pariser Drucker herge- stellte Broschüre zeige das neubolschewistische Zei­chen. Die Vereinigungen, die dieses Zeichen füh­ren, seien von der TU. Internationale inspiriert, die die betreffenden Leute häufig als Spitzel ver­wende.

Diese Broschüre bezeuge außerdem, daß Gor­guloff nicht Herr seiner Sinne gewesen sei, denn er bezeichnete sich darin selbst alsgrünen Dik­tator" und als Erretter. Man frage sich aller­dings. ob Gorguloff nicht vielleicht den Verrück­ten spiele. Deshalb wurde seine Untersuchung durch Irrenärzte angeordnet.

Das bei Gorguloft vorgefundene, in russischer Sprache geschriebene Heft enthält ein? Art Plä- doper, in dem Gorguloff erläutert, weshalb er den Präsidenten der Republik töten wollte. Nach sei­ner Ansicht sei Rußland Frankreich während des Krieges zu Hilfe aekommen, aber Frankreich habe nichts getan, um Rußland zu helfen, das sow­ie t ist i f ch e Joch a b z u sch ü t e l n. Am Schluss- des Aufsakes bezichtigt sich Gorguloff selbst, den Sohn Lindberahs geraubt zu haben. Er habe mehr als 60 000 Francs ausgegeben, um ihn ent­führen zu lassen. Das Kind werde als Geißel von russischen Terroristen aufgezogen.

Havas bemerkt hierzu, dieser Schluß der Auf­zeichnungen scheine darauf hinzuweisen, daß Gor­guloff nicht im Vollbesitz seiner geistigen Fähig­keiten sei.

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meld.) Die Frau des Attentäters Gorguloft ist gestern in Monaco verhaftet worden.

Freitagabend hatte sich, wie Havas berichtet, vor dem Krankenhaus, in dem Doumer liegt, eine Abordnung russischer Emigranten vorgestellt, die im Namen des Großfürsten An-

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meld.)Matin" hält den kommunistischen Ursprung des Atten­tats für wahrscheinlich. Das Coty-BlattAmi du Peuble" beginnt einen Feldzug gegen die Sowjets. Glaubwürdige Nachrichten schienen zu beweisen, schreibt das Blatt, daß der Mörder einer der zahllosen Spionage-Agenten und Un­ruhestifter sei, die die G. P. U. allenthalben unter­halte.Journal" schreibt, die Frage der Nachfolgerschaft erbebe sich inmitten einer ernsten außenpolitischen Lage und inmitten des innerpolitischen Parteikampfes. Schon gestern hätten die Parteiführer ihre Kontroversen ruhen lassen. Das Unglück möge die streitenden Parteien zusammenbringen.

Am Dienstag Reuwahl.

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meld.) Der Mini­sterrat hat heute vormittag beschlossen, die N a - tionattierfammlung, die die Wahl des neuen Präsidenten der Republik vorzunehmen hat, auf Dienstag nachmittag 14 Uhr nach Versailles einzuberusen. Die bisherige Kammer, also die 1928 gewählten Abgeordneten, werden an der Wahl des neuen Präsidenten teilnehmen, da die Befugnisse der neuen Kammer erst am 1. Juni beginnen.

Weiter hat der Ministerrat beschlossen, daß die nationalen Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Prä'identen Doumer am D o n n e r s- tag ftatt finben. Die Beisetzungsseier erfolgt in der Kirche Rotre Dame, die Beisetzung im Pantheon.

wtb. Paris. 7. Mai. (Eig. Meld.) Kandidat für die Präsidentschaft wird wahrscheinlich der jetzige Senatspräsident Lebrun sein.

Aufbahrung der LeicheDourners

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meldg.). Die sterb­liche Hülle Doumers ist im Elyfee vorläufig auf­gebahrt worden, angetan mit dem Großkreuz der Ehrenlegion und mit allen Orden und Ehrenzei­chen. Heute vormittag wird die Einbalsamierung erfolgen. Alsdann wird das Publikum die Mög­lichkeit haben, am Katafalk vorüberzuziehen.

Varls m Trauer.

wtb. Paris, 7. Mai. (Eig. Meld.) Alle öf­fentlichen Gebäude, die Botschaften und Gesandt­schaften, darunter autb die deutsche Botschaft, ha­ben anläßlich des Ablebens des französischen Staatschefs die Flagge auf Halbmast gesetzt. Auch zahlreiche Privatgebäude haben Halbmast geflaggt ober Fahnen mit schwarzem Flor ausoehänat. Seit heute früh statten die offiziellen Persönlichkeiten, unter ihnen Botschafter von Hoesch, dem Präsi- dentschaftspalais ihren Besuch ab.

In Schanghai befürchtet man als Folge des chinesisch - japanischen Waffenstillstandes einen neuen Bürgerkrieg in China.

Möge der Allmächtige Ihnen die Kraft geben, auch diesen letzten Schicksalsschlag zu ertragen und Ihnen mit seinem Tröste beistehen.

Reichspräsident v. Hindenburg."

Ferner entsandte der Herr Reichspräsident fei­nen Staatssekretär zum hiesigen französischen Bot­schafter, um diesem persönlich den Ausdruck seines Beileids an dem durch das verabscheuungswürdige Attentat erfolgten Ableben des französischen Präsi­denten zum Ausdruck zu bringen.

*

wtb. Berlin, 7. Mai. (Eig. Meld.) Reichs- kanzler Dr. Brüning hat an den französischen Mi­nisterpräsidenten Andre Tardieu das nachstehende Beileidstelegramm entsandt:

Auf das schmerzlichste bewegt durch die Nach­richt, daß es nicht gelungen ist, das Leben des Herrn Präsidenten Doumer zu erhalten, drängt es mich, Ew. Exzellenz meine und des deutschen Vol­kes wärmste Anteilnahme an der Trauer auszu­sprechen, welche Frankreich in diesem Augenblick erfaßt. In tiefem Mitgefühl beklage ich das grau­same Schicksal, daß Ihr Staatsoberhaupt mitten in seinem Wirken um sein Vaterland fein Leben zum Opfer bringen mußte."

Trauerbeflaggung in Berlin anläßlich des Ablebens Doumers.

wtb. Berlin, 7. Mai. (Gig. Meld.) Anläßlich des Ablebens des Präsidenten der französischen Republik haben heute das Reichspräsidium, die Reichskanzlei, das Auswärtige Amt (mit Presse­abteilung) und der Reichstag die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Vor 40 Jahren.

Schon einmal ist auf einen Präsidenten der französischen Republik ein Attentat verübt wor­den. Am 24. Juni 1894 traf in Lyon den da­maligen Präsidenten Catnot auf der Fahrt von einer Theatervorstellung der Dolchstoß desFtalie- nischen Anarchisten Easerio. Wenige Stunden spä­ter starb Carnot. Der Mörder konnte verhaftet werden, und es stellte sich später heraus, daß die Tat auf Anweisung eines italienischen anarchisti­schen Komitees verübt worden mar. Caserio war durch das Los zur Ausführung des Anschlages be­stimmt worden. Die Wahl des neuen Präsidenten erfolgte entsprechend der französischen Verfassung unmittelbar nach dem Dahinscheiden Camots. Am 25. Juni früh war Carnot gestorben, am 27. hatte die Nationalversammlung in Versailles bereits sei. nen Nachfolger gewählt. Die Beerdigung des er- mordeten Präsidenten fand in Paris statt, und hinter dem Sarge folate an erster Stelle der neue Präsident Casimir Perier. Die Bevölkerung zeigte sich über die Ermordung Camots äußerst erregt, und in Lyon kam es zu wilden Szenen. Di« Menge zerstörte die Läden und Gaststätten italie­nischer Besitzer.

Das Endergebnis der Landlagswahlen. 423 Abgeordnete. Die Sozialdemokraten erhalten einen Sitz mehr.

wtb. Berlin, 7. Mai. (Eig. Meldg.). Das endgültige Gesamtergebnis der Wahlen zum Preu­ßischen Landtag liegt nunmehr vor. Danach be­trägt die Gesamtzahl der Abgeordneten 423, und zwar sind gewählt worden 350 Abgeordnete direkt, 31 durch Verbindungen in den Wahlkreisverbän­den und 42 auf die Landesliste. Eine Aenderung in der Zahl der Abgeordneten trifft lediglich bei der SPD. ein. Diese hat mit ihren 4 675173 Stim­men 94 Sitze erhalten und zwar 82 direkt, 6 burch Liftenverbindungen und 6 durch die Landesliste.

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Noch in keinem Lande, das am 24. April ein neues Parlament wählte, ist irgendeine Ent­scheidung über zukünftige Koalitio - nen oder Regierungen gefallen. Ueberall geht dafür das Abtasten, das Sondieren des Geländes weiter. Die Frage der Regierungsbeteiligung bleibt nach wie vor stark umstritten, da offizielle Koalitionsverhandlungen bisher nirgendwo eingeleitet wurden, mit Ausnahme von Anhalt, das sich auch über die neue Regierung bereits entschie­den hat.

In Preußen wird mit dem Zusammentritt des neuen Landtags die Regierung Braun aus» scheiden. Aber was ihr Nachfolgen wird, bleibt das Rätsel. Die Reichspolitik spielt auch jetzt noch beim Preußenproblem die ausschlaggebende Rolle. Was man sonst hört, sind reine Kom­binationen, die keinerlei Aufschluß darüber geben, was künftig praktisch möglich sein wird.

DieBayerische V o l'ksp artei korre - s p o n d e n z" wendet sich gegen den Plan einer Einsetzung einesReichskommissars" in Preußen, dessen Einsetzung von preußischer Seite dem Reiche nahegelegt worden sei, wenn sich die Bemühungen um eine Regierungsbildung in Preußen als aussichtslos Herausstellen sollten. Die Korrespondenz'bemerkt, daß eine solche Ver- zichterklärung des preußischen Staates die schwerste Erschütterung für das gesamte innere Reichsgefüge bedeuten würde. Es würde damit eine Struktur- wandlung des deutschen Reichsaufbaues eingeleitet werden, wie sie folgenschwerer gar nicht auszuden­ken sei. Es würde sich dabei um ein Vorgehen handeln, das weit über den Rahmen einer die Reichsgewalt und das Land Preußen allein an­gehenden Angelegenheit hinausrage. Damit würde eine gesamtdeutsche Frage aufgerollt, bei der alles, das zum Deutschen Reiche gehöre, mitzureden und mitzuendscheiden habe. Auf Grund einer Unter­suchung des Münchener Staatsrechtslehrers Pro- sessor Dr. Rawiasky in derDeutschen Juri­stenzeitung" kommt die Korrespondenz zu dem Schluß, daß das ganze Projekt eines Reichskom- missars nicht nur politisch anrüchig, sondern ver- sassungsrechtlich in jeder Beziehung untragbar sei.

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Der bisherige Landtagspräsident in Würt­temberg hat aufgrund des § 15 der württem- bergischen Verfassung den am 24. April neuge» wählten württembergischen Landtag auf Dienstag, den 10. Mai, mittags 4 Uhr, zu seiner ersten Sitzung einberufen, um den Vor­stand des Landtages zu wählen. Zur Eröffnung des Landtages finden vormittags öffentliche Got­tesdienste für die katholischen und evangelischen Mitglieder des Landtages statt.