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Ar. 103 Beilage zur Fuldaer Zeitung 4. Mai.

er

NILS

Eigener Herd.

Am eignen Herve, wie arm er auch sei, bin immer doch Herr ich im Hause: ein Strohdach darüber, zwei Ziegen im Stall, bleibt immer noch besser als betteln.

An eignem Herde, wie arm er auch sei, bin immer doch Herr ich im Hause: dem blutet das Herz, der betteln muß gehn sich jeglichen Mittag sein Essen.

(Nach der Edda.)

kalhollscher Z»nWö«uer-Verband.

1. «eichskreffen derSlurmschar" auf der Feste Alexander bei Koblenz.

Das große Reichrtreffen der Sturmschar soll sein ein Abschluß des ersten Arbeitsabschnittes. Nachdem in 2% Jahren der Aufbau nahezu vollendet wurde, soll das Treffen zeigen, was die Sturmschar im Jungmännerver­band bedeutet. Das Reichstreffen in der Pfingstwoche, vom 17. bis 21. Mai d. I., im großen Zeltlager und in den Gebäuden derKarthause" soll die Sturmschärler zum ersten Male aus dem ganzen Reiche zusammenfüh­ren. Das Reichstreffen will der Beginn eines zweiten Arbeitsabschnittes fein. Durch die ganze Tagung zieht sich der Gedanke, aT.it Sturmscharen die Aufgabe der katholischen Jungmannschast einzuhämmern: Katho­lisches Jungvolk baut das Gottesreich im Deutschen Reich.

Auch aus Fulda und den übrigen Städten der Diö­zese werden die Sturmscharen an dem Treffen teilneh- men, das rund 3200 Sturmschärler zusammenführen wird.

Siedlung Arelwilllger Arbeitsdienst.

Zwei Dinge, über die sich jeder junge Arbeitslose Gedan­ke« machen muß.

Jedem wird es langsam klar, daß die Millionen jun­ger Menschen, die in Deutschland aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet sind, nicht mehr ohne weiteres Arbeit in der Industrie bekommen werden. Die Zeit der ungeahn­ten industriellen Entwicklung ist für die nächste Zeit vor­bei. Eine Umstellung ist, so schwer es vielen fallen wird, notwendig. Jugend, die leben will, darf nicht klagen über diegoldene Zeit", die einmal war, sie soll sich auch nicht darauf beschränken, zu protestieren, sondern sie muß mit allen Mitteln einen Ausweg suchen. Die junge Mann­schaft unseres Volkes, die meist vor verschlossenen Toren steht, wird, wenn sie noch zukunftsgläubig und lebens­kräftig ist, sich nicht selbst aufgeben, sondern unverzagt den schweren Weg gehen und so ihr Schicksal meistern.

Es muß Auswege geben. Man muß nur nach ihnen juchen und genügend Mut haben, sie zu gehen. Ein Weg für Hunderttausend» Ist die Sied­lung. Land zum Siedeln gibt es im deutschen Osten genug. Hoffentlich tut die deutsche Regierung bald den notwendigen Schritt, um dieses Land den deutschen Men­schen, die sich auf deutscher Erde eine Existenz schaffen wollen, bereitzustellen. Das lohnt sich eher, als staats- und volksfeindlichen Großgrundbesitzern Osthilfe zu ge­ben.

Wir möchten heute aber gar nicht auf die nationale Bedeutung der Siedlung eingehen wir haben sie schon oft genug herausgestellt sondern beschränken uns dar­auf, nur einige praktische Anregungen zu geben. Zu­nächst: Wer siedeln will, muß ein ganzer Kerl sein, der Arbeit und Entsagung gewohnt Ist und nur ein Ziel kennt, sich und seinem Geschlecht di» Zukunft zu sichern. In der Regel wird der Siedler eine Umschulung notwen­dig haben. Für diesen Zweck sind eine Reihe Einrichtun­gen getroffen worden. Wir nennen nur die Siedler- schule des kath. Jungmännerverbandes in Matgendorf (Mecklenburg), das von den kathol. Arbeitervereinen und dem Gesellenverein gegründete Winsriedheim bei Bensberg im Rheinland und die Kreuzlandschul» in Neersen (Bezirk Düsseldorf).

Die Finanzierung der Umschulung er­folgt auf Grund der §§ 136 und 137 des Gesetzes über

Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Nach § 136 kann der Vorsitzende des Arbeitsamtes den Ar­beitslosen, die zwar in einem Arbeitsverhältnis stehen, aber noch nicht oder nur vorübergehend in der Landwirt­schaft gearbeitet haben und deshalb nicht den vollen Ar- beitsverdienst erlangen können, einen Anlernzuschuß ge­ben, und zwar auf die Dauer von acht Wochen in Höhe der zuletzt gezahlten Arbeitslosenunterstützung ober des Unterstützungsbetrages, der beim Dorliegen der gesetz­lichen Voraussetzungen zu zahlen gewesen wäre. Ein Erlaß der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung vom 4. März 1931 bestimmt weiter, daß die Zuschüsse außer Empfängern von Arbeitslosen- und Krisenunterstützung auch solchen Arbeitslosen gewährt werden dürfen, deren Wartezeit noch nicht abgelaufen ist, oder die infolge ju­gendlichen Alters keine Unterstützung erhalten. Nach § 137 des AVAVG. kann der Vorsitzende des Arbeitsamtes Veranstaltungen der beruflichen Fortbildung und Um­schulung insoweit einrichten und unterstützen oder dar übliche Schulgeld für die Teilnahme zahlen, als sie ge­eignet sind, Empfänger von Arbeitslosenunterstützung der Arbeitslosigkeit zu entziehen. Gegenwärtig kostet die Umschulung etwa 150 Mark für den Schüler. Neben der Reichsanstalt gaben bisher auch das Reichsarbeits­ministerium, das Reichsernährungsministerium und das preußische Wohlfahrtsministerium Bechilfen für die Um« fchulungsbestrebungen.

Ein anderer Ausweg ist der Freiwillige Ar­beitsdienst. Man muh bedauern, daß auf diesem Gebiete noch nicht mehr getan wurde. Es scheint aber jetzt anders zu werden. Auf der Wasserkuppe hat man dieser Tage mit dem ersten größeren Versuch in unserer Heimat begonnen. Hoffentlich werden bald wettere Ar­beitslager errichtet. Die Führer der katholischen Jugend­organisationen des Fuldaer Landes sollten der Frage des Arbeitsdienstes ihr stärkstes Interesse widmen. Auch hier einige praktische Winke:

Die gesetzliche Grundlage des freiwil­ligen Arbeitsdienste» ist gegeben In der Notver­ordnung vom 5. Juni 1931 (abgedruckt imReichsar­beitsblatt" Nr. 16, 1981) und der darauf aufbauenden Verordnung des Reichsarbeitsministers und des Reichs­ministers der Finanzen vom 23. Juli 1981 (abgedruckt im Reichsarbeitsblatt Nr. 21, 1981) und dem Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung an die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter vom 29. Juli 1931 (abgedruckt im Reichsarbeitsblatt" Nr. 23, 1931). Die gesetzlichen Be­stimmungen sind in das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eingeordnet, indem ein § 139a geschaffen wurde, der die grundlegenden Bestim­mungen der Notverordnung vom 5. Juni über bett Frei­willigen Arbeitsdienst enthält.

Die Durchführung des freiwilligen A r- beitsdienstes. Für die Durchführung des Freiwil­ligen Arbeitsdienstes werden unterschieden Träger der Arbeit und Träger des Dienstes. Als Täger der Arbeit sind zugelassen: 1. Oeffenüich- rechtliche Körperschaften. 2. Gemeinnützige Genossenschaf­ten. 3. Gemeinnützige Vereine oder Ver­bände. 4. Gemeinnützige Stiftungen und Dereinigun- Wt, die Gruppen von Arbeitswilligen zusammensassen zwecks Durchführung einer bestimmten Arbeit. Diese Träger haben die Arbeiten für eigene Rechnung und eigene Verantwortung auszuführen, Gerät und Arbeits­kleidung zur Verfügung zu stellen und die Finanzierung der Arbeit sicherzuustellen. Als Träg er des Dien­stes sind zugelassen alle Vereine und Ver­bände, welche Gruppen von Arbeitsdienst- willigen zusammenfassen und für die Arbei­ten zur Verfügung stellen und für die ordnungsgemäße Durchführung des Dienstes Sorge tragen.

Wer kommt für den freiwilligen Ar­beitsdienst in Frage? Maßgebend ist die Not­verordnung vom 23. Juli 1931. Danach kommt der Frei­willige Arbeitsdienst in Frage: 1. Für Arbeitslose, die Arbeitslosen- oder Krisenunterstützung beziehen. 2. Für jugendliche Arbeitslose unter 21 Jahren, die deswegen keine Arbeitslosenunterstützung beziehen, weil sie einen familienrechtlichen Anspruch haben, oder die deswegen keine Krisenunterstützung beziehen können, weil sie das vorgeschriebene Alter (21 Jahre) noch nicht erreicht ha­ben.

Daß die Bestimmungen praktisch die Wohlfahrtser-

Fünfjahresplan und Sowjekjugend.

Die bolschewistischen Gewalthaber mitzbrauchen ähnlich wie die ^kapitalistischen Ausbeuter" die Menschen.

Will man das moderne Rußland verstehen, so muh man sich dem Studium eine» um sangreichen Zahlenwerkes mit Kolonnen vielstelliger Zahlen, mit Statistiken, graphischen Darstellungen, Zahlen und wiederum Zahlen widmen. Dieses Werk ist der Fünf- layrpian. Er ist dar Gehirn des modernen Rußland, r ist sein Rückgrad, das alles zusammenhält, was in an positiven aufbauenden Kräf­ten am Werke ist. Er bietet gewissermaßen die Kraft- e f r<t?/ * V *" L5 5,' ° l' S - n I n d u str i e w e r - les. Don ihr geht alles aus, In ihr laufen alle Fäden zusammen. u

SMI man dar moderne Rußland recht verstehen, so muh man auch endluh die richtige Vergleichsebene be­traten. Man sagt oft in der Kritik: Der russische Arbeiter lebt trotz aller angeblichen Fortschritte des bolschewistischen Sy- stem» viel schlechter und erbärmlicher a l z d e r d e u l s ch e. Die Wohnungsnot, die schlechte Verteilung der Lsbensmittel, die verwahrlosten Kinder, all das ist fo negativ, daß für positive Auswirkungen kein Platz mehr bleibt. Das ist alles von einer falschen Ebene aus gesehen. Wenn wir die Verhältnisse in Sow­jetrußland beurteilen wollen, dann müssen wir sie ver­gleichen mit dem Zustand Rußlands vor der Sowjetrevo- lution. Dann erscheint das, was der russische Staat bis heute geleistet hat, für das russische Land der zaristi- !chen Verhältnisse gigantisch Wohlgemerkt: gigantisch in wirtschaftlicher und technischer Beziehung! In be- iug auf Propaganda und Organisation!

Der Fünsjahrplan ist, wie ein soeben erschienenes von N. Iljin (280 Seiten mit Abbildungen, mS drosch Rm. 2.50, Leinen Rm. 3.75 1932, Ma- JT^riag, Berlin) dargelegt, das Gerüst des wirtschaft- J®>en Aufbaus. Nein: des wirtschaftlichen Neubaues, ""die Ruffen müssen fast alles neu schaffen. Viel Ha durch die grauenvollen Jahre des Bürgerkrieges i h u Q®e" Aber in weitesten Gebieten Rußlands war /»Haupt nicht» vorhanden, als der Fünfjahrplan ein- 2®te- 3m Ural, im Donezbecken, in der Ukraine kannte

man keine Industrie. Dort wurde Landwirtschaft be­trieben, auch diese unter nicht zeitgemäßen, sondern tech­nisch rückständigen Methoden. Dort und an vielen an­dern Stellen sind heute riesige Jndustriewerke entstan­den, gleichsam aus dem Nichts hervorgezaubert. Die Landwirtschaft wurde rationalisiert, moderne Traktoren reißen das Land auf, wo früher der Handflug ging. Gigantische Erntemaschinen gehen heute über unabseh­bare Felder, wo früher der Muschik mühsam seine Aehren sammelte oder das Land, weil zu schwer der Handbearbeitung zugänglich, brach liegen ließ. Diese Fortschritte verblüffen. Sie scheinen sich unbedingt segensreich auszuwirken, zumal vorzüglich nach Iljins Buch, Rußland erst heute beginnt, sein Land recht zu entdecken, seine Reichtümer und Bodenschätze heute erst gefunden hat und anfängt, sie auszubeuten. Gewiß, in dieser Beleuchtung entsteht ein bestechendes Bild. Aber . . .

Gewiß: das große Aber muß trgenbmo liegen. Es liegt, um dies knapp und deutlich zu sagen: in der Vergottung der Maschine. Das ganze Leben im neuen Rußland ist technisch, erscheint irgendwie tech­nisch bestimmt und gebunden. Die Maschine ge­nießt eine Wertschätzung, d i e höher steht als die Ehrfurcht von dem Menschen. Weitaus höher, denn der Mensch, das Menschenleben ist nirgends billiger als in Sowjetrußland. Die Ma­schine aber ist teuer und schwer zu ersetzen. Sie arbei­ten für 10, für 50, für 100 Menschen. Also ist ihr eine Sorgfalt nötig, die dem Menschen gegenüber lächerlich erscheinen würde. Nur mit der Maschine ist all das zu erreichen, was dieser wundervolle Mechanismus des Fünfjahresplanes erreichen will, sicherlich auch errei­chen wird. Die Maschine also herrscht heute in Ruß­land in einer Weise, die diktatorisch, die brutal und hemmungslos genannt werden muß, wie keine politische Institution es je sein könnte. Darin liegt das schwere Versagen einerWeltanschau - u n g", die, wie die bolschewistischeHeilslehre " sein will. Sie vergißt den Menschen. Darum fft das bolschewistische System auch nicht sozial. Denn wenn

werbslosen ausschließen, ist sehr bedauerlich. Hoffentlich erweitert die angekündigte neue Notverordnung den Kreis der Zugelassenen.

Welche Arbeiten können im Freiwilli­gen Arbeitsdienst ausgeführt werden? Nach den gesetzlichen Bestimmungen kommen für den Freiwilligen Arbeitsdienst hauptsächlich folgende Arbeiten in Frage: Roden und Kultivieren von Brach- und Oedland, Dränagearbeiten, Herrichtung von Siedlung»- und Kleingartenland, Siedlungsanlagen, Wegebau zum Auf­schluß von Siedlungsgelände (bedingt), W»- geanschluß im Zusammenlegungsversahren (bedingt), Weinbergwege (bedingt), Wegeverbefserun- g e n. Ferner Meliorationsarbeiten, kleinere Deichbauten und Arbeiten sonstiger gemeinnütziger Zweckverbände, die hier meisten» Träger solcher Arbeiten sein werden. Weiterhin Arbeiten zur Hebung der Volksgesundheit, z. B. Badeanlagen, Spielwiesen, S p o r t p l tz e mit den dazugehöri­gen Unterkunftsbaracken und Umkleideräumen, Rad­fahrwege als verkehrserleichternde Zuleitung von Auswärtigen zur Arbeitsstätte, auch Radfahrwege seitab gelegen von großen Zufuhrstraben nach Jndustrieorten.

Auswanderung als Hilfe

Der Arbeitslose In Stadt und Land, der nachgebo­rene Sohn in den Dörfern und auf den Höfen stellt sich zu Beginn des Frühlings die Frage, ob nicht die Aus­wanderung in fremde glücklichere Länder eine Hilfe in der großen Wirtschaftskrise Deutschland» fein könnte.

Man weiß, daß die Vereinigten Staaten von Nord­amerika heute praktisch für den Einwanderer verschlos­sen sind. Aber man hört, daß man in Südamerika doch noch für fleißige und strebsam» deutsche Siedler und Farmer, die in der Jnnensiedlung mangel» der nötigen Geldmittel nicht unterkommen, eine Zukunft verheißen kann.

In den drei SO ft aalen Brasiliens kön­nen in verhältnismäßig kurzer Zeit Tausende deutscher Familien auf bereits vermessenen Kolonielosen von je 25 Hektar angesiedelt werden. Auch Nordargen­tinien und Paraguay bieten noch für Hundert­tausende von deutschen Siedlern Raum. Durchweg kann gesagt werden, daß selbst in den Krisenzelten wie den heutigen auf solchen Kolonielosen niemand Hunger zu leiden braucht, daß man aber sicher sehr große Opfer an Bequemlichkeit, an Kulturgenuh, an sozialer Struk­tur de» Gemeinschaftslebens bringen muß.

Die greife für diese Siedlungsgebiete sind in Ar­gentinien etwas höher als in den beiden anderen Län­dern. Die ftuchtbarsten und billigsten Ländereien sind die Urwaldstücke. Soweit sie schon gebauten Eisen­bahnen oder Straßen naheliegen, sind die Preis» höher. Wer nur geringe Mittel besitzt, muß mit den billigeren Ländereien vorlieb nehmen. Im Staate Santa Catha­rina (Südbrasilien) sind die westlichen Gegenden noch voll guten Landes, das langsam zur Erschließung kommt. Im Staate Parana, der sich nördlich an Santa Catha­rina anschließt, sind die Ländereien teilweise noch bil­liger, bann allerdings auch nicht so fruchtbar.

Nach Brasilien und Argentinien taugen aber nicht di» Menschen, die anspruchsvoll sind in bezug auf di» ge­wohnte Nahrung, auch nicht nervöse und unruhige BÜro- unb Großstadtleute, die vielleicht ein kleine» Gemuse- gärtchen und einen Hühnerhof besitzen und nun schon im Geiste ihr großes Besitztum in Brasilien vor sich sehen, von dem Ertrag der Jagd träumen und sich deshalb für gute Kolonisten halten. Die Wirklichkeit ist nicht für spielerische und sprunghafte Men­schen, die auf Krankenkasse, Pension ober Altersver­sorgung rechnen unb es nicht fertig bringen, aus ihren kleineren ober größeren Ueberschüssn bei einem genüg« famen Leben Ersparnisse zurückzulegen.

Jeder Auswanderer muß sich darüber klar fein, daß ihm nirgends der Wohlstand mühelos in den Schoß fällt, daß er in der ersten Zeit sich mit dem Los des Selbstversorgers begnügen muß, daß Arbeit und Entbehrungen dem Aufstieg voran- gehen. In Südamerika ist kein Platz für unpraktische,

Das ««beseelte Reich zerbrach, ölt stehn vor aller öeH in Schmach; Run bteibf uns aufzubau« aus Licht El« Seelenreich, bas nie zerbricht. Hier, deutsche Jugend, ist die Lahn: Befeelt Reudeutschland! Fanget an!" t Friebr. Lienhard.

Ferner Volksspeisung, Ausbefferungswerstät- ten für Wäsche, Kleider, Schuhe für Hilfsbedürftige. Maßgebend für alle Arbeiten im Freiwilligen Arbeit»« dienst Ist, daß es sich um eine gemeinnützige und zusätz­liche Arbeit handelt.

Di» letzte Entscheidung, ob eine Arbeit Im Freiwilli­gen Arbeitsdienst durchgesührt werden kann, liegt beim zuständigen Landesarbeitsamt. Die Anträge auf Zulas­sung müssen jedoch beim zuständigen Arbeitsamt gestellt werden.

Das sind nur einige Hinweise. Wir werden in der nächsten Zeit öfter» auf die Frage der Siedlung und des Freiwilligen Arbeitsdienstes zurückkommen.

in der Arbeitslosigkeit?

schwache ober arbeitsscheue Leute. Nur willensstarke unb zähe Naturen setzen sich durch, und Männer, die sich durch nichts entmutigen lassen und auf dem Stand punkt stehen, die Schwierigkeiten sind dazu da, um über­wunden zu werden. Dafür gibt es auch feine Steuer« zettel. Der Tüchtige hat dort freiere Bahn und mehr Aufstiegsmöglichkeiten als hier. Darin liegt der Reiz dieser jungen Länder.

Der Auswanderer hat sich drei Fragen vorzulegen, deren Beantwortung für die Auslandssiedlung entschei­dend ist:

1. Bin ich persönlich fähig, ohne weitere» eine Siedlung zu beginnen, oder muß ich mich erst einer Vor­schulung unterziehen?

2. Habe ich die notwendigen Mittel zu einer Aus- landsstedlung oder kann ich sie mir beschaffen?

8. An wen wende ich mich, um zu meinem Ziele zu gelangen?

Was die erste Frage betrifft, fo ist von vornherein darauf hinzuweisen, daß die Wirtschaftsmethoden in Südamerika ganz andere sind als in Deutschland. Die Bodenbewirtschastung in Uebersee hat mit der Tätigkeit de» deutschen Landwirt» praktisch nur so viel zu tun, al» er dort noch mehr schwerer körperlicher Arbeit ge­wachsen, Liebe zur Natur besitzen» genügsam unb am spruchslos sein muß.

Neben Lanbwirten können auch Handwerker, Tech­niker, Industriearbeiter, evtl, auch Kaufleute und Ange­hörige sonstiger höherer Beruf» als Siedlungsanwärter in Betracht kommen, wenn sie der Landwirtschaft von Hau» aus durch Neigung nahestehen, die Bauernarbeit noch nicht ganz verlernt haben, bezw. noch bildungs­fähig und nicht ganz verstädtert sind. In letzterem Falle ist eine mehrmonatige Umschulung bei einem Bau­ern oder in einer Siedlerschule ernstlich anzuraten.

Auf die zweit», nicht minder wichtig» Frage ist zu antworten: Wer als Unverheirateter etwa 1500 Mark ober als Verheirateter etwa 4000 Mk. besitzt, kann di» Auswanderung ruhig wagen. Mit 1000

Briefkasten der Schrifkleikung.

Nach Hilders. Herzlichen Dank für Ihre Mitteilung^ Wir denken aber nicht daran, auf Anrempeleien eines Menschen zu reagieren, der so vortrefflich in die Partei des von sich selbst sehr eingenommenenFührers" u. des Stabschefs" Röhm paßt. Im übrigen wird die Ausein­andersetzung der jungen Mannschaft unserer Heimat m.t den radikalen Schwätzern erst beginnen. An dem Sieg der jungen Dolksfront im Fuldaer Land zwei­feln wir heute nicht mehr.

all bas, was der Fünsjahrplan schaffen will, für ben Menschen, für bte Massen geschaffen werden soll, dann müssen die Massen auch Gelegenheit und Zeit und Muße Haden, die» Geschaffene zu genießen. Die läßt ihnen afber der Fünfjahrplan nicht. Keine Minute darf in Sowjetrußland verstreichen, die nicht irgendwie diesem grauenvoll diktatorischen Plane dient. Darum ist es nur so: daß die Menschen für den Plan, nicht aber der Plan für die Menschen da ist. Nur schaffen, immer unter einer gemeinsamen Befehlsgewalt stehen, immer ein unb denselben Antrieb in sich und Über sich spüren nämlich den Plan, nie aber rasten unb um sich schauen, nie den Kopf heben und da» Ge­schaffene genießen, nie an sich halten unb fra­gen, ist die Richtung noch menschenmöglich, ist sie men­schenwürdig, die ich gehe. Dos ist modernes Sowjet­schicksal. Man kann sagen: ein schlimmeres In­ferno der Technisierung, ein restloseres Mecha­nisieren lebendiger Menschen ist nicht mehr denkbar.

In engstem Zusammenhang mit dem Fünfjahrplan unb seiner Verwirklichung steht heute bas Problem der Jugend. Die Leiter der Sowjetunion wissen genau, daß die Jugend diejenige Generation ist, die all da», was heute geschaffen wird, wa» heut» im Entstehen ist, vollenden und stabilisieren wird. Darum gilt di» rrst» Sorge, die einzige fast, bi» Menschen In Sowjetrußland zugewandt wird, dieser Jugend. Aber auch hier ge­schieht alles nur mit Rücksicht auf den Plan, mit Bezug auf die Ausbreitung der Bolschewismus, mit der Hoffnung auf die endliche Weltrevolution, deren Träger die heutig» Jugend sein soll.

Klau» M e h n e r t, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft zum Studium Ost-Europa», hat di» Sage der Jugend in Sowjetrußland in einem hochinteressan­ten unb außerordentlich aufschlußreichen Buch« (Jugend in Sowjet-Rußland, 1932 im S. Fischer Verlag, Berlin) geschildert. Nicht nur die Wertung, auch die Erziehung unb Bildung der Jugend ist eine durchaus andere, als die Westeuropas. Rußland hat nach der Revolution die Universitäten zerschlagen. Es besteht, enffprechend der Technisierung des gesamten Leben», nur das In­teresse an Fachbildung. DerSpez", der Spezialist, ist der gesuchte unb nützliche Mensch. Er allein hat Aussicht auf gutes Fortkommen, er allein ist wichtig für bte Partei, für die wirtschaftliche Organisa­tion des Landes. Diese Einstellung muß verstanden

werden aus der industriellen Sage. Die Intelligenz ist fast durchweg ausgerottet. Die noch vorhandene wirb mißtrauisch beobachtet. Das Ziel ist, alle technisch wich­tigen Stellen mit zuverlässigen Kommunisten zu besetzen« Daher die Nachfrage nach Spezialisten für alle Gebiete- Durch die wirtschaftliche Ordnung des Fünffahrplanes ist eine derartige Dezentralisation vorgesehen, daß einseitig Gebildete, also Spezialfften, In den verschiedenen tech­nischen unb industriellen Zweigen des Wirtschaftskörpers durchaus am Platze sind. Aber dies hat sich ingroße Nach­teile, da immer nur ein Teilwissen in einem Menschen investiert wird. Immer fft nur der kleine Fleck für den Betreffenden Lebensinhalt unb -sinn, der in seinem Sondergebiet besteht. Dies alles hat natürlich endlose menschliche und seelffche Nachteile. Auf di» metaphysi­schen Folgerungen braucht hier nicht weiter eingegangen zu werben, ba sie in dem gottfernen und reli­gionslosen System an sich klar zu Tag» liegen.

Es ist weiter interessant zu verfolgen, wie bas ganz« Leden in Sowjetrußland, vor allem da» Leben der Ju- ?enb, in festen, durch die Partei und die Wirtschaftsein- eit bedingten Gleisen abrollt. Alle» hat der Befä­higung zur Arbeit, der Steigerung der Arbeitskraft zu bienen. Der Mensch selbst wird so zur Ma­schine. Selbst die Literatur fft durchaus auf diesen Selbstzweck de» Wirffchaftlichen eingestellt. Die Schrift­steller haben nur nach diesen Richtlinien zu arbeiten. Die Zeitschriften und Zeitungen bringen nicht» ande­re» als Politik und Wirtschaftlich«». Das Theater ist Mittel der politischen Propaganda. Sicher ist Dies alles nicht ungeschickt, sondern mit dramatischen Mitteln an­schaulich und eindringlich gestaltet. Aber es hat nichts mehr mit Kunst zu tun, denn es ist reine Zwecktendenz-

Cs ließe sich noch viele» sagen über Kommune unb Familie, über die E^fchlechterfrage, üNr die Jugend­kommune, das Verhältnis des Landes zum städtischen Proletariat, über die Rote Armee usw. Feststehend bleibt, daß dies System, das sich eine Weltanschauung, eineH »il s l e hr »", nennt, niemals das sein wird, was im Rahmen eines menschenwürdigen Daseins Wirt­schaft und Politik fein muß. Nie wird der Bol­schewismus den Menschen in Rechnung stellen, deshalb Ist er asozial und gesell­schaftsfeindlich, so paradox dies im ersten Au­genblick klingen mag.

F. H. Schwank. Telfan.