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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 102

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Dienstag, 3. Mai 1932

Mr«. 59

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Entscheidende Wochen.

Wir haben politisch ereignisvolle Tage hinter uns und stehen doch erst am Vorabend einer Wen­dung. Die Preußenwahlen haben einen neuen nationalsozialistischen Aufschwung gebracht, an dem vorüberzugehen oder ihn zu übersehen, ein politischer Fehler wäre. Zwar glaubt die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei trotz ihrer spezifischen BezeichnungPartei", noch immer betonen zu müssen, keine Partei zu sein, sondern eine Bewegung. Wir wollen uns hier nicht um Worte streiten. Jedenfalls wird die große Masse der Wähler nicht darüber nachdenken wollen, ob Bewegung oder Partei, sondern sie will durch ihren dreizehn Millionen-Zusammen- schluß eine Bewegung in der Politik se­hen zu der sie ihren Führer und seine Unterführer nach all den Wohlversprechungen verpflichtet hat und verpflichtet sieht. Und weil der nationalsozia­listische Aufschwung abhängig ist von diesem Wunsche seiner Wählermassen, so wird er nicht umhin können, zum mindesten den Ver­such zu machen, maßgebenden Einfluß auf die Politik zu gewinnen. Mit 162 Mandaten sind die Nationalsozialisten in den Landtag eingezogen und sie haben mit dieser überwiegenden Mehrheit auch nach außen hin eine Position erhalten, deren Stärke sie nicht mehr verleugnen können. Und diese Stärke zwingt sie, die Verantwor­tung mit zu übernehmen und nun den Wäblern zu zeigen, wie man es besser machen kann. Diese Erkenntnis, die f'Aorfifb in nrnr--~ Prozent­satz derjenigen besteht, die Eitler ihre Stimme ab­gegeben haben, ist auch einem Teil der Führer gekommen. Sie sind durchaus bereit, die Verant­wortung oder einen Teil der Verantwortung zu übernehmen, wissen nur noch nicht, wo sie anzu­setzen haben. Sie haben dabei aber auch noch ei­nen Widerstand in ihren eigenen Reihen zu über­winden, denn hier sind es drei Richtungen, die eine und das ist erstere, die durchaus bereit ist, mit dem Zentrum allein zu verhandeln und die von Hugenberg nichts wissen will, eine zweite, die nicht in die Regierung will ohne die ^ugenberggruppe und das ist derjenige Flü­gel, der stark unter dem Einfluß der Schwerindu­strie steht und schließlich eine machtvolle Gruppe, die auf Neuwahlen im Reiche und in Preußen hinzielt, in dem Glauben und Bestre­ben, durch diese Neuwahlen die alleinige Macht zu erhalten.

Welcher von diesen Gruppen Hitler selbst an­gehört und ob er als Führer überhaupt in der Lage ist, eventuell die Widerstände au überwinden, läßt sich noch nicht klar erkennen. Daß er aber in Berlin weilt und auch noch bleiben wird, zeigt doch an. daß er zu jener Gruppe gehört, die zum min­desten ve rha n d lu n g s b e r e it ist. Und das wird wohl auch dem Einfluß Göhrings mitzuzu­schreiben sein. Nun hat der Abgeordnete K u b e, der auch zu diesem Flügel gehört, neuerdings be­tont, daß seine Partei abwarten könne, bis man an sie herantrete. Das ist nun eine völlig irrige Auffassung. Es mag ja sein, daß die Na­tionalsozialisten noch Zeit haben,abzuwarten und die anderen herantreten zu lassen", aber dar­über sollte sich Kube nicht irren, daß die Auffassung des Zentrums vor allem dahin geht, daß die Initiative bei den Nationalsoziali­sten als der Partei liegt, die am stärksten aus dem Wahlkampf hervorg'egangen ist. Man wird sich also doch endlich auf dieser Seite bequemen müssen, in irgend einer Form, sei es nun offiziell, sei es durch Mittelspersonen diese Verhandlungen anzubahnen oder einzuleiten.

Inzwischen dringt ia auch immer mehr an die Oberfläche, was die Nationalsozialisten eigentlich wollen und da zeigt es sich, daß es weniger Preu­ßen ist, auf das sie reflektieren als vielmehr das Reich. Der Abgeordnete Goebbels tobt in den Atzten Tagen dauernd geaen den Reichskanzler Brüning und gegen seine Mißerfolge auch jetzt in (Senf. gehört der Gruppe an, die W ahlen um ze.en Preis wollen und daher auch seine For­derung auf Auflösung des Reichstages. Wir wür-

e5 ..ir einen der größten Fehler halten im 9en Augenblick die innenpolitische Lage verwirren durch einen derartigen .Reichstagswahl. Wir halten aus Gründen einen der- a für ein höchst gefähr-

l* d"! eriment, könnten uns über wohl ^uken, daß durch eine Umbildung der

3 den Huuptfchreiern unter ? der Wind aus den Segeln dst Regierung in ihrer Rückendeckung auch durch die Rechne fände. £>b sich hier eine Möglichkeit bie- tet und wie sie ausgenutzt wird, das müssen eben hie fommenben Verhandlungen ergeben. Daß aber die Enricheidung na» dieser Richtung bin branat, glauben wir auch schon daraus erkennen N Tonnen, >. unter den obwaltenden politischen Tatsachen die Sozialdemokratie nicht nur m Preußen, sondern auch im Reiche in starke, wenn nicht starftte O pposition tritt. Und da sie bisher im Reiche eine gewichtige Stütze der Wit der Reichsregierung gewesen ist, muß ein politischer Ersatz gefunden werden. Das sind die Probleme, vor denen wir innenpoliti'ch zur Zeit stehen und diese Probleme werden im gewissen Umfange noch beeinflußt werden durch den end- Miltigen Ausfall der französischen Wahlen.

. * Reichspräsident v. Hindenburg mit der Sfu- ventenschkifr im Gottesdienst. Zum Semesterbeginn m11,, in der Dreifaltigkeitskirche in Berlin ein m * der Studentenschaft statt, an dem ho« J?eid;spräfibent v. Hindenburg in Begleitung h Staatssekretärs Dr. Meißner teilnahm. Zu r ' ^Eesdienst waren die Rektoren der Berli- rctinn vnd die Chargierten der Korpo-

5n "'t ihren Fahnen erschienen. Bor dem fammeUk f)atte sich ein großes Publikum ange- begrüßteS ÖGn Reichspräsidenten ehrfurchtsvoll

Der ersteWahlgang in Frankreich.

Ein Links-Ruck. Zahlreiche Stichwahlen am 8. Mai.

ERB. Paris. 2. Mai. (Eig. Meldg.). Die französischen Kammerwahlen haben eine außeror­dentliche Anzahl von Entscheidungen im zwei­ten Wahlgang notwendig gemacht. Der zweite Wahlgang spielt sich nicht zwischen zwei Spitzenkandidaten ab, sondern wird ein neuer Kampf, bei dem sogar neue Kandidaten auf- treten können. Es werden also die Kambinatio- nen entscheidend sein, die getroffen werden. Nach dem bisherigen Ergebnis läßt sich folgendes fest­stellen:

Die ertremen Links- und Rechts-Gruppen schei­nen starke Verluste erlitten zu haben, besonders die Rechtsstehenden. Außerdem hat im ersten Wahlgang die 5 r a 11 i o n Tardieus den stärksten Mißerfolg erlitten. Sie bucht bereits den Verlust von nicht weniger als 8 Mandaten. Auffallend ist, daß die Radikalen bis fetzt nur Ge­winne und keine Verluste zu verzeichnen haben, während bei den Sozialisten sich das Ab­sonderliche zeigt, daß im er st en Wahlgang 40 ihrer Kandidaten durchgekommen sind, während sie 1928 im ersten Wahlgang nur 15 Mandate an sich brachten.

Im ganzen genommen läßt sich, soweit der erste Wahlgang einen Ueberblick gestattet, anscheinend ein Ruck nach links feststellen. £>b dieser Links­ruck im zweiten Wahlgang noch so stark ausge- roeitet werden kann, daß er eine Konstellation der Linksparteien ober eine Konzentration mit den Radikalen unter Ausschluß der Marin-Gruppe er­möglicht, steht dahin.

rotb. Paris, 2. Mai. (Eig. Meldg.). Sn 607 von 611 Wahlbezirken wurden im ersten Wahl­gang endgültig gewählt: Rechtsstehende 3, Marin- Maginot-Parteien 72, Linksrepublikaner 33, Rechts­radikale 23, Radikale 60, Sozialrepublikaner 17, Sozialisten 40, Kommunisten 2. Die Wahlbetei­ligung betrug 80 Prozent.

Folgende Auskunft über die französischen Par- tej-Verhältnisse ist sicher erwünscht:

1. Unter der Bezeichnung rechtsstehenden sind zu verstehen, die Reaktionären, die Royalisten und die Bonapartisten.

2. Alsdann folgt zusammengenommen die Par­tei Marin und die Partei Maginot, zu welcher

Groppe auch die Kacholischen Demokraten hinzu­gezählt werden.

3. Unter der Bezeichnung Linksrepublikaner ist die Fraktion Tardieu zu verstehen.

4. Unter der Bezeichnung rechtsstehende Radi­kale sind vereinigt: die Radikale Linke (ehemalige Fraktion Loucheur). Gruppe Franklin-Bouillon und die Gruppe der Unabhängigen Linken.

5. Die Radikalen (Herriot).

6. Sozialrepublikaner, zu denen auch die rechts­stehenden Sozialisten gerechnet werden (Chabrun).

7. Die Sozialisten.

8. Die Kommunisten.

9erriet über das Wahlergebnis

totb. Paris, 2. Mai. (Eig. Meld.) Edouard Herriot, der Führer der radikalen Partei, hat einem Pressevertreter eine Erklärung gegeben, in der es heißt: Ich habe mit einem Siege gerechnet, und tatsächlich ist ein ausgesprochener Ruck nach links zu verzeichnen. Ich reise morgen abend nach Paris. Es kommt nicht allein auf meine Partei an. Auf jeden Fall lege ich Wert auf die Feststellung, daß Tardieu durch seine Rede von Belfort die Brücke zwischen sich und uns abgebrochen hat.

totb. Paris, 2. Mai. (Eig. Meld.) Ganz all­gemein stellt die Linkspresse sich auf den Stand­punkt, daß ein unbestreitbarer Sieg der Linksparteien zu verzeichnen sei, der bet dem zweiten Wahlgang am nächsten Sonntag noch ver­stärkt werden dürfte. Auch einige Rechtsblätter, so dieAction francaise" und derAvenir" vertreten die Ansicht, daß die politische Achse sich nunmehr etwas weiter nach links verschieben werde. Journal" erklärt: Alles in Allem kann man von einer leichten Verschiebung der politischen Achse nach links sprechen.Echo de Paris" sagt, daß die nationalen Republikaner alles tun müßten, wenn sie in der Legislaturperiode am Ruder bleiben wol­len. Die radikaleRepublik" spricht von einem einwandfreien radikalen Sieg.Ere Novelle" schreibt: Trotz feiner Anstrengung hat das Kartell der Rechten den sieghaften Erfolg der Republika­ner nicht verhindern können. Für den zweiten Wahlgang haben die radikalen Kandidaten nichts zu befürchten.Volonte" spricht von einem fühl­baren Ruck nach links, der sich am kommenden Sonntag nur noch verstärken dürfte.

Was geht in Berlin vor?"

Kombinationen der Bayerischen Volksparteilichen Korrespondenz.

Bolivianische" Inlrignen?

CNB. München, 2. Mai. (Eig. Meld.) Unter dem TitelWas geht in Berlin vor?" schreibt die Bayerische Volkspartei-Korrespondenz im Bayeri­schen Kurier:

Die Gerüchte von einem konzentrierten A n - griff auf die Stellung der Regierung Brüning verdichten sich. Die heutige aussehen­erregende Meldung derMünchener Telegramm­zeitung", daß die Generäle Schleicher und Ham- merftein eifrig den Sturz des Reichsinnen- und Reichswehrministers Groener betreiben sollen, deckt sich mit unseren durchaus zuverlässigen Berli­ner Informationen. Das Spiel der politischen Ge­neräle, hinter dem leider auch wieder einmal Per­sönlichkeiten der nächsten Umgebung des Reichs­präsidenten, wie Staatssekretär Meißner, zu stek- ken scheinen, geht in seiner Planmäßigkeit weit über den Sturz Groener s, mit dessen SA-Politik man unzufrieden ist, hinan s. Un­ter Hinweis auf den Ausgang der Preußenwahlen verlangt man in den genannten Kreisen eine r a - dikale Umbildung der Reichsregie­rung an Haupt und Gliedern. Gene­ral Schleicher selbst ist der Reichskanzler- Kandidat dieses Kamarilla-Spiels, dessen bisherige, schon recht eigenartige Beziehungen zu Hitler R o e h m, usw. nutzbar gemacht werden sollen ufw. durch Hereinnahme nationalsozialistischer Persön­lichkeiten in das neue Militärkabinett. Diese Pläne, die in der Wilhelmstrahe kursieren, muten zwar äußerst bolivianisch an. Daß sie von sehr ernst zu nehmenden Leuten diskutiert werden, zeigt eine Geistesverfassung auf, die er« schreckenmuß. Bedeutet doch das ganze nichts anderes al$ vollkommene Verfälschung des poli­tischen Sinnes und Zweckes der ganzen Hinden- burgwahl.

Das WTB. versieht die Meldung mit folgendem Kommentar:

In Berliner politischen Kreisen ist man, wie wir hierzu erfahren, der Ansicht, daß es sich bet den oben behandelten Dingen um Kombinationen han­delt. Staatssekretär Meißn er .erklärt uns, daß er mit diesen angeblichen oder ähnlichen Vorgängen in keinerlei Zusammenhang stehe. Von zuständiger Stelle wird weiter mitgeteiTt, daß auch General Frhr. v. Hammerstein, der sich übrigens z. Zt. auf einer längeren Inspektionsreise befin­det, und General v. Schleicher, diesen Kombinatio­nen völlig fernstehen.

Kein llebertrstt des Reichsmimsters Treviranus zur NSDAP.

cnb. Berlin, 2. Mai. (Eig. Meld.) In einigen Blättern wird behauptet, Reichsminister Trevira­

nus habe die Absicht, demnächst zur NSDAP, überzutreten. Wie wir dazu von maßgebender Seite erfahren, ist an der Behauptung kein wahres Wort.

Für nationale Realpolitik.

lieber die Sitzung des geschästssührenden Vor­standes der Zentrumspartei, die am Samstag in Berlin stattfand, wird parteiamtlich folgendes be­richtet:

Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Zen­trumspartei hat am Samstag unter dem Vorsitz des Prälaten Kaas im Reichstag eine mehrstündige Sitzung abgehalten, die vollzählig besucht war. Zur Er­örterung standen die sachlichen Fragen, die die deutsche Politik in der nächsten Zeit zu bewältigen hat: Vor allem die außenpolitischen Ziele, Stärkung der Binnen­wirtschaft, die Frage der Arbeitsbeschaffung, der Sied­lung und des freiwilligen Arbeitsdienstes. In der Lö­sung dieser sachlichen Ausgaben sieht die Zentrumspartei allein die Gewähr für eine Ueberwindung der wirtschaft­lichen Krise und für einen außenpolitischen Erfolg, der die Freiheit und volle Gleichberechtigung des deutschen Volkes in sich schließen muß.

Dem Reichskanzler, der für kurze Zeit der Sitzung beiwohnte, wurde der Dank für seine tatkräftige Vertretung des deutschen Rechtsstandpunktes in Genf zum Ausdruck gebracht.

In einer Nachprüfung der Ergebnisse der Länderwahl en wurde mit großer Genugtuung fest- gestellt, daß die Anhänger der Zentrumspartei in vorbildlicher Treue die sachlichen Ziele der Partei erkannt und gewürdigt haben. Dafür der ge­samten Wählerschaft zu danken, betrachte der Vorstand als seine besondere Pflicht. Das Zentrum ging aus den Wahlen v e r st ä r k t hervor und wird damit auch fer­nerhin die Fortführung einer aufbauenden na­tionalen Realpolitik gewährleisten.

Die im Einverständnis mit dem Reicksparteiführer veröffentlichte Erklärung der Preußischen Zentrumspar­tei am Wahltage fand die ei n st i m m i g e Billi­gung des Vorstandes, und die in ihr niederge­legten Richtgedanken find auch von den Vertretern der übrigen Landesverbände der Zentrumspartei als maß­gebend anerkannt worden. Auf Grund dieser einmütigen Auffassung wurde festgestellt, daß die letzte Entschei­dung über alle notwendigen Entschließungen der Reichs­parteileitung vorbehalten bleibt.

Der Vorsitzende konnte am Schlüsse der Verhandlun­gen mit Stolz hervorheben, daß Führer und Wähler­schaft, in einheitlichem geschlossenen Willen verbunden, die großen vaterländischen Aufgaben in dem Glauben an Deutschlands Kraft erfüllen werden.

keine unklaren Kompromisse.

Der Regensburger Anzeiger zum Wahlausgang in Bayern und in Preußen.

Im Regensburger Anzeiger wird in einem Leit­artikel zu dem Wahlausgang in Bayern Stellung genommen. Es heißt bann, die Wähler, die sich am 24. April um das Banner der Bayerischen Volkspartei geschart haben, taten dies in der Er-

Polen und Danzig.

tr'\ London, 2. Mai. (Eig. Meldg.). Daily Expreß veröffentlicht in sensationeller Auf» machung einen Bericht seines Sonderkorrespon­denten in Danzig, in dem es u. a. heißt, Polen habe seine Pläne für die Besitzergreifung des Frei­staates Danzig f e r t i g g e ft e 111. Nur ein in 11. Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe verhindert, daß die polnische Flagge gestern abend über Danzig wehte. Der Korrespon- benf sagt: Die maßgebendste Persönlichkeit an Ort und Stelle kein Pole oder Danziger habe ihm erklärt:Die Polen haben ihren Kops ver­loren. Die Behörden hätten befürchtet, daß die polnische Flotte in den Danziger Hafen einfahren und, wie im Falle der Wegnahme von Wilna die Welt vor eine vollendete Tatsache stellen würde. Der Oberkommissar Grat Eravina habe sich drin­gend mit dem Generalsekretär des Völkerbundes in Verbindung gefetzt und habe ihn warnend von dieser Gefährdung des europäischen Friedens Mit­teilung gemacht." Der Danziger Korrespondent des Arbeiterblattes Daily Heralb sagt in einer nid), ganz so sensationell gehaltenen Meldung, die ra< bi f al en Elemente in Deutschland, und Polen warteten nur darauf, daß die andere Seite die Feindseligkeiten eröffne. Eine Kata­strophe sei gestern vermieden worden, aber die Lage bleibe ernst und bedürfe einer sorgfältigen Behandlung. Der Sonderkorrespondent der Daily Mail berichtet ebnfalls, daß eine neue internatio­nale Verwicklung mit knapper Not vermieden wor­den sei.

Seine amtlichen Warschauer Steife beteiligt.

ENB. Berlin, 2. Mai. (Eig. Meld ) Zu den Meldungen desDaily Expreß" und anderer eng­lischer Blätter über einen geplanten Handstreich der Polen auf Danzig erfahren wir von unterrich­teter Seite, daß nach den F e st st e l l u n g e n des Auswärtigen Amtes offenbar amtliche War­schauer Kreise nicht hinter derartigen Plänen stehen. Man hält es aber für denkbar, daß irgend­welche chauvinistischen, d. h. nationalisti­schen Elemente in Polen ähnliche Pläne verfolgen. In politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß di- deutsche Regierung gegebenenfalls alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anwenden wird, um einem derartigen Handstreich aufs schärfste entgegenzu­treten, und daß sie die Entwicklung der Dinge mit großer Wachsamkeit verfolgen wird.

Lin Dementi des Dölkerbundskommiffars in Danzig.

C.N.B. Danzig, 2. Mai. (Eig. Meld.) Das Se- tretariat des Hohen Kommissars hat der Danziger Presse eine Zuschrift zugehen lassen, in der auf das entschiedenste die Alarmnachrichten dreier eng- Uscher Blätter über einen beabsichtigten Putsch Polens dementiert wird, soweit sie auf seine Tätigkeit und seine Person als Völkerbundskom­missar bezugnehmen.

Die Danziger amtlichen Stellen haben zu den Meldungen bisher noch nicht Stellung ge­nommen.

Wartung, baß Bayern, wie auch bie politischen Verhältnisse in andern Teilen des Reiches sich gestalten werden, ein Land der Ruhe, der Ordnung und der absoluten Gesetzmäßig- feit sowie ein Hort ber politischen Zu­verlässigkeit bleibe. Die Voraussetzung für eine Politik, die sich auf eine solche Ausgabe ein­stelle, sei in der absoluten Gewährleistung streng verfassungsmäßiger Regierungsweisen zu erblicken. Die Kräfte, bie heute den Staat von Grund auf ändern wollten, seien keineswegs auf eine Gesundu ng der Demokratie bedacht, sondern sie seien ausgesprochene Feinde aller De­mokratie überhaupt und Anhänger der gröb­sten verwildertsten Form der Dikta­tur, der Parteidiktatur. In einem Kampfe aber, in dem Diktatur gegen Demokratie stehe, könne es für eine Bayerische Volkspartei nie einen Zweifel geben, auf welche Seite sie gehöre. Hier könne es kein Paktieren geben. Gehe es in Deutsch- land um Sein ober Nichtsein einer demokratischen Staatsgestaltung, so könne ferner kein Zweifel darüber bestehen, in welches Lager Bayern gehöre, Bayern, dieses ur dem akratische Land, in dem nie der Despotismus zu Hause war, und dessen Volk gerade deshalb monarchisch gesinnt war, weil es die Monarchie demokratisch erlebte. Damit stoße man zu einer wesentlichen Grund- aufgabe vor, die Bayern und der bayerischen Staatspolitik gerade in den kommenden Zeiten zufalle. Hier müssen sich die Geister scherden. Die Bayerische Volkspartei würde dem Lande einen bösen Dienst erweisen, wenn sie die notwendige Klarheit unklaren Kompromissen opfern wollte. Hier müssen eines Tages konkrete Antworten auf konkrete Fragen gegeben werden. Die Sicherung der demokratischen Grundbasis in Bayern sei die Voraussetzung jeder praktischen Staatspolitik, dis für die Erhaltung und den erfolgreichen Neuauf- bau eines bayerischen Staatswesens eintrete.

So fühlbar z. B. die zukünftige Entwicklung der innerpolitischen Verhältnisse ht Preußen für ganz Deutschland werden möge, so wäre es doch ein grober Trugschluß, wollte man meinen, Bayern müßte sich unbedingt so ober so dem preußischen Vorbilbe anschließen und unter allen Umständen nachmachen, was in Preußen geschehe.

Der Artikel schließt: Wir stellen uns vielmehr bie bayerische Politik in bei nächsten Zeit besonders selbständig und möglichst unabhängig von an­deren Entwicklungen im Reiche vor. Nur wenn sie sich diese Selbständigkeit zu wahren vermag, wird sie ihre Aufgabe erfüllen können, die eine baye­rische und deutsche zugleich ist.