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NILS

Ar. 101

Beilage zur Fuldaer Zeitung

1. Mai.

Fünfter Sonntag nach Ostern.

Eingangslied. (3s. 48, 20.)

Den Ruf der Freude laßt erschallen, daß man ihn höre, alleluja; verkündet es bis an den Rand der Erde: Der Herr hat sein Volk befreit, alleluja, alleluja. (Ps. 65, 12.) Preiset Gott in Jubel­liedern, alle Lande; singt Psalmen seinem Namen, gebt dem Liede festlichen Klang. .

Epistel. (3ak. 1, 2227.)

Eeliebteste! Seid Befolget des Wortes und nicht bloß Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wer nur ein Hörer des Wortes und kein Be- folger ist, der gleicht einem Manne, der sein na­türliches Aussehen im Spiegel betrachtet; er be­trachtet sich, geht weg und vergißt sogleich, wie er aussah. Wer aber aufmerksam in das vollkom­mene Geseß der Freiheit hineinqeschaut hat, daran festhält und kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Vollbringer des Werkes ist, der wird durch sein Tun selig werden. Wenn jemand meint, er sei fromm, hält aber seine Zunge nicht im Zaume und betrügt sich selbst, so ist eitel seine Frömmig­keit. Eine reine und unbefleckte Frömmigkeit vor Gott dem Vater ist die: Waisen und Witwen in ihrer Trübsal betuchen und sich unbefleckt bewah­ren von dieser Welt

Evangelium. (3oh. 16, 2330.) Bittet, und ihr werdet empfangen."

Gotteskinder.

Betrachtung zum Dittsonnkagsevangelium.

Wie es nur Menschen geben kann, die ohne Gott leben können! Bei den meisten von ihnen ist ja auch noch eine dunkle Sehnsucht nach einem höheren Lebensziel wach, das ihnen Gott ersetzen soll. Sie sprechen von einem unerklärten Urgrund des Weltalls und umschreiben eigentlich nur den Namen Gottes. Wie reich sind doch wir, die wir den Ewigen zugleich unseren Vater nennen kön­nen. Arme Menschen sind es, die sich das Dasem Gottes erst mühselig mit logischen Beweisen sichern müssen, die nicht aus der Wunderwelt der Natur, die in der erwachenden Sonne zum Lenz erblüht, nicht aus den Strahlen der Mittagssonne und nicht aus der Sternenflur der Nacht den lie­benden Schöpfer spüren. Wie reich sind doch wir, die wir wissen, daß Gott mit Liebe jedem Geschöpf zugetan ist und mit besonderer Liebe uns, seinen Kindern.

Gotteskinder der Erde sind mir, nicht nur Got­teskinder der Ewigkeit. Ist nicht das Leben uns

katholische i

Dor nunmehr einem Jahrzehnt hat Maria Fehling (Bismarcks Geschichtskenntnir, Stutt­gart 1921), überzeugend dargetan, daß Fürst Otto v. Bismarck bei all seiner geschichtlichen Bildung und staatsmännischen Einsicht die st a rk e n Kräfte des deutschen Katholizismus verkannt: nur darum habe er sich im Kultur­kämpfe einen Erfolg auf der ganzen Linie ver­sprechen können, weil er die tiefgreifende Wirkung kirchlicher Volksbildung und Dolkserziehung un­terschätzte. Aber diche geringe Wertung kirchlicher Zeitung und Anleitung ist dem deutschen Ge­schichtsunterricht durchweg eigen gewesen und eigen geblieben, so sehr auch Johannes JanssensGe­schichte des deutschen Volkes" planmäßig und nicht c^ne beachtlichen Erfolg gegen diele Gefchichtsläl- ichung gnkämpfte und besonders Joseph Galland, Onno Klopp und Paul Majunke in dem Sammel- "Ge^ästslügen" bag Netzwerk mancher Vertuschung und Verschleierung .zerrissen. Jeder Wahlkampf bringt neue Beispiele für d'e noch fort- Verkennung jener Lebenswerte, die ka- cholische Lehre und katholische Seelsorge dem Volke »Deuten: man nimmt ein Papstwort, einen Satz bischöflicher Hirtenschrei- »_ejt aus dem Zusammenhänge, glie- dert sie einem neuen Gedankengange glaubt, mit einer solchen Ein-

Beinigkeit Millionen o utscher .Katholiken verwirren und ~e m p e.n tr u m einen wesentlichen Teil seiner Gefolgschaft entziehen neu. Aber nicht nur diesen Blinden,

täglich neu geschenkt? Gottes Odem nährt uns stündlich. Wenn wir eine Arbeit vollendet haben und uns ihrer freuen, sei es ein soeben beendeter Brief, sei es ein mngespateter Garten oder ein be­sätes Ackerfeld, sei es das Arbeitsstück einer Werk- stätte oder ein Arbeitstag unseres Berufs, im­mer geht uns im Geschaffenen, wenn es gut voll­endet ist, ein Freudenguell auf, der unsere Seele nährt. Auch uns hat Gott geschaffen, er hat uns gewollt, wenn auch Menschen seine Mittler gewe­sen sind ohne ihn wäre unser Dasein nicht mög­lich. Siehe, diese letzte Ehrfurcht vor allem Le­bendigen muß uns erfüllen, wenn wir den Weg zum Vater finden wollen. Dann ist jede Blume auf unserem Fensterbrett, jeder Halm auf dem Feld auch in unserem Auge ein Lobpreis des Va­ters der Welt. Und unser frohes Staunen über den Reichtum und die Pracht dieser Erde wird vor ihm zum Stammeln seines Kindes.

Wären die Menschen nicht so erdenwärts ge­wandt, sie wären viel reicher. So aber klagen und jammern sie über die kleinen Gebrechen des Tages und vergessen dabei die Fülle des Herr- liehen, das sie umgibt. Mit dem Spiel der Mor­gensonne beginnt es, mit dem Sümmern des Abends schließt es. Ist nicht der kräftige Früh­lingswind eine Wohltat? Und selbst der Regen ist eine Labsal, man muß nur noch ein wenig von dem Kind in sich wach fühlen, das sich gerne im Freien beregnen läßt. Sind nicht die Wolken des Himmels herrliche Gebilde? Wahrlich,die Him­mel rühmen noch immer des Ewigen Ehre", nur die Menschen sind zu kleinlich geworden.

Karger wie um das tägliche Brot, das freilich vielen Mitmenschen mangelt, st e h t es in unseren Zeiten um das Brot der Seele: den Gleichklang und Frie­den des Herzens. Inständig bittet der Bauer, der sich in feiner Arbeit stärker als andere vom Himmel abhängig weiß, um das Gedeihen der Feldfrüchte. Ebenso innig sollten wir um das Gedeihen unseres Seelenackers flehen, denn Un­mut und Unzufriedenheit sproßt bei vielen, wo Eintracht und Friede wohnen könnte. Geht es bei dem Hader und Gezeter nicht immer wieder um die Dinge der Erde. Freilich, auch um sie dürfen wir uns mühen, aber eines muß uns dabei be­wußt bleiben, daß sie den Menschen nicht erfüllen können. Gott wartet auf unsere Sehnsucht nach ihm. Er hat uns die Welt herrlich geschaffen und wir vergessen dieser Herrlichkeit. Daß er uns wieder die Augen für seine treue Sorgfalt und Liebe öffne, darum sollten' wir bitten. Dann rper- den wir von der Trübsal dieser Erde erlöste Got­teskinder fein. Und unsere Freude wird dann voll­kommen werden .. .

auch vielen kurzsichtigen und schüchternen Katho- liken selber ist eine planmäßige Herausstellung der .Lebenswerte des Katholizismus" vonnöten, d. h. ein wohlgeordneter Ueberblick über das, was die Kirche tat und tut. die wirtschaftli­chen, geistigen, sittlichen Fragen des Daseins lösen zu helfen, welche Fähigkeien sie so oder so bewie­sen und welche Erfolge sie hier oder dort hat Der. zeichnen können. Die kurz vor Kreiegsausbruch begründete und nun lchon auf 13 starke Bände an gewachsene SammlungKatholische Lebens- roerte" (Bonifatius-Druckerei zu Paderborn) ver­such, erstmals, umfassend die Kulturkrast des Ka­tholizismus zu spiegeln, und hat, darf man aus den immer wieder verlangten Neudrucken ihrer Dreitausend-Auflagen eine entsprechend weitgrei­fende innere Wirkung erwarten, gewiß inzwischen eine bedeutende Mission der Aufklärung, Verstän­digung, Beruhigung hüben und drüben erfüllt. Ganz abgesehen von den Nachweisen katholischer Zielsetzung und Wegweisung auf dieser oder jener Entwicklungslinie, in diesem oder jenem Daseins- raume und Lebenskreise, veranschaulichen diese , Monographien katholischer Kulturgeschichte" an sich, eben als geistige und sittliche Leistungen ihrer Verfasser, auch in ihrem Druck und in ihrer Aus­stattung, einen kath. Hochstand. Um nur einen Band der langen Reihe herauszugreifen: das jüngst in 3, Auflage erschienene BuchKirche und Keuschheit" von Josevh Ries, Regens am Erz­bischöflichen Freiburger Priesterseminar St. Peter im Schwarzwald (XVI u. 429 Seiten; Paderborn 1931; geheftet 5 Rm., in Ganzleinen 7.50 Rm.).

Julius Langbehn.

Zu seinem 25. Todestag am 30. April.

(fs war notwendig und bantbe ru begrüßen, als vor Jahresfrist der Freund des Rembrandt-deutschen Bene­dikt Momme-Nissen durch Verausgabe der Langbehnlieder dos Bild dieses einzigartigen Menschen und Tochters vollständig machte. Die Stimme des Streiters ragt laut und deutlich bis in unsere Zeit hinein. So kannte man ihn. Aber es gab auch noch eine andere unendlich reiche und schöne Seite an Lang- behn. Das war der Dichter. Seine Lieder sind Musik Cr sagt selbst davon:Ich bin Musik, ich mache Musik, ich tue nichts anderes. Bald sind es Fanfaren, bald Zarte Liebesklagen, bald Seufzer heimlicher Sehnsucht, reuigen Dankes, bitterer Buße, bald dunkle Töne zu­künftiger Harmonien, die ich kaum noch ahne. Mir to'rb alles zu Musik. Einge meiner Lieder haben einen Rhythmus, als wenn sehr rasch und vibrierend hin und her der Fiedelbogen über die Saiten gestrichen wird. er nicht die Musik aus meinen Liedern hört, der kennt v'cht die Musik meiner Seele". Und wenn er singt:

Cin Spielmann bin ich, Spielmannskind und Spielmannsvater auch,

und Spielmannsbruder nennt man mich "ach altem Spielmannsbrauch".

diese Verse wirklich Musik, sind wirklich Zum Singen gemacht. Das ist der wahre Adel der

Kunst, die zeitlos ist. weil sie von der Seele kommt und sich an die Seele wendet. Und deshalb muß der Dichter Langbehn neben dem Streiter beachtet werden, weil seine Lieder den Adel seiner Seele zeigen, die Güte und Wahrheit seines Menschentums. In der Einfachheit und Wahrheit seines Menschentums lag die Harmonie seiner Größe. Wer so das von Wahrheit und Adel erfüllte Ewig-Menschliche in Langbehns Leben aus feinen Lie­dern begriffen hat, von denen einer seiner Freunde sagte:In seinen Liedern hat sich der Rembrandt- deutsche durchgerungen" der wird die Stimme des Streiters besser verstehen.

Als am 30. April 1907 Julius Langbehn plötzlich in Rosenheim, von einer Krankheit niedergeworfen, seine Augen für immer schloß, da wußte die Welt nicht, wer gestorben war. 17 Jahre vorher, 1890 war ein Buch erschienenRembrandt als Erzieher" von ei­nem Deutschen, das wie eine Erkenntnis und ein Fanal wirkte. Außer ganz wenigen Freunden Langbehns wußte niemand, wer der Verfasser war. Unerkannt hat er seinen Zeitgenossen den größten Dienst erwiesen, er öffnete ihnen die Augen über ihre Zeit, und unerkannt starb er. Erst als nach seinem Tode fein langjähriger Freund, der Kunstmaler und spätere Domi­nikaner Benedikt Momme-Nissen den Schleier der Anonymität lüftete, konnte die Nachwelt ihrem Wohltäter danken.

Denn auch heute noch ist uns Langbehn ein Wohl­täter. Er gehört zu den wenigen zentralen Geistesper-

Durch manche trüben Entwicklungen im Laufe des Krieges und die stark hervortretende sittliche Wirr­nis der ersten Nachkriegszeit, eigens die kühnen Vorsprünge so mancherWeltverbesserer" der po­litischen Linksparteien und ihrer unruhig tasten­den und suchenden Ratgeber, wurde der Verfasser angeregt, die FrageKirche und Keuschheit" ein» mal nach ihrem gesamten Inbegriff, ihren wesent­lichen und ihren geschichtlichen Teilgebieten zu be­sehen und zu erörtern, und hat dann, anstelle einer zu erwartendenZeit -und Streitfrage", soll hei­ßen: eines für den vorliegenden Fall berechneten und zugeschnittenen Heftes, ein Werk von erschöp­fender Betrachtung, lückenloser Geschlossenheit und ebenso wohlgegliederter, durchsichtiger, gefälliger Darstellung geboten, das die besonderen Gegeben­heiten und Gelegenheiten des Augenblicks weit überdauern wird. Schon überdauert hat! Wer spricht heute noch im Ernste von jenem Stürmer,

der 1919 bei der Deutschen Nationalversammlung um Einführung derProbeehe" einkam, oder gar von jenem Berliner Arzte, der. im Kriege mit den großen Menschenopfern dem deutschen Volke den biaamen Landgrafen Philipp von Hessen als Vor­bild hinstellte! Nichtsdestoweniger bleibt dies Werk zeitgemäß. Denn die Fragen, die hier er­örtert werden, wiederholen sich in jeder mensch­lichen Entwicklung, treten bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten und politischen Gärungen jeweils stärker hervor, auch mit den alten Verwirrungen als Mitteln zu neuen Lösungen. Man braucht nur an die Namen Lindsey und Dandevelde. an die angelsächsische Lambeth-Konferenz vom Som. mer 1930 und die Ehe-EnzvklikaCasti connubii* fßapft Pius XL vom 31. Dezember 1930 zu er­innern, um reichlich zu bedeuten, wie sehr Ries auch neuerdings wieder unterrichten und führen kann. Dr. Franz Flaskamp.

Für unsere Bekenntnisschule.

Gedanken zum Schulsonnlag am 1. Mai.

Der alljährlich stattfindende Schulsonntag ist der Tag der katholischen Schule, der Tag des Kindes. Und gerade in der harten Notzeit der Gegenwart, in all dem Kampflärm des politi­schen Getriebes soll dieser Tag eine stille, aber ernste und eindringliche Mahnung sein an die große Aufgabe und Verantwortung, die unser ka­tholisches Volk, vor allem unsere Elternschaft ge­genüber den ihnen von Gott anvertrauten Kin­dern hat. Das hohe Gut und den tiefen Sinn der katholischen Schule will der Schul- fonntag alle Jahre wieder in den Blickpunkt ka­tholischen Denkens rücken. Katholische Schule, wie ihr Bild lebendig in unserer Seele steht: die Schule mit dem Kreuz über dem Pult und dem Lehrer, der das Gebet spricht, die stille Schule mit der Einheitlichkeit ihres Unterrichts und der Kraft, Wärme und Atmo­sphäre ihrer Weltanschauung..

Kern und Herzstück katholischer Schule ist die Verwurzelung ihrer Arbeit, ihres Wesens und Tuns im Glauben. Das ist es, was auch die katholische Schule dem Bewußt- stin und dem Herzen des gläubigen Volkes immer wieder nahe bringt, weil die Glaubens- und Be­kenntniskräfte noch immer das Herz unseres Volks­tums sind und nur eine Schule, die tief eintaucht in die Quellen und Gnindkräfte der religiösen Ge­meinschaft, wahrhaft volkstümliche Schule sein kann. Jene blinden Anhänger einer völkischen Weltanschauung, die in der Bekenntnisschule den Feind deutscher Einheit sehen und als ihr Schul­ideal die simultane National-Staatsschule fordern, offenbaren auch hier, wie weit ihr mechaoi- sches Denken von wahrhaft völki­scher Haltung und echtem Volkstum entfernt ist. Die Bekenntnisschule wirkt nie­mals wie ihr so oft fälschlich vorgeworfen wird volkszerspaltend und trennend, sondern wahr­haft verbindend und versöhnend, weil sie zu den Quellen und Wurzeln echter Volksgemeinschaft führt, zu lebendigem Christsein, zu echter Nächstenliebe und Gemeinschaftsgesinnung, die keine Herabsetzung und Geringschätzung des An­dern, kein Scheelsehen und keine Ueberhebung duldet.

Die Bekenntnisschule verbürgt zuerst die fo ost im Gegensatz zu bloßer Lern- und Wissensschule geforderte Erziehungsschule. Alle Erzie­hung steht daraus, daß man gemeinsam glaubt. Alle echte Erziehung geht von der Gemeinschaft aus. Das Kind, das in der Kirche feinen Lehrer neben sich knien und zu dem gleichen Herrgott be­ten sieht, spürt diese Gemeinschaft. Der gemein­same Glaube, der alle Glieder der Vekenntnis- schule umschlingt, Kinder, Eltern und Lehrer, der­selbe eherne Lebensboden, dieselben erhabenen Tat­sachen, Heiligtümer und Geheimnisse, die alle be­rühren und bewegen: das sind die eigentlichen Le­benswurzeln katholischer Schule.

Gewiß wollen wir uns vor einer Ueberschätzung der Schule hüten. So mancher steht heute kritisch zur Schule. Auch unsere Bekenntnisschule ist Kind ihrer Zeit. Und Schelle ist immer Menschenwerk, Schule ist nie ein Fertiges, ein Vollkommenes, son­dern ein Werdendes und Wachsendes. Unsere Schule von heute steht mehr denn je unter dem harten Druck wirtschaftlicher Not und Einengung. Viel­

leicht wird manche Unvollkommenheit sichtbar. Aber die Gerechtigkeit verlangt es festzustellen, wie ka­tholische Bekenntnisschule in Den Vesten ihrer Leh­rer und Lehrerinnen trotz aller Notzeit, trotz al­ler Krisenerscheinungen, immer mehr um ihr ei­gentliches Erziehungs- und Bildungsideal ringt. Niemals kann uns eine Bekenntnisschule, die es nur dem Namen und der äußeren Zusammenset­zung nach wäre, genügen.

Unsere Bekenntnisschule, das ist die aus dem Glauben lebende Schule, die ihre ganze Unterrichts- und Erziehungsarbeit immer konkre­ter, immer kraftvoller und lebenswirksamer an den Grundsätzen einer Pädagogik Christi auszurichten sucht. Gerade diese Lebenslust, diese Atmosphäre lebendiger katholischer Pädagogik, die spürbar ist in Lehre und Leben ihrer Lehrer, sie sind das enffcheidende Wesensmerkmal der Bekenntnisschule, nicht die Lehre oder das bloße Wissen über katho­lische Dinge. In solcher Atmosphäre weltanschau­licher Wärme, Klarheit und Tiefe, in lebendigem Anschluß an das Glaubens- und Gnadenleben der Kirche wird unsere Schule in tiefstem Sinne zur Tat- und Lebensschule, die all ihr Wirken im Dienste des Kindes zu einer großen inneren Ein­heit formt und das ganze Menschenleben in den Dienst einer großen alles durchdringenden Idee stellt.

Darum sieht das gläubige Volk in der Schule mehr als nur eine Stätte für das Rechnen-, Schreiben- und Lesenlernen, darum sprechen wir mit so viel Teilnahme, aber auch mit so viel ehr­licher Sorge und heißen Wünschen von unserer Bekenntnisschule. Ihr vertrauen wir bas Beste, den ganzen Reichtum unseres Volkes und unse­rer Familie, an, daß sie unsere Kinder emporführe zu guten, echten Christenmenschen, die gerüstet sind für den Kampf des Lebens, aber auch für ihre letzte ewige Menschenbestimmung.

Unsere Bekenntnisschule wird nur bann ihre Aufgabe erfüllen können, wenn sie in ihrer Ar­beit gestützt unb getragen wirb von ben mütterli­chen Armen jener Erziehungsgemeinschaften, in denen noch immer, allen Krisenerscheinungen zum Trotz, wahres Lebens glüht, von ben Kräften ber Familie und der Kirche.

Familie, Kirche und Schule im in­nersten Lebenszusammenhang: das ist auch eine der eindringlichsten Mahnungen des Schulsonntags, das ist recht eigentlich Grundmotiv und Arbeitsinhalt der Kath. Schulorgan'- Nation, um deren kräftige Unterstützung und Förderung unsere Oberhirten alljährlich am Schul­sonntag das ganze katholische Volk bitten.

Der Schulsonntag ist nach der Intention des Episkopates als der alljährliche Gebets- und O p fe r t a g für die kath. Bekenntnisschule wie für das Werk der Kath. Schulorganisation be- stimmt. Möchte auch der diesjährige Schullonn- tag mithelfen, die lebendige Anteilnahme des kath. Volkes am Wirken ihrer Schul- und Erziehungs­bewegung neu zu beleben und anzuregen und dis kath Bekenntnisschule, das kostbare Erbe unserer Väter, die Pflanz- und Pflegestätte lebendiger kath. Erziehung, dem Herzen unseres Volkes näher zu bringen. Vgm.

sünlichkeiten, in denen sich das Erleben der Zeit so tief­gehend kristallisierte, daß er aus dem tiefen Erlebnis sei­ner Zeit über deren innere Haltlosigkeit hinauswuchs und durch die Fäulnis seiner Zeit hindurch Jahrzehnte Vor­ausschauen konnte. Weil sein wahres Menschentum kei­nen Platz in seiner lauten und verlogenen Zeit fand, weil seine Sehnsucht nach Wahrheit über die Zeit hin­ausreichte, deshalb konnte er in visionärer Schau voraus­erkennen, was der Zeit und den Menschen fehlte. Was ein Nietzsche, Dostojewski und Kierkegaard in weiser Erkenntnis und tragischem Erleben zu wissen bekamen, das erfuhr Langbehn aus positiver Sehnsucht Langbehn zerbrach nicht wie jene tragisch an dieser Er­kenntnis, weil er im positiven Glauben und in der Kraft des Christentums Ruhe und Frieden sand. Aber seine Worte gelten heute mehr als vor 25 Jahren. Unsere Zeit ist den Abgrund hinab gerast, ohne auf den Ruser zu hören und heute, da wir am Ende stehen und verzweifelt Ausschau halten nach einem, der uns führen kann, da treffen uns Langbehns Worte und Gedanken, vor einem Vierteljahrhundert geschrieben, wie Trost und Erleuchtung.

Langbehn wandte sich gegen alles Ungesunde, gegen die laute Gespreiztheit seiner Zeit und gegen die ver­derblichen Auswüchse und Ueberspitzungen des Indivi­dualismus. Und ist nicht diese Krankheit die Ursache de? geistigen und seelischen Chaos von heute? Wenn Lang­behn vor 25 Jahren mahnte:Die Erziehung zu einem und in einem maßvollen Individualismus erweist sich

mithin als die nächste Aufgabe des deutschen Volkes auf geistigem Gebiet", so gilt das heute mehr denn je. Blik- fen wir um uns! Ist die furchtbare politische Zerrissen­heit unserer Zeit nicht ein fortgesetztes Abweichen von einem maßvollen Individualismus durch Knechtung und Uniformierung des Individuums im M-rxismus auf der einen Seite und durch Ueberspitzung ves Individua­lismus in der Diktatur auf der anderen Seite?

Langbehn predigt die Freiheit im Geistigen, das Ge­setz der wahren Menschlichkeit, die Entwicklung durch schöpferische Evolution, nicht durch zerstörende Revolution. Klarer könnte uns heute kein Weiser Spiegel und Mahnung entgegenhalten. Und deshalb sollten wir gerade heute wieder auf Lang­behn hören, sollten zu seinem Buche greifen und es aufs Neue durchdenken.

Und wenn jetzt am 1. Mai auf dem Dorffriedhof in Puch bei FürstenseMruck, wo Julius Langbehn auf eigenen Wunsch seine letzte Ruhestätte gefunden hat. zum Gedächtnis an seinen 25. Todestag ein schlichtes Kreuz geweiht wird, so ist das mehr als eine würdige und ver­diente Ehrung. Es ist eine Mahnung und Aufmunte­rung, ihm nachzueifern, dessen Leben uns gezeigt hat, wohin menschliche Kleinheit sich verirren kann, und in ihm wieder Vorbild und Führer zu sehen.

Adolph Meuer, Hagen.