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24. April
Vellage zur Fuldaer Zeitung
Nr. SS
Md und Zerrbild des Salholizismus
ZU
Am Grabe des hl. Velrus Kamsius
Der zweite Apostel Deutschlands, der Mann, dem Deutschland heute noch seinen katholischen Glauben verdankt, der große Gegenresormator und Kirchenlehrer Petrus Kanisius, am holländischen Niederrhein geboren, fand in Freiburg in der Schweiz seine letzte Ruhestätte. Nach nimmermüdem Apostolat für dar von inm so sehr geliebte Deutschland verbrachte er die letzten Jahre seines reichen und gesegneten Lebens in . -ajta
Die Aolkirche einer Diasporastabl.
Aus Hanau wird uns geschrieben:
Die Geschichte der katholischen Pfarrei in der früheren Grafschaft Hanau-Münzenberg zeigt, nachdem ihr am Ende des ersten Jahrhunderts ihres Bestehens als Frucht langwieriger Bauarbeiten eine eigene Kirche zuteil geworden war, einen außerordentlichen, steten äußeren Aufschwung. Darum wurde diese Kirche, die Pfarrkirche auf dem Bangertplatz, für die Glieder der Pfarrei schon vor der Jahrhundertwende zu eng. Zwar schufen einige Abpfarrungen (B u t t e r st a dt, Kesselstadt, Langenselbold) eine gewisse Erleichterung. Aber auch für den verbleibenden Teil, der im wesentlichen die Stadt Hanau umfaßt, wurde damit die Kirchennot auf die Dauer nicht behoben. So ver-, folgte schon Pfarrer Wiegand (1887/1900) den Plan, eine zweite Kirche zu bauen. In den Jahren der Vorkriegszeit wurde dieser Gedanke in allen Kreisen der Hanauer Katholiken, die ein Fünftel an der Bevölkerungszahl der Goldschmiedestadt am Main tusmachen, aufs eifrigste unterstützt wurde . Der Krieg verhinderte einen schnellen Bau; und die Inflationszeit vernichtete alle stolzen Hoffnungen. So konnte eine Darstellung der „Baugeschichte der kath. Kirche zu Hanau a. M." noch vor weniger als zwei Jahren nur auf die trüben Aussichten Hinweisen, die diesem Lieblingsgedanken des kath. Hanaus zustünden.
Allein, die Notzeit unserer Tage hat erfinderischen Geist geweckt; sie hat uns den Begriff der „N o t k i r ch e" gegeben. Warum sollte man nicht, da unter den augenblicklichen Umständen eine große, voll ausgebaute Kirche unerreichbar erscheint, sich mit einem vorläufigen Bau begnügen, der gerade eben noch möglich ist? Dechant Eduard Braun, der sein Leben hindurch für den Plan einer zweiten Stadtkirche gewirkt hatte, griff diesen Gedanken mit der ganzen Tatkraft feiner Natur auf. Unter seiner Arbeit wuchs rasch im Laufe des vergangenen Sommers der Bau des neuen Gotteshauses im Stadtosten in die Höhe; noch vor Beginn des Winters war er vollendet. Nur noch waren die letzten Vorbereitungen zu treffen, damit er feiner Bestimmung übergeben werden konnte — da wurde der Schöpfer der neuen Notkirche zum hl. Josef aus diesem Leben genommen.
Dieser Gedanke der Wehmut klang durch die Ansprache des Generalvikars, Robert Günther, der als Vertreter Sr. Exz. des Bischofs von Fulda am Sonn- tagmorgen die Benediktion des Neubaues vornahm. Er ließ die zunächst noch vor dem Gebäude versammelten Gläubigen einen Blick tun in die Gedankentiese der Weihegebete, in denen die Kirche zum Herrn der Welten fleht, daß er dies Haus heimfuchen, reinigen und bewahren wolle. Darauf begab er sich zur Weihe ins Innere des Gotteshauses, umschritt danach das Gebäude in beiden Richtungen unter Segnungsgebeten, die er innen dreimal wiederholte. Sodann begann Pfarroerwe- ser F a l k e n h a n vor der mehr als tausendköpfigen Menge die Feier des Levitenamtes, bei der ihm die Stadtkapläne Sauerbier und Scholl assistierten. In einer dankbaren Ansprache gedachte er des Toten, der sich diesem Hause geopfert hatte, und dessen Bild im Hintergründe des Raumes eine würdig geschmückte Ehrenstätte gefunden hatte; dann fand er Worte der An- ertennung für die großzügige, uneigennützige Bereitwil- ligkeit der Behörden — von denen die Hanauer Stadtverwaltung durch Oberbürgermeister Dr. Blaum und Bürgermeister Dr. Müller vertreten war —, des Ar- chitekten, aller Helfer und Gönner und im besonderen der Pfarrangehörigen. Dasselbe Gefühl der Dankbarkeit durchzog die Festpredigl, die das Wesen christlicher Got- tesverehrung zeichnete und dem Schutzherrn des Gotteshauses gewidmet war. Der kath. Kirchenchor fang Steins polyphone Missa und u. a. Grubers „Wie lieblich ist Deine Wohnung, o Herr!" und gab damit dem feierlichen Amte die schlicht künstlerische Note.
Die Notkirche zum hl. Joses, das jüngste Werk des führenden Frankfurter Kirchenbauers Martin Weber, ist, wie ein Rundgang zeigt, ein ausschließlich von Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit beherrschter Bau. Dies tritt bereits stark in der Raumverteilung zutage. Nicht nur die Wohnung des Geistlichen, sondern auch ein Stockwerk für die Ausgaben der Iugendbildung und ein Erdgeschoß für d i e Kleinkinderpflege konnte auf diesem Wege zur Dersügüung gestellt werden. Die Kapelle selber mit einem Fassungsvermögen bis zu 1200 Personen zeigt eine Reihe mutiger Versuche, in neuzeitlichem Sinne die Notwendigkeiten der Sparsamkeit mit kultischen Erfordernissen in Einklang zu bringen. Das Hanauer Handwerk, das zum Überwiegenden Teil an der Ausführung beteiligt war, hat in der inneren und äußeren Ausgestaltung des Gotteshauses ein Zeugnis moderner Kirchenbaukunst abgelegt.
«en Gebrechlichkeit inne werden und nicht anklagen: Oft trugen wir ja auch selber Schuld aus uns. .
Wir haben ein lebendiges Gefühl für die ® e- borgenheit in uns, die vom rechten Vaterhaus ausgehen soll. Der Vater ist für das Kind jemand, zu dem es aufschaut. Wenn es ihn nur fürchtet, dann ist nicht das rechte Kindesverhältnis vorhanden. Dann wird das Vaterhaus nie die rechte Heimat sein. Manche Menschen sind griesgrämig und verbissen, weil ihre Jugend sonnenleer war. Wo die rechte Liebe mangelt, da kann auch die Ehrfurcht nicht gedeihen. Wo aber sich Liebe mit Ehrfurcht paart, da wird das Kind gerne ins Vaterhaus heimkehren.
Viele Menschen glauben nicht mehr an Gott, weil sie den Glauben an die Menschen verloren haben. Geschäftig, kalt und lieblos gehen sie durch das Leben, weil sie den Sinn für die Schönheit des Lebens ver-
leiblichen Vater. Mag er noch leben, mag er verstorben fein, etwas muß in dir zu ihm noch lebendig sein. Wie steht es in dir damit, und was ist in dir zu ihm lebendig?
Entgegne mir nicht, die Frage käme dir unerwartet oder erschiene dir belanglos, weil du kein Freund von Gefühlsregungen seiest. Es geht mir gar: nicht um eine Gefühlsträumerei. Du mußt doch eine Haltung zu dem haben, der dich gezeugt hot, das geht doch gar nicht anders.
Freilich, so leicht wie jene Mädchen, die auf einem großen Bauernhof ledig geblieben waren und tm Auszugshäuschen faßen, fo leicht wie diese Mädchen sollst du dir die Antwort nicht machen. Wenn es ihnen schlecht ging und sie einen üblen Tag hatten, dann sagten sie: die Mutter hätte auch ist 'ihrem Dorf bleiben können, dann wären sie nicht auf der Welt und alles wäre gut. — Nein, so leicht sollst du dir die Antwort nicht machen; denn da könntest du noch ein Stück weiter zurückgehen und sagen: der Herrgott hätte den Adam und die Eva nicht zu schaffen brauchen, dann wärest du auch nicht da. — Du siehst, wie nahe Vater und- Mutter dem Willen Gottes stehen. Ein Auflehnen gegen sie ist auch ein Auflehnen gegen den Schöpfer.
Dein Vater, der dich zeugte, muß dir etwas Großes bedeuten. Durch die Schöpfung sind ja auch die späteren Geschlechter von Gott gewollt. Aber wir wollen uns nicht länger bei diesen Fragen aufhalten. Ich meine auch gar nicht diele leibliche Abhängigkeit von deinem Vater allein, wenn ich dich nach dem Verhältnis zu deinem Vater fragte. Irgend ein Klang aus deinem Leben muß dabei ertönen, fei es, daß du dich einer Heimkehr aus der Fremde erinnerst, sei es, daß du an traute Stunden im Kreis deiner Eltern oder Geschwister denkst — oder sei es auch, daß dir die Erinnerung wie ein Vorwurf erscheint. Vielleicht hätte manches anders bei euch sein können, es mag schon sein. Wir wollen aber da unserer eige-
loren haben. Und damit auch den Sinn für den Vater im Himmel. In jedem Menschen schlummert ein Stücklein von ejnetn Kind, das auch im Erwachsenen wach werden möchte. Wenn wir nur einmal wieder richtig staunen können, sei es über den Lenz, der jetzt wieder erwacht, sei es über ein Kindlein in der Wiege mit seinen großen Augen, immer, wo wir dem Leben begegnen, spricht uns die Stimme Gottes an, die da fragt: weißt auch du, fühlst du es, daß du mein Geschöpf bist, und daß ich dir alles so schön gemacht habe? Wenn wir ihn anhören, dann sind wir auf dem Weg der Heimkehr.
Auch Jesus kehrte heim: „Ich gehe zum Vater", sagte er schlicht. Auch wir dürfen zum Vater gehen. Selbst der Tod hat nun einen anderen Sinn. Er ist verwandelt, wenn wir ihn im Geist des.Vaters betrachten. Und wir verstehen auch, wie der rechte Geist zum Tröster für uns werden muß.
Flaskamp.
tum, die zahlreichen staatlich beliebäugelten Duellfälle, zumeist gesucht, einen katholischen Bewerber kaltzustellen und auszuschalten; kurzum: die land- und katholikenfeinbliche Politik in allen Bereichen und bis zu den letzten Greisweiten staatlicher Macht. Wenn trotzdem der Katholizismus sich geistig behauptete und geistig entwickelte, so nur dank der kirchlichen Führung, die auch jetzt ihrer geistigen Sendung sich bewußt blieb, wie sie im Mittelalter und über das Mittelalter hinaus Kloster-, Stifts- und Pfarrschulen, Gymnasien und Universitäten gegründet hatte.
Freilich eignet der Kirche ein Blick aufs Ganze: nur jene geistige Arbeit erscheint ihr scblechthin wertvoll, die in ihren letzten Ranken auch den schlichtesten Mann aus dem Volke berührt und fördert. Und bei dem mühseligen Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts war es doppelt geboten, die Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens auch in einfachster Form bereit, zustellen, in volkstümlichen Schriften das Bauernhaus und das Arbeiterhaus zu erfassen. Aber das Volksheft und das Volksbuch hielten in den Tagen, wo Konrad Martin und Alban Stolz wirkten, Zahl und geistigen Stand: der Gelehrte legte zunächst seine Forschungen in rvrs- senschaftlicher Form für gebildete Kreise vor und alsdann in volkstümlicher Gestalt für breitere Schichten. Auch die volkstümliche Schrift war somit wissenschaftlich, d. h. durch persönliche Forschungen unterbaut, besaß geistigen Eigenwert; und bei dieser Verbindung und Aufeinanderfolge wurde das volkstümliche Schrifttun nicht zu einer uferlosen Flut. Leider ist dieser natürliche Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Volksschrift heute fast völlig preisgegeben. Das Volksheft und Volksbuch der Gegenwart entstammt, von Einzelfällen ob gesehen, 'der Feder von Nichtgelehrten, schöpft noch selten aus Missenschaftlichen, zumeist aber aus volkstümlichen Schriften, ist mehr Zusammenstellung aus vierter und fünfter denn Entlehnung aus erster Hand. Daher die durchschnittliche Dürftigkeit, dir Gedankenarmut, die sachliche Unsicherheit 'und entsprechende Unzuverlässigkeit in geschichtlichen und naturwissenschaftlichen An-
Bierter Sonntag nach Ostern.
(Eingangslieb: Pf. 97. 1 und 2.
Singt dem Herrn ein neues Lied, alleluja; denn der Herr hat Wundergetan, alleluja. Vor den Augen der Heiden hat er seine Gerechtigkeit enthüllt, alleluja, alleluja, alleluja. (Ps. ebb. 1.) Ihm hals seine Rechte, sein heiliger Arm.
Epistel: Jak. 1, 17—21.
Geliebteste! Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater des Lichtes bei dem es keine Veränderung und keinen Schatten von Veränderlichkeit gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeuat, damit wir gewissermaßen die Erstlinge feiner Schöpfung seien. Ihr wißt kmr, meine geliebteften Brüder. Es sei darum jeder Mensch'schnell bereit zu Hören, langsam aber zum Reden und zum Zürnen. Denn der Zorn des Menschen tut nicht, was vor Gott gerecht ist. Legi darum allen Schmutz und allen Auswuchs der Bosheit ab und nehmet mit Sanftmut das Wort an, das euch eingepflanzt wurde und das eure Seelen retten kann.
Evangelium: Iah. 16, 5—14.
Ich gehe zu dem, bet mich gesandt hat.
Heimkehr zum Batet.
Betrachtung zum Sonnkagsevangelium.
Von Dr. Franz
Die geistigen Kräfte und die geistigen Leistungen des Katholizismus wurden bis zur Neuzeit hin im großen und gangen mehr mit Achselzucken besehen als bewundert. Und einem oberflächlichen Urteil ergab sich auch schnell die Erklärung für den „katholischen Rückstaud": der „Dogmen g l a u b e" und der „K i r ch e n g e h o r- sam" behindern den „freien Flug des Geistes". Als wenn zur Erkenntnis von Tatsachen und zur Darlegung von Einsichten in erster Linie Dreistigkeit und Zuchtlosigkeit vonnöten wäre und nicht vielmehr geistig-sittliche Disziplin!
Erst die jüngste Vergangenheit hat an jener vorgefaßten Meinung beachtlich gerüttelt. Vieles von dem, was die lauten Verfechter der „freien Forschung" gezeitigt, erwies sich als kurzsichtig, einseitig, halb und war in dem Augenblicke seines Glanzes entkleidet, wo die äußere Macht fiel, die dieses Werk empfahl, wo auch außenseitiges Denken sich hervorwagte, wo die „freie Forschung" ohne die Stütze des allmächtigen Industrie-Liberalismus auskommen, im freien Geisteskampfe sich bewähren sollte. Der hohle Dünkel der „voraussetzungslosen Wissenschaft' hat die Prüfung» schlecht bestanden. Wo nicht alle Einsicht mangelt oder böse Absicht spielt, kann man heute die geistigen Kräfte und geistigen Leistungen des Katholizismus nicht mehr mit kühler Geste abtun; denn es sind Kräfte und Leistungen, die durchweg unter ungüftigen Bedingungen sich entwickeln mußten. Eigens in Deutschland und hier wieder besonders im deutschen Norden lassen sich die Schwierigkeiten katholischen Geisteslebens gar nicht verkennen: vorwiegend bäuerliche Bevölkerung, beruflich stark gebitnben und abhängig; fernab von höheren Schulen, die katholischen Laudesteile ihrer eigenen Universitäten zu Trier, Köln, Mainz, Fulda, Paderborn, Münster, Osnabrück; Erfurt beraubt, in den katholischen Neuland en Westpreu- ßeu-Poseu Hochschulen entsprechend dem welt- anschaulichen Belang ihrer Bevölkerung aber nicht geschaffen dazu weit mehr als kirchliches Dogma und kirchliche Disziplin den „freien Flug des Geistes" hemmend, die planmäßige Zurücksetzung des Katholizismus in Heer und Flotte, im höheren Beamteu-
gaben. Daher vor allem die Flut volkstümlicher Schriften, der Berg bedruckten Papiers, der das wissenschaftliche Verlagswesen zurückdrängt und damit die wissenschaftlick)e Forschung selbst. Die neuzeitliche Ueberfülle volkstümlicher Druckwerke ohne geistigen Eigenwert wird zu einer Gefahr ür das Ansehen des geistigen Katholizismus und, was viel wichtiger ist. für den geistigen Katholizismus überhaupt. Diesen verheerenden Strom sollte die Kirche mit ebengleichem Eifer eindämmen, roie ie einstens das gehaltvolle volkstümliche Buch ge« ördert hat.
Wir bewundern den Mut, mit dem die katholischen Verlagshäuser Herder, Kösel, Aschen, borff, Schöningh, Haas-Grabherr, Manz, Pustet, Bachem. Schwann, Bergmeyer, Mecke, u. a. auch in wirtschaftlich beengter Zeit des wissenschaftlichen Buches sich annehmen, trotz des Wettbewer- kes, den so manche kleinen Winkeldruckereien immer mehr fühlen lassen. Herder bietet, um ein treffliches Beispiel herauszugreifen, Otto Zimmermanns großes „Lehrbuch der Afzetik völlig neu bearbeitet und dabei bedeutend erweitert im vorbildlich übersichtlichem Satze dar. (Freiburg 1932, XVI. u. 700 Seiten). Wie breit ist nichc gerade die Flut aszetifchen Schrifttums, und wie wenig in dieser Fülle, das noch nennenswert eige. nes Denken spiegelt, Denken überhaupt erkennen läßt! Daraus ist es zu verstehen, daß Aszefe auch in gebildeten Kreileu mehr als eine gefühlsmäßige Verirrung religiösen Strebens denn als Kernfrage des Christentums verstanden wird, als Kernfrage des Christentums verstanden wird. Ganz anders nimmt sich das Wesen der Aszese, nehmen sich auch ihre Ziele und Mittel, ihre Ideale und ihre Geschichte in Zimmermanns um- fassender Behandlung aus. Hier erscheint die Aszese nicht mehr als Entgleisung, sondern als der gerade Weg, nicht als Entstellung, sondern als Wesen des Christentums. Hier wird offenbar, mit wie viel Grund neuerdings auch nichtkatholische und selbst nichtchristliche Männer das Wort „Asze- tiker" als Ehrentitel verwenden. Und wenn der Gegenstand vermehrter Beachtung und eigenes der allgemeinen Aufmerksamkeit des gebildeten Katholizismus würdig ist, fo dieses Werk eines bevorzugten Platzes in katholischen Vereins-, Haus- und Änstaltsbüchereien. Solche Glanzleistungen katholischer Gelehrten fördern, bedeutet: das wahre Antlitz des geistigen Katholizismus enthüllen und das Zerrbild yerstören.
Wie stehst du, mein Freund, eigentlich deinem Vater? Ich meine deinen richtigen,
kommt einem in den Sinn, wenn man daran denkt: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige."
Christa Thomas.
Als Beichtvater an der Liebfrauenkirche in Freiburg I hörte er von der damaligen sittlichen Not und wohl auch von dem H e l d e n m u t d e u t f ch e r, st e l l e n s u ch en- b er Mädchen in der Schweiz. Hier hieß es für ihn helfen. So gründete er, zunächst nach dem Beispiel des hl. Petrus Kamsius, für diese deutschen Mädchen eine Kongregation, weiter ein Heim, das ihnen während der Zeit ihrer Stellenlosigkeit und an freien Sonntagnachmittagen Aufenthalt, Erholung und Unterhaltung bot. Den treuesten seiner Kongreganistinnen übergab er die Führung dieses Heims, das den Namen „Marienheim erhielt und heute noch, unter diesm Namen, denselben edlen Zielen dient. Aber manchmal war die Stellenlosigkeit recht groß; Prälat Steifer, mit dem Druckereibetrieb vertäut, ließ Setzkästen und Handpressen kommen und eröffnete mit feinen Kongreaanistinnen einen regelrechten Druckereibetrieb. Die geschickten Frauenhände eigneten sich zu diesem Handwerk ganz vorzüglich. Der Bedarf an katholischem Schrifttum war da und Pra- lat Kleiser selbst ein gewandter Stilist und überzeugender Polemiker. So wuchs aus dem anfänglichen Hilfswerk für deutsche Mädchen in der Schweiz ein Pressewerk eigener Art, und es ist ein Zeichen für die Elastizität und ewige Jugend unserer alten Kirche, daß sie das so eigenartige und originelle Werk nicht nur gelten ließ, sondern ihm ihren ganz besonderen Segen spendete.
Aus der Gemeinschaft der Kongreganistinnen wuchs mit der Zeit eine Schwesternschaft. Die „Kanisiusschwe- stern" die ihren Namen von dem in Freiburg auch heute noch hochverehrten „Presseapostel" Kanisius herleiten, sind als Diözesanordensgesellschaft anerkannt, das Werk als päpstliche Druckerei. Längst bestehen schon in einer Reihe von deutschen Ländern, in Baden, Bayern, H e s- s e n - N a s s a u, Rheinland, Westfalen und -wachsen Niederlassungen mit Buchhandlungen und Set re- t a r i a t e n.
Bemerkenswert ist der Aufschwung des Werkes in letzter Zeit. Wiederum steht die Kirche im Kamps. Diesmal im Kampf an zwei Fronten. Wieder heißt es Kräfte sammeln, dem Feind begegnen, die Seelen bewahren. Hier leistet das Werk in der Herausgabe seiner volkstümlichen Schriften Hervorragendes, und es ist ein Zeichen für den apostolischen Geist seiner Ordensfrauen, daß vor einigen Monaten in der Diaspora Sachsens, auf Anregung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Meißen, Erzellenz Dr. Gräber, in Bautzen eine neue Niederlassung gegründet werden konnte. Von biefer Stelle aus wird feit Februar d. I. bas „L i ch t", ein Blatt für modernes Apostolat unter der Arbeiterschaft, herausgegeben.
Das Werk am Grabe des hl. Petrus Kanisius hält die Erinnerung an einen der größten Männer der Kirche wach. Seine apostolische Arbeit wird von der Zeit dringend benötigt. Leider fehlt es an Berufen, die sich dem Werke zur Verfügung stellen. Das Wort des Heilandes
f ch w e ft e r n".
Diese Schwesternschaft wurde gelegentlich des Kultur- kampses von dem deutschen Prälaten Johannes Sl eifer in Freiburg (Schweiz) gegründet, um zu helfen, daß das nunmehr doppelte Erbe der beiden deutschen Apostel, der Katholizismus in Deutschland nicht verloren gehe. Aehnlich wie zu der Zeit der sogenannten Reformation war es zur Zeit des Kulturkampfes. tnrälat Steifer war ein rühriger Apostel des Herrn. Er mußte aus Deutschland fliehen und fand gastfreundliche Aufnahme in der nahen Schweiz. Auch er war ein Mann mit einem klaren Blick für die Nöte der Zeit und ausgeschloffenen Herzens. Vor allem auch sah er die Bedeutung der Presse und die N o t w e n d i g- keit einer guten katholischen Presse. Doch das sahen damals viele. Eigenartig ist, wie Kleiser sich seine Arbeit aus der Umwelt Zuwächsen ließ! Wie er, ^Notwendigkeiten getrieben, handelte und Originelles
_ Freiburg in der Schweiz. Diese romantisch schone Stadt, sowie der ganze schweizerische Konton Freiburg verdankt ihm die alte katholische Rechtgläubigkeit. Er gründete auch hier, ähnlich wie in den deutschen Städten, ein Kollegium zur Heranbildung von Priestern, Märianische Kongregationen und die ersten katholischen Druckereien. Er war ein Apostel feiner Zeit und bekämpfte die Irrtümer in ihr mit den zu Gebote stehenden Mitteln feiner Zeit! Mit einer seltenen Aufgeschlossenheit sah er, wo er ansetzen muhte, um den alten Glaubenswahrheiten wieder Geltung zu verschaffen und der Kirche Bonifatius' Erbe zu erhalten.
Der Jubel der Freiburger war deshalb groß, als der vieigerühmte Mann Einzug in ihre Stadt hielt, und als der damalige Nuntius Bornomini ihn mit den Worten Empfahl: „Hier habt ihr einen Edelstein, den ihr in eeibe unb Baumwolle einwickeln sollt", schätzten sie ihn erst recht. Nach seinem Tode begruben sie ihn unter großer Trauer im Eyor ber St. Nikolaus-Kathebrale. Später würben seine Gebeine in bie von ihm gebaute Kollegkirche übertragen, wo heute noch, in einer eigenen Grob- kapelle ber Hauptteil ber Reliquien, unter anberem auch das Haupt des Heiligen, ruht. Die Wacht am Grabe des großen Heiligen aber hält merkwürdigerweise nicht der Jesuitenorden, dessen Mitglied er war, sondern galten die kleinen, nach ihm benannten „Kanisius-
Geislliche Lyrik.
Daß Erich Przywara ein eigenartiger und eigen- williger Denker unb Philosoph ist, wissen wir schon lanae- daß er auch ein Dichter eigenartiger Prägung ist und als Sänger geistlicher Lieber bie schriftstellerische Bahn betrat, schien über ber Flut tiefgründiger philosophischer Veröffentlichungen vergessen. Aber auch Przywara ist Mensch genug, um wieder zu feiner ersten Liebe zurückzukehren, wenn auch in sublimierter Form. Sein Bändchen „Karmel" bietet in gepflegte- fter, nicht fetter übergepflegter Form bie Zwiesprachen einer mystischen Denkerseele mit ihrem letzten Urgrund, mit Gott, der aus allem Großen in Natur unb Heber- natur zu ber Seele sich neigt und sie zu sich emporzieht.
(Erich Przywara: Karmel. Verlag Kösel u. Pustet, München.) _______________________
Bei rheumatischen Schmerze« aller Art haben sich Togal-Tabletten ganz hervorragend bewährt Zahl- reiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bet denen kein anderes Mittet half! Tin Versuch überzeugt! Frag Sie Ihr. Arzt. In all.Apoth. Ermäßigter Preis M. 1.28.
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