Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.
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Nr. 93
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Freitag, 22. April 1932.
Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr <48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Frankfurt a. M 4051.
Mr«. 59.
Vreußenwahl-Tag (ft Gchicksalstag!
Macht das Zentrum stark. — Damit vereitelt Ähr gefährliche Diktatur-Vläne der Radikalen,
rnng der schweren Angriffswaffen überdies eine Abrüstungsmaßnahme im Sinne des Artikels 8 darstelle.
Oie Kriegsschulden.
wtb. Washington, 21. April. (Eig. Meldg.). Der Zinssatz für die Kriegsschulden europäischer Staaten an Amerika wurde für die nach st en 10 Jahre auf 4 Prozent festgesetzt.
wtb. Rewyork, 21. April. (Eig. Meldg.). Die Zinsfestsetzung für die von europäischen Staaten an Amerika zu zahlenden und durch das Hoover- Moratorium gestundeten Kriegsschuldenbeträge auf 4 Prozent wird von „Herald Tribüne" in großer Aufmachung gebracht. Diesem Blatt zu- folge handele es sich um eine Aufforderung des Staatsdepartements an die europäischen Schuldnernationen, diese Beträge innerhalb von 10 Jahren z u r ü ck z u z a h l e n. Im Gegen-, satz zu dieser großen Ausmachung glaubt „New Dort Times" aus Washington melden zu können, daß das Staatsdepartement diese ganze Angelegenheit nur als eine Formalität betrachtet, der keine besondere Bedeutung beizumessen sei.
Oie Kreuger-Assöre.
Sreuger-Schiebungen in Danzig. — Eine Bank, die nie eröffnet wurde.
Nach den Ergebnissen der bisherigen Untersuchung in der Kreugeraffäre hat der verhaftete Direktor Holm eingeräumt, gewußt zu haben, daß die Internationale Bank und Finanzgesellschaft A.-G- in Danzig, die nach der Bilanz bei der Kreuzer u. Toll Gesellschaft mit einem angeblichen Guthaben von rund 34 Millionen Gulden am 31. Dezember 1930 geführt wurde, zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht he st and.
Wir erfahren dazu: Die Danziger Gesellschaft ist erst im April 1931 errichtet worden. Die Bank hat jedoch ihren Geschäftsgang überhaupt nicht eröffnet. Sie sollte angeblich eine Holding-Gesellschaft für die osteuropäischen Interessen des Kreu- ger-Konzerns fein. Das nach dem Danziger Gesetz zur Gründung erforderliche Viertel des Nominalbetrages zur Sicherstellung der Gründungskosten, Gebühren usw., ist damals mit 250 000 Gulden bar eingezahlt worden. Die im Handesregister auf. geführten Danziger Persönlichkeiten haben mit der Fälschung nichts zu tun, da die Bank über den Zustand der Gründung nicht hinausgekommen ist. Wenn mit einer Bilanz und mit einem Guthaben von rund 34 Millionen Gulden gearbeitet worden ist, bevor die Bank überhaupt gegründet war, so sind das Handlungen, die lediglich in der Kreuger- Zentrale vor sich gegangen sind.
Ein Dementi der Nationalsozialisten.
Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht eine Erklärung, in der u. a. die verschiedentlich in der Presse aufgetauchte Behauptung, daß Ivar Kreuzer an die Nationalsozia- listen 10 0 0 0 0 Mark gezahlt habe, als von A bis Z frei erfunden bezeichnet wird.
bannt Bürgerkrieg und Entrechtung des Volkes.
Bekanntlich haben wir Katholiken von jeher den Zusammenhang zwischen Politik und Religion betont. Wir wurden dafür immer angegriffen. Jetzt geschieht aber das gleiche von evangeli- s ch e r Seite. Zu den Wahlen des nächsten Sonntags ergeht soeben an die evangelische Wählerschaft der folgende Aufruf:
„Evangelische Männer und Frauen! Bei den in Preußen und anderen deutschen Ländern bevorstehenden Wahlen wird nicht allein über brennende staats- und wirtschaftspolitische Fragen, sondern auch über ein Stück geistigerZukunfts- gestaltung unseres Volkes entschieden werden. Der Kampf geht um die christliche Familie, um die evangelische Schule, um die geistige Gesundheit unserer Jugend, um Sauberkeit des öffentlichen Lebens, um Freiheit und Gleichberechtigung der evangelischen Kirche im Staate, um Volkstum und Evangelium in ihrer unlöslichen Verbundenheit. Es geht um die Grundlagen! Starke Mächte der Zersetzung und Zerstörung sind am Werk. Die evangelische Wählerschaft rufen wir auf, daß sie jedem Angriff auf diese unveräußerlichen Werte sich entgegensetzt und mit voller Ueberzeugung für die Wahrung der Grundlagen und Ordnungen eines christlichen Volkslebens eintritt. Es ist Entfcheidungszeit! Wir wollen uns ihrer würdig erweisen!
Der Aufruf ist unterzeichnet von: Evangelischer Bund, Evangelische Frauenhilfe, Evangelischer Reichselternbund, Kirchlich-Sozialer Bund, Reichsverband evangelischer Arbeitnehmerverbände, Verband evangelischer Lehrer und Lehrerinnenvereine, Vereinigung evangelischer Frauenverbände Deutschlands, Zentralausschuß für innere Mission".
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Wenn auch deutlichre Stellungnahme zu den Parteien vermieden ist, für die Nationasozi a- l i st e n (die Freiheit der Kirche in Staat und konfessionelle Schule nicht in ihrem Programm haben, und die sicherlich an Zerstörung und Zer- sstlunz durch ihre radikale Agitation das Menschenmögliche leisten,) scheint uns dieser Aufruf feine Werbung bedeuten zu sollen. Im (Segen-
Die Dreck-Schleuder.
Beschlagnahme eines nationalsozialistischen Pamphlets durch die Münchener Polizei.
In den Räumen des „Völkischen Beobachters" frfd’™e\u,ie bas Blatt mitteilt, Kriminalbeamte der Münchener Polizei und beschlagnahmten die «neben erschienene Schrift „Korruption^- [u m,?- ,,r e u B e n" von Heinz Franke, die sich hauptsächlich mit der Person des preußischen Innenministers befaßt. Da beim Eintreffen der Beamten gerade ein voller Dreitonnen- laftwage n mit anderen Schriften versandtbereit war, wurde dieser angehalten und zur Durchsicht nach dem Münchener Polizeipräsidium gebracht.
In den letzten drei Tagen werden sicherlich noch allerhand Dreck-Schleudern das Volk Heimsuchen und seine Denkfähigkeit im Interesse des „Dritten Reiches auszuschalten versuchen.
Ä?r-r ®teü*ung über einen sächsischen Schritt Sur Auflösung des Reichsbanners wird von amtlicher sächsischer Stelle bestätigt, daß die sächsische Regierung bereits in der vorigen Woche ein Ersuchen an den Reichsinnenminister gerichtet habe, zu prüfen, ob die gleichen Voraussetzungen wie bei den SA.-Formationen auchsürdieWehr- f orm a tto n s n anderer politischer Parteien (d. s. Stahlhelm und Reichsbanner) Vorlagen.
• Die Deutschnationalen wollen wieder das Dreiklasfen-Wahlrecht. In der „Nationalliberalen Korrespondenz" Nr. 78 vom 19. April 1932 lesen wir: „3n einer Versammlung, die in Soest am 7. April stattsand, sprach die deutschnationale Landtagskandidatin Frau Höpker.... Sie machte Mitteilung von einer längeren Unterredung mit dem Parteisührer Hugenberg und hat dann öffentlich ausgesprochen, daß die Wiedereinführung desDrei- klafsen-Wahlrechtes notwendig sei. Die volkspartei- liche Landtagsabgeordnete Frau von Kulesza, die in dieser Versammlung anwesend war, hat diesen Ausspruch schriftlich festgehalten und Frau Höpker sofort gefragt, ob sie ihre Erklärung aufrecht erhalte. Eine bejahende Antwort erfolgte..." ___________
* Sm Irischen Landtag wurde das bekannte -treuerdgesetz in erster Lesung angenommen.
amerikanische Staats, und Handelsdepar- nn^ip^resten Noten an europäische und latem- Regierungen vor, in denen Sergei- amprifr,„-i^men (legen Ausnahmezollbehandlung <> . Waren angedroht werden. Neben rlnx **ni> Spanien sollen später auch Deutschland und Oesterreich solche Noten erhalten.
Der Kanzler ans der Abrüslnngskonserenz.
Auch der englische und französische Minister-Präsident sind in Gens eingetroffen.
Der Entschluß des Reichskanzlers, über den Termin der preußischen Landtagswahlen hinaus in Genf zu bleiben und frühestens am 28. April nach Berlin zurückzukehren, unterstreicht die Bedeutung der politischen Verhandlungen, die jetzt in Genf geführt werden.
In den Gesprächen, die Reichskanzler Brüning in Genf bisher geführt hat, sind sämtliche Gebiete der internationalen Politik, insbesondere die Ab- rüstungs-, die Reparations- und die Donaufrage erörtert worden.
Von größter Bedeutung ist die Tatsache, daß nunmehr auch der englische Ministerpräsident Macdonald, der den französischen Minist er Präsidenten Tar dien bet seinem Aufenthalt in Paris zum sofortigen Mitkommen bestimmt hat, in Genf erschienen ist.
Wichtigster Inhalt der täglich, wenn auch in variierender Gruppierung der Teilnehmer sich erneuernden Besprechungen ist immer noch die Lausanner Konferenz in Verbindung mit den internationalen Schulden. Die Bemühungen sind daraus gerichtet, schon in Gens Verabredungen über die Lösung des Reparationsproblems zu erreichen, die von der Lausanner Konferenz nur noch offiziell bestätigt werden müßten und diz auch von den Vereinigten Staaten sanktioniert werden können.
Daß die Bereitwilligkeit, Deutschland ei« mehr- ähriges Moratorium zu gewähren, allein eine olche Losung nicht darstelle, ist nicht nur Auffas- ung der deutschen Regierung. Zur Ueberbrückung »es deutsch-französischen Gegensatzes find in den bisherigen Besprechungen mehrere Vorschläge gemacht worden, die noch erwogen werden. Das bisherige Ergebnis gestattet noch kein Urteil, kaum eine Vermutung darüber, ob und welche Abmachun- gen für die Lausanner Konferenz in Genf werden getroffen werden können.
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Die auf der Londoner Donaukonferenz eingesetzten Sachverständigen werden am 23. April in Genf zusammentreten.
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wtb. Genf, 21. April. (Eig. Meld.) Im Verlauf der heutigen Sitzung des Hauptausschusfes der Abrüstungskonferenz erschien kurz nach 11 Uhr der deutsche Reichskanzler Dr. Brüning und nahm den Platz des ersten deutschen Delegierten ein. Er wurde von mehreren Delegierten und besonders herzlich von dem englischen Außenminister Sir John Simon begrüßt. Unmittelbar darauf folgte der englische Premierminister M a e d 0 n a ld, der ebenfalls von einzelnen Delegierten herzlich empfangen wurde. Man bemerkte, daß Macdonald und Brüning, die sich hier in Gens zum ersten Male seit ihrem letzten Zusammentreffen in Berlin
sehen, besonders herzliche Worte der Begrüßung austauschten.
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wtb. Genf, 21. April. (Eig. Meld.) Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde heute vormittag die Aussprache über den englischen und sugoslavischen Entschließungsentwurf zur Frage der ingenannten paritätischen Abrüstung fortgesetzt. Der kanadische Delegierte Sir George Petley sprach sich sehr entschieden für den englischen Antrag aus, während der norwegische Delegierte Colba den Grundsatz der paritätischen Abrüstung billigte, aber betonte, daß das Ausmaß seiner Durchführung späteren Verhandlungen Vorbehalten werden müsse. Der französische Delegierte Paul Boncour hielt eine längere Rede, in der er nach anerkennenden Worten für die Ausführungen des englischen Außenministers erklärte, es erscheine der französischen Delegation nicht möglich, sich dem englischen Antrag anzuschließen.
Rach Paul Boncour hielt der amerikanische Botschafter G i b s 0 n eine mit großem Beifall aufgenommene Rede, die die verschiedenen Bedenken der französischen Gruppe entkräftete und ihnen den Gedanken der praktischen Arbeit gegenüberftellte. Eidson wies darauf hin, daß die amerikanische Anregung auf Abschaffung gewisser schwerer Waffen des Landkrieges keifte ausgesprochene amerikanische Initiative, sondern nur die Zusammenfassung aller der Bestrebungen darstelle, über die sich seit Beginn der Konferenz eine weitgehende lieberem- ftimmung der Auffassungen gezeigt habe. Mit Bezug auf das französische Argument der Verbundenheit der Rüstungskategorien erklärte Gibsvn, auf dem Gebiete der Flottenrüstungen sei die Beschränkung und Herabsetzung seit 10 Jahren eine Tatsache; es sei nur logisch, jetzt den gleichen Fortschritt auch auf dem Gebiet der Land- rüftungen zu machen.
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Die in ihrer Argumentation schwache, mit einer gewissen Nervosität oorgetragene Rede Paul Boncours operierte mit den altbekannten Gründen gegen die englische These auf Abschaffung der schweren Angriffswaffen. Die Argumen. tation Boncours war in keiner Weife stichhaltig. Er gestand durch seine Ausführungen den besonderen und gefährlichen Charakter der Angriffswaffen mit Ausnahme der Tanks zu. Die Möglichkeit einer Humanisierung des Kriegs wurde von dem Redner geleugnet. Von besonderer Bedeutung war die ihm offenkundig entschlüpfte Anerkennung, daß die Sicherheitsfrage nicht nur besondere Staaten interessiere, sondern eine Generalangelegenheit der Völker sei. Im Gegensatz zu der französischen These besteht Deutschland auf der Prüfung der Frage, ob die von Frankreich vorgeschlagene Jnternationaliste-
kardinal pisfl f.
Der Kardinal Fürst-Erzbischof Dr. Piffl von Wien, der von einem Schlaganfall getroffen worden war, ist Donnerstag um 1,29 Uhr verschieden.
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Kardinal Dr. Friedrich G. Pisfl.
Dr. Piffl wurde am 15. Oft. 1864 in Landskron in Böhmen als Sohn eines Buchbinders geboren. Nach Beendigung der Mittelstudien am Gymnasium in Landskron uftd nach Ableistung des Einjährigendienstes beim Militär trat er in das Augustinerchor-Herrenstift im Kloster Neuburg ein, wo er 1888 zum Priester gewecht wurde. Von 1889 an war er Kooperator in der Umgebung von Wien, 1906 bekleidete er bereits den Posten eines Direktors der ungarischen Stiftsgüter. Später wurde er zum Propst des Stifts gewählt. 1913 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Fürst-Erzbischof von Wien. 1915 wurde ihm der Kardinalspurpur verliehen.
Dudgel-Tag in England.
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Eine große Menschenmenge wartet vor dem Londoner Parlament, um den Schatzkanzler Neville Chamberlain (Portrait im Kreis) mit seinem historischen Budget-Koffer kommen zu sehen. Die Bekanntgabe des neuen Budgets, dessen Aufstellung infolge der englischen Währungslage und der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit sehr erschwert war, wurde in ganz England mit größter Spannung erwartet. ,