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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Donnerstag, 21. April 1932.

Nr. 92

Wfl. 59

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Aller guten Dinge find drei;

Wählt am kommenden Sonntag bel dem dritten Wahlgang Nr. 3 der Liste:

Die Deutsche Zentrumspartei.

Ernüchterung.

Hitlers Aufstieg bzw fein Stimmen,Zuwachs, den er bei der zweiten Reichspräsidentenwahl durch die Unterstützung der K o m m u n i st e n und Deutschnationalen erhalten hat, hat bei diesen beiden Parteien eine starke Ernüchterung zur Folge gehabt.

Die Deutschnationalen müssen die Bremse sein am Wagen, der sonst in schnellerem Tempo bergab sausen kann", das hat in einer Rede in Preußisch-Holland von Oldenburg-Ja- n u s ch a u offen ausgesprochen, und er hat damit Befürchtungen Ausdruck gegeben, die in den poli­tisch vernünftigen Kreisen der teutschna- tionalen Volkspartei erörtert werden. Derselbe Gedanke kommt auch in derKreuz-Zeitung" zum Ausdruck, wo Oberstleutnant a. D. von Olberg unter anderem schreibt:

Weil wir in der Schaffung eines Blockes der Besonnenen unsere Aufgabe erkennen, weil wir dem Sturm und Drang der nationalsoziali­stischen Bewegung Bremsklotz zum Segen der gesamten nationalen Kräfte sein wollen, darum unsere Parole: Wählt Stahlhelmer."

Es ist dies ein schlimmes Erwachen aus dem Traumzustand, in den der Harzburger nationale Trank Hugenbergs die Rechte versetzt hat. Hu- genberg hat in seinem sturen Kampf gegen die Reichskanzlerschaft Brünings sich mit Hitler ver­bunden, Hitler groß gemacht und ist im zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl dann völlig auf der Strecke geblieben. Er mag auch noch so versuchen, immer wieder diese Harzburger Front zu rekonstruieren, bei Hitler wird er nur insofern Verständnis finden, als er sich den Nationalsozialisten unterordnen wollte. Diese pochen lediglich auf ihre äu­ßere Stärke und nicht auf die politische Er­fahrung und das politische Uebergewicht, und sie haben insofern eine richtige Auffassung, als sie 3um mindesten bei Hugenberg selbst keine größere politische Weisheit voraus­setzen, als sie auch selbst haben. Umso wertvol­ler sind die obigen Eingeständnisse deutschnationa­ler Politiker, daß der Reichswagen unter der Füh­rung Hitlers bald völlig kurz und klein gefahren ist. Man hätte auf der Rechten nicht erst die Er­fahrungen aus der Hindenburgwahl zu machen brauchen, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, man hätte nur auf die vernünftigen Vorschläge des Reichskanzlers hören sollen und auf feine Re- ben, dann wäre der Nationalsozialismus nicht durch die Schuld des deutschnationalen Führers so hoch gekommen. Der vermeintliche politische Er­folg, den Plan des Kanzlers, die Reichspräsiden- tenwahl durch den Reichstag vornehmen zu lassen, hat sich für Hugenberg als Pyrrhussieg erwiesen, und er selbst hat in feiner Rede in Hannover oh Le!l äsigeben müssen, daß ihm die Nationalsoziali- £n'in?en gefallen sind. Reichskanzler

tonn b,e Führer des Zentrums haben

schon Recht wenn sie dem deutschen Volke seit bört^«(q"i° fum Agieren mehr ge-

Kt'ip Lmblfl ld?JDr^anifQtion5ta[ent- Schlaqwvrt- ftün Ö ffa9Dr?l d)e und ehrgeiziges Macht- ,a schon eine etwas beschei-

Ä"9' Tenn bi Deutschnationalen Ä Sh-pmh.n Ml? e r |tn wollen. Denn mit dem Bremstn all em ist es nicht getan. Man weiß ja nicht, ob nicht die Bremse v e rs a g t, ob man überhaupt stark und geistesgegenwärtig genug ist im richtigen Augenblick zu bremsen, um Unglück zu verhüten Bisher hat Hugenberg immer Len- ker sein wollen, selbst die Hand am Ruder haben wollen, und nun plötzlich will er nur u n t e r i t- ler als Bremser dienen. Im Interesse des gesamten deutschen Vaterlandes möchten wir hof­fen, daß die Einsicht bei den Deutschnationalen besonders bei ihren Wählern, noch früh genug kommt, damit sie nicht gegenüber Hitler völlig einflußlos werden. Und vor allem möchten wir hoffen, daß sie unter einer anderen, besseren Füh­rung im Interesse einer Zusammenfassung al­ler vaterländischen Kräfte wieder erstarken.

Dieselbe Ernüchterung wie bei den Deutschna­tionalen scheint auch auf der Linken bei, den Kommuni st en eingetretem zu fein. Bisher sahen die Kommunisten dem Anwachsen ,-Hitlers mit Freude entgegen, weil sie von dieser Partei das Chaos in Deutschland erhofften, aus dem sie selbst Nutzen ziehen konnten.Hitler, der aus- gezogen ist, um den Bolschewismus zu bekämpfen, und der das Bürgertum feit Jahr und Tag mit dem Bolschewistenschreck ängstigte, ist jetzt von den Moskaujüngern würdig befunden worden, Weg­bereiter für den Kommunismus zu spielen." So schrieben am 11. April bayerische und rheinische oeitungen. Man war in politischen Kreisen all- A.^wein der Auffassung, daß sogar eine direkte 2» ommanbierung von Wählerstimmen für Hitler °Igt war, nun aber scheint man sich auch in

Die Siedlung im deutschen Osten Die Reichsregierung schafft den Wünschen aus Siedlung Raum. Dor einer Verordnung der Reichsregierung. Einsatz des sreiwiNigen Arbeits-Dienstes.

wtb. Berlin, 20. April. (Gig. Meld.) Amtlich wird mitgeteilt: Am 19. April 1932 fand unter dem Dorsitz des Reichsarbeitsministers eine Besprechung sämtlicher an der Durchführung der landwirtschaftlichen Siedlung beteiligten Reichs- minister statt. Die Abwicklung der OsHKfe mit ihrem großen Landanfall und gleichzeitig die For­derung breiter Kreise nach ländlicher Ansiedlung verlangen eine positive Lösung. Die Reichsregierung sieht in einem großzügigen Sied­lungswerk im Osten eine schöpferische Tat des Wiederaufbaues nach all den notwen­digen, aber nur negativen Abwehrmaßnahmen zum Schutze von Staat und Wirtschaft. So kann auch der gegenwärtige furchtbare Druck erzwungener Untätigfeit und seelischer Zermürbung von unserem Volke genommen werden. Zwei Millionen Morgen Land, das trotz aller Hilfsmaßnah­men den bisherigen Eigentümern nicht erhalten werden kann, soll Zehntausende neuer Siedler im deutschen Osten fest ver- ankern. Die Gut- und Landarbeiter, wie oie Bauernsöhne des Ostens, in der alten Heimat neu verwurzelt und mit neuem Blut aus dem Uebersluß der Landwirtschaft des Westens belebt, bilden einen festen Wall zur Erhaltung deutschen Wesens und deutscher Kultur im deutschen Osten. Für Tausende wird die hoffnungslose Erwerbslosigkeit behoben, Handel und Gewerbe im Osten können

neu aufblühen. Trotz aller Nöte der Wirtschaft und Schwierigkeiten der Finanzen des Reiches ist die Reichsregierung entschlossen, die e r s o r d e r l i chen Mitteln bere itzustellen. Diese neue Sied­lung wird aber im Verhältnis zu den Siedlungen düsterer Vergangenheit so einfach errichtet werden müssen, daß sie den Siedler auch unter ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen ein dauerndes Fort­kommen bietet. Darum muß aber auch der neue Siedler auf alle übersteigernden An­sprüche verzichten. Nur das Notwendigste an Einrichtungen und Gebäuden aus billigem bodenständigem Material, wo immer möglich aus Holz, kann ihm für den Anfang bereitgestellt werden. In umfassender Weise muß der Siedler selbst am Ausbau Mitwirken. Der freiwillige Arbeitsdienst muß weitgehende Hilfe leisten. Neue Siedlungsformen müssen ohne bürokratische Hemmungen und überflüssigen Schematismus für dieses Werk gesunden werden. Die Bereitschaft wei­ter Kreise zu der Mitarbeit in allerlei Formen von Gemeinschaften und Bünden muß voll ausgewer­tet werden. Eine außergewöhnliche Zeit verlangt außergewöhnliche Maßnahmen.

Die gesetzgeberischen Maßnahmen zu der För­derung dieses Werkes sind in Vorbereitung. So­fort nach Rückkehr des Kanzlers sollen sie im Kabinett verabschiedet werden.

Die groben Kragen der Außenpolitik.

Brünings Genfer Verhandlungen. Ganz entscheitende Diskussionen.

Das vorn Hauptausschuß der Wrüstungskonfe- renz eingesetzte Redaktionskomitee hat die beiden im Hauptausschuß vorgelegten Entschließungsent­würfe über die Abrüstungsmaßstäbe zu einem ein­heitlichen Text verarbeitet. Die neue Entschlie­ßung, die dem Hauptausschuß vorgelegt werden wird, lehnt sich entsprechend dem ursprünglichen Entwurf an den Wortlaut des Artikel 8 der Völ- kerbundssatzung an und fügt entsprechend dem ita­lienischen Zusatzantrag hinzu, daß die Anwendung dieser Abrüstungsmaßstäbe und die Methoden, nach denen die Herabsetzung und Begrenzung der Rü­stungen vorzunehmen sei, alsbald unter prakti­schen Gesichtspunkten geprüft werden soll.

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wtb. Paris, 20. April. (Gig. Meldg.). Das nationalistischeEcho de Paris" glaubt, daß mit der Annahme der ersten grundlegenden Entschlie- zung über die etappenweise Abrüstung durch die ranzösische Delegation ein Fehler begangen worden sei.

Schon die kritische Aeußerung des nationalisti­schen Blattes beweist, daß ein Fortschritt er­zielt worden ist. Wenn die Nationalisten schimp­fen, ist für den Frieden eine Schlacht gewonnen worden.

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Die französische Regierung hat der Abrüstungs­konferenz eine Denkschrift übermittelt, in der die ranzösischen Vorschläge auf Internationalisierung

Moskau zu besinnen. Nach einer Mitteilung der Fahne des Kommunismus" ist zu dem Zwecke einer Wendung bei den kommenden Wahlen eine befand er eKommission aus Moskau nach Deutschland geschickt worden, die den Führern im Zentralkomitee der KPD. die Flö­tentöne der richtigen bolschewistischen Selbstkritik beibringen sollen. Diese Kommission arbeitet in die­sen Tagen mit den Parteiangestellten aus dem ganzen Reiche die neue Linie aus. An 40 Funk- tonäre in allen Bezirken Deutschlands sind be­reits ausgewechselt".

Schon diePrawda" vom 12. April hatte ganz offen an dem Wahlergebnis des 10. April Kritik geübt und den Ausgang des zweiten Wahlganges als einen schweren Mißerfolg bezeichnet und deut­lich erklärt, daß die jetzige taktische Linie der kommunistischen Partei Deutschlands nach diesem Mißerfolg einer Kontrolle und Revision unters­

ter zivilen Luftfahrt entwickelt werden, die sich in erster Linie gegen die deutsche Luftfahrt richten.

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wtb. Paris, 20. April. (Gig. Meldg.). Die zweite Unterredung, die Dr. Brüning gestern m i t S t i m s o n hatte, wird von demPetit Pa- risien" als die am meisten beachtete bezeichnet, die Stimson bisher in Genf hatte. Das Blatt meint, daß bei der Besprechung auch Finanz­fragen berührt worden feien.

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Schatzkanzler Chamberlain legte dem Unter­haus den neuen englischen Haushalt vor, der u. a. einen Ueterschuß von 760 000 Pfund aufweist und in dem bemerkenswerterweise Tribute und Schuldenzahlungen bis auf weiteres nicht auf­geführt sind.

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Senator Borah stellte in einer bedeutsamen Erklärung über die Schuldenfrage fest, daß bisher kein Dollar Schuldenzahlungen vom ausländischen Steuerzahler gekommen seien, vielmehr habe Deutichiand für alle bezahlt. Solange für Rüstun­gen Riesensummen ausgegeben werden, könne auch eine Herabsetzung der Schulden keine Besserung bringen.

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wtb. Washington, 20. April. (Eig. Meldg.). Die Ankündigung des britischen Schatzkanzlers im Unterhaus, daß keine Zahlungen an A m e- r i t a in das neue Budget eingestellt seien, hat in Bundeskreise Ueberraschung und Unwil­len erregt.

gen werden müßte. Diese taktische Umstellung konnte man auch aus derRoten Fahne" erken­nen. Das ist für den Gesamtausgang der preußi­schen Wahlen und die spätere Politik nicht bedeu­tungslos.

ERB. Karlsruhe, 20. April. (Eig. Meld.). Zu Beginn der Vormittagssitzung des badischen Land­tags verlas der Abg. Bock (Komm.) eine Er­klärung, daß die Bezirksleitung der KPD. Baden- Pfahz den Antrag der Fraktion betreffend Ver- bot des Reichsbanners usw. als einen schweren politischen Fehler bezeichnet und die Zu­rückziehung veranlaßt habe. Abg. Lechleiter wird seines Postens als Fraktionsvorsitzender der KPD. enthoben. (Zuruf der Soz.-Dem.:Das ist ein schwarzer Tag für Euch.").

Das unruhige Oftasien.

Die Situation im Fernen Osten hat sich in den letzten Tagen aufs neue erheblich verschärft. Sowjetrußland glaubt sich durch die Maß» nahmen der japanischen Besatzungs-Armee in der Mandschurei erheblich bedroht und hat seine Truppen an der mandschurischen Grenze verstärkt. Umgekehrt sind die japanischen Warnungen an Rußland immer deutlicher geworden, so daß bei ter allgemeinen Nervosität kriegerische Verwick­lungen nur zu leicht entstehen können.

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Die Oberkommandierenden der Roten Armee an der Ostfront.

Links: General Blücher, der Oberbefehlshaber der Sowjetstreitkräfte.

Rechts: Generalmajor Putna, der frühere Militär- Attache in Tokio, der gleichfalls in führende Stel­lung zur russischen Ostarmee abkommandiert wurde.

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Der Ausschuß des Völkerbundes für den Fern­ostkonflikt hat in ter Frage der Zurückziehung der japanischen Truppen ein verwickeltes Verfahren er» sonnen, das praktisch keinen Fortschritt barftellt

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Karte des Fernen Ostens mit den wichtigsten russisch-mandschurischen Grenzstationen.

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wtb.Tokio, 20 .April. (Eig. Meld) Bei einem Presseempfang erklärte der Kriegsminister, daß bei einer Verschärfung der Sage der Mandschurei wei­tere Truppentransporte dorthin nötig fein werden. In unterrichteten Kreisen interpre­tiert man diese Aeußerung des Ministers dahin, daß er damit lediglich das Banditenunwe» s e n gemeint habe.

Zu dem Generalstreik der Angestellten der ost­chinesischen Eisenbahn, der heute beginnen sollte, ist es nicht gekommen. Die Lage in den in Frage kommenden Gebieten ist als durchaus normal zu bezeichnen.

Zwischen Rumänien und Frankreich sind Be­sprechungen über eine Anleihe für die Bukarester Regierung im Gange, wobei Frankreich sich die rumänischen Petroleuminteressen sichern wird.

Politik in der Schule.

Ein Studienrat beleidigt den Reichspräsidenten.

cnb. Sprottau, 20. April. (Eig. Meld.) Vom Provinzialschulkollegium ist gegen den Studienrat D r. Krüger, der an der hiesigen Laubeschule tätig ist, ein Disziplinarverfahren angestrengt wor- den. Dr. Krüger, der sich stark n a t i o n a l s o z i a- listisch betätigt er ist Führer der Hitler- Jugend soll im Unterricht beleidigende Aeuße- rungen über den Reichspräsidenten von Hinden­burg gemacht haben. Auch sonst soll er in einer seinem Amt a.s Jugenderzieher nicht entsprechenden Form die a n t i j e m i t i f dj e n Tendenzen der Partei vertreten haben.

Der Aeltestenrat des Reichstages ist nunmehr zu einer Sitzung auf Dienstag, den 26. April, nachmittags 5 Uhr einberufen worden. Auf oer Tagesordnung steht die Festsetzung des Termins der nächsten Reichstagssitzung.