Mittwoch, 20. April 1932
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. | sechsmal wöchentlich. Wochenbeilogen: „Die Weil
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FuldaerZertung
______^«Zeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Macht die Mitte fo statt wie möglich!
So wehrt Zhe am besten den gefahrdrohenden Radikalismus ab.— Wählt bei der Preußenwahl Smtrum (Nummer 3 der Liste).
Am Montag hat sich hier Werbefeldzug der Parteien zu den Preußenwahlen in verstärktem Maße fortgesetzt. Es sprachen u. a. in Frankfurt a. M. Ministerpräsident Braun, in Magdeburg Kultusminister Grimme, in Hamburg Dingeldey, in Beuchen Hitler, in Erfurt Hugenbe'rg, in'Magdeburg Klagges und in Görlitz Dietrich. Auch die führenden Persönlichkeiten der Zentrumspartei haben in zahlreichen Wahlkundgebungen gesprochen.
Aufstieg oder Untergang ?
Auf einer Wahlkundgebung in Görliß sprach Reichsfinanzminister Dr. Dietrich über das Thema: „Wohin steuern wir? Aufstieg oder Untergang?" — Er erklärte u. a., das heutige Preußen könne sich sehen lassen. Der Korruption, die im Kriege schon in den Kriegsgesellschaften begonnen habe und die sich in der Inflation fortgesetzt habe, sei man energisch entgegengetreten, und gerade in letzter Zeit seien zahlreiche Wirtschaftsverbrecher abgeurteilt worden.
Der Minister betonte dann, daß die heutigen großen Schwierigkeiten nach übereinstimmende'' Meinung in der Vorkriegspolitik zu suchen sind. Der Wahnsinnsvertrag von Versailles habe uns nicht nur mit finanziellen Lasten bepackt, sondern uns auch alles, was uns irgendwie genommen werden konnte, geraubt.
Hinsichtlich der deutschen Bankenkrise bestritt Dr. Dietrich, daß mach irgendwie den „großen Leuten" geholfen habe. Die Kunden der Banken mußten geschützt werden, sollte nicht die halbe deutsche Wirtschaft zusammenbrechen. Uebri- gens habe das Reich auch über 120 Genossenschaftsbanken gest ü tz t. Die ganz großen Wirtschaftsgebilde hätten sich zu einer besonderen Gefahr ausgewachsen, deshalb müsse man eme Politik zugunsten der mittleren und kleineren Unternehmungen machen, die dadurch eingeleitet wurde, daß man ein weiteres Anwachsen der Realsteuern seitens des Reiches hintangehalten habe.
„ un9^)euren Steuerlasten seien hauptsächlich zuuckzufuhren auf die Kosten für Pensionsrenten der Kriegsopfer und für die Arbeitslosen, die einen Aufwand von 3,3 Milliarden Rm. im vorigen Jahre verursachten. Es sei ein Aberglaube, W meinen, man könnte durch die künstliche Schaffung von Geld die Schwierig- kelten beheben. Die Reichsbank sei ungemein in den letzten Monaten entlastet. Es gelte Wege Kredite unh damit Wirtschaftsbelebung zu erzielen. Zur Frage der Golddeckung sagte der Minister, im internationalen Verkehr werde man immer zum Ausgleich von Zahlungen Gold verwenden müs- sen. Gegen die Krise könne nur helfen eine B e- ruhrgung der internationalen Wirtschaft, die nur von einer Regulierung der Reparationen und Kriegsschulden müsse aber auch hinzutre- „ r u h -i g ung in Deutschland,
und vor allen; mußten die Reden aufhören, als ®6 3?,’r einen neuen Krieg anfangen wollten oder tm Innern einem Bür- A e r f r i c ? äusteuerten. Eine Senkung von Pen- sionen. Gehaltern und Renten halte er für ganz unmoglia).
Unjere Jugend müsse einsehen, daß nicht bas Leben in der Vergangenheit, son- dern der harte Kampf um den Wiederaufbau ihre Aufgabe ist.
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wtb. Berlin 19. April- (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den deutschen Botschafter in Moskau, Dr. D i r k s e n.
Der Reichskanzler wählt in Sigmaringen.
wtb. Genf, 19. Mai. (Eig. Meld.) Reichs- kanzler Dr. Brüning wird am Samstag für kurze Zeit Genf verlassen, um am Sonntag in Sigmaringen seiner Wahlpflicht zu genügen.
Noch höhere Zollmauern.
wtb. London, 19. April. (Eig. Meld.) Am Ende der Woche wird ein Bericht der englischen Regierung erwartet, der neue Schu^oklvorschläge erhalten soll.
Vom Kampfplatz im Osten.
wtb. London, 19. April. (Eig. Meld.) In Süd- ost-Fukien sind 30 000 Mann gut ausgerüsteter Truppen eingerückt, die anscheinend gegen die Zen- tral-Regierung revoltieren.
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wtb. Tokio, 19. April. (Eig. Meld.) Ungeachtet der beunruhigenden Gerüchte über eine russischjapanische Spannung in der Nordmandschurei betrachtet die japanische Regierung die Lage in voller Nuhe und hält auch ernstere Verwicklungen in der Wachsten Zeit für unwahrscheinlich.
Aktion gegen die Kommunisten.
Die prentzische Polizei nimmt Haussuchungen vor.
ERB. Berlin, 19. April. (Eig. Meldg.). Don zuständiger, Stelle erfahren wir, daß für ganz Preußen eine polizeiliche Aktion bei kommunistischen Funktionären angeordnet ist, die feit heute früh bereits durchgeführt wird.
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ERB. Berlin, 19. April. (Eig. Meldg.). In Geschäftsstellen verschiedener kommunistischer Sportorganisationen, die im Verdacht stehen, Nachfolge-Organisationen des verbotenen Rossfrontkämpferbun- d e s zu fein, werden seit heute früh durch die politische Polizei in verschiedenen Teilen der Stadt Haussuchungen durchgeführt.
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TNB. Berlin, 19. April. (Eig. Meldg.). Die Durchsuchungsaktion der politischen Polizei bei verschiedenen kommunistischen Organisationen erstreckt sich bisher auf etwa 30 bis 40 Geschäftsstellen und Büros des kommunistischen Arbeiter-Schützenbundes und des sogenannten antifaschistischen Kampfbundes. Das Karl Liebknecht-Haus und die ausgesprochenen Arbeitersportvereine werden von den Durchsuchungen jedoch nicht betroffen. Wie
wir erfahren, wurde bisher zahlreiches Ak- ten- und Schriftmaterial beschlagnahmt, dessen Prüfung im Polizeipräsidium erst ergeben wird, ob in diesen Organisationen der verbotene Rotfrontkämpferbund illegal weitergeführt wurde.
Die Polizeiaktion im Ruhrgebiet ruhig verlaufen.
wtb. Essen, 19. April (Eig. Meld.) Die heute vormittag für ganz Preußen angeordnete Aktion bei kommunistischen Funktionären ist bisher ruhig verlaufen. Die Aktion ist noch nicht abgeschlossen.
kommunistische Demonstration in Bremen.
wtb. Bremen, 19. April. (Eig. Meld.) Aus Anlaß des für heute angekündigten kommunistischen Reichserwerbslosentages haben am Vormittag in der Nähe des Arbeitsamtes jugendliche Kommunisten Demonstrationszüge zu bilden versucht. Die Züge wurden von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels aufgelöst. Die Demonstranten wurden nach dem Stadtinneren abgedrängt, wo es von neuem zu kleineren Ansammlungen und Demonstrationen kam.
Erstes Ergebnis der Abrüstungskonferenz.
Eine bedeutsame Entschlietzung.
Der vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz am Montagvormittag zur Ausarbeitung eines endgültigen Entschließungsentwurfs über die abschnittweise Herabsetzung der Rüstung en eingesetzte Sonderausschuß, dem sämtliche Großmächte angehören, hat am Abend nach längeren schwierigen geheimen Verhandlungen einstimmig folgenden C...schließungsentwurf angenommen:
„Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz vertritt die Auffassung, daß die Herabsetzung der Rüstungen, so wie sie in dem Artikel 8 des Völkerbundspaktes vorgesehen ist, fortschreitend dhrch aufeinanderfolgende Revisionen in geeigneten Zwischenräumen durchgeführt ist, nachdem die gegenwärtige Konferenz den ersten entscheidenden Abschnitt einer allgemeinen Herabsetzung der Rüstungen auf das mindestmögliche Maß verwirklicht hat."
Die Abänderung des ursprünglichen tschechoflo- wakischen Antrages, in dem von einer allgemeinen Herabsetzung der Rüstungen überhaupt nicht die Rede war, erfolgte auf Grund eines amerikanischen Antrags, der von deutscher Seite angenommen und ergänzt wurde. Insbesondere wurden von deutscher Seite die Worte „entscheidenden Abschnitt" und „mindestmöqliche Maß" verlangt. ’
Mit dieser Entscheidung hat sich nunmehr die Abrüstungskonferenz auf die stu- fenweise Durchführung der Abrüstung festgelegt, hat aber gleichzeitig bestimmt, daß der erste Abschnitt ein entscheidender Schritt in der Richtung einer Herabsetzung der Rüstungen auf das Mindestmaß darstellen muß. Zwangsläufig wird es sich daher in den weiteren Verhandlungen der Abrüstungskonferenz um die Frage handeln, in w eich er Weise der erste entscheidende Abschnitt zur Herabsetzung der Rüstungen aus ein Mindestmaß durch geführt werden soll. Der Ent- Wurf stellt die erste praktische Entschließung der Abrüstungskonferenz dar. Er besitzt zweifellos große Tragweite.
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wtb. London, 19. April. (Eig. Meld.) Zu den Genfer Abrüstungsberatungen schreibr „Times", die allgemeine Kommission habe gestern gute Fort- schritte gemacht, wozu die versöhnliche Rede Na- dolnys beigetragen habe.
Dill die Türkei in den Völkerbund einkrelen?
CNP. London, 19. April. (Gig. Meldg.). Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß die Türkei ernstlich einen baldigen Eintritt in den Völkerbund erwäge. Wahrscheinlich werde Angora aber die-
Amerikas Skaaksmänner in Genf.
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amerikanischen Verhandlungsführer für die Genfer Abrüstungskonferenz auf der Durchreise
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fen Schritt davon abhängig machen, daß ihm, wenn nicht ein ständiger, so doch ein halbstän. diger Sitz im Völkerbundsrat zugesichert werde» d. h. einer der Sitze, die alle 3 Jahre neu besetzt werden.
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Reichskanzler Brüning hat am Montag- nachmittag Besprechungen mit Henderson Grandk und Simon. Von italienischer Seite wird besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit Deutschland in der Donaufrage gelegt.
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Ministerpräsident Tardieu wird sich Ende der Woche nach Genf begeben. Die Presse deutet an, daß Simon eine Vermittlungsaktion plant, um die italienisch-fran,Mischen Streitigkeiten in der Flottenfrage beizulegen.
Die Abrüstungsentschließung in Genf angenommen.
wtb. Genf, 19. April. (Eig. Meldg.). Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde heute vormittag die gestern von einem Redaktions. komitee ausgearbeitete Entschließung über die etappenweise Abrüstung und die Notwendigkeit eines ersten entscheidenden Schrittes zur Herabsetzung der Rüstungen auf den niedrigsten Stand angenommen.
Die kurze Aussprache, die der Annahme vorausging, zeigte, daß die großen Gegensätze über Art und Maß der Abrüstung durch diese Entschließung nicht überbrückt worden sind.
. Henderson schnitt eine Diskussion, die sich entwickelte, ab. indem er die Entschließung zur Abstimmung stellte, und es ergab sich, daß alle Delegationsführer, auch Litwinoff und Titulesku, ihr zustimmten.
Eine Petition der Liga für Menschenrechte bei Henderson.
ERB. Berlin, 19. April. ((Eig. Meld.) Die deutsche Liga für Menschenrechte gibt bekannt, daß sie an den Präsidenten der Abrüstungskonferenz Mister Henderson ein Schreiben gerichtet hat. In diesem bittet sie den Präsidenten, den Völkerbund zu ersuchen, daß dieser seine Mitgliederstaaten durch ein Abkommen verpflichtet, keine Strafverfolgungen gegen solche Personen mehr vorzunehmen, die unter Berufung auf das international anerkannte Recht und insbesondere internationale Verträge öffentlich auf Verstöße gegen diese Verträge Hinweisen.
Stimson auf der Abrüstungskonferenz.
wtb. Genf, 19. Mai. (Eig. Meld.) Im Laufe des heutigen Vormittags erschien der amerikanische Staatssekretär Stimson im VöKerbundsgebäuoe und nahm, von zahlreichen Delegierten begrüßt, den Platz des amerikanischen Hauptdelegierten im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz ein.
Am den inneren Frieden.
Der Zentrums-Abgeordnete Joos sagte in einer Wählerversammlung in Kreuznach, nachdem „Rotfro n t“ bereits vor Jahren a u f g e l ö st sei und Reichs- und Länderregierungen sich nun» mehr entschlossen hätten, auch die Eewalt- ormationen der Nationalsozialisten zu beseitigen, sei eine Entwicklung eingeleitet, die unter verständiger Mitwirkung des ganzen Volkes zu einer allgemeinen Abrüstung int Innern führen müsse. Es werde Aufgabe der Angehörigen der Zentrumspartei fein, bei jeder Gelegenheit klar und entschieden nach dieser Richtung zu wirken.
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Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held erklärte in Regensburg: Er mache keinen Hehl daraus, daß er die bisherige Langmut gegenüber den Nationalsozialisten bewundert habe. Der Staat, der so etwas dulde, habe sich selbst aufgegeben. Weiter erklärte Held, chm scheine es unmöglich, daß 'heute einer Beamter sein könne, der za gleicher Zeit agitierendes Mitglied in der Oeffentlichkeit bei einer Partei fei, die den Staat ruinieren wolle. „Auch hier tuen wir lediglich die beschworene Pflicht dem Staate gegenüber, wenn wir dafür sorgen, daß dieser Unfug und diese Charak- terlosigkeit in der Zukunft ein Ende findet. Die Herren sollen doch daran denken, wie kläglich es ausfieht, wenn ich diesen Staat begeifere und dann am Monatsende meine Hand aufhalte, um das Gehalt einzustecken. Wenn einer überzeugter Nationalsozialist ist, so verlange ich so viel Cha- rakter von ihm, daß er nicht auf einer Seite dem Staate gegenüber Pflichten heuchelt und auf der anderen Seite diesen Staat um bringen hnH. Das ist eine Charakter- und Sauberkeitsfrage."
Erzherzog Otto von Habsburg wurde am Montag von dem Kölner Universitäts- Professor Haderer unter Assistenz dreier belgischer Aerzte operiert. Man betrachtet seinen Zu- stand als befriedigend.