Fuldaer Zeitung
Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Jutda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 89
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152 ::
Sonntag, 17. April 1932
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Wb. 59.
Vries Hindenburgs an Groener.
wtb. Berlin, 16. April. (Eig. Melo.) Reichspräsident von Hindenburg hat an den Reichs- Minister des Innern das nachfolgende Schreiben gerichtet:
„Berlin, den 15. April 1932.
Sehr geehrter Herr Reichsminister!
Die das Verbot der SA. und SS. aussprechende Verordnung vom 13. April 1932 habe ich vollzogen, nachdem Sie Mir in ernsten Worten die Schwierigkeiten der politischen Lage dargelegt Und den Erlaß dieser Verordnung zur Sicherung der Staatsautorität als Unbedingt notwendig bezeichnet haben und nachdem die Reichsregierung einstimmig Ihrem Anträge Beigetreten war. Inzwischen ist mir unter Ueber- gabe von Belegmaterial mitgeteikt worden, daß ähnlich geartete Organisationen wie die hier verbotenen, auch bei anderen Parteien bestehen. In Erfüllung meiner Pflicht zur überparteilichen Ausübung meines Amtes und gleichmäßiger Anwendung der Gesetze muß ich verlangen — falls dies richtig ist —, daß auch diese Organisationen der gleichen Behandlung verfallen. Ich übersende Ihnen anbei das mir zugegangene Material und ersuche Sie, es mit dem gleichen Ernste zu prüfen, den ich Ihrem Anträge entgegengebracht habe und mir alsbald das Ergebnis Ihrer Prüfung und einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen.
Mit freundlichen Grüßen!
gez. von Hindenburg." *
Adolf Hitler hat Rechtsanwalt Lütgebrune beauftragt, den Rechtskampf gegen die Notverordnung über die Auflösung der SA. und SS. mit cTlen Mitteln aufzunehmen.
Stahlhelm und Reichsbanner.
Der deutschnationale Parteiführer Hugenberg hatte in einer Erklärung die Behauptung verbreitet, die Notverordnung gegen die Sturmabteilungen sei der Vorläufer eines Verbots des Stahlhelms. Das Reichsinnenministerium erklärt dazu, daß ein Verbot des Stahlhelms ZU keinem Zeitpunkte in Erwägung gezogen worden fei. . ®as gleiche gilt für das Reichsbanner, dessen Bundesvorstand zwei Tage nach den Preußenwahlen Zusammentritt. Wie aus Reichsbannerkreisen berichtet wird, will sich diese Organisation der veränderten Lage anpass en und eine entsprechende Umbildung vornehmen. Dem Reichsinnenminister hat der Bundesvorstand bereits von diesen Absichten Kenntnis gegeben Die geplanten Veränderungen in der äußeren Organisation dürften sich auf den Abbau der Einrichtungen beziehen, die als Abwehrmaßnahmen gedacht waren und jetzt durch die Auflösung der SA. überflüssig geworden sind. Was' der Stahlhelm seinerseits zur Stärkung des inneren Friedens zu tun gedenkt, ist noch nicht bekannt ae« worden.
Unmittelbar nach Veröffentlichung der Verordnung über die Auflösung der SA. ist, wie von der Vundespressestelle des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold mitgeteilt wird, an alle Gauvorstände des Reichsbanners ein Rundschreiben der Bundes- leitung ergangen. In diesem wird unter Hinweis <wf die Auflösung der nationalsozialistischen SA- und SS-Formationen erklärt, daß nunmehr für das Reichsbanner die Notwendigkeit forffalle weiter im Bereitschaftszustand zu bleiben. Die Bundesleitung ordnet demgemäß an: Im ganzen Reichsgebiet sind alle außerordentlichen Schutzmaßnahmen aufzugeben Die besonderen Funktionen, die der Schufo und den Sonderformationen übertraaen waren hören auf. Das ganze Auftreten des'Reichsbanners würde, heißt es bann weiter, unmißverständlich zum Ausdruck bringen, daß dieses sich b e m Staats» willen einorbne. bie Staatsautorität stärke unb stütze. Es komme darauf an, bis in bie Reihen der Keoner bie Ueberzeugung zu tragen, daß das Reichsbanner niemals Staat im Staate fein wollte unb fein will, daß es nie daran gedacht habe und nicht daran denke, gegen Recht unb öerfapung feine Ziele mit Gewalt durchzufetzen. Mit der Wahl des Reichspräsibenten von Hindenburg fei ein Sieg für Verfassung unb Demokratie erftritten. Das Reichsbanner fetze nunmehr feine ganze organisatorische und propagan- bistische Kraff ein für die eine große Ausgabe dieser Zeit: der Reichsreaieruna unb allen, bie guten Willens finb, zu helfen, bie furchtbare Wirtfchafts- not zu überwinden.
In Essen erklärte Reichsminister Treviranus:
Ich erinnere baran, sagte der Minister, daß deuffchnationale Kreise seinerzeit dem Reichsprasi- benten Ebert bie Forderung gestellt haben daß er gerabe, wenn es sich um seine eigenen Freunde handele, seine Pflicht als Reichsoberhaupt ohne Rücksicht auf persönliche Empfindungen erfüllen unb beshalb ben Befehl erteilen müsse, die Reichsexekutive gegen Sachsen unb Thüringen anzu- orbnen.
Der Minister teilte mit, baß bie bayerische Staatsregierunq schon vor geraumer Zeit ben Entschluß gefaßt habe, bas SA-Verbot in Bayern durchzuführen Er erklärte auch, daß er bestimmt wisse, daß bie nationalsozialistische Führung außerorbentlich bankbar sei für die Beseitigung bieses Unruheherdes innerhalb ber NSDAP. Davon abgesehen
erfahren sie burch bas Verbat eine große finanzielle Erleichterung.
Einen Vergleich ber SA mit bem Reichsbanner hinsichtlich des Charakters als eines Staates, im Staate lehnte der Minister ab. Wenn man einen Vergleich ziehen wolle, fo könnte man bie SA nur mit bem 1929 verbotenen Rot« Front-Kämpfer bunb vergleichen.
Hitler nicht aus bem braunschweigischen Staatsdienst ausgetreten.
Zu den Gerüchten, die davon wissen wollen, daß Hitler auf seinen Wunsch aus dem braunschweigischen Staatsdienst wieder ausgetreten sei, teilt der braunschweigische Innenminister Kla- ges auf Anfrage mit, daß bem Staatsministerium von einer solchen Absicht nichts bekannt fei.
Disziplinarverfahren gegen Wer?
Mer informierte bie S2l.-Führer über die bevor- stehende Auflösung?
Die Polizei unb die Disziplinarbehörden verschiedener deutscher Länder sind augenblicklich mit der Untersuchung ber Frage befaßt, auf welchem Wege bas Braune Haus und einzelne SA.-Führer über die bevorstehende Auflösung ber SA. unb SS. informiert worden sind. Es bat sich nämlich nicht nur ergeben, daß Besprechungen, bie im Reichsinnenministerium stattgefunben haben, inhaltlich dem Braunen Haufe bekannt geworden finb, sonbern barüber hinaus ist folgenbes ermittelt: An verschiebenen Stellen in Preußen, Bayern unb Hessen haben die SA.-Führer unabhängig von Meldungen aus München anonyme telefonische Anrufe bekommen, durch die auf bie bevorstehende Auslösung aufmerksam gemacht worben ist. Es besteht der Verdacht, daß bie schw eren Indiskretionen unmittelbar ober mittelbar auf Beamte zurückzuführen finb, die über bie bevorstehende Aktion informiert waren. Darüber soll die eingeleitete Untersuchung Klarheit schaffen.
Zeitungsmeldungen zufolge sollen auch Erwägungen schweben, ob gegen Adolf Hitler in seiner Eigenschaft als braunschweigischer Beamter ein Disziplinarverfahren eingeleitet werben muß wegen der sowohl von zuständiger deutscher wie von zuständiger französischer Seite zurückgewiesenen unwahren Behauptung Hitlers, bie Reichsregierung habe bas Verbot ber SA. auf Drängen unb Verlangen Frankreichs ausgesprochen. e
ERB. München, 16. April. (Eig. Meldg). Rechtsanwalt Dr. Frank H hat heute für Adolf Hitler, bie Reidisleitung ber NSDAP, unb für ihre Gauleiter Klage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich gegen bas Deutsche Reich vertreten burch Innenminister Groener unb bie Freistaaten Preußen, Bauern, Baben, Württemberg unb Hessen wegen ber Auflösung ber SA. unb SS. sowie des Verbotes der Berliner Hitlerjunge^d eingereicht. Gleichzeitig mit der Klage wurde gegen bie obgenannten Länder Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gestellt. baß sämtliche Maßnahmen zum Vollzug ber SA.-Auslösung bis . zur Entscheidung über die Klage einzustellen sind.
Das Volk fragt sich mit Staunen, was in Deutschland eigentlich von Staats« autorität übrig ist, nachdem jede Staats» Maßnahme erst im Prozeßweg erftrit« ten werden muß.
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C. N. B. Braunschweig, 16. April. (Eig. Meld.) Die Organisationen der HiKer-Jugend sind jetzt auch in Braunschweig aufgelöst worden. Die Polizei hat die von der Hitler-Jugend benutzten Räumlichkeiten besichtigt und festgestellt, daß o i e Organisation in der Stadt nicht mehr besteht.
Unerhörte Vorgänge.
Weitere Enthüllungen der hessischen Regierung.
Amtlich wird aus Darmstadt mitgeteilt:
Pei einer ersten Durchsicht des Materials, das im Zusammenhang mit ben Haussuchungen bei den SA.- unb SS.-Führern beschlagnahmt würbe, haben sich auch einige Dokumente gefunden, bie auch für sich allein unb unabhängig von bem zahlreichen sonstigen beschlagnahmten Material beweisen, wie notwenbig unb berechtigt das Verbot war. So geht aus einem Briefe, der im Darmstädter Braunen Hause beschlagnahmt wurde, hervor, welcher Geist insbesondere bei ber führenden Persönlichkeiten in ber SA. in Darm stabt herrschte.
Der Absender des Briefes ist ber Gaufachberater für Kriegsbeschädigtenfragen in ber Gauleitung der NSDAP. Hessen, ber Nationalsozialist Weygolb, ber bekanntlich auch hn Zusammenhang mit bem Borheirner Dokument eine Rolle gespielt hat. Der Empfänger des Briefes ist ber bekannte nationalsozialistische Führer Ober» lind ob er, Mitglied des Reichstages, München. In dem Bries heißt es u. a.:
„Zur Zeit habe ich die Reform-Vorschläge der gewerblichen Unfall-Berufsgenossenschaften vor. Da haben sich unsere M. d. L. von einem Nichtswisser nämlich etwas einbrocken lassen. In einem »gut gemeinten Antrag über die Not der Landwirt- zieht man aus einmal auch die Pfeife. Herunter mit den Beiträgen der Land- und Forstwirtschaftlichen B. G.l Dabei haben wir in Hessen eine verhältnis
mäßig billige! Und die Herabsetzung der Beiträge ist nur möglich mit einer gewissen Herabsetzung der Lei st ungen! Davon wollten sie aber nichts wissen! Schimpfen können sie alle, das kostet ja nichts, aber besser machen, da fehlen die Kenntnisse und Erkenntnisse der Zusammenhänge. Wenn man die Menschen hört, glaubt man, daß die Geschichte mit dem Dritten Reich eine Angelegenheit des Konditors fei, der auf Bestellung eines backt! Herrgott, haben wir da noch eine Erziehungsarbeit vor uns, bis da nur einmal bei den sogenannten Führern die geistigen Grundlagen vorhanden sind, auf denen man einen Staat aufbauen kann. Deren Idee vom Staat ist der einfache (Marristische?) Standpunkt: Fressen! Saufen! Schlafen! Und beim Schlafen eine angenehme Nebenbeschäftigung! Damit ist alles auf der Welt für sie da! Unterhalten über Dinge, die über das hinausgehen — unmöglich! Höchstens die Antwort: „lieber was für Blödsinn Ihr politischen Schweine (!) Euch den Kopf zerbrecht! Das bißchen wird von uns geschmissen und dann werdet Ihr mit gehängt! Denn Euch brauchen wir doch nicht! SA. macht das alles ganz allein!"
Nach deren Meinung fängt also das Dritte Reich mit einem großen Aufhängen derer an, die der SA. nicht angenehm sind! Da freue ich mich jetzt schon drauf! Und hier in Hessen ist diese Stimmung durch die letzten „Taten" noch verstärkt worden! füer muß man raus, wenn man den Glauben an die Mission des deutschen Volkes nicht verlieren soll!"
Weiterhin kann vorläufig folgendes mitgeteilt werden: Wenn der sächsische Landtagsabgeordnete der NSDAP Studentkowsky dieser Tage nach dem Verbot in einer Leipziger Versammlung mitgeteilt hat, es könne niemand wissen, ob sich die SA.-Mitglieder nicht in Form irgendeines Kegelklubs weiter zusammenschließen, so hat sich in Hessen komplettes Material gefunden, aus dem hervorgeht, daß die Fortführung der SA. und SS. in dieser illegalen Form bereits bis ins kleinste durchorganisiert ist. Der Polizei ist ein großes Paket Geheimmaterial der hessischen SS.« Führung in die Hände gefallen, in dem sich über ganz Hessen verteilte zahlreiche Eeheimadressen und Angaben darüber befinden, wie die SA. in den einzelnen Orten Hessens als Gesangvereine, Kegelklubs, Skatklubs oder Box- und Sportvereine weiter zu existieren gedenkt.
Außerordentlich aufschlußreich für die systematische Bespizelung und für die Verleitung zu Verrat von Dienstgeheimnissen von hohen unb höchsten Amtsstellen sowie der Polizei durch die SA- und SS-Funktionäre ist folgendes Dokument, das ebenfalls bei den Aktenstücken eines hohen SS- Führers gefunden wurde. Es ist der Brief des Reichstaasabgeordneten Weitzel, Oberführer ber Gruppe 5 West ber SS in Düsseldorf, worin er ben SS-Führern ben Wortlaut wichtiger preußischer Polizei-Funksprüche, die nach einem nur wenigen Personen bekannten Geheimschlüssel gefunkt worden, im Wortlaut übertragen mitteilt. Der Brief, der offenkundig auch an bie anderen bem Oberführer unterstellten Stellen ging, lautet: „Anliegend Abschrift eines Telegramms des Ministers Severing zur Kenntnis. Das gleiche Telegramm sandte ich heute sämtlichen Gauleitungen zur Kenntnis und weiteren Veranlassung. Alles Nähere hierüber am Samstag, gezeichnet Weitzel, ber SS-Gruppenführer West."
Schließlich ist für ben Charakter ber ©S noch folgenbes kennzeichnend: Es wurde eine Reihe von ledernen Aktentaschen bei den höheren Führern beschlagnahmt. Bei diesen Aktenmappen war kaum eine, aus der nicht bei der Diffnung eine
scharf geladene Pistole herausfiel. Außerdem fanden sich in solchen Aktentaschen auch noch andere gefährliche Waffen vor.
. Die Konferenzen.
Dr. Brüning ist am Freitagabend in Genf ein« getroffen. Das Präsidium her Abrüstungskonferenz bat beschlossen, eine allgemeine Aussprache über die Abrüstungsfrage nicht mehr stattfinden zu lassen, sondern alsbald in die sachlichen Verhandlungen einzutreten.
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In unterrichteten Genfer Kreisen wird angenommen, daß in der Behandlung der D o n aufrage vor der Maitagung des Völkerhundsrates keinerlei neue Ereignisse eintreten werden.
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Im französischen Außenministerium fand zu Ehren des dort eingetroffenen amerikanischen Staatssekretärs Stimfon ein Empfang statt, bei dem Stimfon unb Kellogg politische Erklärungen abgaben. Von unterrichteter französischer Seite wirb dazu versichert, daß Stimfon einen K o m- pr omißvorschlag in der Abrüstungs- frage plane.
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wtb. Berlin, 16. April. (Eig. Meld.) Der Reichspräsident hat ben Ministerialdirektor im Reichsverkehrsministerium Dr. Ing. von Brandenburg zum deutschen Delegierten für die Abrüstungskonferenz ernannt.
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wtb. London. 16. April. (Eig. Meld.) Die Jahresversammlung der nationalliberalen Vereinigung wird in einer Entschließung die englische Regierung auffordern, eine weitgehende Abrüstung zu unterstützen.
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wtb. Genf. 16. April. (Eig. Meld.) Staatssekretär Stimfon ist heute früh mit seiner Gattin hier eingetroffen. Zu seinem Empfang hatten sich am Bahnhof Botschafter Gibson und die Mitglieder ber amerikanischen Delegation eingefunden.
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wtb. Paris, 16. April. (Eig. Meld.) In der Pariser Ausgabe des New Pork Herald wird erklärt, Tardieu habe sich im Laufe der gestrigen Unterredung bei Stimfon darüber beschwert, daß der Vorschlag des amerikanischen Delegierten in Genf überstürzt eingebracht worden sei. Irgend eine besondere Verständigung ober irgend ein Vorschlag sei aus der Unterredung Tardieus-Stimson nicht hervorgegangen. Chicago- Tribüne schreibt, Tardieu habe in den Vorschlag Gibsons einen Anschlag gegen den französischen Abrüstungsvorschlag erblicken wollen. Stimfon habe diese Verdächtigungen zurückgewiesen und geantwortet, der amerikanische Vorschlag halte sich im Rahmen der Weiterentwicklung der Abrüstungs- konferenz selbst. Diese Erklärung habe Tardieu befriedigt. Aehnlich berichtet Petit Paristen, daß Stimfon versichert habe, daß die amerikanische Delegation kein Manöver beabsichtige, und daß die Vereinigten Staaten sich nicht mit anderen Mächten verabredet hätten.
Ser Wschungs-Skandal in Schweden.
kreugers gefälschte italienische Staatsobligationen gesunden.
Nach schwedischen Pressemeldungen besteht kein Zweifel mehr darüber, daß Ivar Kreuger tatsächlich italienische Staatsobligationen im Werte von annähernd 400 Millionen Kronen hat drucken lassen. Die Obligationen wurden in einem geheimen Gewölbe gefunden und sind nach einer Mitteilung von „Dagens Nyheter" auf schwedischem Papier gedruckt. Die italienischen Obligationen sind angeblich nicht als Bankkapital verwendet und auch nicht unter den Aktiva aufgeführt worden. Ihre eigentliche Aufgabe soll darin bestanden haben, bei den Kreditverhandlungen als stille Reserve zu dienen. Kreuger soll bei Gesprächen und Verhandlungen baraulf hingewiefen haben, aber stets unter dem Siegelt strengster Verschwiegenheit, die er mit den großen politischen Interessen begründete, die auf dem Spiele ständen.
Der Rreuger-Skandal.
wtb. Stockholm, 16. April. (Eig. Meld.) Dagens Nyheter erfährt, man habe gestern festgestellt, daß die italienischen Staatsobligationen in einer Stockholmer Druckerei hergestellt worden sind. Durch Schristsachver- ständige wurde erwiesen, daß die Namensunter- schristen der Obligationen von Kreuger persönlich gefälscht sind. Im Geheimgewölbe Kreuger habe man die von einem italienischen Graveur herge st eilten Druckplatten gefunden. Das genannte Blatt will weiter aus wohlinformierter Quelle wissen, die italienische Gesandtschaft in Stockholm beabsichtige, sich heute an das schwedische Außenministerium wegen der Fälschungen zu wenden.
Sleuerausfall der Stabf Stockholm infolge der kreugerkrise.
Die Stabt Stockholm wird voraussichtlich infolge der Kreugerkrise von erheblichen Steuerausfällen betroffen werben. Der Kreuger-Konzern hatte in biefem Jahre noch Steuern in Höhe von 3 373 000 Kronen zu zahlen, bie jetzt wohl nicht abgeführt werben. Auch bie Steuern ber Ericssen- Gesellschast werben wohl ausbleiben. Diese unb
anbere Steuerausfälle werben der Stabt einen Ge- famtoerluft von mindestens 4 Mill. Kronen bringen.
Drei Direktoren der kreuger u. Toll-Gesellschaft , verhaftet.
Spät am Freitag abend trat eine sensationelle Wendung in ber Kreuger-Affäre ein. Nach Anzeige von ber A. B. Kreuger u. Toll und ber Prü- fungskommission verhaftete die Kriminalpolizei brei Direktoren, bie beschuldigt werden, Kreuger beim Schaffen von fiktivem Einkommen unb fiktivem Guthaben behilflich gewesen zu fein.
Doppelbeleihung von Hqvolheken.
Auch das ber schwedischen Regierung nahestehende Organ „Svenska Margenbladet" erfährt „aus sicherer Quelle", daß Kreuger Grundstücks- Hypotheken im Werte von über 100 Millionen Kronen doppelt belieben habe. Diese Hypotheken beziehen sich angeblich nicht auf den großen schwedischen Grundstücksbesitz von Ivar Kreuger, ber in der A. B. Hufvudstaden verwaltet wird, sondern auf die Berliner @runbftü(te, (hauptsächlich unter den Linden und Wilhelmstraße), die in der Inflationszeit in Keuger-Besitz übergingen. Die Machenschaften sind nach „Svenska Morgen- bladet" fo zugegangen, daß Kreuger.die hypothekarischen Wertpapiere versälfchte und später bei verschiedenen Kredtinstituten besieh.
* Dreifaches Todesurteil bestätigt. Der I. Strafsenat des Reichsgerichtes in Leipzig hat die Revision des Knechtes Felix Schieber verworfen, der am 2. Februar d. I. vom Schwurgericht Weiden (Oberpfalz) wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Schieber hatte am 19. Juli v. I. gemeinsam mit einem noch nicht ermittelten Täter, getrieben von fanatischem Haß, seinen Bruder und seine Schwägerin, die Gastwirtseheleute Schieber aus Wen- dersreuth (Oberpfalz) mit einem Beil erschlagen und schließlich auch noch, um die ganze Familie auszurotten, deren anderthalbjähriges Kind getötet.