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Zur Unterhaltung

15. Apr»

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. SS

karlchen und der VaN.

was in einem Laden passierte, erzählt von Margarete Hohmann.

Mittags, als es im Laden still war, kam Karlchen mit seiner Mutter herein. Sie suchten lange, bis sie fand, was zu brauchen war, und Karlchen bekam Langeweile. Er hatte einen sehr kleinen Ball verstohlen in der Hand und spielte vorsichtig damit, denn man war in einem Glas- und Porzellangeschäft, und eigentlich sollte er den Ball nicht mithaben.

Ganz hinten in einer Ecke des Geschäftes, wo die Emailletöpfe ihren Platz hatten, stand ein kleiner Junge, nicht viel größer als Karlchen, aber angezogen wie ein Erwachsener, d. h. mit langer biauleinener Hose und eben solcher kurzen Jacke. Er betrachtete mit glänzenden Augen Karlchen- Ball, denn er hatte im Augenblick nichts zu tun.

Karlchen schlenderte, als er dies merkte, zu dem Jungen hin und fragte leise: „Wer bist du?"

„Ich bin Peter und hier Lehrling", lautete die Ant- wort. Karlchen wollte weiter fragen: „Was ist das, Lehrling?", aber das hätte zu weit geführt, und so rollte er nur seinen Ball in den Händen und warf ihn von ungefähr nach dem Lehrling Peter. Der sing geschickt, und so kam über die Tombank und die Kochtöpfe weg, ein sehr hübsches Ballspiel zustande, was beiden Jungen, dem mit kurzen und dem mit langen Hosen, Spaß machte. Auf einmal hielt Karlchen an. „Ich bin eigent­lich schon zu groß zum Ballspielen," sagte er altwichtig, „aber die Ilse schenkte mir den Ball, und was soll man damit machen als spielen?"

„Das ist wohl deine Schwester, die Ilse?"

„Iwo", lachte Karlchen, „das ist die kleine Blonde vom Schmied an der Ecke, aber wir schenken uns manch­mal was. Der Schmied hat viel Geld." Eine kleine Pause, dann weiter Karlchen: „Hast du keinen Ball?"

Peter schüttelte den Kopf. „Ich muß hier arbeiten und habe zum Spielen keine Zeit." Und er machte ein wichtiges und unglückliches Gesicht. .

Karlchen lachte. „Was tust du denn so?"--Da

ertönte ein Ruf — „Peter" — durch den Raum. Peter schoß wie ein Pfeil davon und Karlchen stand ver­dutzt da.

Doch schon kam Peter zurück. Er trug für Karlchens Mutter einen Stapel Bratpfannen zum Verkaufstisch.

Karlchen rannte auch mit und hielt seinen bunten Ball in der Hand. Im Augenblick, als der Lehrling Peter den Stapel hinsetzte, warf Karlchen seinen Ball nach ihm. Peter fing und warf zurück, aber nun war man nicht bei unzerbrechlichen Emailletöpfen, sondern bei Glas und Porzellan, und Karlchen fing nicht ge­schickt . . . kurz, eine Nymphenburger Porzellanfigur sauste von dem Ball getroffen zur Erde . . .

Allgemeines Entsetzen . . «

„Wer hat geworfen?"

Der Besitzer des Ladens ist wütend. Peter wird be­schimpft, Karlchen steht und flennt. Er hat doch den

Ball nicht geworfen, heult er. Peter hätte ihn ge- worfen . . .

Peter ist puterrot und schweigt.

Der Ladenbesitzer ist böse, ob er nicht wüßte, daß er nicht mit Bällen werfen dürfe . . . kurz, der Herr ist sehr erregtl „Dein Taschengeld für nächsten Monat kannst du dir in den Schornstein schreiben", brummt er und geht nach hinten in den Laden. Auch Peter schleicht zu seiner gewohnten Ecke. Wenn er das versprochene Geld nicht bekommt, werden seine Mutter und Schwe- ster sehr unglücklich sein. Es ist schon aufgeteilt das Geld, bevor er es hatte, denn in der Stube und Kam­mer, die Peters Mutter mit den Kindern bewohnte, gab es alles andere als Geld. Peter ist verstört.

Karlchen weint noch immer, und die Mutter sucht nach einer Bratpfanne. Endlich, als sie damit fertig ist, fragt sie ihren Jungen: „Woher hatte der kleine Lehr­ling denn den Ball, mit dem er die Figur traf?"

„Den Ball?" fragte Karlchen erstaunt, „das war doch mein Ball," und er zog das kleine, bunte Ding aus der Tasche.

„So", sagte die Mutter gedehnt, denn es ahnte ihr, daß dies ein teurer Ball werden könnte. „Also du Schlingel hast angefangen mit Spielen, und den armen Peter läßt du jetzt im Stich und heulst bloß — geh — schäme dich."

Karlchen schämte stch also. Aber plötzlich ging er zu Peter und sagte, indem er ihm den Ball hinstreckte, „da, nimm", und die magere Hand des Vierzehnjährigen nahm die bunte Kugel und schaukelte sie hastig und mit einem verbitterten Zug um den Mund, ehe er sie in die Hosentasche verschwinden ließ.

Der Ladenbesitzer beobachtete es, und als er noch zum Ueberfluß zwei dicke Tränen in des Lehrlings Augen sah, brummte er ihm zu: „Nicht so flennig sein. Hörste? Du hattest ja nicht allein schuld, dein Taschen­geld kriegste schon."

Dar Gesicht von Karlchens Mutter aber wurde zu­sehends trüber, als sie sich der bewußten heiklen Frage näherte . . .

Der Besitzer des Ladens guckte schief . -« „es war zwar ein sehr kostbares Stück", so gestand er, „aber", und seine Miene wurde wichtig und fast vertraulich, „da die gnädige Frau solch gute Kundin wäre, könnte man sich ja einigen." Er wollte gern auch einen Teil des Schadens tragen.

Also man einigte sich, aber die ganze Angelegenheit war doch dazu angetan, diesen Laden mit Verdruß im Herzen zu verlassen.

Und als die Mutter von Karlchen ihren kleinen Sohn etwas unsanft aus der Tür schob, die der Besitzer höflich aufriß, flogen ihr zwei Gedanken durch den Sinn . . . „hätte ich doch diese Unglücks-Bratpfanne nicht gerade heute gekauft", und zweitens mit einem bösen Seiten­blick aus ihren Sohn, „nie mehr im Leben nehme ich diesen Schlingel von Buben mit in ein Porzellange- schäft."

Peter aber schlug während des Tages öfter an seine Hosentasche, wo Karlchens Ball auf die erste freie Stunde wartete.

hüte.

(Eine Groteske von Friedrich Ritter.

Schon geraume Zeit verharrte Frau Knöll vor dem Schaufenster des Hutgefchäfts. Ihr Gesicht zeigte Er­griffenheit. Herr Knöll stand daneben. Seine Miene verriet Beklommenheit.

„Ich fürchte, es wird bald regnen," bemerkte er schließlich mit verwirrtem Blick auf den blauen Him­mel, „komm, laß uns weitergehen."

„Ein Regenhut? Nein," sagte die Gattin traum­verloren, „aber da bringst du mich auf einen guten Ge­danken."

Herr Knöll zuckte zusammen.

„Ich möchte bei dieser Gelegenheit gleich einmal sehen, wie mir die neue Hutform steht . . . Beruhige dich, nicht gleich kaufen. Aufprobieren kostet ja nichts."

„Also doch", dachte Herr Knöll und schlich gesenkten Hauptes hinter der Gemahlin drein, die in freudiger Entschlossenheit durch den Eingang segelte.

Während er still die Flugmanöver der Ladenflie­gen verfolgte und sich mit dem Taschentuch Wind fächelte, wuchsen vor ihr die emsig herbeigetragenen Hüte all­mählich zu Bergen.

„Dieser vornehme breitkrempige Hut mit dem stil­vollen Schmuck würde zu mir passen."

„Gewiß, gewiß, gnädige Frau," flötete die Verkäufe­rin mit herzförmig geöffnetem Mund, „der Hut für die elegante, repräsentable Erscheinung, der Hut für Sie."

Frau Knöll war kurz und dick.

Zufrieden suchte ste weiter.

„Oder diese Jägerkappe, flott und schick?"

„Ganz recht, Gnädigste," sang der Engel hinter dem Ladentisch, „das ist's, was Sie brauchen, die Kappe der Anmut, die Kappe der reifen Jugend."

Frau Knöll war fünfundfünfzig.

Sie konnte nicht umhin, den guten Geschmack und das treffende Urteil der Angestellten zu bewundern, und beschloß, das Geschäft ihren Bekannten zu empfehlen.

Wie aus weiter Ferne schien Herr Knöll die Stimme seiner begeistert sich vor dem Spiegel drehenden Gemah­lin zu kommen:

„Sieh mal, August, wundervoll, wirklich wunder- voll!"

„Wirklich wundervoll", echote August mechanisch und blickte zu den schlanken Beinen einer Verkäuferin hin­auf, die mit wehenden Kleidern eine Leiter hinangestie­gen war.

„Na also", rief Frau Knöll erfreut, „allmählich wirst du bei diesen reizenden Sachen doch warm."

Das Aufprobieren nahm seinen munteren Fortgang, bis Frau Knöll fand, daß man nicht mehr gut ohne einen Kauf, wenigstens einen kleinen Kauf hinausgehen könne.

„Hier diesen . . . oder doch lieber jenen ,. > nein, den dort ... 15 Mark? Schön."

Sie hatte gewählt und eilte voran zur Packerin.

August richtete sich etwas auf. Es hätte schlimmer

kommen können. Er fuhr in die Tasche, prüfte fein< Barschaft und trat dann gefaßt an die Kasse.

„Hier sind die 15 Mark."

„Der Hut kostet 30 Mark."

„Wie bitte?"

„30 Mark, wenn Sie gestatten. Die Dame geruhte soeben, noch eine andere Wahl zu treffen."

Herr Knöll sank auf einen Stuhl.

Dabei gab es auf dem Sitz einen unangenehm knir­schenden Laut; denn der Unglückliche hatte eine dort stehende Pyramide übereinandergestülpter Strohhüte breitgedrückt.

„Macht insgesamt 105 Mark", sagte der Mann an der Kasse höflich. . j

Mode-Notizen.

Von Ruth Breitenbach-Berlin.

Zum besseren Nachmittagskostüm prophezeien die Modeschöpfer der Spitzenbluse aus Woll, und Baumwollspitzen, aber auch aus Seidenspitzen, eine große Zukunft. Man sieht insbesondere in den Plauener Kollektionen ganz entzückende Wollspitzenblusen für junge Mädchen, deren Preis immerhin als erschwinglich bezeichnet werden muß.

Spitzen am Hut, oft in gemeinsamer Verarbeitung mit Tüllrüschen oder auch mit den stark forcierten künst­lichen Blumen setzen sich ebenfalls immer mehr durch, überhaupt kann man von einer ausgesprochenen Rü­schen mode sprechen, die sich nicht nur im Tragen, son­dern vor allem auch in Aermelaufschlägen und Kleidbe­sätzen auswirkt. Daß die Rüschenmode auch auf der anderen Seite wieder dem Plissee zu besonderer Aner­kennung verhilft, soll nur am Rande bemerkt werden.

S t o f f s ch u h e werden für den Hochsommer auch als Straßenschuh sehr beliebt sein, nicht nur in der bekann­ten Form der Sandalen und Sandaletten, sondern vor allem auch als Opanken. Man arbeitet diese Schuhe mit Leder- oder Gummisohlen, während man den eigent­lichen Schuh aus ein« oder mehrfarbigen Stoffen, deren Grundmaterial sowohl Leinen wie Baumwolle ist, her­stellt. Der Stoffschuh dieses Sommers liebt wie die ge­samte Damenmode eine sehr lebhafte Buntfarbigkeit.

Auch die längst vergessen geglaubte Lochstickerei wird von Paris neuerdings als große Mode lanciert, man sieht ste nicht nur auf allen seidenen Geweben und Spitzen, sondern sogar auf Sport- und Strickkleidern.

Tagessprüche.

— Adel ist auch in der sittlichen Welt. Gemeine Na­turen zahlen mit dem, was sie tun, edle mit dem, was sie sind. (Schiller.) _

— Muht stets an deiner Mutter Art, du Kind der Erde, dich erinnern: Je mehr die Schale dir erstarrt, wahr' dir den flüssigen Kern im Innern! (P. Heyse.)

— Wer genau wissen will, was er selber wert ist, braucht nur zu beobachten, was er denkt und tut, wenn er mit sich allein ist, (Schönthan.)

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Die Wölfe.

Don E. van Lidth de Jeude.

Es war zu der Zeit, als die Transsibirische Eisen­bahn gebaut wurde. Langsam kam das gewaltige Werk zustande, immer weiter schoben sich die eisernen Stäbe in die dürre, unbewohnte Ebene nach Osten vor, ent­lang am Fuße der unwirtlichen Berge.

Ab und zu erreichte man eine Stadt, ein Dorf ober ein Lager von Bergarbeitern, das als Stützpunkt für die Pioniere des größten Eisenbahnbaues dienen konnte, den die Welt je gesehen hatte.

Fjodor Michaelowitsch hieß der junge Ingenieur, der gerade von der Universität gekommen war, und der sehr stolz und glücklich war über seine Anstellung beim Bau der Bahn. Er wurde stationiert bei Wasili Gregoriew, der vierzig Jahre alt war und gehärtet in schwerer Arbeit und im sibirischen Klima.

Allmählich verlegten sie den Lagerplatz nach Osten. Ihre Abende verbrachten die beiden Männer zusam­men in den zwei Zimmern, die sie in der größten Baracke des Kamps bewohnten. Dann saß Fjodor und las, oder er sang fröhliche und traurige Lieder, zu de­nen er sich selbst auf der Balalaika begleitete. Und Wasili rauchte oder erzählte von den vielen Abenteuern, die er erlebt hatte.

Meistens waren es Jagdgeschichten, von Baren und Wölfen, denn Wasili Gregoriew war ein großer Jager, und der junge Ingenieur wurde niemals müde, den Geschichten zuzuhören, denn er hatte selbst viel Jnteren? für die Jagd.

Aber von Samstagabend bis Montagmorgen roa- ren sie frei. Dann überließen sie die Aufsicht dem Ael- teften der Bahnarbeiter und gingen zusammen in die nächstgelegene Stadt. Manchmal waren das lange Schlit­tenfahrten, manchmal kurze, denn ihr Lagerplatz änderte sich fortwährend, und auch die nächstgelegene Stadt war oft eine andere.

Aber welche auch die Stadt war, immer fand Wasili dort Olga. Olga war jung und hübsch und fröhlich. Sie liebte Musik und Tanz und hatte Wasili verspro­

chen, ihn zu heiraten, sobald er genug Geld verdient haben würde.

Sie war eine Waise, und so hinderte sie nichts, langsam hinter dem Lager her zu reisen, von Stadt zu Stadt.

Wasili nahm den jungen Ingenieur fortan mit, wenn er Olga aufsuchte, und die beiden jungen Leute gefielen einander. Beide liebten sie Musik und Tanz, und wenn sie zu dreien beisammen waren, erregten die Jagdgefchichten von Wasili nicht mehr allzu viel In­teresse.

Den älteren Ingenieur ergriff allmählich eine stille, aber wachsende Eifersucht. Er wußte selbst nicht, ob ein Grund dazu vorlag, aber wie ein altes russi­sches Sprichwort sagt, braucht Eifersucht keinen festen Grund: sie wächst auf jedem Boden. Und so verwan­delte sich die Zuneigung, die Wasili anfangs für sei­nen jungen Mitarbeiter gehegt hatte, allmählich in Haß.

Der sibirische Winter ging zu Ende, und Fjodor hatte mehrfach den Wunsch geäußert, auch einmal auf die Wolfsjagd zu gehen. Eine solche Jagd erfolgte in der Weise, daß sich der Jäger In einer Hütte verbarri­kadierte, die speziell für diesen Zweck, weitab vom Lager­platz, in der einsamen Ebene hergerichtet war. Diese Hütten bestanden aus Pfählen mit Lehm und Stroh, und darüber ließ man Schnee und Wasser zu Eis gefrie­ren, was bei der herrschenden Kälte sehr schnell vor sich ging, so daß aus der einfachen Hütte ein äußerst kräftiges und widerstandsfähiges Blockhaus wurde. Der Jäger bezog bei Tageslicht die Hütte, in der nur ein paar kleine Schießlöcher offen blieben. Mit einem großen Holzblock schloß er den Zugang hinter sich. Er hatte mindestens drei Gewehre und eine große Anzahl Patronen bei sich, ferner Nahrung und Trank für vier­undzwanzig Stunden. Auf dem gefrorenen Schnee rund um die Hütte waren Fleifchstücke niedergelegt, die als Lockspeise für die Wölfe dienten. So wartete der Jäger die Nacht und die Ankunft der Wölfe ab.

Also tat eines Tages auch Fjodor. Und in der Nacht kamen die Wölfe über die Ebene. Je länger der Winter dauerte, desto ausgehungerter waren sie.

Sie waren so dreist geworden, daß sie in die Dörfer eindrangen und Menschen und Vieh anfielen. Infolge» desfen hatten die Gemeinden die Belohnung für die Ablieferung eines Wolfskopfes von drei auf sechs Rubel erhöht.

Der junge Fjodor hatte lachend zu Wasili gesagt: „Ich hoffe, daß ich hundert schieße; das Geld bekommt bann Olga für ihren Brautschatz." "

Auch Wasili hatte gelächelt, als er zum Lagerplatz zurückkehrte, aber es war ein düsteres Lächeln gewe­sen.

Während Wasili in der Nacht wach auf seinem Bett lag, dachte er an den Jäger in der Hütte. Er lauschte angestrengt auf die Geräusche, die in der stillen Nacht aus der Ferne zu ihm drangen. Hin und wieder glaubte er den Schrei von Wölfen zu hören, die Beute witterten. Aber das war kaum möglich, denn die Hütte war sehr weit entfernt. Doch es gab ein anderes Ge­räusch, das er sehr deutlich vernahm. Das war das Heruntertröpfeln des schmelzenden Schnees vom Dach. Denn in dieser Nacht begann es zu tauen. Nach einem Winter, der endlos zu fein scheint, kommt der Tau ganz plötzlich in der sibirischen Ebene.

Wasili Gregoriew kannte das Klima des Landes gut, er konnte fast genau den Tag vorausbestimmen, wann das Tauwetter eintreten würde. Er sah an den Wol­ken ,am Wind und am Ziehen der Vögel, wann es so weit war. Und wenn es einmal taute, bann ging es auch schnell. Dann schmolzen Schnee und Eis eines ganzen Winters manchmal in einer einzigen Nacht.

Wasili lächelte zufrieden, als er das Tauwasser in immer schnellerem Tempo vom Dach seiner Baracke strömen hörte.

Am nächsten Tage schien er vergessen zu haben, daß fein junger Freund nach der Hütte gegangen war, um Wölfe zu schießen, und als der Aelteste der Männer des Kamps am Nachmittag daran erinnerte, tat er, als ob er heftig erschrak, und zog sofort mit zehn Männern hinaus, um Fjodor zu befreien.

Aber das war nicht mehr nötig ... Der plötzliche Tau hatte auch die Hütte zum Schmelzen gebracht^md

was so stark wie Eisen gewesen war, das war bei Ta­gesanbruch so weich wie Kleie geworden.

Die Männer des Kamps fanden die Kadaver von zahlreichen Wölfen um den Platz, an dem die Hütte ge­standen hatte. Die Hütte war, fobald die harte Masse, aus der sie bestand, weich geworden war, von den wütenden Tieren zerstört und auseinanäergeriffen wor­den.

Und von dem jungen Ingenieur fand man nicht« mehr als seine Gewehre und ein Paar hohe Stulpen­stiefel, von gierigen Zähnen zersetzt und mit Blut be­schmutzt. ।

Bunte Zeitung.

— (Ergebnis einer Jntelligenzprüsnng in Amerika. Das Staatssekretariat für Arbeit in den Vereinigten Staaten hat eine Jntelligenzprüfung großen Stiles nach den neuesten experirnentellpsychologiischen Methoden vornehmen lassen. Und zwar ist eine mili­tärische Truppe von 90 000 Mann zu diesem Versuch herangezogen worden. Das Ergebnis ist folgendes: 4 Proz. sind hochbegabte, schöpferische Führernaturen, 8 Proz. sind Führernaturen, freilich ohne selbständige schöpferische Tätigkeit, 15 Prozent sind begabte Arbei­ter, 24 Prozent sind gute, selbständige Durchschnittsarbei­ter, 25 Prozent sind gewöhnliche Durchschnittsarbeiter, die der Anleitung bedürfen, und 7 Prozent endlich sind Leute, von denen selbst bei Kontrolle und Ueberwachung keine ersprießliche Arbeit zu erwarten ist. Uebrigens hat man die etwa 12 000 Leute dieser Truppe, die nicht gebürtige Amerikaner sind, zu einer besonderen Zu­sammenstellung zusammengesaßt. Das Ergebnis ist dann ungünstiger. Unter den Fremden gibt es nur 1 Prozent Führernaturen, aber 15 Prozent Unfähige! j

Allerlei Weisheit.

Als König Ferdinand von Bulgarien 1887 in Sofia einzog, hatte die Stadt 12000 Einwohner, heute hat sie fast 90000.

Die Kraft einer Lokomotive kommt im Durchschnitt dericnnun von 900 yocrivir ------------