Fuldaer Zertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Freitag, 15. April 1932
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt 'n* x7 im Bild' und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag
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WS. 59.
Reichsregierung schafft Ordnung.
Reichsinnenminister und Wehrrnlrüster Groener zur Lage. Braunschweig wird sich der Reichsgewalk nicht widersetzen. Die §. A.-Formationen werden aNgemein aufgelöst.
CNB. Berlin, 14. April. (Eig. Meldg.). Zu den verschiedentlich umlaufenden Gerüchten, Reichsinnenminister Groener habe gestern nachmittag eine Besprechung mit Hitler gehabt, wird vom Reichsinnenministerium erklärt, daß von derartigen Verhandlungen dort nichts bekannt ist. Anscheinend handelt es sich um eine Verwechslung. Im Anschluß an die Besprechung der Länder-Mini st er, die zum Verbot der SA. führte, hatte nämlich der nationalsozialistische Abgeordnete Hauptmann Göhring gebeten, mit dem Reichsinnenminister wegen der A u s- führungsbestimmungen zu dem Verbot der SA.- und CS.-Abteilungen sprechen zu kön- nen. Der Reichsinnenminister hat diese Unterredung abgelehnt, da er nickt in der Lage sei, mit einem Beauftragten der Partei darüber zu sprechen und hat ihn an die Länderregie- r u n g e n verwiesen.
In diesem Zusammenhang wird vom Reichs- inuenministerium auch die Behauptung zurückgewiesen, daß der braunschweigische Innenminister Klagges, das Verbot in Braunschweig nicht durch führ en wolle. Minister Klagges ist gestern nachmittag vom Reichsinnenminister empfangen worden. Es besteht nach Auffassung unterrichteter Kreise die Annahme, daß die Notverordnung in Braunschweig genau so wie in anderen Län- dern durchgeführt wird.
Das Reichsbanner und das Verbot dec SA.
cnb. Berlin, 14. April. (Eig. Meld.) Die Bundespressestelle des Reichsbanners teilt mit, daß die beschließenden Körperschaften des Reichsbanners sofort nach den Preußen- wählen zusammentreten werden, um zu der durch das SA.-Verbot geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Ein früherer Zusammentritt sei nicht möglich, da sämtliche Kräfte durch den Wahlkampf gebunden sind.
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Obwohl ,a sonst H.tler erklärt hat, daß in sei- ner Partei und m einer Bewegung nichts geschehe, was er n.cht billige und nicht wünsche, war immer d.e Verantwortung Hitlers rein formeller Natur. Allo wurde sich nach dieser Rich- tung wenig andern. Immerhin ist nicht von der Hand zu weisen, daß eine Auflösung der S A für die entlassenen Angehörigen der Privatarmee wirtschaftliche Nachteile hat Sie find zu einem erheblichen Teil von Hitler besoldet worden. Deshalb muß gleichzeitig für die Unterbringung erwerbs- und obdachloser S A - Leute gesorgt werden, indem vielleicht hier für eine Uebergangszeit die polizeiliche Fürsorge eingroift. Auch aus sozialen Gründen wird eine solche Fürsorge notwendig werden. Im übrigen sind die Machtmittel jedes Staates ausreichend, um Ruhe und Ordnung zu sichern die Staatsautorität aufrecht zu erhalten.
Hitlerjugend verboten.
. C. N. B. Berlin, 14. April. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, ist heute auch die Hitler-Jugend verboten worden. Das Verbot erstreckt sich vor- laufig nur auf den Gesamtbezirk Berlin. Es ist ledoch anzunehmen, daß auch in anderen Tei- len Preußens das Verbot für das Weiterbestehen der Hitler-Jugend ausgesprochen wird.
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war anscheinend bereits auf ein Verbot vorbereitet. Im „Angriff" Nr. 72 vom 13. lesen wir, daß sich Hitler einem auslän- üischeu Pressevertreter gegenüber wie folgt ausgesprochen hat:
, ''®®nn die Regierung die S. A. auftöfen jout», öönn wurde sie mich der Verantwortung für dieselben entheben. Ich würde dann diese 400 00 0 Mann nicht mehr wie jLßr* Uf- er me'?er Kontrolle haben und könnte nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was sie ,m Einzelfalle tun werden.«
Das Echo aus Paris.
wtb. Paris, 14. April. (Eig. Meld.) Dir Morgenpresse veröffentlicht eingehende Berichte über die Maßnahmen zur Auflösung der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, jedoch nehmen nur einige Blätter hierzu Stellung. Während der Berliner Korrespondent und der Außenpolitiker des nationalistischen „Echo de Paris" an der Aufrichtigkeit des Beschlusses zweifeln, wird er von den verständigungsbreiten Blättern Ere Novelle und L'Ordre begrüßt. Ere Novelle glaubt nicht, daß die Auflösung der SA. zu ernsten Unruhen als Vorspiel einer Anarchie führen würde, denn in Deutschland hasse man nichts so sehr als Schwäche. Am 24. April werde die Politik der Vernunft in Deutschland triumphieren. L'Ordre schreibt: Die Auflösung der Privatarmee Hitlers sei der schwerste Schlag für die nationalsozialistische Partei. Die Verordnung beweise, daß sich jeßt in Deutschland eine einheitliche Front gegen die unerlaubte Agitation und die Bürgerkriegsvorbereitungen der Hitlerbewegung ergebe.
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wtb. Kiel, 14. April. (Eig. Meldg.) Laut Polizeibericht sind die zur Auflösung der S. A. erforderlichen polizeilichen Maßnahmen in Kiel reibungslos durchgeführt worden. Am Abend zog dann eine etwa 500 Personen zählende
Menge, die sich aus Besuchern einer polizeilich aufgelösten nationalsozialistischen Kundgebung zusammensetzte, am Polizeipräsidium vorbei "in die Zeglin-Straße, wo ein Fenster des G e w e rk- schaftshauses eingeworfen wurde. Das Uebersallkommando löste den Zug auf. Abends kam es wiederholt zu kleineren Zusammenrottungen. Mehrere Personen wurden festgenommen.
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cnb. Berlin, 14. April. (Eig. Meld.). Der Herr Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Apostolischen Nuntius Monsignore Orsenigo, der ihm als Doyen des Diplomatischen Korps dessen Glückwünsche zu seiner Wiederwahl überbrachte.
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Aus Hamburg wird gemeldet: Im Zusammenhang mit der Auflösung der SA.-Heime ereignete sich nach privaten Mitteilungen ein Zwischenfall bei der Dursuchung des Gaubüros der N. S. D. A. P. Das Haus war vor dem Eintreffen der Polizei unter Tränengas gesetzt worden. Den Beamten war es deshalb nicht möglich, in die vergasten Räume zu gelangen. Man mußte dem Gas erst durch Einschlagen der Fenster einen Abzüg verschaffen. Fünf Parteiangehörige, darunter das Bürgerschaftsmitglied v. Allwoerden, wurden von der Polizei nach dem Stadthaus gebracht.
Ohne Beschönigung.
Reichsarbeitsminister Stegerwald hat, ohne der Hörerschaft Zugeständnisse zu machen, auf dem Kriienkongreß der Gewerkschaften die Lage ohne jede Schönfärberei so geschildert, wie sie sich ernsten Männern darbietet. Er erklärte im Anschluß an das gestern schon mitgeteilte zum Schluß: Die bisherige abwartende Haltung 6er, Regierung gegenüber der Frage der A r - beitsstreckung wird im Laufe des Jahres 1932 allerdings nicht beibehallen werden können. Diese Frage wird schon in nächster Zeit mit den Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu besprechen sein. Wenn sich dabei eine Einigung nicht erzielen läßt, so wird nichts anderes übrigbleiben, als eine Verkürzung der Arbeitszeit auf dem Wege der Notverordnung. Eine allgemeine Senkung der Löhne, wie man sie in breiten Arbeitnehmerkreisen befürchtet, kommt nach Meinung des Reichsarbeitsministeriums nicht in Frage. Allerdings, sind in einzelnen Gewerben und in einzelnen Gegenden noch Angleichungen notwendig. (Hört! Hört! und große Unruhe.) Denn im Januar 1927 war die Relation zwischen den Löhnen in den verschiedenen Gewerben sehr viel ungünstiger als im Dezember 1931. Von 1927 bis 1931 hat nämlich eine gewisse Angleichung der Löhne stattgefunden, und da die Notverordnung roh in diese Verhältnisse eingegriffen hat, haben wir heute ein größeres Durcheinander als im Dezember 1931. (Unruhe und Widerspruch.) Aber daraus, daß diese Angleichung wieder herbeigeführt werden sott, darf nicht ge- schlußfolgert werden, daß diese Angleichung als das allgemeine Signal für Lohnsenkungen'anzusehen sei. Jedenfalls möchte ich zum Schluß noch einmal betonen: Was zur Linderung der Not der Erwerbslosen geschehen kann, das wird vonseiten der Reichsreqierung bestimmt geschehen. (Rufe: „Abwarten!")
Auf Vorschlag des Bundesvorstandes sandte der Kongreß ein Telegramm an die gegenwärtig in Genf stattfindende Internationale A r» b e i ts ko n ferenz. In dem Telegramm wird schnellstens eine internationale Konvention mit Maßnahmen gegen die Arbeitslosennot und insbesondere die Einführung der 40-Stunden-Woche verlangt.
Der Vorsitzende Brandes verlas dann ein inzwischen eingegangenes Schreiben des Reichskanzlers D r. Brüning, in dem es heißt: „Zu meinem größten Bedauern bin ich in letzter stunde genötigt, meine Zusage, auf der heutigen ^ung Ihres Kongresses persönlich zu erscheinen, rückgängig zu machen. Dringendste dienstliche Ge- !<hafte zwingen mich hierzu. Ich bedauere es aber auf das lebhafteste, da das Programm ihrer 7-OMNg, insbesondere die Frage der Arbeitsbeschaffung, mein größtes Interesse erregt, die Ausfassung der Regierung besonders zu diesem Programmpunkt nicht persönlich darelgen zu können. Der Reichsarbeitsminister Stegerwald hat meine und der Reichsregierung Vertretung übernommen. Meine besten Wünsche für den Verlauf Ihres Kongresses begleiten die Tagung. Mögen ihr reiche Erfolge für die Arbeitnehmerschaft be= schieden sein." (Unruhe.)
Nach der Rede des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald ging der Krisenkongreß des A.D.G.B. zur Debatte über. Mit stürmischem Beifall begrüßt, ergriff auch der preußische Ministerpräsident Braun das Wort, um zu erklären, daß auch die preußische Regierung mit Sorge die Entwicklung der Wirtschaftslage verfolgt habe und auch nach Maßgabe der vorhandenen Mittel versucht habe, der Arbeitslosigkeit entgegenrnwirken. Bei der Größe der Not müsse jetzt mit öffentlichen Mitteln eingegriffen werden. Leider bestehe aber ein Zusammenhang zwischen Wirtsckaft und Staatsfinanztzn. In dem Maße, wie die
Wirtschaftskrise sich verschärfe, gingen auch die Einnahmen der öffentlichen Hand zurück, so daß auch die öffentlichen Arbeiten eingeschränkt werden müßten. Wohl gebe es notwendige Arbeiten und auf der anderen Seite arbeitswillige Arbeitslose. Wie aber könne man die Mittel beschaffen, um beide zusammenzubringen? Alle vorhandenen Mittel müßten also zur Ankurbelung der öffentlichen Wirtschaft angewendet werden, die e>ne Ankurbelung der Privatwirtschaft zur Folge haben werde. Außerdem aber sei eine Anleihe- verständigung mit dem Auslande notwendig. Auf eine Reparationslösunq brauche man damit nicht zu warten, das Reparationsproblem sei bereits gelöst, und zwar dadurch, daß Deutschland einfach nicht zahlen kö n n e. (Lebhafte Zustimmung.) Mit dem Schlagwort: „Wir müssen uns wieder hochhungern" sei nichts erreicht. Bei dem „H u n - gern" denke jeder nur immer an den Anderen. (Heiterkeit und Zustimmung.) Durch Lohndrückerei werde man auch nicht leistungsfähig, sondern ruiniere nur den Binnenmarkt. Deshalb müsse, sobald die innerpoiltischen Entscheidungen gefallen seien, ohne Rücksicht auf die Außenpolitik die Arbeitslofenfrage zunächst durch die Kürzung derArbeitszeit angegriffen werden. Der Redner betonte, daß er in dieser Forderung noch über die der Gewerkschaften hinaus- gehe und eine noch radikalere Kürzung als die auf die 40-Stundenwoche verlange. (Lebhaftes Sehr richtig!) Darin sehe er die einzige Möglichkeit, auch die unselige politische Verhetzung und politische Krisenzeit zu beenden. (Stürmischer Beifall.)
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ERB. Berlin. 14. April. (Eig. Meld.) Die neuerlich aufgestellte Behauptung über eine neue Verfügung des Reichsfinanzministeriums, durch die die Verwertung von beschlagnahmten Schmuggelgut geregelt werden soll, trifft nicht zu. Es ist Vorsorge getroffen, daß von der Vernichtung von Schmuggelgut abgesehen wird. In geeigneten Fällen kann solches Gut nach Zustimmung des Reichsfinanzministeriums an Wohlfahrtseinrichtungen abgegeben werden.
Zur Rede Grandis.
Die Rede Grandis auf der Abrüstungs-Konferenz hat in allen Konferenzkreisen starken Eindruck hinterlassen. Besonders stark scheint die Wirkung auf T a rd i e u gewesen zu sein, der sofort nach der Rede unter Hinzuziehung der Sachverständigen seiner Delegation eine Besprechung mit den französischen Pressevertretern veranstaltete. Die Rede wird bei den Delegationen, die sich für einen positiven Erfolg der Abrüstungskonferenz einsetzen, warm begrüßt. Das von Deutschland immer wieder geforderte Prinzip der Sicherheit durch Abrüstung hat in diesem Programm der italienischen Regierung realen Ausdruck gefunden. Von der Abrüstung würde, wenn die italienischen Vorschläge angenommen werden, ein umfassendes System der wichtigsten Faktoren auf dem Gebiete der Rüstungen getroffen. Zum erstenmal werden hier von einem Siegerstaat konkrete Vorschläge über die Abschaffung der schwersten Angriffswaffen durch Zerstörung der Waffen und des Materials gemäß dem Vorbild der Friedensverträge gemacht. Sehr wirkungsvoll waren die Ausführungen Grandis über das sogenannte Potentiel de Guerre, das nach italienischer Auffassung für die Berechnung der Offensivkraft eines Staates nicht entscheidend in die Wagfchale fällt. Der wiederholte Hinweis auf die Friedensverträge als Vorbild für die Durchführung einer allgemeinen Abrüstung war sehr eindrucksvoll.
Anfrag Radolnys in Genf.
wtb. Genf, 14. April. (Eig. Meld.) Botschafter Nadolny unterbreitete heute vormittag der Abrüstungskonferenz den Antrag, daß Artikel 1 des Konventions-Entwurfes eine genauere Formulierung im Sinne einer stärkeren Betonung des Abrüstungsgedankens erhalte. Aufgabe der Abrüstungs-Konferenz fei nach deutscher Auffassung nicht die Begrenzung, sondern die Herabsetzung der Rüstungen. Der deutsche Antrag wird vorn Präsidium der Konferenz an den Hauptausschuß zur Behandlung weiter gegeben werden.
Die GeschDsordmmil in Wutzen.
Der neue Ministerpräsident in Preußen kann nur dann gewählt werden, wenn sich eine absolute Mehrheit für ihn findet. Das ist der Sinn und Zweck des Beschlusses, den am Dienstag der Preußische Landtag, und zwar ebenfalls mit absuluter Mehrheit faßte. Es war kein Sieg der Koalition, obwohl die Reqierunasvarteien allein die Mehrheit hatten und bei der Abstimmung aufbrachten.
Es ging auch nicht um den Fortbestand der Weimarer Koalition, ebensowenig um die Erhaltung des jetzigen Preußen-Kabinetts. Für das Zentrum einzig und allein war ausfchlag- aebend die Ueberlegung, daß nach diesen Wahlen nur ein» Regierung gebildet werden kann und darf, welche hinter sich eine Mehrheit des Parlaments hat und dadurch jede Garantie bietet, daß eine sachliche und geordnete Arbeit geleistet wird.
Das Zentrum kann es niemals zulassen, daß sich eine ausgesprochene M in d e r h ei t s r e g ie- r u n g bildet, die in diesem Falle rechtsradi- k a l wäre, zusammengesekt aus Nationalsozialisten und Deutschnationalen. Mit allen Mitteln müssen mir verhindern, daß Nationalsozialisten und Deutschnationale allein einen Ministerpräsidenten stellen könnten, was eben immer dann möglich gewesen wäre, wenn der Kandidat dieser Parteien
in dieStichwahl gekommen wäre. Durch die beschlos. sene Aenderung der Geschäftsordnung ist das aber für die Zukunft unmöglich gemacht. '
Das preußische Zentrum hat übrigens in voller Uebereinstimmung mit der Reichsparteileitung gehandelt.
Man hätte die Sache schon viel s r ü h e r in Ordnung bringen sollen.
Die obstruierenden Parteien, ausgenommen die Hugenberg - Hitler - Thälmann - Front, also Christlich-Soziale, Landvolk, Wirtschaftspartei und große Teile der Deutschen Volkspartei waren heilfroh, daß der Landtag noch die Kraft hatte, diese Aenderung der Geschäftsordnung zu beschließen. Zu einer anderen Zeit wären sie bestimmt auch für diese Aenderung ein« getreten, denn auch sie lehnen eine Diktatur der Harzburaer Front mit uns ab. Die beschlossene Aenderung ist nur zu Gunsten dieser Gruppen rechts vom Zentrum auszulegen. Denn dadurch kommen sie jetzt in die Möglichkeit, mit dem Zentrum zusammen eine Verbreiterung der Regierungsbasis in der Zukunft zu schaffen, dadurch ist ihnen der Anschluß an eine starke Mitte bei der Regierungsbildung erst praktisch ermöglicht worden. So haben sie den Schlüssel in die Hand bekommen, um entscheidend bei der Regierungsbildung mitzuraten und mitzutaten.
Hugenberg freilich redet von „Schiebung"; das gleiche tut die „Kasseler Po st". Ihnen beten auch manche gemäßigte Rechtsparteiler im Lande nach. Sie wissen nicht, was sie tun.
Was er gern möchte.
Hugenbergs wunschlraum, der nicht erfüllt werden wird.
Der Parteiführer der Deutschnationalen Volkspartei Dr. Hugenberg erläßt zur Preußenwahl einen Aufruf, in dem er eingangs die Reichspräsidentenwahl als ein verzweifeltes Manöver der „schwarz-roten" Koalition bezeichnet, die geglaubt habe, ihrem Parteiregiment durch eine Persönlichkeitswahl eine Stütze schassen zu können. Die entrüstete Antwort des Volkes (?) auf die „unerhörte Schiebung mit der Geschäftsordnung des Landtags", (es bandelt sich um einen zweckmäßigen legalen Beschluß, über den man sich nur am deutschnationalen Stammtisch aufgeregt hat) müsse und werde fein, daß das Volk eine glatte Mehrheit der Deutschnationalen und Nationalsozialisten wähle. (So von allen guten Geistern verlassen wird das Volk sicher nickt sein.) Dann beginne Säuberung und Wiederaufbau, (will beißen: einseitiges Parteiregiment nach dem "Muster der Zeit des Drei-Klassen-Wahlrechts). . Nur die Stimmabgabe für die kleinen Splitter- und Mittelparteien gefährde die Erreichung des großen Zieles und schaffe Unklarkeit und Entschlußlosig- feit.
(Stimme gegen Hitler.
Die Sozialdemokratische Partei eröffnete in Königsberg den Wahlkampf mit einer Kundgebung in der Stadthalle, an der etwa 1500 Personen teil« nahmen. Es sprach u. a. Kultusminister Grimme. Trotz des Sieges vom 10. April, so erklärte er, verlöre er nicht das Gefühl, daß die entscheidungsvollste Stunde Deutschlands noch bevor st ehe. Der Kampf sei nicht nur ein Kampf um Preußen, sondern ein Kampf um Deutschlands Schicksal. Wir stünden vor dem Endkampf zwischen der politischen Vernunft und Hitler. Noch niemand habe erfahren, was die Nationalsozialisten e i g en t- l i ch für Z iele hatten. Er ging ein auf Röhm, wandte sich bann gegen den Chefredakteur des „Völkischen Boebachters" Rosenberg und seine Stellungnahme zu den Frauen und zerpflückte den Rassebegriff, wie er von Günther dargelegt werde.
Zu Hitlers Selbstbiographie erklärte er: „Im Bewußtsein dessen, daß ich als Minister hier vor Ihnen stehe, der verantwortlich ist für die Höbe der deutschen Kultur, muß ich sagen: Daß das Volk der Dichter und Denker und einer der edelsten der Literaturen der Welt hinter einem Manne herläuft, dessen Ungeistigkeit, Verworrenheit und Hohlheit in dieser Selbstbespiegelung aus jeder Zeile spricht, ist unerträglich, physisch unerträglich. Daß der, der das geschrieben, nicht längst durch ein schallendes Gelächterum all feine Wirkung gebracht worden ist, werden spätere Geschlechter nicht begreifen."
Auf einen Zuruf aus der Versammlung: „Die ganze Studentenschaft ist nationalsozialistisch!" ant« roortet Grimme, dies sei nur zu bedauern.
Die Kommimislenhilse für Hiller.
Die KV. schreibt:
Wir lassen dem Nationalsozialismus das Der- gnügen, sich über die zwei Millionen Stimmen zu freuen, die er beim zweiten Wahlgang über das Ergebnis des ersten Wahlganges hinaus für Hitler buchen konnte. Denn wir wissen, daß unter diesen Stimmen sich kommunistische Stimmen de» finben, bis bem Nationalsozialismus einen Auftrieb geben wollten, um damit die bolschewistische Revolution zu fördern. In Moskau hat zwischen den beiden Wahlgängen eine eingehende Ausspr ach e im Exekutivkomitee der k o m m un i st i s ch e n I n t e r-n ot i o n a I e übet die kommunistische Taktik in Deutschland stattgefunden. Man hätte am liebsten auf die Kandidatur Thälmann verzichtet und Parole für Hitler ausgegeben, konnte es aber nicht, weil es die Massen nicht verstanden hätten. So hat man für die Massen Thälmann wieder ausgestellt, während der innere Kreis der Bolschewisten Hitler wählte, um dadurch die revolutionäre Welle anschwellen zu lassen. Wer so wie Hitler die Hoffnung der Bolschewisten ist, kann