FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 84
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well m Bild" und ..Buchenblätter" Rotationsdruck und Bering Ser Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- •: feifuna 3153 Fuldaer «rfienSrurFerei 3151 und 3152 ::
Dienstag, 12. April 1932
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Iflhrg. 59.
Eine Million Deutscher mehr als die Hälfte aller Abflimmenden haben ihm die Stimme gegeben. — Hitler erhielt Zuzug von den Linksradikalen und von den Hugenberg-Anhängern.
Schon um 10.30 Uhr wußte man nicht nur, daß Hindenburg gewählt war, sondern auch wie die Stimmenzahlen aussahen.
Das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl lag diesmal verhältnismäßig früh vor: Das Ergebnis entspricht in bezug auf den Ausgang, namentlich insoweit die Stimmenzahl für Hindenburg in Frage kommt, den gehegten Erwartungen, denn es ist ein Zuwachs der Hindenburg- Stimmen um über 700 000 eingetre- t e n. Daß auch' Hitler einen Stimmenzuwachs erreicht hat, war vorauszusehen, denn von den StimmenderDüsterberg-Wähler mußte ihm ein gewisser Teil zufallen, nachdem sich eine Reihe prominenter Persönlichkeiten aus diesem Lager, vor allem der E x k r o n - Prinz, der mit Genehmigung seines Vaters, des Exkaisers, gehandelt hat, für eine solche Entscheidung eingesetzt hatte. Das erklärt aber nicht allein die Vermehrung der Hitler-Stimmen um reichlich 2 Millionen; da Thälmann gleichzeitig über 1.1 Milk ion Stimmen verloren hat, kann man zu der Annahme gelangen, daß ein Teil der Kommunisten im Hinblick auf die A u s- sichtslosigkeit der Kandidatur ihres Führers ihre Stimmen dem nationalsozialistischen Kandidaten zugeweiidet haben, zumal ja der Prozeß gegen den früheren Reichs- Wehr-Offizier Scheringer aufs Reue die Tatsache erhärtet hat, daß „Extreme sich berühren".
Hindenburg hat im zweiten Wahlgang nicht nur die vorgeschriebene relative, sondern auch die absolute Mehrheit erlangt und u m m e h r a I s eine Million Stimmen überschritten. Dieses Ergebnis wäre ohne die Splitterkandidaturen schon im ersten Wahlgang erreicht worden. Und zwar hätte die vorliegende Stimmenzahl für Hindenburg auch bei der st ä r - k e ne n Wahlbeteiligung des ersten Wahlganges — die Differenz beträgt 1,3 Millionen Stimmen, die weniger abgegeben wurden, die Wahlbeteiligung betrug 83,2 gegen 86,2 Prozent — für diese absolute Mehrheit hingereicht.
. 3 n 31 von den 35 Wahlkreisen ist die Ziffer für Hindenburg gewachsen; in vier weiteren ist sie, allerdings nirgends mehr als rund 1 Prozent, also weniger als die Differenz der Eesamtwahlbeteiligung beträgt, zurückge- g a n g e n. Hitler hat in sämtlichen Wahlkreisen einen Zuwachs zu verzeichnen, mit Ausnahme von Oberbayern-Schwaben, wo ein kleiner Rückgang eingetreten ist. Die Thälmann-Stimmen sind in allen Wahlkreisen stark zurückgegangen, zum Teil um mehr als ein Drittel.
U eb er d e n d u r ch schni tt lich en Zuwachs hinaus hat Hindenburg Stimmen gewonnen in Ostpreuße n, Potsdam I, Frankfurt a. O., Pommern, Liegnitz, Oppeln, Thüringen, O st Hannover, Niederbayern, Chemnitz-Zwickau, Württemberg und Mecklenburg. Der Zuwachs Hitlers ist besonders stark in Berlin, Potsdam I und II, Pommern, Thüringen und Dresden-Bautzen, das heißt in großen Städten, wo die Agitation in den letzten Wochen besonders heftig war.
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Auch Hugenberbergs „T. 11." schreibt:
Die Wahlmathematiker sind der Ansicht, daß die rund zwei Millionen Stimmen, die Hitler gegenüber dem 13. März mehr erhalten hat, sich'zu etwa % aus ehemaligen Duesterbergwählern zusammen,setzen, während die restlichen ' 500 000 nach Auffassung in Regierungskreisen von kommunistischen Wählern stammten. Die Zahl derjenigen Duesterberg-Wähler, die sich der Stimme enthalten haben, wird auf eine halbe Million geschätzt. Die restlichen 500 000 Duesterbergwähler werden für Hindenburg verbucht.
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Vis das amtliche Gesamtergebnis festgestellt ist, dürfte noch eine Woche vergehen. Zunächst haben nun die Wahlkreisleiter das ihnen von den Gemeinden übersandte Material zu prüfen und das amtliche Wahlergebnis festzustellen, das dann dem Reichswahlleiter zugesandt wird. Sobald der Reichswahlleiter von allen Wahlkreisen die endgültige Zahl erhalten hat, findet die Ablchluß- sitzung des Reichswahlausschusses statt. Voraussichtlich wird diese Verhandlung in den ersten Tagen der folgenden Woche erfolgen. Nach den Feststellungen des amtlichen Gesamtergebnisses für das Deutsche Reich richtet der Wahlleiter an den gewählten Kandidaten von Hindenburg die Frage, ob er die Wahl annehmen wolle. Mit dem Tage der amtlichen Verkündung des Gesamtergebnisses und der Annahme der Wahl beginnt die neue Wahlperiode des Reichspräsidenten von Hindenburg.
Eine interessante staatsrechtliche Frage ist die, ob Reichspräsident von Hindenburg noch einmal den Eid, den der Reichspräsident bei Beginn feines Amtes vor versammeltem Reichstag obzulegen hat, schwören muß. In unterrichteten Kreisen wird gesagt, daß sich die nochmalige Eidesleistung erübrigen dürfte.
Hindenburg an das deutsche Volk.
Eine Kundgebung des wiedergewählten Reichspräsidenten.
wtb. Berlin, 11. April. (Eig. TNeld.) Reichs- präfidenk von Hindenburg erläßt aus Anlaß feiner Wiederwahl folgende Kundgebung an das deutsche Volk:
„Wil Dank für das mir von dem deutschen Volk erneut bekundete vertrauen und mit dem Gelöbnis, auch weiterhin mit meiner ganzen Kraft dem Vaterlande und dem deutschen Volke zu dienen, nehme ich die auf mich gefallene Wiederwahl zum Reichspräsidenten an. © e f r e u meinem Eide werde ich mein Amt weiterführen i m ©ei^er der U ebe rp ar t e ilich kei t und der Gerechtigkeit mit dem festen willen, unserem Vaterlande zur Freiheit und Gleichberechtigung nach außen, zur Einigung und zum Ausstieg im Innern zu verhelfen. An alle deutschen
IRanner und Frauen aber, an diejenigen, welche mir ihre Stimme gaben, wie an die, welche mich nicht gewählt haben, richte ich die Wohnung:
Laßt nun den hader ruhen, und schließet die Reihen! So wie schon einmal bei meinem Amtsantritt vor 7 Jahren fordere ich auch heute unser ganzes Volk zur Witarbeik auf.
Die Zusammenfassung aller Kräfte ist notwendig, um der Wirrnisse und Röte unterer Zeit Herr zu werden. Rur wenn wir zusammen st ehe n, sind wir stark genug, um unser Schicksal zu meistern. Darum:
In Einigkeit vorwärts mit ©off!
Berlin, den 11. April 1932.
gez. von h indenburg.
Der Reichspräsidenk ersucht den Kanzler, im Amt zu bleiben.
ERB. Berlin, 11. April. (Eig. Meld.) Reichskanzler Dr. Brüning bot, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, heule nachmittag, der Gepflogenheit entsprechend, dem Reichspräsidenten die Demission des Kabinetts an. Reichspräsident von Hindenburg ersuchte den Kanzler, von dieser Demission abzusehen.
Glückwünsche des österreichischen Bundespräsidenten.
wtb. Wien, 11. April. (Eig. Meld.) Bundes- Präsident Niklas hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg nachstehendes Telegramm gerichtet: Ich bitte Euer Exzellenz, zu der Wiederwahl zum Reichspräsidenten, durch welche das unerschütterliche Vertrauen, das die große Mehrheit des deutschen Volkes in Ihre Ehrfurcht gebietende Person setzt, zu neuem Acksdruck gelangt, meine aufrichtigsten und wärmsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. Mit diesen verbinde ich den tiefempfundenen Wunsch für Ihr persönliches Wohlergehen und für eine glückliche Zukunft des deutschen Volkes.
Das Ausland.
wtb London, 11. April. (Eig. Meld.) Die Wiederwahl Hindenburgs wird von der englischen Presse mit Genugtuung und E r - l e i ch t e r u n q begrüßt.
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wtb. Paris, 11. April (Eig. Meld.) Die französischen Blätter unterstreichen besonders den Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten. — Dies ist deshalb erklärlich, weil die französischen Chauvinisten die Hitler-Stimmen nötig haben, um auch bei den französischen Wahlen die Nationalisten in die Höhe zu bringen und den Dölkerhaß als Voraussetzung für Rüstungs-Industrie und Militarismus am Leben zu erhalten.
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wtb. Wien, 11. April. (Eig. Meld.) Die österreichischen Margenblätter geben ihrer Freude über die Wiederwahl Hindenburgs Ausdruck.
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wtb. Jtero Pork, 11. April. (Eig. Meld.) Das Ergebnis der Reichspräsidenten-Wahl wird in Amerika mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen.
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„Daily Telegraph" erklärt, die Hitler- Leute sind, abgesehen van unklaren Versprechungen, daß unter ihrer Herrschaft allen Deutschen Wohlfahrt und Glück beschieden sein würde, für den Sturz der Republick und die Verleugnung des Versailler Vertrages eingetreten.
Ihre Erfolge sind zweifellos ein Haupthindernis auf dem Wege der internationalen Befriedung gewesen, von der jede Regelung der Schwierigkeiten Europas abhängt. Hat dieser Erfolg jetzt seinen Höhepunkt erreicht? Die Zunahme der Stimmen Hitlers ist nur auf den erwarteten Zuwachs deutschnationaler Stimmen zu- rückzusühren. Bei dieser Wahl hat Hitler somit eine zweite schwere, vielleicht nickt wieder gutzumachende Niederlage erlitten. Seine Bewegung beruht nur auf dem maßlosen Appell an die menschlichen Leidenschaften und hat nichts in sich, was in der Stunde der Niederlage treue und gläubige Menschen zu fesseln vermag.
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Das polnische Blatt „Kurjer Warszawiki" glaubt, daß der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten nicht nur durch die Deutschnationalen, sondern auch durch kommunistische Stimmen erklärt werden müsse. Im übrigen vertritt es die französische Ansicht.
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„E ch o d e Paris" sagt, mit einer Beruhigung in Deutschland sei vorläufig nicht zu rechnen.
Das Blatt Daladiers, „La Republique" will aus dem gestrigen Wahlergebnis die Hoffnung schöpfen, daß Deutschland allmählich seine Ruhe und sein Gleichgewicht wieder finden werde. Man werde zwar weiterhin mit sehr vielen „deutschen Ungewißheiten" zu tun haben. Aber die Parteien der Ordnung hätten in einer kritischen Stunde gesiegt und dazu müsse man sie beglückwünschen.
„Ouotidien" schreibt; Die Ursache der wirtschaftlichen Wirren, unter denen Deutschland so grausam leidet, gehen auf eine Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes zurück. Sie werden nicht durch den Mißerfolg der Nationalsozialisten gelöst. Frankreich muß die Zuckungen dieses gro- Ken Landes, das nach seiner Stabilität sucht, sorgfältig verfolgen. Die Wahl ist nur eine be,zeichnen de Episode einer Evolution.
„Ouevre" gibt seiner Genugtuung Ausdruck, daß Hitler trotz eines Stimmenzuwachses von zwei Millionen doch eine Niederlage erlitten hat. Allerdings stellt das Blatt fest, daß die nationale Opposition sich wieder zusammengefunden habe
Das besonders nationalistisch eingestellte Coty - Blatt „Figaro" schreibt bezeichnender Weise: Der wahre Sieger von gestern ist Hitler. Eine brutal-ernste Lehre ist denen erteilt worden, die in Frankreich das Auseinanderfallen der Hitler-Bewegung prophezeit und versucht hatten, uns Deutschland als ein Land hinzustellen, das jeder abenteuerlichen Politik abgeneigt ist.
Arleil im Scheringer-Prozeß.
wtb. Leipzig, 11. April. (Eig. Meld.) Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts verkündete heute mittag im Scheringer-Prozeß folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen eines fortgesetzten Verbrechens der Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit einem fortgesetzten Vergehen gegen das Republik-Schutzgesetz zu einer F e st u n g s - haft st rase von 2 Jahren 6 Monaten verurteilt. 6 Monate der erlittenen Untersuchungshaft werden ihm voll angerechnet.
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Scheringer, ursprünglich trotz seiner Zugehörigkeit zur Reichswehr in der Nationalsozialist. Agi
tation tätig, war während seiner Festungshaft zur kommunistischen Partei übergetreten und hatte sich werbend in dieser Partei betätigt.
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wtb. Oldenburg, 11. April. (Eig. Meld.) Zn Burhave bei Nordenham kam es gestern nachmittag zu Streitigkeiten zwischen National- soziallsten und Mitgliedern der Eiser- nen Front. Ein Nationalsozialist zog einen Revolver und schoß einen Reichsbannermann, den Arbeiter Pauls aus Einswerden, eine Kugel in den Kopf. Pauls wurde auf der Stelle getötet
Die Preußen-Wohl.
18 Listen.
VDZ. Berlin, 11. April. (Eig. Meld.) Di- Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen sür die preußische Landtagswahl ist jetzt abaelaufen. Beim preußischen Wahlleiter, dem Präsidenten beim preußischen statistischen Amt, sind insgesamt 18 Wahlvorschläge zur Neuwahl des Preu- ßenpaillaments am 24. April eingegangen. Ob alle diese Vorschläge zugelassen werden und in welcher Reihenfolge sie auf dem Abstimmungs- schein erfcheinen. stellt noch nicht fest. Die Entscheidung darüber fällt der Landesausschuß der unter dem Borfitz des Landeswahlleiters am kom-
Immer noch Zltaffenfunbe von Leichen Gefallener.
Wie dem „Matin" aus Amiens berichtet wird, sind im März bei Ausgrabungen die Leichen von 9 7 deutschen und 91 französischen Soldaten aufgefunden worden. 22 deutsche und 50 französische Soldaten konnten identifiziert werden.
menden Mittwoch zusammentritt. Der Landes» walllciussclli'ß bestellt außerdem aus Beisitzern, die aus den größten 6 Parteien gestellt werden. Jede Gruppe, die bisher im Landtag vertreten war, mußte in einem Wahlkreis 500 Unterschriften auf« bringen, um einen Wahlvorschlag einreichen zu dürfen. Der Wahlkreisleiter hatte dann zu prüfen, ob gegen diese Unterschriften nach den Bestimmungen d»s Wallsgesetzes nichts einzuwenden fei. Die 18 Listen für die kommende Preußenwahl »eigen die al-llche ^ersvl'lleruna. die sich schon bei den lebten Landtagswahlen bemerkbar gemacht hat. Insbesondere hallen auch die Vertreter der polnischen Minderheit wieder einen Wahlvor- "chlag eingereicht. doch ist kaum anzunellmen, daß bei dem erhöhten Walllguoftenten von 50 000 eine der SbUttergruppen Aussicht auf die Erlangung eines Mandates fiat. Es ist deshalb zwecklos, die Namen der übrigen Splitterparteien zu nennen, ehe der Landesausschuß entschieden hat, ob sie überhaupt zugelassen werden, ,i
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wtb. Remyork, 11. April. (Eig. Meld.) Die Newporker Times schreibt, kein Ereignis der neueren deullchen Geschichte sei für Deutschland und hie übrige Welt von solcher Bedeutung wie di« Wie. bekohl Hindenburgs zum Reichspräsidenten Sie bestätige, daß die Mehrheit des deutschen Volkes entschlossen die Republik erhalten wolle. Allerdings dürfe über diese Genugtuung angesichts des Sieges Hindenburges nicht vergessen werden, daß die finanziellen und politischen Pr-- bfe-me meiferheftehen. Hillers Niederlage beseitige nicht die Gefahr seiner Bewegung. Harald Tribüne führt aus, das Wahlergebnis dürfe für Deutschland u. die Welt ein Anlaß zur Genugtuung sein, umsomehr, als über die Hälfte der deutschen Wähler der Ansicht fei. daß die Rettung ihres Landes mit vernünftigen Mitteln und nicht mit denen der Verzweiflung erfolgen müsse.
..Er" und fein ..FlugZM'ZeldM."
Ein Hitler-Interview über das Wahlergebnis.
CNB. London, 11. April. (Eig. Meld.) Der Sonderkorrespondent des „Daly Expreß" meldet aus Münch-m, Hitler habe ihm in einem Interview über das Wahlergebnis erklärt: Ich habe meine Stimmenzahl um mehr als 2 Millionen erhöht. I ch hatte nur meine eigenen Stimmen in dem Wahlfeldzug gegen 10 Parteien. I ch führe meinen Triumpf restlos auf die Tatsache zurück, daß i ch trotz meines scheinbaren Rückschlags im 1. Wahlgang nicht kapituliert habe. Ich will zugeben, daß meine Wahlmannschaften nach der ersten Schlacht teilweise entmutigt waren. Mein Flugzeugfeldzug hat neues Vertrauen geweckt und zu diesem neuen Siege geführt.
Hitler fügte hinzu: jetzt würden seine Bemühungen den Landtagswahlen in Bayern und Preußen gelten. Aus die Frage, auf welchen Umstand er das erhebliche Sinken der kommunistischen Stimmen zurückführe, erwiderte Hitler: Nach den Berichten unseres Nachrichtendienstes hat Moskau der KPD. Befehl gegeben, für Hindenburg zu stimmen. Dies würde die Zunahme der für Hindenburg abgegebenen Stimmen erklären. Ich selbst bin fest überzeugt, daß keine Kommunisten für mich gestimmt haben.
Hitler ist sicherlich noch von manchen anderen Dingen überzeugt, die ein kühler politischer Kopf für ganz ausgeschlossen hält. Allgemein ist die Ueberzeugung, daß die Kommunisten, die an neuer Unordnung stärkstens interessiert sind, nickt dem Mann der Ordnung, Hindenburg, sondern dem Führer der „nationalen Revolution" Hitler die Stimme gegeben haben.
Aus dem fernen Osten.
wtb. Tokio, 11. April. (Eig. Meld.) Da die Lage in Schanghai besser geworden ist, hat der Marineminister beschlossen, die japanischen Ma- tineabteilungen aus Schanghai zurückgerufen. Die erste Abteilung wird heute Schanghai verlassen.