NILS
Ar. 83 Beilage zur Fuldaer Zeitung 10. April.
Zweiter Sonntag nach Ostern.
Gingangslieb: Ps. 32, 5—6.
Don des Herren Erbarmen ist übervoll die Erde, alleluja; durch das Wort des Herrn sind die Himmel geschaffen, alleluja, alleluja (ebb. 1). Freuet euch, ihr Gerechten, im Herrn; Gottes Lob ist des rechten Mannes Pflicht.
Gpisiel: 1 Petri, 2, 21—25.
Eeliebteste! Christus hat für uns gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit auch ihr in seine Fußtapfen tretet. Er hat keine Sünde begangen, und in seinem Munde sand sich kein Trug. Er schmähte nicht wieder, da er geschmäht wurde, und drohte nicht, da er litt, sondern überließ sich dem, der ihn ungerecht verurteilte. Er trug am Kreuze unsere Sünden an seinem Leibe, damit wir, der Sünde abaestorben, der Gerechtig- feit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Ihr gleichet ja verirrten Schafen; jetzt aber habt ihr euch bekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.
Evangelium: Iah. 10, 11—16. Jesus, bet gute Hirt.
Der gute Hirt.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium
Ein jeder Christ sollte als Gefolgsmann Christi ein guter Hirt sein, nicht nur die Eltern, die Lehrer, die Seelsorger, diese zwar in erster Linie und ganz besonders, sondern ein jeder Mensch, der mit anderen etwas zu tun hat. Und das haben wir ja alle. Guter Hirt sein heißt, im Geiste Christi für einander einstehen.
Wenn ein kleines Kind trotzig ist und sich in seinem Trotz auflehnt, dann gilt es, es recht zu führen. Das ist nicht immer leicht. Einen Draht kann ich biegen, wie ich ihn haben will; ein Mensch aber ist etwas Lebendiges. In der Erziehung geht es darum, den menschlichen Willen im Geist der Guten zu formen. Das trotzige Kind soll sich nicht nur im Augenblick unterwerfen, sondern es soll auch in ihm Einsicht geweckt werden, daß seine Unterwerfung um der Ordnung willen notwendig ist-
Ein Hirt kann auch seine Herde mit lautem P e i t« schengeknall und Gepolter Zusammenhalten. Aber keiner wird ihn dann einen guten Hirten nennen. Eine zufammengeschreckte Herde ist nicht gut geweidet, sie ist unruhig und verstört. Ein poltriger Erzieher, ein aufgeregter Vater oder eine zornige Mutter, wirken nicht anders. Ihr Kind wird nicht gut geleitet, es wird störrisch und verzogen werden. — Aber auch der ist kein gutkr Hirt, der seine Herde auseinanderlaufen läßt, so daß sie am unrechten Platz weidet. Es ist ein lässiger Hirt, der seine Pflicht nicht achtet. Mit den Menschenhirten ist es nicht anders. Da gibt es Eltern, die ihre Kinder verzärteln und verwöhnen, die dem Willen des Kindes gehorchen, statt daß das Kind ihnen gehorcht. Sie sehen gleichsam dem Kind jeden Wunsch am Auge ab und täten viel besser, das Kind an Handreichungen unb Dienste für sich zu gewöhnen. Und da wundern sie sich später, wenn so ein Kind als Erwachsener sie verschmäht.
Der gute Erzieher läßt seinen Zögling nicht aus der Hand. Er ist kein Mietling. Auch ein Mißerfolg in seiner Erziehungskunst macht ihn nicht mutlos.
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Er sinnt immer wieder, wie er dos Kind gewinnen kann. So ein junger Wille will gelenkt sein wie ein Bäumlein am Pfahl. Das Bäumlein wächst ganz langsam, bis es eines Tages sich selbst frei halten kann. Dann ist es erwachsen. Auch der Mensch reift Jahr um Jahr. Bei guter Führung richtet sich sein Wille nach oben. Freilich muß oft ein Band um das Stämmlein gelegt werden, aber dafür ist ja auch der Gärtner da! Wird eine Unart des Kindes nicht mit der nötigen Geduld bekämpft, so verbirgt sich der junge Mensch umso mehr. Man meint oft, das Kind müsse alles richtig machen, und verlangt von ihm Gehorsam, Genauigkeit, Zuverlässigkeit — und ist aufgebracht, wenn das Kind einen Fehler macht. Manche Erwachsene gebärden sich als Erzieher so, als seien sie selbst ohne jeden Fehler. Und dabei sind es nur ganz wenige Menschen, die ohne Sünde gelebt haben. Von Gott sollten wir Vaterschaft lernen. Er lehrt uns weise Führung. Welcher Mensch hätte nicht schon in einer stillen Stunde sich eingestehen
müssen, daß eine milde Vaterhand über ihm waltet. Gott hat Geduld mit uns, er wartet bis wir uns zu ihm wenden. Auch er muß auf unseren guten Willen bauen, haß wir uns langsam ihm zuwenden.
Der gute Hirt leitet die Menschen zum göttlichen Vater. Er zeigt dem jungen Menfchen, daß die Gebote und Gesetze Gottes nur Hilfe sind zu einem friedvollen und glücklichen Menschsein. Aber es ist oft nicht nur da» Kind, das dieser Führung bedarf. Auch viele Erwachsene sind verirrte Schafe, die in der Hast des Alltags mutlos geworden sind. Auch ihnen soll man helfen durch ein gutes, verstehendes Wort. Ost liegt es viel weniger am guten Willen, als an der Mutlosigkeit. Das ist beim Kind genau so. Statt zu poltern, sollten wir versuchen, dem Kind Mut zum Ausitieg zu machen. Ein freundliches Wort vermag oft mehr als harte Strafe, wenn es die Einsicht und den Willen trifft. Auch ein mißratenes Kind sollten wir in Liebe zurückzugewinnen suchen. Auch dazu ist der göttliche Hirt Voroild.
Zum Wahlkampf.
Don Friedrich M u ck e r m a n rt S. 3.
In einem Augenblick, in dem alle unsere Sorge der Linderung der Wirtschaftsnot dienen sollte, führen wir einen Wahlkampf, der mit all seinen trüben Begleiterscheinungen^ die Hauptbedingung gesunder wirtschaftlicher'Entwicklung zerstört, nämlich das Vertrauen. In einem Augenblick, der das deutsche Volk in vollkommener Einheit hinter den Vertretern seiner auswärtigen Politik sehen sollte, wird Haß und Zwietracht gesät. In einem Augenblick, in dem sich die schwere Stimmung über dem Lande steckenweise schon zu Verzweiflung verdichtet, wird mit der Parteigeißel auf die armen Menschen losgeprügelt, als wäre das Leben ohnehin noch nicht schwer genug. Dieser Wahlkampf ist ein Irrsinn, ein Unglück, eine Iranische Sache. Nur gezwungen nimmt das Volk ihn auf, nicht in der Lage, das Unvermeidliche zu ändern. Nur eins können wir tun. Wir können die unheilvollen Folgen, die er der Nation bringen wird, mildern. Wir können uns vornehmen, defen Wahlkampf so zu führen, daß immerfort das todwunde, bedrängte Vaterland und die leidende Bevölkerung uns dabei vor Augen steht.
Wir werden uns darum erstens vor jenem lähmenden Pessimismus hüten, der schon wie eine Seuche um sich greift. Wir wissen von Brüning, daß er seine wirtschaftlichen Maßnahmen mit den leitenden Männern berät und das Menschenmögliche tut. Wir wissen ebenfalls von ihm, daß er seine Pläne nicht vorzeitig ausplaudert und bisher immer noch einen Ausweg gefunden hat. Es hat gar keinen Sinn, daß nun Hinz und Kunz sich hinstellen und große Wirtschaftstiraden loslassen, schon deshalb nicht, weil der Riesenkomplex dieser Fragen nur von einer so zentralen Stelle aus, wie die des Kanzlers es nun einmal ist, überschaut werden kann. Brüning hat uns die Wahrheit nicht vorenthalten. Er hat keine schnellen Prophezeiungen ausgesprochen. Aber er hat doch selber das Vertrauen, daß er es schaffen werde Mehren wir dieses Vertrauen, so schwer es uns ankommt. Iamm-rn wir nicht über die Opfer, die nun einmal gebracht
werden müssen. Es geht bei uns immer noch besser als in manchem anderen Lande. Die Zeit naht doch mit Riesenschritten heran, in der die Staatsmänner der Welt einsehen müssen unb von ihren eigenen Völkern zu ber Einsicht gezwungen werden, daß es mit den Methoden des Mißtrauens so nicht weitergehen kann. In diesen Dingen entscheiden nicht die Gemütsstimmungen. Es entscheiden einzig die Ziffern. Und diese Ziffern verschlechtern sich in der ganzen Welt mit nur wenigen Ausnahmen so, daß sie eine Lösung erzwingen. Aus einem besonderen Grunde sei hier hingewiesen auf das Problem der Balkankrise und auf jene Versuche Frankreichs, die Reparationsfrage mit den Donaufragen zusammenzukoppeln. Man widerstehe troß vielleicht winkender vorübergehender Erleichterungen jeder Versuchung der Finanzen wegen wichtige nationale Interessen preiszugeben. Kein wirtschaftliches Opfer darf uns zu groß fein, wenn damit die Freiheit der Nation verbunden ist.
Zweitens tun unb sagen mir nichts, was u n - fers außenpolitische Lage erschweren könnte. Lassen wir die nun einmal notwendig gewordenen Parteikämvfe im Lande, machen wir sie aber nicht zu Ervortartikeln. Es ist des deutschen Volkes unwürdig, wenn Parteiführer da verhandeln, wo einzig die bestellten Vertreter des Ge» samtvolkes eine Stimm« haben. Keine Nation würde das dulden, was wir in den letzten Jahren erduldet haben. Auch hier fei auf einen besonderen Punkt aufmerksam gemacht. Es ist im Auslände — dort habe ich es gehört — auf gefallen, daß unsere offiziellen Telegraphenbüros gewisse außenpolitische Aeußerungen dieses oder jenes, der einstweilen nicht ber vom Volk berufene Leiter der Außenpolitik ist, in derselben Tonart unb in ber gleichen Weise verbreiten, als stäuben solche Aeußerungen an Bebeutung benen des verantwortlichen Kanzlers durchaus nicht nach. So etwas ist unerhört unb sollte von ber gesamten national empfindenden Presse aufs schärfste abgelehnt werden. Keine Parteirebe dürfte jetzt im Inneren gehalten werben, bie auch
Die Gewalt als nationalsorlaWsches Znslrament.
Von Dr. Hans R o st, Westheim bei Augsburg.
Eine wesentliche Eigenschaft des Nationalsozialismus ist das in Wort und Tat zur Schau getragene Moment der Gewalt und der Drohung. Diese Haltung ist daraus zu erklären, daß der Nationalsozia- lismus in Anlehnung an den italienischen Faschismus die Unfehlbarkeit zu seinem Hauptdogma erklärt hat. Alles was der Nationalsozialismus schreibt, spricht, behauptet, das ist glatthin die Wahrheit, das ist unfehlbar das Heilmittel zur Lösung aller Uebel. Wer diesem System mit Beweisgründen widerspricht, der ist einfach der Feind, der niemals recht haben darf und recht haben kann, weil eben die Führer des Nationalsozialismus keine andere Meinung als nur die ihrige dulden. Es ist nationalsozialistischer Grundsatz, daß jeder Gegner schlecht gemacht werden muß, weil eben nur das Gewaltsystem des Nationalsozialismus die Wahrheit in sich bergen darf. Hitler hat diese Haltung zum Lehrgrundsatz feines Systems erhoben, indem er in seinem Buche: Mein Kampf (S. 200) schreibt: „Sowie durch die eigene Propaganda erst einmal nur der Schimmer eines Rechts auf auf der anderen Seite zugegeben wird, ist der Grund zum Zweifel an dem eigenen Rechte schon gelegt." Das ist die Lehre von der Unfehlbarkeit des Nationalsozialismus in einer solchen Brutalität und Unwahrhaftigkeit zum Ausdruck gebracht, daß bei dieser Auffassung jeder wissenschaftliche und logische Meinungsaustausch zu den Dingen der Unmöglichkeit gehört. Aus diesem Lehrsatz Hitlers spricht eine Gewalttätigkeit, die jedes menschliche Zusammensein z e r st ö r t und die die Haltung der in diesem Sinne erzogenen und beeinflußten nationalsozialistischen Kreise erklärlich macht.
Dieser Satz zeigt, daß an Stelle des freien und sachlich begründeten Austausches der Meinungen die Gewalt und die Unmög- lickmachung des gegnerischen Standpunktes selbstverständlich geworden ist. Daher arbeitete die nationalsozialistische Bewegung schon bn Anfang mit rohen Mitteln, indem zusammengeschlagene Stuhlbeine, Niespulver, Tränengas, das Blasen auf Kinderpseifen an die Stelle geistiger und wissenschaftlicher Diskussionen traten, um ja „keinen Schimmer eines Rechts" auch auf der anderen Seite zugeben zu müssen. Dieses Prinzip der Gewalt hat dann seine Erweiterung im Laufe der nationalsozialistischen Entwicklung erfahren, indem alsbald die Drohungen mit dem Tode aufkamen und in der Sprache und in der Vorstellungs- welt des Nationalsozialismus eine wachsende Rolle spielten. Hitler selbst sprach zu wiederholten Malen vom Rollenlassen der Köpfe, was er jetzt seit längerer Zeit Nicht mehr tut, nachdem eventuell eine Verantwortung
an ihn herankommt. Aber seine Spießgesellen haben in ihre Phantasie und in ihr Zukunftsprogramm den Mord als selbstverständlichen Punkt eingeschaltet. Der Abgeordnete Strasser sprach davon, daß „wir bis an die Knöchel im Blute waten werden, wenn wir daran kommen." Der Abgeordnete Stöhr will ganze Hanf- fabriken in Funktion setzen, damit sie genügend Stricke fabrizieren können, um die Gegner am Galgen baumeln zu lassen. Andere Nationalsozialisten haben höhnisch und gefühlsroh erklärt, daß es bei Anbruch des neuen Reiches ganz unblutig zugehen werde, weil niemand erschossen werde, sondern weil nur aufgehängt werden würde. Das schwere Problem des Marxismus und Kommunismus lüft der Nationalsozialismus auf die einfachste Weise von der Welt, indem jeder sofort an die Wand gestellt wird, der „Heil Moskau" ruft ober in diesem Geiste verharrt. Und der Abgeordnete und ehemalige protestantische Pastor Münchmeyer erklärt in feinen Versammlungen, daß alle Pfarrer, Bürger- meister, usw. für die Vergeltung im Dritten Reiche vorgemerkt wurden, die sich der nationalsozialistischen Bewegung entgegenstellen. Die sitt- liche Berechtigung zu diesen Drohungen nimmt Münchmeyer, der am 19. Mai 1928 fein Pfarramt unter Verzicht auf die Rechte des geistlichen Standes niederlegen mußte, aus feiner Verurteilung am Schöffengericht in Emden vom 7. Mai 1926 her, wo festgestellt wurde, „daß Münchmeyer sich wiederholt an Frauen heranmachte und sie sich teils unter Ausübung eines unzulässigen Druckes, teils, indem er sich als reichen Kaufmann ausgab, gefügig machen wollte, und daß ein solcher Geistlicher den Namen eines Geistlichen nicht verdient, sondern daß er sich gefallen lassen müsse, wenn er als falscher Priester bezeichnet wird."
Solche falschen Propheten gibt es viele im Nationalsozialismus, und das Moment der Gewalt ist eines ihrer Hauptbeweismittel. Die Einrichtung der SA.-Leute im Nationalsozialismus hat nur den Zweck, einmal ihnen auf Grund ihres Parteibuches ein bezahltes Amt zu ver. schaffen, wogegen dann ihre Gegenleistung in der mit Gewalt und Drohungen arbeitenden Ueberwachung aller Nichtnationalsozialisten besteht, in der polizeilichen Aufrechterhaltung dieser modernen Stationen des Geßler- hutes, der jeden mit dem Tode bedroht, der ihn nicht mit hundemäßiger Knechtsgesinnung grüßt. Die Sozialdemokraten hatten jahrzehntelang den schönen Spruch, und sie haben ihn auch nicht selten verwirklicht: Und willst du nicht mein Bruder fein, so schlag ich dir den Schädel ein! Die Nationalsozialisten haben den schönen men- schensteundlichen Spruch: Wer sich uns nicht absolut
beugt, der wird an die Wand gestellt. Diese eventuelle Praxis ist schon im alltäglichen Sprachgebrauch ber Nationalsozialisten so geläufig geworden, daß sie zum Allheilmittel nationalsozialistischer Erlösung gehört. Ein kleines Beispiel aus dem Leben veranschaulicht diese Tatsache. In Eichstätt grüßten eine Anzahl von Knaben den Prälaten Wohlmuth, den Führer ber Bayerischen Dolkspartei im Landtag. Nur einer tat dies nicht. Gefragt antwortete er: Der wird an die Wand gestellt, wenn wir siegen! Daß solche Dinge vorkommen, ist ganz selbstverständlich, nachdem die Führer die Parole des Mordens durch das Köpferollenlassen und bie Galgenpraxis oft und immer wieder in bie betörten Massen hineinsuggeriert haben.
Die Methode des Nationalsozialismus huldigt in ber ausgesprochensten Weise ber Gewalt. Betrachten wir die Einstellung zur katholischen Kirche an einem ganz konkreten Beispiel. Als die republikanisch-bolschewistische Regierung in Spanien die Jesuiten aus dem Lande vertrieb und ihr Eigentum beschlagnahmte, da war die ganze nationalsozialistische Presse voller Freude über diese Beraubung ber persönlichen Freiheit und des privaten Eigentums, unb es wurde in den nationalsozialistischen Zeitungen triumphierend ausgerufen, daß hoi- fenltich bald der Zeitpunkt käme, wo es der Nationalsozialismus ebenso machen würde. Was ist da für ein Unterschied zwischen den Methoden des Bolschewismus unb denen des Nationalsozialismus? Oder wenn am Tage ber Hindenburgwahl einem katholischen Buchdruk- kereibesitzer in der Oberpfalz allen Ernstes bedeutet wurde, daß am Tage ber Hitlerwahl zum Reichspräsidenten feine Druckerei für den Nationalsozialismus beschlagnahmt würde — ja würden es denn bie Kommuni. niften anders machen? Oder wenn ber Völkische Beobachter dem Kardinal von München droht, im Dritten Reiche habe er keine Möglichkeit mehr, seine Ansicht über Krieg unb Frieben im Sinne unb nach ber Lehre ber katholischen Kirche zum Ausdruck zu bringen, ober wenn Hitler dem Arthur Hinter gegenüber erklärt, baß bie katholische Kirche nichts zu lachen habe, wenn er einmal an bie Macht tarne. Sinb solche Drohungen nicht Auswüchse einer nie bagewesenen Geistes- knechtschaft und Herabwürdigung des freien deutschen Mannes in bie Sklaverei einer Parte i d i k t a t u r, bie ber aus seinen Individualismus stolze deutsche Mensch nur mit Bürgerkrieg und Strömen von Blut beantworten würde? Dieser Angriff auf bie persönliche Freiheit geht sogar soweit, daß selbst Hitler es sich gefallen lassen muß, daß im Berliner Sportpalast Dr. Goebbels erklären konnte, baß jeder ein gemeiner Lügner und Lump sei, der behaupte, Hitler sei römisch katholisch. Denn man muß in einer solchen ungewohnten Bekenntnisfeststellung vor aller Welt einen Gewaltakt erkennen, der darin besteht, es Hitler für immer unmöglich zu machen, sich gelegent-
nur den geringsten Zweifel darüber ließe, daß wir nach außen hin ein einig Volk von Brüdern sind, selbst wenn wir uns irrsinnigerweise im Innern beinahe die Köpfe einschlagen.
Drittens sollten wir jene Kräfte noch immer mehr wecken, die in dieser Stunde unserer Geschichte den Ausschlag geben. Es sind d i e Kräfte der Seele, der Mut und das Vertrauen. Die Zeit selber zwingt uns, um. zulernen. Auch bei uns hatte sich die Idee verbreitet, die Arbeit sei der Mensch und der Mensch die Arbeit. Im Grunde ist das eine materialistische Auffassung, weshalb denn der Materialismus vollkommen am Emde ist, wenn der Mensch keine Arbeit im wirtschaftlichen Sinne des Wortes mehr hat. Wir haben nie so gesthrt. Wir wif« sen, daß das Ziel des Menschen im ^Jenseits liegt. Ist er auf dem Wege dahin, so ist er auf dem rech- ten Wege, ob er Arbeit hat oder nicht. Mit dem besten Willen sind wir nicht imstande, ihm Arbeit zu versprechen, denn die Tage der Not können noch lange dauern. Wohl aber haben wir auch dem Erwerbslosen noch etwas zu sagen. Sein Schicksal ist schwer, aber es ist nicht hoffnungslos. Wir haben gerade im Wahlkampf entdeckt, welche Kräfte noch im katholischen Volke schlummern. Wir haben das deutliche Empfinden, daß jene Menschen, die aus der Idee derEwig- keit heraus leben, die einzigen find, die dasDeutfchland von heuste noch tragen. Ach, wie sind sie dahingegangen, die Gröber, die Schofer, die Mallinckrodt, die dieses im Volke zu wecken wußten. Sie und da- bingeggngen, jene Männer, in denen Volkstum und Religion, Partei und Nation einen wunderbaren Bund geschlossen hatten. Wie dem auch sei, diese Kräfte sind es, in denen all unsere Hoffnung liegt Mußte es uns nicht innerlich beglücken,
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wenn mir sahen, wie etwa auf den Versammlungen die Mässen des katholischen Volkes zusammen- strömten, wie die Jugend mit ihren Fahnen in die Säle einzog, wie über all der Not und Verzweiflung sich doch das Lied der Lebensfreunde von den Lippen löste? Wir haben diese Kräfte noch, und gerade sie wollen wir im Wahlkampf lebendig machen und die blöde Demagogie den andern überlassen, deren Wortgeprassel jedem vernünfti- gen Menschen auf die Nerven geht.
So ist die Lage: Im Weltkrieg kam es nach guten Zeugnissen aus dem andern Lager schließlich darauf an, wer die letzte halbe Stunde aushielt. Wir sind noch immer im Welt, krieg, um Tod und Leben geht er auch heute noch. Es wäre jammervoll, wenn wir jetzt versagten und die Geduld verlören. Um bie halbe Stunde wird es gehen, in der die deutschen Nerven denen der andern überlegen sind. Wir werden sie aushalten, diese halbe Stunde, nicht wahr?
lich wieder als Bekenner der katholischen Kirche zu erklären.
Es ist für den ruhigen Beurteiler des nationalfo- zialistischen Gewaltfystems sehr schwer, einen Unterschied gegenüber den marxistischen Methoden zu erkennen. Der bekannte Nationalökonom Werner Sombart hat einmal in einem Buch über den proletarischen Sozialismus hervorgehoben, daß das Wesen der marxistischen Propaganda in dem Herunterreißen und Schlecht- machen des Gegners bestünde. „Es wird", schreibt Sombart, „den Gläubigen des Marxismus die Ueberzeugung beigebracht, daß ihre Welt sich schars von der Welt der anderen unterscheidet, daß sich drüben im Lager der bürgerlichen Welt nichts befindet als ein Haufen von Unrat, von Mißwirtschaft, von Plunder, von Gemeinheit, von Niedertracht und Bösartigkeit und Hinterlist, kurz gesagt, daß die nichtproletarische Welt des Teufels ist." Dieses Programm des Marxismus gleicht in ber Methode dem de» Nationalsozialismus wie ein Haar dem anderen. Man erinnere sich des Eingangswortes von Hitler, daß man nicht den Schimmer eines Rechts dem Gegner zu- gestehen dürfe. Oder man lese das Rezept nach, das Hitler in seinem Buche vom Kamps (S. 384-85) als Wegweiser für die nationalsozialistische Propaganda geschrieben hat: „Die Zukunft unserer Bewegung wird bedingt durch den Fanatismus, ja durch die Un- bulbfamfeit, mit der ihre Anhänger sie als die allein richtige vertreten und allen andern Gebilden ähnlicher Art gegenüber durchsetzen". Diese absolute Unfehlbarkeit des Nationalsozialismus, die jeden Gegner und jede andere Meinung mit unbedingter Unduldsamkeit niebcrtnüppelt, muh ganz folgerichtig zu dem „Nur Wir"-Prinzip führen, muß zur Anwendung von Gewalt und Drohungen in jeder Form fsihren, do eben die Grundsätze und Meinungen des Nationalsozialismus das Einzige find, was Wahrheit ist, die deshalb blind und unterwürfig angebetet werden muß. Die Parteidiktatur ist das Höchste, was es auf der Well gibt. Deshalb muß die Gewalt allem anderen gegenüber das einzige Instrument fein, um zum Ziele zu gelangen, auch wenn der Inhaber dieser Gewalt ein zwanzigjähriger SA.-Mann ist, auch wenn die führenden Männer wie Rosenberg heute vom ganzen Protestantismus und Katholizismus als vollendete Neuheiden' entlarvt sind, auch wenn ein Mann wie Goebbels, der sich in der Rolle des Robeswierres gefällt, als deutscher Charakter nicht den Mut zum Austritt aus der katholischen Kirche findet, zu der er als Exkommunizierter längst nicht mehr gehört. Wahrlich, wenn man die Methoden und die Technik des nationalsozialistischen Kämpfens in Erwägung des ganzen Gefarnteindrucks ruhig betrachtet, so wird man dem Dichter Thomas Mann nicht unrecht geben können, wenn er den wahren Satz geprägt hat. daß der Nationalsozialismus die Emanzipation der Roheit ist.