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Fuldaer Zeitung
2ln]eiger für die Stadt Julda und den Landkreis Aulda. Amtliches Kreisblatt.
I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wei, I
'm Bild und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I __* nr _
»er Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- I BOtltlCtSfßO« 7. 1932
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Mehr als 18 Millionen für Hindenburg!
Das Ergebnis vom 13. März mutz am 10. April übertroffen werden. Das ist für Deutschlands Volk das wichtigste Ziel.
Reichskanzler Brüning sprach am Dienstag abend in der Stuttgarter Stadthalle vor etwa 10 000 Personen, darunter Staatspräsident Dr. Bolz, Iustizminister Dr. Beyerle und Oberbürgermeister Dr. Lautenschläger.
■3^01 Schluß seiner Rede, die immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen wurde, erklärte der Kanzler, es sei an der Zeit, daß das gegenseitige Vertrauen in die politische Stabilität der Staaten wieder Platz greife. Wenn Hindenburg am 10. April mk weitaus größter Stimmenzahl gewählt werde, dann sei die Bahn frei für die Außenpolitik die von der Reichsregierung bezüglich der Reparationsfrage und der Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern schon lange vorbereitet sei. Hindenburg sei die Grundlage für das Glück und die Freiheit kommender Generationen. Mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und den Reichspräsidenten und dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde die Versammlung ae- schlossen.
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. .. Dle Hauptgeschäftsstelle der Hindenburgaus- ichüsse teilt mit: In der Spitzenorgan isa- tion der parteipolitisch neutralen Beamtenschaft im Deutschen Beamtenbund war es nach dem Wahlausfall am 13. März zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Frage gekommen, ob der Bund als solcher eine Wahlparole für Hindenburg ausgeben sollte. Nachdem aus Gründen der satzunamäßig geforderten Neutralität von einem solchen Beschluß Abstand genommen wurde, tritt setzt eine größere Anzahl von Fachverbänden des Deutschen Beamtenbundes mit einem gemeinsamen Aufruf zur Wahl Hindenburgs vor die Oeffentlich- keit. Dieser Aufruf ist unterzeichnet vom Reichs- verband der Post- und Telegraphenbeamten, vom Verband preußischer Polizeibeamten, vom Beam- en-Zentralverband, von der Gewerkschaft der Ei- senbahnfnhrbeamten, den Organisationen der Gendarmeriebeamten, den Landjägerbeamten, der Weichensteller, außerdem vom Katholischen Lehrerverband, den Arbeitsgemeinschaften der norddeutschen, der süddeutschen und der mitteldeutschen Polizeiverbänden und anderer Organisationen.
In dem Aufruf heißt es: „Es geht für die Beamtenschaft um ihre Rechte, die sie in jahrelangem Ringen erkämpfen mußte. Lernt aus den Vorgängen in Braunschweig, wo man den Poli- zeiboamten das Koaliticmsrecht rücksichtslos und ohne jeden stichhaltigen Grund genommen hat!" Weiter heißt es in dem Aufruf: „Hindenburg ist nicht Repräsentant einer Partei, er ist der Repräsentant des deutschen Volkes, er ist der Kandidat aller deutschen Staatsbürger und Volksgenossen, die den inneren Frieden in Deutschland wollen. Organisationstaktische Ueberlegungen und Parteirücksichten müssen in diesem Kampf ausgeschaltet bleiben. Wir rufen deshalb im Bewußtsein unserer vollen Verantwortung der deutschen Beamtenschaft zu: „Am 10. April jede Stimme für Hindenburg!"
Hitlers Prlvat-Armee.
_ , Der preußische Minister des Innern veröffentlicht eine Mitteilung über das bei der Haussuchungsaktion bei der NSDAP, beschlagnahmte Material. In dieser Mitteilung heißt es zu Anfang: Nationalsozialisten entfalten nach einheitlichen genauen Richtlinien in ihrem sogenannten Nachrichtendienst eine Spitzeltätigkeit, tote sie nicht umfangreicher gedacht werden kann. Das Schwergewicht dieser Tätigkeit liegt bei dem „Referenten I c" der Untergruppen (Gaustürme), denen besonders bestellte Nachrichtenwarte bei den Standarten (Regimentern der S. A.) und Sturmbannern (Bataillone) als Hilfsorgane zur Verfügung stehen. Nach einem Befehl dieser Abteilung Ic der Untergruppe (Division) Ostmark in Frankfurt a. O. vom 2. Februar 1932 hat sich das Nachrichtenwesen „auf jede Tätigkeit befreundeter oder sympathisierender Verbände, auf die Tätigkeit des Staates und seiner sämtlichen Organe, wie Regierung, Polizei, Reichswehr sowie auch die Tätigkeit der Gegner" zu erstrecken.
Dabei spielt die Ausspähung der Polizei, namentlich der Schlj^polizei, eine Hauptrolle. In Berlin, Köln, Hamborn, Oberhausen, Essen, Wuppertal ^Altona, Harburg-Wilhelmsburg zum Beispiel sind genaue bis ins Einzelne gehende Aufstellungen über Stärke, Gliederung,' Ausrüstung und Bewaffnung der Polizei, über Namen, Anschrift und politische Einstellung von Offizieren und Beamten der Schutzpolizei, auch der Politischen Polizei usw. gefunden worden, die nach übereinstimmend gegliederten Fragebogen aufgestellt sind. Von zentraler Parteistelle wird monatlich der „Nachrichtendienst" .in verschiedenen Unterteilen, z. B. „Information über den Gegner K. P. D." oder Information über den Gegner S y- stem" herausgegeben.
Die Polizei erfreut sich indes nicht nur der Aufmerksamkeit des nationalsozialistischen Nachrichtendienstes, mitunter wird sogar nach kommunistischem Vorbild offeneZersetzungsar-
b ei t betrieben. Auch hierfür werden verschiedene Beweisstücke angeführt. In einer in Hannover gefundenen Aufzeichnung über den Hergang einer Führerbefprechung werden als meldepfltchtige Gegenstände bezeichnet:
1. Bahnschutz, Panzerwagen, Bahnfunkanlagen, 2. Postfernleitungen, Pöstfunkanlagen, 3. Flughäfen, 4. Flußübergänge über Elbe und Weser.
Als Nachrichtenmittel werden in einem in Stettin aufgefundenen Plan aufgezählt: 1. Meldegänger, Meldereiter, Kraftradfahrer und Kraftwagen; 2. Leucht- und Signalmittel; 3. Brieftauben; 4. Meldehunde; 5. Flugverbindungen; 6. Fernsprechverbindungen: 7. Funkverbindungen.
Schon seit geraumer Zeit ist ein über das ganze Reich sich erstreckender Relaisdienst festgestellt worden, der die Verbindung mit sämtlichen wichtigen Führerstellen für die Reichsleitung sichern soll. Di- Leitung liegt in der Hand des beL der Obersten SA.-Führung eingesetzten „Inspekteurs der M o t o r st ü r m e und -staffeln", der die Ingangsetzung des Relaisdienstes jeweils durch ein besonderes geheimes Stichwort anordnet. Das zu- letzt bekanntgewordene Stichwort lautete bezeichnenderweist: „Großmutter gestorben. Max." Die Ausbildung im Blinken, die „mit aller Macht vorzunehmen ist", wird in einer am 5. März 1932 von der Untergruppe Nordmark erlassenen Anweisung behandelt. Neber die Herstellung und Inbetriebnahme von Kurzwellensendern ist verschiedenes bekanntgeworden. Neuerdings wird der Aufstellung besonderer Spezialformationen Gewicht beigelegt. Pioniere und Minenwerfer sowie ehe
malige Flieger werden auf Anforderung der höheren SA.-Einheiten namhaft gemacht.
Es folgen In der Mitteilung Meldungen einzelner Stürme an die sogenannten Sturmbanne, in denen Leute für die Stoßtrupps als M. - G. - Schützen und Motorradfahrer benannt werden. Auffälliaerweife find kurz vor dem Termin für den ersten Wahlgang der Reichs- präfidentenwahl noch eine Reihe anderer Anordnungen getroffen worden, die auf beschleunigte Einkleidung, auf Verproviantierung der S. Ä., auf Beschaffung von eisernen Rationen und auf Vorbereitung von Massenguartieren gerichtet sind. Sodann werden die vorgesehenen drei Alarmstufen für die S. A. und der Dienst am Wahltag behandelt, für den angeordnet wird: Die Stürme haben sich am 13. März 1932 wie folgt auszunisten: Verpflegung für zwei Tage, ordentliches Schuhzeug, Dienstanzug verpackt lin tadelloser Ordnung), Tournister oder Rucksäcke (Schlafdecke), Handtuch, Seife und was dazu gehört.
Am 12. März 1932 war der Polizei in Berlin eine Mappe mit Schriftstücken in die Hand gefallen, in der Verpflichtungsscheine zweier S. A.» Leute gefunden wurden, die handschriftlich ausgefertigt waren und folgenden Inhalt aufroiefen; „Ich verpstichte mich, über den Dienst am 12. März 1932 gegenüber jedermann Stillschweigen zu bewahren und den Dienstort nicht zu verraten." Bei der Durchsuchung eines nationalsozialistischen Büros am 17. März 1932 in Berlin wurden Skizzen über bie Lagerung von Bahnschutzwaffen auf dem Gelände des Potsdamer Güterbahnhofs, am
Hindenburg in denkwürdigem Augenblick.
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2tm Deutschen Eck begrüßte der Reichspräsident die herrlichen Gaue, die unfcjr seiner präsident- fdjaff von der Knechtschaft befreit wurden.
Schöneberger Ufer, gefunden, die durch genaue Beschreibung der Möglichkeiten, wie man dieser Waffen habhaft werden könne, ergänzt wurden.
Besonders aufschlußreich in dieser Beziehung ist eine viele Seiten lange bis in die kleinsten Einzelheiten sich vertiefende Ausarbeitung über den „G e n e r o l m o b i l m a ch u n as p l a n" stir die lebenswichtigen technischen Betriebe der Stadt Wiesbaden. Der Plan regelt die militärische Besetzung der Gas-. Wasser- und Elektrizitätswerke sowie der Verkehrsbetriebe und die Sicherung und Inbetriebnahme unter bestnderer Leitung der nationalsozialistischen Betriebsstellenorganisation. Von Bedeutung ist auch die gegebenenfalls geplante Unbrauchbarmachung gewisser Wasser Zuleitungen durch Äbleiten ober Zusatz von Anilinfarben zur Beun. ruhig ung streikender Arbeiter.
Das von der preußischen Regierung veröffentlichte Material über nationalsozialistische Pläne wird von allen Morgenblättern ausführlich besvro- chen.
Die Blätter, die den preußischen Regierungsparteien nahestehen, nehmen in schärfster Form gegen diese nationalsozialistischen Pläne Stellung und bezeichnen das Eingreifen der Regierung als absolut gerechtfertigt und keineswegs übereilt. Sie fordern ein Einschreiten der Reichsregierung und betonen, daß das deutsche Volk am nächsten Sonntag diesem System die endgültige Absage erteilen wird.
. Die Germania spricht von einem „wahnsinnigen Spiel" der Nationalsozialisten, die einen Staat im Stach bildeten.
Die Vossische Zeitung warnt vor nachträglicher Pan-k. Die 3 o p n e ! ’ "; feit her Nationalsozialisten sei geradezu beispiellos in der politischen Geschichte.
Das B. T. sagt, man habe noch niemals mit so eindringlicher Deutlichkeit das wahre Gesicht dieser „legalen Truppe" gesehen, wie jetzt.
Der Vorwärts spricht von einer Armee neben dem Heere des Staates. Der Staat, der dieses dulden würde, würde sich aufgeben.
Der Börfenkurier, der betont, daß die Veröffentlichungen nur „Kostproben" feien, stellt der na- tionalfozialiftischen Partei, die 11 Millionen zähle, die Vi Million des „Braunen Heeres" gegenüber.
Die Blätter der Opposition sehen im Gegensatz Zu diesen Steuerungen in den bisherigen Veröffentlichungen noch keinen endgültigen Beweis für Putschausfichten der Nationalsozialisten. Zum Teil verweisen sie auf die Verhältnisse beim Reichsbanner und der Eisernen Front, die auch größere Abteilungen zusammengezogen hätten.
Die D- A. Z. bedauert insbesondere den Eindruck auf das Ausland. (Daran ist doch die NSDAP, fchudl, nicht die Polizei! D. Schriftltg.) Die deutschfeindliche Propaganda werde neuen Auftrieb erfahren.
Der Lokalanzeiger meint, es werde sich zeigen, inwieweit der Oberreichsanwalt wirklich einen Zugriff für notwendig halte.
Der Tag ist der Auffassung, daß die preußische Regierung, wenn alle Behauptungen zuträfen, den Oberreichsanwalt schon längst hätte zu schärfstem Eingreifen veranlassen müssen.
Vom Wahlkampf in Berlin.
Adolf Hiller
bei seiner Wahlrede im Berliner Lustgarten. Neben Hitler rechts Dr. Goebbels.
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Keine Umbesetzung wichtiger posten in der NSDAP.
wtb. München, 6. April (Eig. Meld.) Die in der Presse verschiedentlich aufgetauchten Meldungen, daß Adolf Hitler Dr. Goebbels seines Postens als Reichspropagandaleiter, Hauptmann Röhm (gegen den jetzt in aller O e f f e n t l i ch k e i t schwerste sittliche Beschuldigungen erhoben werden) seines Postens als Stabschef der S. 21., Straffer seines Postens als Reichsoracmi- fationsleiter enthoben und Dr. Frick von der Führung der Reichstagsfrakt. der NSDAP, abberufen habe, werden heute in der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz als u n r ich t i g bezeichnet.
Die Volittk der Gewalt.
politische Zusammenstöße in Chemnitz. — Vier verletzte.
Wie das Polizeipräsidium in Chemnitz mitteilt, kam es gelegentlich der Uebertragung von Wahlreden der NSDAP, durch Lautsprecher auf der Ortsstraße zu Ansammlungen und Reibereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Im Verlaus der Auseinander- setzungen wurde von Schußwaffen Gebrauch ge- macht. Dabei wurden zwei Nationalsozialisten verletzt.
Bei einem Zusammenstoß zwischen Reichsbanner- leuten und Nationalsozialisten in der Vorstadt Glösa ind zwei Reichsbannerleute durch Schüsse verletzt wor- den.
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3n einer Nürnberger Siedlung wurden sieben Nationalsozialisten, die dort Wahldrucksachen verteilten, von politischen Gegnern angerempelt und mißhandelt. Zwei Nationalsozialisten erhielten hierbei erhebliche Ver- letzungen. Aus dem gleichen Anlaß kam es nachmittags neuerdings zu Reibereien in der Siedlung.