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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Zum zweiten Mal: Parole Hindenburg!

Er sichert Deutschland gegen Zerfall und Ohnmacht.

Brüning sagt in Karlsruhe: Reichspräsident von Hindenburg mutz am nächsten Sonntag einen starken Stimmenzuwachs haben, damit in den autzenpolitifchen Auseinandersetzungen und Verhandlungen der nächsten Wochen eine Reichsregierung dasteht, die sagen kann» Hinter unserem Rein, hinter unserer Forderung steht nicht nnt die Mehrheit, sondern die übergrotze Mehrheit des deutschen Volkes.

Reichskanzler Brüning eröffnete den Wahlkampf zum zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl in Süddeutschland mit einer Rede in der über­füllten Karlsruher Festhalle. Nach dem Ein­marsch von etwa 3000 Mann "der erst vor einigen Tagen gegründeten Katholischen Jugendorganisa­tionenB a d e n w a ch t" erschien Reichskanzler Brüning, von der Versammlung mit minutenlan­gem stürmischem Beifall und Händeklatschen be­grüßt.

Kultusminister Baumgartner begrüßte den Kanzler namens der Versammlung und der Hin­denburg-Ausschüsse, worauf Brüning mit herzli­chen Worten dankte. Er bedauere lebhaft, daß ein zweiter Wahlgang überhaupt erforderlich und daß die Regierung dadurch in diesen Wochen außen­politisch nicht so verhandlungsfähig sei, wie es an­gesichts der schweren kommenden Entscheidungen erforderlich wäre. Solange die politische Un­ruhe in Deutschland fortbestehe, könne es kein Vertrauen in der Wirtschaft geben. Die Wahlpropaganda der Nationalsozialisten im ersten Wahlgang stelle ein System rücksichtslose- ster und verantwortungslosester De­magogie dar. In unserer Lage könne man dem deutschen Volke niemals demagogische Versprechun­gen machen, sondern nur immer wieder die Wahrheit sagen. Im Januar habe Hitler selbst die Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten für das gescheiteste gehalten. Es sei aber damals einer d a z w i - sch en gekommen, der schon früher die Karten gemischt habe, so daß die Leute, die aufgefordert wurden, die Verantwortung zu übernehmen, nicht dazu kommen konnten. Es erübrige sich, hier Na­men zu nennen. Die Reichsregierung könne je­denfalls eine Tatsache für sich feststellen: Sie habe dem In- und Auslande bewiesen, daß sie selbst in solchen Krisenzeiten, selbst bei 6 Millionen Ar­beitslosen das Volk ruhig über den schwersten al­ler deutschen Winter habe herüberbringen können. Diese Leistung habe dem deutschen Volke unter der Führung Hindenburgs in der Welt Ansehen ge­schaffen. Alles, was heute in Deutschland wirt­schaftlich gerettet sei, sei nicht mehr aufgebaut auf Privatkredit, sondern einzig und allein auf der Tatsache, daß die Reichsregierung es verstanden habe, in ungeheuerster Not die Haushalte von Reich, Ländern und Gemeinden zu sichern und dadurch allein die deutsche Währung stabil zu er­halten.

Der Kanzler fuhr fort: Ich spreche es scharf und offen aus, der Reichspräsident von Hinden­burg muß am nächsten Sonntag einen starken Stimmenzuwachs erhalten. Er muß ihn haben, damit in den Auseinandersetzungen und Verhand- lunaen der nächsten Wochen, die über deutsche Zu­kunft und deutsches Geschick auf Generationen ent­scheiden werden mit ihm und von ihm getragen, eine Reichsregierung dasteht, die sagen kann: Hin­ter uns steht nicht nur die Mehrheit, sondern die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes.

Der Kanzler wies dann in temperamentvoller Rede die persönlichen Angriffe gegen die Person des Reichspräsidenten zurück. Ich gehe in diesen Wahlkampf, so erklärte er unter stürmischem Bei­fall, weil sich in mir alles aufbäumt ge­gen die Gemeinheit der Agitation, die gegen die verehrungswürdige und historische Per­sönlichkeit Hindenburgs gerichtet wird. Ich fühle mich nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch verpflichtet, die letzte Kraft daran zu setzen, um in ganz Deutschland für diesen Mann zu kämpfen, gegen Lüge und Verleumdung, die Tag für Tag erneut gegen ihn geschleudert wer­den. Würde es ein anderes Land in der Welt ge­ben, dem eine Persönlichkeit zu dienen bereit wäre wie Hindenburg und das nicht sofort zum Schild greifen würde, um ihn ge­gen solche V e r l e u m d un g e n zu schüt­zen? Es wird früher oder später der Zeit­punkt kommen, wo sich das deutsche Volk und spä­tere Generationen schämen werden, daß über­haupt ein Kampf um die Reichspräsi­dentschaft in diesem Augenblick hat st a t t f i n d e n können. Es ist die Tragik im Leben Hindenburgs, daß man ihn immer dann geholt hat, wenn die Not und die Schwierigkei­ten bis zum äußersten gestiegen waren und man dann zu ihm gesagt hat:Sieh zu, wie du das Vaterland im letzten Augenblick noch retten kannst." Wir haben nicht vergessen, daß andere, die so stark kritisieren, in kritischen Au­genblicken immer wieder aus der R e i ch s r e g i e r u n g h e r a u s g e g a n g e n sind und nicht den Mut hatten, in der Regierung zu bleiben, als die Ver­antwortung zu schwer wurde. Und wir werden nie zulassen, daß jetzt der Mann, der mutig die schwere Ver­antwortung übernommen hat, nun in den Staub gerissen wird. Der Kanz­ler appelierte namentlich an die deutschen Frauen, die dafür verantwortlich seien, daß der Sinn und Glaube an deutsche Ehre und der Sinn

für Ehrfurcht und Verehrung im deutschen Volk niemals aussterbe.

Brüning schloß unter stürmischem Beifall: Hindenburg, der in seiner Vergangenheit, sei­nem Charkter und seiner monumentalen Persön­lichkeit nicht nur einen Eindruck ohnegleichen auf die Welt macht, sondern eine Verehrung ohneglei­chen genießt, bedeutet für uns, die wir keine Waffen mehr haben, e i n e g e i st i g e W a f f e; mit der wir den Weg freimachen können für kom­mende Generationen. Es geht um das Höchste, um die Zukunft des deutschen Volkes unter der Parole: Mit Hindenburg, für Deutschlands Glück und Freiheit!"

Nach minutenlangen Beifallskundgebungen und Hochrufen auf Brüning sprach noch der frühere Reichsaußenminister Curtius, der die Versamm­lung zur Disziplin gegenüber dem deutschen Volk aufforderte.

*

wtb. Karlsruhe-, 5. April. (Eig Meld.) Reichs­kanzler Dr. Brüning empfing heute vormittag Staatssekretär von Bülow, Ministerial­direktor Dr. Posse vom Reichswirtschaftsministe- rium und vortragenden Legationsrat Wiehl vor ihrer Abreise zur Londoner Vier- mächte-Konferenz zu einer Aussprache über das Donau-Problem. An der Aus­sprache nahm auch Ministerialdirektor von Krosigk vom Reichsfinanzministerium teil.

Nach einem Auftreten in einer Wahlversamm­lung in Potsdam hielt Adolf Hitler am Mon­tag in Berlin drei Ansprachen, im Lustgarten, im .Sportpalast und im Saalbau Friedrichshain. Er betonte seine Bereitschaft, wenn nötig, noch zehn Jahre weiter zu kämpfen, bis die Gegner endgül­tig am Boden lägen.

Die Eiserne Front veranstaltete am Montag eine Reihe von Wahlkundgebungen, bei denen u. a. in Berlin Polizeipräsident Grzesinski und in Essen Minister Seoering sprachen.

Gegen den Antisemitismus.

C.N.B. Berlin, 5. April. (Eig. Meld.) Der Verbandstag des preußischen Landesverbandes jü­discher Gemeinden, der am Sonntag und Mon­tag tagte, hat einstimmig eine von sämtlichen Frak­tionen eingebrachte Entschließung gefaßt, in der festgestellt wird, daß die Verwilderung der politischen Sitten in Deutschland in ungeahntem Ausmaß zugenommen hat, und daß die Agitation auch vor den gehässigsten Angriffen auf die heiligsten Schriften des.Judentums nicht zurückschreckt. Der Landesverband bringt allen verantwortungsbewußten Deutschen eindringlich zum Ausdruck, daß der Wiederaufbau des Vater­landes nicht durch die Zurückstoßung eines zur Mitarbeit bereiten und befähigten Volksteils er­reicht werden kann, sondern nur durch Zusam­menfassung aller vom Gemeinschaftsgeist er­füllten Volksgenossen.

Ein weitzer Rabe.

Aus dem nationalsozialistischen Lager meldet sich eine Stimme gegen die von Herrn Goebbels der Partei aufgezwungene Art der Agitation. Graf R e v e n t l 0 w , der nationalsozialistische Reichs­tagsabgeordnete, schreibt in der neuesten Nummer seinesReichswart" dazu folgendes:

Es ergibt sich ost im Kampfe und in der Aufklä­rungsarbeit die Frage, ob man die Kreise, auf die man wirken will, zunächst durch Eingehen aus ihre Auffassun­gen und Anschauungen von ihrem Niveau aus gewinnen soll, weil das auch populärer wirke, oder ob "man von Anfang an versuchen soll, das Niveau so hoch wie mög­lich zu legen und die denkbar höchsten Ansprüche auch an das Niveau der Aufklärungsarbeit selbst zu stellen. Will man dauerndes erreichen, so sind wir überzeugt, daß die letztgenannte Methode die richtige und einzige ist. Und überdies: Auch alle diejenigen Deutschen, gegen bie so vielfach das Unrecht begangen wird, sie als Massen zu bezeichnen, werden sich auf die Dauer als unempfänglich für und schließlich ablehnend gegen ein fortwährendes Futter von Superlativen zeigen."

Jedes Wort geht gegen Herrn Goebbels, gegen feine Manier, die nationalsozialistische Anhänger­schaft in Hoffnungsräusche zu versetzen, wobei der Boden der nüchternen Tatsachen wie überhaupt jede Sachlichkeit längst verlassen worden ist. ? der Parteichef Hitler, der in seinem BuchMein Kampf" auf S. 197 sich also vernehmen läßt:

Jede Propaganda hat volkstümlich zu fein und ihr geistiges Nivea«« einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe umso tiefer zu stellen fein, je größer die zu erfassende Maise der Menschen sein soll."

Da wird denn Graf Reventlow mit seiner Stimme der Besinnlichkeit wohl kaum durchdrin­gen; immerhin ist von diesem weißen Raben Notiz zu nehmen. Denn hier kündigt sich, wenn einst­weilen auch nur ganz leise, eine Opposition gegen Herrn Goebbels, 'den Reichspropagandaleiter der Nationalsozialistischen Partei. Reventlow gehört zu einer kleinen Gruppe nationalsozialistischer Ab­geordneter. die schon feit Jahren geschworene

Ezernin f.

wtb. Men, 5. April. (Eig. Meld.) Der frühere österreichisch-ungarische Außenminister Ezernin ist gestern nacht im 60. Lebensjahre einem Herzschlag erlegen.

Feinde desMephisto der Partei" sind, wie Herr Goebbels einst vom Direktor des Münchener Par­teiverlages, Herrn Amann? genannt wurde.' Bis­her hielten sie es für ratsam, zu Herrn Goebbels zu schweigen; wenn Graf Reventlow jetzt zu reden, beginnt und gleich so deutlich, dann hört er viel­leicht den Boden unter den Füßen des Reichspro­pagandachefs bereits knistern.

Eine Rede Severings.

Der preußische Innenminister Seoering sprach in L i m b u r g in einer Versammlung der SPD., des Reichsbanners und der Freien Gewerkschaften. Er bekannte sich einleitend zu der Bemerkung, die derVölkische Beobachter" gelegentlich seiner Er­nennung zum preußischen Innenminister gemacht habe, daß er, Seoering, der Todfeind des Natio­nalsozialismus sei. Bei allen anderen Par­teien wisse man, welche besonderen In­teressen sie vertreten. Die Natio­nalsozialisten aber versprächen allen Schichten die Befriedigung ihrer Wünsche und würden deshalb auch von al­len als Betrüger erkannt werden. Goebbels habe Hitler nicht als Kandidaten, sondern als den kommenden Reichspräsi­denten proklamiert und Hitler selbst habe ei­nen Tag nach der Wahl davon gesprochen, daß es vielleicht auch noch zehn Jahre bis zur Uebernahme der Macht dauern könne.

Beim zweiten Wahlgang gelte es jetzt, die Suggestion zu brechen, als ob die NSDAP, im unaufhaltsamen Vordringen sei. Deshalb müsse Hitler weniger und Hindenburg mehr Stimmen bekommen.

Hitler habe gegenüber der ausländischen Presse erklärt, daß er weder die Notver­ordnungen beseitigen, noch von dem Grundsatz der Verständigung mit den außenpolitischen Gegnern ab­weichen werde. Seine Wahl würde aber trotzdem eine außenpolitische Erschwerung der deutschen Lebensbedingungen bedeuten. Wenn Deutschland jetzt chauvinistisch wähle, fei

Graf Ezernin wurde am 26. September 1872 zu Dimokur in Böhmen geboren. Bis 1902 war er Legationssekretär in Petersburg und im Haag. Er war ein Vertrauter des Thronfolgers Franz Ferdinand, auf dessen Wunsch er nach dem Bal- kankrieg im Jahre 1913 Gesandter in Bukarest wurde. Schon damals bewies er großen Weitblick. Im Dezember 1916 wurde er als Nachfolger Burians zum Minister des Auswärtigen berufen. Da er an einen Endsieg nicht glauben konnte, strebte er nach dem rechtzeitigen Abschluß eines Friedens, widersetzte sich, wenn auch vergeblich, dem uneingeschränkten U-Bootkrieg, und suchte auch Deutschland zur Mäßigung in seinen Friedensansprüchen zu bewegen. Don jeher deutsch gesinnt, lehnte er den Gedanken eines österrei­chischen Sondepfriedens ab. Die Enthüllung der Sixtus-Affäre führte im April 1918 zu seinem Sturz. 191023 gehörte Ezernin als einziger Vertreter der sog.Bürgerlichen demokratischen Partei" dem Nationalrat, der Republik Oesterreich an.

wtb. Rewyork, 5. März. (Eig. Meld.) In ei­nem Artikel der Times heißt es, die 5 Donaustaa- ten befänden sich in einer akuten Wirtschaftskrise. Hilfe von außen fei nur möglich, wenn bie führendenMcichte auf politische Ziele verzichteten. Tardieus Plan eines Vorzugszollsystems erscheine, ä ußerlich wenig­stens, als ein unpolitischer Vorschlag.

Rach Tardieus London" Reise.

Kurz nach dem Abschluß der Unterredun­gen Maedonald-Tardieu wurde eine amtliche Mit­teilung herausgegeben, in der auf den vorberei­tenden Charakter der Besprechungen im Hinblick auf die bevorstehende Viermächte-Konferenz hinge- wiesen wurde. Macdonald erläuterte diese Mit­teilung dahin, daß beide Parteien entschlossen seien, auf der Konferenz ein Abkommen zustande- zu bringen, und daß England sich völlig freie Hand vorbehalten habe. *

wtb. Paris, 5. April. (Eig. Meld.) Zur Be­sprechung Tardieus-Macdonald sagt die Agentur Havas, nach Ansicht Englands und Frankreichs könne der Zusammenbruch der Donaustaaten n u r durch eine gemeinsame Anstrengung der Donauländer zusammen mit ei­ner finanziellen Unterstützung der 4 Großmächte vermieden werden.

auch bei den französischen Wahlen ein Anwachsen des Chauvinismus zu erwarten.

Bezüglich der Polizeiaktion gegen bie. national, sozialistischen Geschäftsstellen. erklärte Seoering, es. müsse der Welt gezeigt werden, daß die Macht der NSDAP, nur vorgetäuscht sei. Nirgends habe die SA. den Versuch unter­nommen. sich den polizeilichen Maßnahmen zu widersetzen. Wer Macht besitze, brauche sie nicht vorzutäuschen, sondern könne sie in Anwen­dung bringen, und daß das von seiner, Se­verings, Seite geschehen werde, darauf könne man sich verlassen. Hitler sei kein Führer, sondern er sei abhängig von sei ne n Unterfüf). rern und zudem einer der Bogenschüt­ze n des reaktionären Ritters Hu. genberg. Hindenburg, mit bem er, Seoering, viele Meinungsverschiedenheiten ge­habt habe, sei kein Proletarierführer und alles an« bere als ein Sozialist, aber er sei im Gegensatz zu Hitler ein Mann. Deshalb gelte es, sich po­sitiv für ibn einzusetzen.

Im Anschluß an bie Versammlung fand unter Teilnahme des Reichsbanners ein Demonstra. tionszug durch Limburg statt.

Ausschreitungen im Wahlkampf

18 Berliner Anschlagsäulen in Brand gesteckt.

ERB. Berlin 5. April. (Eig. Meldg.). Im Laufe der Nacht wurden in Berlin 18 Anschlag­säulen in Brand gesteckt, die vermutlich vorher mit Petroleum oder Benzin begos- s e n worden waren. Zum größten Teil brannten sie lichterloh herunter, ehe die Feuerwehr sie ab­löschen konnte. Da die Plakate hauptsächlich für Hitler Propaganda machten, vermutet die Po- lizei," daß die Täter in den Kreisen der K om- nt u n i ft e n zu suchen sind. In keinem der Fälle gelang es, der Brandstifter habhaft zu werden.

In L i ch t e nb e r g wurden nachts die S ch a u» fenfterfcheiben der Filiale der kommunisti. scheuRoten Fahne" eingeschlagen. Auch hier sind die Täter unerkannt entkommen.

Im ganzen wurden während der Nacht 70 Per­sonen wegen politischer Vergehen vernommen.

Das Dütohaus ber Nationalsozialisten in Berlin, in dem auch die Berliner S A.-Zentrale unter- gebracht ist.

Unter Hinweis auf frühere Verwarnungen, die erlassen worden sind, nachdem sich wiederholt Fälle zugetragen hatten, in denen von Mitglie­dern der N.SD.A.P von dem Büro im Hause Hedemarinstraße 10 aus Passanten belä­stigt und geschlagen, sowie Unruhen gestif­tet worden waren, hat sich der Polizeipräsident auf Grund ber neuerlichen Vorgänge am 2. April nunmehr veranlaßt gesehen, bie Schließung ber S. A. zur Verfügung stehenben Räume im Hause Hedemannstraße anzuordnen. Zur Räu- mling ber Büros ist eine Frist bis zum 5. April mittags 12 Uhr gewährt worben.

C.N.B. Berlin, 5 April. (Eig. Meld.) Entspre­chend der Anordnung des Polizeipräsidenten hat heute früh im Parteibaus der N.S.D.AP. in ber Hedemannstraße bie Räumung der in der Ver­fügung genau bezeichneten S A.-Büros begonnen. Auf mehreren Lastwagen wurden Akten, Karto­theken, Möbel ufw. abgefahren, fo daß innerhalb der vorgeschriebenen Zeit, 12 Uhr mittags, die Räume leer waren Die S. A.-Büros als solche sind nicht geschlossen, sondern nur die Benut­zung der bisherigen Räume in der Hedemann- straße sind verboten, weil nach den Feststellungen der Polizei von bie'em Hause der Ueberfall auf die Reichsbannerleute am letzten Samstag ausging. Die S. A. kann demnach an anderer Stelle in Berlin Büros einrichten.