plötzlich sah sie uns und starrte uns in steinerner Unbeweglichkeit an.
Da beging der Schwarze etwas Unsinniges. Er hob einen Stein auf und warf ihn nach der Mamba. Wie der Blitz schoß das Tier auf die Erde und kroch erstaunlich rasch auf uns zu. Der Kopf schwankte aufgerichtet hin und her. Als die Schlange noch acht Meter von mir entfernt war, hielt ich zwei Handbreit unter den Kopf und schoß. Ich fehlte!
Der Schwarze rannte um sein Leben. Die Mamba war plötzlich im hohen Gras verschwunden. Doch im nächsten Augenblick tauchte sie unmittelbar vor mir auf. Mein zweiter Schuß riß ihr den Kopf ab.
Ich zog eine Phiole mit weitem Hals aus der Tasche, streifte starke Handschuhe über, packte den Schlangenkopf hinter den Kiefern und stieß ihn in die Flasche hinein. Wieder und wieder hieben die Giftzähne gegen die Flaschenwandung, und jedesmal lösten sich zwei Tropfen einer bernsteingelben Flüssigkeit aus, um langsam auf den Phiolenboden zu rinnen. Einer dieser so harmlos aussehenden Tropfen genügte, um ein halbes Dutzend Menschen zu lähmen!
Dieses Mambasekret ist vielleicht das stärkste Gift, das wir kennen. Aus einer Strecke von achthundert Schlangen gewann ich durchschnittlich je dreizehn Gramm Trockengist. Die Flüssigkeit wird nämlich an der Luft getrocknet und formt sich zu typischen Körnern, die braunen Zuckerkristallen gleichen. Ein Gramm hiervon hat ungefähr einen Handelswert von zwanzig Pfennigen. Man ersieht daraus, daß der Schlangenjäger an der Mamba allein kein Bermögen verdienen kann.
Die Riesenmamba.
In einem bekannten wissenschaftlichen Werke über Schlangen las ich einmal, die Mamba würde nur etwas über zwei Meter lang. Das betreffende Exemplar, das dem Verfasser vor Augen gekommen war, muß ein Mambakind von anderthalb Jahren gewesen sein, denn eine ausgewachsene Dendraspis Angusticeps wird normalerweise mindestens drei Meter lang. Ich habe manche Mamba geschossen, die über drei Meter dreißig maß, und eine, an die ich mich recht lebhaft erinnere, war drei Meter vierundsiebzig lang.
Ich war damals schon früh aufgebrochen und kehrte mittags zu einem Schläfchen ins Lager zurück. Ich lag im Halbschlummer auf dem Bett. Plötzlich glaubte ich ein Geräusch zu hören und blinzelte nach der Tür. Im nächsten Augenblick war ich so wach wie noch nie
NILS
5. April
Nr. 77
Kleines Dum-
Es ist ein aufregender und doch lustiger
dem hohen Bock des Wagens
Otto von
Längst tragen andere
stand in Höhe meiner Brust. Die Augen funkelten Diamanten. Eie schienen die Verkörperung alles sen zu fein. Ich kämpfte um mein Leben. Schlug ein Wahnsinniger mit dem Stocke nach dem hin her schwingenden Kopfe. Ein niederschmetterndes
Burschen die Blumenkörbe, die Kränze, und das gute,
den und gut und
Eines Tages Männer tragen Stühle heraus. Nachmittag, bis herunterwinkt.
aus Feuchte und Schimmer herab ins Teichbecken.
Der Vater hat ein braunes und gutes Gesicht.
Burschen tragen in Körben die farbige Last zu Mädchen, die Kränze binden, Blumenkörbe füllen manchmal leise dazu fingen. Maria ist mit allen Freund. Wenn die Sonne aus allen Blattrinnen
mit den großen „Der Engel hat
wie Bö- wie und Ge-
ein Stein, der kann überhaupt nicht lachen."
Maria geht ins Haus, schleicht an der Küche vorüber und die Treppe hinauf. Irn Zimmer, vor dessen Fenster der Engel steht, setzt sie sich auf einen Stuhl und denkt lange nach. — Natürlich glaubt Otto nichts, weil er an die ganze Geschichte vom Engel nicht glaubt.
Diese Geschichte hat sie ihm oft erzählt; sie lautet so: Vor vielen, vielen Tagen saß die Mutter dort im Lehnstuhl. Sie war blaß und krank und wußte, daß sie bald von der Erde in den Himmel gehen sollte. Da wurde sie traurig und betete, der liebe Gott möge sie doch bei Maria, beim Vater und bei den Blumen lassen. --Da ging ganz leise das Fenster aus, und der Engel schwebte wie ein großer Vogel herein. Wie ein Wind rauschten seine Flügel; er hatte eine liebliche Stimme und sagte: „Sei nicht traurig, Mutter! — Ich
Blüten den Tau getrunken hat, kommt Otto, der älteste Nachbarssohn, und dann wird es laut und luftig im Garten.
Hinter dem Obsthof, nahe der Umzäunung, ist der Brennesselwald. Otto hat Kriegspfade hineingehauen, und man beschleicht Indianer, die aber, geschmeidig und schlau, ewig unsichtbar bleiben. Es gibt aufregende Augenblicke, Angriff, Geschrei und Flucht, Otto lacht, wenn Maria erschreckt wie ein Kätzchen davonjagt. Er hat ein ritterliches Lachen, es ist tief und voll. Ein wenig Stolz und viel Beruhigung ist darin, und damit fängt er die Aengstliche ein wie mit einem Lasso, daß sie, wohl zögernd, aber ohne Furcht, immer wieder zurückkommt.
Langsam schlendern, spielen sie hinauf zu Haus und Straße. Vorher, kühl und dämmerig, die Toreinfahrt.
„Der Tunnel!" sagt Otto und pufft mit Fauchen und Pfeifen hindurch.
Maria steht auf der Straße, lieber dem runden Torbogen wacht einsam der Engel. Er ist fast über und über grau, nur in den Falten seines Kleides, das die Füße ganz verhüllt, sleckt ein Rest blauer Farbe. Quer durch die Hand, die er geöffnet hebt, zieht sich ein Riß. Die Linke, aus bauschigem Slermel abwärts gehalten, ist baumenlos. Maria sieht zu ihm hinauf. Ihr Ge
fühl der Ohnmacht packte mich, als ich sehen mußte, wie das Vieh meinen Schlägen mit unglaublicher Geschicklichkeit auszuweichen verstand und dabei immer näher kam.
Allein der Mut meines Jungen rettete mich. Der Schwarze packte ein Bündel Gras, entzündete es und warf es dem Schlangenkopf entgegen. Einen Augen- blick später war die Mamba verschwunden. Ich wischte mir den Angstschweiß von der Stirn und gelobte mir, niemals wieder einer Mamba nur mit einem Stock bewaffnet gegenüber zu treten.
Vielleicht war es dieser Vorfall, der mich veranlaßte, mich ernster mit der Schlangenjagd zu befassen. Entscheidend war aber die Entdeckung, daß wissenschaftliche Laboratorien in England und der Regierungsbakterio- löge in Pietermaritzburg regelmäßigen Bedarf an Schlangengift hatten. Ich wußte nun nach meiner Erfahrung, daß Mambagift nur durch Erschießen des Tieres gewonnen werden kann. Der Schuß muß fallen, fo rasch nur Auge und Hand zusammen zu arbeiten vermögen. Der Jäger darf keine Nerven haben und muß selbst im Angesichte des zischenden Todes vollkommen ruhig bleiben.
Eines Abends vertrat ich mir ein wenig die Beine. Ich war erst ein paar hundert Meter vom Lager entfernt, als ich eine Kolonie von Webervögeln in panischem Aufruhr antraf. Eine ausgewachsene Mamba kroch in aller Ruhe einen Ast entlang und kümmerte sich nicht im geringsten um die Flügelschläge, die auf ihren Kopf niederprasselten. Vor jedem der eigenartig hängenden Nester angelangt, steckte sie das pfeilförmige Haupt hinein, verschlang die Eier oder die Jungen und kroch nach dem nächsten.
Ich sah dem Drama einen Augenblick mit Interesse zu, bann rannte ich ins Lager, um mein Gewehr zu holen. Als ich mit einem Schwarzen zurückkehrte, hielt die Schlange noch immer ihr üppiges Mahl. Doch
roalb, und über dem Torweg weiß Maria den steinernen Engel.
Und dieses vertraute, geliebte Draußen findet sie neu gewandelt in dem langsam durchwanderten Buch. Unheimlich stark fühlt sie diesen Fleck Erde, Haus und Straße in die Geschehnisse gezwungen. Und die Geschehnisse? Nicht zu trennen, was wirklich geschehen ist, und was hinzugetragen. Dies ist anders, als es gewesen, und ist doch wahr, denkt Maria. Dies ist Otto, und das ist meine Kindheit.
lieber die lange Zeit der Trennung, über Unbekanntes und Ungewisses führt eine Brücke. Ohne Zögern schreibt ihre Hand kluge und gute Worte an Otto. Sie schließt: „Du schreibst nicht, wie es war, und doch, wie es hätte sein können. Du schreibst so, daß der, der Dich nicht kennt, dennoch merkt, wer und wie Du heute bist. Und dies ist es, weshalb ich bebaure, daß unsere Wege sich in den späteren Jahren niemals berührten. Ich verstecke mich in dieser Stunde nicht, aber ich weiß auch: Den, der dieses Buch schrieb, verlangte es schon früher mehr nach Dämonen als nach Engeln, die in der Sonne lächeln."--
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Als Maria an einem Abend, der aus Wolken von zitronengelber Farbe langsam sinkt, vom Garten dem Hause zugehen will, steht ein Mann im Torweg, und
wurde. Wer diesen Uebergang zuerst vollzogen hat, steht nicht fest. Nach den Funden, die man auf der Halbinsel Sinai gemacht hat, spricht jedoch viel dafür, daß es die alten Aegypter waren. Die Herausbildung der Schriftzeichen hat sich wahrscheinlich in der Weise vollzogen, daß eine Anzahl von Wörtern, die mit ver- schiedenen Anfangslaufen begannen, herausgesucht und die für diese Wörter geltenden Schriftzeichen denjenigen Lauten, mit denen die Wörter anfingen, zugeteilt mürben. Das Wort Aleph zum Beispiel, bie semitische Bezeichnung für bas a, bedeutet „Ochsenkopf". Und wer wollte leugnen, daß das Bild eines Ochsenkopfes mit ein wenig Phantasie in manchen Formen des a-Schrift» zeichens noch wiedererkannt werden kann? Das semitische Wort „Beth", welches das b-Zeichen hergegeben hat,' bedeutet „Haus" — ein Fall, der schwierig zu erklären ist. Das Wort „Gimmel" (g-Zeichen) bedeutet „Kamel", und Lamed endlich (l-Zeichen) heißt Ochsen- stachel. Wenn auch infolge der jahrtausendlangen Entwicklung, die die Schriftzeichen durchgemacht haben, ihre ursprüngliche Form heute kaum noch rekonstruiert und der Zusammenhang zwischen Schriftzeichen und Gegen- standsbilb erkannt werben kann, so ist boch aus bem allen wenigstens so viel zu entnehmen, daß unsere Schrift orientalischen Ursprungs ist und auf eine Art Hieroglyphenschrift zurückgeht, wie sie von den Aegyp- tern verwandt wurde.
Dieses Alphabet wanderte nach Europa hinüber, es wurde, mit gewissen Abweichungen, von den Griechen
Der steinerne Engel.
(Eine romantische Liebesgeschichte.
Von Ernst B a h l.
Glückliche Kindheit! Immer blühen Blumen im Garten oder in den Gewächshäusern. Die gläsernen Dächer werfen das Blinken der Sonne in die flimmernde Luft zurück. Ein Springbrunnen schleudert den armdicken Strahl hoch, und plätschernd stäubt der Schleier
An einem Hellen Morgen bringt bie Post bas Buch. Aus Berlin. Don Otto selber gefanbt. Sie findet bie Widmung: „Maria, der von dem Engel Beschützten."
Am Nachmittag beginnt sie zu lesen. Auf den Treibhäusern im Garten blänkert die Sonne. Die Gärtnerburschen graben die Beete um. Groß und langsam geht der Vater. Hinterm Obsthof grünt der Brennessel-
Wenn unsere ABC-Schützen nach Ostern ihren ersten Schulgang tun und sich in den magischen Zeichen des Alphabets üben, dann ahnen sie nicht, daß bas, was sie in wenigen Monaten fast spielend lernen, der Menschheit ein jahrtausendelanges Kopfzerbrechen ver- ursacht hat, daß viele Geschlechter haben gewissermaßen die Schulbank drücken müssen, um die scheinbar so einfache Erfindung des Alphabets zu machen.
Die Zahl der Laute, die der menschliche Kehlkopf zu formen vermag, ist beschränkt. Sie entspricht unge- sähr den 24 Settern unseres Alphabets. Diese lieber- einftimmung nehmen wir heute als selbstverständlich hin und wenden sie in unserer Schrift, die ja im großen ganzen lautgetreu ist, ohne Schwierigkeit an. Manche Sprachen aber, wie bas Englische, bas die Orthographie der neuzeitlichen Sprachentwicklung nicht hat folgen lassen, können uns eine gewisse Vorstellung davon vermitteln, wie es wäre, wenn bie lieberem» stimmung zwischen Laut und Schristzeichen nicht bestände, wenn der Menschheit also nicht die Zerlegung der Wörter in ihre Elemente, die Laute, gelungen wäre.
Unser auf phonetischer Grundlage beruhendes Alphabet ist eine der größten Errungenschaften, die die menschliche Geistesgeschichte zu verzeichnen hat.
Wenn bie Erfindung der Buchdruckerkunst die Verbreitung des Wissens, der Bildung und der Kultur in der Neuzeit ermöglicht hat, so spielt im Altertum eine ähnliche Rolle die Erfindung des Alphabets. Wir können freilich die Herausbildung des Alphabets nur in ganz schwachen Umrissen verfolgen.
Die älteste Form der Schrift waren bildliche Darstellungen. Die Hieroglyphen sind Bilder. Auch die babylonische Keilschrift drückt durch ein Zeichen immer gleich ganze Silben und Wörter aus. Ein Schritt weiter kam man dadurch, daß man, auf das gesprochene Wort achtend, herausfand, daß eine bestimmte Anzahl von Lauten in allen Worten, nur in anderer Zusammensetzung, immer wiederkehrte. Es lag nun nahe, Zeichen für diese wenigen Laute zu suchen und die Wörter durch Zusammenstellung der Laute wiederzugeben, wodurch die Zahl der Schriftzeichen ungeheuer vermindert
Erste Begegnung.
Der Häuptling des kleinen Zuludorfes in der Nähe von M'Fongosi, 160 Kilometer von Pietermaritzburg (Südafrika) entfernt, senkte den Kopf und schloß seinen Bericht: „So ist jetzt auch mein Bruder tot!" Innerhalb einer Woche hatte er vier Angehörige begraben, und er fürchtete noch weitere Opfer dieser schrecklichen Mamba.
Mamba! Jeder Zulu, der bas Wort hört, wird grau vor Schrecken. Er hat keine Angst vor bem angreifenden Löwen, doch der bloße Anblick des drohend erhobenen Kopfes der Giftschlange läßt ihm das Blut in den Adern gerinnen.
Seit 35 Jahren widme ich mich bem Vernichtungs- fampfe gegen diese Pest, die in manchen Teilen Südafrikas mehr Todesopfer fordert, als man zählen kann. Aks junger Mensch sollte ich damals, da ich zum ersten Male nach dem Zululande kam, das Grauen kennen lernen, das ungesehen am Boden schleicht und ohne Warnung tötet.
Es war am Abend eines heißen Tages. Ich hatte meine Lampe angezündet und legte mich auf ein Feldbett, um die Rückkehr meines schwarzen Jungen zu erwarten. Ich ahnte nicht, daß ich in den nächsten Augenblicken schon ein Erlebnis haben sollte, das mich noch heute oft im Traume quält.
Im Busch war alles ruhig. Nur aus dem benachbarten Zuludorfe klang hier und da das Lachen einer Frau oder das Schreien eines Kindes herüber. An der Zeltdecke sah eine Gottesanbeterin und fraß ein paar Fliegen.
Plötzlich hörte ich ein ganz leises Rascheln. Ich sah arglos über den Bettrand. Ein dicker, glänzender Leib, stark wie die Trosse eines Schleppdampfers, wand sich unter mir. Eine ausgewachsene Mamba!
Einen Augenblick später war ich aus dem Zelt gestürzt und hatte dabei die Lampe umgeworfen. In der gleichen Sekunde kehrte mein Junge mit einer Kerze zurück. Ich riß sie ihm aus der Hand und trat ohne große lleberlegung wieder ins Zelt. Die Schlange schien gerade hinter einer Kiste verschwinden zu wollen. Mein Stock traf sie im nächsten Augenblick. Beinahe wäre es mein letzter gewesen!
obgleich sie nicht mehr als den Umriß seiner Gestalt erkennen kann, weiß sie, wer er ist. Schon fühlt sie in sich das Lautwerden des ersten, hingejubelten Grußwortes, als der Wartende sich wendet und bis über die Schwelle des Tores zurückschreitet. Aber dies nimmt ihrer Gewißheit nichts, ja, in schnellem Begreifen wirb ihr klar, warum er dort stehen will.
Sie verzögert ihr Gehen zu ein wenig ängstlicher Feierlichkeit. Dann, mit bem Hall ber Schritte im Torweg, wächst bie reglose Gestalt ihr entgegen, schneller, fo scheint ihr, als bie Füße sie vorwärts tragen. Eine Armslänge Raum ist nun noch zwischen ihnen. Otto streckt bie Hanb aus, leise nennen sie einanber ihre Namen.
Hierauf, zusammen in ben tieferen Schatten der Einfahrt tretend, sehen sich ihre Gesichter nahe an, als bedürfe es dieser prüfenden Sekunde noch, um einander zu erkennen. Unter feinem starken und dunklen Blick schließt Maria die Augen. Seine Hände legen sich auf ihre Schultern, aus bebender Unsicherheit genommen, neigt sie sich gegen ihn.
Sein Atem geht über ihre Wange. Aber er küßt sie nicht. So ist dieses wortlose Hinlehnen und Halten wie eine geschwisterliche Zärtlichkeit und hätte doch nicht glühender sein können.
sicht wird ruhig und nachdenklich. Otto achtet nicht auf ben Engel. Da winkt sie ihn zu sich, beutet blauen Augen nach oben unb sagt: mich biesmal richtig angelacht."
im Altern.
Maria, straff unb schlank gewachsen, hat bie frühe Sicherheit ber Mutterlosen. Mit zwanzig Jahren weist ber Vater ihr in wichtigen Dingen die Entscheidung zu. Gärten in ber Stadt wachsen nach ihren Plänen. Sie ersinnt neuartige Blumenkompositionen und züchtet zwei dunkle Dahlien, deren schmale Blütenblätter von bläulichem Samt sind. Ihr Leben kreist um drei Zentren: Der Vater — Blumen — Bücher.
Sie geht oft ben Weg, auf bem ber große Wagen ihr einst ben Freund entführte. Dieser Weg ist weit, s,ober sie tut es in einem Gefühl nachbarlicher Anhänglichkeit. Außerdem ist es interessant, von Otto zu hören, ber seit Jahren in Berlin ist. „Angeblich studiert er", sagt fein Vater. Fast immer hält er für Maria eine der guten literarischen Zeitungen bereit unb weist aus ben Namen, mit bem Otto seine Aufsätze zeichnet. Otto nennt sich Paul Weberknecht.
Maria sagt oft, sie fände seine Arbeiten geistteicher unb schöner als sein Pseudonym.
„Weberknecht hat ein Buch geschrieben", sagt ber Vater eines Tages unb versucht, teilnahmslos zu erscheinen. Einen Roman. Er heißt: „Der steinerne Engel",
„Wie? Der steinerne--?"
„Ja, ber steinerne Engel. Ich vermute sogar zu wissen, wer bamit gemeint ist", sagte ber Vater, „aber bald werden wir es ja genau erfahren."
„Veilchen träumen schon"
Von vielen Frühlingsgedichten aus meiner Jugend habe ich eins behalten; .das leise raunt in mir, wenn Frühling sein blaues Band flattern läßt durch die Lüfte. Dann muß ich hinaus wie in Kindheitstagen, muß an Waldlichtungen stehen, denn „süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll durch das Land". Das Auge will in die Weite sehen, weiße Wolken über bie erwachende Erde ziehen.
Das Ohr will in ben Walb hineinhorchen.
Noch ift’s still, ganz still unb feierlich. Aber bald wird das große Konzert beginnen.
Die Brust dehnt sich unb schlürft freubetrunfen ben Hauch ber wiedererwachenden Schöpfung.
Leise, in scheuer Ehrfurcht, schreite ich Kopfenden Herzens durch ben Tannicht. Ein Ahnen von neuem Knospen, von frischem, schwellendem Leben überall.
„Veilchen träumen schon." — Wovon nur? Vom Sonnenstrahl, der sich durch bie Aeste stiehlt unb ihre blauen Aeuglein küßt . . .
Die Seele voll Freube unb Dank an ben Schöpfer reiße ich mich los von meinen Träumen unb eile zurück zu ben Menschen.
„Frühling", jauchzt es in mir, „Ja, bu bift’s; dich hab' ich vernommen"« Pilgrim.
Frühlingslied.
Die Melobien, bie ich von dir empfing, seit ich dich liebe, sind mir wie die Weise, die einem Wanderer blüht auf müder Reise, damit er finde, was er suchen ging.
Denn meine Siebe ist mir immer nah.
Selbst wenn ich leise deinen Namen spreche ist mir, als ob ich weiße Blüten bräche, wie du sie trugst, als ich zuerst dich sah.
Und wenn ich oft voll Sehnsucht nach dir bin, muß ich es heimlich einem Dinge sagen, bas irgenb einmal beine Hand getragen und streiche träumend zärtlich drüber hin.
Friedl Schreyoogl.
will Marias Schutzengel sein." . . .
steht ein Möbelwagen vor Ottos Haus.
Schränke, Tische, Kisten, Bilder und
Der zischende Tod.
Abenteuer eines GifkschiongenjSgers. — ver Kampf im Dunkeln. — Der Tod kriecht im Grafe. — Die Mamba im Etzzimmer. — Wenn die Nerven versagen.
Wütend schoß bas Tier auf mich zu. Der Kopf
Bon der Bilderschrift zum Alphabel.
Sprachen, die das ABE nicht kennen. — 3n Japan möchte man nicht ABE-Schühe fein!
anbere Mädchen binden
braune Gesicht des Vaters ist milde und herb zugleich
Natürlich schüttelt Otto ben Kopf.
merchen", sagt er überlegen. Der Engel ist so tot wie
im Leben. Zwischen ber obersten Türleiste unb bem Dach befanb sich ein 60 Zentimeter hohes Luftloch, und durch dieses kroch eine Riesenmamba herein. Eine Waffe! Ich hatte keine. Um mein Bett herum standen nur Stühle, auf denen Bücher lagen. Gleichzeitig aber hatten meine ganz unwillkürlichen Bewegungen die Aufmerksamkeit ber Schlange erregt. Sie war kaum noch einen Meter von mir entfernt und richtete sich nun auf.
Ich konnte deutlich den schillernden Schein auf ihren Kopf- und Halsschuppen sehen. Und boch burfte ich mich nicht rühren. Stunbenlang, schien es mir, lag ich bewegungslos auf ber Seite. Nur der Schweiß lief mir vom Gesicht. Ich glaubte, die Spannung nicht länger ertragen zu können. Da fiel mir plötzlich ein, daß bie Mamba nicht hören kann, wenn sie audjgbie geringste Erschütterung wahrnimmt. So blieb ich mit bem Oberkörper unbeweglich liegen, boch mit ber linken Hanb griff ich hinter mich unb ballte bie Decke langsam zu einem Bünbel. Plötzlich warf ich dieses ber Schlange entgegen. Ich erlebte das unerhoffte Glück, daß bie Mamba vollstänbig in bie Decke eingewickelt wurde. Im nächsten Augenblick war ich aufgesprungen, hatte einen Stock gepackt, und nun schlug ich auf die Decke ein, bis das Tier sich nicht mehr rührte.
Dor rund zwanzig Jahren war ich Zeuge eines Schauspiels, das mich stark niederdrückte, weil mein erster Versuch mit bem amtlichen Serum gegen den Mambabiß mit einer Enttäuschung endete. Ich setzte damals große Hoffnungen auf das Heilmittel und hatte eine gewisse Menge awgeliefert erhalten Die unwissenden Zulus betrachteten die Tropfen als den Fetisch des weißen Mannes gegen die finsterste Macht, die sie kennen.
An einem Februarnachmittag zogen drei fremde Zulus an meinem Lager vorbei. Eine Stunde später kam einer von ihnen zurück gerannt: Einer seiner Kameraden war auf dem anderen Ufer des Tugela von einer Mamba gebissen worden. Ich sand das Opfer im Dor- nendickicht liegen, wo die Schlange sich gern aufhält, und um den Unglücklichen herum hatte sich eine Menge Zuschauer gesammelt, die den Kopf hängen ließen.
Hier war mir die Gelegenheit geboten, die Wirksamkeit des neuen Serums zu erproben. Ich machte drei Einspritzungen und wartete gespannt auf den Erfolg. Der Blick in den Augen des Zulus oerWat mich oft noch heute. Er war stumpf wie der ei 'ieres,
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Fernruf 2911. Fulda. KurPteFenskSS..
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