Einzelbild herunterladen
 

Mkl. 59

Donnerstag, 31. März 1932

Die deutsche Außenpolitik wird durch den jetzi-

hörte.

*

Der Apell, den der Führer der deutschnqtio- nalen Volkspartei, Hugenberg, an die bürgerlichen und berufsständigen Rechtsparteien zur Samm­lung der Reststimmen bei der preußischen Land­tagswahl auf der deutschnationalen Landesliste ge­richtet hat, findet, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. in parlamentarischen Kreisen hört, bei

ladung wird als Zweck der Besprechungen die Er­örterungen wirtschaftlicher Fragen der Donau­länder angegeben. Englischerseits ist der kommende Montag als Tag der Zusammenkunft angeregt worden. ,

Zu dieser Meldung teilt das Reichsministerium des Innern folgendes mit:

.Vorstehende Erklärung' bestätigt nur die Mit­teilung des Ministers Groener, daß ihm vor dem Wahltag von dem Wortlaut des Befehls über die Zusammenziehung der Sturmabteilungen über­haupt keine -Kenntnis gegeben worden ist. Als der Reichsinnenminister nach der Wahl, nämlich am 18. März nachmittags die Herren Eoering und Rechtsanwalt Frank II. empfing und von ihnen zum ersten Mal den Wortlaut des betreffenden Befehls erfuhr, hat er, wie gegenüber der obigen Erklärung nochmals ausdrücklich betont wird, die Herren über seine ablehnende Auffassung zu bie* sein Befehl nicht im Zweifel gelassen. Im übrigen wird auf die amtliche Erklärung vom 18. März abends verwiesen, in der der Minister unter Berichtigung der unzutreffenden Darstel­lung, die von nationalsozialistischer Seite über diese Unterredung verbreitet worden war, festge­stellt hat, daß er über die preußische Polizeiaktion keinerlei Urteil abgegeben hab«.

wtb. Paris, 30. März. (Erg. Meld.) Zur be­vorstehenden Londoner Reise Tardieus schreibt Avenir: Der Puritaner Macdonald werde vevsu- chen, Tardieu hineinzulegen, weil das in seiner Natur liege und weil er die Franzosen verabscheue. Das werde ihm aber nicht gelingen. Die Vierer­konferenz sei notwendig, denn man müsse wissen, was Deutschland und Italien beabsichtigen. Mit ein wenig gutem Willen auf beiden Seiten, in erster Linie bei Deutschland, werde man auf eine plastische Europa-Union zusteuern können.

Figaro (nationalisti'ch) weist darauf hin, daß die Logik gesiegt habe, die ein Abkommen zu zweien unerläßlich für ein Abkommen zu Vieren machte, da Frankreich und England fast sämtliche Kosten für den Wiederaufbau der Donaustaaten zu tra­gen berufen seien.

Oeuvre betont gegenüber dem wiedererwachen­den Pangermanismus und angesichts der kommu­nistischen Revolution die Notwendigkeit der franzö­sisch-englischen Zusammenarbeit und unterstreicht, daß die Londoner Reise Tardieus im richtigen Au­genblick erfolge.

Der Duat d'Orsay veröffentlichte am Dienstag abend folgende amtliche Verlautbarung:Mini­sterpräsident Tardieu wird sich am Sonntag nach­mittag nach London begeben, um der Einladung Folge zu leisten, die er anfangs März von der englischen Regierung erhielt, und die er sofort für die ersten Tage des Monats April angenommen hatte. Der Ministerpräsident wird auf seiner Reise von dem französischen Finanzmini st er Flandin begleitet sein. Was die Zusammen­kunft der vier Großmächte angeht, die die Einladung an die fünf Donaustaaten zum Zwecke einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Bezie­hungen ausarbeiten soll, so ist die augenblickliche Lage folgende:

Grundsätzlich ist diese Zusammenkunft einstim­mig angenommen worden. Die Ungewißheit über die materiellen Möglichkeiten, ftn der sich diejeni­gen Regierungschefs und Minister befinden,' die daran teilnehmen müssen, ließ die Festsetzung ei­nes bestimmten Zeitpunktes noch nicht zu. Mini­sterpräsident Tardieu hat am 24. März auf ein Schreiben vom 22. dem englischen Außenminister Sir John Simon geantwortet, daß er mit der Zu­sammenkunft -einverstanden sei. Dieses Einver­ständnis war umso selbstverständlicher, als die französischen Vorschläge, die in der Denkschrift niedergelegt sind, ebenfalls eine vorherige Verstän­digung der vier Großmächte über den Text der den Donaustaaten zuzustellenden Einladungen vor­gesehen hat. Ministerpräsident Tardieu und Fi­nanzminister Flandin werden den Montag dazu benutzen, um mit ihren britischen Kollegen zu ver­handeln. Sie werden am Dienstag vormittag wie­der in Paris zurücksein.

wtb. Paris, 30. März. (Eig. Meld.) Der Se­nat verabschiedete in einer Nachtsitzung den Bud­get-Voranschlag für 1932, der einen Einnahme­überschuß von rund 3,9 Millionen Frank auf­weist.

den beteiligten Parteien eine skeptische Auf­nahme. Durchweg erinnert man an die schar­fen Angriffe, die Hugenberg gegen diese Par­teien noch vor kurzem gerichtet habe und meint, daß es die Wähler unter diesen Umständen nicht verstehen würden, wenn ihre Abgeordneten als Hospitanten in die deutschnationale preußisch« Land- tagssraktion einziehen sollten. Auch komme der Vorschlag Hugenbergs in technischer Hinsicht et­was spät, da bereits Verhandlungen zwi­schen den berufsständigen Parteien über Listenverbindungen im Gange sind, mit deren Abschluß man noch in dieser Woche rech­net. An diesen Verhandlungen sind vornehmlich das Landvolk und die Wirtschaftspartei beteiligt.

Das Nachrichtenbüro des V. D. Z. hat die in Betracht kommenden Parteigruppen um eine Stel­lungnahme zu dem Vorschlag des deutschnationalen Parteiführers ersucht. Der Landvolksführer Dr. Gereke, der zur Zeit Vorsitzender der Vereinigten Hindenburg-Ausschüsse ist, erklärt, daß, so gut der Gedanke als solcher wäre, doch die von Hugenberg angewandten Mittel durchaus falsch wären. Solche Dinge könne man nicht in der Öffentlichkeit regeln, sondern nur in vertrauensvoller Aus­sprache von Mann zu Mann. An solchem ver­trauensvollen Verhandeln hindere nicht zuletzt das mangelnde Eintreten Hugenbergs für den Reichs­präsidenten von Hindenburg. Eine engere Anleh­nung an die Deutschnationalen als solche sei durchaus wünschenswert, aber nicht an Hugen- 6 er g mit seiner Taktik. Wer wirklich die gesamte Rechte sammeln wolle, könne das nicht in der Form eines öffentlichen und in einigen Pank-

Konferenzen zu Zweien und zu vieren Zuerst treffen sich Macdonald und Tardieu in London.

Die französischen Wahlen.

wtb. Paris, 30. März. (Eig. Meld.) Laut Mcttin" werden die französischen Wahlen am 1. Mai und her 2. Wahlgang am 8. Mai stattfinden.

ImDeutschen Schnelldienst" schreibt Dr. Hu- I genberg u. a.: Es gibt eine Anzahl von Par­teien in Deutscbland, die heute im Lande nur we­nig Menschen hinter sich haben. Wenn sie für die bevorstehenden Preußenwahlen eigene Listen aufftellen, wird im Lande nahezu niemand bei hissen Parteien zum Abgeordneten gewählt wer­den, weil im einzelnen Wahlbezirk die erforder­liche Stimmenzahl von 50 000 Stimmen nicht er­reicht wird, lieber drei Grundziele müsse aller­dings vollste Einigkeit herrschen: 1. Klarer und entschiedener Nationalismus, 2. Ab­lehnung jeder Sorte von Sozialismus, 3. Bildung eines nationalen antimarxistischen Kabi­netts in Preußen und im Reich.

*

Hugenberg hat jetzt schon so oft in der letzten Zeit Fiasko gemacht, daß man sich nicht wundern kann, ihn jetzt als Direktor einerSammel« ft e U e" für' enttäuschte politischeBürger" am- tauchen zu sehen. Man kann auch an eine sog. Versprengten - Sammelstelle" denken, wie sie im Weltkrieg zu den Ausrüstungen der Etappe ge-

* Die spanischen Monarchisten und König Alfons. Politische Persönlichkeiten, die dem mo­narchistischen Regime und der Persönlichkeit Alfons treu geblieben sind, sollen einen Brief an den Herzog von Miranda zur Uebergabe an den ehe­maligen König Alfons übersandt haben, in dem sie ihm die Frage vorlegten, ob die beiden Mani­feste und der. Vertrag authentisch seien. Da Kö­nig Alfons nach der Rückkehr von seiner Mittel- meerfahrt die Authentizität der beiden Manifeste und des.Vertrags bestritten hat, sollen die monar- chisttschen Persönlichkeiten beschlossen haben, von ihrer Absicht, ihrem ehemaligen Monarchien zu schreiben, abzusehen. Mehrere ehemalige Minister der Monarchie sollen wegen des Mangels an Ver­trauen, das König Alfons und seine Umgebung ihnen gegenüber bewiesen hätten, verletzt und nunmehr geneigt sein, sich dem tepüblikanischen Regime zu nähern.

Massen-TodesurteU in ilfrita.

60 Neger wegen Ermordung einer »Here" zum Tode verurteilt.

Aus Nairobi wird gemeldet: 60 Einge­borene aus einem Dorfe in der Ukamba-Refer- vation, die wegen Ermordung einer Hexe" zum Tode verurteilt wurden,wer­den in kurzem hingerichtet' werden, nachdem ihre Berufung durch den Gerichtshof in Kampala abge- wiefen wurde. Der Führer ber Angeklagten er- klärte, daß die Ermordete eine schwere Krankheit über seine Frau heraufbeschworen habe. Zahlreiche Eingeborenen hatten die Hexe nach der Hütte der Kranken gezerrt und ihr befohlen, den Zauber zu lösen. Sie habe das jedoch nur halb getan und sei bann davongelaufen, worauf ihr die An­geklagten, hauptsächlich junge Männer, nachgesetzt seien und sie totgeschlagen hätten. Dies ist die größte Anzahl von Todesurteilen,die je in der Geschichte Kenyas in einem einzi­gen Prozeß gefällt wurde. ' '

Sammelftelle Hugenberg".

Vernichtende Kritiken für den deutfchnationalen Führer.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat nach Verhandlungen mit den kommunalen Spitzen­verbänden die. Gemeinden und Gemeindeverbände aufgefovbett, .die Möglichkeit eilt er. Sen kung> der komm u:n a len T ar i f e zu prüfen. > >.

i :> t . > r ;

Auf die Verwaltungsklage der braunschweigi­schen Regierung auf Kürzung dtzs Osterburgfrie- betts ist nunmehr bie Antwort des Staatsgerichts­hofes eingegangen. Danach wird mitgeteilt, daß eine Entscheidung über die Klage vor Ablauf des. Osterburgfriedens aus ge'chäftsordnungsmäßigen Gründen unmöglich sei.

*

Nach berHumanste" ist über bie Hälfte der Besatzung des .französischen KreuzersPrirnau- guet", ber bemnächst nach bem Fernen Osten in See gehen soll, wegen kommunistischer Propa­ganda abgelöst worden. Auch ber Kommandant des Schisses ist durch einen anderen ersetzt worben.

«

lieber die ganze Mandschurei hat die Regierung Pust 'den Belagerungszustand verhängt.

* Der Haushaltsausschuß des Reichstages trat am Mittwochvormittag zu seiner ersten Sitzung nach der Osterpause zusammen. Zunächst wurde ein Antrag Heinig (Sozialdemokrat) angenommen, der die Reichsregierung ersucht, rechtzeitig zu den Etatberatungen, dem Haushaltsausschuß Nachträge zu den Verzeichnissen über Darlehen aus Haus-. Haltsmitteln, Unternehmungen, an denen das Reich beteiligt ist, und ber vom Reiche übernom­menen Bürgschaften unb Garantien vorzulegen, aus benen ber Staub vom 1- April 1932 ersicht­lich ist. In vertraulicher Beratung fanb bann eine Aussprache über bie Lage der oberschlesischen Eisenindustrie statt.

Mjvx. «.Ußtilup'U'llLll. IV IW vuiuj vvev

gen Verlaus der Ding« vor eine der schwersten Ausgaben gestellt werden, bei der jedoch für sie günstig und als gewisser Erfolg zu buchen ist, daß di« Aufrollung der mitteleuropäischen Frage nun so behandelt wird, daß Deutschland in Wah­rung seiner berechtigten Interessen als völlig gleichberechtigt in die Beratungen einbezogen ist und nicht als sog. Objett behandelt wird.

Mit der Einladung Macdonalds an Tardieu hat die große Aktivität in der offiziellen Außen- poWik wieder eingesetzt. Man rechnet in französi­schen und englischen Kreisen mit diesem persönlichen Zusammentreffen der führenden Staatsmänner Englands und Frankreichs bereits für die ersten tage des April. Bei dieser Ministerbesprechung soll vor allem die Reparationsfrage und das Problem der Donauföderation behandelt werden. Letzteres Problem Hat allmählich ganz Europa in Bewegung gebracht. In Paris ist man über die englische Initiative zur kommenden Donaukonse- venz nicht sehr erbaut. Denn diese Vier- Mächtekonferenz, an der auch Italien und Deutschland sich beteiligen, wird sicherlich auf einer anderen Basis stattfinden, als das Herr Tar­dieu und seine französischen Ministerkollegen für wünschenswert halten können. England und Italien kommt es vor allem darauf an, für die Donau­frage eine wirklich unpolitische Lösung zu finden, vor allem eine Lösung, bie jede Spitze gegen Deutschland vermeidet.

Da auch Italien seit längerem schon den Stand­punkt vertritt, die wirtschaftliche Sanierung Mittel­europas nicht den nächst interessierten Donau- ländern allein zu überlassen, sondern unter Mit­wirkung ber Großmächte vorzugehen, so wird der ursprünglich französische Plan, der doch letzten Endes nichts weiter sein sollte, als eine festere Bindung der Kleinen Entente an die Hegemonie Franke ich s und ein Gegenschachzug gegen das deutsch-österreichische Zollunionsprojett, stark er­schüttert.

Frankreich hatte sich im eigenen Interesse den Plan sehr schön zurechtgelegt, die Donaustaaten unter französischem Finanzdruck zu einigen und so pon der Donaumündung bis zur Jnnmündung hinauf durch die ftanzösische Goldmacht in ein Abhängigkestsverhältnis zu bringen. England und Italien glaubte man dabei mit allerlei politischen Konzessionen zur Zustimmung zu bringen, um Deutschland als einzigen Außenseiter dann zum Aasagen zwingen zu können. Wenn auch dieser Plan zerschellt ist, so ist doch damit zu rechnen, daß Frantteich auf eine andere Methode seine Hegemoniesgedanken durchsetzen zu können glaubt. Es ist zu vermuten, daß der französische Mini­sterpräsident die Londoner Weckend-Beratung ganz h die Richtung zu schieben versuchen wird, die Donauangelegenheit mit den anderen großen schwe­benden Konferenzfragen, wie Reparation und Abrüstung zu verkoppeln, üm so im Aus­tausch für ftanzösische Konzessionen auf beiden Ge­bieten doch noch in punkto des Projetts einer Dlmauwitts.chaftssöberation die französische Pläne durchführen zu können.

* Konkursverfahren über das Vermögen des Diener Violinvirtuosen Ian Kubelik. (E. M.) Das Wiener Zioilgericht hat.über den bekannten Vio­linvirtuosen Jan Kubelik und seine Frau Marianne bas Konkursverfahren eröffnet. Die beiben sind Großgrundbesitzer in Rothenturm' im Burgenlanb. Ihr Besitz ist mit 900 000 Schilling passiv. Kubelik gibt an, infolge ber großen Kurs­stürze seiner im Ausland liegenden Papiere nicht in ber Lage zu sein, ben Verbindlichkeiten nachzu­kommen.

*

In bett Berichten der Londoner Presse über die von England vorgeschlagene Viermächie-Konferenz zur Erörterung der Donaufrage wird mst der Möglichkeit gerechnet, daß diese Konferenz verfcho- ben wird und daß am kommenden Wochenende nut ein Besuch Tardieus bei Macdonald statt- findet.

Die englische Regierung hat am Dienstag dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu eine amt­liche persönliche Einladung übersandt, zu einer Besprechung mit Macdonald und anderen englischen Mintstetn nach London zu kommen. In der Ein-

* Besuch des Reichsernährungsministers in Württemberg. Aus Stuttgart wird gemeldet: Reichsernährungsminister Dr. Schiele wird am Donnerstag und Freitag dieser Woche in Würt­temberg weilen und u. a. die Bezirksmolterei in Crailsheim, die Bezirksmilchverwaltung in Hall, das Obstlagerhaus in Oehringen, den Betrieb der Milchverwertungs-A.-G. in Stuttgart, die Max- Eyth-Tierzuchthalle und die Landesdockschau in Ulm, die Bezirksmilchverwertung in Riedlingen und Ravensburg und die Milchwirt'chastiiche Lehr- und Forschungsanstalt Wangen besichtigen. In Heil­bronn finbet ein Zusammentreffen mit Verttetern der Landwirtschaft und der Behörden statt.

Wie lange noch?

hin unb her mit Erklärungen zwischen Groener und den nationalsozialistischen Unterhändlern.

Zu ber Berichtigung des Reichsinnenministe­riums betreffend den nationalsozialistischen. Befehl vom 2. März teilt die Pressestelle dec NSDAP, mit:

Die Abgeordneten Göring und Dr. Frank H. haben im Verlaufe ihrer Unterredung mit bem Reichsinnenminister bem General aus ben Akten >65 Rechtsanwalts Dr. Frank II bie Original- asfung des Befehls bes Stabschefs ber SA. )vm 2. Mörz, Vorbereitungen für ben Reichsprä- identenwahlkaisipf betreffend unterbreitet. Es ist mrichtig, daß General Groener im Verlaufe bie» er llnterrebung irgenbmie erklärt hätte, baß, wenn er ben Wortlaut bes Befehls vorher ge­kannt hätte, er sofort Einspruch erhoben hätte. Es wirb bemgegenüber ausdrücklich festgestellt, daß bei diesem Empfang Reichsinnenminister Groener einem Erstaunen über bie Polizeiaktion Severing ilusbrnck verliehen hat. Ausbrücklich hat Reichs­innenminister Groener erklärt, baß er persönlich an ber Legalität. Hitlers in keiner Weise zweifle.

ten verletzenden Briefes tun. Die verietzenbe Form dieses Briefes, der den anderen Patteien gleichzeitig die Annahme einer Unterwerfung un- tersteU«, mache es vollkommen unmöglich, darauf emzugehen. Da der Parteiführer des Landvolks, Dr. von Hauenschild-Tscheidt, erst Donnerstag­abend wieder in Berlin eintrM, ist eine offizielle Entscheidung der Partei über den Hugenberg- vorschlag nicht, vor Freitag zu erwarten. Cs ist aber anzunehmen, . daß die Stellungnahme Dr. Gerekes sich mit der Auffassung der Gesamtpattri vollkommen deckt..

Die Deutsche Dolkspartei nimmt zudem Vorschläge Hugenbergs in folgender Weise Stellung:

Herr Abg. Hugenberg stellt ein Programm für den Nationalismus auf, dem man sich durchaus an- chließen kann. Die Deutsche Dolkspartei läßt sichin nationaler Gesinnung von Niemand Übertreffen" (Bravo!). Die Etresemann'fche Politik der Rheinland­befreiung war eine eminent nationale Politik, obwohl sie von Herrn Hugenberg nicht anerkannt wird. Die Deutsche Dolkspartei führt nicht nur einen entschlossenen Kampf gegen den Sozialismus in jederlei Gestalt, son-' dern auch gegen die schwarz-rote Koalition in Preußen. Das wahre Gesicht des Hugenberg-Dorschlages zeigt sich in der Bemerkung über dieschwankend zu ihm Kom­menden", die bei ihm eingeschmolzen werden sol­len.Damit zeigt Herr Abgeordneter Hu­genberg fein geistiges Unvermögen, über­haupt bürgerliche Sammlungspolitik zu treiben. Wer anders als er denkt und han­delt, ist noch lange kein Haltloser oder Schwankender, sondern ein Politiker, der von persönlicher Ueberzeugüng und va­terländischer Verantwortung ein ganz anderes Bild hat als der deutschnationale Führer." Daß Herr Hugenberg dennationalen Be­ruf und die Sendung" habe, die bürgerliche Welt zu sam­meln, muß nach älteren Erfahrungen ebenso wie nach den neuesten Ereignissen bestritten werden. Die Hindenburgwahl hat bewiesen, wie we­nig der deutschnationale Parteiführer die Ausgabe der Zeit und die Stunde des nationalen Bürgertums verstanden hat.

Gleich falls von Deutscher Vokkspattei-Seite wirb erklärt:

Nach bem Ergebnis bes 13. Mäpz mag Abge- ordneter Hugenberg Veranlassung haben, sein poli­tisches Ansehen burch eine neue Aktion ju beben. Die' Gegensätze zwischen seinem jetzigen Vorschlag unb ben Ereignissen im Wahlkreis Westfalen-Süd sind deutlich erkennbar. Für bie Deutsche Jßolf&= Partei besteht keine Veranlassung, auf das Schein-, angebot einzugehen. Herr Hugenberg kann,'vMg unbesorgt sein, denn die Stimmen ber volkspartei­lichen Wähler weihen auf ihren WahltteMsten unb auf bem Landeswahlvorschlag voll zur Gel­tung kommen. Hier besteht nicht' die geringste Ge­fahr, zumal Herr Hugenberg selbst mit bem Verlust ber Hälfte seiner Man­date rechnen muß, also kaum in der Lage sein dürfte, anderen Parteien irgendwelche Sicherungen zu ver­spreche n."

Die Wirtschaftspartei veranstaltet am Freitag eine Tagung ihres preußischen Lanbes- ausschusses, in ber die Sanbibatenfrage geregelt werben soll. In biefer Sitzung wirb auch zu dem Vorschlag Hugenbergs Stellung genommen wer­ben, so baß zur Zeit eine offizielle Entscheidung ber Partei noch nicht vorliegt. Nach Auskunft maßgebender Stellen ber Wirtschaftspartei bürste aber auch für diese Partei der Vorschlag Hugen­bergs nicht diskutabel sein. Der Führer der preußischen Lanbtagsfraktion der Wirtschafts­partei, Abg. ©roste, äußerte sich dahin, daß, abge­sehen von der technischen Unmöglichkeit der Durch­führung bes Hugenberg-Vorschlages, ein derar­tiges Ansuchen in Form eines offenen Briefes von ber Wirtschaftspartei abgelehnt werbe.

Von ber Konservativen Vereinigung waren am Mittwoch maßgebende Führer nicht zu errei­chen, doch wird versichert, daß auch von ben Kon­servativen die Auffassung bes Landvolks, der Volkspartei und anderer Parteigruppen voll ge­teiltwirb. ______________

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Eol) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Polt'checkk- Frankfurt a M 4051

Fuldaer Zertung

Anzeiger für die Stabt Julba und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Well :m Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: tettung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::