Beilage zur Fuldaer Zeitung
irr. rr
F NILS
27. März.
Ostersonntag.
Lingangslied (Ps. 138, 18 unb||6—6).
Auferstanden bin ich und noch bei dir, alle« luja. Schützend lac, deine Hand auf mir, allelufa. So ward, ein Wunder, deine Weisheit kund, alle« luja, alleluja (Ps. ebb. 1—2) Herr, du prüfest iriid) und kennest mich; du kennst mein Ruhen und mein Auferstehen.
Stufenlied (Pf. 117, 24 und 1).
Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns frohlocken und fröhlich fein an ihm. Preiset den Herrn, denn er ist gut, und ewig währet fein Erbarmen.
Alleluja, alleluja. (1 Kor. 5, 7.) Unser Osterlamm ist geschlachtet, Christus.
Ostermontag.
Eingangslied (2 7Nof. 13, 5 und 9).
Der Herr hat euch hineingeführt in das Land, das von Milch und Honig fließt, alleluja. Nun laßt das Gesetz des Herrn allzeit in eurem Munde sein, alleluja, alleluja. (Ps. 104, 1.) Preiset den Herrn und rufet an seinen Namen; verkündet unter den Heiden, was er getan.
Lesung —: (Apg. 10, 37—43).
In jener Zeit trat Petrus in die Mitte des Volkes und sprach: Brüder! Ihr mißt, was sich nach der Taufe, die Johannes predigte, in ganz Judäa, angefanoen von Galiläa, zugetragen hat. Ihr wißt, wie Gott Jesus von Nazareth mit dem heiligen Geiste und mit der Wunderkraft gesalbt hat, wie er umherzog, Gutes tat und alle, die vom Teufel besessen waren, heilte; denn Gott war mit ihm. Wir sind Zeugen von all hem, was er im Iudenlande und in Jerusalem getan hat. Sie haben ihn ans Kreuz geschlagen und getötet Gott aber hat ihn am dritten Tage auferweckt und ihn offenbar werden lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, aber den von Gott vorherbestimmt m Zeugen, uns nämlich, die wir nach seiner Auferstehung von den Toten mit ihm gegessen und getrunken haben. Er hat uns geboten, dem Volke zu predigen und zu bezeugen, daß er es ist, der von Gott bestimmt worden ist zum Richter der Lebendigen und der Toten. Von ihm bezeugen sämtliche Propheten, daß alle, die an ihn glauben, durch seinen Namen Vergebung der Sünden er» äugen.
Auferstehung.
Betrachtung zum Oskerevangelium.
Sind wir nicht viel zu müde für die Aufnahme er Osterbotschast? Liegt nicht die trübe Schwere eer Kurtage auf unserem Volk und der Welt? — _•«, die Menschen sind müde und überhastet. Un- 'ufriedenheit lastet auf vielen Gemütern, und jene, die von Natur aus froher und weniger gries- mamig sind, sind vielleicht durch die Not in die ■smären der Unzufriedenen gedrängt worden.
Ist es denn richtig, diesem Zeitzug der Gries- gramigkeit zu dienen? Geht es denn nicht vielen Menschen viel besser, als es nach ihrem Genör- g e l u n d G e j a m m e r zu gehen scheint? — Auch bu, mein freund, solltest dich einmal ernsthaft °° d" wirklichen Grund zum Klagen hast. Freilich, wenn du dein tägliches Brot nicht hast, dann darfst bu von schlechten Zeiten reden. Wi- - deshalb zu hadern, wäre freilich
falsch. Der Herrgott hat den Menschen die Erde nicht zur Folterkammer, sondern zu ihrer Wohn« snitte gegeben. Und manches könnte anders sein — wenn die Menschen anders wären . . .
Vor vielen hundert Jahren ging unser Herr- ••LrAte ®tbe um den armen Menschen durch göttliches Lehrwort wieder den Weg zum ,trieben, zum Glück und zur Wohlfahrt der Seele zu zeigen. Cr zog von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stabt und lehrte. Was fein Wort nicht kund- tat, das kündeten Zeichen und Beispiel. Und die Menschen schlugen chn für seine Hilfe ans Kreuz . ...So erging es dem Gottessohn. Aber nach drei Tagen erhob er sich aus dem Grabe Und der Siegesjubel der Jahrhunderte feiert b!e
MhoWsmus und deutsche Kultur.
Von Dr. Hans Rost, Westheim bei Augsburg.
Der Kulturhistoriker Georg Steinhausen stellt in seinem Buche über die Deutsche Geistes- und Kulturgeschichte (1931) als Kulturbilanz die Tatsache fest, daß unserem Volke seit län- g°rem eine höher gerichtete Ge- famtfultur fehle. „Die geistige Zersplitterung und Zerrissenheit", sagt er, „ist jedenfalls seit langem ungeheuer . . - .Hier Individualismus, dort Kellektivismus, hier Marermllsmus, dort Spiritualismus, hier Rationalismus, dort Mystizismus, hier Freidenkerei und Unckirchlich- keit. dort Kirchlichkeit und Religiosität, hier Machtpolitik und Tatmenschentum, dort Pazinsmus, hier Egoismus, dort Altruismus unb sozialer Geist ufw." Kein Mensch kann die hier auigezeich. neie Zerspaltung der deutschen Kultur leugnen. Man braucht nur ein einziges Gebiet aus der deutschen Kultur- unb Geistesgeschlchte herauszu- preifen, die Philosophie, mn den ganzen Sammer des Mangels jeglicher Einheit des Lenkens zu erkennen. Die Philosophen sprechen selbst von einer Anarchie der Philosophie, da ihr jeder einheitliche Kern unb Griinbgedanke abgeht. De heutige Geistes- unb Kulturftrömungen fmb auf das individualistische Geleise der Selbsterlösting gerate« ein Prinzip, das die Auslosung aller Kultur und aller menschlichen Zusammenhänge bedeuten muß. Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet daß die katholische Kirche allein noch eine Kultureinheit besitzt.
Auferstehung des Herrn: Alleluja, Christ ist erstanden . . .
Die Botschaft Christi war nicht nach dem lust- lüsternen Sinn der Menschen. Deshalb mußte der Herrgott sterben. Immer wieder muß er sterben. Denn dort, wo Christi Geist stirbt, wo allzu irdische Belange an seine Stelle treten, da beginnt der leidende Christ von neuem. Aber fein Sterben ist auch ein Zeichen für uns. Christus wollte den Mensch den Frieden des Herzens bringen, und wo wir als Friedensbringer sein Werk mehren, sind wir seine Mitstreiter. & uns liegt es ja, die im Argen liegende Welt wieder mit Christi Geist zu erfüllen. Wir brauchen nur den Wahn an das Glück durch irdischen Besitz zu überwinden, so trinken wir schon von dem unerschöpflichen Born Christi. Die Aussteuer an Zufriedenheit, die ein altes Mütterlein ihrer Tochter mitgibt, ist wesentlicher als die an Wäsche und Möbeln. Daß wir und wieder zum rechten Geist bekennen, darauf kommt es an. Geist der Liebe, Geist der Treue zwischen den Menschen, Geist der Zufriedenheit — dazu sollen wir auferstehen. Dann erst kann Ostern werden in unserer Familie, in unserer Umgebung unb unserer Berufswelt.
„Christi ist erftanben", jubeln bie Osterlieder. Nimm deine Nörgelei, beine Engherzigkeit, dei
nen Stolz, bein Reben über die Mitmenschen und mach dich davon frei. Zunächst erscheint es als ein Opfer, aber bann wird es dir zur Auferstehung. Ist nicht der wahrhaft Liebende reicher als der Lüstling, der von seiner Gier unterjocht wird! Freilich im Auge der Welt urteilt man anders. Da gilt der Knecht feiner Leidenschaften mehr als der Freie der hingebenden Liebe. Arme Törin, eitle Welt! Dir ergeht es wie den Juden, die den Herrn kreuzigten: sie glaubten ihn zu besiegen, er aber über man b durch den Tob die stumpfe Welt. Am Ostertag soll es wieder einmal Licht in uns werben. Wir sollen uns unseres Christenreichtums bewußt werden; denn wir haben den irdisch eingestellten Menschen eines voraus, wir wissen um den tiefen Sinn des Menschseins, der in der Hingabe an Gott liegt. In ihm ist erst die wahre Freiheit des Menschen, der Triumph über die irdische Not gegeben. Während die Welt im „Krenzige-ihn-Geschrei" des Karfreitags nicht müde wird, dürfen wir im Morgenglanz des Ostertages aufjauchzen. Wenn auch unser irdischer Jubel nur Vorfreude zum himmlischen Ostertag ist, so soll doch der Jubel im Diesseits auch schon wirklich Gestalt finden. Die Menschen um uns sollen durch unser Leben er f ah - re n, daß wir Erlöste und bereits von der Sünde Auferstandene sind.
Priester und Volkslumbewegung
Bon Universitätsprofessor Prälat Dr. G. Schreiber.
Die folgenden Ausführungen sind dem Buche „Das deutsche Volkstum und die Kirche, ein Beitrag zum Ethos der Minderheiten" von Universitätsprofessor Dr. Georg Schreiber, M. d. R., das soeben im Gilde-Verlag in Köln erschienen ist, entnommen.
Ein natürlicher Ausfluß des Hirtenamtes und der Verwurzelung des Priesters im Volkstum war es von jeher, daß m Volkstumsbewegungen gerade dem Priester eine hervorragende Rolle zufiel. Davon wissen die Nationalbewegungen älterer wie neuerer Zeit zu berichten. Daß die Priester geistige Führer des Volkes auch in einer nationalen Bewegung werden, liegt nicht unmittelbar in der Absicht der Kirche. Aber es ergibt sich oft aus ihrer volksnahen Stellung.
Uebersteigerte Nationalismen haben der Kirche allerdings vorgeworfen, sie zeige eine zerstörende Gleichgültigkeit gegenüber nationalen Belangens wenn das Volkstum sich inmitten besonderer Gefahren und Entwicklungen befinde. Solche Vorwürfe gingen bis zur Schaffung eigener Nationalkirchen. Man vergaß aber, daß man gerade durch solche Nationalkirchen die eigene Nation um ein gutes Stück ihrer Weltgeltung brachte, indem man sie aus einem großen übernationalen Zusammenhang herausriß. Dazu kommt die größere Abhängigkeit des Religiösen vom Staate, die eine solche Nationalkirche immer wieder erfahren muhte.
Gegenüber solchen Vorwürfen ist im übrigen festzustellen, daß immer wieder Priester in schweren Zeiten zu ersten Führern und Erweckern des Volkstums wurden. Schon am Anfang der modernen Nationalbewegung, die feit dem Barock durch Europa geht, stehen zahlreiche Priesterfiguren. Die Gelehrtenwelt des ausgehenden Barock, zum großen Teil im Priesterstande vereinigt, hat die ersten Forschungs- fahrten in das Gebiet der Nationalgeschichte und der Sprach- und Volkskunde unternommen. Die liberale Entwicklung des 19. Jahrhunderts hat das Verdienst priesterlicher Gestalten für die Nationalentwicklung in Romantik und Restauration vielfach verschüttet. Erst eine neue Forschung stellt fest, wie stark das Wirken priesterlicher Volkskundler und Volksschriftsteller die Quellen des Volkstums erschloß. Sie wurden mit Alban Stolz, Heinrich Hansjakob, Augustin Wibbelt, Peter Dörfler, Heinrich Mohr und anderen zu Entdeckern der Landschaft zu künstlerischen Interpreten und mit C h r i ft i an Frank (Deutsche Gaue, Kaufbeuren) und mit den Benediktinern von Salzburg zu gelehrten Sammlern des Brauchtums.
Johannes Janssen, der Priester und Hi
storiker, hat in der deutschen Geschichtswissenschaft den Blick für das Volkstum als Träger deutschen Geschehens außerordentlich geschärft, indem er eine Betrachtung überwand, die mit Leopold von Ranke und Dietrich Schäfer die deutsche Entwicklung einseitig vom Staate her sah.
Auch Predigt und Seelsorge erweisen sich immer wieder als volkstumhaltig. Der Benediktiner Aegidius Jais (gestorben 1822 in Benedikt- beuren) behandelte vor hundert Jahren gern die Volksbäuche in seinen Predigten. Am berühmtesten ist wohl seine Kerzenpredigt auf Lichtmeß. Bischof Matthias Eberhard von Trier (gestorben 1876) erwähnte in seinen Firmungsreisen gern die
lieber KaffeetrinSer/
Wer ^sVohnenLtffeemik 2/j Kathreiner mischt, spart an einer einzigen TM fast soviel,als eine Semmel -kostet.-Wenn cs noch keinen Kathie in e r gäbe,müßte er Hetzt geschaffen werben.
Mosellandschaften, durch die er fuhr. Er sprach von den Mühen des Weinbaus. Er ermahnte das Volk zum friedlich frohen Leben am Moselfluß und an seinen Bergen Ueberaus volksnahe gar sich auch Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteier, der einstige Pfarrer des weftfälischen Dorfes Hopsten. In feiner berühmt gewordenen Frankfurter Leichenrede (21. September 1848) auf die zwei ermordeten Abgeordneten des Frankfurter Parlaments, Lichnowsky und Auerswald, kam er auf die Kraft und die Reinheit des Volkstums zu sprechen, indem er nach den eigentlichen Mördern fragte: „Wer hat diese beiden ermordet, das deutsche Volk? — Ich kenne auch das deutsche
Der Katholizismus hat noch Autorität, er besitzt die glückliche Wechseldurchdtingung von Diesseits und Jenseits, die Harmonie von Glauben und Wissen, er besitzt die Synthese aller Kullurziele in Gott, Christus und Kirche.
Im gegenwärtigen Augenblick können wir beobachten, wie der Nationalismus die einheitliche deutsche Kultur dadurch Herstellen will, daß er alle Tradition abstreift, daß er alle westlichen und südlichen Kuttur- einflüffe ausfchalten will, um „deutsche Reinkul- tur" herzustellen. Bei diesem Bestreben jedoch gerät er in eine einseitige Sackgasse und an die Gren-en eines geistigen Nihilismus, der die deutsche Bildung unmittelbar bedroht. Diesen Tendenzen gegenüber bewährt sich die katholische Kirche wiederum als Trägerin und Bewahrer in echter und wahrer Kultur, da ihr geistiger Univer- faiismus und ihr auf unverrückbaren Grundideen aufgebauter geistiger Zentralismus vor dem Untergang in die Selbsterlösungsphilosophie der Gegenwart behütet. Diese bedeutsame Tatsache stellt der bekannte Universitätsprofessor Ernst Robert Curt ins in seinem Buche fest: Deut- s ch e r G e i st in Gefahr (Stuttgart, Deutsche Ver- lagsanftalt), wenn er schreibt: „Nur das Zentrum verdankt seiner wellanschaulichen Sonderstellung die Möglichkeit, geistige Ziele s e 1 bst- verständlich zu bejahen und ist dadurch zum Vorkämpfer der bedrohten Wissenschaft und Forschung geworden" und an einer anderen Stelle: „Es muß wiederum als ein Glück im Unglück betrachtet werden, daß der deutsche Katholizismus bis auf weiteres noch in der
Lage ist, den Kulturzerstörern Einhalt zu gebieten. Aber so wäre eine traurige Selbstabdankung des geistigen und politischen Deutschlands, wenn nur noch das Zentrum eine wellgüttige deutsche Gesinnung verträte. Unsere Nationalisten sind sehr kurzsichtig, wenn sie eine antirömische, antisüdliche, antiwestliche Stimmung erzeugen, die schließlich dazu führen müßte, daß unsere geistigen Erbgüter nur noch beim römischen Deutschland geborgen wären" (S. 47). Wir freuen uns, daß die Bedeutung der katholischen Kultur und ihrer Kräfte von einer anerkannten Autorität zugegeben werden muß. Der Katholi- zisrnus als Prinzip der Autorität wird als Gegner des Prinzips des Individualismus und des Nurnationalismus seine weltgeschichtliche Bedeutung auch in der Zukunft aufrecht erhalten.
Denkt an dieAuslandsdeutschen!
Hilferuf aus der Slowakei nach deutschen Priestern.
Aus Preßburg wird uns geschrieben „Der Mangel an deutschen Priestern birgt nicht nur für die Gegenwart, sondern vor allem für die Zukunft große Gefahren für die Erhaltung unseres Volkstums in sich. D i e rund 100000 deutschen Katholiken der Slowakei haben« ur 17 Weltgei st liche, die sich zum de utschen Volkstum bekennen. Diese können aber nur einen kleinen Teil der Deutschen betreuen, die große Mehrheit der deutschen Gemeinden dagegen hat magyarische und slowakische Priester. In der rein katholischen Deutsch-Probener und Kremnitzer Sprachinsel wirken allerdings noch 13 deutsche Pfarrer neben drei sremdvölkrschen, dagegen haben die Preß
Volk; ich kenne es aus feinem Leben; es gibt in dem Volk, das mir anoertraut ist, nicht viele Freuden, die es mir nicht sagt, nicht viele Leiden die es mir nicht klagt — nein, nicht dies Volk hat sie ermordet."
Auch der Volksverein mit einem Arbeiterkreis um A. Pieper, 21, Heinen, E. Ritter, dem auch Adolf Danders nahe trat, hat auf eine bewußte Erschließung des Volkstums hingewirkt. In der Oberpfalz (Mockersdorf) arbeitet Josef Weigert daran, das bäuerliche Volkstum literarisch schärfer zu erfassen, wenn er „das Dorf entlang" geht und mahnt „Bauer, es ist Zeit" und zu allem seine Bauernpredigten hinzufügt. In der österreichischen Volksbildungsbewegung stehen die Pfarrer Steinbrunner und Teufelsbauer. Andererseits widmete Kardinal Bertram, der Schöpfer einer klassischen und heimatbe- wußten Bistumsgeschichte (Hildesheim), seinen Hirtenbrief 1930 den Wegekreuzen und den Andachts- bübern und in feinem Buche „Charismen" ein eigenes Kapitel der Volkstumsaufgabe des Geist- sichen (Im Dienste des Volkes, Freiburg 1931.)
Als Entdecker, aber auch als Helfer haben sich in der Missionsentwicklung der Neuzeit eine große Fülle priestersicher Charaktere und Volksmänner vor das fremde Volkstum gestellt, das sie missionieren. Sie haben es oft vor den Zugriffen einer Verwaltung zu bewahren versucht, die Indianer und Neger ausbeuten will oder ,311m mindesten oft genug psychologisch unterbewertete. Auch die von Schmidlin und von Warneck getragene Missionswissenschaft ist ein großes umfassendes Bekenntnis zum Volkstumswerk.
Bis in die Gegenwart führen zahlreiche Bei- spiele vom Wirken des Priesters für das bedrängte Volkstum Es fei nur an die Linie erinnert, die von dem Tiroler Karaten Franz Mitterer aus Proveis (gestorben 1899) führt, der 'm . den Anfängen des deutschen Schuloereins und des Vereins für das Deutschtum im Ausland steht. Sie führt bis zu dem schwäbischen Volksführer Fran.z Blaskovics im Banat. •«
Der Bedeutung des Priesters als' Volkstumsführer entspricht die Forderung nach der Heranbildung eines bodenständigen, int Volkstum wurzelnden Klerus. Je weniger die Betreuung von Gemeinden durch fremd, nationale Priester notwendig ist, desto mehr Reibungsflächen werden vermieden. Daraus ist die große. Wichtigkeit einer planvollen^ Pflege des P r ieste r na chw uchses im,, Auslandsdeutschtum erkennbar.
Das Chaos der Setten in Denttchland.
Van den 62.4 Millionen Einwohnern des Reiches haben 20.2 Millionen den römisch-katholischen Taufschein. 39.4 Millionen Anhänger der evangelischen Landeskirchen gehören 187 einzelnen Organisationen an. Außer den Landeskirchen gibt es eine Anzahl evangelischer Freikirchen, die 63 verschiedene Gruppen umfassen. Ferner umfaßt die griechisch-katholische und orientalisch-ortho- dore Kirche 31 verschiedene Gruppen und die Altkathkoli- lche Kirche 3 Grupven. 288 christliche und nichtchristliche „Sekten" gibt es, dazu noch 97 Gemeinschaften, die rem weltanschauliche Ideen verfolgen, und 91 Gruppen, die weder religiöse noch weltanschauliche Ziele haben. Unter den evangelischen Sekten sind zum Beispiel die „Menno- niten", die „Baptisten-Wiedertäufer", die „Methodisten, die „Neu-Apostol. Bekenntnisse", die „Adventisten", die „Doopsgesind", „Quäker", „Eo. „Masdasnan-Tempelver- einigung, „Christi. Vereinig, ernster Forscher v. Diessells und Jenseits, wahrer Anhänger der Johann-Gemeinde, „Freitagsanhänger", „Neugeborene-Keuschheits-Christen- gemeinde", die „Otterbinnianer", „Was von Anfang war", die „Weinbrennianer" ufw. Außer diesen eoang. Sekten gibt es noch 87000 „Sonstige Christen" in Deutsch- land, die in 93 einzelnen Gemeinden zusammengesaßt ■ sind. Da sind: die „Heilsarmee", die „Christian Science (Gesundbeter), die „heiligen der letzten Tage" (Mormonen), eine „Gemeinde Engel Jehovas", die „11000 Jungfrauen", die „Obristen-Dersammlung". — Die Jsrae- Uten sind in 22 selbständigen Organisationen verteilt und . zählen 564 379 Angehörige. 1.12 Millionen haben überhaupt keinen Glauben. Unter den nichtchristlichen Religionsgemeinschaften sind alle Lehren vertreten, die es auf der Welt gibt: Vedanta-Lehre, Anhanaer Zarathustras, Brahmanen, Buddisten, Feueranbeter-Porstn, Hindus, Muselmänner, Sonnenanbeter. Die Weltanschauungsvereinigungen umfassen 97 Gruppen, darunter: die Theosophen, Bund der freien Maurer, die „Geistes- ftreiter", die „Jatho-Gemeinde", „Neue Erde, „Ohne Gott", „Ohne Seligkeit", „Sextanten" ....
burger und die Zipfer Gemeinden mit mehr als 50900 Deutschen nur vier deutsche Priester. Diese an sich ungeheuerliche Tatsache, die dem Grundsätze der katholischen Kirche ganz widerspricht, wird noch dadurch verschärst, daß die fremdoolkischen Priester in den deutschen katholischen Kirchengemeinden vielfach im offenen Kampfe gegen bie felbstver- ständlichsten Regungen des deutfchen Volksbewußtfeins stehen. Stärker aber als die Gegenwart bedrückt alle verantwortlichen Katholiken, unter ihnen vor allem die in der Slowakei wirkenden deutschen Priester selbst die Sorge um die Zukunft. Ein großer Teil dieser deutschen Geistlichen konnte noch auf deutschen Seminaren ober Hochschulen feinen Stubien obliegen, sich auch in der deutschen Prebigt üben. In ben neuerrichteten Priesterseminaren in Tyrnau, Neutra, Kaschau, Ko- morn und Rosenau dagegen wird nur noch slowakisch, magyarisch ober lateinische oorgetragen, niemals jedoch deutsch. Ja sogar bie deutsche Umgangssprache wirb den deutschen Zöglingen verleidet: da diese meist armen deutschen Familien entstammen und aus Stipendien sowie Freistellen in den Internaten angewiesen sind, fo hat man sie ganz in der Hand Die Gesahr, bald keinen deutschen Priesternachwuchs mehr zu haben, hat bei den Deutschen den Wunsch wachgerusen, die strenge Sperre der Diözesangrenzen, die bisher ein Studium außerhalb der Slowakei verhinderte, aufzuheben unb den deutfchen Seminaristen den Besuch der subetenbeutschen Anstalten zu ermöglichen. Nur auf diese Weise könnte ein deutscher Klerus herangezogen werden, der auch den kulturellen Kontakt mit der deutschen Bevölkerung Herstellen kann. Es wäre zu wün- . schen, baß sowohl die Regierung wie der slowakische Episkopat diesen Forderungen der Deutschen Rechnung trägt.