lUldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 71
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: ..Die Well im Bild" und ..Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 3153 Fuldaer Artiendruckerei 3151 und 3152 ::
Freitag, 25. März 1932.
Monatlich I 65 enychUetzi. PcMedum (45 P,g , ohne ^uitellg Anzelgen-Preise: Kleinzeile lEol > lokal 0.15 RM.. auswärts 0 20RM Reklamezeile: lokal N.6N RM.. auswärts O.M RM Bei Wiederbolungen Rabatt Polt'checkk ^ranfiurt a M 4051
labrg. 59.
Zur Frage der deutschen Wvatschutden.
Was amerikanische
wtb. Jleroyorf, 24. März. (Eig. Meld.). Die hiesigen Bankkreise erklären, daß die deutschen Leistungen unter dem neuen Stillhalteabkommen befriedigend seien. Deutschland habe nicht nur alle Zinszahlungen pünktlich geleistet, sondern auch kleinere Beträge amortisiert, was von den Vertretern der amerikanischen Stillhaltegruppe mit Befriedigung festgestellt worden sei. Der verfeinerte Zahlungsmechanismus des neuen Stillhalteabkommens gebe der de-utschen Finanz und Industrie mehr Zeit, die schwere Aufgabe der Anstauung der eingefrorenen Anleihen durchzuführen. Diese Aufgabe werde allerdings durch die Schwierigkeiten am Devisenmarkt besonders kompliziert. Man ist der Ansicht, Deutschland könne seine ausländischen Privat- schulden verhältnismäßig leicht liquidieren, wenn iie ausländischen Gläubiger Zahlungen in Reichsmark akzeptieren.
Die Lohntarif-Verträge.
wtb. Berlin, 24. März. (Eig. Meld.) Zu der Notiz einer großen Berliner Tageszeitung, wonach in Aussicht genommen sein soll, die Laufdauer der L oh n t ar i f v e r t r ä g e für bestimmte Gewerbe durch Verordnung über den 30. April 1932 hinaus zu verlängern, weist das Reichsarbeitsministerium darauf hin, daß eine solche Maßnahme sich offenbar schon deshalb erübrigt, weil die Parteien, wie schon jetzt mit Sicherheit anzunehmen ist, von der Kündigungsmöglichkeit der Lohntarifverträge zum 30. April nur ausnahmsweise Gebrauch machen werde. Ein solches Verhalten entspricht auch der Auffassung des Reichsarbeitsministeriums. Nach der Senkung der Löhne und Gehälter durch die 4. Notverordnung erscheint eine erneute allgemeine Herabsetzung nicht tragbar und bei der steigenden Bedeutung des Binnenmarktes für die deutsche Wirtschaft auch nicht wünschenswert.
Berechtigt erscheint lediglich in einzelnen Berufszweigen die A n p a s s u n g der gegenüber dem allgemeinen Lohnstand noch überhöhten Löhne oder Gehälter. Bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands sollte jede Lohntarif-Kündigung unterbleiben. Soweit Aenderungen erforderlich sind, sollten Verhandlungen der Beteiligten baldigst ein« geleitet werden, um auch von der Lohnseite her die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Belebung Zu 'chäffen. Im übrigen sind in der letzten Zeit vereinzelte Zweifel geäußert worden, ob nicht Ta- rifverträge, die zu ihrem Ablauf der Kündigung bedursen, auch wenn diese nicht erfolgt, gleichwohl ?nL®runb der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 mit dem 30. April 1932 von selbst ab- I a u f e n. Diese Zweifel sind, wie das Reichsar- vcitsmmisterium weiter mitteilt, nach Wortlaut nno Zweck der fraglichen Notverordnung nicht berechtigt.
*
. ^ufen Tarifverträge nur dann mit
öem 30. April 1932 ab, wenn sie nicht auf län- gere Dauer abgeschlossen sind. Das Reichsarbeits- nnnisternim nimmt ferner an — ohne damit der arbcitsgerichtlichen Entscheidung im Einzelfaste vorgreifen zu wollen — daß Kündigungen von
Gehaltstarifverträgen, fote oor öem xMkrafttreten der Notverordnung, also vor dem 9. Dezember 1931 ausgesprochen und später nicht wiederholt wurden, mit Rücksicht auf die durch die ^.orstyristen der Notverordnung grundlegende Aenderung der Lage nicht mehr als wirksam angesehen werden können, falls nicht besondere Umstände, wie die Tatsache, daß der -!.aifoertrag nur einmal jährlich gekündigt t J.ann' ausnahmsweise eine andere Auffassung bedingen.
Vie nattonalsoziallstische Klage.
wtb. Leipzig, 24. März. (Eig. Meld.) Der ^taalsgerichtshos für das Deutsche Reich verhan- delte am Donnerstag in der verfassungsrecht- stchen Streitsache des Führers der NSDAP Adolf Hitler m semer Eigenschaft als Reichspräsident- schaftskandidat, der Partei selbst, ferner der natio-
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Im „Deutschen Scknelldienst", dem deutschnationalen Pressedienst, Ausgabe vom 23. März 1932, wird unter dem Titel „Unterschiede" unter anderem ausgeführt:
„Der Nationalsozialismus ist Sozialismus..." „Er ist und bleibt eine Spätfrucht des Marxismus..." „In diesem sozialistischen Charakter liegen Wesensunter- fchiede zu den übrigen Teilen der nationalen Bewegung, die nicht verwischt werden dürfen..." „Wenn ein führender Funktionär der NSDAP, sich mit Entschiedenheit dagegen wendet, daß das Hakenkreuzbanner fchwarz-weiß-rot sei und es die rote Fahne des Sozialismus mit dem weißen Kreis und dem schwarzen Hakenkreuz nennt, so läßt diese Erklärung an Eindeutigkeit und Aufrichtigkeit nichts zu wünschen übrig. Und ganz in dieser Linie liegt — wenn auch schon gefährlich von der nationalen Grundlage abgleitend, — die bekannte Feststellung der nationalsozialistischen „Nieder- sächsischen Tageszeitung" (Hannover): „Nationale Opposition ist gar nicht viel; Sozialismus ist das Ziel!"
Auch durch die Deutsche Volkspartei wird der Sozialismus der Nationalsozialisten abgelehnt. In einem Artikel der „National-Liberalen Korrespondenz" vom 23. März 1932 von Albrecht Graf zu Stolberg Wernigerode heißt es:
„Staatssozialismus ist im Grunde genommen doch auch Marxismus. Man kann ober nicht auf der einen «eite einen scharfen Kampf gegen den Marxismus führen und auf der anderen zugleich marxistischen Grund- lätzen selbst huldigen."
Bemerkenswert ist auch, wie scharf die Außen-
Amanzkreise sagen.
nalsozialistischen Reichstagsfraktion und des preußischen Landtagsabgeordneten Kube als Wahlleiter für die preußischen Landtagswahlen gegen den Freistaat Preußen, vertreten durch das Staatsministerium, und den preußischen Innenminister Dr. Severing wegen Feststellung der Verfassungswidrigkeit von Anordnungen auf Vornahme von Durchsuchungen und Beschlagnahmen. Die Klageparteien wurden durch Rechtsanwalt Dr. Frank II, München, und Dr. Roland Freister, Kassel, vertreten. Für die preußische Regierung waren Ministerialdirektor Dr. Badt und die Minffterialräte Schönner und Janich erschienen. Wie der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsident Dr. Dumke zu Beginn der Verhandlung betonte, erstrecke sich diese zunächst lediglich auf den Antrag einer einstweiligen Verfügung. Es handele sich bei der Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof nicht darum, die Dinge in ihrer politischen Bedeutung zu besprechen, sondern um eine Rechts- und Ver- faffungsfrage. Er bat die Vertreter der Parteien, in diesem Sinne ruhig und nüchte rn zu verhandeln.
Rechtsanwalt Dr. Frank teilte mit, daß er zur Glaubhaftmachung seiner Eingabe auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung 4 Zeugen vor Gericht gebeten habe.
Sodann erstattete Reichsgerichtsrat Schmitz Bericht über die Klage.
Roehm und v. Schleicher.
ERB. Berlin, 24. Marz. (Eig. Meldg.). Eine Reihe von Blättern hat sich in den letzten Tagen mit der Tatsache beschäftigt, daß der „Stabschef" der SA., Roehm, von der Zusammenziehung seiner Verbände am 13. Mürz, dem General von Schleicher im Reichswehrministerium Mitteilung gemacht hat, zur Weitergabe an den Reichsinnenminister. Zu den verschiedenen Kombinationen, die daran geknüpft worden sind, z. B., daß die Mitteilung des Hauptmanns Roehm nicht über den Bereich des R e i chs w e h r m i n i st e - riums herausgekommen sei, erfahren wir aus Kreisen des Reichswehrministeriums, daß Roehm sich an dem betreffenden Tage im Reichswehrministerium gemeldet habe, um den Minister,. der zu dieser Zelt gewöhnlich im Reichswehrministerium ist, persönlich zu sprechen. Das war aber nicht möglich. Er hat seine Mitteilung dann dem General von Schleicher gemacht und dieser hat sie sofort und ohne weitere Sachbearbeitung an den Reichsinnenminister weitergegeben. Diese Darstellung wird auch vom Reichs in - nenministerium bestätigt.
Grotzwahltag am 24. April.
In der Hamburger Bürgerschaft wurde der nationalsozialistische Antrag auf Auflösung von a l- I e n 148 anwesenden Abgeordneten a n- genommen. Ein anderer nationalsozialistischer Antrag, den Termin für die Neuwahlen a u f den 10 M a i festzusetzen, konnte nicht zur Abstimmung gebracht werden, da Sozialdemokraten und Demokraten kurz vor der Abstimmung über diesen Antrag den Saal verlassen hatten und so keine Zweidrittelmehrheit erzielt werden konnte. Die Neuwahl der Bürgerschaft wird, wie in der Verfassung vorgesehen, vom Senat bestimmt werden. Sie dürfte am 24. A p ril erfolgen.
Auch die Anhaltischen Landtagswahlen finden mit den Preußenwahlen am 24. April statt.
Die deutschnationale „Frankfurter Post" verboten.
wtb. Frankfurt a. 2N., 24. März. (Eig. Meld.). Der Oberpräsident hat die „Frankfurter Post" bis einschließlich 31. März verboten.
Der Reichshaushaltsplan für 1932, dessen Aufstellung vor dem Abschluß steht, wird, wie die „Voss. Ztg." berichtet, in Einnahmen und Ausgaben mit etwa 8,5 Milliarden Mark ausgeglichen fein. Er wird also um 800 Millionen Mk. niedriger liegen, als der Haushaltsplan für 1931.
Politik der National'ozialisten neuerdings von den Deutschnationalen angegriffen wird. In der erwähnten Ausgabe des „Deutschen Schnelldienstes" vom 23. März 1932 wird diese Außenpolitik be- zeichnet „schlimmer als die Stresemann- Politik" und die Meinung des nationalsozialisti- tchen Hamburger „Tageblatts" sei „einfach abschließend", wenn es schreibt: „... Wir gehören nicht zu euch, von euch trennt uns eine Welt, wir sind nicht national wie ihr seid! ..."
Hugenberg, Hugenberg, was hast Du angerichtet! Da hat der Herzog von Koburg recht? Ein Mysterium!
Herzog v. koburg lobt Hitler.
Erlauchte Befürworter der „Arbeiker-Vartei".
Karl Eduard Herzog von Sachs« n- Koburg und Gotha, Rüdiger G ras v- d. Goltz und Admiral v. Schröder veröffentlichen unter der Ueberschrift: „Schließt die Reihen" einen Aufruf'für die Wahl Hitlers im zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. In dem Aufruf heißt es u. a.:
„Siegen kann nur der, der sich selbst einem großen Ziel unterstellt. Dieses heißt für uns Deutschland. Freiheit im Innern und Sicherheit nach außen gibt ihm nur der Aufstieg der nationalen Gesinnung. Auf die Auslegung von Programmen und die spätere Einnahme von Regierungssitzen kommt es jetzt nicht an. Die Frage lautet' allein: Wer erringt die Macht für das nationale
Deutschland? Sehen wir uns die letzten Wahlzisfern an, so hat aus der nationalen Bewegung Adolf Hitler die meisten Stimmen auf sich vereinigt. (Diese erlauchten Herren sagen damit, daß Hindenburg nicht als Kandidat national, d .h. vaterländisch empfindenden Menschen zu betrachten ist. D. Schriftl.) Ihm beim zweiten Wahlgang alle Marschkolonnen zuzuführen, ist nach unserer durch keine Partei gebundenen Auffassung für die nichtnationalsozialistischen Gruppen jetzt historische Pflicht. Auch wenn sie keinen eigenen Wahlkampf mehr führen, dürfen sie nicht zulassen, daß ihre Anhänger bei der nächsten Abstimmung ohne solcbe eindeutige Parole sind. Das wäre nur eine Hilfe für das bekämpfte System, dessen Bemühen bereits darauf aus- geht, Kräfte von uns für den 10. April zu sich hinüberzuziehen. Nicht Hitlers Person ist es, der wir Deüstch- lands Geschicke damit anvertrauen, sondern dem aus ihm sprechenden nationalen Zeitwillen, der sich schon jetzt 14 Millionen Stimmen erobert hat. Nicht um den Führer einer Partei geht es, fonbern um den Durchbruch einer Bewegung, die alle Gegensätze in sich überbrücken und damit die nötigen Kräfte zu den kommenden Aufgaben haben wird. Die Ereignisse der letzten Tage, zumal in Preußen, werden manchem Hindenburg- Wähler die Augen geöffnet und ihm die Frage nahegebracht haben, ob feine Stimmabgabe wirklich nur überparteilich gewertet wird. »
Herzog, Graf und Admiral' empfehlen, einer „Arbeiterpartei" das Schicksal Deutschlands anzuvertrauen? Das muß eine merkwürdige „Arbeiterpartei" sein. Mann aus dem Volke, i>egreifst Du i m m e r n o ch n i ch t s? Klarer kann es Dir doch gar nicht gemacht werden!
* Der Reichstagsabgeardnete Dr. Franz 3oe= rissen ist in Köln im Alter von 64 Jahren an Herzschwäche gestorben. Dr. Joerissen, der dem Reichstag als Mitglied der W i r t s ch a f t s p a r- tci seit 1924 angehörte, war Geschäftsführer des Verbandes Rheinischer Haus- und Grundbesitzervereine e. D. und Syndikus des Kölner Hausund Grundbefitzervereins.
* Die „Rote Fahne" verboten. Der Berliner Polizeipräsident hat die kommunistische „Rote Fahne" auf die Dauer v o n fünf Hagen verboten.
* Keine Zusammenlegung der Invaliden- und Angestelltenversicherung. Die Behauptung, daß durch eine Notverordnung die Zusammenlegung der Invaliden- und Angefteütenversicherung vorbereitet werden würde, ist, wie wir von zuständiger Seite erfahren, aus der Luft g e g r i ff e n.
Chinas Protest.
wtb. Genf, 24. März. (Eig. Meldg.). Verschiedene Anzeigen deuten darauf hin, daß China die Absicht hat, die mandschurische. Frage e r - neut vor dekn Völkerbünde aufzurollen. Der Vertreter Chinas, Botschafter Pen, der während der Osterpaufe von Genf aus in ständiger Verbindung mit seiner Regierung bleibt, hat in einem soeben veröffentlichten Schreiben an die Mitglieder der Völkerbundsversammlung feier- l i ch gegen die angeblichen Umtriebe Japans in der Mandschurei protestiert. Botschafter Pen behauptet, daß die Japaner auf die verschiedenste Weise der Marionetten-Regierung in der Mandschurei Vorschub leisten, indem sie u. a. sich für die Beschlagnahme der Zolleinnahmen durch die Regierung verwenden und sie durch Ernennung von japanischen Sachverständigen unterstützen. Die Japaner bestünden darauf, daß alle Erneuerungen bestehender Zollverträge und alle Tarifänderungen der Genehmigung der neuen Regierung unterliegen, widrigenfalls mit der Beschlagnahme der gesamten Zolleinnahmen gedroht werde. Japan verfolge das Ziel einer Zollunion der drei östlichen Provinzen mit Japan, um auf diese Weise die Mandschurei vollständig von China zu trennen und Japan einzugliedern.
Gleichzeitig veröffentlicht die chinesische Delegation einen Protest, der gegenwärtig in Nanking residierenden Leiter der drei östlichen Provinzen, der den Völkerbund auffo-rdert, der „M ario- netten-Regierung" in der Mandschurei dis Anerkennung zu versagen und Chinas Rechte in diesen Gebieten wieder herzustellen.
Wahl und Währung.
Unter dem Eindruck des Wahlergebnisses der Reichspräsidentenwahl in Deutschland haben die in Basel versammelten internationalen Notenbankleiter ihrer Ansicht dahin Ausdruck gegeben, daß dieser Erfolg „eine wertvolle Garantie für die Stabilisierung der deutschen Währung und für die Sicherung Deutschlands vor dem Bürgerkrieg" schaffe.
Mit der Wiederwahl Hindenburgs, die jetzt schon, trotz des bedauerlicherweise wegen knapp 160 000 Stimmen Differenz notwendig gewordenen zweiten Wahlganges, absolut feststeht, so daß dieser zweite Wahlgang nur noch Formsache ist, ist die Stabilität der deutschen politischen Verhältnisse gesichert. Damit ist aber auch die beste Gewähr für die Stabilisierung der wirtschasts- insbesondere währungspolitischen Verhältnisse gegeben.
Das ist jetzt das Wichtigste, was für uns und was für die Dispositionen der Wirtschaft in allernächster Zeit notwendig ist. Denn feit Monaten und verstärkt in den letzten Wochen und Tagen hat sich eine Erstarrung auf wirtschaftlichem, insbesondere kredit- und handelspolitischem Gebiet gezeigt, die geradezu erschreckend und von den Verderblichsten Folgen nicht nur für die Wirtschaft im Großen, sondern auch für die im Kleinen mar. Jeder der in diesen letzten Wochen und Tagen durch das deutsche Land reifte, konnte bis in das entfernteste Gebirgsdorf hinein und bis zum kleinsten Laden und Lädchen in den Dörfern und Dörfchen die Feststellung machen, daß nichts mehr gekauft wird, daß die Unsicherheit über das, was politisch wich,
jede Initiative lähmte, jeden Entschluß verhinderte, so daß es nachgerade zu einer trostlosen Niedergeschlagenheit und zu einer lähmenden Letargie gekommen ist.
Damit ist es nun vorbei! Hindenburg wird Reichspräsident! Der erste Wahlgang hat diese Entscheidung gebracht, und das Ergebnis des zweiten Wahlganges ist auch im voraus geklärt. Jetzt ist die Unsicherheit und die Ungewißheit von den wirtschaftlichen Dispositionen genommen. Und es ist höchste Zeit, daß es so ist. Schon die Tatsache, daß wegen der Unmöglichkeit, die Parlamenteriiehe Wiederwahl des Herrn Reichspräsidenten zu vollziehen, ein Wahlkampf in Kauf genommen werden mußte, hat der Wirtschaft empfindlichen Schaden zugefügt. Es ist ein Glück für die deutsche Wirtschaft. daß der erste Wahlgang schon eine volle Klärung gebracht hat. denn es wäre nicht abzusehen, was in vier Wochen weiterer Unsicherheit an neuen Lasten und Opfern für die Wirtschaft sich ergeben hätte.
Man mochte nur wünschen, daß nun — und der Zeitpunkt ist überaus günstig — die Wirtschaft aus ihrer Zurückhaltung herausgeht, daß sie mit neuer Kraft und mit neuer Initiative sich betätigt, und daß das Publikum selbst die Wirtschaft in ihren Bemühungen, wieder zu einer frischeren Regsamkeit zu kommen, unterstützt. Es ist jetzt kein Grund mehr zu einer Reserve vorhanden, ganz im Gegenteil muß gerade jetzt, wenn wir nicht den Anschluß an die international sich zeigenden Besserungserscheinungen verlieren wollen, eine lebendige Aktivität entfaltet werden.
* ftomr*’,,nWP Tn— - kpllnk oeru’-teitf. Von den elf angeklagten Hambomer Kommunisten, die in Obermarrlvch bei Hamborn angeblich zur Verteidigung gegen einen nationalsozialistischen Ueberfall Bomben h e r g e ft e 111 hatten, wurden acht vom Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig zu empfindlichen Zuchtba'isstra- fen verurteilt. Der Hauptangeklagte Wilhelm Meyer erhielt drei Jahre sechs Monate Zuchthaus. Ein Angeklagter kam mit einem Jahr neun Monaten Festung davon, während der zehnte wegen Unterlassung einer Strafanzeige ein Jahr Gefängnis erhielt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Das Gericht hielt den politischen Verwendungszweck der Sprengkörper für Gewalttätigkeiten im Sinne der umstürzlerischen Ziele der K. P. D- für erwiesen.
Ein von einem Sergeanten gesteuertes Jagdflugzeug stürzte in Lyon ab. Der Führer ist kurz ' nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. )
Rekord derHirnk-Telephonie.
Großer Erfolg der hauptsunkslelle Norddeich.
Telcphongespräch um den halben Erdball.
Zu einem überraschenden Erfolg führten die Versuche der Hauptfunkstelle Norddeich auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie. Es gelang Zunächst, eine Verbindung mit dem am westlichen Ausgang des enalifchen Kanals befindlichen Lloyd- dampfer „Europa" herzustellen. Dann verband man die „Europa" über Norddeich mit Nauen, wo wiederum die Verbindung erweitert wurde nach Bangkvk, so daß sich das Gespräch über den halben Erdball hinzog. An Bord der „Europa" sprach ein Offizier mit einem Chinesen in Bang, kok eine volle Stunde lang: das teils englisch, teils deutsch geführte Gespräch war außerordentlich klar verständlich. Der geglückte Versuch ist als außerordentlicher Erfolg der deutschen Versuche auf dem Gebiet der Funktelephonie anzusehen.
Das Gespenst des Aussatzes.
Revolle von Lepra-Kranken bei Alicante.
Unter den Leprakranken, die in dem Krankenhaus von Pedo bei Alicante in Spanien unfeine» bracht sind, ist eine Revolte ausgebrochen. Die Leprakranken überfielen die Wärter und drangen in die anderen Pavillons ein Eine Anzahl Kranker stürmte in d i e umliegendenDär- f e r und verlangten von den Gesun- den, daß sie ihnen die Hand drück- t e n. Die Kranken wurden in den Dörfern jedoch von den Bauern festgehalten und später wieder ins Krankenhaus eingeliefert.
Der Oberprästdent von Hessen-Nassau hat für die Neuwahl des Preußischen Landtags am 24. April zum Kreiswahlleiter für den 19. Wahlkreis Hessen-Nassau (umfassend den Regierungsbezirk Kassel, ohne die Kreise Grafschaft Schaumburg und . Herrschaft Schmalkalden), den Regierungsbezirk Wiesbaden und den Kreis Wetzlar iRheiovrovinz) Oberregierungsrat Vogler, zu seinem Stellvertreter Regierungsrat W e g e I er, beide bei der Regierung in Kassel, ernannt.
* Ein zeitgemäßes Unternehmen: Berichterstatter-Kursus. Vor kurzem veranstalteten mehrere katholische tschechische Verbände in Brünn einen Schu- llmgskursus zur Heranbildung geeigneter Korrespondenten für die katholischen Zeitschriften und Tageszeitungen. Der Kckrsus war besonders für Landwirte, Absolventen landwirtschaftlicher Schulen und dgl. gedacht und sollte mithelfen, den kath- llschen Blättern brauchbare Berichterstatter aus dem flachen L a n de in den einzelnen Dörfern zu sichern. In einer Zeit, wo besonders Arbeiterkreise kommunistischer Richtung die aktive Beteiligung möglichst vieler Parteimitglieder am Ausbau ihrer.Parteizeitungen stark pflegen, ist es eine wichtige katholische Dolksbildungsaustabe, eine recht breite Schicht von Mitarbeitern und Berichterstattern aus allen Berufsfchichten heranzubilden und zu schulen.