Götterstrahlen.
Skizze von Friedrich Franz G o l d a u.
Thomas Bäumer erhielt einen Brief. Er kam weit her, achthundert Meilen von seinem Orte. Der Absender hatte seine Adresse durch das Stadtadreßbuch erfahren. Thomas sah es dem Brief« an, daß er ein gedrucktes Rundschreiben war und die Stadt überschwemmte. st
,Zernag in Ihrem Hause ist krank", stand in dem Brief. „Odin wird Helsen. Vertrauen Sie nur!"
Maria Bäumer, Thomas Frau, kränkelte wohl ein
wenig. Don ernstlicher Erkrankung konnte aber keine Rede sein Maria war eben überarbeitet. Sechs Kinder Der Haushalt. Und Sorgen gab es ja auch. Maria brauchte Erholung. Es stimmte also wohl, daß jemand krank sei. Da- traf aber schließlich auf ,-»e Fa- milie zu, und damit rechnete der Absender. Außerdem wenn man einfach schrieb: jemand tft krank! dann konnte wohl jemand plötzlich irgend etwas feirstellen.
Das kannte man ja. _
Trotzdem las Thomas Bäumer den Bries weiter. Es war etwas viel, was darin behauptet wurde:
„Geheimnis des Lebens gelüfet. Geheimnis der Götter, von Odin begnadet. Die Gotter marschieren. Senden Sie nur das Bild der Kranken. Ich helle durch Götterstrahlen. Obinische Wellen. Die Gotter sind Ihnen gnädig . . .!"
Thomas, der eine heilige Scheu hatte vor Leuten, die zu viel versprachen und vor dem neuen Heidentum, das über Gott sein will, warf den Brief in den Pa- pierkorb, ging seiner Beschäftigung nach und vergaß den göttlichen Fernheiler, der aus achthundert Mei- len Entfernung Opfer für feine Kasse suchte.
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24. März
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Ar. ro
H. K.
sagende finden wird.
dieser modische Kleinartikel, der bei
Meine Tochter und die Frauenoberschule?
nett Quantum zurück.
der Luft.
sind wohl ihre
Da, Thomas, da steht
„Ein Teufel", schrie sie auf.
er wieder. Da, Thomas. Er will sein« Hände . . , Thomas, er will dich verdrängen. Schieß ihn tot, Tho-
verlangen Ein- und Kombina-
dachte einen Arzt zu daß Maria krank sei; Besonderes zeigte sich
ich werde gesund, Thomas. Ich neugeboren."
Thomas schüttelte den Kopf, konsultieren, weil es doch schien, er unterließ es aber, denn etwas nicht mehr.
biete in ihren Lehrplan ausgenommen beziehung und geistige Div-bbringung Einfühlungsvermögen^ Umstellungskraft tionsgabe.
Auch der Turbanmode wird eine baldige Rückkehr prophezeit und zwar sagt sowohl Paris, wie Wien, daß zum Abendkleid ein Turbanhütchen unbedingt 6te Dame ausmache. Paris und Wien müssen es ja wissen! Gemusterte Stoffe erobern sich immer weitere Gebiete. Man sieht sie jetzt schon als Handschuhbesatz, man verarbeitet sie an Schuhen und Sandaletten und die Frau, die sich nicht gemustert kleidet, kann keinen Anspruch darauf erheben, modern zu sein.
Die praktische Hausfrau.
Gehacktes Eiweiß, das man gerne zum Garnieren von Salaten aller Art verwendet, bekommt bei längerem Stehen eine bläuliche Farbe. Es bleibt aber schön weiß, wenn man es mit Zitronensaft beträufelt.
Der fertige Kuchen fällt leicht zusammen, wenn man ihn aus dem Backofen nimmt und sofort einem starken Temperaturunterschied aussetzt. Am besten läßt man d^i fertigen Kuchen 5—10 Minuten in dem geöffneten Backofen stehen. Zu rasches Stürzen verträgt der Kuchen nicht gut, am besten wartet man, bis er lauwarm ist. Ein nasses Tuch um die Backofensorm geschlungen, laßt den Kuchen mühelos der Form entgleiten.
schülerinnen strahlen, wenn sie nach zehnjähriger strammer Schularbeit nun mit einem Male in weißen Häubchen und Schürzen kochen und backen dürfen, wenn sie putzen und waschen, flicken und schneidern, sticken und weben, letzteres möglichst nur nach eigenem Entwurf. Die Mutter wird wach im Mädchen, wenn es den Säugling betreut und das Kleinkind; das soziale Fühlen keimt, wenn es Arme besucht und Kranke umsorgt.
Singefügt wird der praktische Unterricht in einen ganz festen und ernsten wissenschaftlichen Rahmen, der einmal z. B. in Biologie, Chemie und bürgerlichem Rechnen die praktische Arbeit theoretisch unterbaut, andererseits aber auch über sie hinausführt. Deutsch, Geschichte und Erdkunde werden in ausgewählten Gebieten in derselben Stundenzahl an die jungen Menschen herangebracht wie bei den rein wissenschaftlichen Anstalten. Auch Mathematik wird gepflegt, aber nur eine Fremdsprache, und das bedeutet eine Erlösung für viele.
aus die Schuljahre zurück. Nie begegnet man dem Typ des zum Abitur gedrängten, übersättigten Menschenkindes, das um seine Iugendjahre betrogen wurde und doch als halber Mensch im Leben steht, weil das Abitur dürftig war und die tieferen und besseren Fähigkeiten neben der intellektuellen Ausbildung zu kurz tarnen.
Frohe, reichgefüllte Schuljahre kann die Frauenoberschule schenken — einen Garantieschein für eine sofortige oder spätere Verdienstmöglichkeit kann sie trotz mancher Berechtigungen und weiterführender Wege nicht geben. Und wer könnte das heute? Wir müssen auch da einsichtig werden und erkennen, daß die beste Sicherheit eine möglichst harmonische Ausbildung des ganzen Menschen ist. A. Roesberg.
Man spricht in den Zeitungen im allgemeinen immer nur von der Damenmode, man beschreibt augenblicklich das Aussehen der neuen Frühjahrsmoden, der Kostüme, der Mäntel, der Kleider, der Hüte und selbst der Schuhe und der Strümpfe, aber eine Einführung, was der Herr benötigt, eine Darstellung der Herrenmode findet man bisher nur in ausgesprochenen Fachzeitungen, die natürlich nur von den Leuten gehalten werden, die sich mit der Anfertigung der Herrenkleidung beschäftigen. Und schließlich ist es doch auch für die Frau, die ihren Ehemann, den Bräutigam, den Sohn oder den Bruder beim I Einkauf von Stoffen, Anzügen und Mänteln berät, sehr wesentlich zu wissen, was nun modern und was veraltet ist, denn man wird ihnen dann nicht einen Ladenhüter in die Hand drücken können. Und warum sollen unsere Herren nicht ebenfalls nach der neuesten Mode I gekleidet gehen, wenn man es haben kann.
Die modernen Herrenstoffkollektionen sind ja in Farbe und Form, in Musterung und Qualität des Gewebes zu vielseitig, daß jedem Geldbeutel und jedem Geschmack Rechnung getragen werden kann. Die große Modefarbe dieses Sommers für Herrenanzüge sowohl leichter wie schwerer Qualitäten bleibt wie schon im vergangenen Jahre Grau, eine an sich sehr tragbare I Farbe, da sie sich für alle Gelegenheiten als außerordentlich gut verwendbar erweist. „Ein flott gemachter grauer Anzug ersetzt drei andere", dieses Wort des In- I Habers eines großen Berliner Konfektionshauses muß I als unbedingt richtig anerkannt, werden. Auch grünliche und bräunliche Töne für Herrenanzüge sind beliebt, dagegen tritt Blau in diesem Sommer sonderbarerweise etwas in den Hintergrund. Man sieht in den neuen Stoffkollektionen nur selten rein blaue Töne, wenn Blau überhaupt angeboten wird, so handelt es sich um gemusterte Stosse. Im allgemeinen wechselt die Herren- mode, soweit es sich um den bürgerlichen Geschmack handelt und Modepuppen sind unsere Herren meistens nicht, nicht sehr stark, jedoch ergeben sich in jedem Jahre einige Nuancen in der Gestaltung des Saccoanzuges, die man, wenn man sich schon einen neuen Anzug machen läßt, berücksichtigen sollte, denn gerade diese Kleinigkeiten ma-
I chen bas aus, was wir den Chic des Herrn nennen. Der Anzug in feinen Grundlinien bleibt fast immer derselbe.
I Die Herrenanzüge haben als besonders charakteristisches I Merkmal die breiten horizontalgestellten Schultern, lebhaft geschwungene, zum Teil sehr breite Revers am Ja- tett, das im Rücken ohne Naht und ohne Schlitz ge-
I arbeitet wird. Die Taille wird nach Möglichkeit scharf | betont. Einreihige oder zweireihige Anzüge sind gleich 1 beliebt. Schlanke Herren werden die zweireihige Form bevorzugen, während für korpulentere die einreihige Form wohl mehr in Frage kommt, weil sie nicht so stark aufträgt. Die Weste wird in der Regel mit fünf Knöpfen gearbeitet, der Ausschnitt ist nicht mehr so tief wie in den früheren Jahren, er läßt jedoch genügend Spielraum, um auch dem modisch gemusterten Hemd zu seinem Recht zu verhelfen. Sehr großen Wert legt man darauf, daß die Hose, die sich in ihrer Form wenig verändert hat und die weiter mit Umschlägen gearbeitet wird, sowohl mit dem Gürtel als mit Hosenträgern getragen werden kann. Für den Hochsommer wird der Flanellhose, die zum blauen ober braunen Jakett getragen wirb, eine neue Hochblüte prophezeit, was umso verstänblicher ist, als sich gerabe diese Hose durch elegantes Aussehen bei einem verhältnismäßig billigen Preis auszeichnet. Weiter steht der Sportanzug des Herrn für das Spätfrühjahr und den Hochsommer unbedingt tm Mittelpunkt des Interesses. Man wird in diesen Tagen noch mehr wie ftüher Knickerbocker aller Art, in = _ — allen Farben und Formen mit dem Sporthhemd und dem | ■
haben den Charakter umgeformt. Und die Braut ver- | zehrt sich in Angst und Unsicherheit. Auch sie ist nicht i mehr dieselbe. Die Arbeit hat zwar das junge grauen- leben geadelt und vergeistigt, aber bas Warten hat gezehrt am Körper und an ber Seele. Wohl mag bei der gegenseitigen Treue eine gute Ehe, eine echte Gesin- nungsgemeinschast werden. Ader bas wird meistens nicht mehr eine „junge" Familie, auf beren Boden bie Erben lebensfroher, gesunder Eltern heranwachsen. Es ist eine furchtbare Tragik um unsere Jugend von heute. Immer zahlreicher werden die Opfer von Abbau und Arbeitslosigkeit.
ScF sollten nun die Mütter Zusehen und ihre Töchter trösten, daß sie nicht noch mutloser werden. Eine schwere Ausgabe! Sie können oft nicht helfen, sie können nur selbst immer hoffen auf die Vorsehung, bie auch biefer Generation ihr Opferleben unb ihre Tapferkeit entgelten wird. Von biefer Hoffnung müssen sie den Kindern mitgeben unb sie stark machen. Nur nicht schwach werben gegenüber lang wartenden Brautleuten! Wachfamkeit tut mehr not denn je. Der Versuchungen sind zu viele. Wehren muß sich die Mutter gegen bie Verwischung der Begriffe „Braut" und „Verlobung". Die Verlobung tft für uns ein heiliges Tor, in das nur Menschen von bestem Wollen und edelster Gesinnung eintreten dürfen. Nur der soll bie Tochter „Braut nennen, ber dem inhaltsschweren Wort in Ehrfurcht unb Ehrlichkeit ben tiefen Sinn zu geben vermag. Nur ber darf von „Verlobung" sprechen, ber weiß, daß Verlobung eine gegenseitige Verpflichtung ist. Sich verloben heißt, das Opfer des eigenen Lebens eijiem anderen versprechen. Versprechen darf man nur, was zu halten möglich ist. lieber diese Möglichkeit muß sich ein junger Mann ganz ernst Rechenschaft ablegen, ehe er ein junges Frauenleben auf eine opfervolle Wartezeit verpflichtet. Heiliger Ernst muß ihn leiten, wenn er sich entschließt, bie Verantwortung auf sich zu nehmen für fein Geschick unb bas Geschick eines anberen jungen Menschen. Wenn bie Mutter in zarter aufmerksamer Liebe ber Tochter ihr Warten ober gar ihren Verzicht leichter macht, indem sie ihrem Leben Freude unb Pflichten gibt, sie teilnehmen läßt an Freud unb Leid ber Familie unb ihr selbst ein starkes Frauenleben vorlebt, wirb bie junge Frau unserer Generation eine Malier Fortis, ber eine höhere Macht bie Entscheidungsstunde bringen wird, bie für sie bestimmt ist.
terlicbe!"
Thomas zerknitterte das Blatt. „Unb du tatest es, Maria?"
Die besten Anwälte einer Schule Schülerinnen selbst. Ich habe aus ehrlichen Aussprachen unb aus Tagebüchern, bie sie führten, ben Eindruck, als schauten sie durchweg alle mit froher Dankbarkeit
Sin Modebericht für „Ihn".
Auch der Herr Gemahl soll modern angezogen sein. Von Fritz Körber-Berlin.
Passion.
Leiden, Leiden komm heran. Allem Leben wird kein' Ruh, Wenn mit Lachen es verweilet.
Herz, willst bu in Freuden gehn, Deinem Jesum anzusehn, Wie sein Blut er ausgeteilet?
Seufzer, Tränen kommt herzu. Allem Leben wirb kein' Ruh, Wenn mit Lachen es enteilet.
Achthundert Meilen weit her war er gekommen, von jenem Schwindler, der sich als Gott ausgab unb die „Gotterftrahlen" für Geld verkaufte.
„Ihre Photographie erhielt ich", stand in dem Briefe. „Die sechzig Mark für zwölf Bestrahlungen sind auch eingegangen. Bitte, fagen Sie ihrem (Satten nicht, daß Sie sich in meine Fernbehandlung begaben. Ihr Gatte ist ein ungläubwr Mer '' Männer ba^en nie Verständnis für die Psyche der Frau. Odins Gnade ist in mir mächtig. Betrachten Sie mich als Ihren Bruder. Ich liebe Sie, wie ein Bruder feine Schwester liebt und werde Ihnen helfen. Bitte fetzen Sie sich von jetzt ab jeden Dienstag und Freitag, wenn Ihr Mann nicht zu Hause ist, abends gegen sechs Uhr an das offene Fenster. Schauen Sie nach Osten. Ich werde bann fernstrahlenb bei Ihnen fein. Sie werben es fühlen, baß eine Wärme Ihren Körper burchstromt. Got-
Weißen Wollstoffen, zu Abenbkleibern verarbeitet, sagt man voraus, daß sie große Mode werden sollen.
Verkehrte Welt! Früher trug man die Broschen vorne, heute sieht man sie vielfach auf dem Rücken, oft die alles bisher Dagewefene hinter
in einer Größe, sich läßt.
Der Brustlatz, ---------------
ben Damen sich so rasch besonderer Beliebtheit er- freute, gefällt sich neuerdings in Motiven, die Trachten aus allen möglichen Gauen entnommen sind.
Diese Schule darf nicht verwechselt werden mit ber einjährigen Frauenschule. Der breijährige Kurs ist ganz anders aufgebaut und bildet in feiner Wechselwirkung von Theorie und Praxis ein festgefügtes Ganze. Die Reifeprüfung erstreckt sich über die praktischen und wissenschaftlichen Fächer. Der angeführte Ministerial- erlaß erklärt darum auch mit Recht, die Annahme sei irrig, daß geistig nicht interessierte ober wenig begabte Schülerinnen ben Anforderungen ber Schule gewachsen seien, weil bie Frauenoberschule praktische Arbeitsgehabe. Wechsel-
Anmerkungen zur FrWahrsmode
Von Berta Segura-Wien.
all bem, was ich leisten muß, wohl gesund bleiben. Aber ' ' fühle mich schon wie
Eiweihschnee, ben man ben Kuchen stets zuletzt hin- zufügt, zerfällt nicht, wenn man ihn mit feinem Zucker untermischt. Damit der Kuchen nicht zu süß wird, behält man ben Zucker für ben Eisschnee vorn abgemoge-
Pullover tragen, eine neue Moderichtung für Herren, bie neben dem Vorzug ber bequemen Kleibfarnkeit auch den der Billigkeit hat. Die besseren Anzüge werden auf diese Art geschont unb namentlich bie schon etwas älteren Herren sollten sich ruhig im Sommer zu ber neuen Kleibung bekennen, umso mehr als sie mit bem Unfug bcs steifen Kragens, beim anbers kann man biefe deutsche Unsitte nicht bezeichnen, aufräumt. Andere Völker, man denke nur an bie in Mobesachen fehr peniblen Franzosen, haben sich in dieser Frage längst zu einer vernünftigen Auffassung bekehrt.
Die modischen Kleinigkeiten, bie ber Herr ebenfalls braucht, vor allem bie Krawatten, zeigen eine recht lebhafte Farbenfkala, besonders in ben modischen Selbstbindern, in denen sich die Herrenmode ber biesjahngen Farbenfreubigkeit ber Damenmode burchaus anfchlietzt. Neben dem Selbstbinber wirb aber ber kleine Schlips besonders gern getragen, während für ben Knickerbocker- anzug, soweit überhaupt eine Krawatte notwendig tft, ber Strickbinber in seiner mobischen Form unb Farbe der allgemeine Ausputz ist. Die ©portftrümpfe müssen mit ben Knickerbockerhofen in ber Grundfarbe harmonieren. Musterung unb bas zur Verwendung kommende Material sind so vielseitig, daß jeder Herr bas ihm zu-
sich mit einem Messer auf bie Frauen, bie bie Tür gewaltsam öffneten, weil bie Kinder furchtbar schrien." „
„Wir konnten sie kaum bewältigen, Herr Bäumer", bestätigte eine der Frauen. „Riesenkräfte", sagte bie anbere. „Unb wie sie schrie! tote schüttelte sich, als laufe ein Frösteln über ihren Rücken. Weg schrie sie, weg mit ben glühenben Augen. Weg bu Teufel! Weg von meinem Leibe . . .
Frau Maria erkannte ihren Gatten nicht. Ihr Geist war umflort. Thomas ließ sie zu Bett bringen unb machte auf Anraten des Arztes kalte ©tirnumfdjläge. „Erneuern sie bie Packungen alle Viertelstunde", jagte er. „Sollte sich ber Zustand ihrer Frau nicht bessern, müßten wir sie noch in der Nacht in die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses bringen lassen. Sie lassen ihre Kinder am besten bei ben Nachbarn und bleiben bei ihrer Frau. Beobachten sie sie unausgesetzt!" Er ging.
Thomas erneuerte bie kalte Packung. Nach zehn Minuten tarn Maria zu sich. Sie erkannte ihren Mann und schrie auf:
„Thomas verlaß mich nicht. Thomas bleib bei mir!"
„2bber Maria!" Er streichelte besorgt ihr fiebernbes Gesicht. „Ich bin doch bei bir, Maria. Warum sollte ich dich denn verlassen? Du weiht doch, daß ich dich lieb habe, Maria, rege dich doch nicht auf, Kind." „O, bu willst gehen", schluchzte sie aber. „Er hat es gesagt. Heute abend hat er es gesagt ber . . . Teufel!"
Wieder stierten ihre Augen, bann wanbte sie sich plötzlich um unb zog aus ber Schublade bes Nachttisches einen Brief. Zitternd, als überwältige sie ein Schüt- telforft, kroch sie tiefer unter bie Bettdecke.
„Da, Thomas, da, da," schluchzte sie. „Da ist er wieder".
Thomas legte seine Hand auf ihre Stirn und las den Brief.
Ausgerollte Teppicheckcn sehen sehr häßlich aus. Man macht sie wieder glatt, indem man sie von links mit dünnem, flüssigem Leim bestreicht und ein Stück Packpapier oder dünne Pappe unterklebt. Für einige Stunden müssen die Ecken bann beschwert werben.
Llfenbeingrisse an Eßbestecken werben mit ber Zeit gelb unb unansehnlich. Man bleicht sie auf folgenbe Weise: Die Griffe werben in Salzwasser gespült unb noch naß unter eine Glasplatte in bie Sonne gelegt.
Ausgetrennle Strickwolle wird auf folgende Weise wieder glatt unb gebrauchsfähig. Man wickelt bie auf- getrennte Wolle auf ein Holzbrettchen unb legt sie so- lange in warmes Wasser, bis sie vollkommen voll Was- ser gesogen ist. Hiernach trocknet man bie Wolle an
Staut und Brautgesiurmug.
Wenn wir das Wort „Braut" aussprechen, denken wir an Jugend unb Hoffnung. Heute wird eine bar- benbe, sehnsüchtige Jugend in Hoffnungslosigkeit alt. (Sibt es überhaupt noch Bräute? Ja, bie gibt es noch, «riiute, bie 40 Jahre über bem Warten werden! Nicht wie zu Mutters unb Großmutters Zeiten, als bie Braut li* freien und beschenken ließ von Verwandten und Bekannten, als sie eifrig schaffte an ihrer Aussteuer, an Wunftsplänen baute unb sich in romantischer, Träumerei bas Brautkleid erdichtete! Nicht als ob sich das Brautfein ftüher in Aeuherlichkeiten erschöpft hätte. Es aab auch in sorglosen Zeiten ernste Bräute, die rrn Hochzeitskleid Symbol sahen und nicht Putz- und Schaustück für Neugierige. Mag vieles an Brauch und Sitte heute als veraltet belächelt werden, es war doch ein Stück Weisheit und Ehrfurcht in bem, was frauliche Zurückhaltung einer Braut gebot unb verbot. Der Wam bei im Frauenleben hat auch bie Brautzeit gründlich verändert. ...
Bräute von heute — bie echten — füllen meist ihre Wartezeit aus mit regelmäßiger beruflicher Arbeit, in freudiger Hingabe an einen Dienst am Werke unb am Menschen; sie warten gebulbig in Opfcrbereitschast, bescheiden und anspruchslos. Die Braut legt vom Verdienst Stück für Stück für die Aussteuer beiseite. So geht es Jahr um Jahr. Ihre Züge werden herb, ihre Hoffnung wird schwächer. Der Verlobte hat sich so verändert, erfolglose Bemühungen um eine Stelle haben ihn bitter und ungerecht gemacht. Zeit und Umwelt
mas, schieß doch, Thomas . .
Mit abwehrenden Händen saß sie im Bette. Plötzlich wandte sie sich wieder, zog aus der Schublade eine Pistole unb feuerte sie ab, ehe Thomas es verhindern konnte.
Mit einem Aufschrei brach Thomas zusammen. Die Kugel hatte sein Herz durchbohrt ...
Frau Maria wurde am gleichen Abend in die Irrenanstalt gebracht. Sie starb nach zehn Tagen, geistig verfolgt von einem Menschen, ber seine Hänbe nach ihr ausstreckte und seine Gedanken, spitz wie stechende Nadeln in ihr Gehirn bohrte. . .
Ein Teufel ber neuen Heiden. Einer der neuen Götter , , ,
An ben folgenden Tagen ging er, wie immer, seinem Berufe nach. „Frauen haben zuweilen Launen", sagt er sich. „Vielleicht war sie besonders müde an dem Abend . . ."
Eines Abends, kurz nach sechs, wurde er im Büro zum Telefon gerufen. Er möge sofort nach Hause kommen. Seine Frau sei plötzlich erkrankt. Sie tobe.
Thomas nahm ein Auto. Als er in feine Wohnung kam, saß Maria von zwei Nachbarinnen an ben Armen gehalten, zusammengefunken auf einem Stuhl. Sie schluchzte wie eine Hysterische. Ein Arzt, den bie Frauen herbeigerufen hatten, erklärte dem Gatten:
„Ein rätselhafter Fall, Herr Bäumer. Ihre Frau er- litt um sechs Uhr einen Tobsuchtsanfall. Sie schlug mit bem Schürhaken um sich, verletzte bie Kinder, die bei den Nachbarn untergebracht werden mußten und stürzte
Nach einigen Wochen tarn Thomas ftüher aus seinem Büro heim. Es war kurz nach sechs, als er in bie Küche trat. Seinen Gruß beantwortete niemand. Erstaunt sah Thomas, daß Maria am Fenster saß und vor sich hinträumte. Thomas sprach sie an. Sie wachte nicht auf. Er rüttelte sie, aber sie träumte weiter. Endlich, nach einer Viertelstunde der Sorge um sie, erwachte sie.
„Ich werde gesund, Thomas", sagte sie plötzlich ganz munter, als sei sie erwacht aus einem Traumzu- ftanbe, in den eine besondere Kraft sie geworfen.
„Bist bu benn krank, Maria?"
„Daß bu es nicht weißt, Thomas! Wie kann ich bei
Die Freunde der Frauenoberschule, bie ihr nun Jahr s um Jahr ihre besten Kräfte schenkten, erlebten am 1. i Februar 1932 die Genugtuung, sie als höhere Lehranstalt staatlich anerkannt zu sehen. Damit tritt sie aus ■ bem Stadium der Versuchsschule heraus und ihre Ab- schlußprufung steht als Reifeprüfung neben bem Abitur, andersartig — nicht minderwertig. Das geschah in einer Zeit des Abbaus und ber Sparmaßnahmen — also muß doch bie Regierung in dieser Schule ein Bedürfnis ber Zeit erfüllt sehen.
Sorgenvoll schauen die Eltern Heranwachsender Töchter in bie Zukunft. Zur akademischen Laufbahn können sie ihnen nur raten, wenn eine über bas Mittelmaß hinausgehende Begabung und reinste Freude an ber wissenschaftlichen Arbeit zu ber Hoffnung berechtigen, daß alle Enttäuschungen unb Schwierigkeiten überwunden werden und ber junge Mensch neben ben Tausenden von überzähligen Mitbewerbern doch noch einmal zum Beruf kommt.
Aber auch ber weniger intellektuelle Typ ber Frau soll bie Möglichkeit einer reichen, harmonischen 2lus- billmng haben. Nach gebildeten Frauen, deren pflegerische und heimschafsende Kräfte geweckt sind, verlangt die Notzett Und bie will die Frauenoberschule oder dreijährige Frauenschule dem deutschen Volke schenken.
Ein bei den Berufsberatungsstellen unb den Schulen selbst einzusehenbes Merkblatt charakterisiert bie Frauenoberschule so:
„Die Frauenoberschule ist eine höhere Schule. Sie erhält ihre Eigenartigung baburd), baß neben ben wissenschaftlichen Fächern ber höheren Schule Nadelarbeit unb die künstlerischen Fächer eine besondere Betonung erhalten unb daß Hauswirtschaftsunterricht eingerichtet ist. Sie baut auf ber Obersekundareife auf und führt in drei Jahren zur Reifeprüfung."
Ein köstlich reiches Leben steckt hinter diesen knappen Worten. Die Augen ber frisch gebackenen Frauenober- |
DÖSE ÖOÄ IN APOTHEKENUNDOCOGEktN