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17. März

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Aus Küche und Haus

mein Schulkind

Mutter, bangt es Dir nicht, wenn das Wort

Von Paten und Patenkindern

Bon I. M. Schön Höfer-Frankfurt a. M.

Und

Aus

schen zu verhindern, wenn man unterwegs ist und kein Nähzeug zur Hand hat. Die gefallene Masche wird am Bein befeuchtet und kann dann nicht weiterlaufen. Noch sicherer fft es allerdings, wenn man in der Hand­tasche ein kleines Tübchen mit Leim mitführt, ein Tröpfchen von ihm genügt, die Masche festzuhalten bis man zu Hause den Strumpf wieder Herstellen kann.

Zersprungene Eier können noch gesotten wer­den, wenn man dem Kochwasser etwas Essig beisetzt, der das weitere Aufplatzen der Eier verhindert.

SelbstbereUung eines guten Porzellankitter.

Aus einer Mischung von gleichen Teilen gebrannter Magnesia und Wasserglas bereitet man einen dünn­flüssigen Kitt, der alle Porzellangegenstände sehr leicht und sicher klebt. Mit Wasserglas gehe man aber vor­sichtig um, damit es nicht ins Auge spritzt, weil es ge­fährliche Entzündungen Hervorrufen kann.

die Wäscheausstattung angeschafst. Ein besonderer Fest­tag für Paten und Patenkinder war dann die erste heil. Kommunion. In fast allen Gegenden Deutschlands hatte der Pate die Pflicht, den Kommunionanzug bezw. das Kommunionkleid zu kaufen, er stiftet ferner dar Gesang- oder Gebetbuch, den Rosenkranz und als Krö­nung für die Knaben die erste Uhr, für die Mädchen eine Brosche oder ein goldenes oder silbernes Hals­kettchen.

Der tiefere Sinn der Patenschaft ging damals aber noch viel weiter. Die Paten betrachteten sich tatsächlich als Stellvertreter der Eltern, wo es nottat; sie über­wachten das Wohlergehen ihrer Patenkinder und mehr wie einmal wurde ein Patenkind vom Paten an Kin­desstatt angenommen oder als Erbe eingesetzt. Gerade in heutiger Zeit wäre es in vielen Familien gut, wenn der alte schöne Sinn dieser Patenschaften wieder er­weckt und neu aufleben könnte.

Reinigung der Kragen an Herrenröcken.

Die Innenseite der Kragen der Herrenjaketts müssen von Zeit zu Zeit emer gründlichen Reinigung unter­zogen werden, da sich an ihnen naturgemäß viel Schmutz ansetzt. Dies geschieht in der Weise, daß man eine Lösung von 9 Teilen Wasser und 1 Teil Salmiak, geist herstellt, mit der die Kragen mittels einer nicht zu harten Bürste gereinigt werden. Man wiederholt diese Prozedur solange, bis ein zum Nachreiben be­nutztes Leinentuch völlig sauber bleibt. Sehr stark ver­schmutzte Kragen an Herrenanzügen behandelt man mit einer Lösung von Panamarmde, die den Schmutz eben­falls in kurzer Zeit restlos entfernt.

Dir entrissen. Törichte Angst!

Ist nicht Dein starker Egoismus schuld an diesem düsteren Traumbild? Du willstkeinen" neben Dir dulden, der nur irgend einen Einfluß auf Deinen Lieb­ling haben könnte.

seh ins Licht, Gottes ewig neuem Angesicht . . -.

Gertrud Thielen.

Außerdem gab es noch Lebkuchen und mitunter Klei­dungsstücke, Wäsche und andere notwendige Dinge. Das Ostergeschenk bestand aus einem Osterlamm aus Bis­kuit, das mit einem Fähnchen verziert war und am rosa oder blauen Bändchen, je nachdem, ob das Paten­kind ein Bub oder Mädel war, ein silbernes Glöckchen am Hals trug. Ostereier und Eierkuchen in stattlicher Zahl fehlten ebenfalls nicht. In anderen Gegenden Deutschlands gab es am Auserstehungsfeft für die Pa­tenkinder anstelle des Lämmchens denOftertaler", so im Erzgebirge, im Vogtland und in Oldenburg, wäh­rend in Baden und insbesondere im Hochschwarzwald das Patenkind Anrecht auf ein lebendes Osterlamm hatte, das meist aufgezogen wurde, um durch feinen fpäteren Verkauf bezw. durch den Verkauf der aus ihm gezogenen Junglämmer den Grundstock zum Heiratsgut des Patenkindes zu liefern. Meist wurde später, sowohl für Jungen wie für Mädels aus diesem,Lämmergeld"

Brillengläser laufen bei folgender Behandlung nicht an: Glyzerin wird mit etwas Schmierseife ver­mischt. Die Brillengläser werden mit dieser Masse leicht eingerieben und danach mit einem weichen Leder blank poliert. Auch Fensterscheiben können auf diese Weise vor dem Anlaufen geschützt werden.

Liebe Mutter, scheuche diesen bösen Geist, der Dich umsponnen hat, schnell fort im Interesse Deines zu­künftigen Schulkindes. Denke an all das Schöne, Edle, Wahre, das gar bald die kleine Seele in ihremneuen Reich" beglücken wird.

Freude schaffen", wird der oberste Grundsatz fein, der ungeschrieben in demneuen Haus" zu lesen ist. Freude" wird Dein Kind Dir auch zurückstrahlen.

Hast Du jetzt nicht eine ernste Aufgabe, liebe Mut­ter, Dein Kind auf diese Freude vorzubereiten? Darfst Du Bilder in seiner jungen Seele entstehen las­sen, die vielleicht später jede Aufbautätigkeit unterbin­den? Dann braucht Dir einige Monate später,die Unlust Deines Kindes, zur Schule zu gehen" kein Ge­heimnis mehr zu fein. Du hast den Samen gesät, der, tief in der jungen Menschenpflanze verankert war, nun treibt und zu Deinem Unglück Frucht trägt.

Ich weiß, daß ein gutes Mutterherz auch ins Gegen­teil verfallen kann. Die Schule wird dem kleinen Er­denbürger als ein Paradies fortgesetzter Freuden und Ueberraschungen ausgemalt. Mit frohem Erwarten be­grüßt der Neuling den lang ersehnten ersten Schultag. Doch, o weh! Nach einigen Wochen stellt er selbst fest: Mutter hat mir das Leben in der Schule ganz anders erzählt, sie hatte nicht recht." Mutter, hüte Dich vor diesem Urteil Deines Kindes.

Bist Du nicht als erste berufen, dem jungen Men­schen seinen Daseinszweck zu betonen, ihm die Freude der Arbeit", des Wissens und Strebens einzupflanzen? Mütterlichem Einfühlen in das kindliche Gemüt wird diese Pflicht zur Vorbereitung auf die Schule keine Schwierigkeit bieten. Du wirst, liebe Mutter, bald selbst feststellen:

Freude ist der Himmel, unter dem alles ge­deiht, Gift ausgenommen."

Irene Emmelhainz.

Tintenflecken in Fußböden.

Tintenflecken in Fußböden, insbesondere aber in Parkettfußböden sehen immer schlecht aus und sollten möglichst entfernt werden, solange sie noch frisch sind. Dies geschieht in der Weise, daß man eine Zitrone in Hälften zerschneidet und die Tintenflecke solange damit bearbeUet, bis sie völlig verschwunden sind. Parkett­fußböden muffen bann mit heißem Wasser nachgewaschen und nach dem Trocknen eingewachst und gebohnert werden.

das Jagen nach Geld und Gut kennt, die alle Bräuche und Volkssitten mit der enormen Steigerung des Ver­kehrs immer mehr zum Verschwinden bringt, sollte uns trotzdem noch soviel Zeit lassen, dem einen oder anderen Patenkind ein treuer Freund und Berater, be­sonders auch in religiöser Beziehung zu sein. Welch schönes Verhältnis war das früher, wenn das Paten­kind zu dem Paten kam, um in ihm den zweiten Vater zu sehen, ober wenn bis Patin in ben kleinen Nöten des Heranwachsenden Mädchens sich als treue Freundin zu bewähren wußte. Mit dem Aufhören der Paten­schaft sind natürlich auch viele der Volksbräuche einge» schlafen, die mit ihr untrennbar verbunden waren. So bestand das erste Patengeschenk in Mittelstanken aus einem Kronentaler, den später derpreußische Taler" abgelöst hat. Dieser Taler wurde in einem besonders schönen Beutelchen überreicht, und er durste nicht ange- tastet werden, ehe bas damit beschenkte Patenkind zur ersten heiligen Kommunion gegangen ober tonfirmiert worden war. Wenn es die Verhältnisse gestatteten, wurde dieser schöne Patentaler sogar für bas ganze Leben aufbewahrt und nur bei besonders fest­lichen Gelegenheiten im Familienkreise gezeigt. An Weihnachten und Ostern würbe bas Patenkinb ebenso wie an feinem Namenstag vom Paten bezw. von der Patin beschenkt und je noch den Derhällnissen, in denen der Pate lebte, wurde mehr ober weniger gegeben. Zu Weihnachten erhielten bie Knaben einen Reiter, bie Mädchen eine Puppe aus Marzipan, welche an den Christbaum gehängt wurden und zwar an die Spitze desselben. In der Größe dieses Reiters bezw. der Puppe kam bie mehr oder minder große Wohlhaben­heit ober Freigiebigkeit bes Taufpaten zum Ausdruck.

In einem Büchlein, bas Karl StraubDie Rhön im Wände l der Monate" gewidmet hat, findet man u. a. auch eine laufetnlabung aus dem Jahre 1716, in der um die Gevatterschaft gebeten wird. Die­ses nun über 200 Jahre alte Dokument lautet wie folgt: Es hat Goll der Allmächtige aus großer Gütigkeit mir und meiner Hausfrauen einen jungen Erben beschert, als nämlich ein Jung. Dieweil aber basielbige Kind in Sünden empfangen und geboren und durch kein ander Mittel geholfen werden, als durch das heilige Sakrament der Tauff und einen christlichen Namen, so bin ich bann erstlich gewesen bei bem Herrn Pfarr als geistlichen Diener der Kirchen und hab ihn angerebt um bie heilige Tauff; so hat er mir basielbige unabgeschlagen. Die­weil aber solches nicht geschehen kann ohne guter und frommer Leute Hüls, so ist benn mein sehr freundliches 'Bitten an Euch und Euer getreue Hausfrauen, daß Ihr doch wollet so gut sein und Euren Sohn wollet lassen erscheinen in der chrisllichen Kirchen, allda das Kind bei bem heiligen Sakrament der Tauff helfen fürtragen zum Heil seiner Seel und ein christlichen Namen mit­teilen, und daß es mit dem heiligen Blut Christi möge abgewaschen werden und in das Buch der Lebendigen möge geschrieben werden. Dies ist mein größte Bitt an Euch. Wann Eure Bitt einmal an mich gelanget, so will ich auch wieder bas Best tun."

Solche Briefe schreibt man heutzutage nicht mehr, denn leider rft in vielen Gegenden Deutschlands das schöne Amt der Patenschaft in Vergessenheit geraten, man will bie Verpflichtungen, die es mit sich bringt, nicht mehr auf sich nehmen, man fürchtet die Mühe und die geldlichen Opfer, bie nun einmal mit einer Paten­schaft verbunden sind. Unsere moderne Zeit, die nur

Asch-Rezepte.

Schellfisch ober Kabeljau gekocht. Nachdem man den Fisch gereinigt hat, wird er rasch gewaschen, bann mit Salz und Pfeffer eingerieben, mit Essig besprengt unb eine halbe Stunde liegen gelassen. Zum Kochen bes Fisches rechnet man auf 1 Liter Wasser 2 Eßlöffel Salz, eine mit 2 bis 3 Nelken besteckte Zwiebel, einige Pfeffer­körner, 1 Lorbeerblatt unb 2 Eßlöffel Essig. Man stellt die Fische mit kaltem Fischsud aufs Feuer. Der Fisch ist gar, wenn bie Flossen bei leichtem Anfassen sich her­ausziehen lassen, ohne baß Fleisch baran hängen bleibt.

Schellfisch ober Kabeljau gedämpft. In einer Brat­pfanne läßt man Buller oder gutes Fett heiß werden, dämpft darin in Scheiben geschnittene Zwiebel und Pe­tersilie an, gibt den sauber vorgerichteten, gesalzenen Fisch hinein, wendet ihn im Fett um und stellt die Pfanne in den heißen Bratofen. Nach 10 Minuten gießt man etwas sauren Rahm (Sahne und ebensoviel Fleisch­brühe, aus Maggi's Fleischbrühwürfeln bereitet), dar­über und läßt den Fisch unter fleißigem Begießen noch 15 Minuten dämpfen. Kurz vor dem Anrichten schmeckt man die Soße nach Salz und Pfeffer ab und verfeinert sie mit 8 bis 10 Tropfen Maggi's Würze.

Gebratener Schellfisch ober Kabeljau. Hierzu ver­wendet man kleine Fische oder schneidet größere in zwei- fingerdicke Scheiben. Nach bem Reinigen werden die Fische mit Salz und Pfeffer eingerieben, mit Essig unb einigen Tropfen Maggi's Würze besprengt und so % Stunde beiseite gestellt. V«. Stunde vor Gebrauch wendet man dann die Fische ober Fischstücke in Mehl, hierauf in geschlagenem Ei unb zuletzt in geriebener Semmel um unb brät sie in heißem Fett zu schöner, brauner Farbe.

Die praktische Hausfrau.

Wie prüft man Seide?

Um beim Einkauf eines Kleides die Echtheit der Seidenfaser zu prüfen, verbrennt man einige Fäden des Stoffes. Echte Seide verkohlt nur und erzeugt hin­ter dem Feuerfünkchen ein kleines Knötchen. Kunst­seide verbrennt rasch unb hinterläßt nur Asche.

Wenn eine Masche tot Seibenfftumpf fällt..«

Fallende Maschen in Seibertftrumpfen sind eine sehr unangenehme Erscheinung, denn wenn man nicht sofort für Abhilfe sorgt, laufen sie bie ganze Beinlänge durch und der Strumpf wird dadurch unbrauchbar. Die Re­paraturkosten sind nicht gering, wenn man den Scha­ben in Ordnung bringen lassen will. Dabei gibt es ein einfaches Hilfsmittel, bas Weiterlaufen der Ma-

Liebe Mutter, bangt es Dir nicht, wenn oas i»oa Ostern" an Dein Ohr bringt? Bringt dieser Zeit- punkt nicht eine wesentliche Veränderung in Deiner Familie mit bem Antritt Deines Kindes in bie Schule? Du möchtest bicfesSchreckgespenst Schule" denn vielen Müllern ist es nichts anderes von Deiner Türe bannen. Wie eine düstere Wolke scheint es immer näher zu rücken. Schon stehst Du Dein Kind

Oesterliche Kirche.

Durch deine Fenster

Flieht das Licht

In blauen und in roten Flammen.

Hier, »o bie heilige Sprache spricht, Fällt alles andere zusammen.

Da bebt das Kreuz, Und immer rinnt Der eine Weg der Weg zum Leiden Vom sündelosen Gotteskind Auf grüne Weiden.

Wie tief sind wir, Wie nah bem Erdenland.

Wie kam es, daß mein Fuß die «pur heut fand, Nun bin ich hier bei dir, bei dir,

Me Neide ich 2ie Auch! 'm das Modeheft. Sie Knopfmode. Tailleuschlutz. Notverordnungen der Mode.

Nie hat die Mode so viele Vorbilder an Farbenpracht in der Natur gesucht, wie gerade in diesem Frühjahr Was man aus der Not der Zell heraus an kostbaren Stoffen und teuren Zutaten fehlen lassen muß, soll auf anmutige Weise durch geschmackvolle Bunthell ersetzt werden. Nun muß eben das scheinbare Unmögliche auf praktische Weise möglich gemacht werden, nämlich, sich ohne große Ausgaben hübsch und modern zu kleiden.

Natürlich spiell hier die Flucht in das Mode­heft eine große Rolle, benn das Selbstschneidern ge­hört auch zu den neuen Ausgaben der Frau. Mll Bra­vour hat man sich schon in die Anfertigung des Mantel- lleides hineingefunden, hat bie Pelzstulpen an den Aer- meln in schmale Streischen zerlegt, sie auf Ellenbogen, Taschen und Kragen geschickt aufmontiert, ünd nun kann man daran gehen, seinen Frühlingsanzug zu komponie­ren, wöhlgemertt, aus allem Material, mit neuen billi­gen Zutaten. Da ist ein schlichtes dunkelblaues Kleid­chen der vorjährigen Mode. Der prüfende Blick stelll so­gleich fest: .Hier werde ich einen feuerroten Bouyle kaufen zu einem ausgezackten Schulterftück, und auch die Aermel werde ich vom Ellenbogen ab nach oben mit demselben Stoff abfetzen, nur dazu einen passenden Gür­tel unb kleine Manschetten an den Händen arbeiten, bann ist der Frühlingsanzug fertig." Gerade diese Zu­sammenstellung feuerrot mit dunkelblau hak geradezu eine faszinierende Wirkung, bas kann jede Frau bestäti­gen, bie den Versuch macht, ein solches Kleid herzustel- len. Andere Zusammenstellungen können auch sehr hübsch wirken, wie grün und schwarz, hellgrün unb grün, dun­kelrot und schwarz-weiß tariert. Man muß eben aus» probieren unb versuchen, zu guten Ergebnissen zu kom­men. Name und Preis der Stoffe, bie uns sonst in der Frühlingsskala der Mobebilder besonders imponierten, fpielen heute gar nicht mehr eine ausschlaggebende Rolle. Die Hauptsache fft bie geschickte Hand in der Zusammen­stellung der Farben, die für bie kleinen schmückenden Beigaben der Kleider wichtig sind. Aus den kleinen hüb- schen Halsausschnitt, das Krägelchen von handgesticktem

mich modern?

- venvaudlungskuust. - 2er höher gerückte Zweierlei Stoff. Ein Berufsgeheimnis. Batist ober von Seinen, die Stulpe, bie bas Handge­lenk umschließt, ber Gürtel, ber sich um bie Figur legt, der kleine Volant, mit dem der Rock drapiert wird, die Säumehen und Biesen, die an Hüsten- und Taillen­schluß eindrucksvoll angebracht werden, und nicht zuletzt die hübsche Schleife an Schulter, Gürtel ober Hals­ausschnitt, sie alle dienen dazu, irgend eine Idee des Kleides in graziöser Weffe zu verwirklichen und zugleich den Eindruck einer ausgesuchten Nettigkeit zu bewirken. Alle diese schönen, kleinen und gar nicht teuren Dinge sollen über den wenig kostbaren Stoff bes Kleides hin- wegtäufchen, unb sie tun es in ber anmutigsten Form.

Nicht zu vergessen sind bei ben neuen Frühlingsklei- bem die Verzierung durch Knäpse. Knopfmode ist allgemein geworden, und manche stohliche Jugend glaubt sogar, auch den Rücken des Kleides mll Knopfgarnitur schmücken zu müssen. Um den grotesken Wirkungen solcher Entgleisungen zu entgehen, mache man es sich einfach zum Prinzip, Knöpfe nur da anzubringen, wo sie logischerweife etwas zu knöpfen Haden unb gleich­zeitig als Verzierung gelten können.

Die Verwandlungskunst in ber Kleibermode steht hoch im Wert. Man kann ein bescheidenes, seidenes Röckchen irgenbeines Nachmittagskleides mit leichter Mühe in ein elegantes Abendkleid verwandeln. Durch Hinzunahme eines kurzen Samtjäckchens und eines wei­ßen Spitzenkragens, ober unter Zuhilfenahme einer klei­nen bunten Bluse aus Seide ober Samt in abstehenden Farben. Ueberhaupt die Bluse zeigt in diesem Früh­jahr von neuem ihre anscheinende Unsterblichkeit. Ist sie schon als Unterziehbluse ein unentbehrliches Requisit ber Mode, so wird sie als Ueberziehtaille geradezu eine Notwendigkeit. Sie ist unzählige Male zu variieren, sie hat hunderterlei Gesichter und erscheint immer so natür­lich u. selbstverständlich, daß man gar nicht auf ben Ge­danken kommt, daß ihr Erscheinen in ftgend einem Zusammenhang mit anderen Kleidungsstücken Kopfzer­brechen gemacht hat.

Die Schoßbluse ist eine äußerst beliebte Abart der Bluse. Das Schößchen befindet sich in vielen Fällen gar nicht an ber Bluse, sondern an dem dazu gehörenden Gürtel, mit dem sie ein Ganzes bildet.

Von besonderer Art sind neuerdings die Blusenärmel. Hier muß man staunend die Erfindungsgabe unserer Frauen bewundern. Am meisten Anklang scheim ber Aermel zu finden, der an der Achsel eng anliegt, um über dem Ellbogen in dichten Falten ober Kräuseln aus­zufallen und am Handgelenk wieder die geschlossene Form zeigt. Für schlanke Figuren ist er wie geschaffen, well er bie Silhouette anbauernd reizvoll verändert, überhaupt ist die Linie ber neu erstandenen Kleiber seht wandelbar in dieser neuen Saison. Nur das Anliegende an ben Hüsten und ber höher gerückte Tail­lenschluß sind bei allen Kleidern dieselben.

Natürllch kommen auch in der Komposition der Stoffe allerliebste Seltsamkeiten vor, wie z. B. eine Zusam­menstellung von wollenen und seidenen Stoffen sie er­gibt. Auch die Namen dieser Stoffe lassen an Originali­tät nichts zu wünschen übrig. Wir sehen in den Kauf­häusern Mantelstoffe wie Shetland-Diagonal, Mantel- Epongette, sowie Futterstoffe Serge, Duchesse, ausge­stellt daneben werden unsere Blicke gefesselt von der Pracht der neuen Stoffe, wie Toile-carre, Cotele, Afgha- laine a jour, Ajourette, Flamenza, Boucle-carre, Crepe- Marocain-Druck, Failette. Wenn wir bedenken, daß alle diese schonen Dinge dazu dienen, unsere bescheidene Einfachheit mit Freude zu überglänzen und dabei nicht zw viel kosten, so müssen wir feftftellen, daß aus den Notverordnungen der Mode, wie wir sie alle kennen, doch noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten und Auswegen aus dem Land der Sorge in bie bun­ten Gärten sonniger Fröhlichkeit führen. Auf ge­sellschaftliche Vorschriften muß natürlich bei dieser Art von Kleidern im allgemeinen verzichtet werden, beson­ders beim sogenannten großen Abendkleid, von bem nicht mehr viel zu reden ist, seitdem es sich immer wie­der wie aus einem Nichts heraus erneuern muß.--

Die sogenannten Mode-Zutaten, wie z. B. Schuhe, erfreuen sich einer liebevollen Behandlung, wenn man sie stilvoll in das Modebild einfügen will. Als größte Modeneuheit gilt der Schuh, der aus dem gleichen Stoff wie das Kleid gearbeitet ist, allerdings eine etwas kostspielige Sache. Im allgemeinen fft man bei Schu­

hen aus zweierlei, sogar dreierlei Leder geblieben, liebt Steppnähte mit andersfarbigem Garn, ober Lederstrei- fen in helleren Farben, bie auf buntlem Grunbe sehr hübsch wirken. Um die Einheit des Anzuges zu wah­ren, wählt man die Schuhe ungefähr im Tone des Klei­des. Mit Schuh und Kleid muß auch der Handschuh farblich übereinstimmen. Man hat vielfach den Leder­handschuh ausgeschaltet und trägt wohl der Billigkeit halber nur noch Handschuhe aus feinem baumwollenen Material ober aus Seibe. Handschuhe mit Stickereien und Durchbrucharbeit finden großes Interesse.

Auch mit den Hüten hat sich ein Umschwung vollzo­gen. Hat uns schon der Winter aparte Strohhüte be­schert, so werden Frühling unb Sommer uns mit ben hübschen neuerstandenen Filzhüten beglücken. Es mag aber auch sein, daß man diese Art, bie Mode in ihrem Ablauf zu stören, ablehnt und für die warme Jahreszett nur noch den Strohhut bevorzugt. Zu ihm gehören unzählige Arten von Frühlingsblumen, von kleinen hübschen Sttäußchen und von Kränzen in rei­zenden Zusammenstellungen. Die Mode ist eben blu­menübersät, als wenn sie durch bunte Fröhlichkeit die Bitternis einer verdeckten Armut verscheuchen wollte. Dieser Gedanke dokumentiert sich auch offensichtlich in den kleinenBindehütchen", einem Ergebnis, das auf geschicktem Denken und zweierlei Stoff entsteht. Nämlich so: Man schneidet das zu verwendende Mate­rial in ein großes Dreieck, das man mit irgendeiner stark abstehenden- Farbe sorgsam füttert. Nun wird der Stoff so über die Frisur gelegt, daß die Spitze nach vorne kommt. Die beiden Enden verschlingt man auf dem Hinterkopf zu einer hübschen Schleife, und das Hütlein ist fertig und zeigt sich so reizvoll, daß es ge­wiß viele Nachahmerinnen findet. Bemerkt fei noch, daß kleine Schmucknadeln zur Befestigung auf den Haa­ren dienen. Die Befestigung aller neuen Hüte an die Frisur ist eigentlich ein Berufsgeheimnis der Modistinnen und Friseure. Soll man es glauben, daß ganz leise verraten worden ist, die Hüte würden durch feine Ohrenklammern von Draht festgehalten? Die Zett wird es lehren, wie man aus ber Not eine Tugend macht. .Jedenfalls schwebt bas neue Modebild bes Frühlings leicht unb anmutig über die Abgründe von Not und Sorge dahin, zur Freude der Menschheit und zur Abwehr trüber Stunden ber Not.

( Albertine Albrecht, Düsseldorf.