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16. März

Beilage zur Fuldaer Zeitung

NILS

Warum beteu wir nicht?

Gebet ist die Achse der Welt. Knien macht nur die "Knie, beten macht die Seele stark. Geist zieht Geist an. Nirgends ist man mehr daheim als im Ge­bet, roeil man im Beten bei seinem Vater ist."

Wir beten mehr als die Kinder. Oder bleiben wir etwa ewig in den Kinderschuhen stecken? Wir müs- senfürDeutschlandbeten, fürunsereFüh- rer wir müssen und wollen beten. Wir können die Zett'nicht aus Eigenem meistern Gnade: Gebet muß wirken. Herrlich ist eine betende junge Streiterschar Christi. Die besiegt nie­mand!

Der Generalangriff abgeschlagen.

Die Nationalsozialisten wollten bei der Reichspräsidentenwahl mit ihrer großen Klappe auch das Fuldaer Land erobern. Sie taten vor und am Wahltag so, als ob der Sieg ganz gewiß wäre. Ein Flugblattregen ging über die Dörfer nieder. Am Abend des Wahltages saßen die S.-A-Leute dann zusammen, um nach errungenem Sieg ihre Maßnahmen zu ergrei­fen. Der 13. März sollte doch der Tag der so oft an­gekündigtenAbrechnung" werden. Motorradfahrer sol­len auch in Fulda bereit gestanden haben, um jedenfalls die Botschaft des siegreichen Osaf an die nächsten S. A- Truppen weiter zu geben. Man kann sich denken, daß manche junge Leute auf ein romantisches Abenteuer fieberten. Als dann die Wahlergebnisse bekannt wur­den, war es aus mit der Herrlichkeit. Trotz einer nicht zu übertreffendm Wahlpropaganda hatten sich die Ver­künder des so sagenhaft schönenDritten Reiches" eine klägliche Niederlage geholt. Infolge der großen Wahl- betelligung konnten sie zwar in der Stadt Fulda 396 Stimmen und im Landkreis Fulda 602 Stimmen er­obern. Was will das aber gegenüber der Stärke der Volksfront für Hindenburg besagen. Selbst die Kommu­nisten haben einen stärkeren Zuwachs gehabt als ihre Brüder auf der äußersten Rechten. In manchen Arbei­terdörfern haben die Nazis gegenüber den letzten Reichs­tagswahlen sogar Stimmen eingebüßt, z. B. in Eichen­zell. In anderen Orten, die sie schon lange als gewon­nen meldeten, wie in Bad Salzschlirf, Neuhof, Hatten­hof usw. war ihr Fortschritt ganz unbedeutend. Kurz und gut, der Generalangriff der Nazis ist abgeschlagen: er ist gescheitert nicht zuletzt an der Bravour, mit dersichdiekatholischeIungmannschaftge- f ch l a g e n h a t. Die junge Volksstont hat sich bewährt. Nun heißt es, den Gegenstoß vorbereiten.

Golllosenbewegung- und kakh. Jugend.

Das lehrt uns die Reichspräfidenkenwahl?

Im Februarheft der Führerzeitschrift der katholi­schen Jugend DeutschlandsStimmen der Jugend" fin­det sich aus der Feder von David G a t h e n ein bemer­kenswerter Aufsatz über die Stellung der Iungkatho- liken zur Gottlosenbewegung, der im Gegensatz zu man­chen sehr verständnisloseren und darum unwirksameren Aeußerungen zeigt, wie eine Klärung der Geister auch ohne Schwarz-weiß-Malerei betrieben werden kann. Wir geben aus dem Aufsatz einige Sätze wieder:

In Deutschland stößt die Gottlosenbewe­gung aus Massen von Menschen, die ent­wurzelt, ohne Zukunftsziel in unseren Großstädten leben. Nicht die Bolschewisten, son­dern jene gottlosen Kapitalisten, die das Geld, ihre Banknoten, vielleicht auch ihren Bauch zu ihrem Herrn und Gott erhoben haben, sind in Deutschland vielfach und zunächst die Gottlosen gewesen und sind es tatsäch­lich noch.

Gerade das sehen wir als Iungkatholiken viel zu wenig, daß Menschen, die sich in die Brust werfen und reden, daß sie daschristliche Abendland" ge-

fängfs an ..,

trocken

gen den Bolschewismus retten, zugleich in ihrer Wirtschaftspolitik die Menschen von Grund und Boden loslösten. Die das Glücksverlangen der Men- schen in ihrem Gewinnstreben betrügen. Dann aber, wenn irregeführte Menschen eines Tages das wahr machen, was ihnen im Film, in der Zeitschrift, in der Zeitung, im Bühnenbild alsideales" Leben vorgestellt wurde, dann fällt man erst recht über diegottlose" Ge­sellschaft" voller Entrüstung her.

So ist es, daß man heute fast sagen kann, der gott­gläubige Mensch steht mitten in einer Welt, die nicht von

Gott ist. Nicht eine Front organisierte Gottlosigkeit steht gegen ihn. Nein, wo er hinschaut, grinst bie Fratze der Gottlosigkeit.

Was sollen wir tun? Das Schwert nehmen und die Gottlosenbewegung erledigen? Es erginge uns wie Her­kules. Wo wir einen Kopf des Ungeheuers wegschlagen, kommen zwei neue hoch. Für uns als junge Menschen geht der Weg nicht anders, als wie ihn Herkules gehen mußte. Er mußte zunächst zurückweichen, um das hei­lige Feuer zu holen.

Was heißt das? Wir müssen selbst stark werden in der Kraft Gottes, im Glauben. Wir müssen unser Christentum ganz stark und glaubwürdig leben. Vor allem auf das glaubwürdig kommt es an. Das heißt, ganz nüchtern gesagt: Nur der kann Gottlosigkeit wirksam und dauerhaft be­kämpfen, der wahr, rein, gerecht, voll Friede und selbstloser Liebe ist."

Die Reichspräsidentenwahl zeigt, daß der Angriff der Nationalsozialisten auf das Fuldaer Land an dem gesunden Sinn der Bevölkerung gescheitert ist. Bedenk­lich muß jedoch die Tatsache stimmen, daß der Kom­munismus so stark zugenommen hat. Wenn in katho­lischen Dörfern 100 und mehr den Kommunisten Thäl­

mann wählen (Horos 169, Petersberg 136, Flieden 96, Bachrain 87, Neuhof 78, Mittelkalbach 78, Künzell 54, Kleinlüder 51, Pilgerzell 41 usw.), so sind das Alarm­zeichen. Die Unzusriedenheit mit den wirtschaftlichen Verhältnissen macht sich hier in einer gefährlichen Weise Lust. Heute gehen die me i st e n dieserK o m- munisten" noch in die Kirche. Wie man uns sagt, gehen manche sogar regelmäßig zu den hl. Sakra­menten. Der Durchschnitt dieserKommunisten" über­legt anscheinend gar nicht, daß er mit seinem Protest als solcher ist die Stimmabgabe nur zu werten "bie Bewegung der konsequenten Gottlosigkeit fördert. Einige Kommunisten versuchen allerdings auch in den Fuldaer Dörfern schon für die Gottlosenbewegung Pro­paganda zu machen. So hatte in der vergangenen Woche einer der wenigen konsequenten Kommunisten aus Veitsteinbach zu einer Zentrumsoersammlung einen Ver­treter der Freidenker-Bewegung aus Hanau als Dis­kussionsredner kommen lassen. Also, katholische Iung- mannschaft, aufgepaßt. Wenn der Nationalsozialismus abgewehrt ist, wird der Kommunismus unser gefährlich­ster Gegner sein. Wir müssen uns rechtzeitig rüsten und unsere Altersgenossen davor bewahren, vom sog.Kom­munismus", mit dem sie das Kirchengehen noch ver­einbaren zu können glauben, zurGottlosenbewegung" abzusinken.

Zungen heraus!

Wenn ein Junge zur Welt kommt, so möchten ihn am liebsten die Großmütter und Tanten in Watte ein­wickeln und in den Glasschrank stellen, damit er auch ja immer hübsch sauber und schön bleibe. Und auch nach­dem er seine volle Lebensfähigkeit bewiesen hat, kommt es noch vor, daß der kräftige und gesunde Junge zur Memme verhätschelt wird. Wahrlich, die meisten Ge­fahren, die uns begegnen können, sind eher unsere Freunde, als die übertriebene Sorge unserer Angehö­rigen um unser Wohlergehen. Da ist es denn ein Glück, daß richtige Jungen sich eigentlich nur unter ihres­gleichen so recht wohl fühlen. Und so sind denn auch aus dem inneren Bedürfnis der Jungen heraus die Iungenbünde entstanden, in denen die Härte als eisernes Gesetz vorhanden ist.

Ein Großer unseres Volkes hat einmal gesagt, daß der Ursprung der Tugend darin liege, das An- genehme und das Leichte zu verachten und immer das Harte und Schwere zu wählen. Jeder gesunde Junge verachtet aus innerem Drange heraus das Muttersöhnchen, das nichts wagt und das aus Feigheit der Mutter am Rockzipfel hängen bleibt. Es ist nun einmal Gottes Wille, daß ein Junge andere Lebenswünsche hat als eine Kaffeetante oder ein Modeaffe. Aber die sehnsüchtigsten Wünsche eines Jungenherzens sind in der realen Welt der Schule oder der Lehre, in. der Familie und im Kreise der Ver­wandten nicht zu verwirklichen. Zu ihrer Erfüllung bedarf es der Jungengemeinschaft, die wir Iungen- schaft, Jugendbund oder Iungschar nennen. Hier lernt der Junge, seinen Körper zu stählen, ge­wandt und findig zu werden und als sicherer, aufrechter Mensch durchs Leben zu gehen. Hier im Kreise seiner Kameraden erlebt er Gemeinschaft. Er spürt etwas da­von, Glied eines großen Ganzen zu sein, sich einzu­ordnen und an der Stelle, da er hingestellt wurde, seine Pflicht zu tun. Die Gemeinschaft mit den Kameraden stärkt sein Wollen auch gegenüber denen, die zwar gern alle Herrlichkeiten unseres Jugendlebens mit auskosten möchten, aber nicht den Mut haben, sie durch Aufgabe ihrer Bequemlichkeit mit zu erwerben. Wer seine Pfennige an Eis und Schlagsahne vernascht, wer nicht nein sagen kann, wenn ihm angeboten wird, in einem feinen Kaffee den Nachmittag zu versitzen der paßt noch nicht zu uns. Es ist freilich leichter, bei Muttern die Fuße unter den Tisch zu stecken und sich tüchtig auftragen zu lassen, als sich selber am eigenen Feuer ein einfaches Mahl zu bereiten. Es ist auch leichter, Erdbeertorte zu schlecken, als draußen im rauhen Forst durch dorniges Unterholz anzuschleichen, um ein Reh zu belauschen. Aber der Faule und der Schlemmer werden auch nie die helle Freude erleben, die uns in unserem Reich begegnet. Wir wissen auch ein gutes Bett zu schätzen wir können es aber auch gerade so gut entbehren und schlafen im Zelt oder bei Mut­ter Grün ebensogut wie im feinsten Daunenbett.

Es wird heute so viel davon geredet, daß unser Volk wieder einfacher und schlichter werden müsse. Aber die so viel davon reden, mögen meistens nicht selber mit dieser Forderung beginnen. Unser- Leben erzieht unsere Jungen von selber zur Einfachheit. Im grünen Reich der Wälder bedürfen wir all der Dinge nicht, die die moderne Luxusindustrie für das

Leben in den Städten geschaffen hat. Im Lager schmeckt das Marmeladebrot besser, als im Alltag ein Lecker­bissen. Und die kostbarsten Dinge, die die Natur uns schenkt, kosten keinen Pfennig Geld. Das Vogellied, der Duft in den blühenden Wiesen, die bunte Farbenpracht des Herbstes und die gewaltige Majestät des Winter­waldes sind Wunder, die uns auch das beste Kino nicht so lebendig vermitteln kann wie die Wirklichkeit. Und doch erhalten wir alle diese Herrlichkeiten umsonst. Um­sonst leuchtet uns der blaue Sternenhimmel, umsonst rauscht der Wald und fliegen die Wolken. Die aller- raffiniertesten Vergnügungen der Großstadt können sich nicht messen mit dem köstlichen Erleben, das uns immer von neuem auf unseren Fahrten geschenkt wird.

Und was wollen die Ziele aller Geselligkeits- und Vergnügungsvereine unserer verpflichtenden Lebens­gemeinschaft gegenüber bedeuten? Wir beneiden die Jungen und Mädel nicht, die sich mit Seichtigkeitendie Zeit zu vertreiben" versuchen. Wir freuen uns, wenn wir einmal Zeit haben, und wollen sie als köstliches Gut nutzen. Wir sind nicht durch Vergnügen, Mit­gliedsbeiträge und die unvermeidlichenStatuten" zu- sammengehalten, sondern durch ein großes Ziel und eine Lebensgemeinschaft von jungen Menschen, die zu Kameradschaft, harter Selbsterziehung und Dienst an der Erneuerung unseres Volkes bereit sind, und so glauben, recht deutsche Jungen zu sein!

Fritz R i e b o l d.

Fahri ins Grenzland.

Schon zu Ostern begannen wir, uns mit Zirkeln und Linealen über Landkarten zu beugen, Fahrpläne zu stu­dieren und Pläne für die Sommerfahrt zu machen. Dann fanden wir endlich das Richtige: Im Süden unten, nahe der Sprachgrenze, wo eine Viertelmillion Deutsche vom Mutterland abgetrennt ihr hartes Los tragen.

Viele Fragen brannten uns im Herzen, und die Wo­chen bis zum Sommer hin verstrichen uns sehr langsam. Da kommt knapp vor dem Beginn der Ferien einmal einer ins Nest und bringt eine alte Landkarte mit, auf der, drei Tagemärsche südlich unseres Fahrtenweges, mit roten Strichen ein kleines Gebiet abgegrenzt war, dessen Orte deutsche Namen trugen, und ringsumher wohnte das fremde Volk. Wen wir auch um die Sprach­insel befragten, niemand wußte uns Näheres darüber zu fagen.

Nicht weit entfernt lag der See mit dem weichen, fremden Namen, an dem es schon Olivenbäume gibt, und auf dessen laues Wasser heiß die südliche Sonne brannte; wir hatten ihn schon auf Bildern gesehen. Da erwachte in uns die Lust nach dem Abenteuer. Leben diese deutschen Menschen noch, und wie kleiden sie sich, und wie ist ihre Sprache? Und dann der See im Sü­den. . . .!

Zwölf Tage waren wir durch deutsches Land gezogen und hatten die Schönheit des Landes erblickt, aber auch die Not der Menschen, die es bebauen. Auf staubigen Straßen waren wir dann auch unter dem fremden Volk dahingezogen. Es war uns fremd wie der große See, der uns vorher so gelockt hatte. Dann kamen mir eines Tages in ein Dorf und fragten einen Mann nach dem Weg zu den Deutschen. Er nannte uns feinen Namen:

Rußland in bet Wirklichkeit.

Schilderungen eines aus Rußland zurückgekehrten deutschen Ingenieurs. (Vergl.: Fuldaer Zeitung vom 10. März 1932, Nr. 58.)

Vie Lage der Arbeikerfchafi.

DieBezahlungderArbeiterinden Fabri­ken erfolgt nicht nach geregelten Grundsätzen, wie zum Beispiel bei uns in Deutschland nach einem Tarifwesen, sondern durchweg nach einer Akkorbberechnung, di« infolge der haarsträubenden Unwissenheit der Kalku­latoren die größten Ungerechtigkeiten zu Tage treten läßt. Ich kenne Fälle, in denen Frauen in Schuhfabriken, die 120150 Prozent ihrer Norm-Lei­stung erreichten, mit 8085 Rubel im Monat nachhause gingen, und Fälle aus Traktorensabriken, wo junge Mädchen von kaum 18 Jahren, die vielleicht ein halbes Jahr in der Fabrik arbeiteten, 250400 Rubel verdien­ten. Wie groß diese Ungerechtigkeit ist, wird einem erst klar, wenn man bedenkt, daß die meisten deutschen Spe­zialisten, ganz gleich ob Arbeiter ober Ingenieur, in der Regel für 150400 Rubel im Monat arbeiten müssen.

Die Welt streitet immer noch darum, in welchem Lande die Arbeiter unter dem größten Terrror zu leiden haben. Für mich und für alle, die in Rußland tätig waren, gibt cs in dieser Frage keine Meinungsverschiedenheit mehr. In Rußland gibt es eben nur eine Meinung, und zwar die derArbeiter- Regierung".

Wie stellt sich diese Arbeiter-Regierung aber gegen­über ihrer Arbeiterschaft ein? Die Revolution fegte die alte Bourgeoisie hinweg, im Laufe der letzten Jahre hat sich eine neue, viel rücksichtslosere Oberschicht

gebildet, die es zunächst einmal ausgezeichnet versteht, auf dem Rücken des Arbeiters gutzu leben und mit unerbittlicher Schärfe gegen Andersdenke vor- sugehen. Von einer Arbeiter-Regierung kann man eigentlich überhaupt nicht mehr sprechen, obwohl die Ar­beiter-Delegierten aus allen Teilen des riesigen Reiches wochenlang in Moskau tagen. Diesen Delegierten wer­den meistens bestimmte Vorschläge gemacht: so müssen wir dieses oder jenes machen, ein paar Schreier und Stimmungsmacher geben ihren Beifall in Form von Bravorufen oder Händeklatschen kund, und die Masse wird mitgezogen. Wehe demjenigen, der es wagt, eine andere Meinung' zu haben, er wird sofort alsSabo­teur" verschrien und kann von Glück reden, wenn er nicht gleich eingesteckt wird.

Wenn zum Beispiel in denFabrikenStaats- anleihen gezeichnet werden sollen, dann geschieht das nach außen hin auf der Basis der Freiwilligkeit. Es geht eine Liste im Betrieb um und es zeichnet sich zu­nächst nur ein ganz kleiner Prozentsatz der Belegschaft ein, z. B. bte sog. Urdamiks (?), das sind angeblich die besten Arbeiter (in Wirklichkeit die besten Denunzianten und Aufpasser für die Andersdenkenden). Die Liste geht bann zurück zur Direktion. Im Anschlagebrett erscheint darauf ein Anschlag mit den Namen derer, die nicht ge­zeichnet haben, und eine zweite Liste mit den Namen und den Beträgen der bisherigen Zeichner. Der Druck, unter dem die Belegschaft steht, bringt es dahin, daß schließlich alle von ihrem mageren Verdienst auch ihren Anteil 20, 50, 100 Rubel gezeichnet Haden. Das

dem Staatefreiwillig" alsDarlehen" gegebene Geld sieht der Arbeiter nicht wieder, wenn auch gesagt wurde, es handele sich um eine Staatsanleihe, die nach 10 Jah­ren zurückgezahlt werden soll.

Wenn man sich die Personen ansieht, die den Staats- und Wirtschaftsapparat in der Hand haben, ist man überrascht; denn sehr viele der leitenden Stellungen in der Wirtschaft und Verwaltung sind von Juden besetzt. Heute dürfte es wohl keinen Fabrikdirektor mehr in Rußland geben, der aus dem Arbeiterstande hervorge­gangen ist. Nach meiner Ansicht ist Rußland heute nur für die Juden ein Paradies, während sich die Lage der Arbeiterschaft gegen früher eher verschlechtert hat.

Das Leben der russischen Führerschicht.

Wie gesagt, besteht die Führerschaft im neuen Ruß­land zum guten Teil aus Juden. Der glaubenslose Jude hat es scheinbar verstanden, die Dummheit und die Un­kenntnis des russischen Bauernvolkes gut auszunutzen. Die Arbeiterschaft läßt sich von ihnen führen und ist bei der angeborenen Genügsamkeit mit Brot, Fisch und dem unvermeidlichen Wodka zufrieden. Betritt man ein gutes Restaurant, so fällt einem unter den Gästen das Vorherrschen der Iugen auf. Die Führerschal« fährt auch wie in den kapitalistischen Ländern in Luxusautomobilen, den Herren Direktoren steht ein Auto bei Tag und Nacht zur beliebigen Verfügung. Kommt einmal ein Arbeiter, und mag er ein noch so überzeugter Kommunist sein, in so ein gutes Restaurant und will auch einmal etwas Bes­seres essen als den ewigen Kantinenfraß, den man bei uns höchstens den Schweinen gibt, und ist nicht salon­fähig angezogen (einen besonderen Anzug zum Aus­gehen hat vielleicht von 100 Arbeitern nur ein einziger) dann wird ihm erklärt, daß er hier nichts zu suchen hat. Hier verkehren zu viel Ausländer, weshalb er in feinem Aufzug das Ansehen Rußlands gefährden könne. Der

Emmer hieß er. Seine Voreltern waren als deutsche Bergleute in dieses Tal eingewandert. Drei Stunden müßten wir noch im Tal aufwärts gehen, wenn wir zu den Dörfern der Deutschen wollten. Dies alles erfuhren wir in der fremden Sprache, denn die unsere verstand er schon nicht mehr.

Der Pfad wurde immer unwegsamer . Wir waren müde, als wir ins Dorf kamen. Menschen sahen wir vorerst keine. Da traten wir in den Friedhof, der um die Kirche lag. Die Namen der Toten hier waren deutsch. Als wir wieder aus dem Kirchhof heraustraten, kam ein hagerer Mann in eiligen Schritten auf uns zu.Seid Ihr Deutsche?" rief er schon von weitem, ein Greis mit wallendem weißem Haar und Bart, die lange Rippel­samthofe mit einem derben Riemen gegürtet und in einem reinen, groben Hemd. An unserer Tracht hatte er uns schon von weitem erkannt.

Er nahm uns mit auf feinen Hof und erzählte uns viel von der Siedlung mitten im fremden Land. Schon feit dem großen Kriege hatte er keine Deutschen mehr ge­sehen. Und beim Abschied fiel ein müdes Wort:Mit uns ifts jetzt aus", sagte er,in fünfzig Jahren werden da wohl keine Deutschen mehr sein, und ihr da droben ihr habt halt auch schon auf uns vergessen!" Wir sahen zur Erde. Da war dasAbenteuer" und alle Neu­gier zu Ende. Wir schämten uns.

Als wir nach zwei Tagen den Ort verließen, da ge­leitete uns ein Bauer noch ein Stück Wegs . Als er um- kehren mußte, schüttelte er uns die Hände:Und schauts, daß bald wieder kvmmts und daß es alsdann besser aus- gschaut in euerm Landl! Die Deutschen haben noch alles gekonnt, was sie wollten, wann sie nur richtig zusammenstehen!"

Da hat es uns die Fäuste zusammengeballt: Da­heim unser Staat, an den sie im Grenzland alle glauben, im Partei st reit zerrissen und hier--verlorenes deutsches Volk! Man

müßte schreien, daß ganz Deutschland aufhorcht!

Und wir alle, die wir im Grenzland die Stimme der Not gehört haben, kennen seither nur eine Pflicht: uns bereit zu machen für das, was bie Fahrt ins Grenzland uns gelehrt hat. E. B,

Bom katholischen Gesellenverein.

Tagung der Bezirksvorstände des Bezirks Kurhessen.

Man schreibt uns:

Am Sonntag, den 6. März, waren in Kassel Ver­treter aller Bezirksvereine erschienen. Solche Stunden, in denen sich die Führer der Vereine, geistlich und weltlich, zur gemeinsamen Beratung trafen, sind von großem Wert, besonders in der Diaspora sind solche Tagungen Stunden der Neubelebung. Herr Diözesanpräses Becker-Fulda sprach überKolpingsprogramm und Gegenwart" in ernster, eindringlicher und gründlicher Weise. Er schöpfte aus der Erziehungsweisheit des Ge- sellenvaters Kolping und aus dem reichen Wissen eigener Erfahrung. Deshalb wurden seine Worte mit Spannung verfolgt. Das Familienleben leide nicht nur nur unter den zersetzenden Nöten der Gegenwart, die Familie sei auch zum Kernpunkt geistigen Kampfes geworden. Des­halb fei auch dem Katholischen Gesellenverein die Familie zur geistigen Idee, zur Verbandsidee geworden. Freilich fei dies nicht feine einzige Idee. Den Sozialismus und Kommunismus verurteile der Gefellenverein wegen der Gottfeindlichkeit, als sozialer Vereine kämpfe er gegen den Kulturbolschewismus, besonders wegen seiner aus­gesprochenen Familienfeindlichkeit. Wie die Familie, so ist uns auch die Kirche eine gottgewollte Erscheinungs­form sozialen Lebens. Die Kirche wird uns deshalb auch heute nicht zum Problem, zu Frage und Zweifel. Unsere Grundlage ist die katholische Weltanschauung. Das ge­diegene Wissen in religiösen Dingen ist notwendig. Dem Wissen soll auch das Leben der Tat entsprechen. Das alte Wort von derPolitik im Verein" ist schon lange kein Problem mehr. Der Gesellenverein sieht klar und bestimmt auch seine politischen Aufagben und Ziele. Dieses wurde in der folgenden politischen Arbeitsgemein, schäft noch näher bargetan. Der Herr Diözesanpräses kam zu bem Schluß: Für ben Katholischen Gesellenver­ein haben wir in unserer Zeit eine Fülle von Arbeit.

Was will der Wmdlhorstdund?

Er will bie Jungmannschask politisch schulen und disziplinierte politische Stoßtrupps des christlichen Volks­teils heranbilben. Augenblicklich ist seine Hauptaufgabe der Kampf gegen den die Rot ausnuhenden Radikalis­mus, gegen Hakenkreuz und Sowjetstern, und bie Stär- kung der jungen Volksfront für Brüning. Unser Ziel ist ein christliches, soziales, freies und einiges Deutschland. Anmeldungen an Dr. Sauer, Re­daktion desBlatt der Jugend".

arme Mann mit der guten Seele und dem hungrigen Magen muß abziehen und anderswo sein Glück ver­suchen. Trotz ihres noblen Auftretens verdient bie Füh­rerschaft nach außen hin aber nur bas festgesetzte Höchst­gehalt von bisher 320 Rl>. im Monat. Man fragt sich unwillkürlich, wie können sie es sich trotzbern leisten, ihre Damen in tabellofe Seidenkleider unb kostbare Pelze zu hüllen unb bie teuren Restaurants zu bevölkern, wo ein Gedeck für eine Person 2025 Rubel kostet, unb teuren Wein trinken, von bem die billigste Flasche immerhin 20 Rubel kostet.

Diesen Verhältnissen steht der Arbeiter machtlos ge­genüber; er stiacht, wie man sagt, eine Faust in der Tasche, eine Möglichkeit des Zusammenschlusses gibt es nicht, weil jede Gegenkunbgebung mit Waffengewalt int Keime erstickt wird. Die Sicherheitsorgane, wie bie rote Armee unb bie G. P. U. (die politische Polizei) werden von den Gewalthabern natürlich bevorzugt behandelt. Zunächst bekommen sie die besten Sachen in eigenen Kaufhäusern zu spottbilligen Preisen, sie haben die besten Wohnungen unb bas beste Essen, so bah sich biefe Stützen bes bolschewistischen Staates keine besseren Zei­ten wünschen können unb mit demSystem" sehr wohl einverstanden sind.

Ein Beweis für die Willkür, mit der regiert wird, ist bie Tatsache, baß eine Anzeige, bie ich gegen einige Be­amte unb Direktoren wegen Sabotage bei der GPU. ebenso beim RKJ. (bie oberste Kontrollinstanz- bei bet Arbeiter- unb Bauernregierung") richtete, vollständig einschlief. Vielleicht wäre der Spieß sogar umgedreht worben, wenn ich nicht schnell Rußland verlassen hätte. Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, die hier gezeigten werden aber genügen, um vielen das wahr« Gesicht des Kommunismus zu zeigen.