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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 63

Hrlchemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: «Die Well tm Bild' undBuchenblätter-. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- - teitung 3153 Fuldaer Artiendruckerel 3151 und 3152 ::

Mittwoch, 16. Mürz 1932.

Monatlich 1.65 einjchlietzl. Postgebühr <4^ Psg > ohne ^ultellg Anzeigen.Preise: Kleinzeile (Sol) lokal 0.15 RM auswarte 6.20 RM Reklamezeile.- lokal 0 60 NM auswärts 0.30 NM Bei Wiederholungen Rabatt Polticheckk .tninPturf a M 4051

Iflhrg. 59.

Tardieu in Genf eingekroffen.

Wichtige internationale Verhandlungen im Gang.

wtb. Genf, 15: März. (Eig. Weldg.). Der fran.zösische Ministerpräsident Tardieu ist heute vor­mittag hier eingetroffen.

*

Es bestätigt sich, daß Tardieu die Absicht hat die französischen Pläne einer Wirtschaf shilse fui die südosteuropäischen Staaten während fernes Au­fenthaltes in Genf weiter zu fördern. Unmit­telbar nach seiner Ankunft begann er an der Spitze der französischen Delegation Besprechungen mit einer Reihe von Vertretern der interessierten Staa­ten Ferner hatte Tardieu eine Besprechung mit dem Sachverständigen Italiens de Michaelis. Heute nachmittag nimmt Tardieu an den Beratungen der politischen Kommission der Abrüstungskonferenz teil. Auf der Tagesordnung steht die Frage der moralischen Abrüstung.

* Das Memeldirekkorrum gebildet. Der Präsi­dent des Memeldirektoriums Simmat hat fein Di­rektorium endgültig gebildet und zu MitgliÄlern

dieses Direktoriums den Besitzer Reisgys und den Kaufmann Kadgiehn ernannt, so daß das Direk­torium jetzt aus Simmat, dem in voriger WochL ernannten Tolischus und den beiden oben genann­ten Herren besteht. Die Ernennung Kadgiehns und Reisgys' ist besonders deshalb bemerkenswert, weil diese beiden schon seinerzeit vom Landtage das Mißtrauen ausgesprochen erhielten.

Die Mandschurei.

wtb. Washington, 15. März. (Eig. Meld.) Beim Staatsdepartement ist ein Ersuchen des neuen selbständigen mandschurischen Staates um Aner­kennung eingegangen.

In der ganzen Mandschurei, sind schwere Unruhen im Gange. In Mukden, Manschuli und im westlichen Teil der chinesischen Ostbahn kam es zu schweren Ausschreitungen chinesischer Trup­pen.

Aach Hilgenbergs vernichtender Niederlage

Ein neuer Dreh. Jetzt will er auf parlamentarischem Wege die Amtszeit verlängern und den Reichstag auflösen.

Die Hugenberg'sche Kandidatur Düsterberg hat genau so abgeschnitten, wie nüchterne Rechner ihr dies vorhergesagt haben. Mit 2Ve Millionen Stim­men ist sie zur politischen Bedeutungs- llosigkeit verurteilt.

Bei Hugenberg hat sich deshalb auch die Ent­täuschung bereits eingestellt. Dieser überschlaue Taktiker hat sich noch mehr verrechnet als sein Harzburger Milkonkurrent Hitler. Zwar war er von der Aussichtslosigkeit Duesterbergs über­zeugt, aber er wollte dessen Stimmen bei dem zwei­ten Wahlgang meistbietend verkaufen. Das hatte sein Lokalanzeiger noch am Sonntag­morgen ganz deutlich ausgesprochen. Auch durch diese Rechnung haben die Wähler einen dicken Strich gemacht. Hindenburg liegt so weit in Front, daß esweder aus Hitlernoch aufHugen- b erg mehr ankommt. Der deutschnationale Führer hat das inzwischen wohl selbst eingesehen und ist aus einen neuen Dreh verfallen, der seine unhaltbar gewordene taktische Lage erleichtern soll. Er macht nämlich den Vorschlag, durch ein ver- fassungsanderndes Reichsgesetz das Wahlergebnis a d 3 »!tig anzusehen und Hindenburg als gewählt zu erklären, wenn der Reichstag alsbald aufgelöst und neugewählt würde.

Dieser Weg wird jetzt von demselben Mann der die einfache und klare parlamen- tarische Loiung der Präsidentschaftsfrage aus an­geblich versas,ungsrechttichen Bedenken ablehnte Serbstverstandlich ist dieser Vorschlag, weil mit Bedingungen verbunden, noch nicht einmal einer Diskussion wert. Er hat den alleinigen Zweck die Sackgasse zu öffnen, in der sich Herr Hugen-' berg mit seiner gesamten Partei befindet. Die Entwicklung ist tatsächlich so gelaufen, daß Hua en- berg und seine Entschlüsse nicht die ge­ll n g st e R o ll e m e h r spielen. Vie Verhöke­rung der Duesterbergstimmen ist bei dem weiten Vorsprung Hindenburgs nicht mehr möglich. Die Ausstellung einer gemeinsamen Rechtskandi­datur ist nach dem ersten Wahlgang ebenso schwie­rig, wie sie vorher war, und würde zudem an dem schon jetzt feststehenden Ausgang des zweiten Wahl- tresfens nicht das geringste ändern. Durch die sofortige Bereitwilligkeit des Reichspräsidenten zur Kandidatur int zweiten Wahlgang ist zudem der schöne Plan des Herrn Hugenberg überholt. Außer­dem hat sich Hitler bereits selbst wieder für den ztveiten Wahlgang als Kandidat aufgestellt und die Parole ausgegeben: die Agitation ist rät den nächsten Wochen verschärft fortzusühren. Herrn Hugenberg kann bedauerlicherweste der zweite Wahlgang nicht erspart bleiben. Es ist reichlich naiv, an die Möglichkeit zu glauben, Reichspräsi­dent, Reichsregierung und die Hindenburgwähter gingen auf den Verlegenheitsvorschlag ein, der nichts anderes ist als eine Hilfsaktion für den deutschnationalen Führer.

Hugenberg hat noch int Laufe des Sonntags nach einer Mitteilung derDeutschen Allgemeinen Zeitung" den Vorschlag gemacht, als Sammel» kandidaten der Rechtsopposition den frü­heren Kronprinzen aufzustellen. Das hat Hitler abgelehnt, und daraufhin verfiel Hugen­berg auf seinen Vorschlag, auf den zweiten Wahl- tzaNg überhaupt zu verzichten und dafür Reichs­tagswahl vorzunehmen. Es ist übrigens bemer­kenswert, daß gemäßigte Rechtsblätter wie die Deutsche Allgemeine Zeitung" und dieDeutsche Tageszeitung" der Rechtsopposition nahe legen, es mit der Blamage im ersten Wahlgang genug sein zu lassen und sich am zwei- ten Wahlgang überhaupt nicht zu be­teiligen.

Dieser Rat wird schwerlich befolgt werden, denn der nationalsozialistische Kandidat ist bereits da, und außerdem will sich nach Ankündigung der Blätter_die Bundesführung des Stahlhelms ?uaußerordentlich wichtigen Beratungen" ver- fammeln. Die Zeit, in der der Stahlhelm wichtige Beratungen abhalten könnte, ist vorbei. Er hat stch zu sehr mit Hugenberg eingelassen und teilt denen Schicksal. Nachdem fast alle Rechtsblätter dcch Hindenburgs Wahl sicher ist und lewst Hugenberg in einer Kundgebung sagt:Nach -.age der Dinge ist damit zu rechnen, daß General-

feldmarschall von Hindenburg im zweiten Wahl­gang gewählt wird", ist es völlig gleichgültig, was Hitler, Hugenberg und der Stahlhelm machen werden.

Damit auch der Humor nicht fehlt, fei erwähnt, daß dieDeutsche Zeitung" die Wahl­resultate heute unter der Balkenüberschrift wieder- gibt:Hindenburgs Niederlage".

Das beim Reichswahlleiter vorliegende vorläu­fige Etliche Wahlergebnis der Reichspräsidenten- wah! stellt sich auf Grund yon Berichtigungen ryie folgt:

Gültige Stimmen 37 657199,

Davon für: , ' . .

Duesterberg 2 558 813,

Hindenburg . 18 654 244,.

Hitler 11 341119,

Thälmann 4 982 870,

Winter 111492,

Zersplittert 8 661.

Aufruf des Reichsbanners.

Das Reichsbanner erläßt an feine Mitglieder folgenden Aufruf:

Im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft der deutschen Republik ist Hitler geschlagen. Wenig hat gefehlt und Hindenburg war schon im ersten Wahlgang gewählt. Eure unermüdliche Pflichter­füllung, Euer Kampfesmut, Eure politische Klug­heit hat allen Gegnern der Demokra- tre eine schwere Niederlage bereitet. Der Nationalsozialismus hat feine Marneschlacht verloren: Hitler wird nie Reichspräsi­dent. Für diese Tat wird Euch, Reichsbanner- rameraben, die Geschichte Dank wissen. In treuer Kameradschaft gedenken wir der Opfer, die dieser ichwere Kampf von uns gefordert hat. Der Gegner bat einen schweren Schlag erlitten, aber er ist noch nicht endgültig niedergerungen Gebt ihm ru , Ruhepause, die erste Schlacht ist vor- ?4 m r marschieren zur zweiten Schlacht, Un­sere Parole- Vorwärts zum Sieg".

*

,. ^Geschäftsstelle der Hindenburgaus- lchu.se erlaßt eine Kundgebung, in der zunächst ,,t,® ®enugtuunfl über das gestrige Wahlergebnis

Ausdruck gebracht wird. Dann heißt es

. Der Sieg des Reichspräsidenten von Hindenburg rm Zweiten Wahlgang ist sicher. Der gesunde praktische sinn des deutschen Volkes hat sich trotz allem bewahrt. Bedauerlich bleibt, daß die politi­sche Zersplitterung einen zweiten Wahlgang not- wendig macht daß das deutsche Volk auf weitere tuet Wochen den Lähmungen und Störungen ei- nes Wahlkampfes ausgesetzt wird, daß wichtige außenpolitische und wirtschaftliche Aufgaben, die im Vordergründe stehen sollten, zurücktreten müßten. Die Verantwortung trifft diejenigen, die sich dem Ruf zur nationalen Sammlung versagten Der Herr Reichspräsident ist, wie nicht anders erwartet werden durfte, entschlossen, seine Kandidatur im zweiten Wahlgang zum Endsieg zu führen. Die Hindenburgausschusse fordern auf, den Kampf im 2. Wahlgang mit derselben Energie, mit derselben Sachlichkeit und mit demselben Ziele zu führen.

Einen inhaltlich ähnlichen Aufruf verbreitet auch der Hindenburgausschuß Bayerns.

Großgrundbesitz dankt Hitler.

Das Präsidium des Reichsland­bundes hat an Hitler, Hugenberg und Duesterberg folgendes Telegramm gesandt:

Das Präsidium des Reichslandbundes spricht den Vorkämpfern der nationalen Bewegung zu dem am 13. März zuni Ausdruck gekommenen machtvollen Aufschwung und Schritt vorwärts im vaterländischen Kampfe Dank und Glückwunsch aus. Der erreichte Einbruch der nationalen Bewegung

in die gegnerischen Stellungen muß der Ausgangs­punkt für entschlossene Weiterführung unseres Kampfes bis zum endgültigen Siege werden. Das Präsidium des Reichslandbundes tritt dafür ein, alle für den Befreiungskampf gegen das System erreichbaren Kräfte weiter zu lammeln und zur Erzwingung der Neugestaltung des deutschen Staats-, Wirtschafts- und Volkslebens planmäßig einzusetzen."

Man begreife: der Führer des g r o ß a g r a r i» schon Landbundes spricht auch Herrn Hitler, der der Führer einer nationalsozialisti- schen Arbeiter- Partei zu sein vorgibt, seinen Da n k aus. Wer täuscht wen?

3nfereffanfe Vergleichszahlen.

Aus Berlin wird am 14. März geschrieben: 2m ersten Wahlgang für die Reichspräsidenten- wahk wurden, wie gemeldet, von rund 44 Millio­nen Stimmberechtigten 37.6 Millionen gültige Stim­men abgegeben. Einschließlich der rund 250000 ungültigen Stimmen bedeutet das eine Betei­ligung von 86.2 Proz. Bei der Wahl im Jahre 1925 wurden im zweiten Wahlgang von 39 Millionen Stimmberechtigten 30.5 Millionen Stimmen, b. s. 77.6 Proz. abgegeben. Damals ent­fielen auf Hindenburg 48.3 Proz., während jetzt für den Reichspräsidenten 49.6 Proz. abge­geben wurden.

Interessant ist ein Vergleich mit den Wahlen in Hamburg und Hessen im Herbst vergange­nen Jahres: Hindenburgparteien bei der Bürger- schaftswahl 45.6 Proz., gestern 54.6 Proz., Hit­ler bei der Bürgerschaftswahl 26.2 Proz., gestern 24.5 Proz., Kommunisten 21.9 Proz., gestern 15.2 Proz., Deutschnationale 5.6 Proz., gestern Düster­berg 4.7. Proz. .

Mit den Landtagswahlen in H e s s e n vom 15. November 1931 verglichen, zeigt das gestrige Er­gebnis: Hindenburgparteien: Landtagswahl 45.8 Proz., gestern 51.5 Proz., Hitler: Landtagswahl 37.1 Proz., gestern 33.7 Proz., Kommunisten: Landtagswahl 15.5 Proz., gestern 12.6 Proz., Deutsch nationale: Landtagswahl 1.4 Prz., Düster­berg gestern 1.9 Proz.

Aach den Saarwahlen.

DieGermania" nimmt zu den Wahlen im Saargehiet Sielluyg und führt nach einem Hinweis darauf, daß die Stimmen derjenigen saarländischen Parteien, die sich im Reich hinter Hindenburg, ge­stellt haben, mit etwa 220000 die Wahl Hin­denburgs bereits im ersten W a.h l - gang ermöglicht hätten, dazu aus: Im gegenwärtigen-Augenblick interessiert das Ergebnis der Landeswahlen weniger vom parteipolitischen als vielmehr vom nationalpolitischen Standpunkt aus. Die Landesratswahlen konnten gleichsam als eineProbeabstimmung" für die Volksbefragung im Jahre 1935 betrachtet werden. Es ist daher außerordentlich bedeutungs­voll, daß die Wahlbeteiligung auf an­nähernd 80 Prozent gestiegen ist und daß die Saarseparatisten es in Voraus­sicht dieses Ergebnisses nicht gewagt haben, eine eigene Partei aufzustellen und dadurch die Be. deutungslosigkeit ihrer Abtrennungsversuche vor der ganzen Welt zu dokumentieren Die Entschei­dung über die Zukunft des Saargebietes kann nach dieser Probeabstimmung nicht mehr zweifelhaft sein, und Frankreich wird sich bereits darauf vor­zubereiten haben, daß der Völkerbund 1935 d i e Konsequenzen aus dieser Tatsache Zieht.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" sieht in den Wahlen erneut den Beweis für das unbeirrbare Deutschtum der Saarbevölkerung. Die Zer­splitterung spiele umsoweniger eine Rolle, als diese sämtlich und ohne Ausnahme nut größter Entschie- denheit eine Rückgliederung des Saargebiets an das deutsche Vaterland fordern. Selbst für eine neutrale" Haltung einzutreten, hätte keine etwa neu zu gründende Parteigruppe wagen dürfen. Das Saargebiet und seine Bewohner eigneten, sich weder zu einer Handelsware, noch zu einem Han- delsaeschäft.

Auch dieDeutsche Zeitung" betont, daß die Saarbevölkerung geschlossen nur solchen Parteien ihre Stimme gegeben habe, deren festes Programm die Wiedervereinigung mit dem deutschen Vater­lands fei. '

*

Die entscheidende Partei vor und nach der Wahl im Saargebiet ist bekanntlich d i e deutsche Zentrumspartei, von der beschränkte Zeit­genossen als von einerIudaspartei" zu reden wa- gen. In der Tat ist sie der zuverlässige Schutz eines christlich-deutschen VoKstums an gefährdeter Stelle. In den Dörfern des hohen Vogelsberg weiß man allerdings nicht viel vom Saargebiet und feinem Problem und wählt treu und brav den Adolf Hitler.

... *

Die Landesratswahlen in der Saar sollten nach den Ankündigungen desVölk. Deob." vom 13.14. Märzeine vernichtende Niederlage der rot-schwarzen Erfüllungs- und Verräter-Parteien" bringen, eineAbrechnung über ein bankerottes System". Mit den niederträchtigsten Beschimpfun­gen wurde vor allem das s a a r l ä n d i f ch e Z e n- trum von den Nationalsozialisten angegriffen. Wagte doch dos Hitler-Organ zu schreiben:Es bleibt eine ewige Schande des saarländischen Zen­trums, daß es durch Fälschung von Unterschriften die Bestrebungen Clemenceaus unterstützt hat!"

Nun, der 13. März kam. Wie sah die Abrech­nung aus? Die Saarbevölkerung wußte, was mit den Nationalsozialisten los ist, welche heute noch sich auf Separatisten als Kronzeugen in ihrem 55er» leumdungsfeldzug gegen vaterländische Parteien stützen, und gab ihnen die einzig verdiente Ant­

wort: das Zentrum steht unerschüttert da (14 Mandate), die Treue seiner Anhänger ist ungebrochen, während dieAbrechner", die Na­tionalsozialisten, es auf ganze zwei Mandate brachten.

Ein wichtiger Tag.

Die Preußen-Dahl.

Im Vernehmen mit der Preußischen Regierung hat der Ständige Ausschuß des Preußischen Land­tages den T erm in für d i e Preußen wäh­len auf den 2 4. April festgesetzt.

Vierzehn Tage nach dem zweiten Wahlgang um die Reichspräsidcntschast treten wir also zum schar­fen Wahlgang in Preußen an. Die preußischen Katholiken haben an diesem Tag zu beweisen, daß sie. weiterhin als vollberechtigte Staatsbär- ger gelten wollen. Sie müssen mit dem Stimm­zettel deutlich zeigen, daß sie sich v 0 n nie m a n- b e m zu einem Staatsbürger zweiter Klasse herunterdrücken lassen. Es muß an diesem 24. April klar werden, daß der Geist, der in Preußen des Dreiklassenwahlrechts zu Hause war, endgültig aus getrieben ist..

Entsprechend einem Beschluß des preußischen Staatsministeriums wird für die preußischen Wah­len der Wahlquotient auf 50000 fest­gesetzt werden. Es ist eine Verordnung der preußischen Regierung zu erwarten, welche die preußische Sparoerordnung abändert, nach "der, wie erinnerlich, auf 60 000 Stimmen (früher 40 000) ein Abgeordneter entfallen sollte.

ERB München. 15. März. (Eig. Meld.) Württemberg, Preußen und Bayern sind übereingekommen, die Landtagswahlen am gleichen Tage abzuhalten. Da der ständige Ausschuß des preußischen Landtages ge­stern beschlossen hat, die Wahlen in Preußen am 24. April stattfinden zu lassen, dürften auch die Wahlen in Württemberg und Bauern auf den glei­chen Tag festgesetzt werden. Die formelle Entschei- düng wird heute oder morgen im Ministerrat fallen. ,

Oster-pause.

Der Reichspräsident empfing am Montag den Reichskanzler Dr. Brüning zuni Vortrag über po­litische Fragen.

Das Reichsmnenministerium bereitet, den Blät­tern zufolge, eine Vorlage vor, nach, der die politi­schen Parteien i n derKa r w öch e'D"pm,2fy M^rz bis zum 30. März Bürgfrieden chahren.sdllest. Das Reichskabinett wird sich mit der Vorlage in einer seiner nächsten Sitzungen beschäftigen.

Die sächsische Regierung hat bereits für die Osterwoche ein Demonstrationsverbot erlassen.

* Die französische Kammer hat den EesamthauS- halt für 1932 mit großer Mehrheit angenommen.

* Das polnische Ermachtigungsacsetz vom Sejm angenommen. Aus Warschau wird gemeldet: In einer Nachtsitzung stimmte der Regierungsblock im Sejm dem Gesetz, das dem Staqts.präsidenten, bzw, der Regierung außerordentliche Vollmachten gewährt, zu. Sämtliche Oppositionsparteien spra­chen sich in scharfer Form gegen die Vorlage aus.

Der übliche Rrakehl.

Gesamlsitzung der Sächsischen Landwirtschofks- kammer. Die Sitzung abgebrochen.

wtb. Dresden, 15 März. (Eig. Meld.) Die Land­wirtschaftskammer für den Freistaat Sachsen sollt« heute ihre Gesamtsitzung abhalten. Die Staats­regierung war durch eine Reihe von Ministerial- röten vertreten. Vizepräsident Richter eröffnete mit Inständiger Verspätung die Sitzung und gab un­ter lebhaftester Aufmerksamkeit bekannt, daß Prä­sident Vogelsang und Vizepräsident Körner heute .ihre Aemter niedergelegt hätten. Die nicht-nationalsozialistischen Kammermitglieder legten eine Entschließung vor, in der es heißt, daß Vizepräsident Körner ein Flugb'att verbreitet Hobe, in dem gegen Präsident Vogelsang schwerste Belei­digungen enthalten seien, weshalb ihm Mißbllli. gung ausgesprochen und ihm das Vertrauen ent­zogen werde. Durch dieses Flugblatt sei Präsident Vogelsang veranlaßt worden, sein Amt niederzu- legen. Diese Ereignisse riefen in der Kammer größte Bestürzung hervor. Ein Antrag, die Sit­zung zu vertagen, wurde angenommen.

*

Es sind die Katzbalgereien, die man im Lager derHarzburger Front" schon gewöhnt ist.

Die Innenpolitik in Iapan.

Bevorstehender Rücktritt des japanischen Innen­ministers?

wtb. Tokio, 15. März. (Eig. Meld.) Wie ver­lautet, wird der Innenminister Na atashi demnächst zurücktreten, angeblich aus Gesundheitsgründen, tat­sächlich aber wenigstens wird dies vielfach be­hauptet um sich dem scharfen Tadel zu entziehen, der während der Sondertagung der Kammer am 18. März gegen ihn ausgesprochen werden dürfte, weil er den Anschlag gegen den Kaiser am 8. Jan. dieses Jahres und die Ermordung Takuma Da­nas nicht zu verhindern wußte. Man erwartet, daß der Rücktritt des Ministers zur Bildung einer nationalen Regierung führt.

Die deutsche Oftafien-Fliegerin Marga v. Etz­dorf ist Ntontag, von Hanoi" fommenb/in B a ng- k 01 gelandet.