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13. März
Verlage zur Fuldaer Zeitung
Äbendglocke letzter Ton
Der
It,
Der
Und Der
Heimkehr.
Von Franz Eingia.
Und näher komm ich meinem Ziel, Dem' trauten Tal der Jugendzeit, Mein Herz ist wie ein Saitenspiel Doll Glück und Heimatseligkeit.
Hause" spricht, wenn man den Präsidenten als Amts- person meint, so spricht man im Lande Mexiko vom „Heuschreckhügel". Vermutlich besteht ein Zusammenhang mit der alten Urreligion des Landes, die eme sehr starke Naturverbundenheit und Naturbeseelung kannte, ähnlich der altgriechischen Naturauffassung. Andere ähnliche Denkmäler sind das Denkmal der Würmer in Michoacan, eine Säule, auf der alle nur möglichen Arten von Würmern wimmelnd emporkriechen, oder das Denkmal des Fisches bei Zaragoza in Hiquero.
Wert in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden, ist auch ein deutsches Denkmal, das Denkmal des Weines, das anläßlich der Ausstellung „Deutscher Wein" tm Jahre 1925 im Ehrenhof in Koblenz Aufstellung fand. Die verschiedenen deutschen Weine und Weinarten waren darauf in symbolischen Figuren dorgestellt.
Ilokizen in Erz und Stein. Die Denkmalsfreudigkeit unserer Zeit — Denkmalspläne. Das Ehrenmal einer Suh. — Der künstliche Apfelbaum. Die Riesenheuschrecke von Ehapultepec.
stellt
Eine ganze Menge seltsamer Denkmäler gibt es in Mexiko. Im Park von Chapullepec, einer Vorstadt von Mexiko, die das Präsidentenschloß enthüll, steht das riesige Denkmal einer Heuschrecke. Dies Denkmal ist aber nicht einer bestimmten Heuschrecke gesetzt, sondern e§ ist das Wahrzeichen der Stadt — gewissermaßen ihr Wappen. Ehapultepec bedeutet nämlich Heuschreckhügel. Wie man in den Vereinigten Staaten vom „Weihen
Lola lachte: „Solche Blumengrüße sind bei uns eine ebenso nichtssagende wie selbstverständliche Höflichkeit."
Russische Suufi.
Nach dem Frühstück, das dem französischen Koch alle Ehre machte, unternahmen wir die übliche Spazieriahrt auf dem Kai. Die Newa überraschte durch ihre fabelhafte Breite. Wir passierten eine endlose Brücke und erreichten in flottestem Tempo das hübsche Landhaus meiner Freunde, einen all-nationalen Holzbau, wo uns ein Tee mit Früchten, Pasteten und Torten an einem hellodernden Kamin erwartete. Die Rückfahrt in dem leuchtenden Abendrot war ein Genuß; der ganze Himmel gleißte in einem einzigen, wunderbaren Farben- spiel. Plötzlich flammten über dem Wasser in der Pe- ter-Pauls-Festung Lichter auf. Dort waren die Zel- len der politisch Unbequemen, denen man nichts anhaben konnte, und deren Schicksal man darum den ost unheimlich steigenden Wassern der Newa überlieh. Nie- mand ahnte, dah diese dunkle Festung einst die Zwingburg Petersburgs sein würde.
Am Abend fuhren wir in das MarientHeater zum „Fliegenden Holländer". Die ganze Petersburger Gesellschaft traf sich dort in den Logen, die seit Jahrzehnten in den Händen der ersten Familien waren. Eine Loge in diesem Theater zu erben, war gleichbedeutend mit der Erbschaft eines Rittergutes in Deutschland. Es war schon eine ästhetische Freude, in dem gewaltigen, ganz in Hellblau und Silber gehaltenen Raum zu sitzen und die geschmackvollen Toiletten zwischen bunten Umformen, dazu den schönsten Schmuck, wahre Wunder an Perlen und Brillanten, zu sehen. Das Orchester spielte ergreifend schön; di« Stimmen klangen oft überirdisch; die ganze Auffassung des Wagnerwerkes konnte nicht besser sein. Russische Kunst und russisches Theater waren nicht umsonst weltberühmt.
Ich war ganz verstrickt in den Kunstgenuß, und es paßte eigentlich gar nicht in meine Stimmung, gleich tm Anschluß daran noch zu einem Hausball zu fahren. Der erst« Tanz, den ich mitmachte, war ein Walzer, der genau so wie bei uns getanzt wurde; ich sagt« deshalb
Aufforderung, und der Revolver kann also auf Herrn Grenzdörfler gerichtet bleiben.
Der Kerl starrt Al wie ein Wesen aus der vierten Dimension an. Sein Gesicht, sonst so rosig und gewinnend, ist jetzt aschgrau und zeigt keine kümmerliche Spur eines charmanten Lächelns, Irgendeine Bewegung des Widerstandes oder gar irgendein Wort bringt er einfach nicht zustande — AI hat ihn hoffnungslos aus dem Leim gebracht ...
„So, mein Junge", erklärt Fellnor nicht ohne Behagen — „dich hätte ich ja jetzt, dir verdanke ich also die Bekanntschaft mit Herrn Chatzigregorakes in Korfu, nicht wahr — allerdings hast du die Dämlichkeit begangen, mich für Althaus zu halten — und deiner geschickten Regie ist es also auch zuzuschreiben, daß wir trotz vier- undzwanzig Stunden eifrigster Suche die „Pasadena nicht finden konnten — die steht natürlich in keinem Schiffsregister, sondern existiert nur in deinem Köpfchen — ein Helles Köpfchen, das muß ich sagen, alle Hochachtung ..."
„Halt, ich schieße ohne weiteres!" brüllt er plötzlich auf und haut feine Finger dem Gauner um den Hals der Kerl hat in voller Fahrt versucht, aus dem Wagen zu entspringen.
„Zum zweitenmal machst du das nicht!" erklärt Al, schon wieder trocken, schwingt sich gegenüber auf den Notsitz und hält bann den seltsamen Schrammel-Imitator mühelos im Wagen fest ... Das Taxi hot mittlerweile den gleichen Weg zurückgelegt, auf dem Al vorhin mit feinen beiden Anhängseln nach Pera hinaufgespritzt ist.
„Stopp!" schreit plötzlich eine helle Stimme im Gewühl am Ausgang der Karaköi Straße vor der neuen Brücke — Reta ist es, die nach der Verabredung dort wartet. ...
„Wo ist Alchaus?" ruft Al aus dem Wagen.
„Unterwegs nach Therapia — zur Dependance vom Tokatlian — wichtige Konferenz mit Reuf Pascha, dem Verkehrsminister — wenn Sie die Brieftasche haben, sollen Sie sie dorthin bringen. Er braucht sie unbedingt — deshalb warte ich hier — er Halle keine Zell. . ."
Jetzt erst entdeckt Reta den vom Revolver in Schach gehaltenen Grenzdörfler . . . Neue Verwirrung stürzt sich über ihr angestrengtes Gesicht — ihr ratlos fragender Blick gleitet von dem Oesterreicher zu Al. Dir letz-
der „Chrlstabelle."
Alfred Karl.
ihm hier eben die Brieftasche gestohlen — und . . . Don-
Jch schreite rasch und voll Begehr Der wundersamen Heimat zu. Das Land ist ftifl und träumeschwer, Und Sterne leuchten in die Ruh.
Der letzte Muter um St. Petersburg
Erinnerungen und Erlebnisse aus dem Vorlriegs-Ruhland.
Von Schallen ist das Angesicht frohen Welt verwandelt schon, zart verhallt im Dämmerlicht
Die Jungfernfahrt
Roman von
Der Rheinwein, der auf einem der Spruchbänder, di« den Charakter der Weine angeben, als .charakter- voll, stark und edel" bezeichnet wird, will» durch eine gereifte Männergestalt vertreten. Der Moselwein, dem das Spruchband die Eigenschaften „lieblich, duftig, fein" zuerteilt, steht da in Gestalt eines frischen, schlanken Mädchens. Der Schaumwein, der auf dem Spruchband „Eingekapfelte Lebenslust" heißt, wird durch eine vollerblühte, weibliche Gestalt dargestellt, die Lebenslust und Lebensfreude ahnet. Der Jungwein endlich steht da als ein loser, übermütiger Junge, der allerlei ~ ' „Ausgelassen
das Spruchband.
Es gibt noch andere Dinge, die bald mit Fug und Recht ein Denkmal verdienen werden; die altväterlich« Redlichkeit, die Einfachhell, die Frömmigkeit, die Bescheidenheit, und vielleicht auch — die wahre uneigennützige Vaterlandsliebe---- 3-
Es war im Jahre 1913. Der Nord-Expreß Paris- Petersburg näherte sich seinem Endziel. Eine Mär- che n st a d t schien vor uns zu liegen, denn die Morgen- fcmte eines klaren Spätherbsttages schuf ein Strahlen und Leuchten um die mit Gold und Edelsteinen besetzten Kuppeln und Zinnen, daß sie wie Überirdisch glänzten.
Meine Petersburger Freurche holten mich mit ihrem Wagen ab. Der Russenkutscher in seinem dunkelblauen Mantel mit buntgesticktem Gürtel war so dick wie eine Kanonenkugel. „Je dicker der Kutscher, desto vornehmer der Herr", sagte meine Freundin Lola auf mein Erstaunen hin, „bie Kerle packen sich ost ganze Federbetten unter." Wir fuhren nicht, wir rasten. Wie in einem Film flogen vor unseren Augen breite Straßen, Herr- lich« Kirchen, prunkvolle Denkmäler, glänzende Paläste und gewaltige Brücken vorbei. In allem war ganz großer Stil. Soball» wir in ein Gewirr von Wagen tarnen, schwang Iwan seine lange Peitsche, hieb nach links und rechts, und nicht nur der ärmliche Jstwortschik, sondern auch der vornehmere Lichaflch suchte vor diesen Peitschenhieben das Weite.
Bei unserer Ankunft war der Portier, dort Schwei- zer genannt, in Uniform zur Stelle und bat sofort um meinen Paß, den er innerhalb 24 Stunden der zuständigen Behörde vorzulegen hatte. In den großen, hohen Räumen brannten Saminfeuer, und mit dem herbwürzigen Geruch des Holzes mischte sich der Duft wundervoller Blumen. Die Fenster waren schon winterlich abgedichtet; nur ein winziges Glastürchen darin war zum Lüften da. Jedes Zimmer hatte feinen eigenen Dienstboten. Meine Dunia hockte gerade vor dem Ofen, als wir in mein Schlafzimmer tarnen, und murmelte Unverständliches. Lola übersetzte mir: „Sieber Gott, mach dich ganz klein, fahr in den Ofen hinein, entfache die Flamme." Sie ellte dann auf mich zu und küßte mir, trotz meiner Jugend, den Saum des verstaubten Reisekleides. Mein Wohnzimmer glich einem Blütenmeer. „Die Marschall Niel schickte Graf £., der dich in Wiesbaden traf", erklärte Lola, „unb die La France sind vom Fürsten S., der tm Sommer bei Euch jagte —Ich bekam einen roten Kopf, aber
nerwetter, wo denn gleich . . .? An der neuen Brücke, da kriegt er sie wieder. . . Verstanden — halt dich Mädel — los!"
Wes dreht sich vor Retas Augen, ihre Beine wollen einfach nicht mit, in ihrem Gehirn scheint ein Kugellager zu raffeln — trotzdem folgt sie unter dem Zwang von Als befehlenden Augen mechanisch seinem Willen.
Mit ihm zusammen wirft sie sich hinter Althaus her durch die Drehtür — stoppt einen Moment auf der Straße — sie hat ihn aus den Augen verloren — „Da in dem Wagen rechts!" schreit Al ihr noch zu — er hat sich schon nach links gewandt — im letzten Moment, als das Auto schon anfährt, reiht sie den Schlag auf und springt hinein. . .
Al hat den mageren, übertrieben elegant gekleideten Kerl, der mitten in der Halle des Tokallians die Brieftasche zog, nicht aus dem Auge gelassen — er, der von allen Gästen den Konzernleller in diesem entscheidenden Moment am schärfsten aufs Korn nahm, war der einzige, der den Gaunerstreich bemerken konnte!
Der Dieb stoppt auf der Straße sofort sein rasches Tempo — schlendert an ein offenes Auto heran, das einige Schrille entfernt vor dem Tokatlian wartet — etwas fliegt durch die Lust in den offenen Wagen — der Kerl taucht im Gewühl unter — der Chauffeur gibt Gas — Al reißt den Browning heraus, schwingt sich ins Auto und landet, den Revolver in der Faust ... auf dem Polster neben Herrn Grenzdörsier von der „Christa- belle", dem ewig lächelnden .charmanten Plauderer, dem Schrammel-Imitator und unverwüsUichen Stimmungsmacher ... der Alchaus' Brieftasche eben in feinem Rock verschwinden lassen wollte und sie jetzt, den Revolverlauf vor der Nase, auf Als energische Aufforderung: „Her damit!" widerstandslos herausrückt . . .!
„Zur neuen Brücke!" scheit Al dem Chaufseurr zu — der Wagen ist ein Taxi, der Fahrer also wohl kein Verbündeter der Gauner — es bedarf da keiner kräftigeren
Streiche und Tollheiten tm Kopf hat. _ voller Streiche", so kennzeichnet ihn kurz unb lakonisch
Gz ist, als ob unserer Zell vor ihrem eigenen Tempo bange wäre. Wir fühlen genau, wie schnellebig unb vergeßlich mir sind. Als eine spontane Reaktion darauf barf man wohl die unverkennbare DenkmalsTreudigkett unseres Geschlechts bezeichnen. Die Denkmäler sind ge- wifsermaßen die Notizen, mit deren Hilfe wir den gefährdeten Zusammenhang der Ueberlieferung zu retten suchen. Gibt es überhaupt einen Ort, der z. B. nicht schon dem Weltkrieg in trgenbemer Form ein Ermne- rungsmal gesetzt hätte, unb zwar gleich unmittelbar nach {einem Ende? In früheren Zeiten dauerte es länger, bis ein Ereignis denkmalsreif wurde. Das große Tan- neribergbentmal z. B. steht bereits, — während die Völkerschlacht bei Leipzig hundert Jahre warten mußte, bts fie ihr Denkmal erhielt. Stresemann bekam sein Main- zer Ehrenmal, bereits ein Jahr nach seinem Tode, Schiller aber mußte Jahrzehnte daraus warten. Unb immer neue. Pläne tauchen noch auf, denen bie jetzige Wirtschaftskrise keine günstigen Aussichten eröffnet. Es sind dabei keineswegs immer nur politische Denkmäler, an die man gedacht hat. Berlin z. B. plante zwei Schauspielerdenkmäler, um dem wohl einzigen Schauspieler- denkmal, bas es bis jetzt in deutschen Landen gibt, dem Kainzdenkmal in Wien (bas Kainz in der Hamletrolle darstellt), Konkurrenz zu bereiten unb den Satz: „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze" ad absurdum zu führen. Ludwig Deorient unb Adalbert Matkvwski sollten die Auserwühllen fein; sie sollten in einem Doppeldenkmal auf dem Gendarmenmarkt in der Nähe des Staatlichen Schauspielhauses Aufstellung finden. Wien, gemütswarm wie immer, Halle es auf die gute alt« Droschke unb den braven Droschkengaul abgesehen. An einer der belebtesten Straßen, dem Graben, sollten sie ein Denkmal in Form einer steinernen Droschke, mit einem Gaul davor, erhalten. Vermutlich wird auch dieses Projekt zunächst mal einen Dornröschenschlaf angetreten haben. Es soll allerdings selbst in Wien Leute geben, die bas Projekt für „fad" und lächerlich halten.
In Amerika nimmt man es mit dem „würdigen Gegenstand" des Denkmals nicht so genau. Es gibt dort eine ganze Reihe von Denkmälern, bie uns als abgeschmackt erscheinen würden.
Dor zwei Jahren erst hat man tm Staate Washington nicht weit von ber Bundeshauptstadt, einer K u h ein Denkmal gesetzt. Es stellt die Figur einer Kuh in Lebensgröße bar, Unb auf bem Sockel steht zu lesen, weshalb biefe Kuh ein Denkmal verdient hat: sie hat eine Jahresleistung von 16 300 Litern Milch zuwege gebracht! »ei dieser Gelegenheit darf wohl erwähnt werden, daß hierzulande den Kühen zwar nicht Denkmäler gesetzt wer. den, wenigstens nicht em Stein, wohl aber gibt es eine ..Ehrenliste", in dis auf Verlangen des Eigentümers jede Kuh eingetragen wird, die mindestens 300 Kilo- gramm Milchfett in einem Jahre liefert. Dieses „Rin- derlerstungsbuch" ist im Sabre 1926 von ber deutschen Landwirtschastsgesellschaft eingerichtet worden. Seine Glanznummern sind zwei ostpreußische Kühe mit Ra- men „Peluschke" unb „Dahlie", die es auf 11372 bezw. 11 691 Liter im Jahr gebracht haben. Neuerdings sind sie durch eine ost-friesische Kuh noch übertroffen worden.
fernt.
Ein anderes Denkmal „wirtschaftlicher" Art ist das Denkmal des Apfelbaums in Kanada. Die roten kanadischen Aepfel, die bald nach Weihnachten und bann bis in ben Frühling hinein in den europäischen Schaufenstern die Blicke anziehen, der Jonathan- und der Macking- tosh-Apfel, sind bekannt. Wenn sie auch tm Geschmack unsere besten einheimischen Sorten nicht erreichen, so haben sie doch den Vorzug der großen und langen Haltbarkeit. Die kanadische Obstzucht ist noch verhällnis- mäßig jung. Vor kurzer Zeit stand noch auf einer Farm am Nordufer des Lawrenceflusses der alle Apfelbaum, von dem einst der Scholle John Mackingtosh durch forgfältige Züchtung und wiederholte Veredelung die ersten edlen Aepfel gewann, die nach chm benannt wurden. Von diesem Baume sollen alle anderen Apfel- bäume derselben Sorte abstammen. Vor einiger Zeit nun fiel dieser alte Baum einer Feuersbrunst zum Opfer. Darauf veranstalteten die Züchter Kanadas eine Sammlung, die die ansehnliche Summe von 500 Pfund Sterling erbrachte. Von dieser Summe wurde an der Stelle, wo der Stammvater der kanadischen Apfelbäume gestanden hatte, ein Denkmal errichtet, bas ous einem Sockel einen fruchttragenden Apfelbaum dar-
ohne Bedenken dem Bortänzer auch den zweiten Tanz zu. Aber welche Ueberrafd>ung! Eine wilde Musik setzte ein; mein Partner ergriff mich unb stürmte nut mir los, warf mich von links nach rechts, umkreiste mich blitzschnell, indem er, fast am Boden hockend, mit feinen Beinen herumjonglierte. Ich war entsetzt und wollte aufhören.
„Krakowiak, ber Liebestanz der Raffen", erklärte er leuchtettden Auges. Nachdem ich das folgenbe Paar beobachten konnte, ließ ich meinen Partner ruhig weiter toben. Ich brauchte nur mitzufchwtngen, denn die rufsifche Frau bewegt sich nicht viel, weder beim Tanz, noch beim Spaziergang, noch auf dem Eis. Zwt- fchen den Tänzen wurde Sekt gereicht; nach dem Krakowiak leerten die Tänzer ihr Glas auf einen Zug, unO zu meinem Entsetzen schmetterten die metften Herren öte kostbaren geschliffenen Kelche gegen die Wand.
Am nächsten Vormittag hatte ich Luft zu einem Spaziergang. Das war etwas ganz Unerhörtes für eine Dome, die sich schicklicherweffe nie allein aus ber etrafje zeigen durfte. So mußte die gute Kammerfrau sonia immer zwei Schritte hinter mir hertrippeln. An einer Straßenkreuzung schlug ein Mann solange mit bem Stock auf die Steine, bis ein Passant ihn auf die ander« Seite führte. Wir trafen, viele dieser unglücklichen Blm. den, die sich mit dem Stock allein weiterhelfen mußten. Gai« Petersburg war uniformiert, sogar die «chuhrn genb, ob Jung oder Mädel. Um der guten Sonia auch einen Spaß zu machen, bat ich sie, mich in eine Konditorei zu führen. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Teller, kein Löffel! Wir aßen von den leckeren Auslagen nach Herzenslust und nannten an der Kaffe die Stückzahl. Das erste Mal gab ich einen Kuchen zuviel, das nächste Mal einen zu wenig an, und in jedem Falle mar alles schön und gut Ich winkte bann einem Jstwortschik zur Heimfahrt; Sonja nannte ihm die Adresse: „Millionaia
."*) unb — handelte wie toll um den Fahrpreis. Ein zweiter, ein dritter, ein vierter, ein fünfter Wagen stürmte heran; endlich — nach langem Feilschen - bewegen wir den sechsten Wagen. Die Fahrt führte uns über den unvergleichlich schönen Newski-Prospekt. Hier war ber Puls von „Mütterchen Rußland" und zugleich die Schlagader, die Europa mit Asien verband. Das Ganze glich einer großen Völkerfchau.
Sonja, die wohl merkte, daß ich mit dem Schnecken- iempo des kleinen, zölligen Gauls nicht zufrieden war, führte mit dem Jftwortschki folgende Unterhaltung, die sie mir bann übersetzt«: „Bitte fahr schneller, mein Täubchen." — „Mein armes Tier kann ja nicht; „sur die paar Kopeken kann ich nur wenig Hafer kaufen. — „Nun, dann fahr für 24". — Schon lief das Pferdchen schneller. „Nun, mein Täubchen, für 25." — Es ging noch fixer, und je mehr Sonja zulegte, desto schneller kamen wir vorwärts. Der Schweizer beglich bann den Endpreis. ..... , ..
Meine Freunde amüsierten sich köstlich, als ich ihnen meine Petersburger Eindrücke schilderte: die vielen Po- pen mit den langen ungepflegten Haaren; winzige, ein- sitzige Wägelchen ohne Rücklehne, bie sogenannten Egoi- ftcr, die dazu dienen, einen Herrn schnell zu befördern, oder bie es einer Dame ermöglichten, ihre gute Figur recht zur Geltung zu bringen. Ich wunderte mich, daß wir gar keine Troika getroffen hatten. Nur m der Fastenzeit, sagten mir meine Bekannten, kommen di« finnischen Bauern mit ihren Troikas hierher, verleihen sie tagweise unb vertrinken das Geld. „Eine Pferde- schinderei", meinte Lola, „denn die Bauern schirren bie Ps«rde so auf, baß sie gar nicht anders können, als den
*) Anmerkung: „Milllonaja", die heutige Chalturin» Straße, ist eine Strafte in der Nähe ber Zareistchlosier, parallel zur Newa. In ihr stehen die ehemaligen Pa- läste der Großfürsten und des Hochadels.
- Einen kurzen Moment dreht er sich zu ihr herum ] — sein Blick springt mll einem Ausdruck, den sie noch | nie bei ihm gesehen hat, gegen fie an — dann stößt fern Zeigefinger gegen die Freitreppe vor, die sich m die Halle hinunterzieht. „Da, sehen Sie dorthin — des- halb sind mir hier!"
Wieder reißt er sich kurz herum.
Sie auch, verehrte Frau Lang-Müller — oie tonnen" auch einmal dorthin sehen!" Beide folgen der Richtung, bie ihnen der ausgestreckte Zeigefinger weilt.
Beide fallen entsetzt, vernichtet — völlig durcheinandergeworfen gegen die Lehnen ihrer Sessel zurück . . .
Ueber die Freitreppe herunter kommt, mit gemessenen Bewegungen, eine Zigarette in der Hand das dunkle Haar ftraff zurückgeburstet, V-rr Ack Waller aus Newyork - Herr Walker von der ,,Chr stabelle - der Konzernleiter Alchaus vielmehr - derselbe Alchaus, ber auf dem Schiff nach erbittertem W Dem Kabinenfenster gestürzt wurde — derselbe Wh I fen geraubte Schmucksachen sich unter dem Persenning des Halbklappboots fanden - der Althaus, dessen rat- selhaster Tod die Stimmung von hundert $“tf°9'crcn in Fetzen schlug - ber Mann, den angeblich M Fellnor, ausgerechnet Al Fellnor ermordet haben sollte.
Frau Lang-Müller fällt vollständig aus unb liegt mll geschlossenen Augen in ihrem Stuhl — m öer “r™ Reta drängt ber wilde Gefühlsaufruhr nach einer ver zweifelten Explosion und weil das tn HE« d^Tro katlian so ohne weiteres zu machen ist, s^eßen ihr die hilflosen Tränen in bie Augen - aber es ist noch nicht genug mit dem verblüffenden ^stauchen des vermeint, lichen Ermordeten — die nächste Sekunde versetzt Reta einen neuen, unvorhergesehenen Stotz.
„3a . . . manchmal stehen die Toten eben wieder au • • hat Al eben noch ironisch bemerkt — plötzlich krallt sich sein« Hand in Retas Arm — zugleich springt er auf und zerrt sie mit sich hoch.
„Jetzt heißt's fix fein, Mädel!" zischt -r dicht an ihrem Ohr. .Lauf hinter Althaus her, sag ihm, man hat
bie 12 327 Liter aufweisen kann. Die Glanzleistungen | deutscher Kühe find also von der Leistung ber amerikanischen Denrmalskuh immerhin noch ziemlich weit ent»
Der richtige Weg zur Erlangung schöner
weißer Zähne
Sie eine« Strang Morodont-Zahnpaste auf die trockene Lhlorodonl-Zahnbörste <Spezialbürste mit gezahntem Borltenschniti), bürsten Sie Ihr Kebih nun nach allen Sellen, <mch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste m Wass^ und spülen Sie mttChwrodont-Mundwasser untrrGurgeln gründlich
ten Minuten im Wagen mit Althaus haben ihr auch nicht viel Fassung gebracht — jetzt ist es voll neuem völlig aus mit ihr . . .
„Kommen Sie herein, Reta — kommen Sie, ich kann ja nicht raus, sonst läuft mir ber Kerl hier weg — kommen Sie ruhig, solange ich dabei bin, beißt er nicht — wir müssen gleich mit dem Taxi weiter nach Therapia!
Al's drängende Aussorberung wirkt Wunder: Reta reißt sich noch einmal zusammen — aber sie fällt halb in den Wagen hinein und neben Al auf ben Notsitz . . .
Er preßt seinen linken Arm fest um ihre Schultern die Rechte hält ben Browning dem Gauner unter bie Nase, ber nach seinem mißglückten Fluchtversuch völlig apathisch geworden ist — urtb leise, so daß der Halunke es nicht hören kann, flüstert er ihr zu: „Brav gemacht, Mädel__aber jetzt weißt du wohl überhaupt nicht mehr,
was gespielt wirb. Oder hat Althaus dir schon etwas gesagt?"
Der Wagen hat mittlerweile durch die große Galata Straße die Richtung nach Therapia eingeschlagen. „Nein . . ." antwortet sie ebenso leise . . ber Verlust ber Brieftasche muh ihm an die Nieren gegangen sein — er war erregt, wie ich ihn auf der „Christabelle nie gesehen habe. Hoffentlich bringen Sie sie — warten könnte er nicht, er wäre angemeldet bei Reuf Pascha — alles andere will er uns später erklären. Aber was machen Sie mit Grenzdörffer — hatte der bie Tasche . . .?"
„3a, er hatte sie — ich war selbst im Moment wie vor den Kops geschlagen. Wie das alles zufammenhängt, weiß ich auch nur zum Teil — bas kann nur Althaus erklären; ich nehme den Burschen da mit nach Therapia hinaus zu ihm — ich habe übrigens das Gefühl, Reuf Pascha wird sich auch für ihn interessieren — aber wir wollen jetzt lieber ruhig sein, vielleicht tut der Kerl nur so, als ob er halbtot ist, unb hört uns doch genau zu.
Er klammert nach wie vor die Linke fest um Retas Schultern — die Rechte hält ben Revolver auf ben Verbrecher gerichtet. Es ist die verrückteste, abenteuerlichste Lage von der Welt — bas Auto durchrast jetzt die Vor- orte Cospoli am Bosporus — rechts blitzt die Waifer- fläche einen Moment auf ...
Sie sprechen jetzt beide nicht mehr während der sausenden Fahrt — beide kosten ben unerhörten einmaligen Reiz der Stunde aus, die fie zusammentn wie cs