Nr. 59
schein« lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well I !w 'Bild* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- I ■ leifung 315.3 Fuldaer Ärtlendruckerel 3151 und 3152 :: |
Freitag. 11. März 1932.
Monatlich 1.65 einjchlietzl. Postgebühr (48 Pfg.» ohne Zuttellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile ($ol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Polt'ch.-ckk fininfturt a M 4051
Wg. 59.
Hindenburg bedeutet Völkerfrieden
Die Front für Hindenburg steht!
Taufende machtvoller Kundgebungen haben in den vergangenen Tagen in allen Teilen Deutschlands für Hindenburg stattgefunden. Im F u l - da er Land ist kaum eine Ortschaft in die nicht durch selbstlose opferbereite ehrenamtliche Kräfte der Ruf getragen worden ist: wählet Hircken- burg. Dolle SAe, machtvoller Kampfeswille. Unsere Stimmen werden die Stimmen der letzten Wahlen bedeutend übersteigen. Unser Ziel ist erkannt: deutsche Freiheit, deutsche Ordnung in einem Rechts st aate. in einem Volks st a a t e. Gegen die Front: Harz- burg-Moskau. gegen die Neinsager, gegen die Diktaturaspiranten.
Die ganze Woche ist angefüUt mit Zehntausenden gleicher Kundgebungen. Die „Schwarzen" werden sich nicht unter die Knute Hitlers oder Thälmanns beugen. Wir sind stark genug, d ie Freiheit, die wir er st ritten haben, zu behaupten.
Hindenburg und die Ostmark.
Reichskanzler Dr. Brüning hielt Mittwoch abend in der überfüllten Westfalenhalle in Dortmund seine dritte Rede für die Wiederwahl Hindenburgs. i i
Er sagte it. a.:
Man streut über den Osten aujs, als ob w'>r namentlich in bezug auf die Sicherung Ostpreußens und den gesamten Osten es an genügender Kraft fehlenließen, und man sucht daraus gegen den Mann, der Ostpreußen ihnd Schlesien und den ganzen deutschen Osten im Kriege rettete, Stimmung im Lande zu machen. Möge man wählen in Ostpreußen wen man will, ich kann mir nicht vorstellen, daß man den Sieger von Tannenberg, den Sieger so vieler Schlachten an der ostpreußischeu Grenze, die zu den größten der Weltgeschichte gehören, den Mann, der dafür gesorgt hat, daß Hunderte von Millionen für die wirtschaftliche Ret» tung Ostpreußens in den vergangenen Jahren gegeben worden sind, ernstlich in Ostpreußen aufgeben könnte. Es wäre für den deurschen Osten keine Empfehlung, wenn er die Treue und die Dankbarkeit gegen den Feldmarschall von Hindenburg vergessen würde. Wenn irgend etwas geliehen ist in den vergangenen Jahren, was überhaupt int Bereich der Möglichkeit lag, für den schwer leidenden und für die Grenzziehung zerrissenen und wirtschaftlich erschütterten deutschen Osten, dann ist es unter größter Anteilnahme des Reichspräsidenten persönlich geschehen.
Auf die nationalsozialistische Agitation eingehend sagte der Kanzler: Wenn augenbliMch Stimmung gemacht wird, als ob die ganze Welt auf die Wahl Hitlers warte, so kann man nichts anderes als über solche Behauptungen etwas mitleidig lächeln.
•
ERB. Warschau. 10. März. (Gig. Meld ) Das Blatt der polnischen Regierung, Ga'etta Polska, weist an leitender Stelle darauf hin, daß in der Königsberger Presse die ostpreußifche Bevölkerung für den Fall des Eindringens polnischer Truppen in Ostpreußen zur Abwehrbereitschaft ausgeforüert werde. Dieser von der ostpreußischen Presse erhobene Lärm erinnere sehr, schreibt das polnische Blatt, an das bekannte Sprichwort von dem Dieb, der auf der Aucht am lautesten: „Haltet den Dieb" schrie. Es gäbe viel zu denken, daß seitens der Reichsregierung dieser „Lügenpropaganda" nicht durch eine einfache Richtigstellung ein Ende bereitet worden sei. Hier möchte man den deutschen Patrioten den Abschluß eines Nichtangriffspaktes zwischen Polen und dem Deutschen Reich vorschlagen Man,könnte sogar weitergehen, und sich gegenseitig die gegenwärtige Grenze garantieren. Es sei nicht zu zweifeln, daß die polnische Regierung zu einem derartigen Vorschlag tatsächlich bereit sei. Wie würde daraufhin die Antwort ausfallen?
Wahl-Lügen!
Die Presseabteilung des Deutschen Beamtenbundes hat von der Pressestelle des preußischen Staatsministeriums einen Brief bekommen, in dem unter Bezugnahme aus die Nachricht, daß im Lande von den radikalen Parteien mit dem Argument agitiert werde, die preußische Regierung werde, sobald die Wahl des Reichspräsidenten vorbei sei, eine Senkung der Beamtengehälter von sich aus vornehmen, mit Ermächtigung 'des Ministerpräsidenten Dr. Braun midgeteilt wird, daß es sich dabei um eine Agitationslüge handelt. Bei keiner verantwortlichen Stelle der preußischen Staatsregierung bestehe die Absicht emer Eehallssenkung für die Beamtenschaft.
♦
Zu verschiedenen Behauptungen des „Westdeutschen Beobachters" erklärt die ReichÄahn- direktion Köln:
Es ist falsch, daß die Präsidenten der Reichsbahndirektionen nach Berlin berufen worden sind, um über Personalentlassungen zu beraten. Es ist falsch, daß die Reichsbahn nach der Reichspräsidentenwahl beabsichtige, 22 000 Beamte und 24000 Arbeiter zu entlassen. Es ist falsch, daß die Reichsbahn einen loprozentigen Lohnabbau vom Grimdlohn beabsichtige.
Er hak die Must überbrückt.
..Das katholische Berlin ivählk Hindenburg." Massenkundgebungen der katholischen verbände.
Während die Zentrumspartei am Mittwoch mit 10 Versammlungen in den verschiedensten Stadtteilen Groß-Berlins die Wahlpropaganda für Hindenburg einleitete, hatten die großen Verbände der Katholiken Groß-Berlins noch besonders zu einer Massenkundgebung in den Germaniasälen auf gerufen, um, wie der Versammlungsleiter Pa. ter Sieberts, der Vorsitzende der Katholischen Gesellenvereine, sagte, dem Präsidenten Hindenburg das Vertrauen und die Dankbar- keitder BerlinerKatholiken auszusprechen. Der preußische Iustizminister Schmidt sprach als erster: Dieser Mann, geliebt und verehrt von der großen Mehrheit des deutschen Volkes und bewundert von der ganzen Welt, werde von den Nationalsozialisten abgelehnt, weil er angeblich zu alt sei. In Wirklichkeit hätten auch sie ihn gewählt, wenn er die Bedingungen angenommen hätte, die sie ihm auferlegen wollten.
Für die katholischen Frauenverbände sprach Frau Ministerialrat Kinsberger. Sie forderte die kacholischen Frauen auf, ohne Ausnahme für Hindenburg zu stimmen und damit zu protestieren gegen all die Unmoral und Würdelosigkeit, die sich in Deutschland in das politische Leben eingeschlichen haben. Hindenburg habe das V e r d i e n st, daß er d i e K l u f t zwischen den Konfessionen überbrückt habe. Der Generalsekretär der Kacholischen Arbeitervereine Deutschlands, Schmitt, erklärte, der Reichspräsident müsse wahrhaft christlich, wurzelecht deutsch und ehrlich sozial fein. Das sei von ollen Präsidentschaftskandidaten nur Hindenburg.
Nachdem noch ein Redner der Kacholischen I u= gend für Hindenburg gesprochen hatte, sprach der Reichstagsabgeovdnete Dr. Krone das Schlußwort. Die Katholiken Berlins wählten Hindenbmg einmütig, obwohl er Protestant fei, well er ein christlichgläubiger Staatsmann und ein Mann fei, zu dem man wegen feiner Pflichttreue mit Ehrfurcht auflchauen muffe. Unter stürmischem Beifall schloß er: Unsere Parole lautet: Das katholifche Berlin wählt Hindenburgi
♦
Die NSDAP, veranstaltete Mittwoch nachmittag im Lustgarten in Berlin eine Wählkunbge- bung, deren Besuch hinter den Erwartungen zurückblieb. Kurz vor Beginn erschienen mehrere Flugzeuge Der dem Platz, die tausende Flugblätter abwarfen. Wie sich dann herausstellte, waren es Flugzeuge, die für Hindenburg Propaganda machten. Die Kundgebung war im wesentlichen von der Rede Dr. Goebbels ausgefüllt.
e
Dem Aufmarsch folgte am Abend eine nationalsozialistische Massenkundgebung hn Berliner Sportpalast, an der über 15 000 Personen teil» nahmen. Hier sprach der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels und der Fraktionsführer im Preußischen Landtag, Wilhelm Kirbe. Dr. Goebbels erklärte, Hamburg fei für die Nationalsozialisten nur ctne taktische Koalition gewesen. Die NSDAP, habe nie beabsichtigt, irgendwelche Zugestänünisic zu machen. Di« deutschnationale Forderung auf Aufgabe des sozialistischen Programmpunktes könne von der NSDAP, kaum ernst genommen werden. Der Vorwurf. Herrschsucht i g zu fein, ehre die NSDAP. Die Nationalsozialisten stünden auf dem Standpunkt, daß nur einer Reckt haben könne und das wären sie Dr. Goebbels erklärte sodann, den offiziellen Auftrag m haben, der Aeußerung des Berliner Stabl- helmfuhrers von Stephani entgegenzutreten. Eine Partei, deren Mitgliedern die katholische Kirche das Begräbnis verweigert habe und gegen die dauernd bischöfliche Hirtenbriefe erlassen würden, brauche sich nickst gegen den Vorwurf der Romhörig- keit zu verteidigen. Goebbels forderte dann unter dem Beifall der Dersammlung den Reichskanzler Dr. Brüning zu einem R^dekampf heraus. Goebbels hofft die größere Klappe zu höben.
kommunistische Wühlarbeit.
vereitelte kommunistische Iersehungsversuche bei der Reichswehr.
In der Zeit vom 1. Januar bis zum 1. März 1932 sind von den Dienststellen der Reichswehr insgesamt 63 kommunistische Zerset- zungsversuche, in den meisten Fällen durch Flugblattverteilung, gemeldet worden. 19 Kommunisten hat die Truppe selbst auf frischer Tat ertappt, während 7 durch die Polizei festgenommen wurden. In der gleichen Zeit wurden 11 Angriffe auf Munitionslager gemeldet, die alle, meist unter Anwendung der Waffe, vereitelt wurden. In die- em Zusammenhang ist es von Jnteresie, daß das Reichsgericht hn Jahre 1931 gegen nicht weniger als 10 Personen wegen Zersetzung der Wehrmacht verhandelte und dabei Strafen von insgesamt 16% Jahren Festungshaft verhängte.
•
wtb London, 10 Märzs (Eig. Meldg.). Times zufolge fft in Tokio eine Geheimorgani- ation „Bund des Todes" aufgedeckl worden, der die jüngsten politischen Morde in Japan zur Last gelegt werden.
Amerika und Europa.
wtb. Reuyork, 10. März. (Eig. Meld.) „Herald Tribüne" bezeichnet Tardreus Donau-Plan als ein Projekt, das die Vorzüge emer wirtschast- lichen Wiederherstellung des ehemaligen Oesterreich-Ungarn zur Grundlage habe und den alten Wirtschaftsraum ohne die polltischen Schwächen dieses Gebildes schaffen wolle. Das Projekt gerate jedoch schon in seinen Anfängen wieder in jene Schwierigkeiten, denen bisher jeder Versuch begegnete, mit dem geographischen Vermächtnis von Versailles etwas Vernünftiges zu beginnen. V e r - jaiillleS habe die Wirtschaft der Politik geopfert. Die Folgen davon machten sich leider nur zu deutlich bemerkbar. Eine Umkehr habe sich bisher als unmöglich erwiesen.
•
wtb Washington, 10. März. (Eig. Meldg.). In einer Unterredung mit Gerhart Hauptmann erklärte Senator Borah, Europa werde sich nicht erholen, solange der Versailler Vertrag nicht geändert werde.
wtb. London, 10. März. (Eig. Meldg.). Heber den französischen Donauplan äußert Times, wenn der Plan bestimmt fein sollte, Oesterreich an engeren Wirtschaftsbeziehungen mit Deuffchland zu verhindern, dürfte er schon aus diesem Grunde für Wien unannehmbar fein.
England wieder stark.
Der englische Handelsminister erklärte zu dem Steigen des Pfundes: Wir sind nun Herren der Lage. Wir sind, was die Gesundung der Währung anbetrifft, der Welt führend vorangegangen, indem wir uns von dem Gedanken losgelöst haben, daß man mit einem Goldmonopol die Wohlfahrt monopolisieren könne. Die beiden großen Staaten,.denen es gelungen ist, große Goldmengen anzuhäufen, müssen nun die Strafe dafür zahlen
Der englische Außenminister erklärte, daß England sich aus keinen Fall an irgendwelchen Zwangsmaßnahmen gegen Japan beteiligen könne.
Frankreich hasst aus Hiller.
Die Nationalsozialisten wehren sich trotz mehrfacher unzweideutiger Aeußerungen einzelner ihrer Führer, daß sie entgegen ihren Legalitätsbeteuerungen, wenn alle Stricke reißen, doch die Mackt mit G e w a l t an sich reißen wollen. Offenherziger ist ein den Nationalsozialisten geistig sehr nahestehendes französisches Blatt: die „Action Fran- caffe", das Matt des extremsten französischen Nationalsozialismus, das in der Wahl Hitlers feine Hoffnung sieht. Mit brutaler Offenheit begründet das französische Blatt in einer seiner letzten Nummern seine Erwartungen:
„Wenn Hiller den Bürgerkrieg bringt, umso belfer. Wir wünschen offen, daß Deutschland den Weg des Schlimmeren wählen möge, denn so wie die Dinge beute liegen, fft das, was schlim- mer für Deuffchland ist, das Bessere für Frankreich. Mag es uns mit Krieg Überfällen, so haben mir unter Hitler wenigstens die Aussicht, daß dieser Krieg sich gleichzeitig mit einer inneren Auseinandersetzung abspielen wird."
Unterstrichen wird diese zynische Offenheit in einem in der gleichen Nummer der „Action Francaffe" erschienenen Leitaufsatz von Charles Mau- race, worin er sich über die „Gefahr" ausläßt, die „ein geeintes Deutschland für Frankreich und die Welt" bedeutet.
Man mag von nationalsozialistischer Seite her die Unterstellung der gekennzeichneten Absicht von sich weisen, man wird aber nicht die Tatsache aus der Welt räumen können, daß der französische Nationalsozialismus feine stärksten Hoffnun - gen auf Hitler und den Nationalsozialismus setzt.
Vreutzischer Staatsrat.
" wtb. Berlin, 10. März. (Gig. Meldg.). Der preußische Staatsrat setzte in feiner Schlußsitzung am Donnerstag die Einzelberatung des preußischen Haushaltsplanes beim Kultusetat fort. Vom Zentrum wurde ein Antrag eingebracht, der die Staatsregierung auf die ernsten Gefahren für die höheren Bildungsmöglichkeiten auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten aufmerffam macht, die durch die Kürzung der Schulzufchüffe enfftehen. Die Staatsregierung wird ersucht, diesen Gefahren hn Rahmen des Möglichen entgegenzuwirken. Redner der Sozialdemokraten und der Arbeitsgemeinschaft be- aßtsn sich mit Theaterfragen. So wurde eine Erhöhung des Fonds für die Förderung der Landesbühnen verlangt und die Erwartung ausgesprochen, daß für Kassel und Wiesbaden noch ein Weg gesunden werde, um die Theater zu erhalten.
* Das Mitglied der preußischen Zenkrums- fta'lion, Abgeordneter, Bauerngulsbesiher henkel- Dläsendors, fft an einem Gehirnschlag gestorben.
Vom Prinzen August.
An einer nationalsozialistischen Versammlung in Potsdam hat auch der frühere Sronpr in,3 teilgenommen. Er war, wie man sich erinnert, auch Gast in der Sportpalastversammlung des Kamps« blocks Schwarz-Weiß-Rot am Freitag voriger Woche. Der Kronprinz hat, sich bisher der nationalsozialistischen Agitation ferngehalten und es seinem Bruder August Wilhelm überlassen, sich als Werberedner für die Na-is zu betätigen. Die Tatsack>e, daß er sowohl Verbindung mit den Nationalsozialisten als auch mit den Deuffchnationa- len sucht, wird vielfach in Zusammenhang gebracht mit Aeußerungen von deutschnationaler Seite, wonach für einen etmaigen zweiten Wahlgang ein Hohenzollernprinz als Ge- meinschaftskandidat der Rechtspar. teien gegen Hindenburg aufgestellt wer- den soll. Das neuerliche politische Hervortreten des ehemaligen Kronprinzen findet indes auch des. halb Beachtung, weil gerade jetzt der Brief veröffentlicht wird, den Stresemann am 24. Oktober 1923 an den Kronprinzen sandte und in dem es heißt: „Das Kabinett hat ferner Kenntnis genommen von Ihrer Erklärung, daß sie Ihren Wohnsitz in Oels nehmen werden und weiter von der Erklärung betreffs Fernhaltung von politischer Betätigung."
Die Rede, die Prinz August Wilhelm überdies in der Potsdamer Versammlung gehalten hat, zeichnete sich durch einen seltenen Grad von Taktlosigkeit aus. So wandte sich der nationalsozialistische Prinz an den Reichspräsidenten von Hindenburg mit den Worten: „Wir haben dich vor 7 Jahren trotz vieler Hindernisse zum Reichspräsidenten gewählt, und du hast uns die Treue gebrochen." Wie man sieht, fft dieser Prinz kein ungelehriger Schüler von Herrn Goebbels. Fein war aber, was er von Hugenberg erzählte. Prinz August Wilhelm beklagte sich über die „unerhörten Forderungen", die Hugenberg bei den Verhandlungen der Harzburger Front über eine gemeinsame Kandidatur gestellt habe. Hugenberg habe für sich den Reichskanzler-Posten beansprucht. Duesterberg soll Reichswehrminister werden, Hitler dagegen — Postminister.
Alles in allem ein bemerkenswertes Beispiel für den Aemterschacher. der sich indem s a- genhaften Dritten Reich ab spielen würde.
Im Zirkus Busch in Berlin sprach der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hinkel rmd der „Angriff" teilt über feine Rede folgendes mit:
„Er beleuchtete zunächst die Propaganda der Hindenburgfrontler, die einer süßlichen Limonade gleiche. Dann wandte er sich scharf gegen die Beschimpfungen unseres Führers und unserer Bewegung durch den berüchtigtenMajor von Stephani. Während biefer „nationale" Dolch- stößler uns als „Römlinge" beschimpft, verfolgen uns gleichzeitig hohe katholische Würdenträger mit ihrem politischen Haß hin übers Grab hinaus, wie im Fall Gemeinder. Wenn ein Mann, der den 13jährigen kompromißlosen Kampf unserer Bewegung und ihrer Führer kenne, mit derartigen Verleumdungen arbeite, so müsse er ihn hier öffentlich als einen Schuft und Lumpen bezeichnen. (Stürmischer Beifall.) Auch die in gleicher Richtung liegenden niederträchtigen Metho- den des „L 0 k a l a n z e i g e r s", der sich damit in die Journaille von Ullstein und Moste bis zur „Roten Fahne" eingereiht habe, gab der Redner der Entrüstung der Versammlung preis. Ebenso fand er kennzeichnende Worte für die Klassenkampfparole Hugenbergs, der jeden Sozialismus ablehnte."
Die Hugenbergblätter haben vor kurzem noch über jede nationalsozialistische Versammlung entzückende Berichte gebracht. Jetzt berickten sie nichts mehr. Auch in der „Kasseler P 0 st" ist es bemerkenswert still geworden. „Schweigen hn Walde". Nur einige rechtsstehende Provinzblätter machen noch in Hitler.
*
Eine nationalsozialistische Versammlung tn Wiesbaden mußte gestern abend polizeilich aufgelöst mreben, da der Redner Löpelmann (dissidentischer Studienrat) die preußische Regierung und den Reichspräsidenten in grober Weise beschimpfte. Bei der polizeilichen Auflösung der Versammlung setzten die Versamm- lungsteilnehmer der Polizei Widerstand entgegen und warfen mit Biergläsern und Stühlen nach den Beamten. Der Saal mußte unter Anwendung des Gummiknüppels geräumt werden. ___________
* Bedingte Aufhebung der einstweiligen Verfügung Hillers gegen das Hamburger Echo. Wie bereits gemeldet, war gegen eine Veröffentlichung des Hamburger Echos, die sich mit den Fronterlebnissen Hitlers befaßte, eine einstweilige Verfügung von dem Führer der Nationalsozialistischen Partei ergangen. Die Zivilkammer des Landgerichtes hat nun diese Verfügung aufgehoben mit der Einschränkung, daß es dem Blatt verboten wird 1. über den Kläger zu verbreiten, er habe sich in Oesterreich feiner Dienstpflicht entzogen und fei, um einer Bestrafung als Deserteur zu entgehen, freiwillig in die deutsche Armee eingetreten, 2. die Dienstleistungen des Klägers im Felde fo dar,zustellen, als ob der Kläger sich feiner Pflicht als Soldat zu entziehen versucht habe. — Von den Kosten des Verfahrens hat der Kläger, Adolf Hit- ler, ein Viertel, die Beklagten drei Viertel zu tragen. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.