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13 März.

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 58

NILS

Ein Arbeitsloser betet.

In unserer Mansarde tickt der Wurm im Gebälk Wie die Totenuhr. Geruch nach Moder und Fäule Sticht in die Lungen. Not macht die Kinder welk.

Ich selbst hab nicht mehr die Kraft einer tragenden Säule.

Meine Füße sind abends müd vom nutzlosen Trott Durch die Stadt. In den Schläfen hämmert die Qual der Gedanken:

Ein Mann ohne Arbeit ist sich selber zum Spott.

Die Hände verweichlichen schwielenlos wie bei Kranken.

Die Spannung der Sehnen erschlafft wie der Saiten­bezug

Einer Geige, die keiner mehr stimmt zu jauchzen­dem Singen.

Die Muskeln erlahmen, die schwellend wie Wellen am Bug

Sich bäumten, im Rhythmus der Arbeit das Werk zu vollbringen.

Du Bruder der Armen, Christus, im düsteren Stall Auf Stroh gebettet, umdünstet vom Atem der Herde, Dem die Hirten als erste gehuldigt mit zärtlichem Schall

Der Schalmeien, Du hast geheiligt die Arbeit der Erde:

So führ uns aus der Wirrsal zurück zu ihr!

Schenk den müßigen Händen wieder das Glück, fich zu mühen!

O sieh, sie flehen gläubig gefaltet zu Dir:

Christus, König der Armen, laß Arbeit erblühen!

Peter Bauer.

Mr wählen Hindenburg!

An die katholische Jungwählerschaft im Reich!

Die Stunde schwerwiegender außenpolitischer Entscheidungen, in der das deutsche Volk ei n e n eisenfesten einheitlichen Willen bekunden müßte, findet es uneins im Parteigezänk um die Wahl des Staatsoberhauptes.

Die Bemühungen um die große Einheit für die Ver­längerung der Amtsdauer unseres Reichspräsidenten sind gescheitert. Aber der Mann, der während eines langen Lebens in vorbildlicher Treue und Pflichter­füllung feinem Volke und seinem Vaterlande diente in guten und schweren Tagen, ist abermals dem Rufe der Getreuen und Verantwortungs­bewußten der Nation gefolgt. Generalfeld­marschall Paul von Hindenburg wird eine Wiederwahl zum Reichspräsidenten annehmen.

Deutschlands Jugend hat unter seiner Führung mutig und opferfreudig gekämpft gegen eine Welt um des Reiches Bestand und Freiheit. Deutsche Jugend ist auch heute festen Willens, mit chm den opfervol- len Weg zu Ende zu gehen, den er angebahnt hat, den Weg zur Ueberwindung der nationalen Zerrissenheit und zur Wicdereroberung der deutschen Freiheit.

Hindenburg ist uns Symbol des Wil­lens zur deutschen Einheit, leuchtendes Vorbild der selbstlosen Hingabe an Hei­mat und Volk.

Die unterzeichneten Verbände katholischer deutscher Jugend rufen die Hunderttausendschaften ihrer Gefolg­schaft im Reich auf:

Unser Wille:

„Deutschlands Einheit und Freiheit".

Unsere Wahl:

„Reichspräsident Paul von Hindenburg".

1. März 1932.

Katholischer Jungmännerverband Deutschlands.

Zentralverband der katholischen Iungfrauenvereini- gungen Deutschlands.

Süddeutscher Verband weiblicher katholischer Iugend- vereine.

Verband katholischer Burschenvereine Bayerns.

Jugendbunü im Katholischen Frauenbund.

Kacholischer GeseNenverein.

Werkjugend.

Jung KKV (Jugendbund im Verband kathol. kaufm. Bereinigungen Deutschlands e. V.). ________

Katholischer Junglehrerbund.

Katholischer Iunglehrerinnenbund.

Katholischer Jugendbund werktätiger Mädchen.

Reichsverband katholischer Beamtinnen und Gehil­finnen.

Hochlandoerband kacholischer neustudentischer Ver­bindungen (H.V.).

Kartelloerband der katholischen Studentenvereine Deutschlands (K.V.).

Neudeutschlands-Aelterenbund.

Verband der wissenschaftlichen katholischen Studen- tenoereine Unitas (11$.).

Neudeutschland.

Verband der Schüler-Kongregationen Norddeutsch- landr.

Jungkreuzbund.

Werkgemeinschaft katholischer deutscher Mädchen­bünde.

Heliand, Katholische deutsche Jugendbewegung.

Katholische Weltjugendliga.

Jungland e. V., Katholische Werkgemeinschaft.

Deutsche Jugendkraft, Reichsverband für Leibes­übungen in katholischen Vereinen.

„Schlimmer tonn’« nicht werden."

In sträflicher Gedankenlosigkeit plappert einer es dem anderen nach. Früher waren es andere Phrasen, vor 1914 z. B. „es mutz mal wieder einen Krieg geben, es gibt zuviel Menschen". Man möchte es der kleinen Eitelkeit, die sich ein wenig wich­tig tun will, gern verzeihen, würde dieses sinnlose Schwätzen nicht allmählich zu einer wirklichen Gefahr. Angenommen, es könnte wirklich nicht schlimmer wer- den, wird der Patient dadurch gesund? Ober werden nicht schließlich alle die Tatkraft verlieren? Wer aber auch nur etwas in der Welt sich umsieht ober eine Ah­nung von der Vergangenheit hat, weiß, daß es eine grobe Irreführung ist, von Deutschland als Ganzem auszusagen, es könne nimmer schlimmer kommen, es gäbe nichts mehr zu verlieren. Sind wir nicht von den Hochwasserkatastrophen, denen in China Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, verschont geblieben?

Geht es unserem Volke nicht besser als dem russischen? Brennen bei uns Klöster oder werden Priester erschos­sen, wie in Spanien und Mexiko? UndistdasHun. gerjahr 1917 nicht noch viel schlimmer ge- wesen? Gewiß, wir haben 6 Millionen Arbeitslose. Das ist furchtbar. Aber wer weiß, daß in Deutschland 1907 25 Millionen und im Jahre 1931 33 Millionen Menschen im Erwerbsleben standen! Und ist es nicht eine Großtat ersten Ranges, daß im armen Deutsch­land wenigstens für die äußerste Not der Arbeitslosen gesorgt ist, während in den Ver. Staaten die 8 bis 10 Millionen Arbeitslose nur auf die freie Liebestätigkeit angewiesen sind! Uebrigens hat auch unser Volk schon weit schlim­mere Zeiten erlebt, die noch gar nicht soweit zurückliegen — vom 30jährigen Krieg mit der Dezimierung der Bevölkerung durch Krieg, Hunger, Brandschatzung und Seuchen gar nicht zu reden. Denken mir nur an das Preußen von 1806, als Napoleons Truppen durch das Brandenburger Tor einmarschierten, und der Friedens­vertrag von Tilsit Preußen um die Hälfte verkleinerte. Damals mußte der Freiherr vom Stein und Hardenberg größere Gehaltskürzungen durchführen, als unsere Zeit uns auferlegte.

Es kann noch hundertmal schlimmer kommen! Ein Bürgerkrieg mit all seinen Folgen könnte Deutschland wieder um 300 Jahre zurückwerfen. Schlimmer wird es bestimmt, wenn wir alles treiben lassen.

Behalten wir die Nerven und spielen wir nicht mit dem Feuer! Die Republik stirbt nur, wenn sie von den Freunden verlassen wird. Lassen wir uns nicht bluffen von einem Mann, der vielleicht ein guter Trommler und Reklamechef, aber fein Feldherr und Staatsmann ist.

was wir tun können? Einer dem andern die Hand reichen, enger zusammenrücken und ein­ander Ttlut machen. „Jungens, wir werden es schaffen, seid einig und vernünftig. Und denkt an da, Ziel: durch innere Opfer zur äußeren Freiheit."

In diesem Sinn, ohne Revanche-Gedanken, müßten wir uns Gambettas Wort zu eigen machen: „Tousours y penser, jamais en parier." (Immer daran denken, nie davon sprechen.)

Was ist das deutsche Erbübel?

Ein Mahnwort an die Jugend.

Manche Menschen reden oft davon und beklagen, daß wir Deutsche so uneinig seien. „Wenn wir nur einmal alle einer Meinung wären", so jam­mern sie. Alle müßten einer Meinung sein, bann wäre es gut. Aber bas ist die Ansicht gutmütiger Spießbür­ger. In Wirklichkeit ist, wenn unter „Uneinigkeit" die Verschiedenheit der Meinungen ver­standen wird, das gar nicht das deutsche Uebel. Ganz im Gegenteil! Wie öde und arm wäre es, wenn alle Deutschen eine Sache nur von einem einzigen Gesichts­punkt her sehen würden! Das wäre ja die größte Ar­mut für unser Volk, denn dann würden wir nie etwas von allen anderen Dingen und Betrachtungsweisen er­fahren. Es wär« wohl Ruhe, aber welche fade Ruhe! Es wäre wohl Eintracht, aber welch« kraftlose! Es wäre wohl Einigkeit, aber welche saftlose!

Nein: es ist sogar ein großer Vorzug des deutschen Volkes, daß es so viele Seiten und Meinungen hat. Da­durch ist ein uneirdlich großer Reichtum, eine kost­bare Fülle von kraftvollem und herrlichem Leben mög­lich, das andere Völker, weil sie nicht so den Blick für die Vielheit der Gesichtspunkte haben, entbehren müssen.

Das Schlimme und Schändliche, jawohl: b i e Schande Deutschlands ist es aber, daß nun jeder einzelne von sich behauptet: „Ich habe recht und du bi st ein Schafskopf Meine Meinung ist die allein richtige und was du sagst, ist aus reiner Böswilligkeit gesagt! Ich, ich und nur ich habe recht und du kannst deine Sachen packen und auf den Mond ziehen, wenn du das nicht zugeben willst!" —

Es ist die Sande Deutschlands, daß wir nicht die männliche Einsicht aufbringen, zu sagen: „Jawohl, ich gebe zu, daß auch ich mich irren kann, und will mir daher deine Behauptungen einmal gründlich überlegen. Ich will ver­

suchen, ernstlich zu erkennen, ob nicht auch du teil­weise recht haben kannst."

Es ist die Schande der deutschen Menschen, daß sie die Einbildung nicht preisgeben, jeder von ihnen hätte ein Wissen und einen Blick rote der Herrgott, der alles sehen kann. Es ist unsere Schande, daß wir den an­deren, nur weil er dieselbe Sache von einem anderen Gesichtspunkt aus sieht und beurteilt, und deshalb etwas anderes von ihr aussagt, für einen böswilligen Schuft und Gauner, für einen vaterlandslosen Gesellen und Betrüger halten.

Das deutsche „Erbübel", von dem man so viel liest, ist nicht die Meinungsverschiedenheit, denn diese ent­spricht durchaus der Beschränktheit unserer menschlichen Natur. Nein,

bas deutsche Hebel ist jene im Refften Grunde so entehrende Selbstsucht, mit der jede andere Meinung in Grund und Soden verdammt wird, jene Selbstsucht, die nur die eigene Ansicht gelten lassen will!

Wir könnten ein großes und wahrlich herrliches Volk, eine Fackel der Menschheit und ein Leuchtturm durch die wilden Weltzeiten fein, wenn wir trotz der Ver­schiedenheiten unserer Meinungen einander achteten und wenigstens die Ehrlichkeit der Gesinnung des an­deren zugäben! Was wäre das für ein kühnes und freiheitliches Leben! Welche Kräfte würden da wirklich frei für di« großen Aufgaben, die uns als Volk gestellt sind!

Mer es wird nichts draus, weil wir unser« Kräfte gegeneinander wenden. Nie wird Deutschland das werben, was es fein könnte, wenn es sich immer wie­der gegen sich selbst wendet! Dann werden wir blei­ben, was mir sind: ein Haufen von sich gegenseitig an­bellenden und niederreißenden Kläffern und von wü-

SchUderungen eine» aus

Die ganze Welt sieht heute auf Rußland, teils mit Unbehagen, teils mit Sympathie. Diese Erscheinung hat ihre verschiedenen Ursachen. Wissenschaftler und Wirt­schaftspolitiker aller Richtungen und aller führenden Staaten besuchten Rußland und studierten seine Wirt­schaftslage. Man konnte des öfteren lange Reiseberichte von bekannten Persönlichkeiten lesen, welche die großen Stiftungen der Sowjet-Union im Bau riesiger Fabriken, ebenso im Bau ungezählter, schöner Arbeiterwohnungen schilderten und so bewußt oder unbewußt der Welt ein rosiges Bild von der ungeheuren Prosperität Rußlands geben. Verständlich wird bi« Einstellung dieser Persön­lichkeiten, die vielleicht mit ganz entgegengesetzten Ge­fühlen nach Rußland gingen, nur für denjenigen, der Rußland in einer anderen Perspektive kennen lernte. Das Volk, also die Masse, die diese Schilderungen durch die Presse vorgesetzt bekommt, ist nicht imstande, eine sachliche Kritik zu üben und bekommt so den Eindruck, daß es von allen Ländern der Welt, die zur Zeit alle mehr ober weniger unter einer scharfen Wirtschaftskrise zu leiden haben, nur Rußland gelungen sei, Herr der Lage zu wechen. Auf die Frage, warum geht es in Rußland, und nicht in den anderen Ländern, hört man heute allzuerst die Antwort, „das System" ist ausschlag­gebend: in Rußland regiere der Arbeiter und in der übrigen Welt bas Kapital.

Wie ist es möglich, baß diese Herren, die in der Regel nur Gutes berichten können, mit groß aufgemach- ten Statistiken und Zahlen operieren und von dem viel wichtigeren, was vor allem das Volk, den Arbeiter, den Angestellten und weiteste Bürgerkreise interessiert, über­haupt nichts, oder doch nur zum größten Teil Entstelltes schreiben.

Es liegt mir völlig fern, diesen Herren irgend wie persönlich nahe zu treten oder ihre Ausführungen Lügen

zu strafen. Die Verhältnisse in Rußland liegen um so vieles anders, daß es mir nicht in den Sinn kommt, ihnen wenigstens den guten Willen abzuerkennen. Daß es für einen Reifenden — ganz gleich zu wel­chem Zweck er nach Rußland geht, nur nicht als Arbei­ter, Spezialist oder Ingenieur —- ganz unmöglich ist, mehr zu ersehen als den führenden Persönlichkeiten Rußlands lieb ist, will ich nur kurz beleuchten. Kommt zum Beispiel irgend eine bekannte Persönlichkeit ober irgenb eine De­legation nach Moskau — denn hier befinben fich alle Zentralen — so findet am Bahnhof der Empfang statt. Luxus-Automobile stehen zum Abholen bereit. Luxus- Hotels wie zum Beispiel das Hotel Metropol, ober Savoy oder das Grand-Hotel haben ständig reservierte Zimmer bereit Diese Hotels entsprechen voll und ganz den erstklassigen Hotels in großen Städten des Auslan­des. Hier findet man vorzügliche Orchester für Konzert und Tanz, ebenso Bars mit Bardamen, Kellner in Fracks bezw. weißen Anzügen, hochmodern. Auch die sonstigen Einrichtungen sind komfortabel. Das ünb die ersten überraschenden Eindrücke, und man sagt nicht um­sonst, der erste Eindruck ist der beste. Durch eine der­artig« Aufnahme haben die russischen Stellen schon das beseitigt, was für die Folge von Nachteil fein könnte, nämlich die Voreingenommenheit, die bet fast allen nicht kommunistisch eingestellten Besuchern vorhan­den ist. Der Beobachter wird jetzt mit ganz anderen Augen das Gezeigte in sich aufnehmen. Berücksichtigt werben muß, baß er überhaupt nur bas zu sehen be­kommt, was man ihm zeigen will. Die Zahlen und Auf­stellungen, die ihm burch die Presse bezw. durch ver­antwortliche Stellen vargelegt werben, sinb nicht nachzu- prüfen, können also nur so weitergegeben werden. Bei Besichtigungen von Fabriken sehen sie auch nur, daß die

Rußland in der Wirklichkeit.

Rußland zurückgekehrken deutschen Ingenieurs.

modernsten Maschinen der Welt dort arbeiten, sie sehen die Arbeiter an ihren Maschinen, aber sie sehen nicht das, was für die richtige Beurteilung maßgebend ist und was vor allen Dingen bas Volk interessiert; sie sehen nur eine glänzende Fassade.

Wie sieht nun Rußland in Wirklichkeit aus?

Unterteilen wir zunächst einmal das Ganze in ver­schiedene Punkte: 1. bas Leben des russischen Arbeiters; 2. das Leben b e r russischen Führerschicht; 3. das Leben ber auslänbi- schen Spezialisten; 4. Sittlich e unb reli­giöse Verhältnisse; 5. die Wohnungsfrage; 6. Verschiedenes unb Schlußwort.

Da» Leben des russischen Arbeiter»!

In ber Zeit vor ber Revolution hatte man in Ruß­land sehr wenig Jnbustrie; Sie Inbustriearbeiterschaft machte nur einen sehr geringen Prozentsatz ber Bevöl­kerung aus. Der übertoiegenbe Teil fand in ber Land­wirtschaft Beschäftigung, zum Teil auf großen Gütern, wo es ihnen sicherlich nicht sehr gut ging. In der In­dustrie waren die Verhältnisse ungefähr die gleichen wie in Deutschland; vor allen Dingen in den Großstädten, wo ja in den meisten Fällen die Industrie vertreten war, waren die Lebensbedingungen erträglich. Aller­dings muß man den Unterschied berücksichtigen, der sich durch den asiatischen Einschlag in ber Rasse ber Russen bemerkbar macht. Der Russe stellt die bescheidensten Ansprüche an bas Leben. Das Bauerntum, der soge­nannte Bauernmittelstand lebte gut und hatte einen ge­wissen Wohlstand.

Und wie ist es heule?

Persönliche Fühlungnahme hatte ichinderWolga- republik mit den Wolgadeutschen Bauern. I Was mir diese Leute schilderten, läßt sich nicht alles wie­dergeben. Zunächst hat man ihnen Grund und B o-

tenb aufeinander einhauenden Egoisten, für die init das Wasser einer Sintflut zu schade wäre, wenn cs über sie tarne, sie zu ertränken! —

Deutschland ist roahrdaft noch eine Horde von un erzogenen Knaoen. Es steckt noch in d-n ersten Kinderschuhen seines nationalen Lebens — wol­len wir Jungen zu unserem Teil arbeiten, daß es an­ders werde und zu männlicher Kraft, zu starten Ritter­lichkeit und wirtlicher Ebre reife? Wie Fanns gesehen?

Das Wichtigste ist, den anderen anzuhören! Laß ihn freiweg feine Meinung sage». Sprich zu ihm: „Ich vertraue dir, daß du es ehrlich meinst, daß au* du nur das Rechte und Gute willst!" Falle ihm nicht gleich ins Wort, auch wenn dir der Widerspruch auf der Zunge steht.

Wer nicht zuhören kann, wer den an­deren nicht frei aussprechen lassen kann, ist ein armer Geselle, Wir müssen bereit sein, auch die Meinung des anderen und seine Gründe wirk­lich anzuhören und in uns ehrlich zu prüfen, und nicht gleich unsere fertige Ueberzeugung dem anderen aus Eitelkeit unb purer Denkfaulheit an den Kops zu wer­fen, weil mir es nicht glauben ertragen zu können, daß auch ber andere mal recht Hot.

Das Zweite wäre bann, zu sagen: „Du, bas und das seh« ich so. Ich bin der Ansicht, baß es so richtiger ist, überlege mal, ob bu nicht ben unb ben Fehler machst! Dies alles, um den anderen zu überzeugen unb zuletzt mit ber tiefsten und eigentlichen Absicht: der ganzen Wahrheit, von ber jeder nur ein Stück erkennt, näher zu kommen!

Trotzdem wird es bann passieren (weil wir auch bann noch nicht alles erkennen können, vielleicht auch, well mir es dem anderen nicht klar genug machen kön­nen und aus anderen Hindernissen heraus), daß wir nicht einer Meinung werden. Dann gibt es nichts an­deres für jeden rechtschaffen gesinnten Deutschen, wenn er nicht ein Dickkopf und selbstsüchtiger Patron sein will, dem anderen zu sagen: „Du, Kamerad, ich sehe dies unb jenes anders als du, komm, laß uns trotz unserer Mei- nungsverjchiedenheif sehen, .wie wir zu einer Lösung kommen, bei ber jeder zu feinem Recht kommt. Laß uns uns zusammensetzen und aus den verschiedenen Steinen unserer Anschauung das gemeinsame bevtf*« Haus bauen. Wenn wir uns zusammentun und du die Steine schleppst und ich die Balken, ro;rb es ein rechtes Haus werden. Was hat es für einen Sinn, daß bu mir deinen Balken ins Kreuz wirfst und ich dir mit dem Stein den Schädel einfchlag e?!"

Ist Deutschland Jugend zu solchem Dienst bereit?

Ernst Fuhry.

Das Bilöungsiheal ber kathol. Zagend.

Naturwissenschaft.

Gerade wer sich mit diesem Wissensgebiet näher be­faßt, entdeckt in den Naturgesetzen Gottes führende Hand. Die Beschäftigung mit ihnen ist ein Nachforschen Got- te$, ein Nachdenken seiner Gedanken. Dem Techniker, Mathematiker und Mediziner könnte bas Laboratorium zur hl. Stätte werben, wo er seinen Gott anbetet und greift. — In seinem Buch „An den Quellen des Lebens" führt Pater Theißen S. I. ein in das Reich der kleinen Lebewesen. Er eröffnet ben Blick für die wunderbare Zweckmäßigkeit im Leben ber kleinsten Pflanzenwelt. Dabei weiß er in ganz humorvoller Art seine Liebe auszuteilen auf widerchristliche Weltanschau­ungen, die vielfach auf Naturvergötterung hinauslau- fen und sie gründlich lächerlich zu machen. Meistens kleidet er die naturwissenschaftlichen Fragen in drollige Erzählungen unb versteht es so, in angenehmer Weis« manches Wissen beizubringen. .

Hopmanns „W e 11 a 111 u n b e" gibt ein Bild vom heutigen Stanbe ber Astronomie. Zunächst führt er ein in die Denk- unb Arbeitsweise, in bas Beobach­tungsverfahren des Astronomen, geht näher auf unser Sonnensystem ein und betrachtet bann die Erscheinungen bes gesamten Weltalls. Ein feines Stubium, bas uns so weit in bie Unenblichkeit hineinführt unb staunend stehen läßt vor Gottes Schöpfermacht! — Wohl weniger an Kenntnissen setzen die anregend geschriebenen Bücher von Becker voraus „Eine Fahrt durch di« Son­ne n w e l t", „21 us den Tiefen bes Raumes' (Tümmlers Verlag, Berlin).

Verantwortlich tut . D is Blatt der Juaend' Dt oec. du bl Jol-vb Sauer- Fulda

den mit Haus, Vieh und allem, was ihr eigen war, genommen. Sie müssen heute eine Art Zwangsarbeit leisten und bekommen dafür eine Be­zahlung, die zum Sattessenzuwenigunbzum Verhungern zu viel ist. Ein Wolgadeutscher Leh­rer, der am Tag von Morgens früh bis zum späten Abend Unterricht in ber Schule hatte, mußte dis spät in die Nacht hinein noch Verwaltungsarbeit leisten, für ein Monatsgehalt von sage unb schreibe 100 Rubel; ba­uen mußte er eine Frau mit 3 Kinbern und eine alte, gebrechliche Mutter ernähren. Dabei muß man bebenten, daß der Rubel eine Kaufkraft von kaum 50 Pf. hat; beim auf Marken, also in ben sogenannten Kollektivkaufhäu­sern bekommt ber Arbeiter nur Brot unb Fisch; Fleisch in ben seltensten Fällen und Butter überhaupt nicht. Im freien Handel bezahlt man in Rußland für 1 Kilo Butter 20 — 25 Rubel. Sträuben sich die ehemali­gen Bauern gegen diese Zwangsarbeit, bann werden sie kurzerhand verbannt in irgend eine Gegend bes gro­ßen russischen Reiches. Der Mann meinetwegen nach Narben, bie Frau nach Süden, unb jedes ber Kinder in eine andere Richtung, um hier als Gefangene unter militärischer Aussicht Zwangsarbeit zu leisten. Sie woh­nen größtenteils in Zelten unb führen ein Dasein, wie es schlimmer unter ber Zarenherrschaft nicht hat fein können.

Die Arbeiter in der Fabrik haben demgegen­über geroiffe Vorteile . Zunächst darin, baß sie eine ge­regelte Arbeitszeit haben, bie in ber Regel 6%—7 Stun­den am Tag beträgt . Die früher so gepriesene 5 läge« Woche mit 4 Arbeitstagen unb einem Ruhetag gehört auch schon wieder ber Vergangenheit an. Jetzt ist durch­weg die Sechstage-Woche eingeführt, also 5 Arbeitstage unb ber 6. Ruhetag. Schon jetzt kann man jedoch Vor­aussagen, daß es auch hierbei nicht bleibt, sondern in nicht allzuferner Zeit werden wir auch in Rußland wie­der die normale 7 Tage-Woche haben.

(Fortsetzung folgt.)