FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Zulda und den Landkreis Juida. Amtliches Kreisblatt.
Jlt. 58
i£rfd>etnt sechsmal wöchenüich. Wochenbeilagen: „Die Weir im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- " leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 8152 ::
Donnerstag, 10. März 1932.
I Monatlich 1.65 einjchlietzl. Postgebüyr (48 Pfg.) ohne 3u|teUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (l£ol) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM. Reklamezelle: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt Pait'checkk Frankfurt a M 4051
Mr«. 59.
Hindenburg garantiert
Hindenburg siegt.
Je mehr wir uns der Wahlentscheidung nähern, umso intensiver wird der Wahlkampf geführt. Scha- lich und ruhig stellt sich die Aktion der Hindenburg- Front dar, wie es der hehren Persönlichkeit ihres Kandidaten geziemt. Dennoch ist die Werbe- traft dieser Aufbau- und vaterländischen Front so stark geworden, daß immer neue Organisationen sowie hervorragende Einzelpersönlichkeiten im öffentlichen Leben sich der Hindenburg-Front anschließen und öffentlich bekunden, daß sie in Hindenburg den e i n z i g en und b e st en Kandidaten sehen.
So hat jetzt auch Generalober st von S e e ck t in Anhalt den Aufruf für Hindenburg mitunterzeichnet, ferner in Leipzig der hochangesehene frühere Präsident des Reichsgerichts, Frhr. v. Seckendorfs, sowie der frühere Oberreichsanwalt Dr. E b e r m a y e r.
Unter den zahlreichen Versammlungen, welche von der Hindenburg-Front in diesen Tagen noch abgehalten werden, kommt wohl die größte Bedeutung der Kundgebung am Freitagabend im Berliner Sportpalast zu, in welcher Reichskanzler Dr. Brüning die Hauptrede für Hindenburg hält. Es ist vielfach der Wunsch geäußert worden: daß diese Rede ebenfalls durch den Rundfunk verbreitet werden möge, um einen weiteren wirksamen Widerhall im ganzen Volke dadurch zu schaffen.
Dieser Wunsch ist verständlich und wird sicher von den weitesten Kreisen des deutschen Volkes geteilt. Aber ob die Erfüllung möglich ist, um auch den leisesten Anschein zu vermeiden, als würden etwa die Kreise um die Parteikandidaten herum benachteiligt werden, darüber müssen sich die verantwortlichen Stellen erst noch Klarheit schaffen.
Reichskanzler Dr. Brüning sprach am Dienstag abend in Düsseldorf in der Maschinenhalle vor 10 000 Menschen. Der Zweck der Notverordnungen sei gewesen, endlich wieder auf allen Gebieten eine gesunde Finanzwirtschaft einzuführen. In dem Augenblick, in dem die Regierung die schwierigen Verhandlungen in der Repara- iions- und Abrüstungsfrage zu führen hatte, hätten die Oppositionsparteien die Regierung gezwungen, wochenlang über die Reichspräsidentenwahl zu verhandeln und hätten dadurch die Regierung in ihrer Kraft nach außen geschwächt. Dies sei der s ch ä r f st e Dolchstoß gewesen, der der Regierung von der Nationalen Opposition zuteil geworden sei. Dann wandte sich der Kanzler schars gegen die Agitation der Nationalsozialisten gegen Hindenburg, die der Jugend jede Ehrfurcht und Achtung vor der großen geschichtlichen Persönlichkeit raube. Was wollten die Nationalsozialisten an Aufbauarbeit leisten? Was wolle Hitler? Wenn er dem Mittelstand und dem Arbeiter verspreche, daß es ihnen glänzend gehen würde, wenn er an die Macht komme, was werde dann geschehen, wenn diese Versprechen nicht gehalten würden? Wenn man die Rechte, die das alles verspreche, in die Regierung hineinnehme, dann würden keine zwei Monate vergehen, und die enttäuschten Massen würden nicht hinter einer solchen Regierung bleiben. Er habe die Sorge, daß diese enttäuschten Massen dann zur äußer st en Linken hinüberwechseln würden.
Nachdem der Reichskanzler sich zum Schluß energisch gegen das unsinnige Gerücht wehrte, daß, wenn Hindenburg gewählt werde. O st p r e u- ßen verloren sei, erklärte er abschließend, daß das ganze deutsche Volk dankbar sein müsse, daß die Vorsehung uns in dieser Stunde Hindenburg gelassen habe. „Ich bin der festen Ueberzeugung, daß Hindenburg siegen muß im Interesse einer gesunden Kreditwirtschaft, im Interesse unseres Mittel st andes, im Interesse aller Schichten der Bevölkerung und im Interesse von Ruhe und Ordnung und des weiteren Aufbaues von staatlicher Verantwortung und Autorität, aber vor allem im Interesse des Kampfes um die nationale Freiheit und Gleichberechtigung! Weil er siegen muß, wird er siegen! *
Die Vereinigten Hindenburg-Ausschüsse haben den Reichspräsidenten v. Hindenburg gebeten, sich zu einer Schallplattenaufnahme zur Verfügung zu stellen. In Erweiterung seiner Annohmeerklä- rung vom 15. 2. hat Reichspräsident von Hindenburg ausgeführt:
„Alte Soldatenpflicht verlangt von mir in unserer schweren Zeit, aus meinem Posten zu verhör- ren. um das Vaterland vor Erschütterungen zu bewahren. Nur auf der Grundlage vollster U n- parteilichkeit und Un abhän gigkeit habe ich die Kandidatur übernommen. Ich habe es ab- gelehnt, irgendwelche Bindungen nach der einen oder nach der anderen Seite «inzugehen. Ich will wie bisher auch im Falle meiner Wiederwahl der Treuhänder des ganzen deutschen Volkes sein und nicht der Beauftragte einer Partei oder eine Parteiengruppe. Nur Gott, dem Daterlande und meinem Gewissen will ich verantwortlich sein. So habe ich es bis jetzt gehalten, und so werde ich auch weiter handeln. Die deutsche Würde und Ehre zu wahren und gegen Angriffe zu schützen, wird stets meine vornehmste Aufgabe sein. Mir mich gibt es nur «in wahrhaft nationales Ziel: Zusammenschluß des Volkes in seinem Existenzkampf, volle Hingabe jedes einzelnen in dem harten Ringen um die Erhaltung der Nation. Dazu verhelfe uns Gott!"
«Volk in Not."
Unter dieser Ueberschrift lesen wir in der „Schlesischen Volkszeitung", Nr. 112 vom 8. 3.1932, einen Artikel des Grafen Praschma -Falkenberg zur Hindenburgwahk, dem wir folgende Stellen entnehmen:
„Die .sogenannte' nationale Opposition hat sich zunächst nicht direkt gegen die Wahl Hindenburgs erklärt, sondern diese an Bedingungen geknüpft. Wenn schon die Stellung von Bedingungen an sich, und insbesondere gegenüber einem Mann wie Hindenburg, etwas Ungewohntes und Entwürdige nd es bedeutet, so heißt das Verlangen, daß er sich von Brüning zu trennen habe, entweder, daß Hindenburg bisher wider bessere Ueberzeugung Brüning im Amt belassen hat, oder ihn jetzt entlassen soll, um selbst gewählt zu werden, trotzdem er ihn für den geeigneten Mann hält. Beides eine gle ich schamlose Zumutung, die mit Recht von Hindenburg mit aller Schärfe zurück- gewiesen wurde, gar wenn es wahr ist, daß einer der nationalen Männer verlangte, daß ihm der Posten als Reichskanzler zugleich gesichert werden sollte....
Aber wie Männer mit Namen von gutem Klang, die stets auf die alte Tradition pochen, verdiente und bewährte Offiziere solche Zumutungen an einen Kameraden und ehemaligen Borge s e tz t e n, an einen Mann, den sie mit Stolz zu den Ihrigen zählen, stellen können, das mit ihrer Ehre und mit chrem Anstand vereinbar halten, ist mir u n v e r st ä n d l i ch. Mit meinen Begriffen von Pietät und guter Sitte verträgt es sich nicht. Das sind wirklich politische Methoden, die an den 9. November anknüpfen, indem sie alle Autorität, alle Ehrfurcht vor der Vergangenheit über den Haufen werfen. Und dann wirst man dem System Brüning vor, daß es das System des 9. Novembers fortsetze!"
Ohne das Löwen-Fell.
Hitler hinter den Kulissen. - Dingeldey über eine Besprechung mit Dr. Sroener und Hitler.
In einer Wahlversammlung derD. V. P. in Gels e nkirchen führte Parteiführer Dingel- dey u. a. aus, Adolf Hitler habe sich in einer langen Unterredung mit Reichsminister Dr. Groener und ihm (Dingeldey) ms ein verständiger Politiker erwiesen. Er habe damals erklärt, den Weg, der ihm gezeigt würde, könne er nicht gehen. Doch erklärte Hitler wörtlich:
,^;chbin mir kl ar darüber, daß, wenn in Deutschland eine nationale Rechtsregierung kommen sollte, der Name Hindenburg erhalten bleiben muß, weil er die stärkste Garantie ist, daß in Deuts chland nicht alles drunter und drüber geht."
Dingeldey habe Hitler geraten, die Kandidatur Hindenburgs namens der Nationalsozialisten anzu- bieten. Aber die Unterführer und Hugen - berg hätten ihn von dieser Absicht gebracht.
Entlarvter Schwindet.
Seine Reichsgelder für die Hindenburg-Propaganda.
CNB. Berlin, 9. März. (Eig. Meldg.). Zu den Aeußerungen des deutschnationalen Parteiführers Dr. Hugenberq, der in Königsberg von Gerüchten gesprochen hatte, wonach an Reichsmitteln 7 bis 8 Millionen Rm für die Hindenburg- Provaganda ausgegeben worden feien, wird von zuständiger Stell« erklärt, daß an diesen Gerüchten fein wahres Wort ist und sie völlig frei erfunden sind.
(Vergl. unter „Heimat": Ihr seid mir schöne Ritter.)
Hindenburg empfangt Studenten.
Reichspräsident v. Hindenburg empfing am Mittwoch einen aus studentischen Kreisen an ihn herangetretenen Wunsche folgend, eine Anzähl Studenten deutscher Universitäten und Hochschulen, Angehörige der verschiedensten studentischen Verbände wie des Freistudenten- tums
Die Wortführer der Studenten gaben dem Herrn Reichspräsidenten einen Ueberblick über die deutsche Studentenschaft und jeden einzelnen Studenten zur Zeit besonders bewegenden Fragen, für die der Reichspräsident lebhaftes Interesse bekundete.
Am Schlüsse der Unterhaltung richtete Reichspräsident von Hindenburg die Mahnung an die anwesenden Studenten, an ihrem Teil daran mitzuwirken, daß der Geist an den deutschen Hochschulen von p a rte i p o l i t i- scheu Einflüssen freibleibt, damit die deutschen Universitäten und Hochschulen nach den bewährten aka. demischen Grundsätzen eine Jugend heranbilden können, die sich einig ist in der Lieb« zu Volk und Vater- land: nur so können sie ihrer großen Aufgabe gerecht werden.
* Gerhart Hauptmann bei Präsident Hoover. Aus Washington wird gemeldet: Gerhart Hauptmann wurde vom deutschen Botschafter von Prittwitz dem Präsidenten Hoover vorgestellt, der sich mit ihm durch Vermittlung des Botschafters längere Zeit angeregt unterhielt.
die deutsche Währung
Die nützliche Lage des Stahlhelm
wegen Unterzeichnung eines Hindenburg-Aufrufes
aus dem Stahlhelm ausgeschlossen.
CNB. Berlin. 9. März. Die Hauptgeschäftsstelle des Hindenburg-Ausschusses teilt mit: Aus Krefeld wird uns berichtet, daß eine Ortsgruppe des Stahlhelms einem Mitglied folgendes Schreiben hat zugehen lassen:
„Laut Befehl des 1. Gauführers sind Sie aus dem Stahlhelm ausgefchlosen, da Sie durch Ihre Unterschriftleistung unter den Hindenburgaufruf am 3. 3. d Mts. eine das Ansehen des Bundes der Frontsoldaten schädigende Haltung eingenommen haben."
Das Mitglied des Stahlhelms, an das dieses Schreiben gerichtet wurde, hat mit folgendem Brief geantwortet:
„Ich halte diese Ausschließung unter der Begründung, ein das Ansehen des Bundes der Frontsoldaten schädigende Haltung eingenommen zu haben, für ganz unmöglich. Ick) habe bisher nicht gewußt, daß der Stahlhelm eine einseitig politische Bindung vorschreibt. Es ist unglaublich, daß der Stahlhelm ein Mitglied ausschließen will, weil es seinem Ehrenvorsitzenden seine Stimme gibt".
In dem Schluß des Briefes wird betont, daß der Ausschluß eines Mitgliedes unter der erfolgten Begründung einem Ausschluß des F e l dm a r fcha ll s von Hindenburg s e l b st g l e i ch k ä m e und deshalb nicht anerkanni werden könne.
Im übrigen wertet man den Angriff, der auf den Reichskanzler gemacht wurde, als ein Eingeständnis der nationalen Opposition, die nun — allerdings zu spät — erkenne, wie sehr es im außenpolitischen Interesse Deutschlands gelegen habe, wenn man diesen Wahlkampf in der von der Regierung seiner Zeit beabsichtigten Form hätte umgehen können.
Falsche Markstücke.
Dierpfennig-Stücke zu Markstücken umgefälscht.
crib. Berlin, 9. März. (Eig. Meld.) Gestern sind die ersten Vierpfennig-Stücke in den Verkehr gelangt, und schon haben sich Leute gefunden, die sie zu Einmark-Stücken umgefälscht haben. Auf der Kriminalpolizei erschienen gestern und heule vormittag einig« Geschäftsleute und zeigten Vierpfennig-Stücke vor, die versilbert und als Einmark- Stücke in Zahlung gegeben worden waren. Der betreffende Betrüger hat sich zunutze gemacht, daß di« Vierpfennig-Stücke nur eine Kleinigkeit größer sind als di« Markstücke und denselben Adler auf der Rückseite tragen. Die Polizei mahnt daher zur Vorsicht und weist darauf hin, daß die Vierpfennigstücke zum Unterschied von den Einmark-Stücken keinen Arabeskenkranz haben und daß auch die Zähnung am Rande fehlt.
Jetzt begreifen sie ihre Torheit!
Der „Völkische Beobacht::", das Zentralorgan der nationalsozialistischen Partei, sühlt sich berufen, dem Reichskanzler Brüning schwere Vorwürfe zu machen. Angesichts der hochgespannten außenpolitischen Lage und der für Deutschland hochbedeut- samen Vorgänge in der Abrüstungsfrage und der Donau-Konföderation sei er nicht in Genf, sondern „ätlf Agitationsreisen" für die Reichspräsidentenwahl.
Das ist ein sehr merkwürdiger Vorwurf, den ausgerechnet das nationalsozialistische Zentralorgan erhellt. Reichskanzler Brüning kümmere sich nicht um die Außenpolitik? Ei, wir blättern in den letzten zehn Nummern des „Völkischen Beobachters" und suchen nach der Außenpolitik, aber wir finden nichts, abgerechnet natürlich Meldungen über die allerwichtigsten Ereignisse, wie sie selbst di: kleinste Zeitung bringt. Dafür aber finden wir im nationalsozialistischen Zentralorgan Innenpolitisches über die Maßen, die ersten zwei seiner Seiten sind täglich überwiegend ausgefüllt mit innerpolitischen Zänkereien, mit kleinem Zeug, mit Skandalen, Skandälchen, Klatsch- und Schmutzge- schichten. Und dieses Blatt, das vorwiegend von der Innenpolitik sein Dasein fristet, ausgerechnet dieser innerpolitischr Beckmesser fühlt sich berufen, dem Reichskanzler schwere Vorwürfe wegen angeblicher außenpolitischer Untätigkeit zu machen, roobet zwischen den Zeilen sogar der Vorwurf der Pflicht- Vergessenheit erhoben wird. Wer trägt denn di: Hauptschuld, daß Reichskanzler Brüning wie die anderen Reichsminister gegenwärtig im Lande Herumreisen müssen? Wer trägt die Schuld, wenn nichtdienationalsozialistrschePartei, deren Verhalten diesen Wahlkampf überhaupt erst nötig gemacht hat, diesen Wahlkampf, den aus außenpolitischen Gründen zu vermeiden Reichskanzler Brüning bekanntlich die größten Anstrengungen gemacht hat! Es ist immer das Gleiche. Erst schaffen die nationalsozialistischen Herrschaften in ihrer Verbohrtheit eine katastrophale innenpolitische Lage und dann kommen sie mit Vorwürfen, daß über der Innenpolitik die Reichsregierung außenpolitisch untätig sei. Demagogie nennt man das. Freilich: die National- sozialcsten sind vielfach primitive Anfänger. Sie können mildernde Umstände ins Feld führen. Mit voller Wucht trifft schwereSchuld an der heutigen Lage den Alleinherrscher im deutschnationalen Lager, den Herrn H u g e n b e rg.
Preutzen-Elal und Staatsrat.
VDZ. Berlin, 9 März. (Eig. Meldg.). Der preußische Staatsrat begann am Mittwoch vormittag in Anwesenheit des Finanzministers Dr. Klepper die Beratungen des preußischen Haushaltsplans für 1932. Die Beratung wurde eingeleitet durck, den Bericht des Hauptberichterstatters Dr. Kaiser-Dortmund (Zentrum), der das von den Ausschüssen vorgeschlagene Gutachten begründete. Darin werden unter Aufrechterhaltung früherer ausgesprochener Bedenken gegen das Haushaltsgesetz Einwendungen nicht erhoben.
Zum Haushaltsplan werden eine Reihe von Bemerkungen gemacht. Es wird erklärt, daß trotz vorsichtiger Schätzung ein m e i t e r er Rückgang der Einnahmen nicht ausgeschlofien sei und daß der Haushaltsplan für diesen Fall keine Reserven enthalte. Der Uebergartg der preußischen Beteiligung an der Siedlungsbank auf das Reich wird als nicht unbedenklich bezeichnet. Bezüglich der Ausgabenkürzungen wird erklärt, daß in manchen Fällen der Eindruck verstärkt werde, daß Art und Ausmaß der Einschrän. hing eine schwere Beeinträchtigung bringe. Gänzlich abwegig sei vor allem die unverhältnismößige Kürzung der Staatsbeihilfen, beispielsweise für die Schulen. Es sei dem Staatsrat unverständlich, daß die Staatsregierung, die feit Jahren von ihm gewiesenen Wege zu nicht unwesentlichen Einsparungen dauernder Art nicht einmal beschritten habe. Der Berichterstatter erinnert daran, daß der Staatsrat im vorigen Jahr eine Einsparung von 150 Millionen zugunsten der Gemeinden verlangt habe. Die Staatsregierung habe das als unmöglich ab» gelehnt und jetzt habe man noch viel stärkere Kürzungen vornehmen müssen. Der Staatsrat erhebt dann in seinem Gutachten erneut die Forderung nach einer Reform der Verwaltung, einer Neuregelung der Zuständigkeiten und. einer Aenderung des Steuersnstems. Mit merklichem Bedauern und ernstester Sarge wird festgestellt, daß der Haushalt wiederum den Gemeinden fei« nerlei Hilfe bringe und fix eher noch mehr belaste Es wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Staatsregierung alles daran setzt, um von der Rejibsregieryng sofort die Bereitstellung größere M stiel zu erreichen, damit die Gemeinden in die Lage versetzt werden, ihre Wohlfahrtslasten und sonstigen dringenden Ausgaben zu streichen.
Auch zu den wichtigsten Einzelhaushalten hat der verstärkte Hausausschuß Gutachten vorgelegt, die im Laufe der Verhandlungen von den Berichterstattern begründet werden.
Zur allgemeinen Finanzverwaltung wird bie Regierung ersucht, bei staatlichen Bauten lediglich inländische Hölzer zu verwenden und auf die Gemeinden im gleichen Sinne einzu- wirken.
Zum Justizministerium wird der m a n g e l n b e pe rsönliche Ehrens chutz hervorgehoben und verlangt, daß die Regierung mit allem Nachdruck um baldige Aenderung des gegenwärtigen unerträglichen Zustandes bemüht sei. _
Zum Etat des Handelsministeriums wird erklärt, die Kürzung der Berufsschulzu- schüsfe von rund 18,7 auf rund 9,8 Millionen gefährde die berufliche Fortbildung der Jugend in Stadt und Land. Die Regierung wird ersucht, die Zuschüsse auf 16 Mark je Kops zu erhöhen statt der jetzt vorgesehenen Kürzung von 20 auf 12 Mark.
Beim Haushalt des Wohlfahrtsministeriums fordert das vom Plenum anzunehmende Gutachten, daß ILinfparungsmöglichkeiten bei anderen Etats in erster Linie zugunsten des Wohlfahrts- e t a t s verwendet werden, insbefondere zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblich- keit, der Volkskrankheiten, weiter für bie Jugendfürsorge und im Interesse unterernährter Kinder.
Zum Kultusetat wird auf die ernsten Gefahren verwiesen, bie durch die Kürzung der Zuschüsse für höhere Schulen, besonders dem flachen Land und den kleinen Städten in kulturpolitischer Hinsicht bestehen. Auch drohe durch bie Einsparungen bie Schließung einer Reihe von Theatern in den Grenzgebieten sowie die der Wanderbühnen. Hier fordert das Gutachten Erhöhung des entsprechenden Titels um 400 000 auf 600 000 Mark. Die Mittel feien durch weitere Einsparungen, insbesondere bei den Berliner Staatsbühnen, bereit zu stellen.
Beim Haushalt der Landwirtschaftsverwaltung schließlich verlangt das Gutachten Einwirkung auf die Reichsregierung, daß baldigst wirksame Maßnahmen zur Abdrosselung aller entbehrlichen Einfuhr von Lebens- und Genußmitteln sowie Holz durchgeführt würden.
* General v. Lukas gestorben. Der 71 Jahre alte österreichische General der Infanterie Freiherr Karl v. Lukas, der frühere Kommandeur des 24. Armeekorps, wurde in feiner Wohnung in Berlin-Zehlendorf, Burggrafenstraße 23 tot aufgefunden. Es liegt anscheinend ein Unglücksfall vor: der Tod ist auf Leuchtgasvergiftung zurückzuführen.
* Die nationalsozialistische Zeitung „Westdeutscher Beobachter" ist vom Oberpräsidenten der .Rheinprovinz vom 9. März bis einschließlich 16. März verboten worden.