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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Julda und den Landkreis Aulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 58

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 315L ::

Dienstag, S. März 1932.

Monatlich1.65 einschljetzl. Postgebühr (48 Psg.) ohne x-ju|teUg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Hol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Posticheckk Frankfurt a M 4051

3i6rg. 59.

Hindenburg sicher! den Bürgerfrieden

Am Sonntag fanden zahllose Wahlkundgebun­gen in allen Teilen des Reiches statt. Reichs- vevkehrsminister Treviranus sprach in Lud­wigshafen, der Führer der DVP., Dr. Din gel­be y, in Stettin, desgleichen der Präsidentschafts­kandidat Oberstleutnant a. D. D ü st e r b e r g in Stettin, Adolf Hitler in Frankfurt a. M., Vize­kanzler und Reichsfinanzminister Dietrich in Königsberg, Reichskanzler a. D. Dr. Marx in Düsseldorf, Prälat Dr. Schreiber in Gladbach.

Die Eiserne Front veranstaltete am Sonntag im Berliner Lustgarten eine Riesen-Kundgebung, auf der der Vorsitzende der SPD., Otto Wels, sprach.

Gegen die konfessionelle Zwiekrachl!

Line unverantwortliche Hetze.

Der Kampf um die Reichspräsidentschaft be­kommt eine besonders unangenehme Note durch die konfessionelle Hetze, die von rechts-ratdikaler Seite betrieben wird. Hindenburg, der getreue evange­lische Christ, der seinem Glauben und seinem Ge­wissen bisher nichts vergeben hat, wird aus den verwerflichsten Tendenzen, welche die konfessionel­len Haßinstinkte entfesseln sollen, als Diener der ^katholischen Zentrumspartei" hingestellt. Wer Hindenburg wählt, so lautet die ungeheuerliche Parole, der unterstützt die Zentrumspartei und da­mit Len katholischen Reichskanzler und die katho­lische Kirche. Nichts ist verwerflicher, als diesen Funken des konfessionellen Hasses in den Zunder der durch dis systematische Verhetzung der radikalen Parteien mürbe gewordenen Volksmassen zu wer­fen.

Hugenberg und die Seinen bedienen sich so­gar Lieser konfessionellen Haßpropaganda gegen ihren ehemaligen Verbündeten Hitler, der bekannt­lich von Hause aus Katholik ist. Hitler darf des­halb nicht gewählt werden, weil erKatholik" ist, denn Hugenberg und Genossen hassen sogar in dem abgefallenen Katholiken den Katholizismus. Der sattsam bekannte Hofprediger D. Doehring erklärte lnach demTag" Nr. 55 votn 4. März) rund heraus, daß die Deutschnationalen Hitlereinzig und allein aus ernstem nationalem Empfinden" ihre Stimme nicht geben könnten. Was Doehring unter diesemernsten nationalen Empfinden" ver­standen haben will, das wissen wir Katholiken nur zu gut.

In die gleiche Kerbe schlägt auch derReichs- bote" (Nr. 53 vom 2. März), der sich für die Son­derkandidatur Düsterbergs einsetzt, um damit zu verhindern, daß evangelische Stimmen indirekt dem katholischen Zentrumskanzler zugute kommen. DerReichsbote" schreibt:

Es ist das gewagte, ober große Spiel der Deutschnationalen und des Stahlhelm, daß sie durch ihre an sich aussichtslose Sonderkandidatur die po­litische Entwicklung noch für ein paar Wochen of­fenhalten. Damit ist uns Evangelischen noch für eine Weile die bittere Entscheidung erspart, ob wir unsere Stimme so abaeben, daß sie einem Zen­trumsreichskanzler zugute kommt, oder so, daß sie einen Katholiken an Deutschlands Spitze beruft. So ist es verständlich, daß, wer hier noch eine letzte Möglichkeit der Klärung unserer innenpolitischen Lage offenholten will, im ersten Wahlgange den evangelischen Oberstleutnant Düsterberg wählt."

Diese Kampfestaktik ist nicht nur für uns Ka­tholiken beleidigend, sondern auch höchst gefähr­lich für die Einheit und Geschlossenheit des deut- scheu Volkes. Nichts ist verantwortungsloser als die Brandfackel Les konfessionellen Hasses in das Volk zu werfen. Es könnte ein Brand entstehen, in welchem die Brandstifter selbst.umkommen. Der- artige Töne, wie sie von intimen Vertrauten Hu- genbergs in mehr oder weniger offener Weise an­geschlagen werden, sollten uns Katholiken ernst­lich zu denken geben. Wir haben keinen Anlaß, den Präsidentschaftskandidaten einer Gruppe zu respektieren, dessen Wahl ein ausdrücklicher Affront gegen den katholischen Reichskanzler und gegen die deutschen Katholiken sein soll. Katholiken wählen nicht Düsterberg, sondern Hindenburg, der der sicherste Garant inneren volklichen Friedens ist!

3n den Haaren liegen sich beide...

Was der Stahlhelm - Major Stephani dem verehrten Herrn Hitler" und seiner Partei an den Kops geworfen, wurde am Samstag hier schon mitgeteilt. Der Vollständigkeit halber muß das Echo erwähnt werden, das die versuchteBrand­markung" Hitlers durch den Stahlhelmführer bei den Nationalsozialisten gefunden hat. Der natio- nalfozialistifche Abgeordnete Hinkel hat Herrn Stephani in einer Rede bereits geantwortet, und zwar in folgender echt brüderlicher HarzburgerArt:

9d> erkläre hier in aller Oeffentlichkeit und mit aller Deutlichkeit, daß ich einen Menschen, der bewußt solche Lügen ausspricht, einen ganz gemeinen Lügner und Lumpen nenne. So ein Schuft wagt es, Adolf Hitler Romhörigkeit vorzuwerfen! Morgen fnch wer­den Sie den Namen dieses Lumpen wissen!"

Daß der gegenseitige Treuschwur der Harz­burger in eine leidenschaftliche Bewegung aus- geartet ist, macht auf den Außenstehenden einen mehr erheiternden denn ernsten Eindruck. Daß die Deutschnationalen und der Stahlhelm diesen Kampf mit der vergifteten Waffe de?

Konfesfionsverhetzung führen, ist aber eine Sache, bet der einem das Lachen vergehen kann. Das Berliner Organ Hugenbergs teilt die Wahlvorfchläge in folgender Form mit:

Oberstleutnant a. D. Sue ft erber g, geboren am 19. Oktober 1875 in Darmstadt, evangelisch;

Generalfeldmarschall a. D. Reichspräsident Paul von Beneckendorf und von Hindenburg, geboren am 2. Oktober 1847 in Posen, evangelisch;

Regierungsrat Adolf Hitler, geboren am 20. April 1889 in Braunau (Oberösterreich), römisch-katho­lisch; ,

Transportarbeiter Ernst Thälmann, geboren am 16. April 1886 in Hamburg, religionslos.

Dazu kommt dann als fünfter noch derBetriebsan­walt" Gustav Winter, geboren am 11, Mai 1882 in Magdeburg, evangelisch."

Herr Hitler und die Seinigen beschimpfen daS Zentrum (z. D. tut das das Fuldaer Nazi- Blatt zu jedem Wochen-End biis zum Ueberdruß) und können sich gar sticht genug über dieRom- Hörigkeit" Brünings und seiner Partei ereifern, und es mutet eigenartig an, daß nun bie beutsch- nationalen Freunde ihnen gegenüber bie g le ich e Stimmungsmache betreiben unb beiläufig konstatieren, daß auch ber große Führer ber Zentrumsvernichterrömisch-katholisch" ist.

DieMitteilungen der Deutschnationalen Volks­partei" berichten, in einer Potsdamer Versamm­lung hatte der deutschnationale Abg. Steinhoff darauf hingewiesen, daß an dem gleichen Tage eine Reihe nationalsozialistischer Abgeordneter durch das Eingreifen der deutschnationalen Fraktion vor Aufhebung der Immunität unb der Auslieferung an den Staatsanwalt geschützt worden seien.Die Quittung der Nationalsozialisten dafür bestand in Niederlegung einer Stinkbombe in der vorbenannten Potsdamer Ver­sammlung des schwarz-weiß-roten Kampfblockes!" (Solange die nationalsozia­listischen Stinkbomben in Versammlungen der Re­gierungsparteien niedergelegt wurden, habest ihre schworz-weiß-roten Freunde das durchaus in Ord­nung gefunden. Sie ernten jetzt die Früchte ihrer Erziehungsarbeit!) *

Ganz unübertrefflich ist aber die Komik, daß jetzt sogar die K a i s e r s ö h n e in zwei feindliche Lager gestellt erscheinen. Demonstratio saßen bei der Kundgebung ber bürgerlichen Nationali­sten (Hugenberg-Düsterberg) Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Oskar und weitere Prinzen und Prinzessinnen in den ersten Rängen. Dort sollte bekanntlich die Stephany-Rsde gegen denRömi­schen Cäsar" Hitler steigen. In Köln sprach nun am Sonntag der weitere Hohenzollern-Prinz A u- g u st Wilhelm, der sich zu Hitler bekennt. Daß er auf das Zentrum schimpft«, ist nicht ver­wunderlich. Der sogenannte Musenprinz fand aber auch scharfe Worte gegen die D « u t s ch natio­nalen und den Stahlhelm mit ihrem Kandidaten Düsterberg.Wenn sie setzt anfangen, unseren Füh- rer zu verunglimpfen", so sagte Prinz August Wilhelm wörtlich,und unseren Sozialis­mus veralbern, dann kriegen sie «s mit uns zu tun, dann werden wir kein Blatt mehr vor den Mund nehmen".

O Harzburg, wie wird es Dir noch ergehen!

Aus der Deutschen Volkspurkei. DolksparteSiches Dertrauensvotum für Dr. Curttus.

wtb. Karlsruhe, 7. März. (Eig. Meld.) Auf einer Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses ber Deutschen Dolkspartei in Baden gab Reichs- Minister a. D. Dr. Eurtius einen Ueberblick über die politische Lage. Die Aussprache endete mit einem uneingeschränkten Vertrauensvotum für Dr. Curtins. Es wurde der Hoffnung Ausdruck ge­geben, innerhalb der Deutschen Dolkspartei eine politische Linie zu finden, um weiteste Kreise dezs liberalen Bürgertums zu sammeln.

DemaskierteHeroen".

Aus Darmstadt wird demBeobchter am Main" gemeldet:

Prinz August Wilhelm, dem Kaisersohn, ist es bei Herrn Hitlers SA.-Leuten hoch angerechnet worden, daß er vor einiger Zeit bei der Beisetzung chres Parteigenossen Mohr aus Bensheim mit in den Reihen schritt. Mohr, so hieß es, sei von poli­tischen Gegnern niedergeschlagen worden und an den Folgen dieser Gewalttätigkeit gestorben. In seinem Neujahrsbefehl hatte der Führer des hessi­schen Nationalso.zlalismus dieses ParteigenosienMohr als eines Märtyrers gedacht, als eines jenerGe­mordeten", bei deren Gedenken die Nationalsozia­listen sich bewußt fein müßten, daß es Heroen seien, denen es nachzneifern gelte.

Inzwischen ist allerdings durch kreisärztliches Gutachten festgestellt worden, daß Mohr an ei­nem Herzschlag verstorben ist, nachdem er in der Trunkenheit vom Rad gefallen war. Ein frü­her liegender Zusammenstoß mit zwei Personen, die übrigens politisch völlig neutral waren, habe gar keinen Zusammenhang mit Mohrs Tod gehabt. Außerdem ist inzwischen festgestellt worden, daß dieserMärtyrer" wegen schwerer Delikte (wie Tierquälerei, zweimaliger Körperverletzung und Hausfriedensbruch) vorbestraft war. Und schließlich wird jetzt poch durch den Brief eines ein»

fügen Regimentskameraden offenbar, daß Mohr schon im Jahr 1906 als Artillerist auf seinen Unteroffizier gestochen habe, wofür er zuerst zu 6Vz Monaten Gefängnis verurteilt, nachher im Berufungsverfahren aber als gei­steskrank erklärt wurde.

Dies ist allo wieder einer der recht zahlreichen Fälle, in denen Heroen von der nationalsozialisti­schenRotinord - Liste" nachträglich recht peinlich demaskiert werden.

Fristlos entlasten.

Der Deukfchnationale Handlungsgehilfen-Verband trennt sich von dem nationalsozialistischen Abg.

Forster.

Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Forster, der als Geschäftsführer des Deutschnatio­nalen Handlungsgehilfen-Verbandes in Danzig beschäftigt war, ist aus dem Verband aus­geschlossen und fristlos aus dem Dienst ent­lassen worden. Forster hatte die Kandidatur Hin­denburgs in einer Weise kommentiert, die sich durch keineAufregung desWahlkampses entschuldigen läßt. Er gebrauchte den Namen Hindenburgs in Ver­bindung mit Landesverrätern, Deser­teuren, Schiebern und sonstigem Verbre­chergesindel. Der Deutschnationale Hand- lungsgehilfen-Verband sieht darin eine unge­heure nationale Würdelosigkeit, durch die sich Forster außerhalb der Gemeinschaft des Bundes stelle. Zumal feine Aeußerungen in dem national besonders gefährdeten Danzig gemacht worden find.

Ein Wahlergebnis.

16 Prozent Stimmenverlust der Nationalsozialisten.

CNB. Hamburg, 7. März. (Eig. Meld.). Wie das Hamburger Fremdenblatt meldet, haben dir Nationalsozialisten bei den gestern in der mecklen­burgischen Stadt Crivitz stattgefundenen Kom­munalwahlen eine Niederlage erlitten. Verglichen mit dem Ergebnis der Kreistagswahlen vom No­vember vorigen Jahres büßten die Nationalsoziali- ften 16 Prozent ihrer Stimmen ein. Diese Tat­sache, so schreibt das Blatt, falle um so mehr ins Gewicht, als die Wahlbeteiligung 20 Prozent höher war als bei den letzten mecklenburgischen Kommunalwahlen im November. Die erhöhte Wahlbeteiligung sei den Sozialdemokraten und den bürgerlichen Gruppen allein zugute gekommen. Die Sozialdemokrat en gewannen etwa 20 Pro­zent.

Die geschützte Ost-Mark.

Hindenburg zu den polnischen Drohungen gegen­über Ostpreußen.

Der Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen hat der Reicbsregierung folgende, vom Provinzial- ausschusse der Provinz Ostpreußen in seiner Sitzung vom 19. Februar gefaßte Entschließung mitgeteilt:

Bei einer Feier polnischer Studenten in Dan­zig am 2. Februar haben Vertreter polnischer Zi­vil- und Militärbehörden Reden gehalten, die un- verhüllte Drohungen gegen Danzig und Ostpreußen enthalten unb einen militärischen Ueberfall in nahe Aussicht stellen. 11. a. hat ber Vertreter des Kommandierenden Generals in Thorn erklärt, daß er eher nach Königsberg in Uniform, als zum zweiten Male nach Danzig in Zivil kommen werde. Infolge dieser unerhörten, in so herausfordernder Schärfe noch nie gewagten Drohungen und unter dem Eindruck der jüngsten Vorgänge in Memel ist die Stimmung in ber Provinz Ostpreußen außer­ordentlich gespannt. Der Provinzialausschuß hält es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Reichs­regierung hierauf zu lenken und zu fordern, daß alle nur denkbaren Maßnahmen zum Schutze des bedrohten Ostens getroffen werden. Die Reichs­regierung kann sich darauf verlassen, daß die Ost­märker eingedenk ihrer Pflichten die Heimat bis zum äußersten verteidigen werden."

Der R ei ch s p r ä s i d e n t hat hierauf an den Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen nach­stehende Antwort gerichtet:

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann! Der Herr Reichskanzler hat mir die Entschließung des Provinzialausschusses ber Provinz Ostpreußen vom 19. Februar vorgelegt. Die Sorgen des deutschen Ostens sind auch die meinen. Niemals kann es das deutsche Volk dulden, daß ihm weitere Stücke seines Vaterlandes entrissen werden. Ihr Gelöb­nis, die Heimat bis zum äußersten ver­teidigen zu wollen, erwidere ich mit dem Versprechen, daß ich den deutschen Ostlanden in ihrem Kampf gegen jede nur mögliche Drohung mit allen Kräften bei stehen unb im Verein mit der Reichsregierung und dem deutschen Volke alle Maßnahmen zu ihrer Siche­rung treffen werde.

Mit freundl. Grüßen gez. von Hindenburg."

* Aus Anlaß des 200. Geburtstages George Washingtons fand am Sonntagmittag im Sitzungs­saal des Reichstages eine Gedenkfeier statt, bei ber u. ft. ReichÄavM Lr, Brüning.eine Rchtz hielt.

Der Donau-Plan.

wtb. London. 7. März. (Eig. Meldg.). Times begrüßt den französischen Donauplan und schreibt, ein Aufschub könne zu einer Katastrophe in Un­garn und Oesterreich führen.

Italienisch-ungarisches Ausfuhrabkommen.

wtb. Budapest, 7. März. (Eig. Meldg.). Das ungarische Telegraphen-Korespondenzbüro meldet: Die ungarische und die italienische Regierung ha­ben in Rockt ein Abkommen unterfertigt, das den Zweck verfolgt, den Warenverkehr zwischen Un­garn und Italien zu fördern. Auf Grund der Ver­einbarung werden die beiden Regierungen zur Re­gelung der Cisenbahntarife einen gemeinsamen Ausschuß errichten, Frachtbrief- und Durchgangs­verkehrserleichterungen einführen und zur Förde- rung der gegenseitigen Ausfuhr die Möglichkeit von Krediterleichterungen schaffen.

Attentat in Moskau.

Der deutsche Botschaftsrat von Twardowski, durch 4 Revolverschüjse schwer verletzt.

Auf den Botschaftsrat bei der deutschen Bot­schaft in Moskau, von Twardowski, wurde am Samstagvormittag ein Anschlag verübt. Twar­dowski wurde durch einen Streifschuß am Hals und durch einen Steckschuß in die Hand verletzt. Im ganzen wurden auf den Botschaftsrat vier Schüsse abgegeben. Sein Befinden ist den Um­ständen nach befriedigend. Der Täter, bei dem es sich offenbar um einen sowjetrussischen Staatsan­gehörigen handelt, wurde verhaftet. Die Beweg­gründe für die Tat konnten noch nicht festgestellt werden. Der Anschlag wurde auf der Straße ver­übt.

Der Volkskommissar für Auswärtiges, Litwi­now, sprach im Namen seiner Regierung dem deutschen Botschafter von Dircksen sein Bedauern aus und sicherte strengste und schnelksste Untersu­chung an.,

von Twardowski.

MWWM

Mis aus einem Moskauer Telegramm an die Kölnische Zeitung" hervorgeht, hat es Botschafts­rat o. Twardowski feiner Geistesgegenwart zu verdanken, daß er bei dem Anschlag mit dem Leben davonkam. Der Botschaftsrat schützte sich, sobald er die Gefahr erkannte, durch rasches Vor­beugen des Kopfes und Vorhalten der Hand. Im Kreml-Krankenhaus wird der Botschaftsrat von dem bekannten Chefarzt Lewin behandelt. Die Kugel im linken Handgelenk ist noch nicht entfernt wor­den. Der Täter, Judas Mironowitsch Stern, ist Student an der Moskauer Universität unb 28 Jahre alt. Er hat die Gründe, die ihn zu seiner Tat veranlaßten, bisher noch nicht ge­standen. J

Vor der Genfer Debatte.

Die in den letzten Tagen fortgeführten ver­traulichen Verhandlungen des Hauptberichterstat­ters der Abrüstungskonferenz, Benesch, mit den Ab­ordnungen der Großmächte haben nunmehr Klar­heit über die in ber nächsten Woche beginnenden großen politischen Verhandlungen gebracht. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz tritt am Montag zusammen, um die von Benesch ausgear­beitete Tagesordnung für den Hauptausschuß, den politischen Ausschuß und das endgültige Arbeits­programm der Konferenz anzunehmen, die dann am Dienstag dem Hauptausschuß vorgelegt werden.

Grundsätzliche Uebereinftimmung ist dahinge­hend erzielt worden, daß die Verhandlungen im Hauptausschuß mit den mit Kapitel 1 des Abkom­menentwurfs zusammenhängenden Grundfra­gen der Abrüstungsfrage beginnen sollen. Dazu gehört di« deutfche Forderung auf grundsätzliche Abrüstung.

Der deutsche Botschafter Nadolny, der zu kur­zem Besuch in Berlin weilte, trifft am Montag Vormittag wieder in Genf ein.

* Französische Manöver. Aus Paris wird ge­meldet: Die Garnisonen von Nancy, Toul, Lune- ville, unb St. Avold hoben in der Nacht zum Samstag Manöver abgehalten, bei denen Flug- zeuge her. verschiedensten Art teilnahmen, . ........