brachen zusammen, als endlich wieder ein Schicksal kam, der Weltkrieg und die Welt- reoolution, nur noch zu meistern durch eine Weltanschauung, die nicht nur das Leben kennt, sondern auch ben lob. So blieben sie Schale, reif für den Abfall, wenn di« Frucht so weit ist. Ist es wirklich schon zu spät?
Es ist niemals zu spät. Es wird auch dadurch nichts gebessert, daß man nur anklagt. Soll jemand an sich glauben lernen, dann ist die Verzweiflung an ihm kein Mittel dazu. 3m Gegenteil werden wir denen, die schon bei ihrem Totentanz um den eigenen Untergang herum sind, klar machen, daß sie ja eigentlich noch leben. Cs ist nicht einmal ein Erbe da, der das bisher vom Bürgertum verwaltete Kulturgut übernehmen und verwalten könnte. Noch find die wichtigsten kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Positionen in bürgerlichen Händen. Noch kann das Bürgertum die Aufgabe lösen, die ihm heute zufällt. Aber freilich muß es diese Aufgabe klar sehen und zugleich den festen Willen haben, sie zu lösen. Welche Aufgabe?
Nun, es muß die neu ^herauf kam- menden Schichten erkenrien, die sich zum Teil bereits ihren ^tlatz an der bürgerlichen Tafel erkämpft haben. Es muß grundsätzlich wollen, daß d i e M a s s e n der Arbeiter, der kleinen Angeste fiten und Beamten sinnvoll in ein« organisch sich entwickelnde Gesellschaft «ingegliedert werden. Es muß den rechtlichen Anspruch dieser Millionen an den Gütern des Lebens zugeben und darüber hinaus mit echtem Wohlwollen diesen gigantischen gesellschaftlichen Werdegang begrüßen. Es darf nud soll seine eigene Sphäre schützen und erhalten, es darf und soll aber nicht sich hochmütig und kalt abkapseln, um selber
in der Stickluft des Kastengeistes ober im Phrasenbereich nationalistischen Geschwätzes oder im Mammonismus eines unethischen Ge- I schästsprosperismus ober im Parfümduft ge- ' sellfchaftlicher Gewohnheitsklubs hinzusiechen und zu verelenden.
Es muß neugeboren werden aus dem Schicksal der Zeit, aus dem Feuer des Geistes.
Das ist die Aufgabe, die mögliche, die lohnende, die entscheidende. Weg mit dieser Schicksalsangst. In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne. Der Abglanz der ewigen Sterne sind sie. Es gibt keinSchicksal, es gibt nur eine gött. liche Vorsehung. Diese aber hat das Schicksal weitgehend in des Menschen Hand gelegt. Man ist Hammer oderAmboß. Fort von dem tötenden Schicksalsaberglauben, zurück zum Glauben an Gott und an sich selbst!
kleine Mitteilung.
So wird der Arbeiter in Sowjetrußland behandelt.
In der von den Moskauer „Prawda^, dem amtlichen Organ der bolschewistischen Partei herausgegebenen deutschsprachigen „D. Z. T." lesen wir in Nr. 22 (27. 1. 1932): „Die 15. Balzer Kanton-Parteikonferenz (Wolgadeutschen-Republik) mußte konstatieren, daß von Seiten der Leiter des Kooperativapparates, welchem die Regelung der Arbeiterversorgung obliegt, die Arbeiterversorgung ignoriert wird. In der Fabrik „Zukunft", in welcher gegenwärtig 700 Arbeiter beschäftigt sind, besteht eine dermaßen schwache Versor«. aung, daß 65 Prozent der Arbeiter ohne Brennmaterial blieben (man denke an den russischen Winter!). Wenn das Kooperativ (Genoffenschaftsladen) Fleisch erhält, so wird der Arbeiterschaft oft eine schlechte Sorte Fleisch zuaewiesen".
irr. 55
Vellage zur Fuldaer Zeitung
NILS
6. März
-V
Vierter Fastensonntag (Laetare).
Eingangslieb (3f. 66, 10 u. 11).
Laetare Jerusalem . . .
Freue dich, Jerusalem. Versammelt euch alle, die ihr es liebt; seid fröhlich in Freuden, die ihr in Trauer wäret; ihr sollt frohlocken und euch satt trinken an der Brust, die euch stillt. (Ps. 121.1.) Ich freue mich, baß man mir sagte: Wir gehen zum Hause des Herrn.
Epistel (Gal. 4,22-31.)
Brüder! Es steht geschrieben: Abraham hatte zwei Söhne, einen von der Magd und einen von der Freien. Der von der Magd ist auf dem Wege des Fleisches geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung. Das ist bildlich gesprochen; es bedeutet die beiden Testamente. Das eine, vom Berge Sinai, gebiert zur Knechtschaft; es wird durch Agar dargestellt. Der Berg Sinai liegt näm- lich in Arabien, er steht in Beziehung zum jetzigen Jerusalem, das mit seinen Kindern in Knechtschaft ist. Jenes Jerusalem aber, das von oben stammt, ist die Freie, und sie ist unsere Mutter. Steht doch geschrieben: Freue dich. Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nie in Wehen liegst; denn zahlreicher sind die Kinder der Vereinsamten als die Kinder derer, die einen Mann hatte. Wir, meine Brüder, sind wie Isaak Kinder der Verheißung. Wie aber damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte, so auch jetzt. Doch was sagt die Schrift? Verstoßt die Magd mst ihrem Sohne; denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe sein neben dem Sohne der Freien. So sind auch wir, meine Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien kraft der Freiheit, die uns Christus geschenkt hat.
Leser und Zerrung.
Die alten Märchen vom Minder- wertder katholischen Presse werden im. mer neu erzählt. Kein Wunder also, wenn dem Pressemann ein wenig die GeduD reißt und er sich hinsetztz um gleich eine ganze Broschüre wider die Schimpfer und Nörgler zu schreiben. Karl H o e • b er, Chefredakteur der „Kölnischen Volkszeitung", hat es getan: „Gegen die negative Kritik an der katholischen Tagespresse". (Im Auftrag des Augustinusvereins bearbeitet und herausgegeben von Dr. Karl Hoeber, Katho- lifche-Tat-Verlag, Köln. 29 Seiten.) Der Leser wird in den verstecktesten Schmollwinkeln aufgestöbert. Was wollen Sie, Herr Zettungsleser, eigentlich von Ihrem Blatt? Sie haben recht: Die Zeitung soll kein „Kirchenblatt" fein. Aber wissen Sie z. B., daß sich Hunderte Ihresgleichen beschweren, ja mit Abbestellung drohen, wenn wir einen Vereinsbericht kürzen oder die ganz lokale Feier irgend einem Ortsheiligen zu Ehren, wenn wir derlei Festprogramme, aber auch Primizfeiern. Tagungen, Jubiläen nur mit wenigen Sätzen abtun? Hier der typische Brief; ein Sportverein war der Einsender: , Wir haben viernq Unterschriften solcher Leser gesammelt, die die Zeitung abbestellen roetyt unsere Sportberichte nochmals gekürzt werden." Eine andere Krittelei: Wir seien „zu katholisch"! Ja, bei Gott, Türken sind wir nicht, und einen faden Generalanzeiger, bei dem hinten Feuerbestatter und katholische Begräbnisvereine in holder Harmonie inserieren, bas wollen Sie, mein Herr von Einsender, doch auch nicht! Ein beliebter Tadel ist schließlich der: „wir seien „G e s ch ä f t s k a t h o l i k e n". Daß wir aber jahraus, jahrein auf Zehntausend« an Mark verzichten, nur* um den Anzeigenteil reinzuhalten, daß wir auf Tausends von Lesern verzichten, nur um
nicht jeden Kinoquatsch und jebe Romanpornographie bringen zu müssen, bavon wird nie gespro- chen. Hoeber sagt gerabezu: ,,An Stammtischen, in Berufskollegien, in Klubs unb Vereinen kann man heute feststellen, baß da ein förmlicher Sport daraus gemacht wird, die katholische Presse herabzusetzen. Das muß endlich aufhören. Gewiß, Kritik soll fein, fachliche Kritik ist sogar notwendig. Aber wie wäre es. wenn man nun einmal umgekehrt sich einen Sport daraus machte, die katholische Presse zu fördern? Damit wäre beiden gedient, der Zeitung und dem Leser. Denn eine machtvoll unterstützte Presse kann ihm auch etwas bieten unb damit den ewigen Nörgler endlich, endlich mundtot machen.
Vom Werk des deutschen Vuches.
Jeder Sieg an der Literaturfront ist ein Schritt vorwärts im Freiheit-ckampf der arbeitenden Klasse. So liest man in der kommunistischen ,Llr- better-Älustrierten-Zeitung", und in der Tat ist eine ungeheuere Zunahme der proletarisch-revolutionären Front festzustellen. In Deutschland betrug der Umsatz dieser Literatur im letzten Jahre sechs Millionen Mark. Durch Buchvertriebsstellen und Leihbüchereien der kommunistischen Ortsgruppen erfahren die Bücher weiteste Verbreitung.
Dis Einschätzung des Buches auf kommunistischer
Seite und ihre ungeheuer rührige Buchpropaganda geben stark zu denken. Was geschieht demgegenüber an deutsch-kultureller Buchpflege, art volkstümlicher Büchereiarbeit? Der Vergleich fällt ungünstig genug aus. Dort ungeahnte Entwicklung — hier mühsame Behauptung infolge immer knapper werdenden Kulturetats. Dabei sind die Wirkungsmöglichkeiten heute günstiger denn je, weil — Z. T. infolge der Arbeitslosigkeit — der Zuspruch der Büchereien und damit ihre Volkstümlichkeit außerordentlich zunehmen.
Leistungsfähige Volksbüchereien in Stadt unb Land sind nicht nur eine k u l- tu rekle, sondern auch eine staatspolitische Notwendigkeit. Es wäre aufs Ganze gesehen, falsche Sparsamkeit, sie einzuschränken, anstatt auszubauen, zumal diese Einrichtungen mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln erhalten wer, den. Staat und Kommunen sind zwar heute diesen Forderungen mehr ausgeschlossen, als noch vor Jahren, aber sie sind gehemmt durch die äußerste Knappheit der öffentliehen Mittel. So ist bas öffentliche deutsche Büchereiwesen auf die Hilfe der einsichtvollen Kreise der Bevölkerung angewiesen.
Die Förderung der Volksbüchereien als kulturell notwendige und staatserhaltende Einrichtungen darf nicht erlahmen. Es geht um deutsch-kulturelle Stützpunkte im Kampfe gegen gefährliche bolschewistische Machenschaften.
Ruf ans Bürgertum.
Wo immer man heute ins bürgerliche Lager hineinhorcht, da vernimmt man das Wort Schicksal. Der Bolschewismus wird kommen — es ist einmal so unser Schicksal. Der Nationalsozialismus erobert die Massen — es ist einmal so unser Schicksal. Die Roheit, die Korruption, der Terror — es ist einmal so unser Schicksal Die Einzelperson weicht der Masse, die Organisation der Horde — Schicksal ist das. Der Bankdirektor spricht so, der Wirtschaftsführer, der Professor, so mancher Abgeordnete. Schicksal und wieder Schicksal! Man kokettiert bereits mit dieser Kulisse der Schwäche Man treibt die Selbstironie bis zur Perversität. Als Lunatscharski höchst unnötiger Weife in Köln gesprochen hatte, konnte man in bürgerlichen Blättern erstaunliche Berichte lesen. Lunatscharski sprach* „Wir haben das greisenhafte Europa nicht nur zu begraben, wir müssen es obendrein zuvor auch noch umbringen." Wo>zu das Blatt schrieb: „Der Vortrag stand auf beachtenswerter geistiger Höhe "
Die bolschewistische Magie wirkt bei uns kaum auf den gewerkschaft- lich geschulten Arbeiter, um so stärker aber auf weite Kreise der Intelligenz. Weil eben der Gewerkschaftler manches weiß, was «inPri- maner und sogar ein Universitäts- student nicht weiß, am Ende nicht einmal sein Professor. In Scharen man- der» diese Schicksalshasen in unbürgerliche radikale Lager ab, zur Herde oder zur Horde. Leute, deren Namen gar nicht genannt zu werden verdienten neben Hindenburg, bürfen öffentlich schmähen gegen die ehrwürdige Gestalt des Reichspräsidenten. Ernsthafte Reden, wie ein Dr. Brüning sie hält, erscheinen in mancher Presse nicht nur, sondern auch in Wolffteleqrammen nebenan, ßenpolitischen Ergüssen bekannter Ph rasendrescher. so als gäbe es nicht
mehr geistigenRang noch Würde An den fabelhaften Festen der bollchewistischen Ge- sandftchaft in Berlin beteiligen sich nicht dutzenb-, sondern schockweise die angesehensten Bürger bzw. Bürgerinnen von Berlin. Namhafte Schriftsteller des bürgerlichen Lebens haben sich völlig blenden lassen durch die Magie des in Fünfjahrplanstieseln voranhumpelnden bolschewistischen Wirtschaftsprogramms Primaner unterhalten sich in Frühstückspausen über die Namen derer, die auf die Liste müssen. (Wir erschießen nicht, wir hängen nur auf!" Wörtlich so gefallen.) Hat denn das Bürgertum seinen Verstand verloren?
Wie erklärt sich nun dieses seltsame Geschehen, daß eine Schicht, deren Leistung im letzten Jahrhundert sowohl wie im Spätmittelalter so bewundernswert war, heute sich selbst aufgibt? Karl Hauptmann hatte ja Recht, als er vor Jahren das Bürgertum pries. Das neunzehnte Jahrhundert zeigt uns in -der Tat mächtige Auftriebe des Geistes, ungeheure Entwicklung der Technik, geradezu ein Zanberbild starker bürgerlicher Kultur. Soll an die Stelle der Bildung die Roheit und an die Stelle des Rechtes der Terror treten? Noch einmal: W ie erklärt sich dieser plötz Uebergang von der Selbstbehauptung z u r S e l b st a u s g a b e? Wie konnte so schnell die voranstürmende Energie eines faustischen Willens der feigen Flucht in die Unabänderlichkeit des Schicksals weichen?
Nicht ohne Grund ist heute der
Kampf gegen den Liberalismus
auf der ganzen Linie entbrannt. Hier liegt nämlich des Pudels Sern. Nicht jener Liberalismus ist gemeint, der einst bei aller Fragwürdigkeit doch aufgesprudelt ist wie feuriger Wein, sondern jener Spätling, der alle Entscheidungen in Kompromisse verwandelte und allen Wein in flaue Limonade. Diese Deserteure der Idee kannten nicht mehr me- taphnsische und religiöse Werte. Sie verzehrten im Lebensgenuß, was ihre Väter erkämpft hatten. Sie
Ein Besuch im Ewigen Rom
Jedem, der schon einmal den Wunsch im Herzen hegte, das Ewige Rom als den geheimen Kraftmittel- punkt zu besuchen, den laden wir ein, uns zu folgen auf unserer großen und auch anstrengenden Fahrt, mit uns zu erleben und sich mit uns zu freuen.
Lachender Sonnenschein begleitet uns unseren lieben alten Vater Rhein hinunter, der uns von stolzen Burgen mit reichem Blütenschmuck deutsche Abschiedsgrüße zuruft. • Am zweiten Reisetage führt uns der Zug von Basel durch die Schweiz, vorbei an den Ufern des Vierwaldstädter Sees. Leider haben die Bergriesen ihre Nebelkappen aufgesetzt und der Regen riefelt und riefelt aus grauen Wolken herab. Eine besondere Ueberraschung hat sich der St. Gotthard vorbehalten; Airolo bietet uns eine herrliche Winterlandschaft, unb es wirbeln unb tanzen dicke Schneeflocken. Aber kaffen mir uns nicht die Stimmung verderben auf der Fahrt durch die Südschweiz. Wenn auch tiefblauer Himmel und Sonnenschein fehlen, so begrüßen wir doch ftohen Herzens Lugano, von dem schon ein Sokrates gesagt haben soll, hier fei ein Stück Paradies auf die Erde gefallen, — und die uns vertrauten Berge, den Monte Bre und den Monte Salvatore, die Wahrzeichen Luganos. Dann gehts vorbei an Malland durch Ober» Italien zum Ziel des zweiten Reisetages, nach Genua.
Wir wollen nicht versäumen, uns den ersten Handelshafen Italiens, dieses landschaftlich so herrlich gelegene Fleckchen Erde mit dem echt südlichen Straßentreiben anzuschauen, zumal uns dazu Sonnenschein unb italienischer Himmel einlaben. Von ber Hauptstraße aus führen ganz schmale Seitengähchen, in bie sich kaum ein Sonnenstrahl hineinoerirren kann, unb in benen sich Leben und Handel vor den Häusern abspielen, zum Hafen. Ein Blick in solch ein Gäßchen bietet uns Deutschen ein ungewohntes Bild; an allen Fenstern wird Wäsche getrocknet unb oft finbs auch nur Fetzen, bunt und unsauber, die in das südliche Straffendild hineingehören wie die Katzen, die die ohnehin schlechte Luft in diesen Gassen nicht besser machen. Am Königsschloß und der Universität vorbei führt uns der Weg zur Kirche Maria-Verkündigung, mit schönen Bildern geschmückten Seitenkapellen, mit herrlicher vergoldeter Decke und einem „Letzten Abendmahl" von einem Schüler Leonardo da Vincis. Vom oberen Teil der Stadt bieten sich uns großartige Ausblicke auf das Meer und bie
terrassenförmig aufgebaute Stabt. Dann besuchen wir ben weltberühmten Friedhof, ber nicht nur wegen seiner großartigen Lage so bekannt ist, sonbern ber auch durch feine Marmordenkmäler uns von ber großen Siebe der Italiener zu ihren Verstorbenen erzählt. Alle Gräber haben frischen Blumenschmuck und brennende Ampeln.
Leider dürfen wir nicht lange hier verweilen, denn bie Zeit brängt. Auf ber Fahrt zum Righi hinauf genießen wir noch einmal herrlichen Ausblick auf Genna, seine Berge unb bas Meer, unb bie Rückfahrt führt uns vorbei an stolzen Palästen, an ber Börse und am Geburtshaus von Christoph Columbus. Nachmittags machen wir noch einen Abstecher nach Neri an der italienischen Riviera, wo das brandende Meer fein ewiges Lieb braust. Wir freuen uns ber heißen Südsonne, ber goldenen Drangen im dunklen Laub, der Palmen unb leuchtenben Blumen.
Der britte Reisetag führt uns an ber malerischen italienischen Riviera entlang, vorbei an Rapallo unb St. Margerata, an ben Marmorbrüchen von Carrara unb Pisa mit feinem schiefen Turm. Dann folgen Stunben ber Erwartung, benn ber Tag neigt sich unb bringt uns zu unserem Ziel, zum Ewigen Rom, bas gewiß nicht allein wegen seiner zweieinhalb Jahr- taufenbe umspannenden Erinnerungen von weltgeschichtlicher Bedeutung so viele Menschen aus aller Herren Länder mit geheimnisvoller Macht anzieht. Auch nicht bie Avostel- unb Heiligengräber unb all die Denkmäler frommer Kunst führen tnn,id) große Scharen in bie heiliae Stabt. Es ist ber Fels, auf bem Christus feine Kirche gebaut hat, ber gemeinsame Vater ber Christenheit, ber bie ganze ihm von Christus anvertraute Herbe roeibet, ber Nachfolger des hl. Petrus, der am Grade des Fischers bie Ehrenwache hält.
Unser erster Besuch in 3t o m gilt der Peterskirche, die über dem Grabe des hl. Petrus sich wölbt, ganz in ber Nähe ber Stelle, an ber ber Apostelfürst für feinen unb unseren hl. Glauben gekreuzigt würbe und zwar auf feinen Wunsch mit dem Kopf nach unten, denn er fühlte sich nicht würdig, so zu sterben, wie der Erlöser neftorben war. lieber ben unvergleichlich großartigen Petersplatz, vorbei an bem Obelisken, ber einst im Zirkus bes Nero ftanb, ber beute auf feiner Svitze bas Kreuz mit einer eingefchloffenen Kreuzpartikel trägt unb ben Sieg Christi über bas Heidentum verkündet, gelangen wir in das Innere der Peterskirche. Warmes Licht fällt durch bie Alabasterfcheiben über dem Hochaltar und strahlt bis in unsere Herzen, so daß ein frohes
Dankgebet am Grabe des hl. Petrus aus dem Herzen bringt. Nicht ohne Verwunderung schauen wir auf den unter aus Bronze gegossenen Baldachin sich erhebenden Papstaltar: eine weiße Marmortreppe führt hinunter zur Confessio, an ber Tag und Nacht 89 prächtige Lampen brennen. Ergreifend ist die hier unten kniende Marmorstatue Pius VI. in Lebensgröße. Dann lassen wir den Gesamteindruck des Domes in feiner gewaltigen Majestät auf uns wirken, den buntfarbigen Marmorboden, die schwervergoldete Decke, all bie Kapellen, Altäre unb Marmormonumente, die gewaltige Kuppel mit ihren Mosaiken. Im Ouerfchiff stehen die Beichtstühle für die verschiedenen Nationen, natürlich auch einer für deutsche Beichtkinder, der sich aber von unseren diesigen unterscheidet durch einen lang herausragenden Stock, der den fremden Besucher mit Furcht erfüllt, zumal er sogar benutzt wird. Wir müssen aber ergänzen, baß der leichte Schlag auf den Kopf einen Ablaß spendet und sinnbildlich verabreicht wird. Wie im alten Rom ein Sklave feine Freiheit erhielt mit einem letzten Schlag, so dieser im Hinblick auf die Befreiung von der Sklaverei ber Sünde.
Was sehen deutfchcn Besucher feierlicher Gottesdienste in Rom in Erstaunen setzt, ist bie Unruhe unb auch das freie Benehmen der Italiener sowie der Fremden. die dauernd umherwandern, schwätzend und lachend. Erst wenn man erfährt, daß sich der gutmütige und fromme Italiener als guter Freund mit dem Herraott fühlt, wird es dem Besucher begreiflich, menn ein Meßdiener sich während bes ©ottesbienftes eine Apfelsine schält, bie Schale brav in sein Täschchen steckt und ab unb zu hinter bem Altar verschwindet, um schmausend wiederzukehren.
Noch einen Blick wollen wir werfen in die erste Sa- Delle vom Portal aus rechts, auf das edelste Werk christlicher Plastik und es wird uns schwer, uns loszureißen von der Pieta von Michelangelo, jenem großen und frommen Maler, Dichter, Architekt, Bildhauer, Ingenieur und Anatom bes Mittelalters, der Marmorkolosse aus« gehauen und Elfenbeinfigürchen ziseliert hat, der all seinen Werken Leben gab, und bem es gelungen ist, ben Petersbom burch feine Kuvpel bis zu den Wolken fast emporzuführen. So wollen wir St. Peter nicht verkästen, ohne diese Kuppel zu besteigen.
Aus bas flache Dach trägt uns ein Fahrstuhl in die Gesellschaft der Apostelfiguren, die uns vor Betreten ber Basilika von oben begrüßt hatten unb bie uns hier oben in ihren gewaltigen Ausmaßen so recht auf unsere
Kleinheit Hinweisen. Weiter hinaus heißt es klettern, aber für unser Mühen werben wir reich belohnt. Im ersten Umgang im Inneren der Kuppel können wir ganz nahe die Pracht ber Mosaiken bewundern. Von hier oben zeigt sich uns die Kreuzform und bie einhest- liche Architektur der Basilika. Pustend steigen wir höher und höher und gelangen endlich ins Freie, wo uns ein freundlicher deutscher Geistlicher die neuen Grenzen bes wieder zurückerstatteten Kirchenstaates erklärt, ben im Bau befinblichen' vatikanischen Bahnhof und ben großen neu erbauten Palast des Gouverneurs zeigt, unb von wo wir einen herrlichen Rundblick genießen auf Rom, den Vatikan und die päpstlichen Gärten; im Hintergründe leicht verschleiert die Albaner und Sabiner Berge unb Sicht auf bas große Mittelländische Meer.
Ein großes Erlebnis bedeutet für jeden katholischen Rombesucher eine Audienz beim Hl. Vater, unb so schließen wir uns burch gütige Vermittlung einem Pilgerzug deutscher Lehrerinnen an, und lassen uns auch nicht durch den Pilgerführer zurückdrängen. Am großen Bronzetor des Vatikans hat bie schmucke Schweizer Garde ihre Posten mit der Uniform in den Farben des alten unb bes neuen Deutschen Reiches, schwarz-rot- gold, rnb es macht ben Deutschen froh, wenn ihm durch diese Schweizer in der ihm vertrauten Muttersprache bereitwillig Auskunft erteilt wird. Durch prächtige Säle und Flure geht es, vorbei an vielen, vielen Wartenden in Festkleidung und -Stimmung. Römische Soldaten und Offiziere mit Orden und Federbüschen, würdige Kämmerer in roten Seidendamast gekleidet, geben dem Ganzen ein fürstliche, Gepräge. Pius KT. geht mit kurzen energischen Schritten durch die Rechen der Wartenden unb läßt sich von jedem Einzelnen durch den üblichen Ringkutz begrüßen. Trotz seiner 74 Jahre wirkt unser Hl. Vater jugendlich, und aus seinen Zügen spricht väterliche Güte. Vom Thronsessel aus, zu dessen beiden Seiten Offiziere mit gezogenen Degen die Ehrenwache halten, heißt Pius XI. uns alle herzlich willkommen im gemeinsamen Vaterhause und erteilt feinen Segen auch für alle, bie wir in biefen Segen einschließen. Papst Pius spricht beutsch, etwas erschöpft, wohl von ben vielen Aubienzen. Begeistert unb laut erschallt von uns Besuchern ein breimaliges Hoch auf ben Hl. Vater. Sichtlich erfreut hört sich ber Papst noch stehend ben Gesang „Großer Gott, wir loben Dich" an unb verläßt mit bem katholischen deutschen Gruß bas Gemach.
, (Fortsetzung folgt.)