FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Nr. 54
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätlec". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Samstag, 5. März 1932.
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3a6tg. 59.
Mens Hilferuf und das Echo.
Deutschland ist zur Hilfe bereit. — Tardieu macht namens der französischen Regierung ein platonisches Angebot.
Die Reichsregierung hat durch den deutschen Gesandten die Bundesregierung Oesterreichs davon in Kenntnis gesetzt, daß Deutschland bereit sei, Oesterreich zu helfen, und daß es neue Zollverhand- kuyge» vorschlage, wobei Oesterreich Vorzugszölle gewährt werden sollen. ' ' ■’ ’ •' '
Der deutsche Gesandte in. Wien hat der österreichischen Regierung als Antwort auf ihre Demarche vom 16. vorigen Monats erklärt:
Deutschland ist bereit — wie es immer bereit war — Oesterreich nach Kräften zu.helfen, und wenn die Regierung Buresch der Anregung des DMerbundsrates gefolgt ist, als sie mit allen in Verhandlungen treten wollte, weil sie das Stattfinden und den Erfolg solcher Verhandlungen als Lebensnotwendigkeit erkannte, so war es eine Sekbstverständlichke.it, daß Deutschland diese Bereitschaft auch im vorliegenden Falle kundgab. Sie kayn auf verschiedene Weise verwirklicht werden, wenn auch nicht, im Wege eines bloßen Wirt- schaftsbündnisses der Nachfolgestaaten, sei es in Form einer Z o l l u n ion oder eines Prüfe- cenzsvstems. Wenn aber die übrigen Mächte bereit find, eine Bevorzugung Oesterreichs wir anderer notleidender Staaten in Form von Präferenzen zuzulassen, so würde Deutschland, wie es in diesem Zusammenhänge immer betont hat, freudig die Gelegenheit ergreifen, um zu helfen, und es bietet zu diesem Zwecke alsbaldige Verhand- kungen an. .
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Aus Budapest wird gemeldet: .
Zu den längsten Bestrebungen über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nachfolgestaaten «strde in wohl informierten Kreisen erklärt, der jchon oft aufgetauchte Gedanke an eine wirtschait- ßche Zusammenarbei der Donaustaa- «en scheine infolge der Verhandlungen des. fran- iösifchen Ministerpräsidenten Tardieu in ein reues Stadium getreten zu sein. Vorläufig rönne man noch nicht genau übersehen, um was 15 sick> eigentlich handele. Soviel stehe sedoch fest, ktfi der Plan der Annäherung durch Präserenz- röll- und Kontingentsabkommen verwirklicht werte» solle. Beide Mittel seien für: Ungarn jedoch *'n jRowtni. Die auf Grund von Präferenzzöllen «nd Mntingentsabkommcn der jüngsten Zeit ab- leschlossenen Verträge hätten die Erwartungen »icht ganz erfüllt. Sollte es gelingen, die
Atmosphäre, von allen Giftstoffen zu . bereinigen, die die ernste Bestrebung nach wirtschaftlicher Zusammenarbeit behindern, dann werde vielleicht auch der französische Plan bessere Aussichten haben als ähnliche Bestrebungen der Vergangenheit. Besonders wird darauf hingswiesen, daß, Ungarn joden Plan mit Freude begrüßen. werde, der von der Nation keinen Verzicht auf Rechte verlange und den wirtschaftlichen Forderungen sowohl Ungarns als auch der Nachbarstaaten Rechnung trage. Die Blätter, die die Pressestimmen zum Plane Tar- dieus in großem Umfange wiedergeben, verweisen übrigens darauf, daß die dem „Temps" zugefchrie- bene Behauptung, wonach Frankreich für den Zusammenschluß der Donaustaaten eine materielle oder sonstige Unterstützung in Aussicht gestellt hätte, den Tatsachen nicht entspreche. Davon sei in dem Artikel der „Temps" keine Rode gewesen.
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In Berliner politischen Kreisen verlautet, daß die Reichsregierung über' den Vorstoß Tardieus, der auf Abschluß einer Wirtschaftsentente zwilchen den mitteleuropäischen Staaten hinzielt, nicht ins Bild gefetzt worden ist. • - , ■
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CN.B. Berlin, 4 März. (Eig. Meld.) Der gestrige Schritt des deutschen Gesandten in Wien und der Plan des französischen Ministerpräsidenten. Tardieu über die Bildung einer Donau- F ö d e r a t i o n werden am besten charakterisiert durch das Echo, das sie in Oesterreich und insbesondere auch in Ungarn gefunden haben. In hiesigen politischen Kreisen ist. man der Auffassung, daß dieser Vorschlag, der . nur eine Der- einigung der notleidenden Staaten dorstellt, eine für Oesterreich und die übrigen Donauländer nicht bringen kann. Eine Vereinigung der Notleidenden untereinander ohne irgendwelche Hilfe von außen muß völlig unwirksam bleiben. Außerdem ist der Plan Tardieus vorläufig noch lo u n - klar und unkonkret geholten, daß sich seine Auswirkungen noch in keiner Weise übersehen lassen. Im völligen Gegensatz dazu steht der deutsche Porschlag, der in ganz positiver Form und unter Angabe von Einzelheiten ein wirklich praktisches Hilfsangebot pn Oesterreich darstellt. Dazu kommt, daß die in diesem Angebot enthaltenen Hilfsmaßnahmen auch auf andere Lan- der ausgedehnt werden können. '
— Geplante Donaukonföderaf/on
Karte Europas mit der Verteilung der italienischen und französischen Interessen-SphSre. "
Tardieus Plan, Oesterreich und Ungarn zum Anschluß an die Kleine Entente zu gewinnen und damit das alte Projekt der Donau-Konföderation zu verwirklichen, stellt einen der bedeutendsten französischen Schachzüge der Nachkriegszeit dar. Einerseits wird dadurch ein Anschluß Oesterreichs an Deutschland ein für allemal unmöglich gemacht, andererseits wird der französische Einfluß in «üb» osteuropa, der sich deutlich gegen Italien richtet, erheblich verstärkt.
Armer Hitler!
In den letzten Wochen ist in den feindlichen kagern auf der Rechten und der Linken mit iner Leidenschaft, die einer wichtigeren Sache pert wäre, darüber gestritten worden, was Adolf Pitler während des Krieges als Soldat ge- eistet hat. Wir haben uns hier in diesen Streit irit Absicht nicht eingemischt. Wir nehmen an. daß Pitler genau wie Tausende deutsche Soldaten ieine Pflicht im Kriege getan hat. Lebensarten von Helden- Taten machen dagegen nur auf solche Leute Eindruck, die den mo- fernen Krieg nicht kennen gelernt haben. Im iibri- ien ist ein opfervolles Wirken für den Frieden md das soziale und geistige Wohl des Volkes mindestens ebenso wichtig als die Betätigung im srieg. der doch wohl zu den Ausnahmezu- fänden in der Entwicklung eines Volkes ge- pchnet werden darf.
Im Laufe jener Streiterei ist jetzt nor einem fer ich t in Hamburg objektiv festgestellt worden, i he die militärische Vergangenheit Hitler, frei von der Legende, sich barstellt. Es dürste feWchen, 1
daß Hitler in Oesterreich keiner Militärpflicht unterlag. Am 5. Februar 1914 war er in Salzburg ordnungsgemäß zum Was- fen- und Hilfsdienst als untauglich und zu schwach befunden worden. Es war der Beschluß auf Waffenunfähigkeit gefällt woiden. So konnte er sich im August 1914 :n Bayern als Kriegsfreiwilliger melden und wurde beim Reserve. Infanterie - Regiment Nr. 16 eingestellt. Bis 1916 hatte dieses Regiment eine Dauerstellung in der Nähe des Kemmelberges inne.
Hitler wurde dort Ende 1914 als Befehls- empfänger zum Regiments st ab kommandiert Derartige Ordonnanzen mußten sich bekanntlich immer in der Nähe der Offiziere aufhalten und unterstützten in ruhigeren Zeiten die sogenannten Offiziersburschen in der Sorge um das körperliche Wohlbefinden der Offiziere. War „dicke Luft", so konnten solche Gefechtsordonnanzen „schwere Stiche" verdrücken, was außer von der Gefechtslage davon abhing, ob der Offizier, dem sie zugeteist waren, ein rücksichtsvoller oder ein weniger rücksichtsvoller Mensch war. Bezeichnend ist, daß bei Ley Hamburger .Gerichtsverhandlungen
über den Kriegsdienst Hitlers der Münchener Kaufmann Horn, der als L e u t n a n t der Reserve bei dem staglichen Truppenteil stand, die Tatsache, daß Hitler es im Felde nur bis zum Gefreiten gebracht hatte, so erklärte er, „daß das Regiment die beste Gefechts- ordonnanz hätte hergeben müssen, wenn man Hitler zum Unteroffizier befördert hätte". Also weil Hitler so tüchtig war, hat er weder die „Schalen" noch das Portepee erlangt.
Das militärische Schicksal Hitlers scheint symbolisch zu sein für seine politische Laufbahn. Aus München wird der „Germania" von einer besonderen Seite folgendes geschrieben:
Was hier über Hitler und feine Kandidatur für die Reichspräfidentenschaft bekannt wird, läßt in starkem Widerspruch zu der vorgeschriebenen optimistischen Haltung der nationalsozialistischen Presse auf keineun bedingte Siegeszuversicht im Braunen Hause schließen. Daß Hitler persönlich sich nur mit Unbehagen als Präsidentschaftskandidat sieht, war bereits bekannt, als er sich seinerzeit durchaus geneigt zeigte, in die var- lamentarische Wiederwahl Hindenburgs zu willigen. Dann ließ Hugenberg bekanntlich feine Querverbindungen spielen und Hitler wurde umae- stimmt. Aber auch in dieser Phast der Präsiden k- fchaftskampagne hätte er noch viel lieber einen Unterführer geopfert, anstatt sich selbst in die Arena zu begeben. Aus diesem Grunde versucht er, zunächst einmal die Anmeldung feiner Kandidatur möglichst zu verzögern, in der Annahme und in dem Wunsch, daß nach der Anmeldung, wie im Falle Hildburghausen, die Linke durch ihren heftigen Widerspruch seine Einbürgerung verhindern würde, daß so weitere Zeit v'er- lorenginge und seine Partei schließlich genötigt sein würde, einen anderen Kandidaten zu benennen, damit di« gesetzliche Anmeldefrist nicht versäumt würde. Man hätte ihm dann nicht den Vorwurf der Drückebergerei machen können. Dieser Plan wurde jedoch von zwei Seiten her vereitelt. Die Hoffnung auf die Linke fdyeiterte, weil auf dieser Seite die Braunschweiger Ernennung zum Regiernngsrat st i l l sch w e i g e n d h i n g e n o m- men wurde. Zum zweiten prellte Herr Goebbels vor. Man hegt hier keinerlei Zweifel daran, daß Dr. Goebbels, als er Hitler in der „historischen Versammlung im Sportpalast vom 22. Februar zum Präsidentschaftskandidaten proklamierte, durchaus wicht im Einverständnis mit dem Führer" gehandelt hat. Das darauf folgende tagelang« verlegene Schweigen der Münchener Parteiorgane, des „Völkischen Beobachters" wie der „Nationalsozialistischen Korrespondenz", ferner die Tatsache, daß der sonst so gesprächige Hitler selber erst fünf Tage später, am 27. Februar, seine erste und obendrein späte Wahlrede hielt, »erröt mehr als genug.
Warum nun konnte Goebbels aber es für nötig halten, Hitlers Zaudern dadurch zu beenden, daß er ihn vor vollendete Tatsachen stellte? Warum geht Hitler mit so offenbarem Widerwille» in den Wahlkampf?
Hier zeigt sich die deutlichste der Spaltungen, die den aufgeschwemmten Rresenleib der nationalsozialistischen Partei heute schon durchziehen: die nämlich zwischen dem Gründer der Partei und der nachdrängenden jun. gen Führergeneration. Hier steht der süddeutsch-katholische Halbproletarier Hitler, der Autodidakt und ehemalige Gefreite, gegen einen Kreis geschlossener, ehrgeiziger, meist norddeutsch- protestantischer Herkunft aus Offiziers- und Akademikerkreisen, die insgeheim mit geringer Achtung auf ihn herabsehen. Ihre sehr offenbare Spskulation geht dahin, den „Führer" in einen Wahlkampf zu stoßen, in dem er unterliegen Eß, um sich dann nach dem ungeheuren P o p u l a r i t ä t s v e r l u st, de» das für ihn bedeutet, an seine Stelle schwingen zu können. Hitler ahnt durchaus, was hier gegen ihn im Gange ist, er weiß es sogar. Es ist auch die Furcht vor diesem Kreis, die ihn bisher verhinderte, die zwar mehrfach angekündigte, aber immer wieder Der» faste Der legung der Partei zentrale von München nach Berlin durchzuführen, seine ruhelose Reiseeristenz ist gleichfalls eine tyolge davon. Alles in allem ergibt sich daraus, daß man im Braunen Haufe sich'nicht mehr darüber hrnwegtäufcht, daß die Präsidentfä-aftskandi- batur Hitlers das Ende der sieben letten Jahre verantwortungsloser Agi- taNo» unter verzweife'lnden, allo leicht zu verführenden Massen be- beutet, und mit der erzwungenen Anmeldung dieser Kandidatur die Aussicht auf die Niederlage unö auf bie f i e b e n mageren Jahre er» öffnet wirb in bene» die bisher immer wirksame rettende Phrase an dem Zwang zu realer Politik zuschanden wird.
* Der Preußische Landtag stimmte einem Aus- fchußantrag auf schleunige Erwirkung der Bier- fteuerfenfung zu und wurde von den Oppositionsparteien beschlußunfähig gemacht, als die Einschränkung der namentlichen Abstimmungen zur Entscheidung kommen sollte. Er vertagte sich auf 'den 15. März zur ersten Lesung des Haushaltes für 1932._______________________
* «iiirdgebung der Liga gegen den Antisernftis- »us in Paris. In dieser Woche hat in Paris unter dem Leitsatz: „Rettet die deutschen Juden vor der deutschen Hillergefahr" eine große Kundgebung der Internationalen Liga gegen den Anti- semftismus" stattgefunden. Wie aus dem Pro- gramm hervorgeht, traten zwölf Franzosen (darunter die Kchnmerabgeordneten Renaudel und Cha- brun) sowie ein nicht namentlich genannter Vertreter der deutschen „Eisernen Front" als Redner ®lf« L-S&tLHi I iimrilwa 1 ---- . --> ___uta.
Mr Hindenburg.
nstb. Köln, 4. März. (Eig. Meld! Die Zentralstelle des Käthol i sch en D e u t sch e n F r a u er. bundes erläßt einen Aufruf zur Reichspräsidentenwahl, in dem es u. a. heißt:
Wir wollen das Schicksal Deutschlands in die Hand des Mannes legen, dessen Persönlichkeit uhs als verehrungswürdiges Vorbild der Pflicht» treue, der Vaterlandsliebe und ches christlichen Glaubens vor Äugen steht. Die Welt soll erkennen, daß das deutsche Volk ver- trauend und in Ehrfurcht den Mann wählt, der die Verkörperung deutscher Art und @ e • schichte i st.
Wir wählen Hindenburg!
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Der volkskonservative Reichstagsabgeordnete G r a f W e ft. a r p, der durch feine Sammlung von 463 Unterschriften rechtsstehender Persönlichkeiten zugunsten Hindenburgs kürzlich besonders hervor» getreten ist, griff in einer vom Hindenburgaus- fchuß veranstalteten zahlreich besuchten Kundgebung zum ersten Mal in den Wahlkampf um die Reichs» präfibentidiaft ein.
Graf Westarp führte aus, die außenpolitische Lage erfordere die Wiederwahl des bisherigen Reichspräsidenten, denn Hindenburg genieße i m A u s l a n d e e in Ansehen, wie kein anderer Deutscher. Der Wahlkampf schä - d i g e n n s in unserer gegenwärtigen außenpolitischen Lage aus das schwerste. Die gegen Hindenburg wegen der Notverordnungen erhobenen Vorwürfe feien nicht berechtigt. Es könne nicht als ein Fortschritt im Kampf gegen das „Sn- .stem" betrachtet werden, wenn lediglich eine sozialdemokratische Herrschaft durch eine n a» tionalistische ersetzt würde. Der Kampf'hätte nicht gegen Hindenburg, sondern vielmehr unter der Parole „Mehr Macht dem Reichspräsidenten" geführt werden müssen. Hätte Hindenburg sich für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung gestellt, so hätten mir einen Kampf aller gegen alle erlebt, und das Ausland hätte ein Chaos in Deutschland gesehen. Würde ein anderer Reichspräsident gewählt, so würde er sich zunächst gegen einen starke» inneren Widerstand durchsetzen müssen.
Gräf Westarp schloß, man möge ' a u s d e m Herz en u nserer In gend doch » icht.al» les r e iße n , w a s v ie ll ei ch t.a l s Rest vo n Ehrfurcht für ein Vorbild und für die Geschichte noch in ihr vorhanden fei, verkörpert in der Person des Reichspräsidenten von Hindenburg. Dör Aufruf des Redners, am 13. Mörz die Stimme für Hindenburg abzugeben, wurde-mit Begeisterung aufqenomm-'n.
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wtb. Berlin, 4. März. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hinden. bürg, besichtigte heute vormittag 12.30 Uhr auf dem Moabiter Exerzierplatz wie alljährlich bie Wacht- truppe Berlins. Der Chef der Heereslestung, General der Infanterie Freiherr von Hammerstejn» Equord und die unmittelbaren Vorgesetzten der Wachttruppe waren bei der Besichtigung anwesend. Nach Abnahme des Vorbeimarsches nahm der Herr Reichspräsident im Offiziersheim der Wachttruppe am gemeinsamen Mittagessen teil.
<£♦ V. und Aattonalsozialismus
Der Gesamtausschuß des Kartellverban- des der farbentragenden katholischen Studentenverbindungen (CV) faßte zur Frage des Nationalsozialismus einstimmig folgenden eindeutigen und notwendigen Beschluß:
„Der Altherrenbund-Vorstand hält es mit dem ersten Grundsatz der Katholizität für unvereinbar, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei anzugehören, solange unsere Hochwürdigsten Herren Bischöfe sie v e r u r t e i» len. Es ist weiter nach dem Grundsatz der Lebe n s s r e u n d s ch a f t im CV nicht tragbar, für die NSDAP einzutreten, oder die Vaterländs- licbe der anderen Brüder zu verdächtigen. Der Altherrenbund-Vorstand erwartet deshalb, daß die einzelnen Altherrenverbände gegen Versuche, durch die NSDAP die Politik in den CV hineinzutragen und damit an seinen Grundsätzen zu rütteln, mit den schärfsten Mitteln vorgehen. Der Gesamt- a u s s ch u ß schließt sich dieser Erklärung vollinhaltlich an.“
♦ Der frühere Abgeordnete der Wirtschaftspartei Arthur Petzold ist zur Zentrumsfraktion übergetreten. Abgeordneter Petzold, der auf Grund des Reichswahlvorschlages der Reichspartei des deutschen Mittelstandes, der f»genannten Wirt- schaftspartei, seit der 3. Wahlperiode 1924 dem Deutschen Reichstag angehörte, ist schon vor längerer Zeit aus der Wirtschaftspartei ausgetreten. Er hatte schon wiederholt den Wunsch gehegt, in engere Fühlung mit dem Zentrum zu kommen. Er hat aber aud^ schon immer bei wichtigen Entscheidungen auf Seiten des Zentrums gestanden. Namentlich gilt das für die Verhandlungen im Kul- turausschuß, wo er insbesondere in Fragen des Reichsschuigesetzes sich vollkommen auf den Boden des Zentrums stellte. Seinem Ersuchen, in die Zentrumsfraktion des Reichstages aufgenommen zu we »jen, ist nunmehr entsprochen worden. Arthur Petzold ist Drogeriebesitzer in Charlotlen- burg. Er wurde geboren am 12. Dezember 1872 in Dresden und ist katholischer Konfession. _