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Verlage zur Fuldaer Zerrung

NILS

3. März

Schneeglöckchen.

's war doch wie ein leises Singen In dem Garten heute nacht. Wie wenn laufe Lüste gingen: Süße Glöcklein, aufgewacht! Denn die warme Zeit wir bringen, Eh's noch jemand hat gedacht."

Ach, fie konnten's nicht erwarten, Aber weiß vom letzten Schnee War noch immer Feld und Garten, Und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten Sangesmüd« sich hinab, Und der Frühling, den sie weckten, Rauschet über ihrem Grab.

Eichendorfs.

Mutter und Hausaufgabe.

Die Zeit der Zeugnisse, des Klasienwechsels und der Uebergangsprüfungen ist da. Sorgenvolle Tage für viele Eltern! Eine schlechte Zensur, ein verlorenes Schuljahr bedeuten bei der heutigen wirtschaftlichen Not weit mehr als in stüheren Jahren. Umso dringlicher ist es da, daß die Eltern das Jahr über den Fleiß und Kenntnisstand ihres Kindes kontrollieren und rechtzeitig eingreifen, wenn sich Mängel und Lücken zeigen. Ein gutes Orten« tierungsmittcl ist die Ueberwachung der Hausaufgaben. Da der Later tagsüber meist außer dem Hause ist, wird dies in erster Linie Sache der Mutter sein. Im Fol­genden einige Hinweise für ihre Durchführung:

1. Zwischen Unterricht und Hausaufgabe ist unbe­dingt eine Erholungs- und Kräftigungspause zu legen. Bücher weg während der Mittagspause, besonders wäh­rend des Essens! Die Erholungszeit sei wie die Sern- zei (geregelt

2. Bei der ersten Hausaufgabe der ABC-Schützen be­ginne die Erziehung zu straffer Arbett. Bestimme die Zeit, die das Kind zu ihrer Erledigung brauchen darf! Achte darauf, daß es mit ganzer Aufmerksamkeit dabei ist, und daß es die Aufgabe ohne Unterbrechung in der vor­geschriebenen Zeit fertigt. Bei umfangreichen Aufgaben soll der schriftliche Teil möglichst bei Tageslicht erledigt werden.

3. Gedächtnisstoffe lernt man mit weniger Aufwand von Zeit und Kraft, wenn man sie abends gut kon-

Von dem Beruf

Die innere rechte Haltung ist Bedingung für die Einheit der FamUie, die heute so vielfach bedroht ist. Ge­rade der Mutter ist da eine große Aufgabe gegeben und ihrer Tochter, die ihr bei den mannigfaltigen Ar­beiten hilft. Es ist so fein, wenn Mutter und Tochter sich eins fühlen in ihrem Schaffen für die Familie. Haus­tochter in der eigenen Familie zu sein, ist ein ganz idealer Beruf. Oder ist nur das ein Beruf, was Geld einbringt? Manchmal sollte man es meinen, denn wir begegnen nur zu oft einem Lächeln, wenn wir uns als Haustochter be. kennen. Biele junge Mädchen, die gewiß in der Familie einen Wirkungskreis fänden, suchen im Büro oder in an­deren Werkstätten ein Arbeitsfeld. Ihren Platz zu Hause muß dann eine fremde HUfskraft einnehmen. Manches Mal decken sich die Ausgaben für die Hilfe kaum mit den Einnahmen der Tochter. Ist da nicht etwas falsch, wenn man bedenkt, wie ganz anders die eigene Tochter die Ar­beit im Hause beseelen kann?

Wie stellt sich nun die Tochter, die durch die Arbeits- tofigteit gezwungen wieder in der Hausarbeit steht, zu ihrer neuen Tätigkeit? Sie ist in ganz anderen Arbeiten ausgebildet, und es fällt ihr nun schwer, sich klein und treu in den unbeachteten Dienst der FamUie zu stellen. Gerade die Hausarbeit erfordert eine gewissenhafte Treue. Aber es gibt nichts Schöneres, als im eigenen Familienkreise schaffen!

Das Weseittlichste für die Haustochter ist, die Mutter so zu entlasten, daß sie Zett und Freude für die Ihren hat. Es sind meist nur wenige Stunden, die alle Fa­milienmitglieder vereinigen. Gerade dieses kurze Zu­sammensein muh froh und lebendig fein. .

Ich glaube, das ist in allen Familien so, daß die Mut­ter am besten kocht! Das Anrichten ist dann Sache der Haustochter, die manche Mühe der Vorbereitung belohnt sieht durch ein freudiges Aufleuchten der Augen, wenn Vater und Geschwister müde und hungrig von der Arbeit zu Tisch kommen.

Oft ist der Abend die einzige Zeit, die die ganze Fa­milie zusammenführt. Dieser Feierabend muß dann schön und lebendig gestattet sein, frei von der eigentlichen Werkarbett, der Ausspannung und Geselligkeit, der Pflege des Geistes gewidmet. Mit gemeinschaftlichem

zenttiert aufnimmt Das Unterbewußtsein verarbeitet im Schlaf das Ausgenommene. Wird die für Gedächt­nisstoffe so wichtige erste Wiederholung bald, etwa schon am anderen Morgen, angesetzt, so kann mit geringstem Krastverbrauch eine verhältnismäßig größte Gedächtnis­leistung erzielt werden. Wiederholung ist das A und 0 aller Lernarbeit.

4. Prüfe täglich die fertige Aufgabe. Schwamm schon über die erste Sudelarbeit! Verbessere nie­mals s e l b st! Du erziehst sonst das Kind zur Faul­heit, zur Täuschung des Lehrers und damit zur Lüge und schadest deinem Ansehen bei Kind und Lehrer.

5. Erkläre dem Kind Unverstandenes, zeige ihm an ähnlichen Beispielen die Lösung. Nur so nützest du ihm und lernst zugleich seine Begabung, seinen Fleiß und seine Aufmerksamkeit kennen. Laß dein Kind ab und zu mit einem tüchtigen Mitschüler unter deiner unauffäl­ligen Aufsicht arbeiten. Du kannst dann Vergleiche ziehen und weckst den Ehrgeiz und Fleiß deines Kindes.

6. Entdeckst du Lücken im Können deines Kindes, so scheue nicht den Weg zur Schultüre! Je eher du den Lehrer auf die Schwierigkeiten des Kindes aufmerksam machst, desto früher und sicherer ist beiden gedient. (Bei der derzeitigen hohen Schülerzahl stößt die Lehrperson häufig nicht sofort auf die schwachen Seiten der einzel­nen Schüler.) Fast an jedem Schulkomplex sind beson­dere Sprechstunden eingeführt, in denen die Lehrer den Eltern zur Verfügung stehen. Verheimliche den schlechten Kenntnisstand deines Kindes keinesfalls deinem Mann, sonst wird dein Verschweigen als Nachlässigkeit aufge­faßt, und du bekommst sicher am Zeugnirtag einen Teil der Schuld zugeschrieben.

7. Fleißige Arbeit verdient Lohn. Ein anerkennen­des Wort, eine Auszeichnung vor den Geschwistern gibt Freude, Selbstvertrauen und neuen Ansporn. Sei aber sparsam mit Lob, damit sich das Kind bewußt bleibt, daß Pflichterfüllung Selbstverständlichkeit ist. Mangeln- des Interesse an der Schularbeit des Kindes läßt häufig feinen Lerneifer erlahmen.

8. Dem schwachbegabten Kind komme mit Geduld und Nachsicht entgegen. Schimpfworte und Prügel, Herab­setzung vor den besser begabten Geschwistern züchten ein Minderwertigkeitsbewußtsein in ihm, daß seine Leistun­gen ohne weiteres um verschiedene Grade schlechter wer­den. Was wird in einem solchen Kinde täglich zerbro­chen! Wundere dich nicht, wenn es darum auch in der Lebensschule" sitzen bleibt!

Luzie Stüh.

der Haustochter Radiohören ist es nicht getan. Wenn ein wirklich frohes Familienleben nicht ersterben soll, müssen wir uns auf anderes besinnen. Dazu ist oft eine persönliche, liebe­volle Vorbereitung unbedingt nötig. Unsere Abende und auch Festtage wir feiern nicht nur, wenn Besuch kommt werden stets durch ein eigenes Gepräge Herz und Geist erfreuen, das etwa aus dem Schmutz von Raum und Tisch sprechen mag und dem Kleid, das wir tragen. Musikalische Unterhaltung, gemeinsames Le­sen eines Buches geben manchen Weg zum Gedanken­austausch. Es läßt sich auch fein an die Gedenktage der Familie anknüpfen.

Die Pflicht der Berufstätigen, die Familiengemein- schaft zu fördern, ist ebenso groß rote die unserige. So­lange sie noch in der Familie stehen kann, darf sie dem Familienkreis nicht ständig fernbleiben und nur draußen Entspannung und Erholung suchen.

Schönheit und Gemütlichkeit des Hauses sind auch viel in einer guten Ordnung begründet. Aeußeres Heim­schaffen und innere Heimkräfte sind unzertrennlich von­einander. Heimschaffen ist ein liebes Sorgen für die an­dern, ein tiefes Verstehen, Sieben, Mutter- und Schwe­sterlein. Und zu all dem gehört frohgemuter Sinn. Der will oft erkämpft fein, daß er nicht abhängig von einer Stimmung ist, sondern in stetem Wollen liegt. Frohsein nicht wegen, sondern trotz der Dinge und der Menschen. Freudigkeit muß nicht angeboren fein, man kann sie auch erwerben, aber sie mutz sich beständig er­neuern. Und dies müssen wir stets im täglichen Um­gang mit den Unfrigen pflegen. Wenn der Vater und die Geschwister heimkommen von der Arbeit, sich frei reden von der Maschine, von der Hast, so nimmt die Mutter alles in sich auf und versucht durch ein aus­gleichendes Wort stets das Gute der Arbeit herauszu­stellen. Cs liegt eine segnende Kraft im guten Wort.

Man kann keine bestimmten Rezepte geben, wie man die Familie Zusammenhalten und ihr Freude bringen soll, denn die Verhältnisse und Möglichkeiten sind in jeder Familie verschieden. Doch wenn man all diese Wege ein wenig überlegt und wertet, so erhält die häusliche Gemeinschaft von Eltern und Geschwistern einen neuen tiefen Sinn. Anneliese Heinrichs.

Kleine Winke für die Hausschneiderin.

Von Josephine T r o m m. Freiburg i. Br.

Biele Familien haben sich, durch die Not der Zeit gezwungen, wieder mehr wie früher der Mithilfe der Hausschneiderin bei der Herstellung neuer Kleider ver­sichert. Nun ist nicht jede Hausschneiderin gleich brauch­bar und es schadet gar nichts, wenn die Hausstau ab und zu ein Wörtlein mitreden kann, wenn ein neues Kleid für sie oder die Familienmitglieder entstehen soll. Kleider aber machen nach dem alten Sprichwort auch heute noch Leute. Und nicht alleLeute" sind gleich- mäßig gewachsen, die Schneiderin muß manchmal ganz beträchtlich nachhelfen, um vorhandene Körpermängel auszugleichen. Viele Hausschneiderinnen wissen sich nun ober gerade in diesem Falle, obwohl sie handwerklich gut ausgebildet sind, nicht zu helfen. Viele Körperfehler las­sen sich durch eine geschickte Linienführung der Kleidung verbergen. Bei überschlanken Frauen wird man z. B. Unter- und Oberkleid stärker blusenartig ausarbeiten, wie bet jenen, die von Natur aus schon mit Körperfülle reich gesegnet sind. Weiter hilft die reiche Skala der optischen Täuschung manchen körperlichen Mangel ver­decken. Ein runder Halsausschnitt, der auch geschweift sein kann, ebenso Gürtel aller Art wirken sich günstig aus, wenn Hüften und Schultern nicht gleichmäßig ge­

baut sind. Für korpulente Personen ist eine möglichst glatte Linienführung des Oberkleides anzuraten, denn jede Teilung der Linien wirkt verbreiternd, d. h. die Trägerin sieht in einem solchen Kleid noch dicker aus als sie in Wirklichkeit ist. Eine flächige Aufteilung des Oberkleides, möglichst in regelmäßigen Abständen, bringt für das Auge eine Verlängerung mit sich, die für starke Personen durchaus anzuempfehlen ist. Kleine und be­sonders zierliche Frauen werden sich mtt Vorteil querge­streifter Röcke oder auch des jetzt so modern gewordenen Volants bedienen, um breiter und gedrungener auszu­sehen. Bei einem Körperbau mit sehr starken Hüften und schmalem Oberkörper wird man sich zweckmäßiger- weise breiter Kragen, großer Revers, aufgesetzter Rü­schen usw. bedienen, um so das proportionale Mißver­hältnis auszugleichen. Sehr vorsichtig sei man aber bei der Anwendung von Bluse und Rock, die sehr sorgsam auf einander abgestimmt sein müssen, wenn nicht eine erhebliche Verzerrung der äußeren Erscheinung eintreten soll. Mit der Zett und bei genauerer Beobachtung vor dem Spiegel merkt man schon, wo es fehlt und jede Hausschneiderin wird dankbar sein, wenn man sie aus eigener Erkenntnis heraus auf solche körperlichen Be­sonderheiten Hinweisen kann, die für die Wirkung eines Kleidungsstückes sehr oft von ausschlaggebender Be­deutung sind.

,Die Muller schill, der Batet brummt

Logische Anweisungen für Lheleule.

Von Emmy Ficus.

I.

Liebe Hausfrau, schilt nicht, wenn--:

1. Dein Gatte zu spät zum Essen heimkommt. Denn: Er muß Geld verdienen und sich abrarfern. Bestimmt würde er viel lieber pünktlich sein frisch zubereitetes Mahl verspeisen, als in Eile ein aufgeroärmtes. Auch wäre ihm eine kurze Mittagspause lieber als eine lange Strafpredigt!

2. Wenn Du Deinen Haushalt ohne Hausgehilfin besorgen mußt. Denn: Die körperliche Tätigkeit erhält Dich jung, gesund und frisch und ersetzt Dir Gymnastik und Tennis. Zudem würde Dein Mann sich freuen, wenn fein Verdienst ihm erlauben würde, Dir Personal zu halten.

3. Wenn der Gatte abends Zeitung lieft ober Radio hört. Denn: Beides ist ein billiges Vergnügen, bildet den Geist und regt die Unterhaltung an. Möchtest Du Deinen Mann lieber im Wirtshaus suchen?!

4. Wenn Dein Mann Sorgen hat. Denn: Je­dermann hat jetzt Sorgen. Hilf lieber, die seinen zu tra­gen und zu teilen!

5. Wenn Du beim Einholen in den Geschäften etwas warten mutzt. Denn: Andere Leute warten ebenso ungern und wollen genau so rasch und so nötig nach Hause wie Du!

6. Wenn Du Dich täglich plagen und bücken mußt. Denn: Das Bücken fördert die schlanke Linie und erspart den Punktroller. Arbeit und Plage zeigt Dir, daß Du nützlich und unentbehrlich bist. Du hättest ja sonst keinen Lebenszweck.

Also: Du sollst überhaupt nicht schel- ten; denn Schelten und Keifen macht alt, häßlich und unzufrieden!

TT.

LieberHausherr, brummenicht, wenn:

1. Deine Gattin sich abends einmal verspätet hat und noch nicht daheim ist bet Deinem Kommen. Denn: Zuweilen sind die Geschäfte überfüllt, dann muß man warten. Oder Deine Frau hat ein Kaffeekränzchen be­sucht, das kann man ihr ja gönnen. Abwechselung braucht schließlich jeder Mensch!

2. Wenn das Essen ein einziges Mal unpünktlich er­scheint. Denn: Auch die beste Köchin kann Pech haben. Zudem ist eine Frau nicht jeden Tag gleicher­maßen leistungsfähig. Vielleicht wollte die Deine ge­rade heute Dir etwas Besonderes vorsetzen, das dauert eben länger. So lange diese Unpünktlichkeit nicht zur Regel wird, ist Dein Nörgeln überflüssig!

3. Wenn Deine Frau am Abend einmal mit Dir aus­gehen möchte. Denn: Sie ist stolz auf Dich und möchte sich mit Dir zeigen. Auch erwartet sie einmal Abwechslung und Ablenkung vom ewigen Einerlei des Haushaltes.

4. Wenn sie Dich nach Deinen Sorgen fragt. Denn : Sie liebt Dich und möchte an allem teilnehmen, was Dich betrifft.

5. Wenn fie sich hübsch und modisch kleiden will. Denn: Sie will Dir gefallen und in Deinem Herzen den ersten Platz einnehmen.

6. Wenn sie mit ihrem Wirtschaftsgeld nicht ausreicht. Denn: Entweder hältst Du sie sehr knapp, dann ist die Einteilung unmöglich. Oder sie versteht nicht zu rech- nen, dann mußt Du es sie mit Vernunft und Güte leh­ren. Ein gutes Wort hilft besser als alles Nörgeln.

7. Wenn Du eben einfach Lust zum Brummen hast. Denn: Ihr seid nun einmal ein Ehepaar und solltet

einig und glücklich fein. Versucht doch, Euer gemeinsames Leben, Streben und Wirken zur rechten Harmonie em- porzugestalten!

Also: Ihr sollt Beide so nett und fried- lich miteinander fein, daß die Erde zum Par ab ie sg är11ein werbe!

Süfee Freude.

Wieviel süße Freude schenkt uns das Kind! Denkt mal, cs gäbe kein Kinderlächeln und keine großen, gro­ßen Kinderaugen, feine sorgenwegwischenden Kinder­händchen; es gäbe fein Kindergebet, feine Kinde sein- falt, feinen herzinnigen Kindeskuß. Denkt mal, es gäbe von Anfang an nur große Leute! Ach, es ist ein Un­ding, aber denkt mal, es wäre so.

Wie wäre da die Welt arm. Frühlingslos, ohne liebliche Sternlein der Menschenhimmel. Nur die heißen Sonnen wären da. Keine Bächlein murmelten im Tal des Lebens, nur die lastbeschwerten Ströme brausten, die kleinen Maiblumen und die Maßliebchen blühten nicht im Garten der Menschheit. Die Rosen, die duften zwar schon, aber sie welken schnell .

Wenn wir das Kind nicht hätten, wenn der Mensch irgendwie gleich ganz erwachsen in die Wett käme keine Mutterseligkeit gäbe es, kein Vaterglück.

Bist du Vater, Mutter, Schwester? Erzieher und Lehrer, Wächter über ein Kinderseelchen? Schreibst du Bücher für das Kind? Tanzst und singst du mit ihm? Dann weißt du es, daß es auf Erden ein Himmelreich gibt. Engel halten taubenweiße Schwingen darüber. Und bist du von all dem nichts, einmal hat auch dir ein Kind sein Händchen gegeben, Kinderaugen haben dir ins Angesicht geschaut! Du warst so froh, daß du dich nicht schämen mußtest vor dem Kindesblick.

Du liebst bas Kinb. Deines ober irgend eines. Ge- schwisterchen sind sie alle. Also mußt du sie alle lieben. Gingst du nicht in ein brennendes Haus, wenn ein Kind darin noch jammern würde? Wenn du ein Kind mei­nen siehst, bann möchtest du. daß alle Wunderkraft dein sei, und alles möchtest bu in feine Hündchen legen und du bist gut wie eine Mutter zu ihm.

Maria Mayer, Passau.

Die praktische Hausfrau.

Prüfung bet Eier.

Am bekanntesten ist die Prüfung der Eier, ob sie alt ober frisch sind, durch Untersuchung ihrer Durchsichtigkeit, indem man die Eier gegen das Licht hält. Zahlreiche Hausfrauen geben aber derSchwimmprobe" den Vor­zug, die sie mit den Eiern vorzunehmen pflegen: Man legt die Eier in eine fünf« bis zehnprozentige wässerige Kochsalzlösung. Frische Eier sinken sofort unter, weniger frische schwimmen je nach ihrem geringeren oder höheren Alter tiefer ober höher in der Lösung, während ganz alte an der Oberfläche bleiben.

Das Jener im Ofen soll ungehalten werden!

Das Feueranmachen im Küchenherd und im Zimmer- ofen erfreut sich bei den meisten Hausfrauen keiner allzu- großen Beliebtheit. Das Aussehen der Hände wirb nämlich nicht besser davon. Auf einfache Weise läßt sich das Feuer jedoch anhalten. Man wickelt mehrere Briketts in einige Sagen Zeitungspapier, das man vor­her gut naß gemacht hat. Am anderen Morgen wirb in der Regel noch genügend Glut vorhanden sein, um mit ein paar Stückchen Holz und der entsprechenden Kohle sehr rasch ein lustig prasselndes Feuer zu entfachen. Alt sehr kalten Wintertagen hat dieses Verfahren den Vor­zug, daß die Zimmer nie völlig kalt werden.

Saftenfpeifen im 18. Jahrhundert, von Emilia Coruna.

Die Epoche des Rokoko und Barock färbte sogar auf die Gastronomie ab: In dieser Zeitfolge pflegte man die Speisen besonders kunstvoll anzurichten und zu gar­nieren. Pasteten, Aussätze und komplizierte Gerichte schmückten die Festtafel. Selbst im bürgerlichen Haus­halt stellte man erhöhte Forderungen an bas schöne Aussehen der Speisen und versuchte es, in die streng eingefallene Fastenzeit recht viel Abwechselung zu brin­gen, indem man die Fastenspeisen mit Küchenkräutern, Zitronenscheiben, Gallerten und Papierkrausen appetitlich herausputzte. Freilich vergaß man über der pikanten Zubereitung und gefälligen Aufmachung häufig den tie­feren Sinn der Mäßigkeit und Bescheidenheit fordern­den, zur Einkehr zwingenden Fastenzeit.

Als besonders beliebte Fastenspeise galt von oltersfer der Fisch in allen Abarten aus Fluß, See und Teich. 3m Haus Limpurg zu Frankfurt gab es einen Küchen­chef, den Meister Orth zu Landeck, der vordem eine wahr­hafte Berühmtheit erlangt hatte in feinen Fischrezepten. Er sott die Karpfen, Hechle und Barden blau und reichte fie mit grünem Gemüse. Senf und Fladen. Als Nach­speise gab es als beliebten Leckerbissen:

Reisbrei mit Zuckerkörnern und gebackenen Johan­nisbeeren."

Fiel eine Kindtaufe ober eine Geburtstagsfeier in die Fastenzeit, so bereitete Meister Orth einenGebratenen Salmen-Rücken" zu ober einenGansbraten ä la Bretz- heim", wozu er die Anweisungen streng geheim hielt.

Fastenküchlein, Waffeln und Osterkuchen waren da­mals schon ebenso bekannt als Fastenspeis, wie heule. Ebenso die Suppen und Tunken aus siebenerlei Küchen­kräutern, wobei aSuerampfer, Kerbel und Kresse die Hauptrolle spielten. DieGrüne Sauce" aus Früh- lingsfräutern, seingehackten Eiern, Del, Essig und Sahne hat es zu gastronomischem Weltruf gebracht. Vorzüglich bewährt hat sich auch jene alte Sitte, den Eierkuchen fein- geschnittenen Schnittlauch beizufügen, der dem Blut ftische Kraft zuführen soll.

Großen Werl legte man in derguten, alten Zett" auf reiche Ingredienzen und starke Gewürze. Das ist doppelt verwunderlich, weil doch die importierten Ge­würze außerordentlich hoch im Preise standen. Dafür waren aber Eier, Milch und Butter für wenige Kreuzer oder Batzen einzuhandeln, so daß man begreift, wie hoch

der Eierkonsum selbst in der Bürgerlichen Küche gewor­ben war.

In einem handgeschriebenen Kochbuch des 18. Jahr­hunderts finden sich einige Rezepte, die heute noch ge­lingen dürften, auch ohne die angeführte hohe Eierzahl. Sie folgen hier im Originaltext:

Öfter-JJloben (Jläble).

Man nehme V» Kilo Eyerkäß (Siebtäfe) und drückt ihn wohl aus. Dazu V. Kilo grobgestoßene Mandeln, V* Kilo kleine und große Rosinen, 1 Schoppen süßen Raum (Sahne), nach Belieben Zucker, 3 Söffet Rosen- wasser und das Gelbe von 12 Eyern. Verrühre alles wohl untereinander, schlaget das Weiße von den Eyern zu Schaum und rühret es auch dazu. Man kann auch ein Achtel Kilo Butter darunter mengen. Die Maße (Maste) streicht man auf Teich ober schüttet fie in Förm- ger (Formen), um sie bann in einer Tortenpfanne (Springform) zu baden.

Gefüllte Eyerwecken.

Zuerst werden die Eyerwecke (ein mürbes Hefegebäck) unten ausgeschnitten und die Krumen herausgeholl. Her­nach nimmt man kleine Rosinen, Zitronat, Zimt und Zucker, Zitronenschale, Mandeln, ein paar Eyer, und alles eingefüllt und in Kochbutter gebacken. Dazu die Sauuce von denen Krumen, etwas Wein und Zucker, und kochen lasten. Diese in eine Schüssel getan und die Eyer- roerfen hineingesetzl.

Reisbrei mit Mandeln, der gut ist.

Nimm ein Achtel Kilo guten Rei» und stoße ihn klein. Hernach tue ihn in eine Schüssel, stoße fast ebensoviel Zucker dazu, nimm das Gelbe von 8 Eyern und rühre es wohl untereinander. Schütte gute, süße Milch dazu, gieß es in eine Pfanne, setze es auf Kohlen und rühre so lange, bis es gar ist. Wenn es zu dick wird, gieß Milch dazu. Willst bu es recht gut haben, nimm 810 bittere Mandeln, klein gestoßen und etwas Rosenroasser und Zitronen, und tue alles darunter. Gieß ihn auf eine Schüssel und laß ihn erkalten. Streue Zucker und Zimel darauf, so ist es fertig.

Lerchenpasteten und gekochte Schnecken waren Fa­stenspeisen der damaligen Zeit, die uns heute weniger munden dürsten!