Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

Nr. 52

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild* undBuchenblätter*. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 5151 und 3152. ::

Donnerstag, 3. März 1932.

Monatlich 1.65 einjchließl. Postgebühr (48 Pfg.s ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15RM., auswärts 020 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks. Frankiurt a. M 4051.

Wb. 59.

Deutsch-italienische Verständigung.

Möglichkeiten für enge wirtschaftliche Zusammenarbeit sind gegeben. Die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen.

wtb. Rom, 2. März. (Eig. Meld.) Die zwischen der deutschen und italienischen Delegation geführ­ten Besprechungen über einige Abänderungen des bestehenden deutsch-italienischen Handels, und Schiffahrtsvertragcs vom 31. Oktober 1925 haben zum Abschluß eines Zusatzabkommens über eine Reihe konkreter Fragen geführt, das in den nächsten Tagen unterzeichnet wird. Außerdem ha­ben die beiden Delegationen während der Ver­handlungen die Handelsbeziehungen ihrer Länder einer umfassenden Nachprüfung unter­zogen. Sie sind dabei zu der Ueberzeugung'gekom- men, daß erfolgversprechende Möglichkeiten für eine enge wirtschaftliche Zusammen­arbeit zwischen Deutschland und Italien be­stehen.

Demgemäß haben die beiden Regierungen sich entschlossen, zunächst binnen kürzester Frist Be­sprechungen zwischen deutsche» und italienischen Produzenten herbeizuführen, um damit die tatsächlichen Grundlagen zu Vereinbarungen zwi­schen den gleichartigen Wirtschaftszweigen beider Länder zu schaffen. Die beiden Regierungen sind darüber einig, daß die Ergebnisse dieser Be­sprechungen einen nützlichen Ausgangs­punkt für künftige Verhandlungen zwischen den beiden Ländern bilden werden, i

.1 *

cnb. Berlin, 2. März. (Eig. Meld.) Im Laufe dieser Woche werden in Warschau auf Antrag der polnischen Regierung deutsch-polnische Besprechungen stattfinden. Wie wir von unter­richteter Seite erfahren, ist der Gegenstand dieser Besprechungen in der polnischen Presse völlig falsch dargestellt worden. Es handelt sich nicht um eine -Wiederaufnahme der Handels­vertragsverhandlungen, sondern ledig­lich um den Versuch, eine Verschärfung des deutsch-polnischen Zollkrieges zu v er-

erchlbnck?

Chamberlain ist optimistisch, i

Bei einem Essen in der Handelskammer in B irmingham erklärte der englische Schatzkanz­ler Neville Chamberlain in einer Rede, eine dauerhafte Lösung der Tributfrage würde mehr als alles andere dazu beitragen, die Besorgnis für die Zukunft er nes gro- ßen Teiles von Europa zu beseitigen. Wenn in diesem Punkt eine Regelung erreicht wer­den könnte, so würde dies den Weg zur internatio­nalen Zusammenarbeit in weiterem Umfange er­möglichen. Der Schatzkanzler bestätigte ferner, daß die Vorbereitungen zur Rückzahlung des 80 Millio­nen Pfundkredites der Regierung in vollem Gange feien.Seid hoffnungsvoll", so rief Chamberlain den Zuhörern zu,es kommen bessere Zeiten".

> * i i

Botschafter v. Hoesch hatte am Dienstag abend Ministerpräsident Tardieu erneut einen Besuch ab- gestattet, ber dem in erster Linie die zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden han­delspolitischen Fragen behandelt wurden.

And bei uns?

Anfang Juli des letzten Jahres kam es im englischen Unterhaus zu einer widerlichen Szene; mehrere Mitglieder der Unabhängigen Ar­beiterpartei mußten zwangsweise aus dem Saale entfernt werden. Große Empö­rung über das unerhörte Verhalten. Der Speaker des Hauses (entspricht dem deutschen Reichstags­präsidenten) konferierte mit Regierungsmitgliedern und Parteiführern; in der nächsten Sitzung baten die Ausgewiesenen ums Wort und leisteten dem Parlament in folgender Form feierlich Ab­bitte.

Zuerst erhob sich der Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei zu folgender Entschuldigung:Ich bitte um die Erlaubnis und Nachsicht, eine per­sönliche Erklärung abgeben zu dürfen. Ich möchte meinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß ich mich während der Verhandlungen des Hauses in meinen Gefühlen und durch die Umstände des Augenblickes zu einer Handlungsweise hinreißen ließ, die bei ruhiger Ueberlegung einfach nicht zu verteidigen ist. Ich habe das hohe Haus um Entschuldigung zu bitten, daß ich die Ordnung störte, und Sie, Herr Präsident, für die Unannehm­lichkeiten, die ich Ihnen in Ausübung Ihres Amtes als Hüter der Freiheiten des Hauses bereitete; ich habe mich ferner zu entschuldigen bei den Beam­ten. mit denen ich in Konflikt geriet, als sie ihre Pflichten erfüllten. Ich bedauere alles um so mehr, als ich Ihnen, Herr Präsident, für große Rücksicht zu Dank verpflichtet bin und ich von feiten der Beamten des Hauses nur Freundlichkeit und Höf­lichkeit erfuhr."

Dieser Erklärung Maxtons schlossen sich drei weiters Parlamentarier an. Darauf erhob sich der Ministerpräsident Macdonald. Er nahm die Ent­schuldigung entgegen, lobte insbesondere die auf­richtige Entschuldigung Maxtons und meinte, daß die Entschuldigung des einen der drei anderen voll­ständiger und' herzlicher hätte sein sollen; im übri­gen sei die Sache erledigt. Dieser Erklärung schlof­fen sich Baldwin, damals Führer dex Opposition,

hindern. Diese Verschärfung droht angesichts der Tatsache, daß Polen int Januar eine Reihe von Einfuhrverboten gegen deutsche Waren er­lassen hat und daß deutscherseits beabsichtigt ist, als Gegenmaßnahme den sogenannten Ober- tarif jür poInisch e Waren ernzusüh ren.

Pause in (Senf,

wtb. Genf. 2. März. (Eig. Meld.) Die gestrige Abreise des italienischen Außenministers und an­dere Umstände deuten darauf hin, daß der Haupt­ausschuß der Abrüstungskonferenz in dieser Woche keine Sitzung mehr ab halten wird. Diese Unterbrechung der offiziellen Konfe­renzarbeiten hängt nicht nur mit der außerordent­lichen Völkeribundsversammlung zusammen, son­dern auch mit der Frage, die in der gestrigen Sitzung des Büros von dem englischen Außenmini- stcr angeschnitten worden ist. Sir John Simon stellte in der Uebersicht Benesch eine große Lücke fest, nämlich das Fehlen des Dikussions- punktes: Au s f ü l l u n g der im K o n v e n t i ons- entwurf enthaltenen Tabellen über dieRüstungszahlen. Die Delegationen müß­ten aufgefordert werden, dem Generalsekretär die von ihnen für richtig gehaltenen Zahlen mitzutei­len, worauf Verhandlungen über diese Zahlen ein­zusetzen hätten. Das Simon damit nicht die bei je­der Gelegenheit betonte französische Auffassung über die Abrüstungskonferenz unterstützen wollte, son­dern im Gegenteil einen für öie französsische Gruppe sehr unbequemen Vorstoß machte, ergab sich aus der anschließenden Aus­sprache. Dr. Benesch erklärte, daß die Zahlen durch die Methode bestimmt würden und Paul Bon­cour vertrat gleichfalls den Standpunkt, daß die Ausfüllung der Zahlentabellen eine Frage der Methode sei. Noch deutlicher brachte der belgische Außenminister Hymans die Taktik der französischen Gruppe zum Ausdruck, in dem er erklärte, es han­dele sich um eine polt tische Frage, die in dem Hauptausschuß geklärt werden müsse. Nichtsdesto­weniger soll in der nächsten Sitzung des Hauptaus- schufses über diese Angelegenheit' unter den Dele­gierten verhandelt werden.

und Lloyd George an. Der von Macdonald sehr sanft getadelte Parlamentarier erbat schließlich noch einmal das Mort, um seine Entschuldigung noch­mals feierlichst zu wiederholen.

Die Entschuldigung wird zu einem feierlichen Akt. Abbittende, Regierung und Opposition stellen zusammen die Wurde des Hauses wieder her. Englische Parlamentssitten . , .

*

Die Engländer wissen, was sie Ser Kultur und Ehre ihres Landes und der Würde ihres Am­tes schuldig sind. Mit Scham denkt man an das, was wir in der letzten Woche im Rundfunk tongetreu" aus dem deutschen Reichstag- ren mußten.

Die japanischen Verluste.

wtb. London. 2. März. (Eig. Meldg.). Nach Meldungen, die die hiesigen japanischen amtlichen Kreise erhalten haben, belaufen sich die japanischen Verluste vor Schanghai und Wusum auf 120 Tote und 1030 Verwundete für Landkräfte und 115 Tote und 630 Verwundete für die Marine.

Japanische Flugzeuge gegen chinesische Eisenbahn.

wtb. Nanking, 2. März. (Eig. Meldg.). Wie aus chinesischer Quelle verlautet, haben japanische Flugzeuge die Bahnhöfe von Nanhsiang und Kun- schang an der Rahn Schanghai-Nanking vollstän­dig zerstört und beschießen jetzt die Brücke' bei Kunschang.

Die mandschurische Republik trat am 1. März amtlich in Kraft. Die Gründungsfeier wird am Samstag in der Hauptstadt Tschangtschun statt- finden. Dabei wird der frühere Kaiser Puji zum Präsidenten eingesetzt werden. ;

* r

Rach einer Reutermeldung aus Tokio hat dte japanische Regierung die Vorschläge Paul Bon- cours endgültig angenommen, l ;

Einführung eines Oberfarifs in Deutschland. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten über außerordentliche Zollmaßnahmen vom 18. Januar 1932 (Reichsgesetzblatt 1, S. 27) sowie auf Grund des § 9 des Zolltarifgesetzes vom 25. Dezember 1902 (Reichsge­setzblatt S. 303) in Verbindung mit Art. 179, Abs. 2, der Reichsverfassung hat die Reichsregierung die Einführung eines Obertarifes beschlossen. Der Obertarif gilt für Waren, dieausLändern st ammen, mit denen das Deutsche Reich nicht in einem handels­vertraglichen Verhältnis steht oder welche die deutschen Waren ungünstiger behandeln als die Waren eines dritten Landes. Die Länder, auf deren Bo­den- und Gcwerbeerzeugnisse der Obertaris anzuwenden ist, werden durch besondere Verordnung bestimmt.

* Todessturz eines Bankiers. Der Inhaber 5er Bankkommandite Max Späth u. Co., ber Bank Max Löwenstein, stürzte in Nürnberg vom Balkon seiner im dritten Stock gelegenen Woh­nung in den' Hof hinab. _ Dabei zog er sich so schwere Verletzungen zu, daß er am Dienstagfrühü verschied. Ob Unfall ober Selbstmorb vor- liegt, muß die Untersuchung erst noch ergeben. __

Krieg im Dunkeln.

In ber links-bürgerlichenRassischen Leitung" lesen mir:

Wie neben der kein Geld und keine Skrupel scheuenden öffentlichen Agitation insgeheim gegen Hindenburg gearbeitet wird, zeigt eine Mitteilung, zu der sich die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburg-Aus­schüsse gezwungen gesehen, hat:

Durch eine böswillige, aber geschickt geführte Mund­propaganda wird, wie aus allen Teilen des Reiches be­richtet wird, die Behauptung verbreitet, daß der Oberst von Hindenburg und der Staatssekretär Meiß­ner Mitglieder der sozialdemokratischen Partei seien, und daß die Kinder des Obersten von Hindenburg in einerG o ttlo se n- Schul e" erzogen würden. Die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburg-Aus­schüsse stellt fest, daß diese Nachrichten sämtlich erlogen sind."

Von anderer Seile wird mitgeteilt, daß in ähnlicher Weise auch der konfessionelle Hader geschürt wird. Man wirft Hindenburg vor, daß er einen katholi­schen Kanzler stütz» und spricht von geheim­nisvollen Hinteraründen dieser Zuiammena''b-it. Diese Propaganda ist um so verwerflicher, als Hitler ebenso wie seine wichtigsten Mitarbeiter, vor allem der Propagandachef der Partei, Dr: Josef Goebbels, s e l b st K a th o liken sind. Zum Glück fehst es auch nicht an erfreulichen Gegenbeispielen. So jagen die katholischen Windthorstbünde in einem Aufruf, die letzten Ouellkräfte von Hindenburgs staatsmännischem Handeln fließen aus seinem Gottesglauben. Ein solches Bekennt­nis zu einem bewußten Protestanten ehrt seine Urheber ebenso wie den Reichspräsidenten."

*

In Leipzig hot ber Gauführer des dortigen Stahlhelm, Dr. Pache, in einer Rede folgendes er­klärt:

Wir wissen, daß Hitler, wenn er zum Reichspräsi­denten gewählt worden ist, die Eingliederung des Stahl­helms in feine S. A. verlangen wird. Wenn wir dies ablehnen, würde Hitler

den Stahlhelm auflösenl* *

Entsetzt ist dienationale" Presse, daß Hitler mit ber Auslandspreise über seine Kandidatur Un­terredungen geführt hat. Die konfervativeKreuz­zeitung" erklärt rund hreaus:W i r brauchen keine Hilfsstellung des Auslandes!" Der neue Empfang der Auslandspresse durch Herrn Hitler", so sagt das Blatt,war nach seinem ganzen Inhalt mit den Grundsätzen des Nationa­lismus nicht wohl vereinbar." Der Pressechef des Stahlhelm äußert sich in einem Brief, den er an die ausländischen Pressevertreter gerichtet hat, um ihnen zu begründen, warum der Stahlhelm selbst auf derartige Presseempfänge verzichten müsse, in. gleichem Sinne, indem er fest­stellt:Herr Oberstleutnant Düsterberg lehnt es gründ süßlich- ab, in einer inn e r- politischen Streitfrage, die allein das deutsche Volk in sichauszutragen hat, an das Ausland zuappellieren, oder auch nur den Schein zu erwecken, als ob ein solcher Ap­pell beabsichtigt sei."

*

Die Deutschnationale Pressestelle teilt mit: In einer nationalsozialistischen Versammlung, die am Montag in Holzminden stattfand, gab der nationalsozialistische Gaupropaganda- leiter Gutterer-Hannovcr eine, wie er behauptete, parteioffiziöse Erklärung ab, in der er sagte, zwi­schen Dr. H » ge n b e r g und Reichskanzler D r. Brüning habe vor einigen Tagen eine Bespre­chung stattgefunden, in der Hugenberg sich ver­pflichtet habe, im zweiten Wahlgang seine Anhön- aer zur Wahl Hindenburgs aufzufordern unter der Bedingung, daß Brüning zurücktrete, Groener Reichskanzler und Düsterberg Reichswehrminister werde. Es fei daher zu erwarten, daß Deutsch- nationale und Stahlhelm im zweiten Wahlgang für Hindenburg gegen Hit. l e r stimmen würden. Diese Behauptung, so heißt es weiter in ber Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle, bon ber wir nicht annehmen können, daß sie im Auftrage einer verantwortlichen Stelle ber NSDAP, aufgestellt ist, stellt sich als eine u n- gewöhnlich dreiste Wahllüge dar. Eine Besprechung zwischen Hugenberg und Brüning hat überhaupt nicht stattgefunden. Abmachungen in bezug auf den zweiten Wahlgang sind nach keiner Richtung hin getroffen worden.

*

Es darf gar keinen zweikenWahl. gang geben. Im ersten Wahlgang muß Hin­denburg siegen. Die politische Vernunft und das menschliche Gefühl der Dankbarkeit für einen gro­ßen Mann müssen diesen Erfolg herbeiführen und damit alle Partei- Taktiker und ihre spitzfindi­gen Pläne erledigen.

Goekhefelern in Amerika.

Der deutsche Botschafter in Washington, Dr. von P r i 11 w i tz und G a f f r o n vereinigte bei einem Frühstück die Professoren der deutschen Abteilung aller amerikanischen Unioerssiäten, vor denen Professor Kühnemann aus Breslau vor­der einen Goethevortraq gehalten hatte . Am 8. März hält dis George Washington-Universität eine größere Goethefeier ab, bei der unter Anwesenheit von Mitgliedern des Kabinetts Gerhart Haupt­mann die Festrede halten wird.

Eine Rede Hauptmanns auf der Goethefeier der Columbia-Universität.

In eine reinftünbigen durch Rundfunk verbrei­teten Festrede sprach Gerhart Hauptmann bei der Goethefeier der Columbia-Universität in Nem- yorck über Goethe. Am Schluß der Feier, die in dem überfüllten Mc. Millin-Theater veranstaltet wurde, würdigte Präsident Butler die Bedeutung Hauptmanns, den er als den Meister der heutigen dramatischen Kunst bezeichnete,.

Worte statt Brot

Die Reichsleitung der NSDAP, hat ei­nen Aufruf zur Reichspräsidentenwahl erlassen, in dem das deutsche Volk nach scharfer Kritik ber Po­litik der letzten 13 Jahre aufgefordert wird, am 13. März Gericht zu halten mit dem ganzen System, das für die Politik verantwortlich sei. Es heißt in dem Ausruf bann wörtlich:

Am 13. März, dem Tage, an dem vor zwei Jahren Hindenburg seinen Namen unter die von diesem System angenommenen Aounggesetze schreibt, die Not, Hunger, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in das deutsche Volk gebracht haben, (hier handelt es sich um den be­kannten Zweckpessimismus, der mit dem täglich zu beobachtenden Tatsachen in schroffem Widerspruch steht), greift das seine Lebensrechte anmeldende junge Deutsch­land, verkörpert in feinem Führer Adolf Hitler, nach der Macht im Staate (danach greift Hitler schon lange) und wird die alten, zu neuem Leben untauglichen Partei­gebilde hinwegfegen. (Abwarten). Der Führer unse­rer nationalsozialistischen Freiheitsbewegung, die fein Werk ist, der 12 Jahre lang mit ihr um die Seele seines Volkes für Deutschland gerungen hat, fordert heute im Namen dieses Volkes das System in die Schranken. Wir wissen, daß das Volk, für das er kämpft, in die­ser Stunde zu ihm steht, um mit ihm für die deutsche Nation zu kämpfen und zu siegen. Die nationalsoziali- sche Bewegung in dieser Stunde als Sturmkolonne um ihren Führer geschart ruft heute das ganze deut­sche Volk auf, mit ihr anzutreten, um Adolf Hitler den Weg zu bahnen an die Spitze der Nation und damit zur' Führung Deutschlands in' die Freiheit. Hitler, das ist die Parole aller, die an Deutschlands Wiederaufer­stehung glauben. Hitler ist (wir denken an das Lärmen feiner Anhänger im Reichstag, den uns der Rundfunk kürzlich hören ließ) die letzte Hoffnung derer, denen man alles nahm, Haus und Hof, Ersparnisse, Existenz, Ar­beitskraft, und denen nur eines blieb, der Glaube an ein gerechtes Deutschland, das seinen Volksgenossen wie­der Ehre, Freiheit und Brot geben wird. Hitler ist für Millionen das erlösende Wort, weil sie heute verzwei­feln und nur in diesem Namen einen Weg sehen zu neuem Leben und neuem Schaffen. (Dieser Glaube steht wahrhaftig auf schwachen Füßen.) Hitler erfüllt das Vermächtnis der 2 Millionen toten Kameraden des Weltkrieges, die nicht starben für das heutige System der langsamen Vernichtung unseres Volkes, sondern für Deutschlands Zukunft. Hitler ist der seinen Feinden verhaßte Mann aus dem Volk, weil er das Volk ver­steht und für das Volk kämpft. (Verhaßt? Warum? Niemand haßt den neuernannten Regierungsrat Hitler, Aber ob er wirklich unser Volk versteht? Das ist doch noch sehr die Frage. Jedenfalls hat er kein Mono« p o l für dieses Verständnis.) Hitler, das ist der stür­mische Wille der deutschen Jugend, die inmitten eines müden Geschlechtes nach neuer Gestaltung ringt und den Glauben an eine bessere deutsche Zukunft nicht auf* geben will und kann. Und darum ist Hitler baS lodernde Fanal und. die Parole aller, die eine! deutsche Zukunft wollen. Wir aste werden am 13. März den Männern des Systems, die ihnen Freiheit und Würde versprochen, aber Steine und Phrässen statt Brot gaben (umgekehrt wird' ein Schuh daraus), zuru­fen: Euch kennen wir zur Genüge, jetzt sollt ihr uns kennen lernen! Hitler wird siegen, weil das Volk feinen Sieg will! "

Das fiegesqemiffe Dokument beschwört die Er­innerung an den 8., November des Jahres 1 9 2 3 herauf. In München hatte Hitler damals mit Ludenborff bie Vorbereitungen für die Diktatur getroffen. Man wußte in Norddeutschland, was in Süddeutschland vorging. Die beutschnationalerk Zeitungen hatten Nachtdienst eingerichtet, um bett Sieg der völksschen Bewegung und den.Bormarsch nach Berlin zu melden. Aber es kam anders. Hitler erklärt am Abend des 8. November vor den im Bürgerbräu zu München Versammeltem nachdem er sich durch einen Revolverschuß Ruhe verschafft hat:

Heute vor fünf Jahren hat die größte Schandtat begonnen, die unser Volk in maßloses Elend stürzte. Heute, nach fünf Jahren, muß der Tag sein, da sich die Geschichte wenden wird. Ich schlage folgendes vor: Das Kabinett K n i l l i n g ist abgesetzt. Die bayerische Regierung wird gebildet aus dem Landesverweser und einem mit diktatorischen Vollmachten ausgeftatteten Mi­nisterpräsidenten. Ich schlage vor als Landesverweser Exzellenz von Kahr. Ich schlage weiter vor als Minis fterpräfibenten Pöhner. Die Regierung der Novem­berverbrecher in Berlin wird für abgesetzt erklärt, ebenso Ebert. Die deutsche nationale Reichsregierung wird in Bayern, hier in München, gebildet. Es wird weiter gebildet sofort eine deutsche nationale Armee. Ich schlage vor, daß bis zur Niederwerfung der Verträge, die heute Deutschland zugrunde richten, die Leitung der Politik dieser provisorischen nationalen Regierung ich übernehme. Exzellenz Ludendorff übernimmt die Leitung der deutschen nationalen Armee. General von Lossow wird deutscher Reichswehrminister. Die Auf­gabe der provisorischen deutschen nationalen Regierung ist, die ganze Kraft für das Land und für das Reich ein­zusetzen und den Marsch anzutreten gegen das Sün­denbabel Berlin. Der morgige Tag findet ent-, weder in Deutschland eine nationale Re- gierung oder uns tot. Es gibt nur eins von beiden "

Generalstaatskommissar o. Kahr, General v. Lossow unb Oberst v. Seißer lehnen durch einen Funkspruch den Hitler-Putsch ab. Die mit Waf­fengewalt erpreßte Stellungnahme im Bürgerbän erklären sie für ungültig. Die gesamte Reichs­wehr in Bayern ist fest in ber Hand des Generals v. Lossow. Die bayerifche Regierung läßt durch dis Landsspolizei an der Feldherrnhalle die Aufrührer zersprengen und ist in kurzem wieder vollständig Herr der Lage. General Ludendorff ist festgenom­men, während Hitler sich durch Flucht im Auto­mobil der Verhaftung entzogen hat. Die Worte, die heute in dem Aufruf zur Reichspräsidentenwahl aus München ertönen, rufen gar sehr die Erinne­rung an die Bürgerbräu-Keller-Komödie vom No­vember 1923 wach. i

* USA Repräsentantenhaus muß erstmalig über Prohibition abstimmen. Im Repräsentantenhaus in Washington brachten dienassen" Abgeord­neten, die für einen Antrag auf namentliche Ab« stimmung über die Prohibitwnsfrage erforderlichen! 145 Unterschriften zusammen. Damit sind oie Ausschüsse ausgeschaltet, die fest An­nahme des Prohibitionsgesetzes alle Abstimmungs­anträge über dieje Frage ständig verwarfen, i. ,_j