2. März.
Verlage zur Fuldaer Zeitung
NILS
Der Bann ist gebrochen.
Ich fürchte mich nicht mehr!
Es war einmal in langen, langen Tagen,
Da schlich um all mein Gehn und Stehn ein banges Zagen,
Mir war ein Licht gegeben, es in alle Welt zu tragen, Ich ober borg voll Aengften leinen Schein Und schloß ihn tief in meine Seele ein — Ich fürchtete mich sehr!
Ec war das Licht!
Er war in meine Finsternis gekommen Wohl hatte ich es bei mir ausgenommen, Allein, ich war wie viele von den stillen Frommen, Ich barg in Aengsten seinen Strahlenschein Und schloß ihn tief in meine Seele ein — Ich strahlte nicht!
Dann brach der Bann!
Mit einem Male ist aus all der Herzensnacht Die Gottesstimme selber in mir ausgewacht Und hat das stille Licht in mir zum Feuer angefacht. Was will ich anderes, als daß fein Strahlenschein Aus mir soll allen Menschen eine Leuchte sein.
Karl Barthels in der „Wacht".
Die junge Volksfront.
Wir müssen unabhängig gegen rechts und links sein und den Block der Witte bilden.
In keinem Volk sind die Spannungen so groß wie in unserem; nirgends werden die Gegensätze so bis in die letzten Konsequenzen verfolgt, wie in Deutschland. Unser Vaterland lag deshalb immer im Brennpunkt der weltanschaulichen Kämpfe. Jahrhundertelang haben sich die Deutschen gegenseitig zerfleischt und sind wegen ihrer Uneinigkeit ohnmächtig gewesen, während andere weihe Völker sich die Welt eroberten. Die überschüssige deutsche Volkskraft war dann gut genug, den ,Fulturdünger" in den Kolonialländern obzugeben und mit Blut und Schweiß Neuland für fremde Staaten zu schaffen. Bismarck gelang es, die widerstrebenden kleinen deutschen Fürstenstaaten zu einem Reich zusammenzuschmieden und die deutsche Kraft zu sammeln. Der darauf «in- setzende Aufstieg war ungeheuer; die Entwicklung überstürzte sich. Leider waren diejenigen, die nach Bismarck die Leitung im Reiche übernahmen, ihrer schweren Aufgabe nicht gewachsen. Der Weltkrieg brachte einen jähen Zusammenbruch. Das deutsche Volk, das sich so rasch über die anderen erhoben hatte, wurde durch die lieber* macht niedergezwungen und zur Tributsklaverei verurteilt. Stott daß aber das deutsche Volk sich in seiner Not fest zusammenschließt und jeder die Verpflichtung fühlt, mitzuhelfen am Befreiungswerk, hat die d e u t s che Zwietracht wieder in Deutschland ihr Haupt erhoben. Je großer die Not wird, je stärker sich die Folgen des verlorenen Krieges — nach einer Zeit der Scheinblüte — bemerkbar machen, desto schärfer wird der innerpolitische Kampf, desto drohender marschieren „Fronten" gegeneinander auf, desto zügelloser wird der Haß gegen Volksgenossen. Das Traurigste ist, daß gerade diejenigen, die das „Nationale" besonders betonen, die Gegensätze immer noch vertiefen, statt um des gemeinsamen Vaterlandes willen Brücken zu bauen, so wie es der greife Reichspräsident von Hindenburg immer wieder versucht hat. Sie haben zuerst die „Harz- durger Front" gebildet, sie haben von der „Nacht der langen Messer", vom „Köpse-Rollen", von der beabsichtigten „Belebung der Hanfindustrie", von der Abrechnung, „auch auf die Gefahr hin, daß Zehntausende dabei auf der Strecke blieben", geredet und geprahlt. Sie haben so lange gedroht, bis diejenigen, mit denen blutig abgerechnet werden sollte, sich auch zu einer Front zusammenschlossen. Die dauernde Mordhetze hat es dahin gebracht, daß sich heute Millionen Volksgenofien schlagbereit gegenüber stehen. Täglich geschehen politische Morde, täglich zertrümmern Deutsche gegenseitig an ihren Schädeln Bierkrüge und Stühle.
Wo soll das enden, wenn stch nicht Menschen finden, die todesmutig und voll heiliger Liebe zu ihrem Vaterland zwischen die Streitenden springen und sie auf das Verderbliche ihres Tuns Hinweisen? Das soll unsere Aufgabe sein. Wir jungen Katholiken müssen ohne Rücksicht auf unsere eigene Person dafür kämpfen, daß die Erkenntnis wächst: Rettung kommt nicht von einem „System", kommt nicht durch die „Harzburger" oder die „Eiserne Front", nicht durch
Die Edelsteine.
Ein Märchen*).
Einst fanden Kinder beim Spiel etliche Steine, die ihnen durch Form und Farbe auffielen und ihr Gefallen erregten. Aeußerlich wohl rauh und unrein, hatten sie eine hübsche, regelmäßige Gestalt, und in der Sonne schossen aus kleinen Ritzen ihrer Oberfläche oft Strahlen in herrlichen Farben hervor. Den Kindern gefiel das Spiel mit dem Fund; nur hielten sie alles geheim, um nicht verlacht und verspottet zu werden ob der Nichtigkeit des Gegenstandes.
Lange erfreuten sie sich so insgeheim. Nur allmählich blieb das eine oder das andere Kind weg und wollte nicht mehr kommen, weil das Spiel mit den Steinen ihm langweilig geworden war. Nach unir nach wurde die Zahl derer, die roegblieben, größer. — Eines Tages überraschte der alte Schulmeister das Häuflein der noch übrigen und schalt sie wegen ihres kindischen Spieles. Ec war kurzsichtig, der Schulmeister, und sah nur Erdbrocken und Schmutz, aber nichts von Form und Glanz. Die Kinder aber schämten sich und ihrer Beschämung warfen sie die Steine weg und liefen heim, um sich andere Beschäftigung zu fachen. Nur zwei behielten ihr Eigentum. Der eine mochte vom kindischen Spiel nicht lassen; er nahm die Steine nach Hause, kollerte sie hin und wider, hielt sie wohl auch in die Sonne unö war nur ärgerlich, daß er keine Gespielen fand und allein bleiben mußte; allmählich vergaß aber auch er die Steine; sie kamen nach und nach unter den Kehricht und verschwanden.
Was aber tat der andere?
Auch er nahm die Steine nach Hause. Zum Spiele gebraiufjte er sie nicht mehr; aber er verwahrte sie sorgfältig und nur selten, im geheimen beobachtete er ihr Glitzern und Leuchten. Ihm war, als steckte hinter der
*) Entnommen der Zeitschrift „Neue Jugend" Tyro- lia-Wien.
Hakenkreuz oder Sowjetstern, sondern nur dann, wenn die Besten des Volkes sich um wirkliche.Führer scharen, die ihnen in selbstloser Opfergesinnung voran- gchen. Weil wir um unsere Ausgabe wissen, kann uns keine Schmähung hindern, unseren Weg zu gehen und mitten in der Verwirrung junge Menschen zu sammeln, die getragen sind von dem Gefühl ihrer Verantwortung ihrem Herrgott und ihrem Volke gegenüber. Und wir wissen auch, daß überall die noch gesunden Kräfte am Werke sind, wir fpüren, daß die junge Volksfront erstarkt, obwohl heute noch Leute wie ein gewisser Goebbels das große Wort führen. Wir werden Männern von der Art eines Brüning und Hindenburg den Weg frei machen zum deutschen Volk. Wir werden die Hetzer entlarven, damit jeder echt von unecht unterscheiden kann. Am 13. März treten wir deshalb für die Wiederwahl Hindenburgs ein, weil sie die Gewähr bietet, daß es gelingt, in steter Kleinarbeit die nationalen Kräfte zum Aufbau zu sammeln und einen blutigen Kampf zwischen Deutschen zu verhindern. T
Von Hitler zu Thälmann.
Die Früchte der radikaleu Hetze.
Einen neuen Beweis dafür, daß vom Nationalsozialismus bis zum Kommunismus kein weiter Schritt ist, liefert die Stellungnahme der radikalen Jungnationalisten (denen Hitler längst nicht mehr revolutionär genug ist) zur Reichspräsidentenwahl. In der soeben erscheinenden Nummer der „S o- zialistischen Nation", der Zeitschrift der „Sozialrevolutionären Nationalisten" und des „National- bolschewistischen Ringes" sowie ähnlicher Kreise, wird ganz eindeutig für den Kommunisten Thälmann als „dem Kandidaten der Revolution" Partei ergriffen. Die Begründung dieser Stellungnahme ist interessant genug, um als Zeichen bet' Stimmung dieser nationalistischen Jugend hier auszugsweise wiedergegeben zu werden:
„. . . Unsere Stimme gehört dem Kandidaten, der im stärksten Gegensatz steht zur Erfüllungspolitik, der nicht gewillt ist, den revolutionären Kampf zu liqui- bteren, der Zählkandidatur des Sozialismus. ... Es ist natürlich nicht möglich, der nationalso- zialistifchen Kandidatur unsere Stimme
Wir wählen
3m Zeichen größter Rot unsere» Vaterlande, sind wir zur Wahl des deutschen Reichspräsidenten gerufen. An engstirnigem Parteiegoismur scheiterte de» Kanzler» Versuch, dem Volke den Wahlkampf zu ersparen.
3n dem wilden Taumel der letzten Monate war uns Reichspräsident von Hindenburg der Fels nationaler Sicherheit und Festigkeit, auf den wir mit Vertrauen und Zuversicht schauten. Der Reich»präsident hat sich bereit erklärt, die schwere Bürd« seines Amtes noch einmal aus sich zu nehmen. Durch feine Wahl wird uns der weg ans deutscher Rot zu einer besseren Zukunft gewiesen.
Wir sind feind dem Radikalismus der Rechten und der Linken, jenen, die glauben, im Zeichen des Sowjetsternes oder des Hakenkreuzes Deutschlands Schicksal zu gestalten.
Wir wenden uns gegen jene, die im Parteiegoismus verstrickt, im haß gegen die deutsche Republik die nationale Einheit und Geschlossenheit stören. Mit Hindenburg verbindet uns der Glaube an die deutsche Selbstbehauptung und an die Feiheit der Ration.
Wir wählen Hindenburg als den Häter der Verfass u n g. Der Kampf gegen ihn ist ein Kamps gegen die demokratische Verfassung geworden, in der wir die Grundlagen und die Voraussetzungen für den Aufbau eines wahrhaft nationalen und sozialen Staates sehen.
Wir wählen mit Hindenburg den christlichen Staatsmann. Die letzten Quellkräfte seines staatsmännischen Handels fließen aus seinem Gottesglauben.
rauben Oberfläche ein Geheimnis, ihm noch unbekannt, aber einmal müßte er's ergründen; als müßte einmal helles, heilsames Feuer herrlich aus der unscheinbaren Hülle hervorgehen und die wenigen Strahlen, die da und dort ans Licht der Sonne sprangen, waren ihm Zeugen einer inneren strotzenden Kraft. So hielt er die Steine wert und wartete — jahrelang.
Da kam einst ein alter Mann in den Ort. Er führte Gerätschaft mit sich, nahm Wohnung und schien längere Zeit bleiben zu wollen. Der Bursche sollte in feine Dienste treten als Führer und Wegweiser. Denn der Alte sagte, er wolle im Gebirge nach seltenen Steinen suchen. Es geschah alles, wie es vereinbart worden war: zu zweit wanderten sie in die Berge, der Junge wies Weg und Steg, der Akte suchte in Höhlen und Löchern, an den Rändern der Bäche, unter Schutt und Geröll. Daneben unterwies er feinen Begleiter in vielem, was diesem unbekannt war und sie gewannen einander lieb, wie Later und Sohn.
Unter den Funden des Alten waren oft Steine, ähnlich unscheinbar, wie diejenigen, die der Junge daheim verwahrte und doch zeigte er jedesmal große Freude, wenn er solche entdeckte. Da faßte sich einmal der Junge ein Herz und erzählte von seinem Besitz daheim und feiner heimlichen Hoffnung. Der Alte versprach zu prüfen. Al» sie wieder nach Hause kamen, gedachte er seines Versprechens und ließ den Jungen seinen Schatz holen. Als er die Steine sah, schwieg er still und winkte feinem jungen Freund mit ernster Miene, ihm zu folgen. Sie traten in den Arbeitsraum des Alten. Dort nahm er die Steine vor und schliff sie rein von allem Makel und jeder Unebenheit. Und der Junge staunte über den Glanz, der aus ihrem Inneren hervorbrach in blendender Klarheit, und als ein Sonnenstrahl durch eine Lücke der geschloffenen Läden schlüpfte und die Steine traf, da ward die Kammer wie in herrliche Farben getaucht, die sich mengten: grün, blau und rot.
Es waren drei Steine.
Der Alte übergab sie wieder dem Burschen und sprach: „Bewahre sie gut! Es ist nicht allein ihr Glanz,
zu geben, der Partei, die den Sozialismus als Mittel zum Zweck benutzt und mit Hugenberg liebäugelt, die „Revolution mit legalen Mitteln" predigt und Ministersessel meint, die von Gnaden bürgerlich-kapitalistischer Koalitionsgenossen von Roms Gnaden regiert und fernerhin zu regieren gewillt ist. Mit dem Faschismus kann es nur Kampf geben. Er verhindert die Nationwerdung.
Es bleibt der Kandidat der KPD., der sich zum Anwalt des Proletariats macht, der den Willen zur revolutionären Umgestaltung besitzt. Unsere Stimm- entfcheidung ist nicht in erster Linie abhängig von der Richtigkeit der von einer Partei vertretenen politischen Idee, sondern von der Situation, in der wir uns befinden, nicht von gefühlsmäßigen Erwägungen, sondern von der nüchternen Erkenntnis der Sachlage. Wir wählen nicht, um Machtpositionen zu erobern", sondern um zu protestieren, — gegen Weimar, Versailles und Aoung. Deshalb werden wir Thälmann wählen."
In diesem Dokument spiegelt sich die trostlose Lage der Jugend wieder, die infolge des verlorenen Kr ieges vor einem Leben steht, das wenig Hoffnungen bietet. Statt dieser Jugend, die in Gefahr steht, zu verzweifeln, einen Halt zu geben und sie zum Kamps mit dem Schicksal zu stählen, hat man sie verhetzt, hat ihnen Illusionen gemacht und sie radikalisiert, um sie für bestimmte Parteizwecke einzufpannen. Heute erkennt man, welches Verbrechen besonders die Nationalsozialisten an der deutschen Jugend begangen haben. Sie nennen sich selbst eine „Deutsche Erneuerungsbewegung". Sie haben aber nicht die Deutschen zur Besinnung geführt, sondern den Idealismus der Jugend mißbraucht und ihr in ihrer Not statt Brot Steine gegeben. Wenn diese radikalisierte nationalistische Jugend, so wie diejenigen, die den angeführten Aufruf veröffentlicht haben, die innere Hohlheit ihrer sog. „Führer" erkannt haben, bann werden Massen zu den Radikalen auf der Linken abwandern. Wir hoffen aber, daß die besten sich bald wieder zurechtfinden und erkennen, daß Deutschland» Zukunst, nicht gesichert ist, wenn Leute wie Hitler, Goebbels ober Thälmann die Gewalt haben, sondern daß die Jugend nur Männern folgen darf, die, wie Hindenburg und Brüning, gezeigt haben, daß sie Fiihrergualitäien haben und bereit sind, das letzte für ihr Vaterland hinzugeben.
Hindenburg!
Wir wählen Hindenburg al» den Träger deutschen Freihrilswillen» und deutscher Geltung in der Welt.
Freunde, Kameradeu? Wir glauben an Deutschland! Sein Schicksal hängt uon uns ab. Da» ist uns heilige Aeberzeugung. Wir wählen den Führer der deutschen Ration. Wir wählen Hindenburg!
‘ Vertin, den 1. März 1932.
Der Reichsführerring der Deutschen Dindlhorftbünde.
Dr. Heinrich Krone, M. d. R., Berlin. Dr. Rudolf Reuter, Köln, Stubienrat Ellbracht, Hamm. Dr. Rudolf Jokiel, Beuthen. Erwin Nisfka, Berlin. Gewerbelehrer Schmerbeck, Karlsruhe. Dr. Singer. Erich Thiel, Königsberg. Karoline Gilles, Hagen. Walter Jansen, Köln. Joseph Joos, M. d. R., Köln. Bernhard Letterhaus, M. d. L., Köln. Dr. Else Peerenboom, M. d. R., Düsseldorf. Ministerialrat Helene Weber, M. d. R., Berlin. Helene Wessel, M. d. L., Dortmund. Lehrer Brockmann, M. d. L., Rinkerode i. W. Paul Fischer, Ludwigshafen. Lehrer Gahr, Mainz. Johanne» Groß, M. d. 3t., Stuttgart. Rudolf Heisig, Breslau. Dr. Rudolf Karisch, Freiberg Sachfen. Helmut Kleinort, Berlin. Dr. Meder, Münster i. Ts. Johannes Wellenbrock, Osnabrück. Alois
Derowski.
Der Reichsjugendausschuß der Deutschen Zentrumspartei. August Winkler, M. d. R., Köln. Jacob Dams, Essen. Dr. Deermann, Köln. Heinz Fiedler, Naumburg. David Gathen, Düsseldorf. Ferdinand Göbel, Köln. Dr. Hensel, Düsseldorf. Else Heuser, Köln. Dr. Holzamer, Bonn. Maria May, Krefeld. Han» Puhl, Bad Godesberg. Dr. Roesch, Köln. Gustel Schröder, Brühl bei Köln. Heinrich Sfanienba, Breslau. Hubert Strauf, Essen. Georg Vogel, Berlin. Anna Vogt, Bendorf, Rh. Albert Voß, Berlin. Elisabeth Widdig, Köln. Rechtsanwalt Wiener, Berlin. Walter Wolbring, Essen.
der sie wertvoll macht. Warte dis zur rechten Stunde; dann gib ihnen die Freiheit, ihre Kraft zu üben und sei nicht geizig, sondern sei Schatzhüter des Herrn in Demut und Liebe." — Der Jüngling dankte. —
Der Alte lehrte ihn noch. Geschmeide zu fertigen, Steine in Gold zu fassen und schöne Gerätschaft zu schaffen, und als er mit den Werken feines Schülers zufrieden war, nahm er eines Tages Abschied und zog wieder fort. i
Der junge Mann übte die gelernte Kunst und genoß bald weit und breit einen guten Ruf ob seiner Fertigkeit. Seine drei Steine aber hielt er verwahrt.
Da lernte er übers Jahr ein Mädchen kennen. Er näherte sich ihm und fand es lieb und treu. Und als er es fragte, ob es sein Weib fein wolle und es sein Jawort gab, dünkte es ihm die rechte Stunde und er wählte unter den drei Steinen; es schien ihm aber der grüne der rechte zu sein, der einen Schein gab, wie Wiesen im Mai. Und siehe, zur Rächt im Traume erschien ihm der Alte, lächelte und nickte. Da faßte er am an dem Morgen den Stein in helles, reines Gold und gab ihn an einer Kette dem Mädchen zum Unterpfand seiner Liebe und Treue. Und es war gut, was er tat; denn ihre Ehe ward glücklich und gesegnet.
Es kam trübe Zeit über das Land. Die Ordnung schwand, Heuchler und Unredliche erhoben das Haupt, Feinde standen aus und zogen heran. Des Königs Krone ober sprang mitten entzwei und alles erschrak über das böse Zeichen und fürchtete das Kommende.
Da deuchte es abermals den Mann, die rechte Stunde zu fein und in der Tat erschien ihm wieder des Nachts der Alte und nickte mit ernster, fester Miene Gewährung. Da bildete er eine Krone aus Gold und nahm ein Schwert. Den blauen Stein aber setzte er vorn in die Krone, der leuchtete kalt und klar wie ein Bergfee. So wanderte er zu feinem König, bot ihm die Krone und sich selbst zusamt dem Schwert. Der nahm chn und feine Gabe freudig an und es kamen andere, die aufrechten, opferbereiten Sinnes waren, und sie traten zusammen zu einer Schar um ihren König; 'sie standen im Licht des
Solche Soldaten brauchen wir.
In der bekannten Wochenschrift „Das Neue Reich" schreibt Alois Ott: #
Ich verweilte im vergangenen August als Gast im Benedikttnerkolleg zu Salzburg. In seiner gotischen Halle, die als Pforte diente, hängt der berühmte überlebensgroße, holzgeschnitzte „Ehristus von Adlwarth", eine Meifterarbeit von überwältigender Leidensschau. Diesen Heiland besuchen fast alle Durchreisenden, er zählt zu den Salzburger Sehenswürdigkeiten. Das geht da aus und ein wie im Vorraum eines vielbesuchten Hotels, mit und ohne Verständnis, mit und ohne Andacht, Reisemütze auf dem Kopf, Hand in Rocktasche usw. Selbst die Führungen wissen in der Regel nur kunstbeschreiben- des Interesse zu erwecken. Ich habe da Seltsame» schon mitangehört und mitangesehen . . .
Eines Abends, es war schon etwas dämmerig, will ich eben auf mein Zimmer gehen, da bemerke ich vier Reichswehrsoldaten in einer losen Gruppe, Mütze ehrerbietig in der Hand vor dem Crucifix, still, etwas benommen. Sie wußten offenbar mit so einer „Sehenswürdigkeit" nichts Rechtes anzufangen. Einem raschen Entschlüsse folgend, trat ich unvermittelt zu ihnen hin. Ich stand selbst noch unter dem Banne der herrlichen Ehristusgestalt, wie sie in jenen Tagen Professor Adam (Tübingen) uns während der Salzburger Hochschulwochen schenkte.
„Ein seltsamer Christus, nicht wahr?"--Schwei
gen, fragende Mienen. — „Wundern Sie sich nicht darüber! Der Künstler, sehen Sie, ist eben einmal abge- wichen von der herkömmlichen süßlichen Ueberlieferung, die uns nervenschwachen Menschen unserer Zeit den Heiland am Kreuz immer gern als verklärten Gott zeigt, der kraft seiner Gottnatur das Leiden und die Welt damit überwand. So ist es nicht, sicher nicht! Unser Heiland war auch Mensch, wie mir alle, und wer seine Leidensgeschichte recht liest, der weiß, daß er uns als Menschenbruder nie so nahe stand als in den letzten Tagen und Stunden seines Martyriums, das selbst für ab- gebrühte Fekdzugskrieger alle Grenzen des Denkbaren und Ertragbaren üderfchreitet. Sehen Sie diesen gemarterten Leib mit den schneidend hart hervortretenden Rippen, — so elend war unser Heiland nach den drei furchtbaren Leidenstagen! Sehen Sie diese eingezogenen Finger, die fast krampfig verbogenen Krallen ähneln, sehen Sie diesen entsetzlich verzogenen Leib und seine elenden Glieder, — so furchtbar haben in diesem armen Menschenleib die körperlichen Schmerzen gewühlt, so sehr hat die Menschennatur gegen den Stachel des Todes sich gewehrt, bis der Geist Gottes Sieger blieb über Leib und Tod und das düstere Anttitz dieses heiligsten Toten uns unter Blut und Schweiß doch noch einen Schimmer gibt von Seligkeit und jenem wahren Frieden, die uns mit einem solch erschütternden Sterben erschlossen worden sind."
Es war inzwischen dunkel geworden. Die Vier schauten wie gebannt in das Mysterium crucis (bas Geheimnis des Kreuzes), das sie wohl nie so gesehen hatten. Wuchtend, wie ein stürzender Berg, hing der Gekreuzigte von der niederen Decke mit ihrem schweren gotischen Gebälk auf die im Schein der Straßenlampe gleißenden Steinfliefen. Wie eine feldgraue Ehrenwache standen die vier gegürteten Marsjünger mit ihren offenen, fast kindlichreinen Zügen in den wohlgefälligen Ge- sicherten, wie Stein gewordene Ehrfurcht.
Mit einem achtungsvollen Ruck schlugen die Vier die Hacken zusammen. In ihren Augen lag ein stummer, großer Dank. Er bleibe dem Heiland zu Füßen gelegt. Solche Reichswehrsoldaten tun uns not in deutschen Landen.
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Manche junge Katholiken, die körperlich gewandt und geistig auf der Höhe sind, haben sieh schon zur Reichswehr und zur Schupo gemeldet. Selbstverständlich können nur wenige angenommen werden. Manche Bewerber, die abgewiefen wurden, lassen sich nun aber nicht von der Ueberzeugung abbringen, daß an ihnen nur deshalb ein „Fehler" gefunden worden sei, weil sie einen katholischen Taufschein hätten. Diele Meinung ist sicher unberechtigt, aber es muß doch einmal darauf hinge- wiesen werden, daß sich im katholischen Jungvolk die Meinung verbreitet, bei der Auswahl der Reichswehrsoldaten würden die katholischen Bewerber benachteiligt. Vielleicht kann in geeigneter Weise diese Ansicht berichtigt werden. Es genügte, daß eine Statistik der Reichswehrsoldaten nach ihrem Religionsbekenntnis bekannt gegeben würde.
Lerantworillch für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec. vnbl Ioleph Sauer-Fulda
blauen Steines, und ihre Herzen wurden fest und entschlossen zur Tat. Die Heuchler und Unredlichen aber krümmten sich in der kalten Klarheit des Lichtes zu Boden und wagten nicht aufzuschauen und verschwanden wieder in das Dunkel, aus dem sie ausgetaucht waren. Die Feinde aber .zogen sich scheu zurück, wo ihnen der gekrönte König entgegentrat, um sein und seines Landes Recht zu wahren. Friede zog wieder ins Land; der blaue Schein um des Königs Krone mar Zeichen und Gewähr des Rechte» und der Gerechtigkeit in diesem Lande.
Der Mann aber zog mit seinem Schwerte wieder heim zu seinem Weib und seinen Kindern und lebte dort ihnen und seiner Kunst in Schlichtheit und Redlichkeit, wieder harrend auf die rechte Stunde, in der der letzte Stein seinen Weg antreten sollte, als Segenspender zu den Menschen.
Es gingen Jahre dahin. Des Mannes Haare wurden grau und wurden weiß, und noch immer ruhte der rote Stein verwahrt und war feinen Weg noch nicht gegangen.
Da scholl ein Ruf durchs Land es sollte ein Dom gebaut werden, herrlich und groß; alle sollten an ihm teil» haben durch Gabe und Werk, damtt er ein Zeichen des Dankes aller fei, weil der Herr das Land gesegnet hatte.
Da wußte der Mann die rechte Stunde zum drittenmal gekommen und abermals erblickte er im Schlafe den Alten; der nickte nicht, aber fein Auge schien milde zu leuchten wie das eines gütigen Vaters voll Freude an feinem guten Sohn. Da ging er hin und wählte dos feinste Metall. Daraus bildete er einen Kelch mit aller Kunst. In den Grund des Kelches aber setzte er den roten Stein. Der schimmerte rote Herzblut ober wie die Liebe selbst. Der Stein blieb den Augen der Menge verborgen, aber (ein roter Schein schwebte still wie eine Gloriole über dem Kelch, allen sichtbar, wenn der opfernde Priester ihn hob; der rote Schein stand über dem Altäre, er füllte den Dom, er leuchtete über dem ganzen Land und die Menschen in demselben wurden eins in rechter Liede. Sternfahrer.