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Nr. 43

Vellage zur Fuldaer Zeitung

21. Februar

Zweiter Fastensonntag (Remlnlscere).

Eingangslied: pf. 24, 6, 3 u. 22.

Gedenke deiner Erbarmunqen, Herr, deiner Gnaden, die von Ewigkeit sind, und laß unsere Feinde nicht über uns herrschen. Erlöse uns, Gott Israels, aus allen unsren,Nöten. (Ps. ebd. 1—2.) 3u dir, o Herr, erheb' ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich; des werd' ich nicht erröten.

Epistel: (Thess. 4, 1—7.)

Brüder! Wir bitten und ermahnen euch im Herrn Jesus. Wandelt fo. wie wir euch zu wan­deln gelehrt haben, damit ihr Gott gefallet und immer vollkommener werdet. Denn ihr wißt, welche Vorschriften ich euch im Namen unsres Herrn Jesus gegeben habe. Das ist ja der Wille Gottes eure Heiligung: daß ihr euch enthaltet von Unzucht, daß ein jeder von euch seinen Leib in Hei­ligkeit und Ehre zu besitzen wisse; nicht in sinnlicher Leidenschaft wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Keiner übervorteile seinen Bruder und überliste ihn im Geschäfte. Denn der Herr rächt all das, wie wir euch schon früher gesagt und eingeschärft haben. Gott hat uns nicht zur Unlauterkeit beru­fen, sondern zur Heiligkeit in Christus, unserem Herrn.

Evangelium: Matth. 17, 1—9. Die Verklärung Jesu auf Tabor.

VolksveremundBolfchewlsmus

3»m 1. Dolksverelnshefi 1932.

Drohend, vom Osten her, steht der Bolschewis­mus vor den Toren des Abendlandes. Die Zer­rissenheit der europäischen Welt in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer» kullureller und weltan­schaulicher Hinsicht macht die bolschewistische Gefahr doppelt groß. Für Deutschland ist sie wegen der geographischen Lage, der wirtschaftlichen Not, der unheimlichen bolschewistischen Propaganda und der • Sorglosigkeit mancher verantwortlichen Kreise grö­ßer als für irgendein anderes Land.

Unser Dolksverein hat diese Gefahr frühzeitig mannt. Entsprechend der ihm schon bei seiner Gründung vor 40 Jahren überwiesenen Ausgabe, »die Angriffe auf die religiösen Grundlagen der Gesellschaft zurückzuweisen und die Irrtümer und Umsturzbestrebungen auf sozialem Gebiete zu be­kämpfen", hat er als erster ganz systematisch den Kampf gegen diesen furchtbarsten Feind europä­ischer, christlicher Kultur ausgenommen und ihn in den letzten Jahren immer einheitlicher, geschloffe­ner und kraftvoller gestaltet. Priestertagungen, Führerkonferenzen, Volksversammlungen, Massen­kundgebungen, das sind die Mittel, mit denen der Volksverein durch das mündliche Wort diesen Kampf geführt hat. Das schriftliche Wort er- ganzte und unterstützte das mündliche- Mehrere Flugblätter wurden gegen den Bolschewismus her- ausgegeben, von denen das Flugblatt „Gott oder Dämonen?" in über 1 Million Exemplaren in die Massen geworfen wurde. Dreimal hat seine Zen­tralstelle im Laufe der letzten vier Jahre durch ihr Volksvereinsheft die Aufklärung über den Bolsche­wismus in rund 400 000 Familien getragen. Zürn viextenmal geht diese schriftliche Aufklärung hin-

Bei seinen Arbeiten über den Bolschewismus legt der Volksoerein größten Wert auf gründliche wirtschaftliche Forschung. Am 8. September 1931 wurde eine eigene Forschungs- und Auskunftsstelle über Bolschewis­mus und Freidenkertum errichtet, am 30. Oktober 1931 eine Zweigstelle hiervon in Ber­lin eröffnet. Zahlreiche Auskünfte sind seitens die­ser Forschungsstclle erteilt, die Mitarbeit mit au­ßerdeutschen und auch nichtkatholischen Stellen ist weithin aufgenommen. Mit dieser reichen Arbeit führt der Volksverein treu und gewissenhaft den Wunsch und Willen unserer kirchlichen Oberhirten durch. In aller Klarheit betont der Hochwürdigste Herr Erzbischof von München und Freising. Kardi­nal Dr. Michael von Faulhaber im Amtsblatt sei­ner Diözese vom 21. September 1931: „Einmütig hat der deutsche Episkopat dem Volksverein als höchste und heiligste Aufgabe die Abwehr der bol­schewistischen und kommünistischen Bewegung und der Freidenkerverbände übertragen. Wie in den Zeiten des nachzuckenden Kulturkampfes Windt- horst die katholischen Volkskräfte zu einer acies

bene orbinata (wohl geordneten Schlachtfront) zu- sammenfchließen wollte, so müssen auch heute in der Zeit der Gottlosen- und Freidenkerbewegnug, der Propaganda für Leichenverbrennung und Ras­senvergötterung die katholischen Volkskräfte zu ei­ner starken Einheit verbunden werden."

Bei dieser Antibolschewisten-Arbeit muß ein drei­faches Ziel erreicht werden:

1. Die Erweckung der Gewissen weitester Mas­sen des Volkes und besonders der verantwortlichen Stellen.

2. Weckung und Förderung des Wissens sowie Schaffung einer öffentlichen Atmosphäre.

3. Weckung aktiver Kräfte für die Erneuerung des sozialen Lebens aus dem Geiste der Reli­gion.

Die deutschen Katholiken ruft auch im neuen Jahre 1932 der Volksverein auf, mit ihm einträch­tig und stark für Christus zu arbeiten. Ein leben­diger Volksverein in der Gemeinde ist das beste Mittel zur Abwehr all der feindlichen Strömun­gen und zum Aufbau einer christlichen Gesellschafts­ordnung. Helft mit, diesen Zentralverband deut­scher Katholiken aller Stämme, diese Volkshochschule deutscher Katholiken aller Stände immer mehr stär­ken und ausbreiten! Der riesenhaft anschwellen- den, vom Bolschewismus getragenen antichristli­chen Bewegung wollen wir eine große, einheitliche, geschlossene katholische Volksbewegung gegenüber« stellen, indem wir all die reichen und wertvollen Arbeiten und Kräfte unseres katholischen deutschen Volkes und all unserer kirchlichen, sozialen und kulturellen Vereine, die gerade in der heutigen Zeit ihre große, selbständige Eigenbedeutung ha­ben, letzthin einströmen und münden lassen in ein einziges, starkes Strombett, den Volksverein für das katholische Deutschland:

Aus der Feder hervorragender Fachkenner ent­hält das erste Volksoereinsheft 1932 folgende Bei­träge: Wie die Bolschewisten die Zukunft sehen. — Die antireligiöse Gesetzgebung in Rußland. — Die Familie in Sowjetrußland. — Der Bolschewismus bedroht das Kind. — Das Heft, das jedes Mitglied des Volksvereins für seinen Jahresbeitrag erhält.

kann auch einzeln für 10 Pfg. gekauft werden und sollte überall verbreitet werden.

Ein neuer Weihbischof in Köln.

Msgr. Dr. theol. Wilhelm Stockums, seit 20 Jahren Direktor des Theologenkonvikts Colle­gium Leoninum in Bonn, wurde unter dem 9. d. Ai. von Sr. Heiligkeit Papst Pius XL zum Situ» larbifchof von Erythäa und zum Weihbischof des Erzbischofs von Köln, Kardinal Schulte, auf dessen Antrag hin ernannt.

Der neue Weihbischof der Erzdiözese Köln ist am 15. Oktober 1877 in Elmpt, Kreis- Erkelenz, gebo­ren. Er absolvierte das Gymnasium in Neuß und bezog danach zum Studium der Theologie die Uni­versität Bonn. Im Jahre 1902 wurde er durch Erzbischof Simar im Kölner Dom zum Priester geweiht. Seine 1. Anstellung erhielt er als Kaplan an der Herz-Jefu-Pfarrkirche in Köln unter dem heute hier noch wirkenden Prälaten Kremer. Im Jahre 1910 berief ihn Kardinal Fischer zum Repe­tenten an das Collegium Albertinum in Bonn. In dieser Zeit legte er das staatl. Examen für Reli­gionslehre ab u. promovierte in Freiburg i. B. zum Doktor der Theologie. Seine Dissertation handelt über das Thema: Die Unveränderlichkeit des na­türlichen Sittengesetzes in der scholastischen Ethik. Auf dem Gebiet der Moraltheologie veröffentlichte er noch mehrere wissenschaftliche Studien.

Am Albertinum wirkte Dr. Stockums zweiein­halb Jahre bis zum Sommer 1912, dann wurde er durch Kardinal Fischer zum Direktor des Collegium Leoninum berufen. Nach dem Kriege schrieb er die interessante Schrift „Die Bonner Konvikte und ihre Theologen während des Weltkrieges". Im Februar 1926 wurde er zugleich mit dem Direktor des Albsrtinums in Bonn, Prof. Serres, zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Der neue Weihbischof ist mit den Bedürfnissen und Aufgaben der Kölner Erzdiözese aufs beste vertraut und ge­nießt beim Klerus wie im Volke Hobes Ansehen.

Mit der Ernennung des neuen Weihbischofs hat die große Erzdiözese Köln nun wieder zwei Weih- bischöse: Dr. Hammels und Dr. Stockums.

Von Universitätsprofessor Prälat

In der soeben im Gildeverlag in Köln er­schienenen Studie „Das deutsche Volks­tum und die Kirche" hat Professor Dr. Schreiber sein viel beachtetes Referat in der gro­ßen Versammlung des Reichsverbandes für die katholischen Ausländsdeutschen auf dem Katho­likentag in Nürnberg 1931 bedeutend erweitert und zu einem orientierenden Gesamtbild über die engen Beziehungen von Kirche und Volkstum aus­gestaltet. Wir entnehmen dem 12. Kapitel, das die Ueberfchrift „Die Wahlverwandtschaft" trägt, folgende grundlegenden Ausführungen:

Die Kirche und bas deutsche Volkstum sind im Grunde genommen wahlverwandte Größen und Kräfte. Veide sind gemeinschaftsfreudig. Nirgendwo hat die Kirche etwas Volksfrem­des. Sie wird vielmehr warm über allem Volks- tum. Sie befruchtet es. Sie erhöht es. Sie ver­sittlicht es. Eine frühere Apologetik hat mit geist­vollen Persönlichkeiten, wie Hettingex und Weiß, wie Mausbach und Esser, immer wieder die kul- turschöpferische Kraft der Kirche herausgearbeitet. Heute wird man in einer Weiterführung der Frage­stellung nicht bloß die Kullurkraft, sondern darüber hinaus noch den

volkskumbildendrn Werk dec Kirche einzuzeichnen haben. Jene vorn Religiös-Kulturel­len bestimmte Volkstumsplastik ist immer wieder im Lichte der Forschung zunächst von Historikern, Volkskundlern und Soziologen herauszustellen. Noch sind Konturen und Inhalt nicht völlig aufge­heilt Die Fragestellung selbst ist noch jung, soviel an Vorarbeiten auch geleistet fein mag.

In der Tat findet im deutschen Volk in Tau­senden von Lebensäußerungen ein unausgesetzter Prozeß statt, Volkstum zu entwickeln und mit eige­ner Prägung zu erfüllen, das irgendwie vom Kirch­lich-Kulturellen und vom Religiös-Seelischen be­stimmt ist. So lehrt die Kirche in ihrer Dogmatik eine fest umriffene Chr ist o l o g i e. Sie bringt das Iesusbild der kirchlichen Lehre und Ueberzeu-

Dr. Georg Schreiber.

gung. Das deutsche Volkstum fügte mit der Ur­sprünglichkeit volkhafter Anschauungskraft den volkskundlichen Weihnachtsglanz des Christkindes hinzm Es. fand sich die aus festfroher Intuition des italienischen Franziskanertums stammende Weihnachtskrippe ein, die aber in Bayern, Salz­burg und Tirol ein eigenes Gepräge findet. Auf die einmal mit Liebe ergriffene Gestalt häuft das Volk die Schöpfungen feiner Phantasie. In Stei­gerungen, in Pluralitäten und Multiplikationen. Darum fügt es zur Krippe den Lichterglanz des Christbaums, der sich im 17. Jahrhundert von Süd­westdeutschland her einbürgerte.

Mit der Stimmung des Volksdichters hat Peter D ö r f le r diese Prozesse festgehalten, wenn er in seiner viel beachteten Rede auf dem Katholikentag in München 1922 bemerkte: „Wenn ich so meinen Kalender studiere, bann möchte ich ausrufen: Ein zweites Wunder hat unter deutsches Volk dem Got­teswunder hinzugedichtet. Es tritt mir entgegen in der Färbung und Simmung, die die Weltfeste zu echt deutschen Festen machen; es leuchtet uns aus den unendlich mannigfaltigen Sitten und Bräu­chen hervor, die sie begleiten, aus all der herben und süßen Kunst, die sie schmückt. Das spendende Christentum wird zu einem empfangenden."

Die Kirche besitzt überdies eine Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen, mit der sich Dante und in Nürnberg Albrecht Dürer auseinandersetzten. Aber diese Eschatologie sand wiederum eine hochoriginelle Uebertragüng ins Volksgemäße, im Volkssprichwort und im Volks­brauch. Sie beschäftigte sich mit Allerseelen im schlichten Votivbild in Altötting und in Maria Plain, in Prozession und Totenleuchten. Aus dem Seelstiftungsgedanken, aus einer Absicht, das fromme Gedenken von Klosterkonventen und Stifts­kapiteln nach dem Tode zu erlangen, fliegen die Abteikirchen von St. Gallen und Maria Laach auf. Auch die Kirche St. Lorenz, St. Sebald und die

Marienkirche in Nürnberg sind von einer ultima DDlunfcs teftaitoris, von Vergabungen und Ver­mächtnissen als von einer geistigen Pfeilerkultur mitgetragen. Die Toten zehnteten an ein neu auf- steigendes Leben, das kulturbedeutsam, kulturfreu­dig und volkstumsfroh war. Aus Altarstiftungen und aus Mkarien, aus Münsterpfarreien und aus dem Seelstiftungswesen formte sich der vermögens- rechtliche Untergrund mancher Hochschulen, mie bas besonders für Freiburg im Vreisgou und für Tu, . hingen überliefert ist.

Diese Linie eines Volkstumsinteresses für die Wissenschaft, das über religiös-kirchliche Strompfei­ler geleitet wird, findet auch heute noch ihre Fort­setzung. In der Mehrzahl der deutschen Auslands- Hochschulen in China und Japan spiegelt sich jener Opfergedanke, mit dem das vom Religiösen her be­stimmte Volkstum für die Idee her Mission und den ihr dienenden Missionsgesellschaften seinen pietätvollen Tribut zollt.

Auch an zahlreichen anderen Stellen erwies sich die dogmatische Lehre als volkstumsbildend und oolkstumsfchöpferifch.

Neben der Dogmatik stand die St tu re g i e als Gestalterin und Bewahrerin schöpferischen Volksgeistes. Sie hat alte Volksbräuche erhalten, indem sie bie(e verständnisvoll in das kirchliche Brauchtum übernahm. Das vollzog sich nachhaltiger und besser, als es heute roman­tischen Erneuerungen vergönnt ist. Sie hat ferner, indem sie manches von den Schöpfungen einzelner Volkstümer zum kirchlichen Allgemeingut erhob, einen Kulturaustausch und eine gegenseitige Be- fruchtung großen Stiles unter den christlichen Völ­kern zustande gebracht.

Nach einer Zeit einer gewissen Uniformierung kirchlichen Brauchtums Hot heute die Kirche die Tore von neuem wieder aufgestoßen, und fremde Volkstümer und Kulturen aus dem fernen Osten, aus den Negergebieten Afrikas und den Reserva­tionen der Indianer ftrömen ihr zu. Damit ist eine bedeutsame Freiheit und Weite der kirchlichen Liturgie wieder schärfer in Erscheinung getreten. Daß der Kult in der tridentinischen Epoche nach schärfsten Abgrenzungen und stärkster Einheitlich, keil strebte, war durch die damalige Zeitlage er­forderlich geworden.

Ein neuer Exodus zum Volkstum hin, ähnlich der Zeit Winfrieds und Notker Labeos, stellt sich aber wieder heraus. Das Volk und feine Gestal­tungskraft fetzt sich wieder stärker mit dem kirch­lichen Brauchtum und rnst dem Kultischen ausein­ander. Man lasse etwa die Antoniusstatuen auf sich wirken, die von den Indianern Amerikas ge­schaffen wurden, mit jenem köstlichen Einschlag des Primitiven, der in mehr als einer Hinsicht eine innere Ueberlegenheit in der Formgebung bedeutet.

Das alles vollzog sich häufig in einer über­raschenden Lebensnähe, die der Wissenschaft oft ge­nug versagt blieb.

So ist die Kirche im selbstsicheren Strom der Entwicklung seit zwei Jahrtausenden volkstumsfreundlich, längst, ehe es Minderheiten gab, längst, ehe ein Völkerbund errich­tet wurde, dem die nicht immer ernst­lich ergriffene Aufgabe zuerkannt wurde, sich mit kleineren Volks- tümern und mit deren kultureller Autonomie zu beschäftigen.

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VERLAG HERDER /FREIBURG IM BREISGAU

Albert der Prediger.

Don P. Hieronymus Wilms O. P.

Eines der erhebendsten Ereignisse des abgelau­fenen Jahres war die Heilgifprechung Alberts des Großen durch Papst Pius XI. Das von P. Hieronynms Wilms O. P. im Verlag I. Kü­sel u. Fr. Pustet, München, herausgegebene Buch -Albert.der Große" (237 Seiten. Ganzleinen­band D.k. 5.50) bietet eine wertvolle Einführung in die Lebensgeschichte und die wissenschaftliche Bedeutung des neuen Helligen. Mit Genehmi­gung des Verlages bringen wir den nachsolgen- den Abdruck aus dem genannten Buch.

Der Dominikaner soll seinen Konstitutio­nen entsprechend am Heile der Seelen arbeiten, vorzüglich durchLehreundPredigt. Das hat Albert buchstäblich ausgeführt. Die Fülle der erkannten und betrachteten Wahrheiten, die Glut der Liebe zu dem, von dem diese verkündeten, und zu den Seelen, für die sie geoffenbart waren, er­öffneten seiner Großmut ein Tätigkeitsfeld, wie es idealer für ihn nicht gedacht werden konnte. Al­bert lehrte und blieb Lehrer fein Leben lang. 211= ler Wahrscheinlichkeit nach wurde ihm gleich nach Abschluß der theologischen Studien, die er im Or­den machte, das Lektoramt übertragen. Der älteste Bericht darüber geht auf Heinrich von.Herford zu­rück, der meldet, Albert habe zweimal zu Köln die Sentenzen gelesen und sei Lektor gewesen Zu Hildesheim, Freiburg, Regensburg, wo er zwei «obre nacheinander dozierte, und zu Straßburg; dann fei er nach Paris gegangen. Die Gelehrten streiten miteinander über die Reihenfolge dieser Tätigkeiten und über deren nähere Datierung.

Eines steht aber fest, weil es den Berichterstatter M der Angabe veranlaßt: Alberts Verwendung und vorzügliche Befähigung für das Lehrfach. Bon Paris kehrte der Meister mit dem höchsten wissenschaftlichen Grade geschmückt als Magister in fncra theologia nach Köln zurück. Hier sollte ein Generalstudium nach Art des Pariser eingerichtet werden. Die Ausführung wurde in Alberts Hände gelegt. In dieser hervorragenden Stellung, wo er nicht bloß selbst die wichtigsten Fächer vorzu­tragen hatte, sondern auch den gesamten Gang des Unterrichtes überwachen mußte, verblieb Albert bis zu feiner Wahl zum Provinzobern. Als das Kapitel zu Worms ihn im Jahre 1254 mit der Leitung der Teutonia betreute, mußte er dem Un­terrichte entsagen. Als er im Oktober 1256 zur Kurie nach Anagni kam, um gegen Wilhelm de St. Amour die Rechte der Orden zu verteidigen, tat er dies mit stlchem Erfolg, daß der Papst chn eine Zeitlang dort festhielt und veranlaßte, dort den Katheder zu besteigen. Nach den glaubwür­digen Angaben des Thomas de ChantimprZ las er dort über das Johannesevangelium und die ka­nonischen Briese. Mit Bezug hierauf nennen Spä­tere ihn Magister facri palatii. Wahrscheinlich mit Rücksicht auf seine Lehrbefähigung wurde Albert schon 1257 auf dem Generalkapitel zu Florenz seines Amtes als Provinzial enthoben. Schon 1258 ist er wieder als Lektor in Köln tätig. Im Jahre 1259 gehörte der Selige zugleich mit Thomas von Aquin und Petrus von Tarentaise einer Kom­mission an, die im Auftrag des Generalkapitels das Studienwesen des Ordens neu regeln sollte. Seine Lehrtätigkeit mußte er harnt noch einmal

unterbrechen, als der Wille des Papstes ihn auf den bischöflichen Stuhl von Regensburg berief. Auch nach der Refignierung konnte er nicht so­fort wieder den Lehrstuhl besteigen, denn die erste Zeit war er an der Kurie. Ob Albert sich da bei den philosophischen Tischgesprächen, die Papst Ur­ban IV. liebte, außerordentlich hervortat oder ob er wiederum richtige Vorlesungen dort hielt, ist unbestimmt. Auf jeden Fall erregte sein Wissen und seine Lehrfähigkeit solches Aufsehen, daß Heinrich der Poet in seinem Kuriengedichte ihn als philosophisches Universalgenie preist, das wenn alle philosophischen Bücher vernichtet würden, die wahre Philosophie herrlicher aus seinem Geiste er­stehen lassen könnte. Die Tätigkeit als Kreuzzugs­prediger, die Albert im Auftrag des Papstes bis 1264 ausübte, verhinderte ihn selbstredend an der Lehrtätigkeit, wahrscheinlich nahm er sie aber gleich wieder auf, als er sich in genanntem Jahr in den Dominikanerkonvent zu Würzburg zurück­zog. Sicher war er 1269 als Lektor in Straß­burg tätig. Noch in demselben Jahre begab er sich auf Bitten des Generals nach Köln und lehrte dort bis kurz vor feinem Tode. Nicht viele Ge­lehrte haben fo lange den Katheder innegehabt und find fo beharrlich nach gewaltsamer Unterbre­chung zu dieser Lehrtätigkeit zurückgekehrt wie St. Albert. Bei anderen berühmten Männern jener Epoche bildete die Verwendung im Lehrfach eine kurze vorübergehende Episode, fo bei Bonaven­tura, Hugo de St. Cher und Raymund von Pen- nafort. Es muß also den Seligen aus sich her­aus zum Lehrstuhl gedrängt und in dieser Tä­tigkeit festgehalten haben. Das war nichts ande­

res als feine Großmut, die sich hier feiner Eigen­art entsprechend im Geben, in stetem Geben, in überreichem Geben äußern konnte. Von der Fülle seines Wissens spendete der Selige ohne Geiz und ohne Neid mit vollen Händen, er spendete aus einer Liebe, die nie sagt: Es ist genug, die stets gibt und sich doch nicht erschöpft. Albert muß ein ganz außergewöhnlicher Lehrer gewesen fein. Die Sage hat dies verkörpert in der Erzählung von dem Platz Maubert. Der Zuhörer feien so viele zusammengeströmt, daß auch die größte Aula zu Paris sie nicht zu fassen vermocht hätte. Da seien denn die Vorlesungen auf öffentlichem Platz ge­halten worden. Die Bennung des Platzes hat ja mit Albert nichts zu tun, aber der Kern des Be­richtes wird das Ansehen des Seligen als Lehrer gewesen fein. Eigentümlich berührt auch der Um­stand. daß zu Regensburg ein alter Katheder als Lehrstuhl des Seligen gezeigt wird. Wenn auch der Katheder einer späteren Zeit entstammt, so verbürgt doch die Tatsache, daß man heute noch in dieser Weise vom Lehrstuhl Alberts spricht, des­sen Größte als Lehrer. Die Universalität feines reichen Wissens, der geniale Blick, der auch zwi­schen dem Irrtum noch die Wahrheit erkannte, die Großmut in Wertung der Ansicht anderer, vor al­lem aber das Neue in seiner Lehre und die lie­benswürdige Begeisterung in seinem Vortrag wer- den ihm die Aufmerksamkeit der Zuhörer gesichert haben, und diese Aufmerksamkeit im Bunde mit Dankbarkeit und Anhänglichkeit mögen dem Mei­ster die Mühen, die unzertrennlich sind vom Lehr­fach, vermindert und versüßt haben.