Beilage zur Fuldaer Zeitung
Ilr. 40
IS. Februar
Weckruf.
Von Rosa Hamache r-Voppard a. Rh.
Der erste, warme Sonnenstrahl Stiehlt sich ganz leise in das Zimmer, Und siehst du nicht? — mit einem Mal Taucht alles er in gold'nen Schimmer.
Auch weiße Glöckchen drängen sacht Zum Licht empor aus brauner Erden.
Man ahnt es schon, daß über Nacht Viel tausend and're folgen werden.
Und neues Leben bricht sich Bahn, Bald flüsterts rings in Busch und Bäumen: Der Junker Lenz kommt heiter an!
Nur du — willst weiter schreckhaft säumen.
„Sie werden ein Leib fein'*.
Von Lucie Allmann.
„Sie werden ein Leib sein!" Dieses das Glück zweier Menschen bedingende Geheimnis ist in vielen Ehen nicht mehr lebendig. Die Statistiken der Ehescheidungen, die von Jahr zu Jahr umfassender werden, reden zu deutlich, daß viele Ehen eine formelle Vereinigung zweier Menschen, gewissermaßen ein Vertrag auf Kündigung sind. Das kommt daher, weil diese Menschen den wahren Sinn der christlichen Ehe nicht mehr erleben. Dieser ist, daß Mann und Frau sich nicht als abgesonderte Wesen, sondern als Einheit wiederfinden. „Sie werden ein Leib sein." Mann und Frau stellen in ihrer Einheit erst den „ganzen" Menschen dar. Das gilt nicht nur für einen Zeitraum, sondern für das Leben und in seinen Früchten auch für die Ewigkeit.
Wie anders könnten wir wohl die Liebe verstehen, als die große Sehnsucht nach der ewigen, beglückenden Harmonie. Kinder des ewigen Königs führte die schöp
ferische Liebe ins Erdenland. „Vom Himmel kamen sie und zum Himmel gehen sie." Und die Ehe soll sie einen zu einem Leibe, in dem die Seele wie ein strahlendes Licht die Seele des andern durchscheint, damit ein großes Sehnen in beiden aufflammt; das Licht der Berufung zum Schöpferwerke Gottes. Einheit vor Zeit, jetzt körperliche Zweiheit und doch durchglutet von einem großen Gotteserleben, von einem Willen zum Opfer, zu fröhlichem Leben, Ertragen, Erdulden, um nach der Zeit wieder Einheit zu sein im ewigen Lichte! Es ist eine herrliche Aufgabe, wenn die beiden Ehegatten diese Tiefe und Heiligkeit der Ehe erlebend, Ausführer des Schöpferplanes Gottes sind. Und wie schön können beide Ehegatten doch diese Aufgabe erfüllen. Hier sind Pole, die Neues schaffen, Kräfte, die eine Welt gestalten können nach dem großen Plane des ewigen Vaters.
Die Vernunft und der Verstand sind im allgemeinen im Manne stärker entwickelt als in der Frau. Dafür hat die Frau mehr innere Einsicht und Erkenntnis. Sie hat auch die stärkeren Gefühle, besonders der Liebe. Das heißt nicht, daß der Mann allein der Verstand und die Frau allein die Liebe besitzt, aber die Natur gab dem Manne mehr die berechnende Tätigkeit des Geistes, während bei der Frau die zärteren Empfindungen vorherrschend sind. Hierin sollen sich beide ergänzen. Die Frau soll des Mannes Geist mit ihrer Seele erfüllen und des Mannes Schaffenskraft soll die Liebe der Frau erglühen lassen zu einer Opferflamme, in der alles Niedere, Menschliche geläutert wird.
Gott belohnt mit den, Glücke des inneren Friedens nur diejenigen, die es lernen, sich seinen Gesetzen unterzuordnen und ihnen gehorsam zu sein. Und diese Unterordnung unter Gottes Gesetz ist doch zugleich die höchste Freiheit, die, wie Freiligrath singt, „kein Schattenbild ist, sondern das Herz mit Himmelsglanz erfüllt und Menschen zu Kindern macht, die durch die Zeit ihres Lebens wandern, Hand in Hand zu Gottes Wundergarten, zu Gottes Land".
Die Frühjahrsmode 1932.
Paris, Wien und Berlin demonstrieren die neuen Modelle.
In diesen Tagen haben die großen Modellhäuser in Paris, Wien und Berlin den zahlreichen Interessenten, die an diesen Modenzentren aus der ganzen Welt zusammengekommen waren, chre ersten Frühjahrsmodelle gezeigt, die maßgebend sein sollen für die Modegestaltung im kommenden Frühjahr und Sommer. Dabei konnte man die auffällige Beobachtung machen, daß sich auch im Reich der Mode die Wirschaftskrise ganz außerordentlich bemerkbar macht, denn selbst große Modehäuser wie Patou, Chanel und Paray in Paris, haben den Umfang ihrer Kollektionen ganz wesentlich verkleinert, sie bringen von den einzelnen Kleidergruppen nur einige wenige, sehr sorgsam gewählte Stücke, diese jedoch in einer ausgezeichneten und wirksamen Verarbeitung. In Wien und Berlin, die für den deutschen und nordischen Konfekitonsumsatz am stärksten in Frage kommen, liegen die Verhältnisse natürlich ähnlich, auch hier hat man versucht, mit weiser Beschränkung den Einkäufern das geschmacklich Wertvollste zu bieten. Da in den großen Moderevuen jedoch vorläufig nur die besseren und besten Modelle gezeigt wurden, die naturgemäß entsprechend teuer sind, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, wie sich die Mode für das große Publikum gestatten wird, immerhin kann man aus Einzelheiten schon ganz bestimmte Rückschlüsse auf die allgemeine Modegestaltung ziehen.
Am stärksten fällt bei den Nachmittagskleidern, für die man übrigens Stoffe in dunkleren Tönen zu forcieren sucht, die Verschiebung der Rocklinie in die Augen. Der Rockbund wird bedeutend höher getragen wie seither, er ist auch um einige Zentimeter länger geworden und betont im Allgemeinen die glatte Linie. Ueberhaupt läßt sich in der Gesamtmode dieses Jahres ein starker Einschlag nach dem Empire hin erkennen, Mederröcke und ähnliche Modeschöpfungen beweisen es. Farbenfreudigkeit ist weiteres Kennzeichen der Sommermode. Wenn man auch die Grundtöne der Kleider und Kostüme nicht ganz so licht hält wie in früheren Jahren, fo bringt der Ausputz eine so bunte Farbenskala, daß kaum ein Farbenton unverarbeitet und unbeachtet bleibt. Es war durchaus keine Seltenheit, daß man einem Kleid drei und vier Farben
erkennen konnte. Besonders großen Wert legt man in diesem Jahre auch auf eine phantasievolle Gestaltung der Aermel, für die man allen möglichen Ausputz verwendet, nicht nur Knöpfe, sondern auch Rüschen, Schleifen, Bänder und ganz extavagant auch Posamenten, die man handgearbeitet, zum Teil auch mit Fransen auf Nachmittagskleidern und Einzelröcken in dunkleren Tönen gesehen hat. In Paris war man teilweise verwundert über den militärischen Einschlag der Mode, blauen Stoffen wird ein ungeahnter Siegeszug vorhergesagt, die mit silbernen und goldenen Knöpfen verarbeitet, oft auch mit Schulterepauletten durchaus den Eindruck einer Uniform Nachahmung vermitteln.
Neben Blau werden Grün, Oliv, Violett, Tiefrot, Erdbeerfarbe und ein sehr sattes Drange als Modefarben genannt. Gelb in seinen verschiedenen Ausschattierungen hat scheinbar im vergangenen Jahre abgewirtschaftet, denn es wird nur noch selten verwendet. Ueberhaupt stehen die satten Farben weit mehr im Vordergrund wie die Pastelltöne, die man eigentlich nur noch an Kinderkleidern sieht und selbst da nur verhältnismäßig selten. Blumenmuster scheinen ebenfalls von ihrer Beliebtheit einzubüßen, dagegen wird dem Streifen eine erneute Hochkonjunktur vorhergesagt. Auch für tarierte Röcke wird Stimmung gemacht.
Die weibliche Linie findet eine besonders starke Betonung auch in den neuen Kostümen, deren Jacken besonders durch die riesigen Revers aufsallen, die mitunter bis zum Acrmelansatz an der Schulter reichen. Farbige Garnierungen an Kostümen, keck aufgesetzte Farbflächen besonders an den Aermeln, Knopf- und Litzengarnierun- gen sind weitere, oft charmant angewendete Lösungen der neuen Mode.
Ihr Lieblingskind bleibt weiterhin auch die Weste und der westenartige Einsatz, der sich in den phantasie- vollsten Formen und Farben, oft in einem bizarren südlichen Geschmack gefällt. Aber auch die gute alte Piqueweste kehrt wieder, sie verspricht sogar ein Modeliebling zu werden, denn schon in den ersten Modellen, die man sah, wurde sie immer wieder von neuem abgewandelt. Die Westen werden auch einsatzartig gearbeitet, man verziert
sie mit allen möglichen Kleinigkeiten, Spitzen, Knöpfe und Besätze aller Art machen sie reizvoll, abwechslungsreich und dem Geschmack einer jeden Dame leicht anzu- passen. Der Halsausschnitt bei den meisten Westen läuft spitz zu, runde Ausschnitte tonnte man nur bei einigen wenigen Modellen beobachen.
Als modischer Ausputz dürfen auch die Schleifen nicht vergessen werden, die man im tommenden Sommer an allen möglichen Teilen der Kleider tragen wird. Riesenschleifen steckt man auf die Gürtel vorne und auf dem Rücken, man verziert damit die Schultern und gibt dem Hals- ober Rückenausschnitt mit ihnen einen flotten Abschluß. Die Schleifen stimmen nur in den seltensten Fällen mit der Grundfarbe des Kleides überein, wiederum ein Beweis dafür, daß die neue Mode die Bunt- farbigteit besonders stark in den Vordergrund stellt.
Als bewährtes und immer kleidsames Modeattribut wird auch im kommenden Sommer wieder der Schal feine bedeutende Rolle spielen, den man tellweise auch über den Mänteln und Kostümen tragen wird, wobei man seine Enden durch den erheblich hinaufgerückten Hüftengürtel ziehen kann, was dem ganzen Anzug eine fröhliche sommerliche Note verleiht.
Zum Schluß noch einige modische Hinweise, die man vielleicht später noch nach der einen ober anderen Seite ergänzen kann. Das Dirndlkleid kommt wieder, nicht fo überschwenglich wie früher, sondern stilisiert, in einfachen, glatten Linien, dabei jedoch das trachtenmäßige betonend, oft mit einem ausgesprochen landschaftlichen Charakter. Zum leichten Sommerkleid wird man wiederum Phantasiejacken aus gleich- ober anbersfarbigem Stoff tragen, die in diesem Jahre stärkeren Ausputz aufweisen, wie im vergangenen Sommer. Auch die Baumwollmode scheint für die ersten Frühjahrsmonate vorzuhalten, begreiflich bei der starken Eindeckung, die die meisten Konfektionshäuser in diesem Artikel vorgenommen haben.
Soweit bei den Modelloorfuhrungen Hüte gezeigt wurden, waren diese klein, winzig, ein lustiges Etwas, das mit den buntfarbigen Blumengarnituren einen etwas faschingsähnlichen Eindruck machte. Ob sich jedoch der ebenfalls in Paris und in Wien sehr stark forcierte Muff aus künstlichen Blumen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. lieber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, bleibt nur die Hoffnung auszusprechen, daß unsere Frauen vernünftiger sind wie die Schöpfer einer solchen Mode. Berta Segura, Wien.
In „Sachen" Ihres Mannes.
Von Liselotte
Alles, wie Sie für den Herrn Gemahl persönlich machen, wird vom Ehrgeiz beflügelt . Gerade von feiner Seite möchten Sie nicht gern eine Klage hören, um die Behauptung vieler Ehemänner zu widerlegen, daß die Frau weniger ordentlich ist, als der Mann. — Der abgerissene Knopf, oder der Knopf, der nur noch an einem Faden hängt, muß sofort angenäht werden. Ist er lose, so trennen Sie ihn vorsichtig ab, damit der Stoff durch ein Abreißen keine Einbuße erleidet. Sie müssen bedenken, daß Knöpfe am Herrenjackett mit sehr starkem Garn genäht werden, also fester haften. Beim Abreißen zerstört man leicht das Gewebe. Jeder Knopf wird „auf Stiel" genäht. Der Faden bleibt länger, außerdem wird er vielfach umwickelt, ehe die Schere das Nähgarn ab- schneidet. Niemals reißen, nicht mit den Zähnen ab= beißen.
Das Plätten der Oberhemden fällt Ihnen leichter und erzielt beffere Ergebnisse, wenn Sie neben das Plättbrett eine kleine Schüssel mit Glanzstärke auf- ftellen. Ein sauberes Läppchen wird hineingetaucht, das Hemd auf das Brett gelegt, und nun bestreicht das Läppchen ganz gleichmäßig immer so viel von dem Hemd, wie Sie gerade plätten wollen. Das Hemd in die Stärke zu tauchen, wie viele auch geübte Plätterinnen tun, ist weniger empfehlenswert, weil dadurch der Stoff angegriffen wird.
Das Bügeln der Kragen erfordert viel Aufmerksamkeit. Hat ein Kragen dennoch einen feinen Sengstrich bekommen, so wasche man ihn mit einer Lösung von kaltem Wasser und einer Kleinigkeit Alaun aus. Verschwindet die verbrannte Stelle dann noch immer nicht, muß der Kragen noch einmal — und das sofort — gewaschen werden. Läßt man die braune Stelle längere Zeit in der Wäsche, bann fällt es bedeutend schwerer, sie wieder zu entfernen.
Das Kragenknopfloch hat schon Anlaß zu dramatischen Auftritten gegeben. Niemals wird der Knopf hindurchgehen, und gerade, wenn es besonders spät ist, weigert sich der Knopf unbedingt. Da hilft das Anfeuchten des Knopfloches von der linken Seite her. Natürlich muß dabei vorsichtig zu Werke gegangen werden, und am besten ist es, wenn das Knopfloch mit dem Finger befeuchtet wird. Es gibt dann nach, der Knopf geht leicht hindurch.
Unterhalb des Kragens bekommen die Herrenhemden leicht schadhafte Stellen, weil der Stehumleg- fragen die Fäden angreift. Biegen Sie den Rand des Kragens ein wenig auseinander, dann vermeiden Sie Bißstellen.
Die Krawatte wird unansehnlich — kein Wunder — sie ist dem Licht und der Lust am meisten ausgesetzt. Da sie beim Binden Druckstellen bekommt, hat der Knoten schon nach kurzer Zeit nicht mehr seinen vorbildlichen Schick. Um der Krawatte ihr blühendes Aussehen zu erhalten, schenke man ihr ein wenig Pflege Von Zeit zu Zeit wird sie nachgesehen und — je nach
Hennoch.
Material — in lauwarmem Seifenwasser mit Essigzusotz gewaschen. Linksseitig gebügelt, bekommt sie alsbald wieder ihre ursprüngliche Form und sie dient noch einige Wochen, wenn nicht Monate, länger.
Herrenhandschuhe aus Waschleder Über, nehmen die Verpflichtung, durch Sauberkeit zu glänzen. Sie sind schnell gereinigt: Man ziehe sie auf, wasche sie in einer Lösung von mildem Seifenwasser — am besten von aufgelösten Seifenflocken — drücke sie auf den Händen aus, ziehe sie an. Nun kommen sie in ein Spül» bad, das aus lauwarmem Wasser und einem halben Teelöffel Glyzerin besteht. Erneut werden sie aufgezogen, ausgedrückt und freischwebend zum Trocknen aufge» hängt Um das Brüchigwerden zu vermeiden, lasse man sie an einem kühlen Ort trocknen. Das nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, verbürgt aber Haltbarkeit. Nach dem Abnehmen leicht zwischen den Händen gerieben, sind sie geschmeidig.
Wollene Herre n ft rümpfe oder -Socken lausen, selbst beim vorsichtigsten Waschen, ein. Dann drücken sie nicht nur, sondern sie zerreißen auch scheller. Einmal richtig behandelt, sind sie gegen das Einlaufen geschützt. Die Füßlinge werden naß gemacht, in ihre richtige Größe gezogen, auf ein Bügelbrett gelegt und mit einem nicht allzu heißen Eisen solange geplätet, bis sie unter dem Eisen trocknen. Dann kann man sie waschen, wie man will — sie behalten ihre vorschriftsmäßige Länge und Weite.
Die Frau in der Küche.
Krebssuppe.
Die Schalen gekochter Krebse werden mit Butter fein gestoßen, eine halbe Stunde darin gedämpft, danach reichlich Fleischbrühe aufgefüllt und durch ein feines Sieb gegossen Nach einigen Minuten füllt man die Krebsb itter davon ab und läßt die Krebsschalen mit der Brühe noch eine Stunde weiterkochen. Die passierte Suppe wird mit der Krebsbutter, welcher etwas süße Sahne und einige Eigelb zugesetzt wurden, kurz vor dem Anrichten legiert und die ausgelösten Krebsschwänze und Scheren hineingetan.
Der silberne Lössel als Keller.
Man hat dein silbernen Löffel in der Küche schon mancherlei gute Eigenschaften angedichtet. Niemals wird man mit feiner Hilfe giftige Pilze erkennen können, das ist eines der gefährlichsten Küchenmärchen. Dagegen erweist er sich als ein vorzüglicher und getreuer Freund, wenn die Hand einmal zu tief in das Salzfaß gegriffen hat. Man steckt den silbernen Löffel wenige Minu- ten in die versalzene Speise, das überschüssige Salz setzt sich an ihm an und die Hausfrau braucht sich bei Tisch nicht darüber zu ärgern, daß die ganze Familie behauptet, sie sei wieder einmal „verliebt" gewesen.
Ruth Schaumann.
Keine Biographie soll hier gegeben werden, auch feine eingehende Würdigung dieser kathol. Künstlerin. Dafür ist sie noch zu jung (geb. 24. 8. 1999), und es fehlt der zur abschließenden Würdigung nötige zeitliche Abstand. Auch hat sie uns vielleicht noch vieles zu schenken, da der Höhepunkt ihres Schaffens noch nicht erreicht scheint. Nur ein Hinweis soll gegeben werden auf diese schöpferische Natur, die sich heute schon mit ihren Dichtungen, plastischen und graphischen Wer- ken einen beachtlichen Platz hn Urteil der Kunstwelt er- rungen hat. Ohne Rücksicht auf Konfession, Kunstrichtung und Partei erkennt man ihr Recht auf diesen Platz zu.
Ihr neuestes dichterisches Werk ist ein umfangreicher Band lyrischer Gedichte („Die Tenne" 237 S. Halbl. Mk. 6.— Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet, München) der sich in 5 Abschnitten mit Geburt und Tod, Liebe und Mutterschaft, Erde und Himmel besaßt. Die Herbheit der Norddeutschen — R. Sch. ist in Hamburg geboren — prägt ihrer Gedichte gerade, knappe, konzentrierte Form. Herbes und tiefes Fühlen, verbunden mit einer grunb- baffen Religiosität charakterisieren ihre Verse als einmalig. Sie tragen oft sangbare Liedform wie z. B. in dem nachstehenden Gedicht, das man ohne Kommentar sprechen lassen muß:
Die flüchtige Liebe.
Wie willst du. daß ich bleiben mag, Da alle Dinge gehn?
Ich habe gestern noch im Hag Den Dornenstrauch gesehn. Heut blüht er grün und morgen rot Und ist am Abend kahl.
So leitet mich der Tag, der Tod Zum Leben aus dem Tal.
Ein jedes Sieb hat feinen Grund, Wie es fein Ende hat.
Einst liegt mein Mund von deinem Mund Für alle Zeiten satt.
Fällt meine Hand aus deiner Hand, Als wie ein Blatt vorn Baum.
Es ist ein Land ob unfern Land Wie Sonne ob dem Schaum.
Ich finge nicht, ich bete nicht. Ich schweige mich dir vor.
" Der Spiegel weist der Kerze Licht Das Meer den Mond empor. Der Wald hat groß und wundervoll Die Sterne angejebn.
Willst du, daß ich bleiben soll, Wenn alle Dinge ghen?
Ein Reichtum an Bildern, von stärkster Symbolkraft spricht aus ihren Verien, deren lautere Form im Leser nachschwingt. Diese Form wirkt nie gesucht, fonbern stets gewachsen aus dem Wurzelboden dichterischer Schau. Aus einem Künstlerherzen, das die Fülle der Geschichte manchmal fast zu sprengen scheint.
Ruth Schaumanns Gedichte, die wie obiges in ihrer beschwingten Ausdruckskraft auch dem einfachen Gemüt etwas zu sagen wissen, scheinen mir dauernder als manche andere, in denen sich Gedanken und Empfindungen wie die Wellen eines Sturchaches überspringen, so daß ihre Verständlichkeit darunter leiden muß. Gewiß kann die Lyrik von ihren Freunden verlangen, daß sie sich mit Beschaulichkeit in ihre Gründe versenken und so bis zum Kern in schöpferischem Nachempsinden eindringen. Gerade die Verdichtung des Denkens und Fühlens in den wertvollen Werken der Literatur hat zu dem schönen deutschen Wort „Dichtung" geführt. Aber allzu starke Konzentrationen eines Werkes begrenzt den Kreis seiner Anfänger, und gerade unsere besten Dichtungen müßten Allgemeingut werden.
Ich möchte es mir nicht versagen, in diesem Zusam- merchang ein weiteres Beispiel dieser Innigkeit, gefangen in singende Form, aus dem oben genannten Buch anzuführen:
(Baffe und fiinb.
Du bist so groß, es ist so klein. Wo soll mein Herz gefangen fein?
Du weißt das Wort, es lallt den Saut, Ich war der Siebe kleine Braut.
Ich sprach bas Ja, bu sangst das Ja, Da war das Kind im Himmel nah.
Und näher dann in meinem Schoß, Es ist fo klein, bu bist so groß. Ich bin bei bir unb bin bei ihm, Ich höre alle Cherubim.
Sie fingen laut, sie fingen leis, O Herz, bas sich zu teilen weiß.
Welch wunderbare Siebe zu dem Gatten unb zum Kind spricht daraus! Derartige Gedichte sind gleich leuchtenden Edelsteinen, deren Glanz immer wieder aussprüht, wenn das Licht sie trifft.
Gedichte unb Graphik sind in einem früheren Büchlein der Künstlerin (deren furchtbare Intuition schon fo manches Werk gezeitigt hat), in dem Bild- unb Versbuch „Die geliebten Dinge" (34 6. Blockbuch geb. 8.— Mk„ erschienen im gleichen Verlag), vereint. 14 Gedichte sind hier durch farbige Holzschnitte schlicht unb gefällig illustriert. Die „geliebten Dinge" sink» Hänbe, Füß«. Munb unb Stirn, Auge unb Ohr, Haare, Herz usw. Wie hier aus ber Anschauung blühende Dichtung entspringt, sei an dem nachfolgenden Gedichte gezeigt:
Die Aüße.
Auf die Füße reimt sich: grüße Grüß mit jedem Schritt den Pfad Deinen kleinen, deinen armen, Grüß vom seligen Erbarmen, Das bir Gott gegeben hat.
Auf die Füße reimt sich: büße, Büß bie Straße, die er litt Mit dem Kreuz und allen Wunden,
Bis er dich, fein Lamm, gefunden, Das aus seiner Hürde schritt.
Und auf Füße reimt sich: Süße.
Süßer noch als Wandern ist: Einst zu retgen auf der Wiese Hoch im hellen Paradiese, Paradiese, Paradiese, Wo sich jeder Weg vergißt.
Die beigegebenen Holzschnitte werden in ihrer pri- mitioen Gestaltung, mit warmen Farben ganz eigenartig belebt, erst durch die nebenstehenden Gedichte recht erschlossen Bei dieser Gelegenheit sei auch auf die unter dem Namen „Die Feste" noch, zwölf handgemalten Holzschnitten Ruth Schaumanns zusammengestellten Postkarten (Preis 2.50 Rm. im gl. Verlag) hingewiesen, die den christlichen Festen eine hübsche Ausdeutung geben Auf dem Gebiet der Graphik gehört die Künstlerin mehr als in ihren Gedichten zu der Kunstgattung, bie man unter dem Schlagwort „Expressionismus" zu- fammenfaßt. Es ist allerdings ein geläuterter „Expressionismus", der sich nicht auf einen kleinen Kreis von Freunden in seiner Wirkung zu beschränken braucht.
Joses G u t b e r l e t.
Mitleid.....
Von Otto Bürge l-Düsseldors.
„Komm', ich habe Hunger, sagte der Fuchs zu ber unvorsichtigen Maus, die sich fangen ließ und biß ihr den Kopf ab!
Das sah die Dame, die am Arm ihres Verehrers zufällig des Weges kam.
„Gott, wie grausam sind doch die Tiere untereinander", lispelte sie unb wickelte sich dabei fester in den Maulwurfmantel ....
Er war aus zweihundert kleinen, glänzendschwarzen Fellchen angefertigt ,,>4