Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Ne. 38

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt lm Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152 ::

Mittwoch, 17. Februar 1932.

Monatlich 1.65 einjchliehl. Postgebühr (48 Psg l ohne ZusteUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Lol) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Posticheckk Frankfurt a M 4051

Mrg. 59.

Nation stehl gegen Partei.

Di Volkskandidatur Hindenburgs wird von allen begrützt, die nicht an Parter-Intereffe, sondern an das Wohl des deutschen Volkes denken. Unwürdige Ausbrüche der Partei-Leiden- schasten in den radikalen Lagern. Der Verband der Krieger- vereine erklärt sich offen sür den Generalseldmarschall.

Die vier Sätze, mit denen Hindenburg seine Bereitschaft erklärt, sich zur Wiederwahl als.Reichs­präsident zur Verfügung zu stellen, greifen in ihrer .Schlichtheit ans Herz eines jeden echten Patrioten. Auch diejenigen, die Gegner dieses Kandidaten sein zu müssen glttu* den, neigen ihr Haupt vor solchem vaterländischen Pflichtgefühl.

Pflicht ist dem Herrn Reichspräsidenten die Annahme der Kandidatur, weil er nicht von einer Partei, sondern von breiten Volksschichten aufge- fordert worden ist, die Kandidatur anzunehmen. Jeder Parteienftreit müßte jetzt schweigen gegen­über einem solchen Manne, der fürwahr die Ver- lörperung deutscher Ehre, deutscher Treue und deutscher Vaterlandsliebe darstellt.

Nur ein wahrhaft nationales Ziel" kennt Hindenburg:Zusammenschluß des Vol­kes in seinem Existenzkampf, volle Hingabe jedes Deutschen indem har. ten Ringen um die Erhaltung der Nation".

Erhaltung der Nation: das ist die Pa­role dieser schweren Zeit, die an die Einheit und Geschlossenheit des Volkes aus in- nenpolitischen, mehr aber noch und für Ge­nerationen entscheidend aus außenpoliti­schen Gründen, die allerstärksten Anforderungen stellt.

Und Hindenburg geht der Nation voran, um ihrnach außen zur Freiheit und Gleichberechti­gung, nach innen zur Einigung und zum Aufstieg zu verhelfen."

Das sind erschütternde Worte der Mahnung, das ist ein Appell an das nationale Gewissen jedes Einzelnen!

Wir folgen Hindenburg! und darum lautet un­sere Parole in dem leider unvermeidlichen, aber hoffentlich mit reinen Waffen geführten Wahl­kampfe: Hindenburg!

Die Ankerschrist Hindenburgs.

C.N.B. Berlin, 16. Sehr. (Eig. Meld.) Um 11.30 Uhr warde eine Abordnung des Hindenburg- Ausschusses vom Reichspräsidenten empfangen, die aus den Herren Oberbürgermeister Dr. S a h m, Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons, für den bayerischen Landesausschuß Exzellenz von Winterstein und Oberst von Setßer, für den württembergischen Landesausschuß Dr. Robert Bosch und General von Maur, für den sächsischen Landesausschuß Reichsminister a. D. Dr. Kuelz bestand.

Oberbürgermeister Dr. S a h m bat den Reichs­präsidenten in einer Ansprache, seine Unter­schrift unter den Wahlvorschlag Hin­denburg zu setzen. Der Reichspräsident dankte in einer kurzen Ansprache und vollzog die Unter­schrift.

*

Nachdem Generalfeldmarschall von Hindenburg am Montag Vormittag den Vorsitzenden des Kyff- häuser-Bundes, General von Horn, empfangen hat, der ihm das Vertrauen der hinter ihm stehenden alten Soldaten zum Ausdruck brachte und ihm zu­gleich nahelegte, sich wiederum zur Kandidatur des Reichspräsidenten zu stellen, ist die endgültige Ent­scheidung gefallen. Hindenburg hat erkennen müs­sen, daß es der Wille einer überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes ist, daß er sich von neuem an die Spitze Deutschlands stellt. In sei­ner großen Vaterlandsliebe und seiner hohen Pflichtauffassung hat der Reichspräsident denn auch keinen Augenblick mehr gezögert und dem deutschen Volke seine Führerkraft angeboten.

Schon die Einzeichnunq in die Listen der ver- schiedenen Ausschüsse, besonders des Sahm- Ausschufse s und die darin enthaltene große An,zahl . ftihrender Männer Deutschlands auch selbst von der äußersten Rechten, haben gezeigt, daß die Neuwahl Hindenburgs als eine wirkliche 'Volks­wahl in Erscheinung treten wird. Jetzt gilt es alle Kräfte zu sammeln, um den Machenschaften der Harzburger Front entgegenzutreten. Mit welchen geringschätzigen Mitteln diese zu arbeiten versucht, darüber geben der nationalsozialistischeAngrist" und derVölkische Beobachter" genügend aufklä- rende Beispiele. DerAngriff" hat versucht, die Volkswahl Hindenburgs alsJuden­mache und Judensache" hinzustellen, aber ohne Erfolg. Die nationalsozialistische Presse ver­sucht es chren Lesern so hinzustellen, alsob aus der Gegenseite und In Regierungskreisen ein ge­wissesAngstmeiertum" herrschte und eineblasse Furcht" vor der Harzburger Front". Hinter solchen Worten will die Rechtsopposition aber lediglich die eigene Angst verbergen und die Aufmerksamkeit von ihrer eigenen großen Verlegenheit abwenden. Und daß sich Hitler und Hugenberg in nicht ge­ringer Verlegenheit befinden, das geht doch aus ihrem ganzen Benehmen und aus den sich hin-, schleppenden gegenseitigen Verhandlungen und Be­

mühungen hervor, zu einer gemeinsamen reibungs­losen Lösung der Präsidentenfrage zu gelangen. Umsonst bemühte sich ihre Presse auch, Hindenburg von der Annahme der Wiederwahl abzuhalten, weil seine Hilsstruppen auch von der Sozialdemo­kratie gestellt würden. Es ist ja allerdings kein Zweifel mehr, daß sich die Sozialdemokra­tie in ihrer großen Mehrheit diesesmal hinter Hindenburg stellen wird, das zeigt aber nicht, daß Hindenburg deshalb gerade i h r Kan­didat geworden ist. sondern das zeigt lediglich, daß sich sowohl die sozialdemokratischen Führer wie auch ihre Wähler der großen historischen und ge­samtpolitischen Verantwortung gegenüber dem deutschen Volke voll bewußt sind. Am deut­schen Volke wird es liegen, dem Auslands zu be­weisen, daß der unbeugsame Wille nach Einig­keit und Freiheit nach wie vor im deutschen Volke lebt, und daß der Träger dieses Willens und dieses Einheitsgedankens unser Hindenburg ist. Ihn am 13 März von neuem in überwältigender Mehrheit durch Dolkswahl zum Reichspräsidenten auf den Schild zu heben, das wird die Schicksols- stunde Deutschlands bedeuten.

*

Daß sich für die Wiederwahl des Reichspräsi­denten von Hindenburg sehr weite Kreise, insbe­sondere auch aus dem Lager der rechts orien­tierten Parteien und Organisationen emsetzen, ergibt sich aus folgender Aufstellung von Verbän­den, Organisationen, Gruppen und Persönlichkeiten, die sich für die Wiederwahl Hindenburgs ausge­sprochen haben:

Die Reichstagsfraktion des Deutschen Landvolks Der Jungdeutsche Orden

Die Reichsleitung des Christlich-Sozialen Dolks- dienftes

Der Bayrische Heimatschutz (Führer Forstrat Escherich)

Der Evangelische Volksdienst

Der Adelsmarschall von Bepg-Markienen

Der Gesamtvrrband der Christlichen Gewerk­schaften

Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefange­ner (Vorsitzender Freiherr von Lersner)

VolkskoNjservative Vereinigung Mannheim

LandwirtschaMche Bezirksvereinigung Berchtes­gaden und Bad Reichenhall

Marburger Hochschuklehrerschast Generaloberst Graf von Bochmer Technische Hochschule zu Braunschweig Hochschullehrerschaft der Universität Halle-Wit­tenberg

Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei Dolkskonservative Vereinigung zu Berlin Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei.

*

Der Präsident des KyMäuserbundes Gene­ral a. D. von Horn erläßt eine Kundgebung zur Reichspräsidentenwahl, in der er von der An­nahme der Kandidatur durch GeneralfeldmarschaN von Hindenburg Kenntnis gibt und u. a. sagt:

,Zch rufe Euch zu: Laßt die Partei­bindung beiseite und handelt in reinemKyff- häusergeist. Da ich als verantwortungsbewußter Führer und auf Wunsch der Organisation Stellung nehmen muß, so soll sie erhaben über alles parteipolitische Getriebe, und unabhängig von je­der Partei und jedem Ausschuß, lediglich geleitet von dem Streben für das Wohl des Vaterlandes lauten: Bewahren wir alten Solda­ten unserem verehrten Ehrenpräsi­denten das Vertrauen, das er ver- dient, und die Treue, die er uns ge­halte n hat. Verlassen wix unseren Hindenburg nicht!"

*

Die Presseabteilung des Bundesamtes des Stahlhelms teilt mit:

Die Voraussetzungen, unter denen der Stahl­helm bereit war, sür die Präsidentschaft des Generalfeldmarschalls von Hindenburg einzutre­ten, sind nicht erfüllt. Nunmehr hat der -Stahl­helm freie Hand.

Mit anderen Worten: das Tauschgeschäft des Stahlhelm" hat sich zerschlagen.

*

Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP schreibt zur Kandidatur Hindenburgs u. a., Hin­denburg habe sich auf die Seite der Gegner der Nationalen Front geschlagen. Nunmehr seien die Fronten geklärt. Dem jungen Deutschland, das sei­nem Führer folgt, müsse jetzt freie Bahn geschap sen tverden.

Besonders wütend sind die Nationalsozia­listen über die Krieger-Vereine. Die Krieger- Vereine werden in dem nationalsozialistischen Angriff" (Nummer vom 13. Februar) als politisch bedeutungslos" bezeichnet. Ihnen gehör, ten Angehörige der verschiedensten Parteien an, die sich in diesen Vereinen nur angefunden hätten,

um gelegentlich mit geschulterten Regenschirmen zu paradieren". >

Adolf Hitler veröffentlicht im Völkischen Beobachter einen Aufruf, worin die Kandidatur v. Hindenburgs als Unternehmen derschwarz-roten Koalition" beschimpft wird. Die Stunde der Auseinandersetzung mit denNo­ve m b e r m ä n n e r n" sei damit gekommen.

Der Deutsche" bringt sehr scharfe Ausführun­gen gegen die Harzburger Front. Alle Versuche, so sagt das Blatt, die Präsidentenwahl zum Sturze Brünings auszunutzen, seien also mißglückt. Die Fronten seien jetzt klar: Das Volk gegen die Harzburger Front, vor allem gegen die Harburger D r a h t z i e h e r, an beren- Spitze Hugenberg stehe. Damit sei auch di« Parole für den Kampf gegeben.

*

Die Bayerische Volks Parteikorre­spondenz spricht in einer Stellungnahme zur Kandidatur Hindenburgs die Hoffnung aus, daß der Genius des deutschen Volkes, der sich in der Person Hindenburgs verkörpere, sich auch durchsetzen werde. .

*

Was die Harzer im übrigen jetzt tun werden, interessiert nur noch mäßig. Die Lage ist durch die Entscheidung Hindenburgs hinreichend geklärt, und die Fronten sind deutlich abgegrenzt. Um die Fahnen Hindenburgs wird sich der Volks­teil sammeln, der mit ihm das Vaterlandnach außen hin zur Freiheit und zur Gleichberechtigung, nach innen hin zur Einignug und zum Wiederauf­stieg" "führen will. Diesem Ordnungsblock sieben die'zersplitterten Haufen derer gegenüber, die ihre zerstörenden Geschäfte gern im Dunkeln machen wol­len. Es wird ein sehr bunter Haufen werden, denn nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge marschieren Hitler und Hugenberg getrennt, und man nennt jetzt sehr ernsthaft diese b e i d en Namen als Präsidentschaftskandidaten. Eine letzte Hoffnung ist den Harzburger noch übrig­geblieben. Am nächsten Dienstag tritt der R e i chs- t a g zusammen, und diese Gelegenheit soll zu einem parlamentarischen Vorstoß gegen Brüning ausge­nutzt werden. Es ist aber bezeichnend, daß die Rechtsblätter auch diese Aussichten sehr ungünstig beurteilen. Die DAZ., die zwischen Hindenburg und Hitler hin und her schwankt, rechnet entgegen den Erwartungen im Braunen Hause, wo man auf einen zweiten Wahlgang hofft, auch mit einem Siege des Reichspräsidenten gleich im er st en Anlauf. Man kann nur wünschen, daß das Blatt sich in diesem Punkte nicht irrt.

England bewundert.

wtb. London, 16. Febr. (Eig. Meld.) Der Ent­schluß Hindenburgs, im-Alter von 84 Jahren von neuem für die Präsidentschaft zu kandidieren, fin­det in der gesamten Morgenpresse rückhaltlose Bewunderung.

wtb. Paris. 16. Febr. (Eig. Meld.) Die fran­zösische Morgenpresse beschäftigt sich stark mit der heutigen Jnterpellationsdebatte int Senat und er­örtert die Möglichkeit einer französi­schen Kabinettskrise. Deshalb findet man

über die Kandidatur Hindenburgs nur vereinzelt redaktionelle Betrachtungen.Petit Journal" be­tont, Hindenburg habe dank der loyalen Ehrenhaf, tigkeit, mit der er seinen Verfassung»« schwur, hielt, auch dem Auslande Vertrauenein, geflößt.Figaro" erklärt, Voraussagen über die Präsidentenwahl seien verfrüht. Man könne aber beute schon sagen, daß der Beschluß des Reichsprä- sidenten, aizfs neue zu kandidieren, allen Versuchen der Rechtsparteien ein Ende machen, die ihn zwin». aen sollten, sich von der Person Dr. Brünings $u trennen. Der Beschluß Hindenburgs habe die Stellung der Regierung stark de. festigt.

Reichstag am 23. Februar.

Der Reichstag ist nunmehr endgültig für Biens» tag, den 23. Februar 15 Uhr einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht lediglich dieBeschluß, fafsung über den Wahltag für die Wahl des Reichs­präsidenten". Die Grundlage für die Beratungen dieses ersten Sitzungstages nach der Pause bildet das Schreiben des "Reichsinnenministers an den Reichstag, in dem er namens der Reichsregierung als Wahltag für den ersten Wahlgang den 13. März und für einen etwa erforderlich werdenden zweiten Wahlgang den 10. April vorschlägt.

*

Der Berliner Gauleiter der NSDAP. Dr. Goebbels, hat sich an den Reichspräsidenten tele­graphisch mit der Bitte gewandt, die zahlreichen Redeverbote gegen führende Nationalsozialisten an­gesichts der Reichspräsidentenwahl aufzuheben.

Stand der schwebenden Schuld des deutschen Reiches.

wtb. Berlin. 16. Febr. (Eig. Meld.) Die schwe­bende Schuld des deutschen Reiches betrug nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums am 31. 12. 1931 1858,8 Mill. Rm. gegenüber 1912,6 Mill. Rm .am 31. Dezember 1930.

Die Wahlreform in Frankreich.

wtb. Paris, 16. Febr. (Eig. Meld.) Laut Ma- tin wird der Wahlrechtsausschuß des Senats das Wahlreform gesetz, das in der Kammer an­genommen worden ist, voraussichtlich gleich zu Be­ginn der heutigen Sitzung einstimmig ab lehn en.

Ehina an den Papst.

Osservatore Romano" meldet: Der Chef'der chinesischen Delegation beim Völkerbund Pen hat im Namen des chinesischen Volkes an . den Papst einen Appell gerichtet und von ihm ein Werk z u Gunsten seines Landes in der gegenwärtigen schwierigen Lage erbeten. Wir wissen, schreibt das Blatt, daß. der Kardinalstaatssekretär Herrn Pen mitgeteilt hat, daß der Heilige Vater in ferner universellen Vaterschaft alle Völker umschließt, und daß er dem chinesischen Volke mehrere Beweise sei­nes Wohlwollens gegeben hat, daß er ihm seine besten Wünsche übermittelt hat, und daß er es seine Gebete versichert, damit sobald als möglich der Friede unter jene zwei großen Völker zu- rückkehre.

Deutsch-Oesterreich sorderlMrtschafisraum

wtb. Wien, 16. Febr. (Eig. Meld.) Bundes­kanzler Dr. Buresch hat heute die Gesandten Deutschlands, Englands, Frank­reichs und Italiens und anschließend daran die diplomatischen Vertreter der ü b r i ge n Staa­ten empfangen und ihnen in einer längeren Er­klärung mitgeteilt, daß Oesterreich unbe­dingt einer Erweiterung seines wirtschaftlichen Arbeitsraumes be­darf. Die österreichische Regierung erklärt des­halb, daß sie mit allen Nachbarstaaten und mit allen Staaten, die dazu bereit sind, in Verhand­lungen über eine wirtschaftliche Annäherung einzu­treten wünsche. Der Bundeskanzler ersuchte die Ge­sandten, ihren Regierungen davon Kenntnis zu geben, und sie zu bitten, die Bestrebungen der österreichischen Bundesregierung eitest gehend zu fördern.

Die Abrüstungs-Konferenz.

Vor Eintritt in die Tagesordnung her Ab­rüstungskonferenz am Dienstag sprach Präsident Henderson den Wunsch aus, daß alle Delegationer> ihre Vorschläge bis zum Freitag einreichen, da­mit in der Nachmittagssitzung des Büros über die gefchästsordnungsmäßige Behandlung Beschluß gefaßt werden könne. Henderson betonte ausdrück­lich, daß dadurch das Recht der Delegationen, auch später Vorschläge zu unterbreiten, nicht verkürzt werden solle.

Zur Abrüstungsfrage erklärte der frühere ar­gentinische Außenminister Bosch, Argentinien un­terhalte für fein großes Gebiet eine so kleine Armee, daß sie selbst zur Erstillung polizeilicher Pflichten nicht ausreiche. Die Heeresausgaben be­liefen sich nur auf 6 Prozent des gesamten Haus­halts. Bosch schlug den Abschluß eines Abkom­mens der an den Verträgen von Washington und London nicht beteiligten Staaten vor und sprach sich für die Errichtung einer'ständigen Rüstungs­kontrolle mid für die Definition des Begriffes Kriegskonterbonde aus.

Im Verlauf der Debatte sprachen der persische Delegierte Aga Khan, der warm für die französi­schen Vorschläge eintrat und von lebhaftem Beifall begrüßt der schweizerische Bundespräsident M o t t a, der gegen die Mißstimmung des ostafiati- fchett Konfliktes anzukämpfen versuchte und zwischen den in der bisherigen Debatte zum Ausdruck ge­

kommenen Gegensätzen zu vermitteln bemüht war. Die französischen Vorschläge nannte er ein logisches Ganzes, dessen Grundgedanken jedoch der Zeit vor- auseilten. Motta schloß den allgemeinen Teil fei­ner Ausführungen mit der Apothese einer deutsch-französischen Annäher un g und entwickelte dann die traditionelle Neutralitäts­politik der Schweiz der auch ihre militärische De- fensiv-Organisation untergeordnet fei. Durch ihre Lage sei die Schweiz befonderz an der Beschran- hing der Militärluftfahrt interessiert, die aber nur durch eine Kontrolle der Zivilluftfahrt wirksam werden könne. Im übrigen gehe die Schweiz von dem Konzesfionsentwurf als Diskussionsgrundlage aus. , .

Der jugoslawische Außenminister Mann- kowitsch, der nach Motta sprach, trat vorbehaltlos für die französischen Abrüstungsvorfchlöae ein und unterstrich besonders die französische These, imß eine über die Herabsetzung oder Abschaffung be­stimmter Kri-gswafsen hinausgehende allgemeine Verminderung der Rüstungen erst dann eintreten könne wenn die poKitifd)en Frisdenssicherungen im Sinne des französischen Memorandums ausge­baut würden.

Als letzter Redner der heutigen Dienstags- Sitzung der Abrüstungskonferenz sprach der Dele- gierte Neuseelands, Sire Thomas Milford, der sich gegen die französischen Vor- schlüge wandte, die bestenfalls nur eine Wie­derbelebung des Genfer Protokolls bedeuteten und eine rein innereuropäifche Angelegenheit feien Er schloß damit, daß Abrüstung zwar Sicherheit be­deute, daß aber Sicherheit nicht notwendigerweise die Abrüstung zur Folge hätte.

Einbrüche bei der amerikanischen Delegation in Genf.

wtb. Genf, 16. Februar. (Eig. Meld) Zu Gerüchten über Einbrüche bei der amerikanisci)en Delegation wird von amerikanischer Seite mitge- teilt: Am 2., 3. und 4. Februar erfolgten nachts Einbrüche, zuerst bei Gibson, dann bei Senator Swanson und schließlich bei dem Presseettache In allen Fällen wurden die Koffer offenbar nach po­litischen Dokumenten durchsucht. Entwendet wurde nichts. Irgendwelche wichtige Dokumente sind den Tätern nicht zu Gesicht gekommen, da alles politisch Bedeutsame, auch der Telegrammschlüssel, im Sa­fes sicher bewahrt ist.