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MUS

14. Februar

Beilage zur Fuldaer Zerrung

Ar. 37

Es pfeifen bang die kahl! : Reifer,

und Krücken.

Gute Aacht!

S t e g u w e i t.

Von Heinz

Des Wächters Ruf Und ferne rauscht

Tür verrammt Eis umschließt

und der

der die

Die Das Die Und De?

Tritt verhallt, Wald.

Wie Wie

Die

Mitternacht.

rast der Wintersturm!

knirscht der Hahn am Turm! Stundenglocke selbst i'i heiser,

Schnee, See,

ten Sie sie morgen und übermorgen. Schlafen Sie gut. Guten Tag!" Drehte mich jählings auf meinem Ab­satz herum und ging meines Weges. Dachte bei mir im stillen, daß ich den Alten nur nach Verdienst behandelt hatte. Freute mich sogar. Kaufte wirklich keine Zeitung mehr in dem Kiosk mit der kleinen quietschenden Wetter­fahne. ,

O, ich lasse mir nie etwas gefallen, wenn ich auch lange zusehe. Auch die anderen sollten es so machen. Lassen Sie sich vielleicht auch nie etwas gefallen?

Gestern abend klingelte es an meiner Tür. Es klin­gelte noch einmal. Als es nicht mehr aufhörte zu klin­geln, sprang ich auf und öffnete die Tür.

Wer stand da? Der Wann aus dem blätterum-

Erde liegt in dichter Hülle wartet auf des Frühling Stille, Himmels bunte Sternenpracht

Plötzlich öffnete Professor Amandus Haarsieb beide Augen. Er blinzelte ein wenig erschrocken und fragte mit immer noch schlaftrunkener Zunge, was ihm die Ehre dieses Morgenbesuches verschaffe?

Die Wirtin lachte:Herr Professor, so fest haben Sie noch nie geschlafen, daß man bange werden mußte!"

Amandus Haarsieb antwortete, und sein Gesicht war immer noch friedlich und milde:Schon möglich, schon möglich. Wissen Sie, gestern abend hat einer zu mir gesagt: Gute Nacht, schlafen Sie recht wohl, morgen früh hören Sie Musik! Sehen Sie, das war das erste Mal in meinem Leben, daß ich das beim Einschlafen hörte:Gute Nacht, schlafen Sie recht wohl!" Eine gü­tige Stimme. Besorgt um mich wie ein Vater. Zum erstenmal!"---

die sanft geschlossenen Augenlider. So friedlich und milde hatte ihn noch keiner gesehen. Ihn, den Käfer- ammler und Kaninchenzüchter; ihn, den keiner liebte, der von Kind an verwaist war in der großen Welt.

Die Wirtin war ruhiger geworden. Ja, sie lchuttelte den Kopf und flüsterte Herrn Cyprian ins Ohr:Sie der Haarseb hat noch nie so fest geschlafen. Ich seh ihn zum erstenmal mit einem frohen Gesicht. Und dabei kenne ich ihn doch seit 30 Jahren!"

Herr Cyprian näherte sich dem schlummernden Pro­fessor; ob der in seinen Träumen nichts von dem crleibte, was die Musik der gnädigen Kopfhörer zu offen- baren hatte? Vielleicht empfing seine Seele doch noch den Choral der fernen Kurkapelle?

Gestern morgen hatte er noch kein Radio", sagte die Wirtin.

schers Klaus, der vor zwei Jahren den Vogel abgeschossen hat! Du kennst ihn auch!"

Ach so, der?! Der schon immer hinter dir her war! Hat er dir etwa auch das Ding geschenkt, das du heute so besonders feierlich trägst? Er ist doch wohl nicht gar dein Schatz?" Er faßt spielerisch nach der Kette und läßt sie abwägend durch die Finger gleiten.Ein Kram- budendings! Ich würde mich schämen, einer Dame solch einen billigen Tand zu schenken---

Greta wird über und über rot. Ob vor Schmerz, Zorn oder verletzter Eitelkeit, sie weiß es selbst nicht zu deuten. Unwillkürlich sieht sie mit einem Male die Kette mit ganz anderen Augen an. Ja, es war wirklich keine teure Kette---

Aber vielleicht hat es zu m e h r nicht gelangt!" fugte der feine Besuch aus der Stadt noch hinzu.Sieh mal, das Feuerwerk ist wirklich fein. Werden wir aber tan- zen, Greta, gleich, im Zelt." Und es streift ein heißer, verliebter und begehrlicher Blick ihre frische Schönheit.

Nach dem deftigen, ländlichen Abendbrot schlendern sie zum Festplatz. Vorher bleibt Hans an einer Bude noch stehen. ..

Die teuerste Handtasche, die Sie haben!' befahlt er kurz mit der Miene eines Ueberlegenen.

Die Budenverkäuferin wirft einen raschen, bewun- dernden Blick aus den freigebigen Herrn und der Greta schnürt etwas die Kehle zu. Eine kostbare Handtasche aus Saffian wird vor sie hingelegt. Sie kostet fünfund- zwanzig Mark, in Gretas Augen ein Vermögen. Die ist für dich, Liebes!" bestimmt Hans. Siehst du, mir ist für dich gerade das Beste gut genug . . .

Nun trägt Greta in der Hand die köstliche Tasche, am Hals den einfachen Schmuck aus Wachs. Sie ärgert sich mit einem Mal über Klaus. Nein, der muß sie nicht recht lieb haben, wenn er ihr so etwas Billiges kauft, daß sie zum Gespött des vornehmen Detters wird. Und andererseits wie lieb muß Hans sie haben, wenn er soviel Geld für sie ausgibt . . . Bei dem könnte sie es vielleicht besser haben als bei Kreischers Klaus---

Und doch--. r ,

Das eintönige Geräusch des Vogelschießens knallt über den Weg. Der Mond leuchtet hell und der Bach im Tale schwatzt von all den zärtlichen Stunden der Greta, schwatzt und schwatzt, aber die Greta achtet gar nicht darauf. Alles stürzt über sie her und bewundert die feine Tasche. So eine Tasche hat (eins der Mädchen im Ort. Von wem sie bloß die Tasche habe? Von Hans? Unb ihn, den Held des Tages, streifen bewundernde und begehrliche Blicke. Die Kette sieht keiner, keiner----

Einmal, zweimal tanzt Hans mit der Greta rund. Dann irren schon seine Augen mit unstetem Blick um- her. Da ist ein hübsches Mädchen, das mit dem weizen- blonden Haar, das so herausfordernd herüberlacht. Beim nächsten Tanz läßt Hans die Greta sitzen und lauft zu der Weizenblonden herüber. Greta sitzt wie erstarrt. Er führt s i e zum Schützenball und dann läßt er sie sitzen? Das darf kein Bursche tun, keiner. Sie ist blaß, als er zurückkommt. .

Du nimmst das doch nicht tragisch, mein liebes Kind?" lächelt Hans.Das Leben ist so abwechselungs-

Jm Zeitungskiosk.

Von Wilhelm Au ff ermann.

An der Ecke einer Straße, durch die ich sehr oft gehen muß, steht ein riesiger Starkasten, ein Holzkiosk mit einer dunklen Tür und zwei blinden Fensteraugen . Eine alte, blätterumrankte Holzbude mit Blechdach. Grasflecken umwuchern die Eingangstür, obwohl die Straße sehr be­lebt ist. Und Sonne darüber und blauer Himmel und auf dem Dach quitscht eine kleine Wetterfahne. Das Ganze ruheübergossen, wie in einer Abendgeschichte. Es ist aber nichts anderes als eine schlechtgehende Papier­handlung. Darin duftet es wie nach gärendem Heu. Ein alter, aber sehr dicker Mann sitzt den ganzen Tag hinter der mit Unordnung beladenen Theke. Um chn herum liegen Zeitungen, Broschüren, Papiere und An­sichtskarten und Schachteln mit Bleiftisten. Außerhalb der Reichweite feiner Arme beginnt bereits die Unord­nung der Dinge. Deutlich merkt man, dieser Mann be­dient sitzend, steht nicht gerne auf. Auch ein kleiner Herd ist da, gleich in seiner Nähe mit einem Topf, auf dem von morgens bis abends ein blauer Deckel hin und hertanzt. Ein schlechtes Zeichen: Tee schmeckt nur gut, wenn er sitzend getrunken wird. Ja, und der dicke Mann sitzt und sitzt und nickt dabei im Halbschlummer, wie ein Hund, der horcht, obwohl er schläft.

Sehen Sie, hier holte ich mir seit Wochen die Zei­tung, hatte sogar ein Buch bestellt und schon bezahlt, aber das Buch noch nicht erhalten. Aergerte mich tagtäglich, über die Bequemlichkeit des Allen. Bis vor einigen Tagen. Da wurde es mir schließlich doch zu bunt.

Ich kam und verlangte wie stets meine Zeitung.

Bitt' schön, da schaugen S' nach, da muß sie liegen!" sagte auch er wie stets und rührte sich nicht. Da kam mir ein Einfall.Geben Sie sie mir selbst!" antwortete ich kalt und bestimmt.

Ich hatte mich verrechnet. Er hob nur seine Hand und streckte sie nach der Zeitung vor, starrte mich erstaunt an und das war alles. Sicher erwartete dieser durchtrie­bene Bequemling, ich würde chm nun zuvorkommen. So eine Frechheit. Aber auch ich rührte mich nicht.

Er schien endlich doch seinen geruhsamen Bauch m ine Höhe heben zu wollen, aber scheinbar kam ihm plötz­lich noch ein besserer Entschluß: blieb sitzen. Nahm mit zwei Fingern einen Bleistift, mit dem er nach der Zeitung zu stochern begann. Ich sah voll Unwillen, daß es ihm wirklich gelang, sie in Reichweite zu bringen.. Hörte ihn dabei selbstgefällig:So . . . so . . ." durseln mit jener warmen, beruhigenden Stimme, wie man sie nur bei Fettleibigen hört und dazu wackelt sein gan­zer Körper vor Zusriedenhett, als ob ihn die eigene Stimme liebkoste; das sah geradezu nach Unverschämtheit aus.

Danke", sagte ich boshaft,jetzt brauche ich Ihre Zei­tung nicht mehr. Behalten Sie Ihre Zeitung. Behal-

Dies waren Herrn Cyprians Gedanken, als er in der Frühe noch einige Minuten liegen blieb, um den Morgenchoral einer fernen Kurkapelle zu hören: Demut vor dem Schöpferischen, das im Menschen wohnt und von ihm ausgeht: Vor dem Radio! - Wenn unsere Großmütter die Unmöglichkeit einer Behauptung sinn­fällig bekräftigen wollten, was sagten sie bann? Dies ober jenes sei völlig aus ber Lust gegriffen!

Heute blieb Herr Cyprian nach einige Minuten im Pelt, bie Kopfhörer auf den Ohren. Und er griff ihn völlig aus der Lust: Den Choral der fernen Kurkapelle! Großmutters Unmöglichkeiten waren möglich geworden.

Aber Herr Cyprians Poesie wurde durch ein Klopfen gestört, das die Festigkeit feiner Türfüllung immer un­bescheidener auf die Probe stellte. Zwischen Wachen und Träumen vernahm er die bebende Stimme feiner Wirtin. Warum jammerte sie sa ängstlich?"

Herr Cyprian sprang aus der Bettstelle, stürzte zur Tür, öffnete eine Hand breit. Da heulte ihm die Wir- tin verzweifelt ins Gesicht:Helfen Sie, kommen Sie, der Herr Profesfor öffnet nicht, es muß etwas passiert sein!" r x

Der Professor, von dem die Wirtin da gesprochen hatte, war ein altes, verknöchertes Männchen, ein Uni­kum, ein Sonderling. Seit 30 Jahren wohnte er Wand an Wand mit Herrn Cyprian in dieser bescheidenen Gelehrtenpenfion. Wie hieß er doch? Amandus Haarsieb, Säferfammler und Kaninchenzüchter. Sein enges Zimmer duftete nach Zoo, hier kannte nur der weltflüchtige Einsiedler atmen. Und heute morgen hatte er nicht geöffnet? Obwohl die klopfende Wirtin die Faust eines Paukentrommlers hatte?

Herr Cyprian wars sich den Schlafrock um und ging auf den Flur. Die Wirttn war schon ganz zusammen- geschrumpst vor Angst. Und Cyprian äugte durchs Schlüsselloch von Amandus Haarsiebs Zimmer: Nichts bewegte sich, nichts war zu hören. Nur die Kaninchen knabberten in ihren kleinen Ställen.

Da stemmten sich beide mit der vollen Gewalt ihrer Schullern gegen die Tür. Einmal. Fünfmal. Dann gab das Schloß nach, krachend fiel bie Tür aus ben Angeln. Unb Herr Professor Amandus Haarsieb? Er war weder tot noch krank. Nein, er schlief fest in sei­nen Kissen, auf ben Ohren bie schwarzen Muscheln eines Kopfhörers, auf bem Nachttisch bas bescheidene Gebilde eines Detektors. Und immerzu lächelte bas Gesicht des Sonderlings, immerzu kreiste ein verklärtes Zucken um

rankten Starkasten!

Das war doch der Gipfelpunkt aller Frechheit; aber der Kerl fürchtete sich nicht. Tat, als wäre zwischen uns nie etwas vorgefallen. Kaltblütig begann er zu reden und feine Worte atmeten bie Redlichkeit eines braven Gefchäftsmannes:. . . Tschuldigen" sagte er ,,. . . Tschuldigen! I hab' Eahna bloß dos Buach bringen wollen, weil Sie 's scho zahlt hab'n unb aber nimmer, kommen. Da schaugen S' her, da Ham S' es. So . . . Tschuldigen, Herr! Guate Nachtruh!"

Damit klappte der faltige Unterkiefer wieder hoch. Die Geschäftsehre war reingehalten. Hätte es chm nicht zugetraut. Mit entlastetem Gewissen rumpelte und hum­pelte er schwerfällig unter Aechzen und Stöhnen die Treppe wieder hinunter. Nur ein kleiner feiner Ge­ruch blieb zurück, wie nach Tee oder gärendem Heu.

Mein großer Schmerz torkelte darin hilflos hin und her und meine große, große Scham: deutlich hatte ich gesehen, der Alle hatte keine Füße mehr, ging auf Stelzen

Zieht durch die kalte Nacht.

Klaus Groth.

HoffNUNg.

Hoffnung schlummert tief hn Herzen, wie im Lilien- kelch der Tau;

Hoffnung tauchet wie aus Wolken nach dem Sturm des Himmels Blau;

Hoffnung keimt, ein schwaches Hälmchen, auch auf kah­ler Felsenwand;

Hoffnung leuchtet unter Tränen, wie im Wasser der

Demant. Fr. v. G a u d y.

Liebes-Werbung / Von Ragnhild Soensfen

den Passagierkabinen die sollen unterschiedslos durch­forscht werden, das wird nochmals energisch verlangt.

Man stellt die beiden größten Gruppen natürlich mehr aus Passagieren zusammen selbstverftänlich soll jeder einzelne Kabineninhaber vor der Durch­suchung seines Zimmers gerufen werden und gibt ihnen nur einen Mann der Besatzung mit bei.

Umgekehrt werden die untersten Decks, in denen die Passagiere sich ohnedies nicht auskennen, vor allem von den Mannschaften durchsucht.

Und hier gehen nur wenige Reisende zur Kontrolle mit eine Maßnahme, die Lebram trifft, um dem Miß­trauen, das die Schreckensnachricht zwischen Besatzung und Passagiere werfen muß, nach Möglichkeit die Spitze abzubrechen ...

Die Kolonnen teilen sich die Streife nimmt ihren Anfang. Man beginnt in allen Stockwerken am Bug und bringt Schritt für Schritt gegen das Heck vor in sieben Decks übereinander, schieben sich die Ketten, keinen Raum auslaffenb, jeden beweglichen Gegenstand aufhebend, von seinem Platz rückend, drehend, wendend, langsam Meter um Meter weiter . . . Lebram duldet bei seinen eigenen Räumen keine Ausnahme auch die Zimmer der anderen Offiziere, die vor bem Ladeschacht in den Passagierdecks liegen, werden nicht ausgelassen. In allen Kabinen rollt man die Perser zusammen, die Betten werden herausgerissen, Koffer und Schränke geöffnet und entleert jeder findet sich damit ab, daß man feine persönlichen Effekten Stück für Stück aus den Behältern zerrt.

In den Kabinendecks und in den beiden unteren Etagen mit den Mannfchaftsräumen und den Vorrats­kammern, die besonders unübersichtlich sind, schreitet selbstverständlich die Suche am langsamsten vor.

Hier ist man nach zwei Stunden knapp bis zur Mitte des Schiffes vorgedrungen während zur gleichen Zeit die beiden obersten Stockwerke schon völlig durchforscht sind, und sich die Kolonnen auf dem dritten, dem Ober- deck, bereits dem Heck zuschieben . . . Man rückt in dieser Etage gerade die Apparate im Gymnastikraum beiseite, stellt in der Bar die Stühle auf den Tisch unb räumt alle Flaschen und Becher des Mixers aus den Etageren aus als die beiden Gruppen des obersten

Ärztlich empfohlen Schutz gegen

1 PASTILLEN CinODC?

(ACfHDINIUMDEDIVAT)

Die Jungfernfahrt der ..Chrisiabelle."

10] Roman von Alfred Karl.

So wird die verwüstete Kabine in genau demselben heillosen Zustand belassen, in dem man sie auffand. Leb­ram verschließt persönlich di« Auhentüre und nimmt dann den Schlüssel an sich.

Dann bricht er sich, von Oelsmann gefolgt, energisch Bahn durch die Mauer der Pasiagiere. Da und dort will man chn noch mit Fragen aufhalten aber er schiebt sich weiter. Es drängt ihn, die gräßliche Entdeckung sofort zu Protokoll zu bringen.

Auf der Freitreppe wendet er sich dann noch einmal zurück:

Also in einer halben Stunde vor meinem Salon sämtliche verfügbaren Mannschaften werden ebenfalls zu der Such« herangezogen.

Niemand von den Passagieren verläßt während dieser halben Stunde das Vestibül vor der verschlossenen Ka­bine . . .

In dichtem Kreis drängt man sich um Frau Lang- Müller, die ihre kriminalistische Erfahrung energisch be­tont und den wahrscheinlichen Hergang des Mordes re­konstruiert. Aufgewühlt wartet man, bis die vom Kapi­tän gesetzte Frist verstrichen ist noch hält das hochge­peitschte Fieber alle in zerrernder Spannung, noch tritt die Reaktion der eisigen Lähmung, des froftigen Grauens nicht mit voller Stärke ein . ...

Aus, mein Lieber!" fahrt Lebram los, als er die Tür seines Salons hinter sich und Oelsmann ins Schloß wirst.j)ab ich's Ihnen nicht gesagt . . .? Wir haben den Klabautermann auf diesem Höllenkasten das ganze andere Affentheater war doch ein Kinderspiel gegen diese Schweinerei! Passen Sie auf, in Cospol verlieren wir die Hälfte ber Passagiere - bie Zeitungen Europas stür­zen sich auf diesen Skandal mich kann bas meine Siel- hing kosten: Ich bitte Sie, auf meinem Schiff wird der Reeder ermordet! Gleich in Triest hatte ich die Nase voll von diesem Inkognito-Krempel jetzt haben wir den Salat ..."

Oelsmann ist nicht weniger vernichtet als ber Kapitän __ seine Vernunft und Gewandtheit kapitulieren jetzt auch.Das muß doch alles einen bösen Zusammenhang haben!"

Sicher hat es den wir kennen ihn nur nickst! Was wissen wir überhaupt: in Korfu wollte man Fell- nor überfallen diesen Kerl haben wir für Althaus gehalten, was uns bei feinem frechen Auftreten kein Menfch verdenken konnte der richtige Althaus muß das beobachtet haben und hält den Mund dazu dann hetzt man den Kahn mit verrückten SOS-Rufen vierundzwanzig Stunden hin und her der falsche Althaus entlarvt einen Falschspieler vielleicht Kon­kurrenzneid . . . Weiter: ber richtige Althous soll auf ben Steckbrief hin verhaftet werden bei ber Gelegen­heit kommt überhaupt erst heraus, daß er ber richtige ist _ und tags darauf ist er ermordet, weil bis dahin noch nicht genug Theater war. Lieber Oelsmann, wir schwimmen hier isoliert auf diesem Satanskasten, ha­ben keine Behörden zur Hand wie sollen wir raus- kriegen, was für eine Riefenfchweinerei da wohl im Gange ist?"

Verzeihung, Kapitän kann es nicht doch anders sein: Fellnor ist taffächlich Althaus und der Ermor­dete war ein Hochstapler, der sich bei Ihnen mit fal­schen Papieren ausgewiesen hat?"

Lebram läßt die Faust schwer auf seinen Schreibtisch knallen.

Bin ich denn ein Idiot, Oelsmann bilden Sie sich ein, ich habe mich gestern mit ein paar Wischen zu­frieden gegeben ? Althaus war ja doch eine halbe Stunde bei mir drin! In der Zeit werde ich, ein lang, jähriger Angestellter des Konzerns, wohl gemerkt ha­ben, mit wem ich es zu tun hatte! Daß ber Ermor­dete Althaus war, steht außer Zweifel nur wer Herr Fellnor in der Luxuskabine ist, das ist noch nicht raus! Aber das geht uns ja vorläufig weniger an nachweisen kann ich dem Kerl bis jetzt nichts.

Mitten in die Ernte fällt das Schützenfest der St. Se- baftian-Schützengesellfchaft, fällt in die heiße Zeit ber schweren Arbeit wie ber purpurne Mohn der Freude ins nützliche Kornfeld der Pflicht. Die Kinder, bie Herbst­ferien haben, feiern schon von bem Augenblick an, da die bunten Wagen ber Kirmeßleute über bie Dorfstraße anschwanken. Was wird es alles geben an Äaruffels, Schaukeln, Drehorgeln unb Buden, an Theatern, Zelten unb Vorführungen; ber Griff in die Sparbüchse wird recht tief fein müssen.

Der hochbeladene Erntewagm des Klaus Kreischer holpert an ber bunten Welt vorüber. Eine Seiltänze­rin, die für die Vorstellung übt, wirst ihm eine Kuß­hand zu; er sieht es nicht. Er späht die Straße hinauf nach Schneider Hermanns Häuschen und nach der Greta. Mit ber Greta will er tanzen gehen, ber Kreischer Klaus, der hoch oben auf dem Erntewagen thront und die Welt nicht sieht. Er möchte der Greta etwas Hübsches kaufen am Budenstand, weil bas so Brauch ist hierzulande. Ob sein Geld langt? Es geht ben Bauern schwer unb die Ernte ist auch nicht gerade danach, Luftsprünge zu tun. Wenn er nun nicht mehr rauchen würde, Freitag auf den Kegelabend verzichtete---?

Dem Klaus strahlen die hellen, blauen Augen aus tiefbraungebranntem Gesicht. Ja, so muß es gehen! Sie wünschte sich, so glaubte er, eine Perlenkette. Ach, so eine feine, gelblich schimmernde Kette auf dem brau­nen, schlanken Hals--wie würde ihr das stehen,

seiner schönen Greta...

®erta hört von ihrem Kammerfenster das Huhott der beiden Braunen. Ein mächtiges Federkissen zum Auf­schütteln inzwischen ihren beiden kräftigen Händen, lehnt sie sich zum Fenster hinaus. Zwei Reihen Perlenzahne blitzen.

Hei, Klaus, morgen wirb's aber fein--metn

Vetter Hans kommt auch von Eschwege---Holst

du mich ab?"

Und ehe Klaus noch eine Antwort hinaufrufen kann, verschwindet sie wieder und keine Macht der (Erbe, noch Klaus' kräftige Stimme, lockt sie wieder zum Vorschein. Also wird der Klaus nicht kegeln und nicht rauchen und morgen ober übermorgen der Greta auf bem Kirmeßplatz bie Kette kaufen---

Am festlichen Tag ist es, als stände der Himmel offen über bem grünen Tal. St. Sebastian, zu dessen Ehren das Fest gefeiert wird, blickt aus blauen Dunstschleiern herab nub nickt nachsichtig mit dem Kopf, wenn auch das Fest so sorglos gefeiert wird, als wäre nicht notvolle Zett. Wie runde Kreisel fliegen bie Röcke ber Mädchen, bie mit den Burschen über ben Boden des Tanzzeltes fliegen, Ausflügler mit Rucksäcken und Autler im Leder- breß stehen an ben Fenstern und Eingängen unb schauen zu. Der Schützenzug kommt an. Feuerwerk regnet aus allen Fenstern der Dorfstraße.

Auf feinem schweren Ackergaul rettet Klaus Kreischer mit im Zug. Auch er trägt die schmucke, grüne Uniform ber Schützen unb ben phantastisch geformten, lederbe- buschten Hut. Seine Hanb winkt Greta. Vetter Hans, der Schofför fft in ber Großstadt und schönes Geld ver­dient, meint neben ihr:

Was ist denn das für ein Bauernstiefel, der dtch da so vertraulich grüßt?"

Die Greta zuckt auf, als habe ihr jemanb körperlich wehgetan.Das ist keinBauernftiefel", das ist Krei-

Was machen wir nun mit ben Passagieren, Ka­pitän?"

Der Teufel soll sie holen, alle, wie sie gebacken sind wenn ich bie Stellung hier nicht sowieso loswerde, lasse ich mich wieder auf meinen Frachter versetzen! Bitten Sie wenigstens den Grenzdörffer, er soll weiter ben Clown für die Bande machen aber heute abend wird er wohl auch mit feinem Latein zu Ende sein. Ich habe jetzt, weiß Gott, andere Sorgen also bitte, Oelsmann . . ."

Lebram legte sich Papier zurecht unb tauchte die Feder ein. .

Erst mal skizzieren, Oelsmann. Also: Am 22. Mai, 13.10 Uhr . . ."

Ein Schiss von 7000 Tonnen, ein Schiff mit sieben Stockwerken soll vier Stunden hindurch von zwei bis sechs Uhr nachmittags von einhunberffünfzig Menschen planmäßig abgesucht werden.

Man will damit beginnen, in jedes Rettungsboot hineinzuklettern, unb erst bei den Kisten, Säcken und Ballen in den Proviant- und Laderäumen, die doch unter Deck mit der Küche unb den Mannschaftskojen liegen, bie Suche zu beenben.

Lebram zieht bie Aktion mit Absicht etwas über­trieben um bas Grauen noch nicht voll aufkommen zu lassen militärisch auf: die hundert Passagiere und der größte Teil ber Besatzung treten um zwei Uhr vor seinem Salon auf dem Gartendeck an ausgenommen find nur die unentbehrlichsten Kräfte im Maschinen- ram, auf der Brücke, in der Funkerbube unb in de-

Küche.

Sieben Kolonnen werden eingetetlt. Eine führt ber Kapitän persönlich, drei die Offiziere, bie fünfte ber Schiffsarzt, die sechste ber Zahlmeister und bie letzte ber leitende Ingenieur. Jeder werden Passagiere und Mannschaften zugeteilt jede bekommt ein Deck als Tätigkeitsfeld zugewiesen.

Die Stärke ber Kolonnen fft verschieden für die drei obersten Stockwerke mit ben verhältnismäßig über­sichtlichen Promenaden unb Gesellschaftsräumen braucht man nicht so viel Kräfte, wie für die beiden Etagen mit