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14 Februa?

VeNage zur Fuldaer Zeitung

WW

Erster Fastensoun»ag.

Eingangslled; Ps. 90, 15 u. 16.

Invocabit me.....

Er ruft mich an und ich erhöre ihn, erlöse ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich will ihn sättigen mit langem Leben. (Ps. ebb. 1) Wer unterm Schutze des Höchsten steht, der wohnt in des Him­melsgottes Schirmdach.

Epistel: 2 kor. 6, 110.

Brüder! Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget. Denn er spricht: Zur Gnadenzeit erhör' ich dich, am Tage des Heils Helf' ich dir. Seht, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt der Tag des Heiles. Niemand geben wir irgendwie Anstoß, damit unser Dienst nicht in Verruf kommt: wir erweisen uns vielmehr in allen Stücken als Diener Gottes durch große Geduld, in Trübsal, in Nöten, in Aengsten, bei Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen in Nachtwa­chen, in Fasten; durch Keuschheit, durch Weisheit, durch Langmut, durch Freundlichkeit, im Heiligen Geiste durch ungeheuchelte Liebe, durch Berkündi- gung der Wahrheit, durch Gottes Kraft; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; bei Ehre und Schmach, bei schlech­ter Nachrede und gutem Ruf; für Betrüger gehal­ten und doch wahrhaftig, unbekannt und doch wohl­bekannt; als Sterbende, obwohl wir noch leben, gezüchtigt und doch nicht tot; betrübt und doch immer freudig, arm und doch viele bereichernd, ohne Besitz und doch alles besitzend.

Evangelium: Matth. 4, 111.

Die Versuchung Jesu in der Wüste durch den Teufel.

Christus und Safati.

Betrachtung zum Sonntagsevangelium.

Auch uns hat der Geist in die Wüste geführt, um uns zu versuchen. Elend ist um uns, um un­ser Volk, um die ganze Erde. Mißgunst und Mißtrauen herricht unter den Völkern und ihren Führern heute mehr denn je. Und in den Rechen des eigenen Volkes ist es nicht anders. Haß und Lieblosigkeit i i n b b i» Werkten ne des höllischen Geistes. Sollen wir uns in die Reihen derer stellen, die dieses (Slenb noch durch ihr Geschimpfe und Gezeter mehren? Ober sollen wir unser Herz beim Anblick eines solchen Jammers in tatenloser Verzweiflung verbluten lassen?

Keines von beiden! Nein, mein Freund, beide Wege führen ins Leere. Wir muffen in all dieser Not wieder zu uns selber kommen; ein jeder zu sich. Auch du mußt alles Geschwätz und Gerede lassen. Sieh, wir leben in der Wüste einer gottentfremdeten Welt. Das ist die Erundtatsaä>e. An guten Plänen irdischer Berech­nung fehlt es unserem Geschlecht wirklich nicht. In Rußland hofft man durch eine allgemeine Gü­terregelung glückliche Menschen zu schaffen. Im po­litischen Leben Westeuropas müht man sich ver­zweifelt um eine Völkerverständigung, die nicht zu­stande kommen will. Und trotz aller Zukunfts­träume schaut das Elend aus jedem Winkel bet Erbe. Die Erde gleicht ber Wüste mehr benn je. Ich möchte nicht mißverstanden sein: die Erde be­darf großer Parolen, der menschliche Geist ist auch zur irdischen Erneuerung der Erde mitberufen. Wir dürfen jeden Fortschritt begrüßen, der die Menschheit wirklich vorwärtsführt aber die mei­sten Erdenbaumeister bauen auf den Sand der Wüste, der ihre Bauwerke bereits im Beginn un­sicher macht. Sie bauen ohne Gott. Ein Sturm kommt und reißt den Untergrund weg.

Wenn ich von den christlichen Zeitungen mit ihrem religiösen Sonntagsblatt abfehe, so würde es einen Heiterkeitssturm auslösen, wenn da etwas von Christus und Satan stände. Christus und Satan sind für viele Spukgestalten, nicht we-

IlaNonalsozialistifche

Geschichts-,,Wissenschaft".

Eine Erwiderung an Univ.-Prof. Stark.

Es war im Jahre 1923-24, daß die damals junge völkische" Bewegung, heute Nationalsozialismus benannt, eine größere Presseoffensive gegen die Kriegs- und Nachkriegspolitik des Hl. Stuhles ent­fachte und vornehmlich in ihremVölkischen Beobachter", gestützt auf eine' Menge Zitate verschiedenster Art, zu beweisen suchte, daß die oberste Leitung der katholischen Kirche Deutschlands Feinde begünstigt habe und durch eine uns nach­teilige Politik zu unserer militärischen und damit auch sonstigen Niederlage beigetragsn habe. Die Offensive konnte damals durch den Nachweis zu­rückgeschlagen werden, baß durch den General Lu- dendorff von der Berliner Zentrale desEvan­gelischen Bundes" bezogene Zitate größten­teils Fälschungen waren oder dadurch, daß sie aus dem Zusammenhang gerissen waren, einen anderen als ursprünglich wahren Sinn erhalten hatten. Der Völkische Beobachter" vermochte nichts zu erwidern und mußte die für ihn vernichtenden Nachweise hinnehmen.

Darüber sind mehr als sieben Jahre hingegan­gen, für unsere raschlebige Zeit so etwas wie bei­nahe ein Menschenalter, und inzwischen sind auch in den Reihen des Nationalsozialismus andere Leute hochgekommen. Innerlich sind es dieselben Elemente, in ber Gesinnung unterscheiben sie sich nicht von ihren Vorgängern, unb ba ihnen bas Ver­gangene fremd ist, fangen sie die Geschichte wieder von vorne an. Das Neue liegt nun darin, baß jetzt ein leibhaftiger Professor der Uni­versität, Dr. I. Stark, sich als Vorspann hergibt und es unternimmt, die deutsche Wissenschaft jener Blamage auszusetzen, der sich jeder unvermeidlich aussetzt, der im Kampf gegen Rom beim .Evange­lischen Bund" Anleihen macht. Dieser große Ge-

Niger unb nicht mehr. Unb siehe, dadurch ist die Welt zur Wüste geworden.

In jener Begegnung .zwischen Christus und Sa­tan standen sich Licht und Finsternis klar und un- verhüllt gegenüber. Das ist eine ber großen Un­klarheiten unserer Zeit: Gute unb Böse, Licht unb Finsternis, Vertrauen unb Mißtrauen sind meist so durcheinander gemengt, daß weder bas Werk Sa­tans, noch bas Werk Gottes klar ersichtlich ist. Des­halb muß bie Kirche Hinweise unb Fingerzeige geben, damit nicht ihre eigenen Kinder in die Irre gehen.

An sich sind aber Christus und Satan klare Gegensätze, klargeschieden wie Tag und Rackst Das Reich Christi der befriedeten Seele. Wo Un. zufriedenheit, Zorn, Mißtrauen widereinander herrschen, da ist bas Reich Christi zu Ende. Das Reich Satans hat ba seine Wurzeln. Du wirst mir sagen: ich schwacher Mensch, ber keine Rolle spielt, kann boch nichts an bem Geschehen der Welt än­dern. Das sollst du auch gar nicht in detaern Sinne. Und doch sollst du daran mithelien, daß

aus ber Mißtrauenswüste ber Menschheit wieder fruchtbares Ackerland werde. Deine Aufgabe liegt aber nicht' draußen, sondern in dir selbst. Trägst du den Willen Gottes in dir unb in deiner Um­gebung weiter, so bienst du schon am Aufbau einer gotterfüllten Welt. Denn so liegt der Anfang für jeden.

Christus und Satan standen sich in der Wüste gegenüber. Bei uns, dem in der Sünde gefalle­nen Menschen begegnen sie einander in derselben Brust. Sie ringen hier miteinander um den Stag. Es geht dabei nicht allein darum, ob nach dem Tode Himmel oder Hölle folgen. Rein, es geht um deine Erlösung bereits in den Erbentagen. Auch da sollst du nicht im Finstern tappen, nicht leeren irdischen Traumgespinnsten nachhängen die eines Tages doch unerfüllt bleiben; nein Du sollst zu ber Gewißheit kommen, baß der Mensch nicht a'fem vom irdischen Brote lebt, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt Auch du sollst mit dieser Erkenntnis Satan bezwin­gen.

Die soziale Volschasl des Papstes.

Bon DsroaFb v. R ell-Breun in g S. I., Frankfurt a. M.-St. Georgen.

Der Bolksbund ber Katholiken Oesterreichs im Verein mit ber Leistung ber Katholischen Aktion in Oesterreich leistet Vorbild­liches für die Verbreitung der Gedanken des RundschreibensOuabragefimo an« n o". Zuerst veranstaltete man in Wien einen Schulungskurs (20.22. 10. 1931), ber ausschließ lich bie soziale Enzyklika zum Gegenstand hatte. Man oerftanb es, biefem Schulungskurs ein aus­nehmend hohes Niveau zu geben, tnbem es ge­lang, eine erlesene Garnitur von Referenten zu gewinnen. Der Kursus, ber bann bas Vorbild würbe, nach welchem eine sehr große Zahl ähnli­cher Schulungskurse in den verschiedenen Bundes­ländern gehalten wurden und immerfort noch ge­halten werden, liegt jetzt im Druck vor. (D i e s o- ziale Botschaft des Papstes, Vorträge überQadragefimo anno" nebst aus­führlichem Stichwortverzeichnis. Volksbundverlag, Wien 1931.) Es verlohnt sich, auch die deutsche Oesfentlichkeit auf diese Veröf­fentlichung hinzuweisen, umsomehr, als wir ja bisher an Schrifttum über die EnzyklikaOua- dragesimo anno" keineswegs reich sind. So stellt die im Dolksbundverlag, Wien 1931, erschienene Vortragsreihe wohl die erste ausführlichere unb tiefgehende Erläuterungsschrift bar. Auch wenn unser Schrifttum, wie zu erwarten, demnächst rei­cher geworden sein wird, dürfte man immer noch mit Nutzen zu den Vorträgen des Wiener Schu­lungskurses greifen, bie in vieler Beziehung nicht für Oestererich allein richtunggebend sind.

Die Bedeutung des Kursus erhellt allein dar­aus, daß ber einführende Vortrag gehalten wurde von dem Referenten für soziale Fragen in der östereichischen Bischo'skonferenz, Bischof Dr. Si­gismund W a i tz, Feldkirch-Innsbruck, während die Schlußrede kein geringerer als der Er-bifckof von Wien. Kardinal Dr. Friedrich Gustav P i f f I, hielt. Diele Einrahmung der Vorträge dieses Schulungskurses durch die beiden maßgeblichen Vertreter des österreichischen Episkopates verleiht natürlich auch den Ausführungen der übrigen Redner ein Gewicht und eine Bedeutung, bie es unmöglich mad>en, achtlos baran vorüberzugehen oder sich über ihre Ausführungen ober bie Aus­legungen. welche sie in wichtigen Fragen ber En­zyklika geben, leichthin hinwegzusetzen.

Bischof Waltz' AusführungenVon ,R er um nooarum zu ,Q u abragef im o ann o " ga­ben einen zeit- und geistesgeschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Dinge, wie sie sich von Leo XHI. bis zu Pius XI. zugetragen hat, und zeigen vor allem, wie die soziale Botschaft des re-

gierenben Papstes Puis XI., obwohl sie so weit über bie Kundgebung Leos XIII. hinausgreift, dennoch vollkommen in den Linien Leos Xin. bleibt. Sehr bemerkenswert erscheint, daß der bischösl. Redner auch inOuadragesinio anno" keineswegs einen Endpunkt ober einen Ruhepunkt er» blickt, sondern gerade nach bem Willen bes Pap­stes selber einen neuen Anfang unb kräf- tigen Anstoß zu weiterer Arbeit.

Dr. Johannes Meßner. Schriftleiter bes Neuen Reichs" behandelteDas Eigen tu ms- re ch t nach .Ouabragefimo An n o' ". Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, daß mir hier ausgereifte unb abschließenbe Darlegungen vor uns haben, die geeignet sind, bie feit Jahren so un­fruchtbar geführten Eigentumskontroversen nicht bloß abschließen, sondern ihnen im Lickte der En­zyklika sogar nachträglich noch einigen Ertrag ab­zugewinnen.

lieber Lohnfragen und Entproleta- r i f i e r u n g beruhtet Dr. Han? Schmitz Seine Ausführungen liegen in ber gleichen Richtung wie sein Referat auf der katholisch-sozialen Tagung in Wien im Juni 1929.

Man Darf es wohl überhaupt als bemerkens­wert bezeichnen, baß auf biefer von den höchsten kirchlichen Autoritäten des Landes inaugurierten Veranstaltung zwei Hauptredner ber katholisch­sozialen Tagung von 1929 roieber das Wort erhielten. Das bedeutet, daß die kirchlichen Oberhirten Oesterreichs nach Erscheinen ber En­zyklikaOuadragesimo anno" keine Veranlassung sahen, bie auf der 1929er Tagung eingenommene Haltung ber Referenten zu korrigieren unb ihre in der Januarkundgebung 1930 dazu ausgesprochene Billigung zurückzuziehen, daß sie vielmehr der En­zyklika bie Ermutigung entnahm, bie Arbeit in der Richtung, wie sie durch die Referate ber katholisch- sozialen Tagung 1929 aufgezeigt war, weiter zu fördern und mit ihrer bischöflichen Autorität zu decken. Ein aus Anlaß biefes Schulungskurses eigens ergangenes Schreiben des Kardinalstaatsse- tretärs hat den österreichischen Episkopat in dieser seiner Haftung inzwischen von neuem bestärkt. Kein Wunder beim, daß ber Januar 1932 wiederum eine Kundgebung bes österreichischen Episkopates in ber Form eines Gesamthirtenschreibens gebracht hat, worin die bisher eingehaltene Linie erneut bekräftigt wird unter sehr deutlicher Absage an solche Strömungen, Richtungen und deren Organe, die von dieser klaren und eindeutigen Haltung ab­zuweichen versuchten.

Aus den Schmitz'schen Ausführungen sei noch hervorgehoben, wie er die Entproletarisierung in

dem Sinne, wie die Enzyklika von lhr spricht, ge­danklich verbindet mit bem, was man Entproleta­risierung im gesellschaftspolitischen Sinne nennen kann, nämlich ber

Eingliederung des Arbeiters und feine Ver­wurzelung in ber menschlichen Gesellschaft im Wege der berufsständischen Gesellfchafts- und Wirtschaftsordnung, welche ihnen dieStanb- werdung" in feinem jeweiligen Berufsstand bringt.

Diese Gedankenoerbinbung liegt zweifellos ganz Im Sinne ber Enzyklika selbst

Weitere Referate betreffenWanblungen der kapital! st ischen Wirtschaft" (Univ.- Prof. Dr. Jos. Dobresberger Graz), ..Sozialis­mus unb Kirche" (Viezekanzler a. D. Richard Schmitz),Arbeiterbewegung unb .Ouadragesimo anno " (Msgr. Dr. Franz Kolb).

Besonderes Eingehen erfordert aber noch das Referat von Altbundeskanzler Prälat Dr. Ignaz Seipel über

Die neue Gesellschaftsordnung nach der Enzy- klyka .Ouabragefimo anno.

Kein anderer war so berufen, über diesen Gegen­stand zu sprechen, wie ber österreichische Staats­mann, ber bereits vor dem Erscheinen der Enzykli­ka bas Ziel einer ständischen Ordnung m der Oes- fentlichkeit vertreten hatte. Bemerkenswert in dem Seipelschen Referat ist die starke Betonung ber staatlichen Seite ber vom Papst geforderten Gesell, schastsreform. In der Tat handelt es sich bei der berufsständischen Gliederung nicht um irgendwelche Gruppierungen innerhalb einer Volksmasse, ver­standen als ein Personenkreis von unbestimmter Ausdehnung, sondern um die ®Iieberung bes Staatsvolkes in öffentlich-rechtlichen Kör­pern, bie zwar burchaus nicht von Staates Gnaben bestehen, aber dennoch wahre und wirkliche Bau- stücke. tragende Glieder des Staatsorganismus sind. Zweifellos ist es Seipel gelungen, seinen Vorsatz auszuführen, nämlich:bie reine unb unverfälschte Lehre bes Hl. Vaters zum Ausdruck zu bringen . In den zukünftigen Erörterungen über bie heutige Klassengesellschaft unb die anzu st re. benbe berufsstänbiscke Gesellfchafts- orbnung ber Zukunft wird an den bedeutsamen Ausführungen Seipels nicht mehr öorübergegan- gen werden können. Nur in einem Punkt möchte man eine andere Voraussage machen als Seipel -es tut: wenn auch die Gewerkschaften ähnlich den politischen Parteien gewisse Opfer für bie berufs- ständische Orbnung zu bringen haben werden, so dürften boch bie Bemühungen zu diesem Ziele hm nicht zu einer Lähmung ber gewerkschaftlichen Ta. tigfeit führen, sonbern eher ben Gewerkschaften neue Lebenskräfte zuführen.

Kardinal Piffl's Schlußrede war alsbald geson­dert durch die Presse verbreitet worden. Aus dem Zusammenhang des Schulungskurses gerissen, konnte sie nicht gebührenderweise gewürdigt wer­den und zur Geltung kommen. Wer damals dir Rede in den Zeitungen gelesen bat, darf sich dis Mühe nicht verdrießen lassen, sie hier im Zusam­menhang der übrigen Referate noch einmal mit Aufmerksamkeit zu studieren. Erst in diesem Zu- sammenhang geht die Bedeutung und bie Trag­weite der einzelnen Sätze unb Formulierungen bem Leser völlig auf. Es war nicht bie Absicht bes Karbinals, zu allen Dingen das letzte Wort zu sprechen. Aber in einer Reihe sehr wichtiger Fra- gen wollte er ein klares unb bestimmtes Wort spre- chen unb er hat es gesprochen!

Der soziale Katholizismus Oesterreichs hat in den Worten bes Wiener Oberbirten rote in ben ge­tarnten Referaten bes Schulungskursus eine sichere, verläßliche Richtschnur. Auch in Deutschland wer- ben wir den Nutzen verspüren.

faulstich - - ihr radio-fachmann

lehrte hat neulich eine Broschüre veröffentlicht, ber die allerersten Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens, nämlich selbständigesForschen, Gründlichkeit und ruhiges Abwägen nach Heranziehung erster und vollständiger Quel- len mangelt. Sie ist von wahnwitzigem Haß diktiert, und was durch ein sehr um­fangreiches Ouellenwerk niemals erwiesen werden könnte, sucht sie durch Aneinanderrechung von we­nigen Zitaten mehr als zweifelhafter Natur zu be­weisen. Die Schrift dieses Mannes ber Wissenschaft, zu ber man ber Universität München nur herzliches Beileid ausbrücken kann, betitelt sich3 e n tr u m s- herrschaft unb Iesuitenpolitik". Wir können sagen, baß wir sie mit herzinnigem Ver­gnügen gelesen haben, mit jenem Vergnügen, bas man bei der Begegnung mit alten Bekannten, die man längere Zeit nicht mehr gesehen hat, empfin­det. Es sind nämlich die damals von mir als Fälsckung nachgewiesenen Zitate aus der Kartho- thek des .Evangelischen Bundes", und ich habe sie -um großen Teil in meinem BuchP apst und Kurie in ihrer Politik nach bem Welt­krieg" festgenagelt, so daß heute die Arbeit bes Widerlegens auch für bie Presse ungemein erleich­tert wäre, wenn bas Buck bazu benützt würde.

Professor Dr. Stark hat inzwischen zur Vertei­digung seiner Schrift imVölkischen Beo­bachter" vom 24-23. Januar 1932 eine soge­nannte warme Lanze eingelegt, unb er »erteibigt sie wie die bekannte Löwin ihr Junges gegen bie Zentrumspresse. Zu diesem Zweck entnimmt er seiner Broschüre zwei Zitate, stellt sich vor die feind­liche Phalanx hin, wirft sich in bie Brust unb spricht:Stab Dieta Angaben meiner Schrift richtig ober nicht?" Da er sich bie Antwort Darauf selbst zu geben nicht im stände ist. obwohl er als Uni- versitätsvrofessor durch bie Gebote ber historischen Wissenschaft verpflichtet gewesen wäre, seine Quel­len erst selbst zu prüfen, anstatt dies uns. seinen Gegnern zu überlafien, wollen wir ihm die Ant­

wort geben unb »eigen, wer ein Recht hat, ber Ge­genseitegrobe Fälschung" vorzuwerfen, wir ober Herr Professor Dr. Stark.

Sein erstes Zitat lautet:

Erzberger war es, welcher sich schließlich mit aller Macht für bie Annahme bes Diktates von Versailles einsetzte. Erzberger erhielt nach Unterzeichnung bes Versailler Dik­tates von Papst Benebikt XV. als Auszeichnung ben einzigen Karbi­tt a l s h u t, ben Benebikt XV. getragen unb besessen hatte. (Sperrbrutf von Stark selbst!)

Ich antworte ihm: die ganze Behauptung ist von Anfang bis zu Enbe unwahr.

Nun »um zweiten Zitat Starts. Es lautet:

Papst Benedikt XV. nahm mit folgenden Wor­ten Stellung zum Diktat von Versailles:V o n Frankreich aus möge s i ch Gottes Gnade über bie ganze Welt ergießen; was menschliche Klugheit auf der VersaillerKonferenzbegonnen.mögs bie göttliche Liebe nerebeln." (Sperr» brück wiederum von Stark selbst.!

Ich antworle Darauf: Das Zitat ist eine von mir feit 1925 festgenagelte Fälschung des Evangelischen Bundes", und dieses ge» fälschte Zitat hatte di- völkische .Groß- deutsche Zeitung" (Rr 41 vom 15. März 1924 in ihrem ArtikelDeutschland unb der Vati­kan" (Von Alarich) schon gebracht worauf ick ihr in derAugsburger Postzeitung" vom 24. Mai 1924 unter dem gleichen Titel diese Fälschung unter die Nase gerieben und zugleich das unver­fälschte Zitat aus jener Quelle angegeben hatte, die A'arick" selbst genannt, batte nämftck Acta Ap. Sebis Nr. 12 vom 3. November 1919. Diesen Text übernahm ick auck in m-in Buck fo Daß »r i-Der- »eit nachgetasen werden konnte (S. 136). Unb bie» 1 fer Universitäts-Professor, ber nicht einmal seine

eigene Presse kennt, holt sich nun ausgerechnet jene Fälschung unb zitiert sie genau so, wie sie in der Schunbschrift bes Evangelibunbes ,Deutschland und Der Vatikan" S. 58 bargeboten ist, ohne trotz richtiger Angabe der Quelle dieses nachzuprüsen! Das ist die Wissenschaft des Herrn Professor Stark! Hier der richtige Text, wie er tatsächlich in ben Acta Ap. Sebis steht:

Möge Doch unser Herr Setas Christus, so bit­ten wir ihn flehentlich, darum mit Euch, (den französischen Bischöfen!) fein. Daß Ihr bieWohl - taten ber göttlichen Barmherzigkeit feiert. Möge auch bie Fürbitte eurer Lanbs- männin, der seligen Margarete Maria, vom er­habenen Tempel herab, den Ihr zu Ehren seiner Liebe errichtet, nicht nurFrankreich, son­dern das ganze Menschengeschlecht mit Gnaden umfangen und überhäu­fen. damit, was menschliche Klugheit mit ber Kon­ferenz von Versailles begonnen hat, bie göttlich« Liebe zurechtrücke unb oollenbe auf bem Berge ber Märtyrer" (Montmartre).

Es war keine politische Feier, sonbern eine rein religöfe, für die jenes Schreiben bes Papstes be­stimmt war, unb sie enthält eine Mahnung, die Herr Professor Stark natürlich verschwiegen hat, weil er ja bas gefälschte Zitat unbedenklich über­nommen unb durch feinen wissenschaftlichen Namen gedeckt hat. Diese Mahnung lautete:Aber bie Liebe zu bem Näcksten bie umso edler wirb, je näher uns jene stehen, benen sie gilt, muß s i ch auf alles erstrecken, selbst auf untere Feinde, ba wir alle verbunden sinb burch bas Vanb ber Brüderlichkeit, als Kinder Des gleichen Vaters, erlauft durch das gleiche Blut Christi. Siebet eure Seinbe tuetSutesbenen, bieeudibaffen..." So fährt Der Papst fort unb wendet sich Damit an Das ebenso siegestrunkene wie haßerfüllte Frankreick zu einer Zeit, da Poin- care noch seine berüchtigten Sonntagsreben hielt.

Friedrich Ritter von Lama.