14 Februa?
VeNage zur Fuldaer Zeitung
Hü
WW
Erster Fastensoun»ag.
Eingangslled; Ps. 90, 15 u. 16.
Invocabit me.....
Er ruft mich an und ich erhöre ihn, erlöse ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich will ihn sättigen mit langem Leben. (Ps. ebb. 1) Wer unterm Schutze des Höchsten steht, der wohnt in des Himmelsgottes Schirmdach.
Epistel: 2 kor. 6, 1—10.
Brüder! Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget. Denn er spricht: Zur Gnadenzeit erhör' ich dich, am Tage des Heils Helf' ich dir. Seht, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt der Tag des Heiles. Niemand geben wir irgendwie Anstoß, damit unser Dienst nicht in Verruf kommt: wir erweisen uns vielmehr in allen Stücken als Diener Gottes durch große Geduld, in Trübsal, in Nöten, in Aengsten, bei Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen in Nachtwachen, in Fasten; durch Keuschheit, durch Weisheit, durch Langmut, durch Freundlichkeit, im Heiligen Geiste durch ungeheuchelte Liebe, durch Berkündi- gung der Wahrheit, durch Gottes Kraft; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; bei Ehre und Schmach, bei schlechter Nachrede und gutem Ruf; für Betrüger gehalten und doch wahrhaftig, unbekannt und doch wohlbekannt; als Sterbende, obwohl wir noch leben, gezüchtigt und doch nicht tot; betrübt und doch immer freudig, arm und doch viele bereichernd, ohne Besitz und doch alles besitzend.
Evangelium: Matth. 4, 1—11.
Die Versuchung Jesu in der Wüste durch den Teufel.
Christus und Safati.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium.
Auch uns hat der Geist in die Wüste geführt, um uns zu versuchen. Elend ist um uns, um unser Volk, um die ganze Erde. Mißgunst und Mißtrauen herricht unter den Völkern und ihren Führern heute mehr denn je. Und in den Rechen des eigenen Volkes ist es nicht anders. Haß und Lieblosigkeit i i n b b i» Werkten ne des höllischen Geistes. Sollen wir uns in die Reihen derer stellen, die dieses (Slenb noch durch ihr Geschimpfe und Gezeter mehren? Ober sollen wir unser Herz beim Anblick eines solchen Jammers in tatenloser Verzweiflung verbluten lassen?
Keines von beiden! Nein, mein Freund, beide Wege führen ins Leere. Wir muffen in all dieser Not wieder zu uns selber kommen; ein jeder zu sich. Auch du mußt alles Geschwätz und Gerede lassen. Sieh, wir leben in der Wüste einer gottentfremdeten Welt. Das ist die Erundtatsaä>e. An guten Plänen irdischer Berechnung fehlt es unserem Geschlecht wirklich nicht. In Rußland hofft man durch eine allgemeine Güterregelung glückliche Menschen zu schaffen. Im politischen Leben Westeuropas müht man sich verzweifelt um eine Völkerverständigung, die nicht zustande kommen will. Und trotz aller Zukunftsträume schaut das Elend aus jedem Winkel bet Erbe. Die Erde gleicht ber Wüste mehr benn je. Ich möchte nicht mißverstanden sein: die Erde bedarf großer Parolen, der menschliche Geist ist auch zur irdischen Erneuerung der Erde mitberufen. Wir dürfen jeden Fortschritt begrüßen, der die Menschheit wirklich vorwärtsführt — aber die meisten Erdenbaumeister bauen auf den Sand der Wüste, der ihre Bauwerke bereits im Beginn unsicher macht. Sie bauen ohne Gott. Ein Sturm kommt und reißt den Untergrund weg.
Wenn ich von den christlichen Zeitungen mit ihrem religiösen Sonntagsblatt abfehe, so würde es einen Heiterkeitssturm auslösen, wenn da etwas von Christus und Satan stände. Christus und Satan sind für viele Spukgestalten, nicht we-
IlaNonalsozialistifche
Geschichts-,,Wissenschaft".
Eine Erwiderung an Univ.-Prof. Stark.
Es war im Jahre 1923-24, daß die damals junge „völkische" Bewegung, heute Nationalsozialismus benannt, eine größere Presseoffensive gegen die Kriegs- und Nachkriegspolitik des Hl. Stuhles entfachte und vornehmlich in ihrem „Völkischen Beobachter", gestützt auf eine' Menge Zitate verschiedenster Art, zu beweisen suchte, daß die oberste Leitung der katholischen Kirche Deutschlands Feinde begünstigt habe und durch eine uns nachteilige Politik zu unserer militärischen und damit auch sonstigen Niederlage beigetragsn habe. Die Offensive konnte damals durch den Nachweis zurückgeschlagen werden, baß durch den General Lu- dendorff von der Berliner Zentrale des „Evangelischen Bundes" bezogene Zitate größtenteils Fälschungen waren oder dadurch, daß sie aus dem Zusammenhang gerissen waren, einen anderen als ursprünglich wahren Sinn erhalten hatten. Der „Völkische Beobachter" vermochte nichts zu erwidern und mußte die für ihn vernichtenden Nachweise hinnehmen.
Darüber sind mehr als sieben Jahre hingegangen, für unsere raschlebige Zeit so etwas wie beinahe ein Menschenalter, und inzwischen sind auch in den Reihen des Nationalsozialismus andere Leute hochgekommen. Innerlich sind es dieselben Elemente, in ber Gesinnung unterscheiben sie sich nicht von ihren Vorgängern, unb ba ihnen bas Vergangene fremd ist, fangen sie die Geschichte wieder von vorne an. Das Neue liegt nun darin, baß jetzt ein leibhaftiger Professor der Universität, Dr. I. Stark, sich als Vorspann hergibt und es unternimmt, die deutsche Wissenschaft jener Blamage auszusetzen, der sich jeder unvermeidlich aussetzt, der im Kampf gegen Rom beim .Evangelischen Bund" Anleihen macht. Dieser große Ge-
Niger unb nicht mehr. Unb siehe, dadurch ist die Welt zur Wüste geworden.
In jener Begegnung .zwischen Christus und Satan standen sich Licht und Finsternis klar und un- verhüllt gegenüber. Das ist eine ber großen Unklarheiten unserer Zeit: Gute unb Böse, Licht unb Finsternis, Vertrauen unb Mißtrauen sind meist so durcheinander gemengt, daß weder bas Werk Satans, noch bas Werk Gottes klar ersichtlich ist. Deshalb muß bie Kirche Hinweise unb Fingerzeige geben, damit nicht ihre eigenen Kinder in die Irre gehen.
An sich sind aber Christus und Satan klare Gegensätze, klargeschieden wie Tag und Rackst Das Reich Christi der befriedeten Seele. Wo Un. zufriedenheit, Zorn, Mißtrauen widereinander herrschen, da ist bas Reich Christi zu Ende. Das Reich Satans hat ba seine Wurzeln. Du wirst mir sagen: ich schwacher Mensch, ber keine Rolle spielt, kann boch nichts an bem Geschehen der Welt ändern. Das sollst du auch gar nicht in detaern Sinne. Und doch sollst du daran mithelien, daß
aus ber Mißtrauenswüste ber Menschheit wieder fruchtbares Ackerland werde. Deine Aufgabe liegt aber nicht' draußen, sondern in dir selbst. Trägst du den Willen Gottes in dir unb in deiner Umgebung weiter, so bienst du schon am Aufbau einer gotterfüllten Welt. Denn so liegt der Anfang für jeden.
Christus und Satan standen sich in der Wüste gegenüber. Bei uns, dem in der Sünde gefallenen Menschen begegnen sie einander in derselben Brust. Sie ringen hier miteinander um den Stag. Es geht dabei nicht allein darum, ob nach dem Tode Himmel oder Hölle folgen. Rein, es geht um deine Erlösung bereits in den Erbentagen. Auch da sollst du nicht im Finstern tappen, nicht leeren irdischen Traumgespinnsten nachhängen die eines Tages doch unerfüllt bleiben; nein Du sollst zu ber Gewißheit kommen, baß der Mensch nicht a'fem vom irdischen Brote lebt, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt Auch du sollst mit dieser Erkenntnis Satan bezwingen.
Die soziale Volschasl des Papstes.
Bon DsroaFb v. R ell-Breun in g S. I., Frankfurt a. M.-St. Georgen.
Der Bolksbund ber Katholiken Oesterreichs im Verein mit ber Leistung ber Katholischen Aktion in Oesterreich leistet Vorbildliches für die Verbreitung der Gedanken des Rundschreibens „Ouabragefimo an« n o". Zuerst veranstaltete man in Wien einen Schulungskurs (20.—22. 10. 1931), ber ausschließ lich bie soziale Enzyklika zum Gegenstand hatte. Man oerftanb es, biefem Schulungskurs ein ausnehmend hohes Niveau zu geben, tnbem es gelang, eine erlesene Garnitur von Referenten zu gewinnen. Der Kursus, ber bann bas Vorbild würbe, nach welchem eine sehr große Zahl ähnlicher Schulungskurse in den verschiedenen Bundesländern gehalten wurden und immerfort noch gehalten werden, liegt jetzt im Druck vor. (D i e s o- ziale Botschaft des Papstes, Vorträge über „Qadragefimo anno" nebst ausführlichem Stichwortverzeichnis. Volksbundverlag, Wien 1931.) Es verlohnt sich, auch die deutsche Oesfentlichkeit auf diese Veröffentlichung hinzuweisen, umsomehr, als wir ja bisher an Schrifttum über die Enzyklika „Oua- dragesimo anno" keineswegs reich sind. So stellt die im Dolksbundverlag, Wien 1931, erschienene Vortragsreihe wohl die erste ausführlichere unb tiefgehende Erläuterungsschrift bar. Auch wenn unser Schrifttum, wie zu erwarten, demnächst reicher geworden sein wird, dürfte man immer noch mit Nutzen zu den Vorträgen des Wiener Schulungskurses greifen, bie in vieler Beziehung nicht für Oestererich allein richtunggebend sind.
Die Bedeutung des Kursus erhellt allein daraus, daß ber einführende Vortrag gehalten wurde von dem Referenten für soziale Fragen in der östereichischen Bischo'skonferenz, Bischof Dr. Sigismund W a i tz, Feldkirch-Innsbruck, während die Schlußrede kein geringerer als der Er-bifckof von Wien. Kardinal Dr. Friedrich Gustav P i f f I, hielt. Diele Einrahmung der Vorträge dieses Schulungskurses durch die beiden maßgeblichen Vertreter des österreichischen Episkopates verleiht natürlich auch den Ausführungen der übrigen Redner ein Gewicht und eine Bedeutung, bie es unmöglich mad>en, achtlos baran vorüberzugehen oder sich über ihre Ausführungen ober bie Auslegungen. welche sie in wichtigen Fragen ber Enzyklika geben, leichthin hinwegzusetzen.
Bischof Waltz' Ausführungen „Von ,R er um nooarum’ zu ,Q u abragef im o ann o’ " gaben einen zeit- und geistesgeschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Dinge, wie sie sich von Leo XHI. bis zu Pius XI. zugetragen hat, und zeigen vor allem, wie die soziale Botschaft des re-
gierenben Papstes Puis XI., obwohl sie so weit über bie Kundgebung Leos XIII. hinausgreift, dennoch vollkommen in den Linien Leos Xin. bleibt. Sehr bemerkenswert erscheint, daß der bischösl. Redner auch in „Ouadragesinio anno" keineswegs einen Endpunkt ober einen Ruhepunkt er» blickt, sondern gerade nach bem Willen bes Papstes selber einen neuen Anfang unb kräf- tigen Anstoß zu weiterer Arbeit.
Dr. Johannes Meßner. Schriftleiter bes „Neuen Reichs" behandelte „Das Eigen tu ms- re ch t nach .Ouabragefimo An n o' ". Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, daß mir hier ausgereifte unb abschließenbe Darlegungen vor uns haben, die geeignet sind, bie feit Jahren so unfruchtbar geführten Eigentumskontroversen nicht bloß abschließen, sondern ihnen im Lickte der Enzyklika sogar nachträglich noch einigen Ertrag abzugewinnen.
lieber Lohnfragen und Entproleta- r i f i e r u n g beruhtet Dr. Han? Schmitz Seine Ausführungen liegen in ber gleichen Richtung wie sein Referat auf der katholisch-sozialen Tagung in Wien im Juni 1929.
Man Darf es wohl überhaupt als bemerkenswert bezeichnen, baß auf biefer von den höchsten kirchlichen Autoritäten des Landes inaugurierten Veranstaltung zwei Hauptredner ber katholischsozialen Tagung von 1929 roieber das Wort erhielten. Das bedeutet, daß die kirchlichen Oberhirten Oesterreichs nach Erscheinen ber Enzyklika „Ouadragesimo anno" keine Veranlassung sahen, bie auf der 1929er Tagung eingenommene Haltung ber Referenten zu korrigieren unb ihre in der Januarkundgebung 1930 dazu ausgesprochene Billigung zurückzuziehen, daß sie vielmehr der Enzyklika bie Ermutigung entnahm, bie Arbeit in der Richtung, wie sie durch die Referate ber katholisch- sozialen Tagung 1929 aufgezeigt war, weiter zu fördern und mit ihrer bischöflichen Autorität zu decken. Ein aus Anlaß biefes Schulungskurses eigens ergangenes Schreiben des Kardinalstaatsse- tretärs hat den österreichischen Episkopat in dieser seiner Haftung inzwischen von neuem bestärkt. Kein Wunder beim, daß ber Januar 1932 wiederum eine Kundgebung bes österreichischen Episkopates in ber Form eines Gesamthirtenschreibens gebracht hat, worin die bisher eingehaltene Linie erneut bekräftigt wird unter sehr deutlicher Absage an solche Strömungen, Richtungen und deren Organe, die von dieser klaren und eindeutigen Haltung abzuweichen versuchten.
Aus den Schmitz'schen Ausführungen sei noch hervorgehoben, wie er die Entproletarisierung in
dem Sinne, wie die Enzyklika von lhr spricht, gedanklich verbindet mit bem, was man Entproletarisierung im gesellschaftspolitischen Sinne nennen kann, nämlich ber
Eingliederung des Arbeiters und feine Verwurzelung in ber menschlichen Gesellschaft im Wege der berufsständischen Gesellfchafts- und Wirtschaftsordnung, welche ihnen die „Stanb- werdung" in feinem jeweiligen Berufsstand bringt.
Diese Gedankenoerbinbung liegt zweifellos ganz Im Sinne ber Enzyklika selbst
Weitere Referate betreffen „Wanblungen der kapital! st ischen Wirtschaft" (Univ.- Prof. Dr. Jos. Dobresberger Graz), ..Sozialismus unb Kirche" (Viezekanzler a. D. Richard Schmitz), „Arbeiterbewegung unb .Ouadragesimo anno’ " (Msgr. Dr. Franz Kolb).
Besonderes Eingehen erfordert aber noch das Referat von Altbundeskanzler Prälat Dr. Ignaz Seipel über
„Die neue Gesellschaftsordnung nach der Enzy- klyka .Ouabragefimo anno’“.
Kein anderer war so berufen, über diesen Gegenstand zu sprechen, wie ber österreichische Staatsmann, ber bereits vor dem Erscheinen der Enzyklika bas Ziel einer ständischen Ordnung m der Oes- fentlichkeit vertreten hatte. Bemerkenswert in dem Seipelschen Referat ist die starke Betonung ber staatlichen Seite ber vom Papst geforderten Gesell, schastsreform. In der Tat handelt es sich bei der berufsständischen Gliederung nicht um irgendwelche Gruppierungen innerhalb einer Volksmasse, verstanden als ein Personenkreis von unbestimmter Ausdehnung, sondern um die ®Iieberung bes Staatsvolkes in öffentlich-rechtlichen Körpern, bie zwar burchaus nicht von Staates Gnaben bestehen, aber dennoch wahre und wirkliche Bau- stücke. tragende Glieder des Staatsorganismus sind. Zweifellos ist es Seipel gelungen, seinen Vorsatz auszuführen, nämlich: „bie reine unb unverfälschte Lehre bes Hl. Vaters zum Ausdruck zu bringen . In den zukünftigen Erörterungen über bie heutige Klassengesellschaft unb die anzu st re. benbe berufsstänbiscke Gesellfchafts- orbnung ber Zukunft wird an den bedeutsamen Ausführungen Seipels nicht mehr öorübergegan- gen werden können. Nur in einem Punkt möchte man eine andere Voraussage machen als Seipel -es tut: wenn auch die Gewerkschaften ähnlich den politischen Parteien gewisse Opfer für bie berufs- ständische Orbnung zu bringen haben werden, so dürften boch bie Bemühungen zu diesem Ziele hm nicht zu einer Lähmung ber gewerkschaftlichen Ta. tigfeit führen, sonbern eher ben Gewerkschaften neue Lebenskräfte zuführen.
Kardinal Piffl's Schlußrede war alsbald gesondert durch die Presse verbreitet worden. Aus dem Zusammenhang des Schulungskurses gerissen, konnte sie nicht gebührenderweise gewürdigt werden und zur Geltung kommen. Wer damals dir Rede in den Zeitungen gelesen bat, darf sich dis Mühe nicht verdrießen lassen, sie hier im Zusammenhang der übrigen Referate noch einmal mit Aufmerksamkeit zu studieren. Erst in diesem Zu- sammenhang geht die Bedeutung und bie Tragweite der einzelnen Sätze unb Formulierungen bem Leser völlig auf. Es war nicht bie Absicht bes Karbinals, zu allen Dingen das letzte Wort zu sprechen. Aber in einer Reihe sehr wichtiger Fra- gen wollte er ein klares unb bestimmtes Wort spre- chen — unb er hat es gesprochen!
Der soziale Katholizismus Oesterreichs hat in den Worten bes Wiener Oberbirten rote in ben getarnten Referaten bes Schulungskursus eine sichere, verläßliche Richtschnur. Auch in Deutschland wer- ben wir den Nutzen verspüren.
faulstich - - ihr radio-fachmann
lehrte hat neulich eine Broschüre veröffentlicht, ber die allerersten Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens, nämlich selbständigesForschen, Gründlichkeit und ruhiges Abwägen nach Heranziehung erster und vollständiger Quel- len mangelt. Sie ist von wahnwitzigem Haß diktiert, und was durch ein sehr umfangreiches Ouellenwerk niemals erwiesen werden könnte, sucht sie durch Aneinanderrechung von wenigen Zitaten mehr als zweifelhafter Natur zu beweisen. Die Schrift dieses Mannes ber Wissenschaft, zu ber man ber Universität München nur herzliches Beileid ausbrücken kann, betitelt sich „3 e n tr u m s- herrschaft unb Iesuitenpolitik". Wir können sagen, baß wir sie mit herzinnigem Vergnügen gelesen haben, mit jenem Vergnügen, bas man bei der Begegnung mit alten Bekannten, die man längere Zeit nicht mehr gesehen hat, empfindet. Es sind nämlich die damals von mir als Fälsckung nachgewiesenen Zitate aus der Kartho- thek des .Evangelischen Bundes", und ich habe sie -um großen Teil in meinem Buch „P apst und Kurie in ihrer Politik nach bem Weltkrieg" festgenagelt, so daß heute die Arbeit bes Widerlegens auch für bie Presse ungemein erleichtert — wäre, wenn bas Buck bazu benützt würde.
Professor Dr. Stark hat inzwischen zur Verteidigung seiner Schrift im „Völkischen Beobachter" vom 24-23. Januar 1932 eine sogenannte warme Lanze eingelegt, unb er »erteibigt sie wie die bekannte Löwin ihr Junges gegen bie Zentrumspresse. Zu diesem Zweck entnimmt er seiner Broschüre zwei Zitate, stellt sich vor die feindliche Phalanx hin, wirft sich in bie Brust unb spricht: „Stab Dieta Angaben meiner Schrift richtig ober nicht?" Da er sich bie Antwort Darauf selbst zu geben nicht im stände ist. obwohl er als Uni- versitätsvrofessor durch bie Gebote ber historischen Wissenschaft verpflichtet gewesen wäre, seine Quellen erst selbst zu prüfen, anstatt dies uns. seinen Gegnern zu überlafien, wollen wir ihm die Ant
wort geben unb »eigen, wer ein Recht hat, ber Gegenseite „grobe Fälschung" vorzuwerfen, wir ober Herr Professor Dr. Stark.
Sein erstes Zitat lautet:
„Erzberger war es, welcher sich schließlich mit aller Macht für bie Annahme bes Diktates von Versailles einsetzte. Erzberger erhielt nach Unterzeichnung bes Versailler Diktates von Papst Benebikt XV. als Auszeichnung ben einzigen Karbitt a l s h u t, ben Benebikt XV. getragen unb besessen hatte. (Sperrbrutf von Stark selbst!)
Ich antworte ihm: die ganze Behauptung ist von Anfang bis zu Enbe unwahr.
Nun »um zweiten Zitat Starts. Es lautet:
„Papst Benedikt XV. nahm mit folgenden Worten Stellung zum Diktat von Versailles: „V o n Frankreich aus möge s i ch Gottes Gnade über bie ganze Welt ergießen; was menschliche Klugheit auf der VersaillerKonferenzbegonnen.mögs bie göttliche Liebe nerebeln." (Sperr» brück wiederum von Stark selbst.!
Ich antworle Darauf: Das Zitat ist eine von mir feit 1925 festgenagelte Fälschung des „Evangelischen Bundes", und dieses ge» fälschte Zitat hatte di- völkische .Groß- deutsche Zeitung" (Rr 41 vom 15. März 1924 in ihrem Artikel „Deutschland unb der Vatikan" (Von Alarich) schon gebracht worauf ick ihr in der „Augsburger Postzeitung" vom 24. Mai 1924 unter dem gleichen Titel diese Fälschung unter die Nase gerieben und zugleich das unverfälschte Zitat aus jener Quelle angegeben hatte, die „A'arick" selbst genannt, batte nämftck Acta Ap. Sebis Nr. 12 vom 3. November 1919. Diesen Text übernahm ick auck in m-in Buck fo Daß »r i-Der- »eit nachgetasen werden konnte (S. 136). Unb bie» 1 fer Universitäts-Professor, ber nicht einmal seine
eigene Presse kennt, holt sich nun ausgerechnet jene Fälschung unb zitiert sie genau so, wie sie in der Schunbschrift bes Evangelibunbes ,Deutschland und Der Vatikan" S. 58 bargeboten ist, ohne trotz richtiger Angabe der Quelle dieses nachzuprüsen! Das ist die Wissenschaft des Herrn Professor Stark! Hier der richtige Text, wie er tatsächlich in ben Acta Ap. Sebis steht:
„Möge Doch unser Herr Setas Christus, so bitten wir ihn flehentlich, darum mit Euch, (den französischen Bischöfen!) fein. Daß Ihr bieWohl - taten ber göttlichen Barmherzigkeit feiert. Möge auch bie Fürbitte eurer Lanbs- männin, der seligen Margarete Maria, vom erhabenen Tempel herab, den Ihr zu Ehren seiner Liebe errichtet, nicht nurFrankreich, sondern das ganze Menschengeschlecht mit Gnaden umfangen und überhäufen. damit, was menschliche Klugheit mit ber Konferenz von Versailles begonnen hat, bie göttlich« Liebe zurechtrücke unb oollenbe auf bem Berge ber Märtyrer" (Montmartre).
Es war keine politische Feier, sonbern eine rein religöfe, für die jenes Schreiben bes Papstes bestimmt war, unb sie enthält eine Mahnung, die Herr Professor Stark natürlich verschwiegen hat, weil er ja bas gefälschte Zitat unbedenklich übernommen unb durch feinen wissenschaftlichen Namen gedeckt hat. Diese Mahnung lautete: „Aber bie Liebe zu bem Näcksten bie umso edler wirb, je näher uns jene stehen, benen sie gilt, muß s i ch auf alles erstrecken, selbst auf untere Feinde, ba wir alle verbunden sinb burch bas Vanb ber Brüderlichkeit, als Kinder Des gleichen Vaters, erlauft durch das gleiche Blut Christi. Siebet eure Seinbe tuetSutesbenen, bieeudibaffen..." So fährt Der Papst fort unb wendet sich Damit an Das ebenso siegestrunkene wie haßerfüllte Frankreick zu einer Zeit, da Poin- care noch seine berüchtigten Sonntagsreben hielt.
Friedrich Ritter von Lama.