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Nr. 35

Areikag, 12. Februar 1932

Mrs. 59.

Mussolini beim Papst

zu

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in

wtb. Rom, 11. Febr. (Gig. Meld.) Die Au­dienz des italienischen Regierungschefs beim Papst fand heute statt und dauerte eine Stunde. Die Unterredung unter 4 Augen fand in der Privatbib­liothek Pius XI. statt. Anschließend machte Mufso- nni dem Generalstaatssekretär Pacelli feinen Besuch. Mussolini zeigte sich über seine Aufnahme sehr befriedigt und erklärte seiner Umgebung, er habe eine wirklich schöne Audienz erlebt.

* Die amerikanische Gold-Hamsterei. Dem ame­rikanischen Kongreß wird in der nächsten Woche ein Gesetz-Entwurf zugeleitet werden, der eine Milliarde freien Goldes flüssig machen soll, um den Eoldhamstcrn entgegenzutreten.

* q,aubLberfall auf den Postwagen des D- Zuges Marseille-Paris. Auf den D-Zug Mar­seille-Paris wurde ein Raubüberfall verübt. Zwei Männer, die sich Eisenbahnuniform be­schafft hatten, drangen in den Postwagen ein, über­fielen den Zugführer, nahmen ihm die Schlüssel ab und öffneten den Wandschrank, in dem die wert­vollen Postsachen untergebracht werden. Es fiel ihnen,jedoch nur ein Paket mit Wertpapie­re n in Höhe von 10 000 Franken in die Hände. Danach schlossen sie den Zugführer in den Schrank ein. Ms der Zug in einer scharfen Kurve seine Fahrt verlangsamte, sprangen sie aus dem Wagen und verschwanden in der Dunkelheit.

cnb. Genf, 11. Februar. (Gig. Meld.) Staats­sekretär von Bülow hat heute vormittag eine neue Note an den Generalsekretär des Völker­bundes geschickt, worin er die neuesten Rechts­brüche im Memelgebiet, die bereits.aus der Presse bekannt sind, zur Kenntnis des Völkerbundes bringt.

ENB. Berlin, 11. Febr. (Gig. Meld.) Wie wir erfahren, empfing der Reichspräsident, wie ange- künüigt, heute vormittag den Reichkanzler zum Vortrag. Der Reichskanzler berichtete dem Reichspräsidenten über Genf.

Ein zweifelhafterErsatz".

Zur Rede des Reichskanzlers in Genf schreibt derVölkische Kurier" u. a., der Reichskanzler ha^e das Abrüstungsrecht betont, er habe auch endlich die Gleichberechtigung Deutschlands hervorgehoben, alles Dinge, denen sich angesichts der nationalsozia­listischen Bewegung kein Kanzler heute entziehen könne. Aber er habe auf ein Memorandumzu gegebener Zeit" vertröstet, anstatt die heute noch herrschende gespannte Weltstimmung auszunutzen. Gr habe die Gelegenheit versäumt, das ganze Lügengewebe Frankreichs zu zerreißen und den Friedensstörer der Welt in seiner wahren Gestalt zu zeigen.Das Auftreten Brünings habe die Nationalsozialisten mehr denn je in der Heber,jeugung bestärkt, daß seine Grsetzung durch Hitler die erste Voraussetzuna dafür sei, um Deutschland so zu vertreten, wie es selbst heute noch möglich sei."

Grfdjemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undVuchenblötter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leihing 3153 Fuldaer Artiendruckerei 3151 und 3152. ::

lung bis zu dem von dem litauischen Außenmini­ster genannten Termin, dem 23. Februar, wartet.

Wieder in der Reichshauptstadt: /

Reichskanzler Dr. Brüning beim Verlassen des Bahnhofs.

schwere weittragende Artillerie, 2. Schiffe mit über 10 000 Tonnen Wasserverdrängung, 3. Schiffs­artillerie mit einem Kaliber von über 12 Zoll, 4. Flugzeugmutterschiffe, 5. Militärluftschiffe, 6. schwere Bombenflugzeuge, alle lagernden Flieger­bomben und alle durch Luftfahrzeuge zu beför­dernden Zerstörungsmittel, 7. alle Apparate und Vorrichtungen zum Angriffe mit chemischen, bak­teriologischen ober Brandwerkzeugen. Die Sowjet- Delegation werde die Gleichberechtigung aller Kon- ferenz-Teilnehmer und gleiche Sicherheit für alle Länder verlangen.

. Am Schluß seiner Rede machte Litwinoff unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit bemerkenswerte Ausführungen über die politische Lage seines Lan­des.

Rußland.

so erklärte er, befindet sich in einer

bedrohteren Lage als jedes andere Land.

Seit 14 Jahren sei es unerhörten Verleumdun­gen und Lügen-Feldzügen ausgesetzt. Bis heute verheilen eine große Anzahl von Staaten ihre Feindseligkeit gegenüber Rußland nicht. Die Sow­jet-Delegation werde eine Entschließung in dem Sinne vorlegen, daß das Ziel der Konferenz nicht anders als durch eine allgemeine völlige Abrüstung gelöst werden könne.

am Samstag einer Sitzung zusammentreten» um zu dem Memelkonflikt Stellung

wtb. Genf, 11. Febr. (Gig. Meld.) Nach Lit­winoff sprach der schwedische Außenminister van Ramel. Die allgemeine Zunahme der Rüstungsausgaben, besonders für den Ausbau der Luftflotten, sagte er, sei unverkennbar. Schweden ei int Sinne der französischen Vorschläge für die Ausstattung des Völkerbundes mit materieller Macht zur Durchführung seiner Pläne. Voraus- etzung sei aber ein befände rer Ausgleich i,u den Rüstungen der einzelnen Staa­ten und eine politische Annäherung der Haupt­mächte, insbesondere eine Lösung der Repa- rations- und Schuldenfrage. Der schwe­dische Außenminister unterstrich den vorläufigen und unzulänglichen Charakter des Konventions­entwurfes. ______________________

Ruhe und Festigkeit.

Nach dem in Genf der Reichskanzler Dr.Bru­ni n g die Stellung Deutschlands nach außen scharf umschrieben hat, nachdem er die Abrüstungsfrage in unmittelbaren Zusammenhang mit den durch die politischen Zahlungen hervorgerufenen Wirtschafts­verwirrungen in Deutschland und in der ganzen Welt brachte, formieren sich nun die Kampffron­ten im Innern zur großen Gntscheidung.

Der selbst von seinen erbittertsten Gegnern, im eigenen Lande, vor allem aber im ganzen Aus­lande dem Reichskanzler Brüning zuerkannte Er­folg feiner Persönlichkeit erklärt sich nicht zuletzt daraus, daß man in Brüning allenthalben einen Kämpfer um die Sache feines Volk es, einen Kämpfer vor allem um die Wohlfahrt, die Ruhe und den Frieden im eigenen Lande sah. Und um die Sicherung dieser Be­dingungen kreisen alle Maßnahmen und Entschei­dungen der nächsten Tage.

Die vornehmlichste ist, daß die Präsidentschafts- kandidatur Hindenburgs nunmehr, nach dem beispiellosen Erfolg der rein privaten und ohne jegliche behördliche Unterstützung vollzogenen Un­terschriftsaktion als gesichert betrachtet werden kann. Damit wird an sich schon eine gewisse innenpoli­tische Klärung erfolgen, die aber noch nicht die letzte wünschenswerte Klarheft über die künftige Gestaltung der Dinge geben kann.

lieber die Aktionen, die die Deutschnationalen und Nationalsozialisten nach der gegebenen Sach­lage beabsichtigen, liegt auch jetzt noch ein geheim­nisvoller Schleier. Eine gewisse Richtung tak­tiert daraufhin, die bestimmten Entscheidungen zu ver,zögern bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags, in der Erwartung, bis dahin die Stel­lung des Reichskanzlers sturmreif gemacht zu ha­ben, um dann nicht nur Reichspräsidentschafts-, sondern auch Reichstagswahlen zu erzwin­gen, möglichst auf ein und denselben Tag entfallend. Eine andere Richtung, vornehmlich na­tionalsozialistischer Prägung, taktiert auf eine Platz­halterschaft für den erst noch im Hintergrund ge­haltenen endgültigen Kandidaten der Natio­nalsozialisten. Man darf sich ober nicht täuschen, daß auch noch weitgehende Pläne hinter all diesen Dingen stecken, die in ganz besonders radikalen Gruppen vertreten werden, und die nicht geringe­res als eine große machtpolitische Entscheidung für den Monat März, einen Marsch auf Berlin und dergleichen, ankündigen.

Die Reichsregierung setzt all diesen Unterminie- rungs- und Einschüchterungsversuchen eine a b s o. l u t e R u h e u n d F e st i g k e i t entgegen. Die Reichsregierung würde gegebenenfalls auch nicht zögern das hat sich auch aus den letzten Er­klärungen des Reichswehrministers erge­ben, der ja auch gleichzeitig die Geschäfte des Reichsinnenministeriums führt ihre Macht­mittel gegen alle Gewaltmaßnah­men, die sich gegen Autorität und Bestand der verfassungsmäßigen und mit dem Vertrauen des Reichspräsidenten ausgestatteten Regierung rich­ten, mit stärkstem Nachdruck 'einzusetzen.

Auf dem Genfer Parkett kann nur mit den Waffen des Geistes gefochten werden. Zu großen Gegenhieben" kann dort nur ausholen, wer die Lage nicht richtig abzuschätzen weiß. Wir sind nicht so bösartig, Hitler zu wünschen, daß et je auf das Genfer Redner-Podium fteigeg muß Sein Schicksal in dieser Rolle kann mau sich leicht ausmalen.

wärtigen Umständen nur eine Bedrohung ihres Landes bedeuten kann.

Die Sowjet-Delegation wird durch diese Tat­sachen in der Ueberzeugung gestärkt, daß der ein­zige und unfehlbare Weg zur Lösung des Pro­blems derOrganisierung des Friedens, des Pro­blems der Verhinderung der Kriege und des Pro­blems der Sicherheit für alle Völker der von ihr empfohlene Weg einer völligen und allgemeinen Abrüstung ist. Der Gedanke der allgemeinen

völligen Abrüstung

unterscheide sich vorteilhaft von allen anderen Plä. nen durch seine Einfachheit, seine leichte Durch­führbarkeit und die Leichtigkeit der Kontrolle fei­ner Durchführung.

Die Sowjet - Delegation sei jedoch nicht in der alleinigen Absicht hierher gekommen, ihren Vor­schlag einer allgeminen völligen Abrüstung zu wiederholen, oder die Konferenz vor die Alterna­tive zu stellen: völlige Abrüstung oder nichts. Die Sowjet-Delegation werde bereit sein, jeden Vor­schlag zu erörtern, der auf eine Herabsetzung der Rüstungen ausgehe. Die Sowjet-Delegation betrachte den Konventionsentwurf als vollkommen ungenügend und werde ihren eigenen Plan einer partiellen Rüstungsherabsetzung vertreten, den sie jedoch lediglich als eine erste Etappe zur allgemei­nen Abrüstung betrachte. Die Vorschläge der Sow­jet-Delegation für das

völlige Verbot der aggressive» Rüstungs-Kategorien bliebn auch für die jetzige Konferenz in Kraft. Sie umfaßten insbesondere: 1. Panzerwagen und

wtb. Genf, 11. Februar. (Gig. Meld.) Der Döste rbundsrat wird nunmehr voraussichtlich

Der Besuch Mussolinis in der Vatikan-Stadt, der mit einem offiziellen Gang durch die Peterskirche abschloß, trug den Charak­ter eines Staatsbesuches. Ihm wurden von der Schweizer Garde und dem päpstlichen Hochstab Ehrenbezeugungen erwiesen, wie sie sonst nur Staatsoberhäuptern zustehen. Der Ge g e n b e s u ch durch Kardinalstaatssekretär Pa« celli im Palazzo Venezia ist für die frühen Nach­mittagsstunden angesetzt.

nehmen. Bis heute war vorgesehen, daß die Sitzung am Freitag stattfinden solle, und zwar auch dann, wenn bis dahin ein Vertreter Litauens nicht anwesend fein sollte. Nunmehr wird bekannt, daß der litauische Außenminister Zaunius heute dem Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch mitgeteilt hat, er werde in der Nacht vom Freitag zum Samstag in Gens ein­treffen- Daraufhin hat der Generalsekretär im Benehmen mit dem Präsidenten des Völkerbunds« rats sich entschieden, die für Freitag vorgesehene Sitzung am Samstag abzuhalten.

Der Genfer Reuter-Korrespondent sagt:Ab­gesehen von einigen ironischen Bemerkungen, die in französischen Kreisen geäußert wurden", hat die Rede des deutschen Reichskanzlers allgemeine Billi­gung gefunden. Sie war eine klare, offene und feste Darstellung des deutschen Standpunktes, ver­mied aber jede llebertreibung und zeigte Zurück­haltung und Maß. Die Ausnahme der Rede unter der außergewöhnlichen Zuhörerschaft war sehr günstig. Die ganze Versammlung war auf Dr. Brünings Seite und bezeugte dies durch häufigen Beifall. ________________________

Lilwluoffs Abrüskmlgssordlmgen Die Rede des Belgiers.

wtb. Paris, 11. Febr. (Gig. Meldg.). Die französische Mvrgenpresse lehnt Grandis Rede scharf ab. Das n a t i on a l ist i s che Gchv de Paris schreibt, die Spitze der Rede sei dauernd ge­gen Frankreich gerichtet gewesen.^ Der so­zialistische Populaire begrüßt, trotz feiner Abneigung gegen den Faschismus Grandis Vor­schlag, weil er die allgemeine Abrüstung fordere. Volonttz will aus Bemerkungen Grandis heraus­lesen können, daß man eine allgemeine Verstän­digung hoffen könne. Grandi habe betont, daß feine Delegation und er bereit seien, den franzö­sischen Plan aufmerksam zu studieren, vorausge­setzt, daß er zu einer effektiven Rüstungsherabset- zung führe. Deshalb müßte es möglich fein, sich zu verständigen,

Die Memel-Frage.

Deutschland verlangt unverzügliche Behandlung des Blemelkonflikls im Völkerbundsrat.

Die Antwort der litauischen Regierung in der Memelfrage wird den deutschen Vertretern im Völ­kerbundsrat veranlassen, darauf zu bestehen, daß noch in dieser Woche der Völkerbundsrat zusam­mentritt, um zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Diesbezügliche Schritte sind bereits ein­geleitet. Gs kommt selbstverständlich nicht in Frage, daß der Völkerbundsrat mit der Behand-

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Begleitung des Reichspressechefs, Ministerialdirekt- tor Dr. Zechlin, und Oberregierungsrat Planck aus Genf kommend am Anhalter Bahnhof ein. Zu feiner Begrüßung hatten sich eingefunden Reichs­minister Treviranus, die Staatssekretäre Pünder und Weismann, Ministerialdirektor Köppke und Vortragender Legationsrat von Kaufmann.

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

England und die Grandi-Rede«

wtb. London, 11. Febr. (Gig. Meldg.). - Gran­dis Abrüstungsrede wird von der Morgenpresse warm begrüßt. Times sagt, daßGrandisFor­derung auf Gleichberechtigung aller Nationen und Herabsetzung der Rüstungen in keiner Weise mir der Sicherheit unverträglich fei. o -i

Reichskanzler Dr. Brüning traf Mittwochmittag mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 13.47 Uhr in Begleitung des Reichspressechefs, Ministerialdirekt-

In der Donnerstag-Sitzung der Abrüstungs- konferenz sprach als erster Redner der

belgische Außenminister Hyman.

I Die Tendenz seiner Rede ergibt sich aus den ein­leitenden Sätzen: Belgien hat sich in dopvelter Absicht auf die Konferenz begeben: mftzuavbeiten an einer internationalen Verständigung für die Begrenzung oder Herabsetzung der Rüstungen und zu wachen über feine S i- ä> erheit. Wenn Belgien auch besondere Garan- tien in dem Rhein-Pakt findet, so weiß es jedoch, daß jeder Konflikt politische, wirtschaftliche und soziale Verwicklungen herbeiführen würde, unter denen Belgien zu leiden hätte.

Belgien will die militärischen Werkzeuge be­halten, die ihm zur Verteidiaunq feiner Unab­hängigkeit im Falle der Bedrohung oder des

Angriffs unentbehrlich find.

Hyman sprach feine volle Zustimmung zu den französischen Vorschlä gen aus I und hob besonders das Verbot der schweren An­griffswaffen, des chemischen Krieges und den Schutz der Zivilbevölkerung, forme die

Schaffung einer inlernakionalen Büfkungs- kontrolle hervor.

Belgien lege an seinen Grenzen Verteidigungswerke an, die zum Schutze seines Gebietes bestimmt feien. Gs fei

wiederholt der Schauplatz großer Kriege ge­wesen.

Belgien habe die Pflicht, die notwendigen Vor­kehrungen gegen die Rückkehr solchen Unheils zu treffen.

Hyman entwickelte hierauf ausführlich den Ge­danken, daß die Sicherheftsfrage mit der Abrü­stung eng verbunden fei, um zu dem Ergebnis zu gelangen, daß für die besonders exponierten Län­der wie Belgien noch keine ausreichende Sicherheit bestehe. Die HerabseKunq der Rüstungen wäre ge­wiß kein Grund zur (Entspannung und Befriedung aber man dürfe nicht verkennen, daß die materielle Abrüstung nur Hand in Hand mit der moralischen Abrüstung möglich sei. Die

Otganifietunfl des Friedens

fei nicht nur ein politisches und juristisches Werk, sondern

eine großzügige psychologische Leistung.

Hymans sagte zum Schluß, ein eigenartiger Wider­spruch wolle es, daß gerade in dem Augenblick, I wo man die Notwendigkeit der Organisierung des politischen Friedens verkünde, man den

, Wirtschaftskrieg organisiere.

Wtb. Genf, 11. Februar. (Gig. Meld.) Nach dem belgischen Außenminister sprach der russische

Volkskommissar Lstwinosf.

Er wiederholte den Vorschlag einer allgemeinen Abrüstung, erklärte aber, daß die Sowjet-Dele­gation nicht die Alternative stelle:Nichts oder alles." Gr machte dann im Sinne verschiedener seiner Vorredner konkrete Vorschläge für die Ab­schaffung gewisser schwerer Angriffswaffen. Nach Auffassung der sowjetrussischen Delegation könnten die Abrüstungsforderungen der Völker nicht durch die Stabilisierung oder eine unbedeutende Herab­setzung der Rüstungen ober der Militärbudgets erfüllt werden, sondern nur durch ein

Mittel zur Beendigung des Krieges.

Die Sowjet-Regierung habe wiederholt den Vor- ichlag einer allgemeinen völligen Abrüstung als einziges Mittel zur Abschaffung des Krieges ge­macht. Weder die bestehenden Pakte und Organi­sationen, noch die Begrenzung der Rüstungen könnten den Krieg verhindern.

Die Formel der Sowjet-Delegation laute:

Sicherheit gegen den Krieg.'

Damit unterscheide sich der sowjetrussische Sicher­heitsbegriff von dem der anderen Delegationen. Viele verstünden unter Sicherheit ein Höchstmaß an Aussicht für Gewinnung eines auf. gezwungenen Krieges.

Litwinoff ging als erster Redner

ausführlich auf die französischen Vorschläge ein, selbstverständlich, um zu einer völligen A b - I e h n u n g zu gelangen. Die französischen Vor­schläge seien nur eine Konkretisierung des Genfer Protokolls, das den Völkerbund Jahre lang ergeb­nislos,beschäftigt habe. Sich auf dieses Bemühen zu versteifen, würde unter den gegenwärtigen Um­ständen einen Rückschritt bedeuten, der die Ab­rüstungsfrage um weitere Jahre oder Jahrzehnte zurückwersen würde. Ausführlich beschäftigte Lit­winoff sich mit dem ftanzösischen Vorschlag einer

internationalen Armee.

Wer bürge dafür, daß bei dem Vorhandensein des nationalen Egoismus eine internationale Armee nicht im Interesse dieses oder jenes Staates ein- gesetzt wird, der sich innerhalb des internationalen Organismus mit Hilfe von Sonderzuschüssen, Ent­enten und Abkommen die Vorherrschaft gesichert habe! ,Zch lasse", so sagte Litwinoffdiese Frage beiseite, ob man von der Sowjet-Union verlangen kann, daß sie die Sorge um ihre Sicherheit und einen Teil ihrer Truppen einem internationalen Organismus anvertraue, dessen ungeheure Mehr­heit aus Staaten bestehen würde» die ihr offen feindlich gesinnt sind und die aus Feindschaft keine Beziehungen mit ihr unterhalten. Man kann vielmehr erwarten, daß die Arbeiter und Bauern der Sowjet-Union glauben, daß die Schaffung -giner internationale« Armee unter Len gegen­

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