Ar. 33 Beilage zur Fuldaer Zeitung 10. Februar
NfLS
Worum es geht.
Deutschlands politische Führung steht in dem schwersten und entscheidensten Kampf, der an der außenpolitischen Front seit dem Zusammenbruch zu führen roar. Mit heroischer Hingabe, mit vorbildlicher Eehaltenheit mit anerkannter Sachkenntnis geht des Deutschen Reiches Kanzler den schweren Weg, den ihm sein Amt und seine Aufgabe weisen.
Der Ausgang dieses Ringens wird deutsches Schicksal sein auf lange Zeit. Wird Fortschritt oder Rück- schlag, wird Aufstieg oder Abstieg, wird beginnende Befreiung oder verstärkte Ketten bedeuten.
In solcher Lage wird jeder, der nicht an sich, sondern an das Wohl der Dolksgesamtheit denkt, sich der Relativität und Unwichtigkeit parteipolitischer Unterschiede und Gegensätze bewußt, wird Sammlung bas Gebot der Stunde und nicht Trennung und Entzweiung.
Unsere Hoffnung und unser heißer Wunsch ist, daß die Not dieser Stunde die Kräfte bändigt, die den Einheits- und Sammlungswillen unseres Volkes bisher gehemmt und gelähmt haben. Professor Dr. Kaas.
Das Lildungsideal der kalhol. Zagend.
Volkstum und Heimat.
Wer die Seele des Volkes kennen lernen will, der muß seinen Liedern, seinen Legenden und Sagen, seinen Märchen lauschen. Hierhinein legte es seine ganze Liebe
zur Heimat, seine Freude an Humor und Schalk, seinen Glauben an Gott, die lieben Heiligen, auch an das Unwesen des Teufels und seiner Gesellen. In den Sagenschatz unserer Heimat führt uns Paul Zaunert ein mit seiner Sammlung „Hessen.Nassauische Sa. gen". Fulda und die nahe Umgebung nimmt mit seinen Sagen einen großen Raum darin ein. Manche Episode aus der Geschichte der Fuldaer Abtei wird erzählt, manches heute unbeachtete Wahrzeichen legendär umwoben.
Auch die alten Märchen, wie sie von ®eneration zu Generation weitererzählt wurden, und wie sie z. B. in der Sammlung von den Gebrüdern Grimm erhalten sind, künden uns von der Traumseele des deutschen Volkes. Wer sich em natürliches und junges Herz bewahrt hat, wird sie immer wieder gern« lesen.
Ein Roman, der m echtem Volkstum wurzelt, in tiefer Liebe zur ererbten Scholle, zum eigenen Hof ist „Sebastian u. Leidlieb" von Jos. Oberkvfler. Wanderschaft und Fremde können Sebastian den Stolz und die Hingabe an die Heimat nicht rauben, er bleibt ihr treu. Hell leuchtet die starke Treue der Letdlieb, des reinen Mädchens, vor uns auf mit ihrer versittlichenden Kraft aus den ringenden, jungen Mann. Wie diese Zweiheit: Heimat u. Liebe in Gott verwurzelt sein Erdenglück bedeuten, faßt der Dichter in die feinen Verse:
„Vater (Gott), klein ist mein Hof, Ein schwebender Erker an Deinem Haus. Nur wenig Menschen wohnen in ihm, Nur wenig Getier
Wer Leidlieb, Friede und Glück
Und Du."
Erziehung zum berussslandischenGedanken
Das Echo einer Tagung am Grabe des Apostels der Deukfchen.
„Im Herzen des katholischen Deutschland, am G r a be des Apostels der Deutschen, der das alte Heidentum überwand, senden wir einen Gruß zum Grab eines anderen Apostels, mit dessen Hilf« wir da» neue Heidentum überwinden und die soziale Not bannen wollen" — so sprach der Nachfolger Adolf Kolpings, Msgr. H ü r t h, in der Fuldaer Bonrfatiusgruft, wo die deutsche Führerschaft der Kolp ingsfamilie dem Apostelgrab ihre Huldigung darbracht«. Die Tagung, die in dieser Huldigung chren inneren Höhepunkt erreichte, war den aktuellen, erzieherischen, sozialen und politischen Ausgaben des deutschen Kolpingswerkes gewidmet.
Der erste Tag stand im Zeichen der berufsstän- dischen Ordnung.
Prof. P. Gun dl ach S. I. und Pros. Th. Brauer sprachen über den berufsständischen Aufbau und die be- russständische Erziehung. Die gründlichen und groß- angelegten Referate veranlaßten eine lebhafte Aussprache. Es ergab sich, daß man
von der Sozialpolitik zur Sozialreform
schreiten müsse. Die Sozialpolitik steht in einer Krise, weil der Boden, von dem aus sie gebaut wurde, nämlich der kapitalistische Marktmechanismus in Auflösung begriffen ist. Wer vom Ende der Sozialpolitik redet, muß auch die Ursache dafür begrei- fen, nämlich die Tatsache, daß die kapitalistische Weltmarktausbreitung am Ende ist. Die Sozialpoli- tik hat den Zusammenhalt des deutschen Volkes in krisenhaften Stunden gerettet. Sie wollte jedoch nur bessern im Rahmen dessen, was ist. Sie wollte nicht die moderne Wirtschaftskrise ändern. Da letztere aber heute wankt, so muß auch die Sozialpolitik wanken. Die hie und da auftauchenden Behelfe, fei es sogenannter Werksgemeinschaften oder wirtschaftsdemokratisch gemeinter Vorschläge, werden uns nicht viel weiter bringen. Bei letzterem fft vor allem die Eigentumsfrage nicht geklärt. Auch der religiöse Sozialismus ist im Grunde nur Reaktionserscheinung auf die sozialpolitische Krise. Die eigentliche Reaktion auf die Entformung der Gesellschaft im Laufe der kapitalistischen Entwicklung war jedoch die Jugendbewegung. Ein Lebensstand, nämlich die Jugend als solche, organisiert« sich. An eine Neubelebung berufsständischer Volksgliederung, wie sie Pius XI. vorsieht, glaubte man nicht mehr und glaubt auch heute katholischersetts nicht recht daran. Vielfach ftndet man auch heute eine Haltung, die besagt, daß die Gesellschaft überhaupt nicht mehr zu retten sei und daß man sich darum auf das Uebernatürliche zurückziehen müsse, um vielleicht so mhirekt an der Rettung mitzuarbeiten. Da gilt es nun, die katholische Mannesjugend zu einer unmittelbaren und aktiven Einstellung auf das reale und soziale Leben zu erziehen. Besonders wichtig ist dabei die E i n- wurzelung des religiösen Lebens in die neuzuerweckenden Ordnungen der Gefell s ch a f t, nämlich in die Berufseinheiten und stän
dischen Geschlossenheiten. Das gehört zum wichtigsten Apostolat unserer Zet.
Der berufsständische Gedanke liegt in der Lust. Der Liberalismus glaubte die Gesellschaft neben der allver- gätzten Wirtschaft nicht sehen zu müssen. Inzwischen hat sich die übergangene Gesellschaft mit riesiger Wucht aufgereckt. Nun will man mit Gewalt di« entformt« Gesellschaft wiederherstellen. Faschismus, Pommer- fcher Landbund, Stahlhelm, Ratio nal- f o z i a l i r m u s, sie alle reden vom berufsständischen Neubau. In dieser Aktualität der berufsständischen Ide« liegt Gefahr und Segen. Die Gefahr besteht vor allem darin, daß
der berufsständische Gedanke im Interesse der sozialen Reaktion mißbraucht
wird oder daß er eine neue Form von Staatskapitalismus einführt. Beides trifft auf den Faschismus Mussolinis zu, wo der besitzende Bürgerstand in den Berufskorporationen ausschlaggebend ist und die berufsständischen Zwangszusammenschlüsse Organe der faschistischen Staats- bezw. Parteigewalt sind. Im Sowjetstaat ist diese Verstaatlichung der Wirtschaft vollendet. Das gesellschaftspolitische Ziel indessen, wie es Pius XI. und Adolf Kolping vorschwebt, hat demgegenüber Mei Kernpunkte auf- zuweisenr.
Erstens, der Berufsstand ist eine ureigene Gliederung der Gesellschaft, die der Staat nicht zu allem anderen auch noch an sich reiften darf, sondern nur letzthin zu garantieren hat.
Zweitens, der Berufsstand beruht auf dem £ei- stungszusammenschluft der beteiligten Menschen zur Festigung lebensnotwendiger wirtschastsgüter. Line Gliederung nach diesem objektiven Maftstab ist naturgemäß, während die bestehende Gliederung nach Geld, Besitz und Arbeitsmarktpartei äußerlich und künstlich ist.
Die Arbeitslosigkeit, di« größtenteils eine Folge der falschen, krisenbeladenen Wirtschaftsverfaffung ist, wird in der berufsständischen Ordnung zurücktreten. Gerade über diesen Punkt wurde eifrig diskutiert. Es zeigte sich, daß Hand in Hand mit dem Werden berufs- ltändischer Gliederung eine De z e n t r a l i s i er u n g und damit eine erhebliche Steigerung der Arbeitsintensität in der Wirtschaft einhergehen muß, daß die weltwirtschaftliche Verflechtung in den Hintergrund trete und die Schaffung einer lebensfähigen Nationalwirtschaft im Vordergrund stehe, mtd schließlich, daß mit der berufsständischen Ordnung mehr Stabilität gegeben sei, und zwar in Anlehnung an den Berufsstand selbst, nicht an den einzelnen Betrieb. Die technische Entwicklung freilich müsse statt in Richtung einseitiger Arbeitsersparnis mehr in dezentralisierender Richtung gelenkt
werden. Das vornehmste Ziel der technischen Erziehung, besonders an den Hochschulen, müsse die Hilfeleistung für den arbeitenden Menschen fein.
Anknüpfungspunkte beruf-ständischer Entwicklung sah man vor allem in den Tarifverträgen, die zu Tarifgemeinschaften zu entwickeln sind, sodann im Arbeitrrecht, das kein bloßes Individual-, sondern ein Sozialrecht und dazu wie das alte deutsche Recht ein Spruchrecht sei. Weiter behandelte man den Umschwung zur Dezentralisierung, wie er sich in der deutschen Wirtschaft bemerkbar mache und durch di« Notverordnungen gefördert werde. Ueberhaupt erkannte man in der gegenwärtigen staatlichen Wirtschaftspolitik, besonders in kredit- und steuerpolitischer Hinsicht, Züge mittelstandsbetonter und berufsständischer En t w i ck l u n g (Bankenordnung, Aktienreform, Zinssenkung, gestaffelte Umsatzsteuer).
Di« Erziehung zu berufsständischer Haltung ist das Wichtigste. Beispielsweise ist die volle, wirtschaftspolitische Verwirklichung der Einrichtung des Betriebsrates besonders daran gescheitert, daß der deutsche Arbeitnehmer auf eine berufsständische Mitarbeit nicht genügend vorbereitet war. Der Gesellenverein vermag schon jetzt «inen Stamm berufstüchtiger und gesellschaftspolitisch richtig denkender Menschen zu stellen, die für die HerauMhrung einer berufsständischen Wirtschaftsverfassung unerläßlich notwendig ist. Besonders ist dabei das Selbständigkeitsstreben seiner Mitglieder und die Pflege der kleinen Lebenskreise, welche den Sinn für wirtschaftliche Verantwortung und Gestaltung schijrfen. Schon heute gilt es als eine entscheidende Erkenntnis der Betriebswissenschast, daß zumal der Großbetrieb in eine Mehrzahl kleiner Verantwortungskreise aufzugliedern sei. Endlich fft die Berufs- und Gemein- schaftsfrömmigkeit zu nennen, die innere Bindungen von vornweg in die berufsständische Ordnung hineinträgt. Die selbständige Berufspflege und die selbständige Arbettsvermittlung im Katholischen Gesellenverein sind unmittelbare Bestandteile berufsständischer Organisation.
„Verrat am eigenen Volt-.
Hiller und Südtirol.
Die Nationalsozialisten lieben es, ihre politischen Segnet schamlos zu verleumden und zu verdächtigen. Den Katholiken und Zentrumsleuten (in der letzten Zeit vor allem den Windthorstbündlern) werfen sie immer wieder „Verrat am eigenen Volke" vor. In protestantischen Gegenden ist die Hetze gegen „R o m" und das „national nicht zuverlässige" Zentrum einer ihrer zugkräftigsten Schlager.
Wie ist es aber um ihre nationale Zuverlässigkeit bestellt? Hören wir nur, wie man in unserem Bruderland Deutsch-Oesterreich über Hitler denkt. In der Korrespondenz der Christlich-Sozialen Nachrichtenzentrale in Wien lesen wir:
„Die Haltung, welche di« Nationalsozialisten gegenüber den Deutschen in Südtirol eingenommen haben, hat in allen national fühlenden Kreisen maßlose Erbitterung hervorgerufen. Die Tatsache aber, daß Nationalsozialisten m Uniform vor kurzem vor dem italienischen Siegesdenkmal in Bozen einen Kranz niedergelegt haben, hat dem Faß ben Boden ausgeschlagen. So niederträchtig hat sich, seitdem Rasfl den Sondwirt Andreas Hofer verraten hat, noch kein Deutscher an seinem Volk vergangen. Wenn das deutsche Volk noch ein Fünkchen Ehrgefühl im Leib« hätte, dann würde esHitlermitsei- ner Verräterband« mit Schimpf und Schande aus dem Lande jagen. Triumphierend verkündet die in Bozen erscheinende Faschistenzeitung „Provincia di Sol* zana" aus der Feder des Faschfftenab geordneten Tiarra- tana: „Vir dürfen nicht vergessen, daß Hitler der erste Mann war, der offen die Unverletzbarkeit der Brenner- Grenze zugunsten Italiens anerkannte."
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Der „Bayerische Kurier Nr. 4 vom 4. 1. 1932 weist darauf hm, daß der kaum glaubliche Ausruf „Südtirol verrecke!" kürzlich von nationalsozialistischen Studenten In einer Südtiroler Versammlung m Innsbruck getan worden fft. Ein sich darauf beziehendes Dementi des „Völkischen Beobachters" verstummte, als Tiroler Blätter einen Zeugen beweis für die Richtigkeit dieser Unerhörtheit anboten.
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Katholische Jungmannschaft, wenn dich nationalsozialistische Hetzer wieder beleidigen, dann weffe sie auf diese Handlungsweise der Nazi hin. Diese „nationalen" Phrasendrescher und Heilschreier haben kein Recht, über die katholische Jungmannschaft, die überall an der Front und im Kampf steht, zu urteilen.
Cs ist doch die katholische Jugend, die an den westlichen Grenzen die Heimat gegen die fremden Einflüsse hält. Katholische Jugend hat die Leiden der Be-
3m freiwilligen Arbeitsdienst.
Köln — so ruft der Eisenbahnschaffner. Man nimmt sein Gepäck und klettert vergnügt aus bem Wagen. Draußen stehen Menschen und bieten Zimmer an. Wie schön fft es ba, wenn man weiß, baß man nach bem Kolpingshaus gehen kann, wo man so gut aufgehoben ist, wie baheim. Eine Nacht und einen halben Tag blieben wir in Köln, bann geht es ber neuen Heimat zu. Ab Frauenmarkt fahren wir nach dem % Stunden entfernt liegenden Sensberg.
Beim Aussteigen stellen wir fest, daß wir mitten im Bergischen Land sind. Wälder und Höhen entbieten uns den Willkommengruß. Auf Schusters Rappen geht der Weg nun weiter. Je näher wir bem Ziel nicken, neugierig, wie es wohl in bem „Windfriedheim" aussehen mag, und was wohl alles für Menschenrassen dort im „Arbeitsdienst" vertreten sind.
Nach ungefähr 20 Minuten Marsch leuchtet uns ein Schild entgegen: Zum Windfriedsheim. Also los, dem Ziel entgegen. Zuerst sehen wir den Birkerhof, wo die Umschulung junger Städter zur Landwirtschaft stattfindet. Gern hätte ich mir die Sache gleich angesehen. Doch mein Begleiter meint, da kämen wir schon noch hin.
Der Weg geht durch Wald talabwärts, und plötzlich sicht der Wanderer tief unten im Tal einige Häuser.
Unwillkürlich finge ich: Und wenn wir im Sturme dem Ziel uns genaht. — Die Freude ist groß, denn neue Verantwortung und neue Aufgaben, die den Einsatz aller Kraft fordern, warten auf uns. Schon das Gefühl, nicht immer beim Arbeitsamt antreten zu müssen, läßt mich froh werden.
Nun sind wir auch schon am Ziel. Gleich am Eingang steht die Kapelle und die Küche. Dann kommt der Aufenthaltsraum und noch einige Räume mehr. Zur linken Hand stehen einige Bauten, die als Ställe ufro. Verwendung finden.
Einige Schritte weiter steht ber Erfrischungsraum, der auch gleichzeitig Speise- und Versammlungsraum ist. Wenn bie Wände erzählen könnten, würbe sicherlich viel Jntereffantes zu hören fein, benn in biefem Raume, wo geistige, leibliche und humorvolle Arbeit geleistet wird, kommt manches ans Tageslicht.
Wir gehen geradeaus weiter und kommen zu dem sogenannten Kinderheim. (Das soll jedoch nicht heißen, daß da Kinder drin wären.) In diesem Gebäude sind die meisten „Arbeitsdienstpflichtigen" untergebracht. In jedem Zimmer schlafen 3—7 Mann. Jede Bude trägt ihren besonderen Namen. „Herberge zur kalten Heimat" heißt eine. Die andere trägt den Titel „Rundfunk" (Konzert ist ja da manchmal, auch Tanzstunde wurde schon mal gehalten, — aber wie?? — doch vom Rundfunk merkt der Besucher nichts.) Sogar „Kanalwanzen" heißt eine, doch hat das den mehr oder weniger bekannten „lieblichen" Tieren nichts zu tun. Im obersten Stock haben „die schwarzen Husaren" ihr Standquartier.
Im gleichen Gebäude wohnt auch der Hausvater aus Heiligenstadt und der Leiter des Arbeitsdienstes. Das Zimmer unseres Hausmeisters ist auch gleichzeitig als Krankenzimmer eingerichtet. Zwei Betten stehen jur Verfügung; es kommt schon ab und zu einmal vor, daß ber eine ober anbere ins Bett muß, um sich kurieren zu lassen. Dem „Kinderheim" schräg gegenüber liegt zur rechten Hand bie Schreinerei, bie jeboch mit unserem Arbeitsdienst weiter nichts zu tun hat. Dahinter ladet
der künsttich angelegte See im Sommer freunblidjft zum Kahnfahren ein.
Gegenüber ber Schreinerei befinden sich noch zwei Schlafräume. Der erste trägt den stolzen Namen „Ar- tistenloge". (Die Insassen zeigen ihre Künste gelegentlich dadurch, daß sie bei passender ober unpassender Gelegenheit zum Fenster hinaussteigen.) Direkt daneben liegt das „Wespennest". Wespen sind trotz der molligen Wärme, bie ber Ofen von sich gibt, keine hier), ba« für schläft zur Zeit ein „Kriminalbeamter" drin. Nebenbei bemerkt ist ber auch Arbeitssreiwilliger unb im Nebenberuf Schreiner.
Dahinter ragen bann bie Ruinen ber einstigen stolzen Zinkgrube „Berselius" zum Himmel empor. Mancher Tropfen Schweiß wurde von uns schon vergossen; denn es will schon etwas heißen, Steinblöcke von 20 bis 30 Zentner mit einfachen Mitteln in den Abgrund zu wälzen. Ein wahres Jndianergeheul ertönt jedesmal, wenn so ein Koloß in bie Tiefe rollt.
Nun glaubt jedoch nicht, daß so anftrengenbe, jedoch wohltuende Arbeit oft vorkommt. Z. Zt. fft ber größte Tell damit beschäftigt, Land urbar zu machen. Wenn einer diese Arbeit erst gewöhnt ist, macht es ihm sicher Spaß; es fft doch bedeutend schöner, etwas zu schaffen, als daheim herumzubösen ober biq in ben Hellen Tag hinein zu schlafen.
Um 6J4 UUHr morgens werden die Teilnehmer vom Leiter geweckt. Da heißt es für alle: Sluffte- hen! Nun kann ich mir schon denken, daß der eine oder andere sagt: „Nee, bas kann ich nicht, so was ist nichts für mich." Der soll ruhig nach hier kommen, ba wirb er halb davon überzeugt fein, daß er bas auch fann. Hier stehen alle auf. Trotzdem kann es schon , mal vorkommen, daß, wenn der Himmel bewölkt ist, 1
Aschermittwoch.
Cs wird der Frühling auch in diesem Jahr den Blütenflor aus dunklem Schoß gebären.
Der Quell der Tiefe murmelt schon von Freiheit und von Licht.
die braunen Schollen träumen von dem Gold ber Aehren.
Und neu wird eine Jugend ftühlinghaft erblühn, wird reifen in dem Uebersluß an Hellen Tagen, und trunken werden von dem Saft der Trauben — bie bunte Leuchtfontäne Leben wird erglühn.
Es wird ein Frühling auch in diesem Jahr erblühn. Doch vor ihm ragt ein schattenhaft Gerüst, aus ernsten Pfeilern schwer gestemmt, und strenge Zeichen seht ihr hoch gehißt:
Der Frühling ist nur Bild, das Licht ist nur ein Schein, die Jugend ist nur Waste, — damit das Schicksal sich erfüllt.
Angstvoll in enger Brust pocht euer Herz, verzweifelt hämmernd wider einen übermächt'gen Feind.
Nehmt nur dies Pochen ernst---!
Hört ihr, wie tobesbang die Seele in euch weint?
Rudolf Rättersdorf.
fatzungszeit ertragen und ist nicht mürbe geworden, Windthorstbiindler sind es, bie sich im Saa r« gebiet in Massen organisiert haben, um ben deutschen Reichsgedanken hochzuhalfen, katholische Männer sind in die Bresche gesprungen, als nach dem jämmerlichen Zusammenbruch ber alten Führung bas Deutsche Reich in größter Gefahr roar. Und da kommen jetzt wieder Leute, bie nur reden können, und nichts getan haben, Leute, die immer in der Etappe lagen und natürlich, weil sie nicht mitanpacken, alles besser können, und beschimpfen uns und unser« Führer.
W i r sollen unser Volk verraten haben unb erst beweisen, daß wir „national" sind? Wir fragen, welche deutsche Partei hat auf Land- und Vollste ile, bie gegen ihren Willen durch die Friedensdiktate unter bie Herrschaft fremder Staaten tarnen, freiwillig verzichtet. Keine! Hitler, bem großen Führer ber Nationalsozialisten, blieb es vorbehalten, deutsche Brüder um eines zweifelhaften Vorteils (für feine Partei) willen aufzugeben! Das ist „Verrat am eigenen Volke."
„Hitler, der Retter ist da".
Die „literarischen" MachwerkeberGottlofen- bemegung werden neuerdings an Widerwärtigkeit durch nationalsozialistische Erzeugnisse beinahe übertroffen. In seiner Weihnachtsnummer brachte das nationalsozialistische „Blatt der Niedersachsen" unter ber Ueberschrift „Stille Nacht!" folgerten Vers:
Stille Nacht, heilige Nacht, Reichstag schläft, Brüning wacht. Notverordnungen aus lächelndem Mund, Deutscher, trag ruhig,
Du wirst noch gesund, Hitler, der Retter, ist da.
Dieses „Gedicht" ist eine unerhörte Verspottung eines alten Weihnachtsliedes. Ein Beitrag zur Frage Na- tionalfozialismus und Christentum.
Briefkasten der Schriftteikung.
An „Die Nationalsozialisten von Neuhof". Wir freuen uns, daß Ihr Bericht über die letzte Versammlung des Windthorstbundes in Neuhof im Ton auffallend anständig gehalten war. Dos ist immerhin ein Fortschritt. Daß Sie einen objektiven Bericht über die Versammlung schreiben, wollen wir von Ihnen nicht verlangen, da es Ihre Kraft übersteigen würde. Sie sollten aber nicht zu dick auftragen. Die Versammlung verlief doch so, daß Sie in Erinnerung an Ihre „Heldentaten" im Gesellenhaus zu Fulda versuchten, die Redner durch die törichtsten Zwischenrufe wiederum systematisch zu stören. Als Ihnen das unerwarteter Weise nicht glückte, wurden Sie immer kleinlauter. Während beim ersten „Heil Hitler" noch 20 junge Leute einstimmten, waren Sie beim zweiten Versuch mit Ihren 10 Mann von ber „Nationalsozialistischen Ortsgruppe Neuhof" ganz allein. Und als Kaplan Schmand fein klares und überzeugendes Schlußwort sprach, ba brach stürmischer Beifall tos, so daß Sie ganz „geschlagen" weggingen. Die Versammlung hat gezeigt, daß Sie trotz Ihrer lauten und intensiven Propaganda Neuhof noch lange nicht „erobert" haben. Sie halten bie Neuhöfer aber auch wirklich für sehr dumm, wenn Sie glauben, sie würden sich jemals der Führung ber Neuhöfer Wortführer des Nationalsozialis- mus anvertrauen. Mehr möchten wir für heute nicht sagen. ______________
es auch „donnern" muß. Doch das ist eine große Seltenheit.
Um 6% Uhr fft eine hl. Messe. Anschließend gemeinsames Kaffeetrinken. Dann muß jeder sein Bett selbst machen. (Das gehört auch zum späteren Beruf als Familienvater dazu.) Einige haben sich sogar im Kartoffelschäler! schon gute Fertigkeiten erworben. (Wenn die einmal heiraten, kann man ber jungen Frau nur von Herzen gratulieren.)
Punkt 8 Uhr wirb angetreten zur Arbeit. Meistens ziehen wir mit Gesang los. Mittagspause ist von 12 bis 1 Uhr. Von 1—5 Uhr wird roieber gearbeitet. Wenn wir zurückkommen, gibt es gleich Kaffee. Danach ist Freizeit bis 7J4 Uhr. Diese soll von jebem bazu benutzt werben, um feine Sachen in Ordnung zu bringen. Um 7% Uhr gibt es Abendbrot, bas Abenbgebet beten wir danach gemeinsam in ber Kapelle. An jedem Abend fft immer etwas los. Um VAX Uhr ist Schlafen- gehen. Alles muß bann im Bett fein. Jeden Abend ist Kontrolle, Ordnung muß fein in einer Gemeinschaft von über 30 jungen Leuten. Das fehen auch alle ein.
Allen Teilnehmern gefällt es sehr gut hier, unb denjenigen, bie im Februar wieder abrücken müssen, tut es heute schon sehr leib. Ich glaube, sie biteben alle noch gerne hier; denn jetzt taucht die bange Frage wieder auf: „Was nun, wenn die Zeit vorbei ist?" Meines Erachtens müßte der Staat dafür sorgen, daß diejenigen, bie ihre freiwillige Arbeitsdienstpflicht hinter sich haben, bei ber Wiebereingliederung in ben Produktionsprozeß bevorzugt werden. Denn alle können nicht umfatteln unb Landwirt zu werden. Das Bauerntum muß im Blut liegen.
Bernhard KsiensiL