Einzelbild herunterladen
 

»uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 33

Srfdjeint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild"' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift'. :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Mittwoch, 10. Februar 1932.

I Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48Pfg.> ohne Zustellg. ^eS*^Eel,e: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0^20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Poftfcheckk Frankfurt a. M 4051

laljtfl. 59.

Dr. Brünings Rede vor der Genfer Konferenz. Die Forderungen Deutschlands in der Abrüstungsfrage. Dem Kanzler wird ein grotzer red­nerischer Erfolg zuteil. Er erweist sich erneut als der Manu, der in der Lage ist, auf einer internationalen Konferenz Deutschlands Sache würdig zu vertreten.

Nach der Rede Tardieus, die wir gestern schon mitteilten, wurde die allgemeine Aussprache au Dienstag vormittag 10 Uhr vertagt.

«

Dr. Brüning empfing Montag nachmittag den englischen Außenminister Sir John Simon, mit dem er ungefähr eine e i n st ü n d i g e U n ter- r t d u n g hatte. Im Anschluß daran machten der französische Vertreter Kriegsminister Tardieu und der italienische Außenminister ©ranbi dem deut­schen Kanzler einen Besuch. Am Dienstag morgen spracht Brüning in Plenum.

Diele Meilen von dem Schauplatz der Ereig­nisse entfernt, waren wir soeben durch das Wun­dermittel des Rundfunks doch Ohrenzeuge der großes Rede, die unter der Spannung der ganzen zivilisierten Welt Reichskanzler Dr. Brü­ning vor der Abrüstungskonferenz in Genf hielt. Alle die Tausende, die am Rundfunk saßen, ver­nahmen, wie Präsident Henderson den deutschen Kanzler als Redner aufrief und wie die Vertreter aller Nationen der Erde und das hundertköpfige Auditorium im Genfer Reformationsfaal in m i>- n u ten langen Beifallsstürmen den Sprecher der deutschen Nation begrüßt hat. Jeder Mensch, der auch nur in etwa sich bemüht! hat, durch das Phrasengewirr hindurch, das Heute die Gehirne vielfach umnebelt, zum Kern der Pro­blemei, die an das Wort Abrüstung geknüpft find, vorzustoßen, hat sicher mit uns ein Gefühl der Erschütterung verspürt, als der Kanzler in tiefem Ernst darauf hinwies, was es für die menschliche Kultur bedeuten würde, wenn am Ende der Genfer Bemühungen um Verständigung und Friede kein ausreichendes Ergebnis stehen würde. Dann wird ein großes Weh über die Menschheit kommen. Das werden jetzt wohl alle Staatsmänner einsehen und hoffentlich den M u t zu entsprechen­den Taten finden.

Die Rede des Kanzlers.

Wenn ich kn dieser feierlichen Stunde bas Wort ergreife,, so bin ich mir bewußt, daß diese Z u - s a m m e n k u n f t, zu der sich die Regierungen der ganzen Welt vereinigt haben, einen Vor- gang von einzigartiger und w e l t h i st o. rischer Bedeutung darftellt. Seit langem hat das deutsche Volk diese Stunde ersehnt. Die Stunde für die Beratungen ist gut gewählt, denn die Auffassungen der Menschheit sind ohne Zweifel in der Abrüstungsfrage in einem b e- deutsamen Wandel zu fortschrittli­chen Formen zwischenstaatlichen Den­kens und Handelns begriffen. Was bisher als Wunschbild die Geister beschäftigte, soll sich auf dieser Konferenz zum verpflichtenden Gebot des Völkerrechts verdichten. Es soll nicht mehr jedes Land allein über seine Rüstungen bestimmen, son­dern die Art und der Umfang der Rüstungen sol­len durch gemRnsame Verhandlungen aller Staa­ten vereinbarlich festgelegt werden. Das F r le­ben s w e r k, das mit der Gründung des Völ­kerbundes eingeleitet werden sollte und durch spä­tere Akte, wie den Kellogg-Pakt, weitergeführt wurde, ruft gebieterisch nach der Durchführung des Abrüstungsgedankens als seiner nturgemäßen Vollendung und Krönung. Die vereinbarliche freiwillige Abrüstung al­ler Staaten ist neben der großzügigen und ent­schlossenen Liquidation der wirtschaftlichen und fi­nanziellen Restbestände des Krieges, die den Wie­deraufbau der Welt stören, der

wichtigste und dringendste Schritt, um die von der Katastrophe des Weltkrieges in ihrem Le­bensnerv betroffene Menschheit zu neuer Ge­sundung und neuem Auftrieb empor zu führen.

Unfern, Frontkämpfern von ehedem steht das Bild des Weltkrieges in seiner gan­zen Furchtbarkeit unverwischt und unver­lierbar vor Augen. Wenn es unserer Gene­ration, der Generation der alten Kombattanten, nicht gelingt, ein Bollwerk gegen die Wiederkehr solcher Katastrophen wieder aufzurichten, wie soll es dann den Nachfahren gelingen, die die Verban­nung des Krieges wohl als Idee, aber nicht so le­bendig wie wir, als unbedingt notwendige Pflicht empfinden werden.

Der Wille Zum wahren Frieden, ein Gebot der christlichen Gesinnung, das ist das erste und wesentlichste Erfordernis, das jeder, der an dieser Konferenz beteiligten Staaken milbrin- gen muß. wenn sie einen Erfolg haben soll.

Nicht einzelnen Personen, nicht Gruppen pazifisti­scher Träumer, sondern die organisierten Millio­nen der Kirchen und der Arbeiterschaft und immer bedeutungsvoll der Frauen, haben ihren Willen und Verlangen klar zum Ausdruck gebracht. Ich bin überzeugt, daß sich jede der hier vertre­tenen Regierung wünscht, daß es chr gelingen möchte, die Lebensziele ihres Landes auf friedli­chem Wege zu erreichen.

Daher muß der neue Wille zum Frieden die Verfolgung eines Interesses auf kriegerischem Wege als Mittel der nationalen Politik be­wußt außer Rechnung stellen.

Jeder muß mit ehrlichem Gewissen prüfen, wie weit er außer der Vereinssatzung einer allgemei­nen gleichen Abrüstung oller Staaten seine Rü­

stungen auf das im Völkerbundspakt vorgesehene Minimum nur irgendwie senken kann. Daher be­grüßen wir die Gesinnungen, die vor einiger Zeit der leitende Staatsmann einer anderen Großmacht kräftig zum Ausdruck gebracht hat, indem er sich bereit erklärte, fein Land bis auf 10 000 Gewehre abzurüsten, vorausgesetzt, daß keine andere Na­tion mehr behält.

Daher fort mit dem Streben, die ei­genen militärischen Kräfte so hoch wie möglich zu halten und die des Nachbarn so viel wie möglich herab- z u d r ü ck e n. Fort mit dem Bestreben, sich selbst mit dieser oder jener Interpretation der Bestim­mungen die Möglichkeit militärischer Kraftentfal­tung zu sichern und sie anderen zu nehmen. Das ist, der Weg, um die Konferenz zum Scheitern zu bringen und den heute bestehenden unseligen Zu­stand des bewaffneten, auf ungleichen Rechten aus- gebauten Friedens aufrecht zu erhalten. Denn

die Abrüstung ist unbedingt notwendig, um neben anderen bedeutsamen Schritten die un­erträgliche Spannung zu beseitigen, die heute

Reichskanzler Dr. Prüning.

lähmend auf der ganzen welk lastet und die Weltwirtschaft von Tag zu Tag mehr zum Stillstand bringt.

Bei allen internationalen Bemühungen um Be­seitigung der Not der Gegenwart ist immer und immer wieder in elementarster Form die Erkennt­nis zum Ausdruck gekommen, daß die erste Voraus­setzung für das Gelingen solcher Bemühungen die Wiederherstellung des Vertrauens ist. Nun, hier haben wir die Gelegenheit, diese Voraussetzung ganz zu erfüllen. Die Abrüstung kann eine Realität schassen, die wie nichts anderes, das Vertrauen der Völker zu stärken vermag.

Die wirtschaftliche Not der welk beruht im gegenwärtigen Zeitpunkt zweifellos in erster Linie auf den politischen Zahlungen und den übertriebenen ungleichen Rüstungen.

Die Welt darf nicht daran zugrunde gehen, daß die Staatsmänner den Mut nicht finden können, Er­kenntnis, die sie in ihrem Innern tragen, entschlos­sen und einmütig zu verwirklichen. Die Staats­männer, die hier versammelt sind, tragen zudem eine besondere Verantwortung auf Grund einer der Welt gegebenen feierlichen Zusage.

Ich erinnere daran, daß die Sieger des Welt­krieges bei Vorlegung ihrer Friedensbedingungen ausdrücklich

als ihr gemeinsames und feierliches Bekennt­nis niedergelegt haben, daß die allgemeine Herabsetzung und allseitige Res^ränkung der Rüstungen eines der besten Mittel zur Sriegs- verhütung fei,

und daher als eine der ersten Aufgaben des Völker­bundes betrachtet werden müsse. Hierin ist klar zum Ausdruck gebracht, daß die allgemeine Sicherheit die staatliche Sicherheit nicht gefährdet, sondern fördert, es also mit der Verantwortung der Staatsmänner für die Sicherheit des eigenen Landes nicht im Wider- pruch steht, sondern im Gegenteil gerade in ihrem Sinne liegt. Läßt nicht überdies der Artikel 8 des Völkerbundspaktes, der die allgemeine Ab­rüstung vorschreibt und der für die vor uns lie­gende Aufgabe das Grundgesetz bildet, die Mög­lichkeit offen, bei der Bestimmung des Mindest­maßes der Rüstungen jedes einzelnen Staates den Erfordernissen der nationalen Sicherheit Rechnung zu tragen.

Es gibt nichts, was uns, die wir hier ver- ammelt sind, von der V e r a n t w o r t u n g für das Nichtzu stände kommen einer klaren Lösung für die allgemeine Abrüstung f r e i f p r »= chen könnte. Große und kleine Staaten tragen diese Verantwortung in gleichem Maße; denn das Grundprinzip des Völkerbundes ist die Gleichbe­rechtigung.

Das deutsche Reich, für dessen Politik ich die Verantwortung trage, ist b e r e i t, an der oor- liegxnden Aufgabe mit ganzer Seele mit­zuarbeiten und nach seinen Kräften alles Ver­antwortbare zu tun, um im Sinne der Verkünder des Abrüstungsgedankens und entsprechend ihren im Völkerbundspakt niedergelegten Grundsätzen diese Konferenz zu einem Abschluß zu sichren, l

Die deutsche Reichsregierung und das deutsche Volk fordern nach der eigenen Entwaffnung die allgemeine Abrüstung.

Deutschland hat daraus einen rechtlichen und moraßischen Anspruch, der von niemand in Zweifel gezogen werden kann. Das deutsche Volk erwartet von dieser Konferenz die Lösung des Problems der allgemeinen Ab­rüstung auf dem Boden d er Gleich­berechtigung und auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle Volker. Unsere Delegierten sind beauftragt, mit aller Ener­gie die Verwirklichung dieses Zieles zu betreiben.

Die deutsche Delegation kann aber zum Au s- gan gs p unkt der praktischen Arbeit en nicht den Konventionsentwurf neh­men, den die vorbereitende Kommission, ausgear­beitet hat. Dieser Entwurf entspricht nicht den Er­fordernissen des Tages. Er ist lückenhaft und schweigt über wesentliche Punkte. Die deutsche Delegation behält sich vor, zu gegebener Zeit d er K o nf erenz Vorschläge zu unter­breiten, die diesem Mangel abhelfen. Ziel dieser Vorschläge wird sein, der allgemeinen und wirksamen Herabsetzung der Rüstungen praktische Wege zu eröffnen und dem in den neuen Ver» tragswerken, besonders dem Kellogg-Pakt, geäch­teten Krieg durch

Verbot und besondere Beschränkung aller der Waffen Rechnung zu tragen, die vorzugsweise dem Angriff dienen.

Rur solche Maßnahmen, die Kern und Wesen der Rüstungen treffen, können die letzten Ziele dieser Konferenz verwirklichen, allen Staaten ge­recht die gleiche Sicherheit zu gewähren.

Es wird keinen Vorschlag geben, zu dessen ob­jektiver Prüfung die deutsche Delegation nicht bereit wäre. Ihre Zustimmung und Unterstützung ist allen Anregungen .sicher, die tatsächlich ohne weiteren Verzug einen wirklichen Abrüstungsesfett erzielen. Sobald diese grundlegende Voraussetzung gesichert ist. bleiben Methode und Wege der Ver- wirMchung .dieses Zieles der Erörterung und Vereinbarung offen. Dorsch läge all erdi ngs, die eher einer Erhöhung als einer Verwirklichung des von den Völkern erwarteten Konferenz-Zieles dienen können, würden auf d i e fach liehe Kr i - ti k u n b h en pflichtmäßigen Widerst anb aller derer gefaßt sein müssen, die der Weltöffentlichkeit und den kom­menden Generationen gegenüber fidj für ein gerechtes und lebensfähiges Ergebnis dieser Beratungen verant­wort l i ch s ü h l e n.

Ich mache keinen Hehl daraus, baß, wie . übri­gens auch sonst in der Welt, in Deutschland nach manchen bitteren Erfahrungen vielfach ein starker Zweifel gegenüber den Gen- ferArbeiten laut geworden ist. Aber es liegt nur an der positiven Arbeit dieser Konferenz, solche Zweifel zu widerlegen. Sie werden verschwin­den, wenn hier das große Ziel erreicht wird. Nirgends in der Welt würde das mit tie­ferer Befriedigung begrüßt werden als in Deutsch, land; denn das deutsche Volk trägt in sei­nem Herzen aufrichtigen Fried enswil- l e n.- Es ist sich klar darüber, daß nur durch eine allgemeine nachhaltige gleichzeitige, ohne Vorbe­halte und Hintergedanken beschlossene und durch­geführte Abrüstung die lähmende Spannung in der Welt beseitigt und die Menschheit wieder mit Ver­trauen und Unternehmungslust erfüllt werden kann.

Ich erkläre hiermit, daß Deutschland als ein vollberechtigtes und voll verpflichtetes Mitglied des Völkerbundes und dieser hohen Versammlung mit allem Rachdruckeintreten wird sür eine allgemeine Abrüstung, für eine Abrüstung unmißverständlicher Art. wie sie im Völkerbundspakt für alle Mitglieder in gleicher Weise vorgesehen ist, eine allgemeine Ab­rüstung, die für alle Völker nach de ns ei­ben Grundsätzen durchgesührl wird und für alle Volker ein gleiches Maß von Sicherheit schafft.

Deutschland wird im Geiste weitgehender Soli­darität und Verständigungsbereitschaft, aber auch mit unbeirrbarer Energie diesem Ziele zustreben.

Die Aufnahme.

Das Ereignis des Tages in Genf."

CNB. Genf, 9. Febr. (Eig. Meldg.). Die Rede des Reichskanzlers auf der Abrüstungskonfe­renz ist das Ereignis des heutigen Tages. Sie hat einen außerordentlich starken Eindruck in allen Kreisen der Konferenz gemacht. Die Rede wurde von den großen Nachrichtenbüros teilweise in vollem Wortlaut ausgenommen und nach dem Ausland« übermittelt. Der Andrang des Publikums war heute besonders stark. Schon lange vor Beginn der Sitzung waren die P u b l i k u ms- tribünen überfüllt. Die Reihen der Dele. gierten, die sich während der Ueberfetzung der Rede Eidsons etwas gelichtet hatten, füllten sich rasch, als in den Wandelgängen Glockenzeichen ankün­digten, daß der deutsche Vertreter das Wort er­greifen werde. Die Tribünen der Diplomatie und Fachberater der Delegationen waren brechend voll.

Kurz vor 11 Uhr flammten an der Stirnseite des Saales die Lichter auf und der Präsident verkün­dete unter lautloser Stille der ganzen Versamm­lung:Das Wort hat Dr. Brüning, Kanzler des Deutschen Reiches." Als Dr. Brüning, der in der ersten Reihe feinen Platz hat, der Rednertribüne zuschritt, wurde er von der Versammlung durch Händeklatschen stürmisch begrüßt.

Es dauerte einige Minuten, bis der Kanzler das Wort ergreifen konnte. Allgemein wurde be« merkt, daß bis jetzt keinem Redner von der Versammlung eine solche Ovation dargebracht wurde wie dem deutschen Kanzler. Wiederholt wurden die Ausführungen Dr. Brünings von der Versammlung. mit starkem Beifall unterbro­chen, insbesondere an den Stellen, wo er mit Würde und Entschlossenheit die Aufgabe der Ab­rüstungskonferenz umriß und er sich gegen die Verfälschung des Abrüstungsgedankens wandte.

Die Konferenz stand unter dem Eindruck einer wahrhaft staatsmännischen Rede, die für diese Versammlung ihre besondere Bedeutung dadurch erhielt, daß sie von dem deutschen Regie­rungschef gehalten wurde. Man empfand es als einen Vorzug, daß hier tein Abrüstungsfach­mann im technischen Sinne sprach, fondern der für die Politik seines Landes verantwortliche Staats­mann, dem es auf die größten Gesichtspunkte ankam. Die Rede brachte ebenso entschieden die Notwendigkeit einer internalionalen Zusammenarbeit, wie der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung und gleicher Sicherheit zum Ausdruck. Die Formulierung war in allen Punkten so auf das Genfer Milieu abgestimmt, daß der Eindruck einer kleinlichen Polemik oder einer für den innerpolAv- schen Gebrauch bestimmten Propagandarede, als welche gewisse Genfer Kreise die Ausführungen des Reichskanzlers.vorher ankündigen zu können glaubten, von vornherein ausgeschlossen war. Die Ablehnung der französischen Vorschläge wurde mit hinreichender Deutlichkeit aus­gesprochen und auch von der Versammlung empfunden, wenn sie sich auch von den Takt­losigkeiten fernhielt, wie sie Tardieu bei sei­nem gestrigen Auftreten zur Unterstützung feiner Sache für notwendig gehalten hatte. Der allge­mein günstige Eindruck der Rede löste sich am Schluß in überaus herzlichen Beifall a u s.

Brasilien will sich an den Abrüskungsarbeiken beteiligen.

mib. Genf, 9. Febr. (Eig. Meld.) Nach der Red« der deutschen Reichskanzlers gab der Delegierte Brasi­liens, Soares, eine kurze Erklärung ab, in der er die Bereitwilligkeit seines Landes, sich an den Abrüstungs­arbeiten zu beteiligen, zum Ausdruck brachte. Der italie­nische Außenminister Grandi wird Mittwoch den italienisch en Sta n b p u n 11 barlegen.

Die Lage in Memel.

Nach in Königsberg eingetroffenen Mel­dungen soll es sich bei der (Ernennung des Memeler Landesdirektoriums Tolischus um eine provisori­sche Maßnahmen handeln. Eine andere Regelung würde, wie es in den Meldungen heißt, im Gegen­satz zu den Erklärungen der litauischen Regierung stehen. Diese erkläre ferner, daß die Neubildung des Direktoriums auf demokratischer Grundlage erfolgen werde, wie das im Memel-Statut be­stimmt worden fei.

Die deutsche Role.

Die deutsche Note an den Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond, in der die deutsche Regierung die Aufmerksamkeit des Dölker- bundsrates auf den von der litauischen Regierung begangenen Rechtsbruch im Memelgebiet gelenkt hat, hat folgenden Wortlaut:

Herr Generalsekretär!

Am 6. Februar hat der Gouverneur des Memel­gebiets, Herr Merkys, den Präsidenten des dortigen Direktoriums, Herrn Böttcher, für abgesetzt erklärt, ver­haften und in eine Kaserne überführen lassen. An seiner Stelle ist der Landesrat Tolischus mit der einstweiligen Führung der Geschäfte des Präsidenten des Direktoriums beauftragt worden. Nach den der deutschen Regierung vorliegenden Nachrichten sind diese Maßnahmen von dem Gouverneur im Einverständnis mit der litauischen Regierung getroffen worden und sollen allem Anschein nach noch ähnliche weitere Maßnahmen im Gefolge haben.

Das Vorgehen der litauischen Regierung stellt eine flagrante Verletzung des Memelstatutes dar, das in Ar­tikel 17 Abf. 2 bestimmt, daß der Präsident so lange im Amte bleibt, als er das Vertrauen des Landtages hat. Diese Voraussetzung liegt hinsichtlich des Präsidenten Böttcher vor, da ihm noch durch Beschluß des Landtages vom 25. Januar das Vertrauen ausgesprochen wor­den ist.

Gemäß Artikel 17 Abf. 1 der Memelkonoention lenkt die deutsche Regierung die Aufmerksamkeit des Völker-^ bundsrates auf'den von der. litauischen Regierung be­gangenen Rechtsbrucki. Sie weist darauf hin, daß Ver­letzungen der dem Memelqebiet zustehenden Autonomie schon wiederholt die Anrufung des Völkerbundsrates er­forderlich gemacht hätten. Durch die oben erwähnten Vorgänge ist eine besonders ernste Lage entstan­den. ?id> bitte deshalb, die Angelegenheit als dringend auf die Tagesordnung des Rates zu setzen und den Rat zu einer sofortigen Sitzung zusammenzuberufen.

Genehmigen Sie, Herr Generalsekretär, den Aus­druck meiner vorzüglichsten Hochachtung.

(gez.) Dr. B r ü n i n g. I

Wer borgt Japan?

rotb. Paris. 9. Febr. (Eig Meld.). Der kam- m u n i st i s ch e Abgeordnete Cachin hat an den ranzösischen Finanzminister ein Schreiben gerich­tet, in dem er um Aufklärung ersucht über Gerüchte von einer japanischen Regierungsanleihe in Frank­reich. Er fragt, ob es richtig fei, daß diese An- eihe sich auf mehrere 100 Millionen Franken be­laufen solle.